Blutspende beim DRK

Mit etwa 19 Jahren fuhr ich das erste Mal zum Blutspenden. Beim DRK – Deutsches Rotes Kreuz. Aufmerksam geworden bin ich auf den Termin aufgrund der zahlreichen in der Stadt verteilten Werbeplakate. Der Standort war einfach zu erreichen und etwas zu essen wurde auch in Aussicht gestellt. Ich wurde fix untersucht, hab ein paar Blätter ausgefüllt und schwups, fertig. Etwas gutes Tun und belohnt werden. Das überzeugte mich damals.

Für den DRK ist die Weitergabe von gespendeten Blut gegen Geld kein Verkauf, sondern eine Kostendeckungsgleichung für Laboruntersuchungen, eingesetzte Technik, Herstellung, Lagerung und Lieferung von Präparaten, Personal, Werbung, Organisation, Transport sowie Infrastruktur und Sicherheit. Damit bleibt der DRK gemeinnützig. Freiwilliges Engagement soll durch das Spendenformat gefördert werden (DRK 2020). So wie beim BUND auch. Beim BUND wird jemensch wertgeschätzt, indem auf jeder Veranstaltung leckere, öko-ethische Snacks für alle angeboten werden. Auch der DRK bietet zum Dank einen kleinen Snack an. Für Veggies ist hier die Auswahl jedoch leider gering: Kuchen voller Butter, billo-ekel-Käse- und Wurst-Weizenbrötchen mit 10 kg Butter, Kaffee und Kaffeesahne ohne Ende und kohlensäurehaltiges Mineralwasser in Plastikflaschen. – Also genau das Wasser, was ich nicht vertrage und Essen, was nicht sehr gesund ist, garniert mit was-weiß-ich-woher-Kaffee, welcher die Eisenaufnahme hemmt.

Man könnte meinen, dass das DRK über Informationen verfügt, welche Ernährung die Eisenaufnahme im Körper begünstigt. Man könnte meinen, dass dem DRK die Gesundheit der Spender*innen am Herzen liegen könnte und dementsprechend auch vor Ort gehandelt wird.  Jedoch weist Schweinefleisch nur ca. 3 mg Eisen auf 100 g auf, während mir eine Sojabohne immerhin 6,5 mg auf 100 g gebracht hätte – auch wenn man natürlich dazu sagen muss, dass pflanzliches Eisen eine geringere Bioverfügbarkeit als tierisches aufweist. Die nach dem Blutspenden servierten Nahrungsmittel sind wichtig, damit der Kreislauf nach 0,5 L Blutverlust nicht kollabiert. Eisen- in Kombination mit Vitamin C-haltigen Lebensmitteln würden helfen, den Eisenspeicher wieder aufzubauen. Diese Produkte sind jedoch vielerorts kaum bis gar nicht gegeben. Als Veggie schaut man da in die Röhre und zahlt drauf, um sich was vernünftiges kaufen zu können. Würde das DRK wirklich Wertschätzung ihren Spender*innen gegenüber zeigen wollen, dann könnte man das Essen durchaus ETWAS gesünder gestalten. Das muss nicht unbedingt teurer sein. Man könnte da ja auch durchaus mit foodsharing oder ähnlichem zusammenarbeiten.

Zudem bieten andere Blutspende-Dienste an, zumindest ein bisschen Kohle für die Spende zu bekommen (wovon man sich dann im Zweifel besseres Essen kaufen kann) – und die bekommen nicht 70 % aller kostbaren Blutspenden!

Als ich meiner Mutter diese Enttäuschung mitteilte, versuchte sie zu erklären: „Na stell dir vor, die würden dieses ‚Essen’ nicht anbieten. Dann wäre Horst-Günther aber enttäuscht. Nicht mal ein Wurstbrötchen, einen Kaffe und einen Kuchen nach einer Spende? Das wäre für ihn eine Farce.“ Klar, der DRK möchte seine Spender*innen bei Laune halten. Aber zu welchem Preis? Dieses ‚Essen‘ ist weitab von ethischen und ökologischen Gesichtspunkten zu betrachten: Tierleid und das klimaschädliche Treibhausgas Methan in Wurst, Käse, Kaffeesahne und Butter. Der Kaffee könnte ja vielleicht FairTrade sein, was er denke ich aber nicht ist. Die Plastikflaschen garnieren neben der Kaffee-Kinderarbeit noch etwas Umweltverschmutzung obendrauf.

Dafür, dass ich denen mein kostbares Blut gegeben habe, was Menschen gegeben wird, die gesund werden wollen… Man könnte denken, dass in einem Fragebogen über die eigene Gesundheit auch nach einer gesundes Lebensweise gefragt wird.  Aber nein. Stattdessen werden lieber Homosexuelle bei Blutspenden generell sinnloserweise strukturell selektiert und somit diskriminiert. Selbst die FDP setzt sich dagegen ein!

Bis das nicht geklärt ist, finde ich nicht, dass man das DRK weiter bewerben sollte. Versteht mich nicht falsch – ich spende auch gerne ohne Gegenleistung. Ich kaufe mir auch selbst meinen Apfelsaft und esse dazu etwas Hirse, um meine Eisenaufnahme anzukurbeln. Dennoch – Ich finde Wertschätzung und Respekt gegenüber Spender*innen angebracht.  Ich finde auch, dass Blutspenden gerade in Zeiten von Corona wichtig ist. Auch wenn das anscheinend aktuell leider immer noch nicht ohne Diskriminierung geht. Schlussendlich finde ich es aber trotzdem nicht richtig, bedenkenlos ‚Werbung‘ für das DRK zu machen,  die dank eigener Werbung eh schon den Großteil der hiesigen Blutspenden erhalten. Vielmehr würde ich mich freuen, wenn auch andere Blutspende-Dienste aufgezeigt werden könnten. Bislang habe ich genau aufgrund dieses Missstandes – der Monopolisierung des DRK – leider keine andere gute Blutspendeoption (in meiner Umgebung) gefunden – denn stets wird nur ‚Werbung‘ für das DRK gemacht.

Blogebeitrag von Kira (BUNDjugend Niedersachsen)


Mehr Infos: Deutsches Rotes Kreuz (DRK) (2020): Zur gesellschaftlichen Verantwortung der Blutspendedienste des Deutschen Roten Kreuzes (Zugriff: 29.04.2020).


Photo by National Cancer Institute on Unsplash

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