Ein gutes Leben für alle! – Kurzbericht vom Auftaktwochenende des Arbeitskreis Postwachstum

Können wir  in einer Welt gut leben, in der das Credo „immer mehr wachsen“ lautet? Wenn wir nicht Wachstum und Konkurrenz als Werte leben wollen, für welche Werte setzen wir uns dann ein? Und wenn wir eine „Postwachstumsgesellschaft“ fordern – also eine Gesellschaft, in der Wachstum nicht das Hauptziel ist – was muss sich dann alles ändern, im Großen wie im Kleinen? Um solche Fragen zu diskutieren und zu überlegen, ob und wie wir gemeinsam zusammenarbeiten wollen, trafen sich Interessierte am Thema Postwachstum für ein Wochenende in der Kommune Waltershausen. Rahel berichtet.

Am Freitagabend trafen wir uns in der Kommune Waltershausen, einem schönen Ort gelebter Alternativen. Den Freitagabend nutzten wir, um uns kennenzulernen und gemeinsam gut ins Wochenende zu starten. Dafür haben wir einen Erwartungsbaum gestaltet, um herauszufinden, wie wir uns das Treffen vorstellen, und haben gemeinschaftlich den Ablauf des Wochenendes besprochen. Den Abend ließen wir gemütlich ausklingen, mit Lesen, Quatschen und auf den gemütlichen Sofas abhängen.

Am Samstag nach dem Frühstück wurde ein Positionsbarometer durchgeführt, um einen allgemeinen Überblick über die Meinungen der Teilnehmer*innen zu kurzen Aussagen/Fragen, wie z. B. „Ist gutes Leben von Geld abhängig?“ zu bekommen. Nach einer kurzen Teepause lagen Zitate von Angelika Zahrnt, Niko Paech, Tim Jackson u. a. im Seminarraum verteilt: Wir haben uns die Zitate durchgelesen und uns dem zugeordnet, von dem wir uns am ehesten angesprochen fühlten. Dadurch kamen wir in eine Diskussion über verschiedene Perspektiven von Postwachstum. Danach haben wir das Thema anhand einer Textdiskussion vertieft. Außerdem haben wir einen Gastbeitrag auf der Website Klimareporter von O. Bandt, M. Kaiser, K. Niebert und H. Ott mit dem Titel „Sackgasse Wirtschaftswachstum: Dasselbe in Grün ist keine Lösung“ vom 20.01.2020 gelesen und in Partnerarbeit diskutiert, wieso grünes Wachstum keine Lösung ist und welche Aspekte des Textes wir kritisch sehen.

Nach dem Mittagessen stieß Lia Polotzek zum Treffen hinzu. Als Referentin für Wirtschaft und Finanzen in der Bundesgeschäftsstelle des BUND erzählte sie kurz, welche Mythen in Bezug auf Wachstumstreiber und -zwänge es gibt und wieso Wachstum (nicht) benötigt wird. Außerdem konnte sie uns über unterschiedliche Strömungen der degrowth- / Postwachstumsbewegung informieren. Vor dem Abendessen wurden wir noch von einer Bewohnerin der Kommune durch den Übernachtungs-/Tagungsort geführt und konnten ihr Fragen dazu stellen. Dabei lernten wir, wie in der Kommune das Geld aller Bewohner*innen geteilt wird, dass es verschiedene AGs (Garten, Kneipe, Finanzen, …) gibt und dass die Kommune mit anderen Kommunen verbunden ist. Nach dem Abendessen spielten wir im Widerspruch zu dem bisher diskutierten und als Auflockerung Monopoly. Dabei häufte sich schnell – wie erwartet – das gesamte Geld und Eigentum bei einer Person.

Am Sonntag ging es um die weitere Organisation des Arbeitskreises: Wie die Motivation und Kapazitäten der Einzelnen sind, wie sich die zukünftige Arbeit gestaltet und ob es zu gemeinsamen Aktivitäten kommt. Wir entschieden, dass wir uns zuerst auf die eigene Weiterbildung zum Thema Postwachstum fokussieren wollen: Das heißt, wir wollen Texte lesen und über diese auf Telefonkonferenzen sprechen, Fragen klären und diskutieren. Dabei werden wir vermutlich verschiedene Schwerpunkte setzen und auch Themen aufgreifen, die am Wochenende zu kurz gekommen sind. Außerdem wollen wir unser Wissen weitergeben, und zwar über Workshops oder Vorträge, aber auch durch die Kommentierung von BUND-Positionspapieren und ggf. die Teilnahme an politischen Veranstaltungen. In Frage kämen hier die degrowth-Konferenz in Wien (Ende Mai) und der Utopie-Kongress in Leipzig (Ende August). Auch das Eine-Erde-Camp in Hessen, das dieses Jahr zum Thema Postwachstum stattfindet, wäre eine Option für einen Vortrag. Zuletzt klärten wir, wie wir kommunizieren wollen, damit wir auch wirklich in Kontakt bleiben. 😉 

Während es draußen neblig und kalt war und ab und zu die Sonne durch die Fenster blitzte, konnten wir das ganze Wochenende lang in dem gemütlichen Seminarraum intensive und spannende Diskussionen führen. Bei unserem AK-Treffen konnte so eine gute (inhaltliche) Grundlage geschaffen werden, um weiter zusammenzuarbeiten. Wir sind alle gespannt, wie sich der Arbeitskreis entwickelt und freuen uns schon auf neue Mitglieder! Wenn du Interesse hast, kannst du gern Jascha schreiben. 

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