BUNDjugend Blog - ... und jetzt noch die Erde retten!

Umsonst-Zug in Gießen

11. Oktober 2017

Gegen Überkonsum und Ressourcenverschwendung

Im April 2017 fand die erste Umsonst-Demo in Gießen statt, die nun monatlich geplant ist. Kostenlose Bücher, Kleidung, Küchenutensilien und gerettete Lebensmittel wurden in Einkaufswagen geladen und während des Demo-Zuges kann sich jede*r nehmen, was er will und braucht. Zwischendurch werden immer wieder Reden von engagierten Menschen gehalten, die auf aktuelle Missstände in unserer Gesellschaft hinweisen. Ein zentraler Punkt ist, dass es der Lebensmittelindustrie vor allem um Profitsteigerung geht und nicht darum, gutes Essen für Alle herzustellen. Außerdem wird damit auch ein Zeichen gegen die Verschwendung von Lebensmitteln aber auch anderer Konsumgüter gesetzt.

Die Demo stieß auf reges Interesse und könnte anderen Städten und Regionen als Vorlage dienen. Dieses Potential haben auch einige Menschen in Berlin erkannt und mit der Planung eines Umsonst Zuges begonnen. Dafür werden noch Leute gesucht, die Lust haben, weitere Ideen einzubringen und sich an der Organisation zu beteiligen. Das nächste Vorbereitungstreffen ist am 12.10.2017 in Berlin, in dem Umsonstladen: „System-Fehler“.

 

Weitere Möglichkeiten, zu teilen und zu tauschen und warum das so sinnvoll ist:

 

  • Kleider-Tauschpartys machen richtig Spaß. Allein weil man seine alte Kleidung, die man nicht mehr haben möchte, loswird und gleichzeitig neue, coole Klamotten umsonst bekommt. Und das ganz ohne die profitorientierte Textilindustrie und ihre extrem schlecht bezahlten Arbeiter*innen und die nicht vorhandenen Umweltstandards zu unterstützen.

 

  • Umsonst-Läden sind eine sehr soziale Initiative, wo jede*r vorbeibringen kann, was er*sie nicht mehr haben möchte, und jede*r abholen kann, was er will. Dabei entstehen aufgrund der Wiederverwertung alter Produkte keine zusätzliche Ressourcenverschwendung.

 

  • Eine Give-Box kannst du ganz einfach umsetzen: Stelle einfach eine große Box, z.B. einen Umzugskarton voller Gegenstände, Kleidung und anderen Produkten, die du nicht mehr haben möchtest vor deine Haustür oder in der Schule etc. auf. Dort kann sich dann jede*r, der*die möchte, etwas nehmen. So bekommen all deine aussortierten Sachen ein neues, zweites Leben und Du hast jemandem eine Freude bereitet.

 

  • Mit den Nachbarn zu tauschen ist auch ein sehr effektiver und schöner Weg des Tauschens und Teilens. Dadurch wird nicht nur kein neues Produkt gekauft, sondern es wird auch der soziale Austausch gestärkt, immerhin helft ihr euch gegenseitig und tragt so ihr zu einer Gesellschaft bei, wo das Miteinander großgeschrieben wird.

 

  • Natürlich ist auch spenden ein wichtiger Punkt. Hierbei lohnt es sich, ein bisschen zu recherchieren, welche Organisation/Initiative seriös wirkt und auch, was in der Nähe bleibt. Denn auch in Deutschland gibt es sehr viele Menschen, die auf Kleiderspenden etc. angewiesen sind. Außerdem werden leider zu viele Kleiderspenden nach Afrika missbraucht, sodass es oft vorkommt, dass diese gut gemeinte Spende auf afrikanischen Märkten für Geld verkauft wird, es also gar nicht den Bedürftigen hilft.

 

Du willst noch mehr Ideen, um umweltfreundlicher und sozial gerechter zu leben? Die gibt es in der BUNDjugend-Broschüre „Worauf warten? – Gemeinsam Alternativen leben“. Link: https://www.bundjugend.de/produkt/broschuere-worauf-warten/


Meine Erfahrungen auf dem Camp for [future]

31. August 2017

Foto: Jörg Farys / BUND

Hallo. Ich bin Anna, 16 Jahre alt und mache momentan ein Schülerpraktikum bei der BUNDjugend NRW. Quasi als Auftakt für mein Praktikum habe ich 2 Tage im camp for [future] verbracht und viele neue Erfahrungen gesammelt.
Es war für mich das erste Mal, bei so einer Aktion dabeizusein und kennenzulernen, was es heißt, für seine eigenen Meinungen auf die Straße zu gehen und zu protestieren. Dazugestoßen bin ich am Samstag, kurz vor der Rote-Linie-Aktion. Ich war ziemlich überrascht, wie groß das Camp doch war; es wurde an alles gedacht: es gab sowohl ein eigenes Küchenzelt (in dem leckeres, veganes Essen gekocht wurde :-)), als auch ein eigenes Pressezelt; Projektzelte und eine Art Wohnzimmer, das große Zirkuszelt.

Ziemlich schnell ging es dann auch schon los zur Rote-Linie-Aktion. Ziel dieser Aktion war es, mit möglichst vielen Menschen eine rote Linie um das rheinische Braunkohleabbaugebiet zu bilden, um so ein klares Zeichen des Protestes zu setzen. Mehrere Kamerateams waren vor Ort und natürlich war die Polizeipräsenz auch dort sehr hoch, wie eigentlich die gesamten 2 Tage durchgehend (auch das camp for [future] stand unter polizeilicher Beobachtung: morgens kam das Ordnungsamt vorbei und prüfte die Lage, und auch ein Polizeiwagen war nie weit entfernt). Als die Polizei später bekannt gab, dass über 3.000 Leute an der Aktion beteiligt waren, war die Freude natürlich sehr groß.

Für mich persönlich war es spannend, so viele Menschen mit ähnlichen Überzeugungen zu sehen, die für ihre Meinungen einstehen und an der jetzigen Situation offen etwas kritisieren bzw. nicht akzeptieren wollen: egal ob jung oder alt, es gab auch viele Familien mit kleinen Kindern in roten Klamotten, sogar Hunde mit roten Halstüchern. 🙂

Anschließend ging es wieder zurück in unser Dorf Kerpen-Manheim, um eine Abschlusskundgebung zu hören und den Tag mit einer Art Straßenfest auszuklingen.

