BUNDjugend Blog - ... und jetzt noch die Erde retten!

Zehn Tipps für nachhaltigen Aktivismus

23. Juni 2017

So engagierst du dich dauerhaft und mit Freude

 

1. Lerne, mit Frust umzugehen:

Ich mache mir immer wieder klar, dass Aktivismus, Frustrationen und Anfeindungen mit sich bringt. Oft gibt es mächtige Gegner*innen und Menschen können sich von Forderungen angegriffen fühlen, sind resigniert oder haben ganz anderes im Kopf. Das gehört dazu.

2. Feiere Erfolge und thematisiere, was gut läuft:

Ich nehme mir gemeinsam mit der Gruppe, mit der ich zusammenarbeite, oder allein, zum Feiern und Genießen von Erfolgen und guten Erfahrungen doppelt so viel Zeit wie zum Besprechen von Niederlagen oder zum Verarbeiten von Ärger.

3. Definiere die Rolle von Aktivismus in deinem Leben:

Ich werde mir immer wieder über andere Ziele in meinem Leben klar und stimme sie mit meinen aktivistischen Aktivitäten ab. Ich setze mir immer wieder Zeitpunkte, nicht nur an Silvester, wo ich mich zurücklehne und darüber nachdenke: Wo will ich eigentlich in meinem Leben noch hin? Was will ich in meinem Leben noch machen und wenn ich es jetzt nicht tue – wann dann? Ich frage mich auch immer wieder: Wo ist mein Engagement Flucht oder Ersatz für Dinge, die ich eigentlich tun müsste oder wollte?

4. Ziehe Grenzen:

Ich mache mir immer wieder klar, wie viel ich zeitlich und nach meiner Kraft leisten kann und will. Bei der Projektplanung oder bei Vereinbarungen mit anderen denke ich vorher darüber nach, wie viel Zeit ich für das Projekt oder für mein Amt aufbringen kann und will. Ich pflege auch den Mut zur Lücke. Ich ermuntere meine Kolleg*innen ebenfalls dazu, ihre Grenzen zu kommunizieren und schaffe eine Atmosphäre, in der Nein-Sagen ohne schlechtes Gewissen möglich ist. In der Gruppe Verantwortlichkeiten und Aufgaben teilen, damit Einzelne nicht unersetzbar werden und der persönlich erlebte Druck zu hoch wird. Dazu gehört es auch, gemeinsam Verantwortungen und Arbeitsbereiche zu definieren: Was bedeutet es Vorstand/Aktive*r/Projektleiter*in usw. zu sein? Welche Verantwortung hat die einzelne Person oder jeweilige Gruppe und besteht hier Konsens?

5. Fokussiere dich auf deine Kompetenzen:

Ich konzentriere mich auf die Arbeit, die mir liegt. Das heißt, welche Aufgaben meinen Fähigkeiten und Interessen entsprechen. Nur wenn ich zu einem großen Teil gemäß meinen eigenen Fähigkeiten eingesetzt werde, kann ich auf Dauer gute und erfüllende Arbeit machen.

6. Plane auch mal pragmatisch:

Ich und die Gruppe, mit der ich arbeite, setzen uns realistische Ziele. Ich und meine Gruppe brauchen auch Projekte mit Erfolgsaussichten. Gemeinsam reflektieren, worin überhaupt Erfolg und Leistung für die Gruppe bestehen, und inwiefern vielleicht auch Muster der Beschleunigung und des immer mehr reproduziert werden. Weniger ist mehr: lieber Schwerpunkte auf einzelne gute und sinnvolle Aktionen, Veranstaltungen und Kampagnen als den Anspruch, überall dabei sein zu wollen. So bleibt auch Zeit für Reflexion (z.B. Klausursitzung) und Fortbildung!

7. Gib‘ acht auf dein Team:

Ich mache mir die Kraft, die mir eine Gruppe geben kann, immer wieder klar und nutze sie. Ich kümmere mich um die Gruppe, mit der ich arbeite und höre meinen Kolleg*innen gut zu. Ich achte darauf, dass vor wichtigen Entscheidungen jede*r reihum nach seiner*ihrer Meinung und nach seinen*ihren Ideen gefragt wird. Falls ich jemand bin, der Projekte lieber alleine bearbeitet, halte ich Kontakt.

