Die Freiheit, die wir hier erlebten… – Leben im Dannenröder Forst

Interview mit Tommy zu seiner Dokumentation über das Leben im Danni

Im Herbst 2019 war Tommy das erste Mal im Dannenröder Forst, der gerade Gefahr läuft, gerodet zu werden und stellte fest, wie viele interessante persönliche Geschichten damit zusammenhängen und wie anders das (Zusammen-) Leben gestaltet werden kann. Über seine Dokumentation und das Leben im Forst habe ich mit ihm gesprochen. Hier findet ihr sie:

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Wie kamst du auf die Idee deine Dokumentation über den Danni zu machen?

Jonna: Ich habe mich gefragt, wie man dazu kommt, als junger Mensch ganz alleine eine Dokumentation zu diesem Thema zu machen.

Tommy: Es ist schwer für Journalist*innen das Leben der Bewohner*innen realitätsnah einzufangen, da sie als Außenstehende wenig bis keinen Zugang dazu haben. Da ich jedoch in erster Linie als Aktivist dort war, habe ich mich aus persönlichem Interesse entschlossen, dem Thema eine Plattform zu geben.

Welchen Hürden bist du begegnet, beim Dreh und der Entstehung der Doku?

Jonna: So eine etwas längere Dokumentation das erste Mal zu produzieren und dann auch noch alleine, ist sicher nicht ganz einfach. Welche Probleme hattest du während des Drehs?

Tommy: Das war nicht immer ganz einfach, denn obwohl ich einen anderen Zugang habe, sind dort die meisten Menschen Kameras gegenüber erst einmal misstrauisch. Aktivist*innen werden häufig verfolgt, weshalb sie sich verständlicher Weise nicht gerne vor Kameras zeigen und wenn, dann meist nur vermummt. Die Personen mit denen ich gesprochen habe, hatten keine Erfahrungen im Geben von Interviews und auch ich nicht im Führen. Trotz ihrer interessanten Geschichten, musste ich also daran arbeiten, es präsentierfähig zu machen. Insgesamt brauchte ich für die Nachbereitung ca. zweieinhalb Wochen. Damit wurde es zu dem längsten Projekt, an dem ich bisher gearbeitet habe.

Was sind das für Menschen, die in den Wald gegangen sind?

Jonna: In einigen Köpfen existiert offenbar das Klischee von arbeitsfaulen Ökoterrorist*innen, wenn über Umweltaktivist*innen berichtet wird. Auch in den Kommentaren unter deiner Dokumentation sind vereinzelt Aussagen in diese Richtung zu finden. Was für Menschen sind das wirklich, die in den Dannenröder Forst gingen?

Tommy: Die Frage so zu beantworten ist nicht ganz einfach. Es ist nicht möglich, alle dort pauschal in Gruppen zu unterteilen oder einem Typ von Person zuzuordnen. Letztendlich sind sie alle sehr unterschiedliche Individuen. Was alle Menschen gemein haben, die in die Besetzung gehen, ist, dass niemand von ihnen arbeitsfaul ist. Denn ich weiß aus eigener Erfahrung, wie viel Arbeit in den Walddörfern steckt. Es ist eine andere Arbeit, als jeden Tag ins Büro zu fahren, aber das macht sie nicht weniger zu Arbeit. Es gibt weder eine heißen Kaffee morgens, ohne dass du Holz hackst und Wasser aufwärmt, noch Elektrizität und Heizungen so einfach und komfortabel wie wir es aus unseren Wohnungen kennen; das Essen muss in den Wald transportiert werden; Mensch muss sich alles erst aufbauen und dafür arbeiten. Auch die Baumhäuser entstehen nicht aus dem Nichts. Es ist ein fortlaufender Prozess – und mehr als nur in einer Hängematte liegen und faulenzen.

Was bedeutet dir das Leben im Wald?

Jonna: Du warst ja schon einige Male im Danni und auch nachdem du deine Dokumentation fertig produziert hattest, hat es dich wieder dorthin verschlagen. Was bedeutet dir das Leben im Wald?

Tommy: Für mich ist das Leben, so wie ich es im Danni führen kann, etwas ganz Besonderes. Ich habe erlebt, wie das Zusammenleben sein könnte: Es gibt hier nahezu keine sozialen Hierarchien und die, die vorhanden sind, versucht die Gemeinschaft abzubauen. Alle achten gegenseitig aufeinander und jeder soll sich wohlfühlen können. Es gibt super viel zu lernen und wenn du etwas nicht weißt oder Hilfe brauchst, gibt es Menschen, die dir zur Seite stehen und dich nicht alleine lassen. Dabei geht es den Bewohner*innen darum, eine „Wende hin zu einer Welt die gerechter ist und mehr miteinander“ wie Fliege es in der Doku meinte. Das Schöne ist auch, dass dich niemand dazu drängt irgendwas zu machen, du also auch die Option hättest, einfach nichts zu machen, die Bewohner*innen aber voller Tatendrang stecken und es dir freisteht, total viel zu tun.

„Die Freiheit, die wir hier erlebten, kann uns niemand mehr nehmen.“

Was nimmst du aus dem Wald mit?

Jonna: Das hört sich nach einer Gesellschaft an, von der man gerne ein Teil ist. Was von dem, was du dort gelernt und erfahren hast, möchtest du denn aus dem Wald mitnehmen?

Tommy: Ich will für mich und andere unbedingt diesen sozialen Umgang aufrechterhalten. Das schließt mit ein, dass bei Konflikten oder Meinungsverschiedenheiten nach einem Konsens gesucht und die Minderheit nicht außen vorgelassen wird. Keinem Menschen sollte ein fremder Wille aufgezwungen werden, das beginnt schon bei den kleinsten Entscheidungen.

Würde ich jetzt in den Danni fahren, welche 3 Gegenstände dürften nicht in meinem Rucksack fehlen?

  1. Kopflampe – weil es nachts im Wald unheimlich Dunkel ist (dafür kann man auf Wiesen unheimlich gut Sterne sehen)
  2. Freunde – mehr Menschen zur Unterstützung sind super und mit Freund*innen lebt es sich einfacher ein
  3. Trinkflasche o. Kletterausrüstung – Trinken braucht jeder und mit Kletterausrüstung kommst du auch in die höchsten Bäume

Für Aktionen rund um den Danni findest du hier einige Infos.


Text von Jonna

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