Nachdem ich das Dorf Kerpen-Manheim kennengelernt hatte, war ich ehrlich gesagt etwas geschockt. Alles war so ausgestorben und heruntergekommen, weil die Menschen umgesiedelt wurden. Von den ehemalig rund 1.000 dort lebenden Menschen sind noch ca. 15 übrig geblieben. Aber auch diesen noch übrig gebliebenen Menschen werden von RWE die Häuser abgekauft, sodass früher oder später auch Kerpen-Manheim als Braunkohleabbaugebiet genutzt werden kann.

Das wurde auch nochmal deutlich, als ich abends in die Messe in Manheim gegangen bin: außer ein paar Campteilnehmer*innen waren vielleicht 5 bis 6 ältere Leute in der Kirche, sonst niemand. Ein wirklich verlassenes Dorf.

Wenn ich mir vorstelle, dass ich meine Heimat verlassen müsste, damit alles komplett vernichtet werden kann, um Braunkohle abbauen zu können, kann ich gut verstehen, warum es solche Veranstaltungen wie die Rote-Linie-Aktion gibt: die Leute wollen einfach ein Zeichen setzen, dass sie damit nicht einverstanden sind.

Am Sonntag Nachmittag sind wir dann mit einer Gruppe von ca. 30 Leuten mit dem Bus nach Erkelenz gefahren, um auf dem Marktplatz einen Klima-Flashmob zu veranstalten. Wir haben verschiedene Wetterextreme dargestellt, Lieder gesungen, Flyer verteilt usw. Beeindruckend fand ich, dass die Gruppe immer weiter gewachsen ist, es kamen immer mehr Leute, die sich uns angeschlossen haben und mitgemacht haben. Ein Highlight für mich war, als 5 oder 6 pink gekleidete Menschen vorbeikamen, die „Rythms of Resistance“, und mit cooler Musik richtig Stimmung gemacht haben.

Dennoch hatte ich das Gefühl, dass es die meisten Menschen in Erkelenz eher genervt und gestört hat. Vermutlich auch, weil das Thema Klima in den letzten 2 Wochen ziemlich präsent in den Medien war, im Rheinland ja sowieso.

Nach dem Klimaflashmob war die Zeit auf dem camp for [future] für mich auch schon vorbei.

Insgesamt fand ich die 2 Tage sehr interessant: ich habe neue Leute kennengelernt, und generell war es super spannend, mal live zu erleben, was ich in den letzten 2 Wochen ja nur durch die Medien erfahren hatte.

Natürlich muss man dazusagen, dass die BUNDjugend keine illegalen Aktionen wie Sitzblockaden auf Schienen durchgeführt hat, wie es in den Medien ja viel gezeigt wurde. Ehrlich gesagt war ich da auch ziemlich froh drüber, weil es ziemlich gefährlich hätte werden können.

Insgesamt war es ein aufschlussreiches Wochenende, die Stimmung war gut und ich habe viele neue Sachen und Leute kennengelernt. 🙂


Meine Utopie für das Rheinische Revier im Jahr 2050

23. August 2017

 von Janna Aljets

Das Jahr 2050 liegt jetzt noch 33 Jahre vor uns. Das erscheint erstmal als ein kurzer Zeitraum für wirklich große gesellschaftliche Veränderungen. Ich bin selbst vor ungefähr 33 Jahren geboren worden und wenn ich auf den Zeitraum Mitte der 80er blicke, dann wird deutlich, dass große Veränderungen manchmal gar nicht so lange brauchen, wie mensch meint. Mitte der 80er Jahre war es unvorstellbar, dass die Mauer, die Deutschland und symbolisch fast die gesamte Welt geteilt hat, durch den Protest von mutigen Menschen fallen würde und damit auch die Sowjetunion als Unrechtssystem stürzen würde. Es gab trotz schon starker zivilgesellschaftlicher Proteste einen politischen Konsens der Mächtigen zur vermeintlich sichereren Atomkraft und die Forderung nach einem Ausstieg wurde als unrealistisch abgetan. Es war unvorstellbar, dass Männer Männer und Frauen Frauen heiraten dürften.

Ich habe das vorabgeschickt, weil Sie sonst meinen würden, dass meine persönliche Utopie wie ein Hirngespinst klingt, das niemals erreicht werden kann. Ich aber glaube daran, dass wenn wir gemeinsam für eine gerechtere Welt streiten, wir diese auch gestalten können.

Wie also sieht meine Utopie für das Rheinische Revier im Jahr 2050 aus?

Natürlich haben die Tagebaue längst geschlossen und das Gebiet wurde einem umfassenden Renaturierungsprozess unterzogen. Es sind Wälder und Seen zur Naherholung und fruchtbare Ackerflächen für Permakulturgärten entstanden. Die Natur erholt sich langsam von den ökologischen Schäden des Tagebaus. Die Menschen sehen die Natur vor Ort nicht mehr als verwertbare Ressource, sondern als Grundlage allen Lebens an und nehmen nie mehr, als sie brauchen und die Natur zur Erneuerung noch braucht. Die notwendige Energie wird zu 100% aus Wind und Sonne gewonnen und wird von demokratisch verwalteten Betrieben, die den Bürger*innen gehören, produziert. Der Energieverbrauch wurde aber auch stark gedrosselt. Energieintensive Unternehmen wurden geschlossen. Im Rheinischen Revier 2050 haben aber viele Dinge auch keinen Platz mehr: solarbetriebene Apfelsinensaftauspressmaschinen z.B., mit Biodiesel betriebene Kampfjets oder das vermeintliche Menschenrecht auf einen Geländewagen, egal ob Diesel, Hybrid oder Elektro. Der Verkehr ist fast vollständig auf Fahrrad und kostenlosen ÖPNV umgestellt worden. Auf den Autobahnen finden regelmäßig Kunstevents von Künstler*innen aus der ganzen Welt und Spaßwettläufe in Seifenkisten und Rollschuhen statt. Was es dafür gar nicht mehr gibt, ist Werbung: Nirgendwo wird uns erzählt, was wir vermeintlich noch alles kaufen und konsumieren müssten, um angeblich noch glücklichere und bessere Menschen zu werden.