8. Unterstütze ein Netzwerk:

Wenn andere mehr Erfolg haben als ich, werde ich nicht neidisch. Wenn ich mehr Erfolg habe als andere mache ich nicht neidisch, sondern ermutige die anderen und feiere mit ihnen. Ich teile meine Kompetenzen und nehme mir auch die Zeit, anderen etwas beizubringen.

9. Mach‘ mal Pause:

Wenn ich merke, es geht nicht mehr, mache ich mir das bewusst und prüfe die Möglichkeiten, für eine Weile auszusteigen. Denn falls ich zu spät Pause mache, kippt mein Elan und ich will gar nicht mehr. Pausen erleichtern das Dranbleiben und sorgen für frischen Wind. Außerdem liegt in manchen Lebensphasen dein Fokus einfach woanders. Und das ist völlig okay!

10. Kümmere dich um alle deine Bedürfnisse:

Ich brauche Dinge, die mir mehr am Herzen liegen als Aktivismus und einen emotionalen Ausgleich zu meiner Arbeit schaffen. In unserer Arbeit bläst uns oft ein kalter Wind entgegen. Es muss etwas geben, das mich wärmt. Der emotionale Ausgleich kann eine Beziehung sein oder die Familie. Ich nehme mir aber auch Zeit für musische, sinnliche Dinge, für Malen oder Musik, für Reisen oder gute Bücher, für die Beobachtung eines Vogels oder das Riechen an einer Blume, für das Lachen der Kinder und für die Liebe. Das sorgt für neue Ideen und schafft Freiheit im Kopf.

 

Speichere diesen Artikel oder druck in dir aus und lege in vorne zu deinen Unterlagen. Eine regelmäßige Lektüre kann dir helfen, immer wieder zu hinterfragen, wo du gerade stehst, was du brauchst und wie du weiter vorankommst. Es empfiehlt sich auch, sich als Gruppe bei einem gemütlichen Treffen diesen Fragen zu widmen.

Und welche Tipps möchtest du weitergeben? Teile sie in den Kommentaren!

 

Autor*innen:

Thomas Giesinger ist Psychologe, arbeitet seit vielen Jahren als Ehrenamtskoordinator beim BUND BW und hat ursprünglich für sich selber „10 Gebote gegen Ökofrust“ verfasst.

Katharina Ebinger studiert Politik und Verwaltung, ist im Landesvorstand des BUND BW und beschäftigt sich mit Organisationsformen und -kulturen für die Große Transformation.

(Alle Fotos CC0, über https://stocksnap.io/)


YFoEE Netzwerktreffen 2017 in Österreich

4. Mai 2017

Vom 23.- 26. März 2017 fand das jährliche Netzwerktreffen von Young Friends of the Earth Europe (YFoEE) statt. Nachdem wir im vergangenen Jahr auf Malta waren, empfing uns Global 2000 in diesem Jahr in Kritzendorf bei Wien, Österreich. Über 40 Teilnehmende aus etwa 20 verschiedenen europäischen Ländern nutzten die Gelegenheit sich gegenseitig kennenzulernen, von eigenen, lokalen Projekten zu berichten, das Netzwerk zu erforschen und mit einem großen Haufen Aktivist*innen viel Spaß zu haben.

Zu Beginn der vier Tage war es wichtig, eine allgemeine Verstehensgrundlage über die Strukturen von YFoEE und Beziehungen zu Friends of the Earth Europe (FoEE) zu schaffen, um von dort startend in tiefere Diskussionen einzusteigen.

Ein wichtiger Fokus lag hierbei auf unserem sogenannten „Mapping“-Projekt. Mithilfe dieses Projekts möchte die Steering Group gemeinsam mit der YFoEE Koordinatorin eine Übersicht aller lokalen Gruppen und deren Kampagnen erstellen. Damit erhoffen wir uns eine bessere Vernetzung der Gruppen mit ähnlichen Schwerpunkten, sowie eine bessere Kommunikation zwischen der europäischen und lokalen Ebene. Da dies bereits seit zwei Jahren ein sich stetig weiterentwickelnder Prozess ist, wurde die Frage nach der Nutzung dieser Daten für das Netzwerk diskutiert und konkretisiert.

