Ökotipps – alles nur Shaming und Ablenkung von politischer Verantwortung?

Sind Öko- und Konsumtipps wirklich sinnvoll? Oder lenken sie zu sehr die Aufmerksamkeit weg von der Politik – auf individuelle Entscheidungen der Bürger*innen?

Natürlich hat die Politik die größte Verantwortung und kann viel bewegen. Dennoch ist es wichtig, ein Bewusstsein für die Probleme unserer Gesellschaft zu schaffen: Wenn Klimaschutz zum Alltag wird und Menschen sich ganz selbstverständlich Gedanken um ihren ökologischen Fußabdruck machen, dann hat das langfristige Auswirkungen – auch in die Unternehmen und die Politik hinein. Denn das Konsumverhalten kann nicht nur Menschen und ihr Umfeld langfristig verändern, sondern auch den Markt!

Menschen gewöhnen sich schnell an wiederkehrende Vorgänge

Ein Beispiel: Wenn jemensch mit dem SUV zum Bauern fährt, um regional einzukaufen, erscheint uns das erstmal unsinnig. Doch bald wird das Einkaufen beim Bauern zur Gewohnheit und der/die Käufer*in macht sich Gedanken um weitere umweltschädliche Dinge: zum Beispiel um das Auto, oder darum, den Urlaub anders zu gestalten.

Ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit in der Gesellschaft ist oft sogar Voraussetzung für einen politischen Wandel: Nur, wenn öko sein zum Mainstream wird, können Verbote im Sinne des Klimaschutzes erfolgreich durchgesetzt werden. Denn je weniger Menschen man mit einem neuen Gesetz auf die Füße tritt, desto leichter kann es realisiert werden.

Ungleichheiten

Das größte Problem an Ökotipps ist, dass sich nicht alle Leute einen nachhaltigen Lebensstil leisten können. Eine alleinerziehende Mutter hat zum Beispiel selten die Zeit, um sich das Ökowaschmittel selbst anzurühren und auch nicht das Geld, um für ihre Kinder sämtliche Kleidung in öko-fairer Ausführung zu kaufen. Gleichzeitig haben Menschen mit weniger Einkommen in der Regel sowieso schon einen kleineren ökologischen Fußabdruck, weil sie zum Beispiel seltener weite Flugreisen unternehmen und in kleineren Wohnungen wohnen. Der Grad zwischen Öko-Tipps und Shaming ist manchmal schmal: So haben Menschen, die Familie im Ausland haben, oft keine andere Wahl als zu fliegen, wenn sie ihre Familie wiedersehen wollen. 

Unser Ziel sollte es sein, Menschen für einen nachhaltigen Lebensstil zu sensibilisieren. Dabei dürfen wir jedoch nicht vergessen, wie viele Umstände es gibt, die es einem unmöglich machen, jeden Ökotipp zu befolgen. Bei der Politik hingegen muss unser Verständnis aufhören: Denn nur, wenn wir weiterhin entschlossen Veränderungen fordern, können wir einen tiefgreifenden Wandel erreichen!

Blogbeitrag von Karl


Photo by Anna Oliinyk on Unsplash

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