Wovon leben die Menschen jetzt? Die meisten arbeiten nur wenige Stunden am Tag in selbstverwalteten Betrieben, die gesellschaftliche sinnvolle Produkte herstellen oder Dienstleistungen wie Altenpflege oder Kinderbetreuung anbieten. Die Sorgearbeit um Menschen und Natur steht im Mittelpunkt der wirtschaftlichen Aktivitäten, weil sie die Bedürfnisse von Menschen befriedigt. Profitorientierung und Wirtschaftswachstum sind Vokabeln einer vergangenen Ära. Da alle nur noch wenig arbeiten müssen oder auf ein Grundeinkommen zurückgreifen können, haben sie mehr Zeit für ihre Familie, Freund*innen und auch für ehrenamtliches Engagement. Die Frauen und Männer der Region haben sich deshalb zu dezentralen Föderationen zusammengeschlossen, in denen sie selbst über ihre politischen Anliegen entscheiden.

Im Jahr 2050 wird im Rheinischen Revier darüber gelacht, dass hier tatsächlich einmal dreckige Braunkohle verstromt wurde. Ich werde meinen Kindern und Enkelkindern mühevoll erklären müssen, warum wir einmal glaubten, dass das eine gute Idee sei. Der Ausstieg aus der Kohle hat die Menschen vor Ort dazu ermutigt, ganz andere wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Wege zu gehen und ein gerechteres System für alle zu schaffen. Das Revier gilt im Jahr 2050 als internationales Modell- und Vorzeigeprojekt für einen gerechten Strukturwandel.

Falls Zeit; Zitat Brand/Wissen (2017: Seite 171):

„Zukünftiges kann nie als Masterplan entstehen, sondern muss sich im Horizont einer anderen, besseren Welt schrittweise entwickeln. Dazu bedarf es des Mutes im Denken und Handeln, eines gewissen Optimismus und produktiver Selbstkritik, Empathie mit den Schwächeren und Ausgegrenzten und der Bereitschaft der Einmischung und der Kooperation mit progressiven gesellschaftlichen Akteuren.“


Mit Spielzeugautos die Welt retten

26. Juni 2017

Ein Interview mit Katharina Ebinger von der BUNDjugend
von Mojenn Schubert (SeKo STAN)
erschienen in AMNESTY YOUTH NEWS (2/2016)

Zur BUNDjugend kam Katharina über konsumkritische Stadtrundgänge mit WELTbewusst Stuttgart und ein Praktikum in der Landesgeschäftsstelle der BUNDjugend Baden-Württemberg. In BW war sie von 2012 bis 2014 im Landesvorstand der BUNDjugend aktiv und leitet dort seit 2014 die gemeinsame AG Suffizienz von BUND und BUNDjugend mit. Im Bundesvorstand widmet sie sich verstärkt den Themen Postwachstum, Entwicklungspolitik und Klima und Energie. Außerdem arbeitet sie eng mit dem Jugendbündnis Zukunftsenergie zusammen, über das sie seit 2013 mehrmals als Jugenddelegierte an Klimakonferenzen teilnahm. In ihrer restlichen Freizeit bloggt Katharina für die trinationale Initiative RESTART über Atomkraft und Protestkultur.

Was will die BUNDjugend generell bewirken und aus welchen Gründen?
Die Erde retten! …und dabei herausfinden, wie eine gerechte Welt ohne Wachstums- und Konsumzwang aussehen könnte. Wir wollen aber auch für die Vielfalt der Natur begeistern und uns für einen fairen Welthandel, Klimagerechtigkeit und die Agrarwende einsetzen.

Wie sieht deine Arbeit und die Arbeit der BUNDjugend konkret aus?
Ich persönlich verbringe als Teil des momentan siebenköpfigen, gleichberechtigten Bundesvorstands ganz schön viel Zeit in Zügen, beim E-Mails schreiben, in Telefonkonferenzen, auf Tagungen und auf Sitzungen. Als kleiner Organerd finde ich Gremienarbeit auch gar nicht langweilig – in genieße es, mich so auf vielen Ebenen im Verband und in Kooperationen mit meinen Herzensthemen Degrowth (Wie wird eine Gesellschaft unabhängig von Wirtschaftswachstum und wie können alle Menschen ein gutes Leben führen?), Diversität (Wie können wir Privilegien kritisch reflektieren und Räume für alle Menschen schaffen?), Wissenschaftspolitik (Wie kann Forschung zu einer sozialökologischen Transformation beitragen?) auseinandersetzen zu können.

Wie seid ihr auf lokaler Ebene organisiert und vertreten? Wie können sich Jugendliche vor Ort oder auch bundesweit bei euch engagieren?
Wir sind basisdemokratisch organisiert und haben starke föderale Strukturen mit Ortsgruppen und Landesverbänden. Gleichzeitig sind wir als Teil unseres internationalen Netzwerks Young Friends of the Earth mit Jugendlichen aus der ganzen Welt verbunden. Womit die einzelnen Gruppen sich beschäftigen – von Urban Gardening mit jungen Geflüchteten über Protestaktionen bis hin zu der Pflege von Streuobstwiesen – schreibt ihnen niemand vor. Am besten ist es, einfach persönlich bei einem Gruppentreffen vorbeizuschauen – einfach im Internet nach BUNDjugend und dem entsprechenden Bundesland suchen. Auf Bundesebene bieten wir diverse Mitmachoptionen an. Ob du dich nun an unserer aktuellen Kampagne beteiligst und ein Spielzeugauto als Ermahnung einer unökologischen Verkehrsplanung an unser Verkehrsministerium schickst oder als Genmais verkleidet bei der großen “Wir haben es satt“-Demo mitprotestierst oder dich zum/r Klimaagent*in ausbilden lässt und das spannende und kontroverse Thema Klimagerechtigkeit in deine Netze trägst. Das alles sind nur kleine Anreize. Es gibt noch viel mehr. Wir verstehen uns als Plattform für deine Ideen!

Gab es in der letzten Zeit eine Aktion der BUNDjugend,
die du besonders toll fandest?
Ich freue mich total über unsere erste selbstentwickelte bundesweite Kampagne, #Spielzeugauto! Wir finden, Verkehrsminister Alexander Dobrindt soll nicht im Bundesverkehrswegeplan mit Autos spielen, sondern lieber mit unseren alten Spielzeugautos – weswegen wir sie ihm einfach direkt ins Ministerium schicken! Die brauchen keine neuen Straßen, verursachen keine Treibhausgase und waren noch nie in einen Dieselskandal verwickelt. Es ist Zeit, dass Radfahren, ÖPNV und Zufußgehen endlich Vorrang haben!