Das YFoEE Manifesto

Des Weiteren hat die Arbeitsgruppe „Equality and Interculturalism“ im Februar das YFoEE Manifesto fertiggestellt, sodass wir dieses nach einer hitzigen und wichtigen Diskussion als Netzwerk verabschieden konnten. Das Manifesto ist bereits in vier Sprachen übersetzt worden und wir hoffen, dass noch viele weitere Gruppen die Inhalte übersetzen werden. Außerdem sollen die kurzen Definitionen dazu anregen, über die Implementierung dieser in den lokalen Gruppen nachzudenken und diese zu diskutieren.

Die neue Steering Group

Teil jedes AGM (Annual Gathering Meeting) ist die Wahl der Steering Group (SG). Die Steering Group ist der entscheidungstragende Part des Netzwerks. Gemeinsam tragen wir die Verantwortung für die Entwicklung von YFoEE, versuchen den Überblick der einzelnen Arbeitsfelder zu behalten und sind Ansprechpersonen für die Arbeitsgruppen und lokalen Organisationen. Die neue Steering Group setzt sich wie folgt zusammen: Dora (Kroatien), Afrida (UK), Myrte (Zypern), Raums (Dänemark), Isabella (Schottland), Sara (Norwegen), Lawrence (Niederlande) und ich, Toril (Deutschland). Neben den vollständigen Mitgliedern gibt es außerdem Alternates: Maria (Spanien), Iosef (Zypern) und Ana (Kroatien).

Rückblickend war es ein sehr gelungenes und erfolgreiches Treffen mit viel neuem Input als auch wichtiger Kritik und Diskussion.

Ein paar weitere Impressionen könnt ihr auf Youtube, Facebook, Flickr, Instagram (@YoungFoEE) und auf der Website bekommen. Außerdem ist erst in der vergangenen Woche der aktuelle YFoEE Newsletter erschienen.

Als nächstes steht nun das YFoEE Summer Camp in den Niederlanden an. Ihr könnt euch hier bereits dafür anmelden.

Wenn ihr noch weitere Fragen oder Anregungen habt, meldet euch gerne bei mir: tmeyer-gerlt@posteo.de

In diesem Sinne, bis bald!
Toril

P.S.: YFoEE feiert dieses Jahr den 10. Geburtstag. Dieses kurze Video ist nur ein Teil des Geburtstagspaketes. Lasst euch überraschen!


Es geht auch ohne – Mein Fazit zum Klimafasten

27. April 2017

Plötzlich war die Fastenzeit vorbei, viel schneller als gedacht. Hinter mir liegen 6 Wochen der Sensibilisierung, des Erkennens und Erschreckens, des Experimentierens und des Entdeckens.

Ich habe viele neue Ideen für meinen Lebensstil und viele unnötige Müllquellen gestrichen. Eine dieser Ideen möchte ich gleich mit euch teilen, falls ihr sie nicht schon längst kennt: Zahnpasta. Dazu mischt ihr 2-3 TL Kokosöl, 8 TL Xylit, 8 TL Natron und ein ätherisches Öl eurer Wahl. So spart man einiges an Verpackung und kann schon morgens beim Zähneputzen etwas Gutes tun.

Nachdem ich also erfolgreich meinen Alltag entmüllt hatte und auch ein paar Freunde zum Klimafasten anstiftete, nahm ich an einem Jugendprogramm in Israel teil. Dort wurde meine Euphorie etwas gebremst, als ich ansehen musste, wie viel Verpackung, aber auch gutes Essen dort weggeworfen wurde. Immerhin lebte meine Gastfamilie nachhaltiger und auch die Stadt, in der ich wohnte, war sehr auf Umweltschutz bedacht.

Alles in allem kann ich das Klimafasten also jedem empfehlen, nicht nur zur Fastenzeit ;)

Reduce – reuse – recycle!

