Auch mich hat es letztes Wochenende zum McPlanet in Berlin getrieben. Genau wie Laura am Anfang etwas verwirrt – allerdings mit einem etwas längeren Fahrtweg – habe ich viele interessante Dinge gelernt und tolle Leute wiedergetroffen.
An dieser Stelle möchte ich euch aber vom Workshop „Farming money“ von Daniel Pentzlin (BUND-AK Internationale Umweltpolitik) erzählen. Ausführlich, aber nicht langweilig, schrittweise und sehr verständlich hat er uns viele Zusammenhänge über die doch sehr komplexen Verbindungen zwischen Finanzkrisen und steigenden Nahrungsmittelpreisen durch Spekulationen vermittelt. Ich versuche an dieser Stelle einfach mal, euch einen groben Überblick zu geben, da das Thema sehr spannend und auch wichtig ist:
Daniel begann mit den sogenannten Terminmärkten, die an sich bereits seit zirka 8.000 Jahre existieren. Am Beispiel Weizen erklärt heißt das, dass der Bauer bereits vor der Aussaat eine Sicherheit über seinen möglichen Ertrag braucht, um gegebenenfalls bei der Bank Gelder für Maschinen, Arbeitskräfte, etc. zu erhalten. Eine längerfristige Planung machen die ständig schwankenden Rohstoffpreise jedoch nicht gerade leicht.
Deshalb einigen sich Bauer (als Beispiel für den Produzenten) und Müller (onsument) bereits im Vorhinein über Liefermenge, Lieferdatum und den Preis. Natürlich bedeutet das, wenn der aktuelle Weltmarktpreis von Weizen am Tag der Lieferung niedriger (bzw. höher) ist, machen der Bauer (bzw. Müller) eventuell Verluste. Diese nehmen beide jedoch für die Planungssicherheit in Kauf.
Dabei handelt es sich um einen Terminkontrakt, der über die Börse gehandelt wird. Die Möglichkeit der Zusammenkunft ermöglichen die Terminmärkte.
Was aber, wenn der Müller nicht so früh bereits einen Vertrag über seinen möglichen Verbrauch in der Zukunft abschließen will? An der Stelle kommen das erste Mal Zwischenhändler ins Spiel: Sie machen zunächst einen Vertrag mit den Bauern und später zu gegebenen Zeitpunkt mit den Müllern. Das Ergebnis muss bei der Rohstoffmenge allerdings Null ergeben, weil – wie Daniel so schön festgestellt hat – der Zwischenhändler am Ende nicht mit einer Tonne Weizen dastehen möchte, da sein Unternehmen nur als Briefkastenfirma in einem Steuerparadies existiert…
Damit der Weizen aber nicht über die ganze Welt verschifft wird, verkauft der Bauer einfach seinen Weizen an den nahegelegensten Müller und erhalt von seinem Zwischenhändler die entsprechende Preisdifferenz bzw. muss diese zahlen, sofern er ihn teurer verkauft hat.
Jetzt sind wir bei der ersten Person angelangt, die nicht mehr investiert, sondern spekuliert. Das heißt, das Geld wird nicht mehr für etwas verwendet (z.B. eine Tonne Weizen), sondern der Zwischenhändler spekuliert nur auf einen steigenden Weizenpreis, damit er seinen Vertrag mit dem Bauern teurer an den Müller weitergeben kann. Dabei hat er allerdings kein Interesse, die entsprechende Weizenmenge auch tatsächlich zu erhalten.
Das ist aber noch lange nicht das Ende der Geschichte. Es gibt nämlich auch die Spekulanten, die sich gar nicht mehr mit beiden Seiten beschäftigen: Sie machen z.B. einen Vertrag mit den Bauern im Vorhinein zu einem gewissen Preis. Sollte der aktuelle Weltmarktpreis für Weizen allerdings am Verkaufstag gestiegen sein und der Bauer hat seien Preis zu einem höheren Wert verauft, muss er diese Differenz an den Spekulanten zahlen. Dadurch kann der Bauer zwar keinen höheren Preis für seinen Weizen erzielen, aber es gibt ihm – unabhängig vom Weltmarktpreis – die Sicherheit, einen bestimmten Gewinn zu erzielen.
Und was hat das mit der Finanzkrise zu tun? Als die Finanzkrise 2007 begann, hatten sehr, sehr viele Menschen ihr Geld in unsichere Immobilien/Aktien/etc. investiert. Als die Preise allerdings drastisch gesunken sind, haben diese ihr Geld daraufhin abgezogen und in den relativ sicheren Rohstoffmarkt gesteckt, als auf steigende Rohstoffpreise gesetzt.
Der Bauer hat nun die Wahl, entweder seinen Weizen sofort für einen gewissen Wert zu verkaufen oder aber den Weizen zu lagern und einen höheren Preis über einen Terminkontrakt mit einem Zwischenhändler zu erhalten (sofern die Lagerkosten nicht die Preisdifferenz überschreiten), da der Preis im Rahmen eines Terminkonktraktes immer ein wenig höher als der aktuelle Weltmarktpreis liegt.