Zu welchen Themen arbeitet die BUNDjugend momentan?
Unsere Schwerpunkte sind Ernährung und Landwirtschaft, Konsum und Postwachstum, Energie und Klima, Flucht und Migration sowie Biodiversität und Umweltbildung. Wir bieten z. B. Workshops dazu an, planen Aktionen wie Selbstexperimente zum Mitmachen, veranstalten Demos, erarbeiten Publikationen oder bilden uns in Arbeitskreisen gemeinsam weiter.

Sind die Kampagnen vom BUND vorwiegend national ausgerichtet oder auch international? Wo wollt ihr Veränderungen sehen?

Die Kampagnen von BUND und BUNDjugend sind vorwiegend auf Bundes- und Landesebene, die praktische und weitere politische Arbeit oft auch ganz lokal. Durch die föderale Struktur laufen oft mehrere Kampagnen auf unterschiedlichen Ebenen gleichzeitig. International agieren wir immer mit Partnerorganisation in unserem Netzwerk Friends of the Earth International (FoEI). Dieses ist auch basisdemokratisch organisiert, hat über 70 nationale Mitgliedsorganisationen und ist damit das größte umweltpolitische Graswurzel-Netzwerk weltweit. Veränderungen sehen wollen wir natürlich überall. Es kommt aber immer darauf an, welche Allianzen es braucht, um diese auch durchzusetzen.

Amnesty International Deutschland ist vor allem dort aktiv, wo Umweltverschmutzungen und die daraus hervorgehenden Menschenrechtsverletzungen auf bestimmte Akteure – im Falle des Nigerdeltas z.B. Shell – zurückverfolgt werden können. An wen richtet sich BUND vorwiegend mit seinen Forderungen? Ist es nicht besonders beim Thema Umweltschutz schwer, die Verantwortlichen auszumachen und zum Handeln zu bewegen?
Da sprecht ihr einen Knackpunkt an: Beim Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit ist fast immer jede*r (mit-)verantwortlich – weshalb die Verantwortung allzu oft zwischen Politik, Wirtschaft und Bürger*innen – allzu oft reduziert auf die Rolle der Konsument*innen – hin- und hergeschoben
wird und angeblich immer erst „die anderen“ handeln sollen. Beim angesprochenen Beispiel Nigerdelta war der BUND mit dem FoEI-Netzwerk aktiv und hat genau auf diese Verzahnung aufmerksam gemacht: Bürger_innen können Shell boykottieren, von der Politik andere Gesetze und Rahmenbedingungen fordern und schlussendlich von Unternehmen wie Shell Schadensersatz fordern. Zur Koordination solcher Kampagnen braucht es wiederum zivilgesellschaftliche Organisationen. Da Kampagnen meistens zielgerichtet sein müssen, versuchen wir in solchen komplexen Zusammenhängen die relevanten Stellschrauben zu identifizieren, an die wir öffentlichkeitswirksam Forderungen stellen können. Anderes lässt sich über klassische fachliche Lobbyarbeit (Konsultationen etc.) besser lösen. Generell arbeiten der BUND/die BUNDjugend nicht ganz so viel mit Kampagnen wie Amnesty, was auch an unserer basisdemokratischen Struktur liegt.

Wo siehst du in deiner Arbeit und der Arbeit vom BUND Anknüpfungspunkte an Menschenrechtsthemen?
Im Nachhaltigkeitsverständnis der BUNDjugend muss Ökologie/Umwelt und Soziales immer zusammengedacht werden. Wir beleuchten unsere Themen auch immer unter dem Aspekt der Umweltgerechtigkeit, weil sehr offensichtlich ist, dass bestimmte Menschen von der Naturausbeutung profitieren und andere stark darunter leiden. Besonders deutlich wird das an den Differenzlinien globaler Norden-globaler Süden und auch sozialökonomisch starke und schwache Menschen. Ich habe lange in Stuttgart gelebt, da wird das im Alltag ganz plakativ deutlich: Die wohlhabenden Menschen aus der Halbhöhenlage düsen mit ihren SUVs durch die Stadt und die weniger wohlhabenden Menschen, wie z.B. ich als Studentin, die in der Innenstadt wohnen, bekommen die Abgase voll ab und werden zum Teil nachweislich krank davon. Wesentlich dramatischer bzw. existentieller ist dieser Mechanismus, wenn wir z.B. unsere Produktions- und Konsummuster genauer anschauen: Sehr viele Produkte, sei es Kleidung, Kaffee oder Elektronik, die wir ohne mit der Wimper zu zucken kaufen und wegschmeißen, werden im globalen Süden hergestellt und entsorgt. Auch im Bereich Klima sind die Zusammenhänge klar: Die Menschen, die am wenigsten zu den Klimaveränderungen beigetragen haben, sind ihnen am stärksten und oft schutzlosesten ausgesetzt.
In unserem Projekt „Klima gerecht schützen“ bilden wir junge Menschen dazu aus, an z.B. Schulen Workshops zu Klimagerechtigkeit anzubieten und Handlungsmöglichkeiten für ein klimagerechtes Leben aufzuzeigen. „Klimagerechtigkeit“ ist übrigens, statt „Klimaschutz“, auch das Schlagwort der sozialorientierten, progressiven Klimabewegung. Außerdem haben wir uns auch mit Migrationsbewegungen aufgrund von Umweltbedingungen auseinandergesetzt und mit einer Grafik zu Flucht und Migration in unseren Social-Media-Kanälen auf diese Zusammenhänge hingewiesen. Nicht zuletzt sind viele BUNDjugend-Gruppen mit geflüchteten Menschen in Kontakt und kochen, gärtnern und diskutieren zusammen. Nicht zuletzt kommt es in verschieden Ländern auch zu Einschüchterungsversuchen, Sanktionen und zu körperlichen Angriffen bis hin zu Mord an Umweltaktivist*innen. Da ist z.B. der Fall der ermordeten Staudammgegnerin Berta Cáceres aus Honduras oder Anti-Atomaktivist*innen in Belarus, die das Wort „Tschernobyl“ besser nicht in den Mund nehmen.
Nun ist es aber auch so, dass die Expertise von Umwelt- und Nachhaltigkeitsverbänden tendenziell eher bei ökologischen Themen liegt, bei den Erwachsenenverbänden ist das meiner Wahrnehmung nach noch einen Tick mehr so. Deshalb ist es besonders wichtig, sozial-ökologische Allianzen zu bilden, also z.B. Jugendumweltverbände mit Menschenrechts- organisationen und Jugendgewerkschaften zusammenzubringen. Die Gemeinsamkeiten in den Zielen sind da, häufig sprechen wir aber eine andere Sprache, vereinzelt kann es auch Konfliktpunkte geben, z.B. beim Kohleausstieg (Strukturwandel sozial fair gestalten) oder Wirtschafts- wachstum. Deshalb es ist super wichtig, sich offen miteinander auseinander zu setzen!