Eure Susi


Jedes Ende ist auch ein neuer Anfang

18. April 2017

Die Fastenzeit ist zu Ende – und somit auch die Zeit meines kleinen Selbstexperimentes weitestgehend auf Plastikverpackungen zu verzichten. Gleichzeitig ist dieses Ende aber auch der Startpunkt, meine neu gewonnen Erfahrungen und Einsichten in meinen Alltag einzubauen und beizubehalten. Schließlich ist es mein Ziel gewesen, einen für mich alltagstauglichen Weg zu finden, weniger Plastikmüll zu verursachen.

Meine Bemühungen in diesen 40 Tagen haben soweit gut funktioniert und ich bin insgesamt sehr zufrieden mit dem, was ich erreicht und dazugelernt habe. Von Beginn an war ich sehr positiv gestimmt, da mich bereits mein erster plastikfreier Einkauf total begeistert und motiviert hat. Es ist zwar nur ein recht kleiner Einkauf Jasmin_Fotogewesen, aber alleine die Auswirkungen, die mir dabei klar geworden sind, waren eindrucksvoll. Bei einer kleinen Auswahl an Produkten (siehe Foto) habe ich bereits sechs Plastikverpackungen eingespart. Nüsse, Haferflocken und Leinsamen habe ich im Unverpackt-Laden in eigene Gläser abgefüllt. Obst und Kräuter habe ich frisch und lose eingekauft.

Als sehr interessante und positive Erfahrung empfand ich es außerdem, wie Verkäufer*innen an der Kasse reagiert haben, wenn ich lose Lebensmittel auf das Band gelegt habe. Kein einziges Mal bin ich belehrt worden, dass ich Tüten verwenden solle. Stattdessen hatte ich eher das Gefühl, dass mein Vorgehen auf Verständnis gestoßen ist und gutgeheißen wurde. Auch Supermark-Mitarbeiter*innen können die täglichen Müllmassen nicht mehr sehen.

Allerdings gab es auch die ein oder anderen Dinge, die ich in der Zeit als recht schwierig empfunden habe. Dazu zählt zum einen, dass das Plastik-Fasten viel Zeit in Anspruch genommen hat. Einkäufe müssen geplant werden, neue Läden und neue Produkte ausfindig gemacht werden. Zum anderen hatte ich dadurch auch höhere Kosten als sonst. Des Weiteren empfanden es manche Freunde, mit denen ich einkaufen war, als kompliziert und zu aufwendig.

Abschließend kann ich diese Erfahrung aber nur jedem empfehlen. Das Experiment hat Spaß gemacht, mich auf schlechte Gewohnheiten aufmerksam gemacht und meinen Horizont erweitert.

Jasmin


Zero Waste – 6 Wochen ohne Müll (oder eher 4)

16. April 2017

Die ersten zwei Drittel meines Fastenexperiments liefen super. Durch den Original-Unverpackt-Laden und einen Markt bei mir um die Ecke fiel es mir ziemlich leicht verpackungsfrei zu leben. Nach dieser Zeit wurde ich jedoch immer inkonsequenter bezüglich meiner Fasten-Challenge:

Ich war von meinem FÖJ aus auf Seminarfahrt im Wendland und hatte dort, da wir voll verpflegt wurden, keinen Einfluss auf die Menge des entstehenden Verpackungsmülls. Jedoch kamen alle Lebensmittel von einem kleinen Bioladen in der Region und waren entweder überhaupt nicht oder in Papier und Glas verpackt. Von da an ging es aber wirklich steil bergab. Direkt im Anschluss fuhr ich nach Thüringen, um mit meinen über ganz Deutschland verteilten Freunden Urlaub zu machen. Da die nächste Einkaufsmöglichkeit eine 45-minütige Autofahrt entfernt liegt, haben wir uns vorher mit Lebensmitteln eingedeckt. Genauer gesagt haben zwei, leider überhaupt gar nicht umweltbewusste Freundinnen für alle eingekauft. Es grenzte schon an ein Wunder, dass sie für mich vegane Alternativen zu ihrem Essen mitgebracht haben.

