„Was ich gerne hätte, sind autofreie Städte!“ – Ein Bericht von der IAA-Demo #aussteigen

IAA-Demo #aussteigen BUNDjugend Gruppenfoto auf dem Weg zur Fahrradsternfahrt

Die traurige Normalität unserer Innenstädte: Zugeparkte Fahrradwege, immer größer werdende Benzinschlucker (auch SUVs genannt) und ein schlecht ausgebauter und in Folge dessen unpünktlicher ÖPNV (= Öffentlicher Personennahverkehr). Doch damit soll jetzt Schluss sein! Das zumindest forderten am Samstag 25.000 Demonstrant*innen bei der (Anti-)IAA-Demo #aussteigen in Frankfurt am Main. Auch wir von der BUNDjugend haben uns zusammen mit dem BUND aktiv für unsere Forderungen und eine echte Verkehrswende eingesetzt.

Was ist die IAA eigentlich??

Aber von Anfang an: Die IAA, also die „Internationale Automobil-Ausstellung“, ist eine Automesse, die seit 1897 regelmäßig, an wechselnden Orten, stattfindet. Seit 1991 werden auf dem Frankfurter Messegelände jedes zweite Jahr die Innovationen der PKW-Industrie präsentiert.

Dieses Jahr fand am 14.09., dem Tag an dem die Messe für Privatbesucher*innen geöffnet wurde, zum ersten Mal in der Geschichte der IAA eine große Demo statt, die sich unter dem Motto #aussteigen für eine Verkehrswende im Sinne des Klimaschutzes stark gemacht hat.

Was hat die BUNDjugend auf der Demo so gemacht?

Da sich der BUND im Trägerkreis der IAA-Demo engagiert hat, war auch für die BUNDjugend als unterstützende Organisation klar: Wir sind dabei! Durch die Organisation von Anreise und Unterkunft wurde 20 jungen Menschen die Teilnahme an der Demo ermöglicht.

Am Freitag sind wir aus allen Ecken Deutschlands angereist und haben abends gemeinsam an einer von Attac organisierten Podiumsdiskussion teilgenommen die uns nochmals viel inhaltlichen Input gegeben hat. Interessant an der Veranstaltung war, dass sowohl NGOs und Verbände aus dem Trägerkreis der IAA-Demo als auch Vertreter*innen von Sand im Getriebe (die Aktionen zivilen Ungehorsams organisierten) anwesend waren. Das sorgte für spannende Diskussionen.

Am Samstag, nach dem Frühstück im Hostel, hat sich unsere Gruppe aufgeteilt: Diejenigen, die sich bereit erklärt hatten, das Big-Bike des BUND (eine Art Fahrradbus für 11 Personen) zu fahren, fuhren früher los, um mit dem Big-Bike rechtzeitig am Startpunkt der Sternfahrt zu sein. Der Rest von uns hat sich entweder der Laufdemo oder der Fahrrad-Sternfahrt (mit normalen Fahrrädern) angeschlossen. Vom Startpunkt Offenbach aus haben wir uns als nach außen hin gut sichtbarer Block aus BUND und BUNDjugend auf den Weg Richtung IAA-Messegelände gemacht. Im Zentrum des Blocks haben Big-Bike und Sound-Bike des BUND für gute Stimmung gesorgt. Highlight der Fahrt war für viele von uns die Fahrt auf der Autobahn, die für die Demo extra abgesperrt worden war.

Dann ging es durch die Frankfurter Innenstadt: ein großer Teil des Autoverkehrs war durch die Sternfahrt lahmgelegt worden, wodurch ein starker Kontrast zwischen der bunten und lebendigen Fahrradmenge und den wartenden Autos entstand, der einem die Vision einer autofreien Innenstadt direkt vor Augen führte. „Die Stadt soll den Menschen zurückgegeben werden“: Diese omnipräsente Forderung vieler Demonstrant*innen wurde hier bereits gelebt. Vor dem Messegelände endete schließlich die Sternfahrt. Dort befand sich auch ein gemeinsamer und gut besuchter Stand von BUND und BUNDjugend.

Was sind eigentlich unsere Forderungen?

Bei der Auftaktkundgebung gab es sogar einen Redebeitrag der BUNDjugend: Leo vom Bundesvorstand hat unsere konkreten Forderungen präsentiert:
Stark verkürzt – es existiert ein 15-seitiger Katalog mit Forderungen der BUNDjugend Task Force Mobilität – sind dies unsere Standpunkte:

  • Wir fordern eine autofreie Gesellschaft, in der keine Abhängigkeit mehr vom Auto besteht und in der das Auto nicht mehr unsere Lebenswelten dominiert. 
  • Wir fordern mehr Wege für ÖPNV, Rad- und Fußverkehr, aber auch mehr Flächen für öffentliche Begegnungsräume wie Parks, Spielplätze und Fußgängerzonen.

Mehr Infos zu unseren Forderungen und Positionen

Was haben wir bewirkt?

Die ersten Zahlen hätten uns beinahe vom Hocker bzw. vom Sattel gerissen (schlechtestes Wortspiel in der Geschichte der BUNDjugend, ich weiß ¯\_(ツ)_/¯ ). 18.000 Menschen haben an der Sternfahrt und 7.000 an der Laufdemo teilgenommen! Zusammen also 25.000 Menschen, die für eine Verkehrswende demonstriert haben!

Auch über die Zahlen hinaus haben die Proteste bereits Wirkung gezeigt: Viele Autohersteller hatten schon im Vorfeld der Messe unter fadenscheinigen Begründungen abgesagt. So waren unter anderem Toyota, Peugeot, Citroën, Fiat, Volvo, Ferrari, Bugatti und Maserati nicht auf der Messe vertreten. Auch die Medienresonanz in Bezug auf die Demo fiel positiv aus und die Tagesschau berichtete am Abend ausgiebig über die Demo. Für weiteres Aufsehen sorgte auch die Ausladung des Frankfurter Oberbürgermeisters Peter Feldmann seitens der IAA. Seine anscheinend für die Automobilindustrie zu kritische Rede veröffentlichte dieser glücklicherweise über soziale Netzwerke, wo sie große Wellen schlug.

Mittlerweile mutmaßen einige Demonstrant*innen, dies könne die letzte IAA in Frankfurt gewesen sein, zumal der Vertrag zur Nutzung des Messegeländes dieses Jahr neu ausgehandelt werden müsste. Ob dies der Fall sein wird, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Gibt es wieder eine IAA, werden wir erneut dagegen demonstrieren und gemeinsam auf die Straße gehen!

Denn wir wollen eine echte Verkehrswende:
Eine Verkehrswende, die nicht von der Automobillobby gebremst wird,
eine Verkehrswende, die sozial ist
und eine Verkehrswende, die die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens gewährleistet.

Btw: Falls du noch mehr Bilder suchst, schau mal auf unserem Flickr-Album vorbei!

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