In eurem Projekt „Klima gerecht schützen“ vertritt die BUNDjugend u. a. die Meinung, dass „jedem Menschen, unabhängig von seiner Herkunft und Zugehörigkeit, die gleichen Nutzungsrechte an der Atmosphäre zustehen.“ Würdet ihr demnach eine Festsetzung dieses Anspruchs in einem „Menschenrecht auf saubere Umwelt“ befürworten? Könnte solch ein Menschenrecht deiner Einschätzung nach vielleicht die Arbeit von Umweltorganisationen erleichtern?
Kurz und knapp: Ja und Ja! Schon allein der Aspekt, dass die Natur hier im westlichen Kulturkreis keinen Eigen-Wert hat, ist sie wirtschaftlichen Interessen allzu oft schutzlos ausgeliefert. Wenn es gesetzlich verankert wäre, hätte die Braunkohleindustrie aktuell nicht mehr viel zu lachen, da sie wegen Körperverletzung auf der Anklagebank sitzen würde.

Amnesty International und Greenpeace haben in der Vergangenheit vereinzelt eng zusammengearbeitet – so z.B. bei der Dokumentation von illegaler Giftmüllentsorgung an der Elfenbeinküste. Kooperiert der BUND ebenfalls mit Menschenrechtsorganisationen? Wie profitiert ihr voneinander?
Ich sehe da zwei Stränge, wie sich Umwelt- und Menschenrechts- oder auch Sozial- und Entwicklungsverbände und Gewerkschaften unterstützen können. Der eine Punkt ist politische Schlagkraft entwickeln und zusammen mehr Menschen zu erreichen und zu mobilisieren, die vielleicht eine Affinität nur in eine Richtung haben. Das zeigt sich z.B. beim CETA- und TTIP-Protest. Der zweite, und für mich persönlich fast wichtigere Strang ist weniger nach außen, an die Öffentlichkeit gerichtet, sondern hat etwas mit einem internen und auch gemeinsamen Lernprozess zu tun. Ich hatte das vorhin schon angedeutet: Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen haben beide eine gewisse Historie, Eigenlogik, Organisationskultur und Habitus. Diese Differenzen zu verstehen und auszuhalten, aber auch sich anzunähern schafft die Allianzen, die wir brauchen, um zukunftsfähig zu sein. Gelungen ist das z.B. in der Studie „Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt“, die der BUND 2008 zum zweiten Mal mit Brot für die Welt und dem Evangelischen Entwicklungsdienst herausgegeben hat. Generell gibt es eine Tendenz, mit Entwicklungsverbänden zu kooperieren, da der Bezugspunkt globale Gerechtigkeit auf beiden Seiten da ist.

Zum Schluss würden wir uns über ein paar Tipps von dir als Expertin freuen – Wie können wir im Alltag etwas für die Umwelt tun?
Haha, ich will jetzt nicht die krassen Ökoklischees à la „Bitte Müll trennen und Jutebeutel mitnehmen“ bringen (auch wenn das beides äußerst sinnvoll ist)… Am meisten Einfluss hat eure Ernährung, euer Wohnen und eure Mobilität. Deshalb: Toll, wenn ihr möglichst oft Rad fahrt, zu Fuß geht oder den ÖPNV nutzt. Super, wenn ihr überwiegend vegan, regional und saisonal kocht und vielleicht sogar mit Freund*innen oder in einer Kooperative selber Gemüse anbaut. Fantastisch, wenn ihr generell bewusst konsumiert, nach dem Motto „weniger ist mehr“ und öfter mal was repariert, leiht, teilt oder tauscht. Das Beste ist, dass ihr so nicht „nur“ etwas für die Umwelt tut, sondern auch für mehr soziale Gerechtigkeit. Und neben den ganzen Lebensstilstellschrauben gilt es auch, politisch und kollektiv Druck zu machen, indem ihr auf Demos geht, einen Umsonstladen oder ein Repair Café initiiert oder Petitionen unterschreibt. Und das wiederum habt ihr bei der Amnesty-Jugend ja sowieso drauf!


Zehn Tipps für nachhaltigen Aktivismus

23. Juni 2017

So engagierst du dich dauerhaft und mit Freude

Neben Schule, Studium und Job bringt ehrenamtlich politisch und gesellschaftlich aktiv sein vielen von uns Lernmöglichkeiten und ein Gefühl der Selbstwirksamkeit/Erfüllung, die andere Kontexte so nicht bieten. Abgesehen davon, dass es im Zeitalter „multipler Krisen“ notwendiger denn je erscheint, sich zu engagieren. Aber seien wir ehrlich: In den gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnissen heißt das oft auch noch mehr Verpflichtungen und Termine – und das kann schlauchen und erschöpfen. Wenn wir systematisch und fundamental etwas ändern wollen, brauchen wir nachhaltigen Aktivismus, der nicht nach wenigen Wochen oder Monaten verpufft, weil er unsere persönlichen Grenzen sprengt. Anregungen dazu gibt’s hier.

Dies ist keine To-Do-Liste. Die Fragen und Tipps sind Werkzeuge zum Reflektieren und Diskutieren, deshalb: Nimm dir nicht alles auf einmal vor. Such dir ein bis zwei Punkte aus, wo du gut ansetzen kannst und die dich gerade am meisten umtreiben. Pass sie so an, dass sie für dich, deine Gruppe und deine/eure Situation gut passen. Leg‘ los und sei dir bewusst, dass es hier kein „abhaken“ gibt, sondern du vielmehr immer wieder auf diese Liste zurückgreifen kannst.