Danach fuhr ich noch für eine knappe Woche nach Hause zu meinen Eltern. Meine Eltern achten mittlerweile sehr darauf zumindest Plastikverpackungen zu vermeiden. Aber völlig müllfrei habe ich auch in dieser Woche nicht gelebt.

In Berlin ist der Zero-Waste-lifestyle wesentlich einfacher zu gestalten als in der Kleinstadt. Wenn man sich in einem Umfeld befindet, das solch ein Vorhaben unterstützt, wie das bei mir in Berlin der Fall war, dann ist es wesentlich leichter dieses umzusetzen. Natürlich will ich hier nicht anderen die Schuld am Scheitern meiner Fasten-Challenge im letzten Drittel zuschieben, ich hätte mich definitiv mehr anstrengen und mehr Zeit investieren können.

Abschließend glaube ich, dass gerade das Scheitern am Ende der Grund dafür ist, dass ich mich in den letzten beiden Wochen nach der Fastenzeit sehr viel bewusster und weniger Abfall produzierender ernährt habe als davor.

Liebe Grüße

Lena


Finales Klimafasten in Salzburg

14. April 2017

 

BIld Klimafasten Salzburg Christian Unger

Die letzten Tage habe ich bei meiner Freundin in Salzburg verbracht. Meine Freundin achtet von Natur aus sehr auf ihre Ernährung und auch was und wo sie einkauft. Gänzlich auf Plastikfolie zu verzichten war aber auch für sie etwas Neues.

Eine neu aufgekommene Herausforderung war die Tatsache dass ja auch die Beutel im Mülleimer aus Plastik sind. Diese wollte ich ebenfalls nicht mehr kaufen, also musste eine Alternative her. Ich habe nun Beutel aus Altpapier. Das Problem ist, dass diese Schwierigkeiten mit Feuchtigkeit haben. Das führt dazu, dass wir feuchte Abfälle nun vorher zum Trocknen ans Fensterbrett oder den Balkon legen.

Ich fand die Zeit sehr angenehm und habe viel Neues gelernt. Gänzlich auf Plastikfolie zu verzichten ist schwierig, aber ich denke ich werde geschätzte gute 80 % meines neuen Konsumverhaltens auch zukünftig so beibehalten können. Es war ein sehr schönes Experiment und regte in vielerlei Hinsicht zum Nachdenken an!

Servus, macht‘s guad!

Chris

Die bisherigen Blog-Beiträge von Christ könnt ihr hier und hier nachlesen.


Anderthalb Monate Askese

11. April 2017

Seit dem 1. März 2017 faste und verzichte ich unter anderem auf die folgenden Sachen:

  • tierische Produkte (Milch, Käse, Joghurt etc. – Fleisch esse ich ohnehin nicht)
  • Alkohol
  • Zucker und Süßigkeiten
  • Kaffee / Koffein
  • Thein
  • Palmöl, Palmfett

DSC_0131_Bild2Mindestens einmal im Jahr führe ich einen Verzichtsmonat durch, um mich im Verzicht zu üben. Ich möchte mir ins Bewusstsein rufen, wie gut es mir angesichts des hiesigen Überflusses, günstiger Preise für teure Güter und meiner Privilegien doch eigentlich geht. Und: Zu wissen, dass ich verzichten kann, gibt mir Energie und Selbstbewusstsein.

Die erste Woche war hart, doch dann ging es steil bergauf. Meine Müdigkeitstiefs wurden weniger krass, meine „Morgenmuffeligkeit“ nahm ein wenig ab, mein Schlaf wurde tiefer (mein Kind bekommt mich dennoch weiterhin wach). Inzwischen habe ich sogar „natürliche Hochphasen“, in denen ich mich so fühle, als hätte ich gerade einen grünen Tee oder gar einen Kaffee getrunken. Vor allem in der Uni, in der Bib und auf der Arbeit motiviert mich dieser Schub ungemein.

Urlaub ohne Kaffee und Kuchen?

