Erfolgsrezept – Protest will gelernt sein

Mal schnell für 30 Leute leckeres Essen auf den Tisch bringen, vegetarisch oder vegan? Schlagfertig und überzeugend diskutieren? Bei Aktionen nicht allein Schnappschüsse, sondern wirklich gelungene Fotos produzieren? Wie das alles klappt, kann man lernen – von Teamer*innen der BUNDjugend. Mit Workshops für Fotografie, Kochen und Rhetorik macht die bayerische BUNDjugend ihre Ehrenamtlichen fit für die Gruppenarbeit und für Protestaktionen.

Tolle Kulisse

Was für eine Idylle! Am Horizont blitzen schneebedeckte Alpengipfel, auf dem Wasser ziehen Segelboote ihre Bahnen. An schönen Tagen wirkt der Ammersee wie Bayern aus dem Bilderbuch. Viele Gäste kommen, um zu schwimmen oder Rad zu fahren. Wenn die BUNDjugend drei Workshops auf einmal veranstaltet, springen die Aktiven auch mal in den See. Doch wirklich gefordert sind das Gehirn und die Geschmacksnerven.

Drei auf einmal? Dieses neue Format hat heute Premiere. »Wird das Konzept ankommen?«, hatte sich das Organisationsteam im Vorfeld gefragt. Statt wie früher nur einen einzigen Workshop zu einem bestimmten Thema anzubieten, werden an diesem Wochenende drei parallel stattfinden.

»Wenn viele Leute aus ganz Bayern zusammenkommen, ergibt der Aufwand Sinn. Außerdem lassen sich verschiedene Interessen berücksichtigen«, erklärt Stefan Asenbeck, Bildungsreferent in der Landesgeschäftsstelle in München. Das Team rührte im Vorfeld kräftig die Werbetrommel. Mit Erfolg: Gut 30 Aktive sitzen im Jugend- und Naturschutzzentrum Wartaweil des BUND zusammen. Eine schönere Kulisse gibt es weit und breit nicht – denn die Villa und der moderne Seminarraum liegen direkt am Ufer des Ammersees.

Nach einem Spiel zum Kennenlernen geht es los: Die Gruppen verteilen sich auf dem Gelände. »Wirkungsvoll reden« lautet der Titel des Rhetorik-Workshops – und erweist sich als besonders beliebt. Keine Überraschung, schließlich gibt es bei Demos oder in der Familie oft Diskussionen mit Leuten, die anderer Meinung sind als man selbst.

Außerdem im Angebot: »Fotografie fürs Ego und die Presse« bringt einem ein erfahrener Profi bei – damit die nächste Aktion in der Öffentlichkeit richtig Wellen schlägt. Schließlich »Lecker kochen für größere Gruppen«: Wie man 30 Leute oder mehr mit Essen glücklich macht, will schließlich auch gelernt sein.

Besser fotografieren

Erst die Theorie, dann die Praxis. Um zu fotografieren, statt nur zu knipsen, braucht es ein gewisses Verständnis, wie Kameras funktionieren. Thomas Kirchgraber erklärt kurz, was es mit Blende, ISO-Zahl und Verschlusszeit auf sich hat. Die Teilnehmer*innen zeigen sich eine Auswahl ihrer Lieblingsbilder. Dann geht’s raus ins Grüne: Die Aktiven setzen sich in Szene. Gruppenbilder sind langweilig? Von wegen: Auf einem Steg und an einer uralten Buche entstehen coole Fotos. Außerdem gibt es Tipps, damit die nächste Aktion ein großes Echo findet. »Zeitungsbilder müssen klar sein, nicht verkünstelt. Und ein lokaler Bezug kommt immer gut an, gerade bei den Medien vor Ort«, meint Thomas Kirchgraber. Der ehemalige Redakteur gibt sein Wissen weiter, damit die BUNDjugend erfolgreicher wird in ihrer Öffentlichkeitsarbeit. »Mit Fotos lassen sich Geschichten erzählen und Menschen aufrütteln.«

Besser reden

Was aber, wenn man spontan über ein Thema referieren muss? »Wir sind nicht in der Schule: Ärgert euch nicht über Fehler, sondern entdeckt eure Stärken!« So ermuntert Dominik Osbild die Teilnehmer*innen des Rhetorik-Workshops. Und serviert zum Auftakt »KO-CA-KO-LA« – keinen Softdrink, sondern Eselsbrücke für die Schlagworte Kompetenz, Charisma, Kommunikation und Landkarte. »Wie sicher ist man bei den Inhalten? Wie tritt man auf? Wie vermittelt man Informationen? Und was weiß man über die Gegenseite?« Wer sich darüber im Klaren ist, wie man beim Reden wirkt, kann loslegen – und üben, üben, üben. Gespräche zu zweit und Präsentationen vor großem Publikum, manchmal von einer Vidokamera gefilmt: Im geschützten Rahmen darf man sich ausprobieren und seinen eigenen Stil entwickeln.

Besser kochen

Darum geht es auch beim Kochen, wobei die Vorgaben klar sind: Fleischlos und bio soll das Essen sein, gekocht aus möglichst saisonalen, regionalen Zutaten. Die Coaches Eva Lebedieva und Vanessa Putschies ziehen deshalb das Klima-Kochbuch der BUNDjugend zu Rate, um ein Menü auszuwählen. Dann ist das Einkaufen dran. »Man braucht einen genauen Plan – sonst kann vieles schiefgehen«, meint Vanessa, die regelmäßig bei Zeltlagern für die Verpflegung sorgt. »Wann kocht man daheim schon mal zehn Kilo Nudeln im 50-Liter-Topf?« »Stimmt«, bestätigt ihre Kollegin Eva, die schon oft Veranstaltungen der BUNDjugend bekocht hat. »Aber es hilft auch, improvisieren zu können – wenn mal was nicht klappt wie gedacht.« Wichtig ist ihr vor allem eines: »Wenn in der Küche gute Stimmung herrscht, merkt man das dem Essen an.« Daher organisiert das Küchenteam auch spontan einen Wettbewerb, um die am besten dekorierten Brötchen zu prämieren. Und die werden zum Abschluss eloquent präsentiert und von den Fotoleuten perfekt in Szene gesetzt. So können alle noch mal zeigen, was sie an diesem Tag dazugelernt haben.

Ihr wollt auch mehr Skills lernen oder aktiv werden? Dann schaut euch die aktuellen Termine der BUNDjugend und der BUNDjugend Bayern an! Ihr sucht nach Aktionen, die ihr allein oder mit einer Gruppe umsetzen könnt? Dann hilft ein Blick in unsere gesammelten Aktionsideen oder in unsere Aktions-FAQs

Text und Fotos: Helge Bendl (www.helgebendl.com). Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved. Dieser Beitrag erschien zuerst im BUNDmagazin 04/2019. 

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