1. Lerne, mit Frust umzugehen:

Ich mache mir immer wieder klar, dass Aktivismus, Frustrationen und Anfeindungen mit sich bringt. Oft gibt es mächtige Gegner*innen und Menschen können sich von Forderungen angegriffen fühlen, sind resigniert oder haben ganz anderes im Kopf. Das gehört dazu.

2. Feiere Erfolge und thematisiere, was gut läuft:

Ich nehme mir gemeinsam mit der Gruppe, mit der ich zusammenarbeite, oder allein, zum Feiern und Genießen von Erfolgen und guten Erfahrungen doppelt so viel Zeit wie zum Besprechen von Niederlagen oder zum Verarbeiten von Ärger.

3. Definiere die Rolle von Aktivismus in deinem Leben:

Ich werde mir immer wieder über andere Ziele in meinem Leben klar und stimme sie mit meinen aktivistischen Aktivitäten ab. Ich setze mir immer wieder Zeitpunkte, nicht nur an Silvester, wo ich mich zurücklehne und darüber nachdenke: Wo will ich eigentlich in meinem Leben noch hin? Was will ich in meinem Leben noch machen und wenn ich es jetzt nicht tue – wann dann? Ich frage mich auch immer wieder: Wo ist mein Engagement Flucht oder Ersatz für Dinge, die ich eigentlich tun müsste oder wollte? Ich bin mir klar, dass ich mich in bestimmten gesellschaftlichen Machtverhältnissen bewege – ich achte darauf, dass mein Engagement mir nicht den Boden unter den Füßen nimmt und ich Schule, Studium oder Job nicht vernachlässige.

4. Ziehe Grenzen:

Ich mache mir immer wieder klar, wie viel ich zeitlich und nach meiner Kraft leisten kann und will. Bei der Projektplanung oder bei Vereinbarungen mit anderen denke ich vorher darüber nach, wie viel Zeit ich für das Projekt oder für mein Amt aufbringen kann und will. Ich pflege auch den Mut zur Lücke. Ich ermuntere meine Kolleg*innen ebenfalls dazu, ihre Grenzen zu kommunizieren und schaffe eine Atmosphäre, in der Nein-Sagen ohne schlechtes Gewissen möglich ist. In der Gruppe Verantwortlichkeiten und Aufgaben teilen, damit Einzelne nicht unersetzbar werden und der persönlich erlebte Druck zu hoch wird. Dazu gehört es auch, gemeinsam Verantwortungen und Arbeitsbereiche zu definieren: Was bedeutet es Vorstand/Aktive*r/Projektleiter*in usw. zu sein? Welche Verantwortung hat die einzelne Person oder jeweilige Gruppe und besteht hier Konsens?

5. Fokussiere dich auf deine Kompetenzen:

Ich konzentriere mich auf die Arbeit, die mir liegt. Das heißt, welche Aufgaben meinen Fähigkeiten und Interessen entsprechen. Nur wenn ich zu einem großen Teil gemäß meinen eigenen Fähigkeiten eingesetzt werde, kann ich auf Dauer gute und erfüllende Arbeit machen.

6. Plane auch mal pragmatisch:

Ich und die Gruppe, mit der ich arbeite, setzen uns realistische Ziele. Ich und meine Gruppe brauchen auch Projekte mit Erfolgsaussichten. Gemeinsam reflektieren, worin überhaupt Erfolg und Leistung für die Gruppe bestehen, und inwiefern vielleicht auch Muster der Beschleunigung und des „immer noch mehr“ reproduziert werden. Weniger ist mehr: lieber Schwerpunkte auf einzelne gute und sinnvolle Aktionen, Veranstaltungen und Kampagnen als den Anspruch, überall dabei sein zu wollen. So bleibt auch Zeit für Reflexion (z.B. Klausursitzung) und Fortbildung!

7. Gib‘ acht auf dein Team:

Ich mache mir die Kraft, die mir eine Gruppe geben kann, immer wieder klar und nutze sie. Ich kümmere mich um die Gruppe, mit der ich arbeite und höre meinen Kolleg*innen gut zu. Ich achte darauf, dass vor wichtigen Entscheidungen jede*r reihum nach seiner*ihrer Meinung und nach seinen*ihren Ideen gefragt wird. Falls ich jemand bin, der Projekte lieber alleine bearbeitet, halte ich Kontakt.

8. Unterstütze ein Netzwerk:

Wenn andere mehr Erfolg haben als ich, werde ich nicht neidisch. Wenn ich mehr Erfolg habe als andere mache ich nicht neidisch, sondern ermutige die anderen und feiere mit ihnen. Ich teile meine Kompetenzen und nehme mir auch die Zeit, anderen etwas beizubringen. Ich denke politisch: Viele Herausforderungen betreffen nicht nur mich und meine Gruppe. Ich mache mich für strukturelle Lösungen stark, anstatt als Einzelkämpfer*innen die Kraft zu verlieren.

9. Mach‘ mal Pause:

Wenn ich merke, es geht nicht mehr, mache ich mir das bewusst und prüfe die Möglichkeiten, für eine Weile auszusteigen. Denn falls ich zu spät Pause mache, kippt mein Elan und ich will gar nicht mehr. Pausen erleichtern das Dranbleiben und sorgen für frischen Wind. Außerdem liegt in manchen Lebensphasen dein Fokus einfach woanders. Und das ist völlig okay!

10. Kümmere dich um alle deine Bedürfnisse:

Ich brauche Dinge, die mir mehr am Herzen liegen als Aktivismus und einen emotionalen Ausgleich zu meiner Arbeit schaffen. In unserer Arbeit bläst uns oft ein kalter Wind entgegen. Es muss etwas geben, das mich wärmt. Der emotionale Ausgleich kann eine Beziehung sein oder die Familie. Ich nehme mir aber auch Zeit für musische, sinnliche Dinge, für Malen oder Musik, für Reisen oder gute Bücher, für die Beobachtung eines Vogels oder das Riechen an einer Blume, für das Lachen der Kinder und für die Liebe. Das sorgt für neue Ideen und schafft Freiheit im Kopf.

 

Speichere diesen Artikel oder druck in dir aus und lege in vorne zu deinen Unterlagen. Eine regelmäßige Lektüre kann dir helfen, immer wieder zu hinterfragen, wo du gerade stehst, was du brauchst und wie du weiter vorankommst. Es empfiehlt sich auch, sich als Gruppe bei einem gemütlichen Treffen diesen Fragen zu widmen.