Nachdem ich vor zwei Wochen, als ich zusammen mit Partnerin und Kind im Urlaub war und sehr viele Menschen um mich herum Kaffee und Kuchen genossen haben, plötzlichen Heißhunger und -durst auf eben genau diese Köstlichkeiten hatte, war ich umso mehr von der Notwendigkeit überzeugt, bis zum Ende der Fastenzeit durchzuhalten, um auch diese Phase zu überstehen und um mit einem guten und reinen Gefühl ins Mitte April beginnende Sommersemester zu starten.

Am 14. April hat meine Tante Geburtstag, die nicht nur sehr guten Kuchen backt, sondern obendrein leckeren Kaffee macht. Dieses Ereignis wird mein Tag des Fastenbrechens, worauf ich mich schon sehr freue.

Askese statt Konsum

Abstinenz, Verzicht und Askese sind in meinen Augen und für mich Wege, um mich zurückzubesinnen auf das Wesentliche im Leben; um mich zu lösen von all dem Überfluss und von all den Begehren, denen ich anhafte; um mir nicht nur bewusst zu werden, dass es auch „ohne“ geht, sondern um darüber hinaus dieses „Ohne“ gut und geil und großartig zu finden und es zu zelebrieren.

Denn auch wenn der Konsum von Luxus- und Genussmitteln wie Alkohol, Kaffee, Fleisch & Co. für viele von uns Alltag und selbstverständlich geworden ist darf uns dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass für die allermeisten Menschen auf diesem Planeten diese wertvollen Produkte, Rohstoffe und Güter nicht nur alles andere als selbstverständlich (sondern eben Luxus und Genuss) sind, sondern auch, dass sie auf Ausbeutung basieren. Was meint ihr, warum Kaffee oder Fleisch so (zu!) günstig sind? Weil Bäuer*innen und Produzent*innen schlecht bezahlt werden! Weil Tiere und Natur wie Dreck behandelt werden! Weil die wirklichen Kosten inklusive der ökologischen Folgen nicht im Preis enthalten sind!

Ich werde bald sechs Wochen auf sämtliche dieser und weitere wertvollen Güter verzichtet haben, um mir diesem Missverhältnis bewusst zu werden, mein Konsumverhalten stetig anzupassen und um mir mehr denn je meine Privilegien vor Augen zu halten.

Ich werde bald sechs Wochen auf alle tierischen Produkte verzichtet und mich vegan ernährt haben, da dies nicht nur meiner Gesundheit zugutekommt, sondern auch der Umwelt. Denn natürlich ist ein veganer Ernährungs-, Kleidungs- und Lebensstil ökologisch nachhaltiger als einer, der Fleisch, Käse, Leder und mehr beinhaltet. Hätten alle Menschen den Umweltverbrauch eines Deutschen, wären 2,5 Erden zur Bedarfsdeckung nötig.

Dies sollte uns zu denken geben – und zeigt darüber hinaus, dass wir alle zusammen ganz individuell sehr wohl etwas tun können, um die globale Klimaerwärmung zumindest zu verlangsamen. Darüber hinaus braucht es aber natürlich ein Umdenken und -handeln in der Politik, Wirtschaft und Industrie. Um genau dies zu erreichen reicht es natürlich nicht aus, einfach nur zu verzichten, seinen ökologischen Fußabdruck zu verringern und beispielsweise bestimmte Konzerne wie Nestlé, Coca-Cola, Danone, Unilever, Kraft, Müller & Co. zu boykottieren. Mindestens genauso wichtig – wenn nicht noch wichtiger – ist der politische Protest und Widerstand, der mit Verzicht, Boykott und – nicht zu vergessen! – Bildungsarbeit einhergehen muss.

Wer am Ende, nachdem eine Naturkatastrophe nach der anderen folgt und ganze Länder überschwemmt sein werden, die Zeche zahlt ist klar – die anderen; jene an und unter der Armutsgrenze, diejenigen, die vor allem produzieren anstatt konsumieren und einfach alle Menschen, die am wenigsten dafür können. Ist es nicht so?

Doch solange wir einen ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltigen und gesunden Weg finden, können wir die Welt noch retten. Ähnliches sagten auch Die Ärzte:

„Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist, 

es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.“

enis*


Es heißt: Endspurt für die Fastenzeit!