Eine dritte Möglichkeit ist, dass Bauer und Müller einen Kompromiss finden – auch dieser liegt höher als der aktuelle Weltmarktpreis. Dies passiert aber nicht nur beim Bauern nebenan, sondern in riesigen Mengen, wodurch die Rohstoffpreise weltweit dratisch ansteigen.
Die Folge ist, dass ärmere Menschen, die bereits einen Großteil ihres Geldes für Nahrungsmittel ausgeben, hungern müssen, da sie sich bereits die kleinste Steigerung in den Preisen nicht mehr leisten können, geschweige denn Geld für weitere Kosten oder Schulbildung übrig haben. Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation wurden 2007/2008 mehr als 100 Milionen zusätzliche Menschen in die Armut gedrängt.
Da die Finanzkrise auf dem Rohstoffmarkt ein großes Ungleichgewicht durch massenhaft, unwissende Spekulanten ausgelöst hat, haben die meisten Anleger auch nur Verluste erlitten. Die Banken sind die Einzigen, die in dieser Situation gewinnen: Wenn es nämlich zu einem Terminkontrakt kommt, müssen beide Parteien Sicherheiten hinterlegen und eine Abgabe für die Verwaltung der Gelder leisten. Bei so vielen Anlegern lohnt sich das Geschäft schnell und die Bank kann mit die Sicherheiten sogar weiter investieren, sofern diese abgesichert sind…
An dieser Stelle nochmal ein großes Dankeschön an Daniel für den interessanten Workshop und dass du dein Wissen über dieses doch sehr komplexe Thema mit uns geteilt hast, ohne jemanden auf der Strecke zu lassen
Last but not least möchte ich euch auch auf die Studie „Farming money“ von Friends of the Earth Europe aufmerksam machen für alle, die sich nochmal ausführlich damit beschäftigt, wie europäische Banken von Nahrungsmittelspekulationen profitieren und welche Auswirkungen das hat. Ihr findet die Studie hier.
Es grüßt (inzwischen wieder aus Kiel), eure Marika
PS: Ich muss gestehen, auf der Rückfahr trotz Verspätungen mal endlich von der Deutschen Bahn positiv überrascht worden zu sein…


Die Woche hier in Brüssel begann mit viel Schwung – und einer Skype-Konferenz mit Susi Hammel, die gerade in Durban vor Ort ist. Die erste Woche der Verhandlungen sind bereits vorbei und bei den vielen (fossilen und nur scheinbar funktionierenden) Windmühlen, gegen die die Jugendvertreter und die NGOs anzukämpfen haben kann auch ihnen Energie und Schwung nicht schaden. Der globale Klimaaktionstag letzten Samstag hat seinen Beitrag dazu geleistet, nun gilt es, die Agenda für die nächste Woche zu setzen um möglichst sichtbare Zeichen zu setzen, dass die Verhandlungen noch nicht vorbei sind, und es sich lohnt, weiter für effektiven Klimaschutz zu kämpfen.
Da können wir hier in Brüssel natürlich nicht stillsitzen und zuschauen! So waren weitere zentrale Punkte unseres Programms heute ein Aktionstraining, bei dem wir uns mit Methoden beschäftigt haben, wie man gewaltfrei seine Meinung zeigen kann. Mit der Gewaltfreiheit ist das natürlich so eine Sache: was in Deutschland normal ist, kann in Belgien dazu führen, dass die Polizei einen nicht gerade mit Samthandschuhen anfässt – in Russland bedeutet es vielleicht sogar das Ende der Karriere. Deshalb haben wir gelernt, was die rechtlichen Konsequenzen von Aktionen hier in Brüssel sein können und haben geübt, wie man deeskalierend mit der Polizei sprechen kann.
So sind wir gut ausgerüstet, um am Mittwoch selbst aktiv zu werden: eine Aktion, um unsere Solidarität zu zeigen, mit denen, die dort in Durban verhandeln – unermüdlich, um das am wenigsten Schlechte zu erreichen und so vielleicht Klimawandel unter 2°C zu halten und damit den Menschen, die zumeist keine Stimme haben, eine Chance zu geben.
in Brüssel angekommen – uns steht eine Woche mit politischen Diskussionen, Workshops, Aktionen und Live Skype-Telefonaten mit Aktivisten aus Durban bevor.
uropean Greens (FYEG) an einen Workshop mit David von Friends of the Earth Europe (FoEE) teilgenommen. In einem anschaulichen, doch recht unfairen Quiz („Well, climate change is unfair“) haben wir über Landressourcen in Form von Zeitungspapier gestritten. Der Vortrag endete mit der für die Klimaverhandlungen sehr treffenden Frage „Would you take a bus ride if you knew that you only had 33% chance of survival?“ …