Und welche Tipps möchtest du weitergeben? Teile sie in den Kommentaren!

 

Autor*innen:

Thomas Giesinger ist Psychologe, arbeitet seit vielen Jahren als Ehrenamtskoordinator beim BUND BW und hat ursprünglich für sich selber „10 Gebote gegen Ökofrust“ verfasst.

Katharina Ebinger studiert Politik und Verwaltung, ist im Landesvorstand des BUND BW und beschäftigt sich mit Organisationsformen und -kulturen für die Große Transformation.

(Alle Fotos CC0, über https://stocksnap.io/)


YFoEE Netzwerktreffen 2017 in Österreich

4. Mai 2017

Vom 23.- 26. März 2017 fand das jährliche Netzwerktreffen von Young Friends of the Earth Europe (YFoEE) statt. Nachdem wir im vergangenen Jahr auf Malta waren, empfing uns Global 2000 in diesem Jahr in Kritzendorf bei Wien, Österreich. Über 40 Teilnehmende aus etwa 20 verschiedenen europäischen Ländern nutzten die Gelegenheit sich gegenseitig kennenzulernen, von eigenen, lokalen Projekten zu berichten, das Netzwerk zu erforschen und mit einem großen Haufen Aktivist*innen viel Spaß zu haben.

Zu Beginn der vier Tage war es wichtig, eine allgemeine Verstehensgrundlage über die Strukturen von YFoEE und Beziehungen zu Friends of the Earth Europe (FoEE) zu schaffen, um von dort startend in tiefere Diskussionen einzusteigen.

Ein wichtiger Fokus lag hierbei auf unserem sogenannten „Mapping“-Projekt. Mithilfe dieses Projekts möchte die Steering Group gemeinsam mit der YFoEE Koordinatorin eine Übersicht aller lokalen Gruppen und deren Kampagnen erstellen. Damit erhoffen wir uns eine bessere Vernetzung der Gruppen mit ähnlichen Schwerpunkten, sowie eine bessere Kommunikation zwischen der europäischen und lokalen Ebene. Da dies bereits seit zwei Jahren ein sich stetig weiterentwickelnder Prozess ist, wurde die Frage nach der Nutzung dieser Daten für das Netzwerk diskutiert und konkretisiert.

Das YFoEE Manifesto

Des Weiteren hat die Arbeitsgruppe „Equality and Interculturalism“ im Februar das YFoEE Manifesto fertiggestellt, sodass wir dieses nach einer hitzigen und wichtigen Diskussion als Netzwerk verabschieden konnten. Das Manifesto ist bereits in vier Sprachen übersetzt worden und wir hoffen, dass noch viele weitere Gruppen die Inhalte übersetzen werden. Außerdem sollen die kurzen Definitionen dazu anregen, über die Implementierung dieser in den lokalen Gruppen nachzudenken und diese zu diskutieren.

Die neue Steering Group

Teil jedes AGM (Annual Gathering Meeting) ist die Wahl der Steering Group (SG). Die Steering Group ist der entscheidungstragende Part des Netzwerks. Gemeinsam tragen wir die Verantwortung für die Entwicklung von YFoEE, versuchen den Überblick der einzelnen Arbeitsfelder zu behalten und sind Ansprechpersonen für die Arbeitsgruppen und lokalen Organisationen. Die neue Steering Group setzt sich wie folgt zusammen: Dora (Kroatien), Afrida (UK), Myrte (Zypern), Raums (Dänemark), Isabella (Schottland), Sara (Norwegen), Lawrence (Niederlande) und ich, Toril (Deutschland). Neben den vollständigen Mitgliedern gibt es außerdem Alternates: Maria (Spanien), Iosef (Zypern) und Ana (Kroatien).

Rückblickend war es ein sehr gelungenes und erfolgreiches Treffen mit viel neuem Input als auch wichtiger Kritik und Diskussion.

Ein paar weitere Impressionen könnt ihr auf Youtube, Facebook, Flickr, Instagram (@YoungFoEE) und auf der Website bekommen. Außerdem ist erst in der vergangenen Woche der aktuelle YFoEE Newsletter erschienen.

Als nächstes steht nun das YFoEE Summer Camp in den Niederlanden an. Ihr könnt euch hier bereits dafür anmelden.

Wenn ihr noch weitere Fragen oder Anregungen habt, meldet euch gerne bei mir: tmeyer-gerlt@posteo.de

In diesem Sinne, bis bald!
Toril

P.S.: YFoEE feiert dieses Jahr den 10. Geburtstag. Dieses kurze Video ist nur ein Teil des Geburtstagspaketes. Lasst euch überraschen!


Es geht auch ohne – Mein Fazit zum Klimafasten

27. April 2017

Plötzlich war die Fastenzeit vorbei, viel schneller als gedacht. Hinter mir liegen 6 Wochen der Sensibilisierung, des Erkennens und Erschreckens, des Experimentierens und des Entdeckens.

Ich habe viele neue Ideen für meinen Lebensstil und viele unnötige Müllquellen gestrichen. Eine dieser Ideen möchte ich gleich mit euch teilen, falls ihr sie nicht schon längst kennt: Zahnpasta. Dazu mischt ihr 2-3 TL Kokosöl, 8 TL Xylit, 8 TL Natron und ein ätherisches Öl eurer Wahl. So spart man einiges an Verpackung und kann schon morgens beim Zähneputzen etwas Gutes tun.

Nachdem ich also erfolgreich meinen Alltag entmüllt hatte und auch ein paar Freunde zum Klimafasten anstiftete, nahm ich an einem Jugendprogramm in Israel teil. Dort wurde meine Euphorie etwas gebremst, als ich ansehen musste, wie viel Verpackung, aber auch gutes Essen dort weggeworfen wurde. Immerhin lebte meine Gastfamilie nachhaltiger und auch die Stadt, in der ich wohnte, war sehr auf Umweltschutz bedacht.

Alles in allem kann ich das Klimafasten also jedem empfehlen, nicht nur zur Fastenzeit ;)

Reduce – reuse – recycle!

