Saubere Sache: Die Potsdamer Plastik Piraten und die Kampagne „Cottbus plastelos“ sorgen für weniger Plastik in der Umwelt

Alle Achtung! Potsdams Seeräuber sind heute richtig gut verkleidet. Viel, viel besser als ihre Vorfahren, die mit ihren Schiffen einst die Meere unsicher machten. Niemand erkennt die neue Tarnung: Mühelos pirscht sich die Gruppe an ihre Beute heran. Schwarze Augenklappen? Flaggen mit gruseligen Totenköpfen? Das war einmal. Inzwischen zählen bunte Gummistiefel und dicke Handschuhe zur Piratenkluft. Statt blitzender Entermesser und einer Schatztruhe haben sie Greifzangen und blaue Säcke. Und eine ordentliche Portion Mut und Motivation: Schließlich kämpfen die Plastikpiraten gegen einen unappetitlichen Feind: den überall verstreuten Plastikmüll.

Manchmal schon eklig

Flüsse und Seen, aber auch Wiesen, Wälder und Parks sind das Revier der BUNDjugend-Gruppe Potsdam. Vincent ist elf Jahre alt, sein Bruder Anton sieben. Ob nun bei Sonne, Regen oder Schnee: Alle paar Monate werden die zwei Jungs aktiv für den Schutz ihrer Umwelt. Als „Potsdamer Plastik Piraten“ haben sie es sich auf die Fahne geschrieben, die Natur vom Müll zu befreien. Anders als die Klimapiraten der BUNDjugend, die vor einigen Jahren nach Kopenhagen zum UN-Klimagipfel reisten, um die Weltpolitik zu entern und mit spektakulären Aktionen Druck auszuüben, kümmern sich die Freibeuter aus Potsdam um ein Problem direkt vor ihrer Haustür. »Überall liegt Müll herum. Nicht nur viel Zeug aus Plastik, sondern auch Glasscherben oder alte Anziehsachen «, erzählt Vincent. Erwachsene helfen bei den Sammelaktionen mit. »Wir haben schon ein Fahrrad, Autoreifen und sogar mal ein Sofa gefunden: So große Sachen bringen wir alleine ja gar nicht weg!«, ergänzt Anton. Was das Team aufsammelt, holt am nächsten Tag die Stadt ab. Sie stellt den Piraten auch die Greifzangen und Müllbeutel bereit. »Es ist wichtig, was zu tun. Wenn man immer nur über ein Problem schimpft, ändert sich ja nichts«, meint Vincent, »wenigstens für den Moment ist es dann mal sauber.« Spaß macht dem Jungen die Aktion – allerdings nicht immer: »Manchmal ist so stinkender Müll schon eklig.«

Genug zu tun

Koordiniert werden die vierteljährlichen Einsätze der Plastikpiraten von der BUNDjugend Brandenburg. Die Idee Ulrich von Wedels, Vater von Anton und Vincent, fand bei Jugendbildungsreferentin Anja Zubrod gleich Anklang. Über die Homepage, E-Mails an die Aktiven, Facebook sowie Mund-zu-Mund-Propaganda trommelten sie und ihre FÖJ-Helfer*innen für das neue Projekt. Erst kamen nur ein paar Kinder plus Angehörige zu den Treffen. Inzwischen helfen auch Studierende und sogar einige Stand-Up-Paddler beim Aufsammeln des Mülls mit. Zu tun gibt es genug. »Ganz ehrlich«, sagt Anja Zubrod, »mir ist früher nie aufgefallen, wie viele Zigarettenstummel und Tütchen mit Hundekot überall herumliegen.« Ist Müllsammeln nicht etwas alt – backen? »Ach was«, meint Anja Zubrod, »wir bekommen von vielen Seiten tolles Feedback.« Vergangenes Jahr haben die Potsdamer Piraten auch mal spezielle Kescher in die Havel gehängt, um im Rahmen einer »Citizen-Science«-Aktion Mikroplastik zu erfassen. Der meiste Plastikmüll, der in Bäche und Flüsse gelangt, landet ja irgendwann in Nordund Ostsee und verschmutzt dort über Jahrhunderte die Meeresumwelt. Die Plastikpiraten versuchen auch daheim Müll zu vermeiden: »Für mein Pausenbrot nehme ich nur noch eine Box, keine Tüte mehr. Viele in meiner Klasse machen das jetzt genauso«, erzählt Vincent. Außerdem achtet er beim Einkauf darauf, dass möglichst wenig Plastik im Korb landet.

Cottbus plastelos

Das denkt auch Anton Kröber von der BUNDjugend Cottbus. Die Gruppe – vor allem Studierende der  brandenburgischen TU – hat sich von den Potsdamern inspirieren lassen und ebenfalls eine Kampagne gestartet. „Cottbus plastelos“ nennt sich ihre Initiative für Mehrwegbecher. »Pro Jahr werden in Deutschland fast drei Milliarden Einwegbecher weggeworfen, einfach irre!«, empört sich der 23-Jährige. »Die Becher sorgen für volle Mülleimer und sind kaum zu recyceln.«

Das geht besser

Die Alternative zur Verschwendung: ein Pfandsystem für Mehrwegbecher. Was das Start-Up „Recup“ in Städten wie Berlin und München schon initiiert hat, funktioniert dank der BUNDjugend nun auch in Cottbus. Ein Naturkostladen mit angeschlossenem Café, der Ährenkranz, hat sich schon ein Starter-Kit besorgt: Becher für einen Euro Pfand, die man andernorts wieder abgeben kann. Die BUNDjugend will weitere Bäckereien und Cafés überzeugen, mitzumachen. Auch die Stadt Cottbus soll ihren Beitrag leisten und 5000 Becher für das Stadtfest im Sommer besorgen. »Bislang sind unsere Straßen nach solchen Ereignissen immer voller Müll. Das geht besser – bei Weihnachtsmärkten bezahlen die Leute ja auch Pfand für ihre Tassen«, meint Anton Kröber. Viel Müll ließe sich so vermeiden. Gut möglich, dass auch Potsdams Plastikpiraten bald auf ihre Stadt zugehen.

Text und Fotos: Helge Bendl (www.helgebendl.com). Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved. Dieser Beitrag erschien zuerst im BUNDmagazin 02/2018. 

1 Kommentare

  1. Melanie Scherer

    Ein tolles Projekt. Ich finde den Umweltgedanken sehr wichtig. Vor allem seid ich selbst Mutter bin. Bei meiner Recherche über die Energiewende bin ich auf das Max Plank Institut gestoßen. Das Institut unterstützt interessante Projekte um die Energiewende voran zu treiben. Wer sich informieren möchte, sollte hier reinschauen https://cec.mpg.de/projekte/forschungsprojekte/

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