10. April 2017

Gini_Klimafasten_blogHallo zusammen,

die Fastenzeit, in welcher ich auf Fleischprodukte verzichten möchte, nährt sich dem Ende. Ich sehe die eine verbleibende Woche immer noch optimistisch und probiere weiterhin tolle, neue vegetarische Rezepte aus. Zu Hause kochte ich zum Beispiel leckere Pellkartoffeln mit selbstgemachtem Kräuterquark und meinen selbstgezogenen Sprossen. Ja, ich habe in der Fastenzeit die Sprossen noch mehr lieben gelernt als zuvor. Ich habe verschiedenste Verwendung für sie in den Gerichten gefunden und esse sie nicht mehr nur auf meinem Frischkäsebrot. Das liegt auch daran, dass ich unterschiedliche Sprossensorten ausprobiere. Auch machen sich die Sprossen super in einer chinesischen Nudelpfanne mit Sojasoße und buntem Gemüse.
Apropos asiatisches Essen… Mein Opa hatte vor ein paar Wochen Geburtstag und wie bei ihm üblich, gingen wir zu dem neu eröffneten japanischen Restaurant um die Ecke. Ich konnte leider nicht widerstehen, ein Gemüse-Nudelgericht mit zartem Hähnchenfleisch und Erdnuss-Kokos-Soße zu bestellen. Im Nachhinein plagte mich total das schlechte Gewissen. So habe ich gelernt, dass es auch mal okay ist, Ausnahmen zu machen, aber habe mich im gleichen Moment auch irgendwie angelogen. Man sieht, dass das Klimafasten ein Experiment sein soll, anstatt hundertprozentig darauf zu verzichten. Gerade als junger Mensch sollte man sich viel ausprobieren und dabei lernen, dass auch zum Beispiel wenig Fleisch essen besser ist, als es jeden Tag zu tun. Das habe ich auf jeden Fall schon vorher gewusst, aber schien es mir eine Herausforderung, mal komplett darauf zu verzichten.

Klimafasten im Alltag
Meinen Freund konnte ich nur halb von dem Fasten-Vorhaben überzeugen. Er murrte, als es nun schon viermal hintereinander vegetarisches/veganes Essen gab. Aber immerhin hat er nicht jeden Tag ein Fleischgericht gebraucht! Früher war für ihn ein Essen ohne Fleisch kein richtiges Essen, aber als ich nun mit ihm zusammen richtig schmackhafte Gemüsegerichte und Aufläufe kochte, fand selbst er, dass dazu gar kein Fleisch passte. Leider musste ich wieder ein paar Ausnahmen machen, da ich bei seiner Familie nun mal nicht wirklich darauf verzichten kann. Es wäre in meinen Augen total unhöflich und merkwürdig, wenn ich das Essen ablehnen würde.

Es fiel mir hingegen super leicht, auf Wurst und Fisch zu verzichten, da ich es auch vor der Fastenzeit nicht mochte. Ich bin weiterhin am Ausprobieren von verschiedensten vegetarischen/veganen Gerichten und finde in der BUNDjugend Bundesgeschäftsstelle immer mehr Anregungen, da wir zum Mittag immer vegan und biologisch kochen (gestern kochten Pascal und ich frisches Bärlauchpesto mit Nudeln, hmmm).

Wie mein persönliches Fazit zur Klimafastenzeit ist und was ich in der letzten Fastenwoche so gekocht habe, werdet ihr im nächsten Blogbeitrag von mir lesen.

Eure Gini


Motivation wo bist du?

6. April 2017

In den letzten Wochen lief, bis vor ein paar Tagen, alles gut. Kein Plastikkonsum, relativ schnelle Eingewöhnung und Alternativenfindung. Ich bekam zu meinem Geburtstag viel Schokolade, natürlich alles in Plastik eingepackt. Eine Woche nach meinem Geburtstag war es dann so weit. Diese lag tagelang vor meiner Nase, geradezu aufgetürmt. Und ihr müsst wissen, ich liebe Schokolade!