Eure Susi


Jedes Ende ist auch ein neuer Anfang

18. April 2017

Die Fastenzeit ist zu Ende – und somit auch die Zeit meines kleinen Selbstexperimentes weitestgehend auf Plastikverpackungen zu verzichten. Gleichzeitig ist dieses Ende aber auch der Startpunkt, meine neu gewonnen Erfahrungen und Einsichten in meinen Alltag einzubauen und beizubehalten. Schließlich ist es mein Ziel gewesen, einen für mich alltagstauglichen Weg zu finden, weniger Plastikmüll zu verursachen.

Meine Bemühungen in diesen 40 Tagen haben soweit gut funktioniert und ich bin insgesamt sehr zufrieden mit dem, was ich erreicht und dazugelernt habe. Von Beginn an war ich sehr positiv gestimmt, da mich bereits mein erster plastikfreier Einkauf total begeistert und motiviert hat. Es ist zwar nur ein recht kleiner Einkauf Jasmin_Fotogewesen, aber alleine die Auswirkungen, die mir dabei klar geworden sind, waren eindrucksvoll. Bei einer kleinen Auswahl an Produkten (siehe Foto) habe ich bereits sechs Plastikverpackungen eingespart. Nüsse, Haferflocken und Leinsamen habe ich im Unverpackt-Laden in eigene Gläser abgefüllt. Obst und Kräuter habe ich frisch und lose eingekauft.

Als sehr interessante und positive Erfahrung empfand ich es außerdem, wie Verkäufer*innen an der Kasse reagiert haben, wenn ich lose Lebensmittel auf das Band gelegt habe. Kein einziges Mal bin ich belehrt worden, dass ich Tüten verwenden solle. Stattdessen hatte ich eher das Gefühl, dass mein Vorgehen auf Verständnis gestoßen ist und gutgeheißen wurde. Auch Supermark-Mitarbeiter*innen können die täglichen Müllmassen nicht mehr sehen.

Allerdings gab es auch die ein oder anderen Dinge, die ich in der Zeit als recht schwierig empfunden habe. Dazu zählt zum einen, dass das Plastik-Fasten viel Zeit in Anspruch genommen hat. Einkäufe müssen geplant werden, neue Läden und neue Produkte ausfindig gemacht werden. Zum anderen hatte ich dadurch auch höhere Kosten als sonst. Des Weiteren empfanden es manche Freunde, mit denen ich einkaufen war, als kompliziert und zu aufwendig.

Abschließend kann ich diese Erfahrung aber nur jedem empfehlen. Das Experiment hat Spaß gemacht, mich auf schlechte Gewohnheiten aufmerksam gemacht und meinen Horizont erweitert.

Jasmin


Zero Waste – 6 Wochen ohne Müll (oder eher 4)

16. April 2017

Die ersten zwei Drittel meines Fastenexperiments liefen super. Durch den Original-Unverpackt-Laden und einen Markt bei mir um die Ecke fiel es mir ziemlich leicht verpackungsfrei zu leben. Nach dieser Zeit wurde ich jedoch immer inkonsequenter bezüglich meiner Fasten-Challenge:

Ich war von meinem FÖJ aus auf Seminarfahrt im Wendland und hatte dort, da wir voll verpflegt wurden, keinen Einfluss auf die Menge des entstehenden Verpackungsmülls. Jedoch kamen alle Lebensmittel von einem kleinen Bioladen in der Region und waren entweder überhaupt nicht oder in Papier und Glas verpackt. Von da an ging es aber wirklich steil bergab. Direkt im Anschluss fuhr ich nach Thüringen, um mit meinen über ganz Deutschland verteilten Freunden Urlaub zu machen. Da die nächste Einkaufsmöglichkeit eine 45-minütige Autofahrt entfernt liegt, haben wir uns vorher mit Lebensmitteln eingedeckt. Genauer gesagt haben zwei, leider überhaupt gar nicht umweltbewusste Freundinnen für alle eingekauft. Es grenzte schon an ein Wunder, dass sie für mich vegane Alternativen zu ihrem Essen mitgebracht haben.

Danach fuhr ich noch für eine knappe Woche nach Hause zu meinen Eltern. Meine Eltern achten mittlerweile sehr darauf zumindest Plastikverpackungen zu vermeiden. Aber völlig müllfrei habe ich auch in dieser Woche nicht gelebt.

In Berlin ist der Zero-Waste-lifestyle wesentlich einfacher zu gestalten als in der Kleinstadt. Wenn man sich in einem Umfeld befindet, das solch ein Vorhaben unterstützt, wie das bei mir in Berlin der Fall war, dann ist es wesentlich leichter dieses umzusetzen. Natürlich will ich hier nicht anderen die Schuld am Scheitern meiner Fasten-Challenge im letzten Drittel zuschieben, ich hätte mich definitiv mehr anstrengen und mehr Zeit investieren können.

Abschließend glaube ich, dass gerade das Scheitern am Ende der Grund dafür ist, dass ich mich in den letzten beiden Wochen nach der Fastenzeit sehr viel bewusster und weniger Abfall produzierender ernährt habe als davor.

Liebe Grüße

Lena


Finales Klimafasten in Salzburg

14. April 2017

 

BIld Klimafasten Salzburg Christian Unger

Die letzten Tage habe ich bei meiner Freundin in Salzburg verbracht. Meine Freundin achtet von Natur aus sehr auf ihre Ernährung und auch was und wo sie einkauft. Gänzlich auf Plastikfolie zu verzichten war aber auch für sie etwas Neues.

Eine neu aufgekommene Herausforderung war die Tatsache dass ja auch die Beutel im Mülleimer aus Plastik sind. Diese wollte ich ebenfalls nicht mehr kaufen, also musste eine Alternative her. Ich habe nun Beutel aus Altpapier. Das Problem ist, dass diese Schwierigkeiten mit Feuchtigkeit haben. Das führt dazu, dass wir feuchte Abfälle nun vorher zum Trocknen ans Fensterbrett oder den Balkon legen.

Ich fand die Zeit sehr angenehm und habe viel Neues gelernt. Gänzlich auf Plastikfolie zu verzichten ist schwierig, aber ich denke ich werde geschätzte gute 80 % meines neuen Konsumverhaltens auch zukünftig so beibehalten können. Es war ein sehr schönes Experiment und regte in vielerlei Hinsicht zum Nachdenken an!

Servus, macht‘s guad!

Chris

Die bisherigen Blog-Beiträge von Christ könnt ihr hier und hier nachlesen.