Auf die Strasse

Gewinne machen ohne Gewissen? Nicht mit der BUNDjugend! Die plant in diesem Sommer auf die Straße zu gehen: In ganz Baden-Württemberg will sie für ein Lieferkettengesetz werben.

Was ist denn hier los? Im Gänsemarsch zieht eine Gruppe Menschen durch die Stadt. Alle tragen schwarze Kleider, sind verbunden durch eine Kette. Bunte Transparente und laute Parolen gibt es nicht, denn die Aktion ist keine Demo. Viel Aufmerksamkeit erregt das Spektakel trotzdem. Genau das ist das Ziel: Es geht um Unterstützung für eine wichtige Initiative.

Lebendige Lieferkette

Der Aufwand ist klein, die Wirkung aber groß. Und die Idee zwar nicht ganz neu, doch trotzdem gut. „Man braucht nicht viele Leute, damit die Aktion ein Erfolg wird“, meint Marina Blum. „Die Ausrüstung ist auch kein Problem – irgendwas Schwarzes zum Anziehen haben wir doch alle.“ Dann überlegt die 21-Jährige und muss grinsen: „Gut, eine lange Eisenkette gibt’s vielleicht nicht in jeder WG. Ein Seil tut es aber auch!“
Was muss noch vorbereitet werden? Nicht viel, verrät der Aktionsleitfaden: Nur kurz ein paar passende Fotos ausgedruckt und auf die Klamotten geklebt, dann ist man bereit für den Auftritt auf der Straße. Jeder Mensch symbolisiert bei der von der BUNDjugend Baden-Württemberg geplanten Aktionsform einen Teil einer Lieferkette. Geht es zum Beispiel um die Konsequenzen der Produktion von Palmöl, würden die Teilnehmer*innen Bilder von abgeholztem Regenwald, einer Palmölplantage und den Folgen des Raubbaus für die Menschen vor Ort zeigen. Auf dem letzten Foto wären dann all jene Produkte zu sehen, die Palmöl enthalten. Oder, noch besser: Man hängt sich eine Kette leerer Shampooflaschen um den Hals.

Aktiv trotz Corona

Marina Blum ist eine der Landesjugendsprecher*innen in BaWü. Für ein Wochenende ist die Soziologiestudentin nach Heilbronn gereist. Organisiert vom Landesjugendring, trifft sich dort eine Gruppe von gut 20 Menschen für einen Aktionsworkshop. Viele Jugendverbände wollen sich diesen Sommer möglichst kreativ engagieren, um für die „Initiative Lieferkettengesetz“ zu werben.

Die BUNDjugend im Südwesten wird sich auf die Aspekte Naturschutz und Umweltgerechtigkeit fokussieren. Doch bevor es auf die Straße geht, sitzen erst einmal alle diskutierend im Stuhlkreis: Es gilt, unter den möglichen Aktionsformen die passenden zu finden. Apropos Lieferkettengesetz: Das klingt ziemlich bürokratisch. Unter dem sperrigen Namen können sich viele erst einmal nur wenig vorstellen. Marina Blum erklärt:

„Wir wollen Firmen dazu verpflichten, bei der Produktion ihrer Waren die Umwelt zu schützen und die Menschenrechte zu achten.“

Bis zur Bundestagswahl im nächsten Jahr soll das Gesetz kommen, so das Ziel der Kampagne. Die Herausforderung für das Team der BUNDjugend: Wie weckt man Interesse für ein komplexes Thema, ohne klassisch einen Infostand in der Fußgängerzone aufzubauen? Zudem sollen die Menschen sich nicht zu nahe zu kommen – Demonstrationen sind in Zeiten von Corona eben keine gute Idee.

Kein Gewinn ohne Gewissen

Bei einer menschlichen Lieferkette aber könnte man den nötigen Abstand halten, sollte das im Sommer weiter erforderlich sein. Sie würde Aufmerksamkeit erregen, und Flyer zur Kampagne könnte man dabei auch verteilen – sowie Unterschriften sammeln für eine Petition. Noch leichter zu realisieren wäre eine Fotoaktion in den Social Media. Immerhin ist der Kern der Kampagne, dass gegen „Gewinne ohne Gewissen“ nur ein gesetzlicher Rahmen hilft: Da könnte man sich mit einem Bilderrahmen gegenseitig ablichten. Klar, dass dies beim Workshop schon in allerlei Varianten ausprobiert wird.
„Jede Gruppe kann entscheiden, wie intensiv sie sich einbringt. Schön ist, dass wir landesweit alle gemeinsam an diesem Thema arbeiten werden“, meint Marina Blum. Ursprünglich wollte die BUNDjugend bereits beim Frühlingstreffen der Aktiven starten, doch die ersten Aktion musste wegen Corona abgesagt werden. Nun sollen die menschlichen Lieferketten im Sommer durch verschiedene Städte Baden-Württembergs ziehen. Und nicht nur dort: Auch Gruppen aus anderen Bundesländern können sich beteiligen.

Voll motiviert

Die Idee begeistert auch jene, die noch nicht lange bei der BUNDjugend aktiv sind. Alicia ist 19 und beginnt im Herbst ihr Studium – vorher hat sie also noch viel Zeit, sich einzubringen. „Tolle Stimmung, gute Leute: Beim Workshop habe ich einen schönen Eindruck davon bekommen, wie die BUNDjugend arbeitet“, sagt sie. Die Initiative für ein Lieferkettengesetz hat ihre Stimme sicher: „Es darf keine individuelle Entscheidung an der Ladenkasse sein, ob man gerechte Produkte kauft oder nicht – dafür brauchen wir klare Regeln, die für alle gelten.“ Vom Aktionswochenende nimmt sie viel positive Energie mit nach Hause: „Jetzt bin ich total motiviert, dranzubleiben und mich weiter zu engagieren.“

Text und Fotos: Helge Bendl (www.helgebendl.com). Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved. Dieser Beitrag erschien zuerst im BUNDmagazin 02/2020. 
https://www.bund.net/service/publikationen/detail/publication/bundmagazin-1-20-1/


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Warum braucht es einen gesetzlichen Rahmen für Lieferketten? Argumente gibt’s auf: www.lieferkettengesetz.de. Über Aktionen und Demos informiert die BUNDjugend auf www.bundjugend.de und per Telegram: www.t.me/bundjugend

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