Pascal_Schokokuchen

Nach dem Stress der letzten Wochen und keine Lust mehr auf das Experiment, weil es mich nervte andauernd etwas nicht essen zu können, öffnete ich eine Pralinenpackung voller zart dahinschmelzender Schoki. Das Doofe daran war nur, dass ich alles einfach runterschlang und gar nicht genug kriegen konnte und im Endeffekt gar nicht gemerkt habe, dass ich meine leckere Lieblingssüßigkeit gegessen habe, also alles umsonst.

Ein schlechtes Gewissen kam dann noch dazu, als ich es in meinem Plastik-Update-Video auf YouTube davon erzählte, das war irgendwie peinlich. Niemand fand es schlimm, aber mein Ehrgeiz war etwas angeknackt. Unzufrieden also mit diesem Geschehnis nahm ich seitdem mein Experiment lockerer, immerhin ist es ein Versuch und viel weniger Plastik habe ich auch verbraucht, darauf kann ich sehr stolz sein!

Immer noch bekomme ich viel Zuspruch von Freunden, Familie und Zuschauern auf YouTube. Einige konnte ich selbst schon dazu anregen mehr auf ihren Plastikkonsum zu achten und ihr Leben bewusster zu gestalten.

In meinem Kopf schwebt seit einigen Tagen immer mehr der Gedanke „Was ist, wenn das Experiment vorbei ist? Werde ich gleich viel Plastik konsumieren oder weniger?“. Ich habe mich in den letzten Wochen noch intensiver mit dem Thema Plastik und dessen Vor-und Nachteilen auseinandergesetzt und bin mir sehr sicher, dass ich weiterhin sehr darauf achten werde wenig Plastik um mich herum zu haben. Da ich in der nächsten Zeit umziehen werde, werde ich diese Gelegenheit gleich nutzen, um mein Umfeld von unnötigem Plastik zu befreien und wenn nötig auf Alternativen zurückgreifen.

Ich bin gespannt, welche Erfahrungen ich in den nächsten acht Tagen haben werde und melde mich hier auf dem BUNDjugend Blog zum Ende des #Klimafasten wieder.

Bis dahin und bleibt plastikfrei,

Pascal


Klimafasten – Es gibt viel zu entdecken

5. April 2017

Hallöle!

Nun ist schon der erste Fastenmonat vorbei und ich habe viel Neues ausprobiert und entdeckt. Ich merke, dass ich noch nicht 100%ig nach dem Zero-Waste-Prinzip Leben kann. Da es aber keine einmalige Aktion für sechs Wochen, sondern Teil meines Alltags werden soll, habe ich kein großes Problem damit. Ich habe mich daran gewöhnt, meinen Jutebeutel zum Bäcker mitzubringen und, wenn ich es nicht aus lauter Stress vergesse, mein Essen zum Mitnehmen ohne unnötige Plastiktüten zu bestellen. In größeren Städten wird natürlich jeder verpackungsfreie Laden besucht. In meiner Kleinstadt besteht da noch einiges an Potenzial. Warum wird denn das „gute Bio-Obst/Gemüse“ dreifach in Plastik eingepackt? Zwar brauche ich kaum Frischhaltefolie, dennoch werde ich bald Bienenwachstücher selbst machen, vielleicht als inspirierendes Geschenk.

Beschenkt wurde auch icsusih vor kurzem, als ein Packet der BUNDjugend bei mir ankam. Darin waren Socken eines Berliner Labels, veganes Duschbad, Aufstrich und noch eine Bambuszahnbürste. Socken – super bequem und schön bunt. Duschbad – zwar in einer Plastikverpackung, aber die kann ich ja wiederverwenden. Aufstrich – natürlich lecker. Bambuszahnbürste – wird verschenkt, mal sehen, wen ich damit zu einem nachhaltigeren Lebensstil motiviere. Mit meinem zuvor gekauften, festen Shampoo bin ich übrigens sehr zufrieden. Für die letzten zwei Wochen nehme ich mir vor, noch ein paar nützliche Alltagshelfer selbst zu basteln.

Bis dahin, lebt weiterhin die Veränderung!

Eure Susi