Warum die Klimakrise so nervig ist – Teil 2

Die Politik muss dringend aufwachen und handeln. Es sind extrem wichtige Entscheidungen zu treffen, die dafür sorgen müssen, dass weniger Treibhausgase ausgestoßen werden. Die Lösungen dafür sind alle da, es fehlt leider nur die Bereitschaft schnell etwas zu ändern. Die Wirtschaft ist einfach wichtiger. Anscheinend auch, obwohl diese in naher Zukunft sowieso zusammenbrechen könnte, wenn wir nichts verändern. Wenn wir die Erderwärmung nicht mehr aufhalten können und es immer wärmer und wärmer wird, der Meeresspiegel immer weiter steigt, Naturkatastrophen immens zunehmen und es in vielen Teilen der Erde schlichtweg zu heiß zum Leben wird, werden unzählige Menschen sterben, aus ihrer Heimat fliehen und es wird Bürgerkriege um Ressourcen und Lebensraum geben. Aber Hauptsache, wir haben noch ein paar Jahre Geld mit Kohlegewinnung gemacht.

Und ja, auch wir müssen unser Leben verändern. Wir alle müssen das. Wir müssen tun, was wir können – Schritt für Schritt. Das fängt bei kleinen Dingen an, wie seine Kosmetikprodukte auf umweltfreundliche Alternativen umzustellen. Langfristig reicht das aber nicht, wir alle müssen uns überlegen, was für einen Beitrag wir für die Umwelt leisten können, wie wir unseren persönlichen CO2-Fußabdruck reduzieren können. Diesen kann man übrigens im Internet messen – ist nicht gerade schön zu wissen, dass man mit dem eigenen Konsumverhalten auf die gesamte Menschheit gerechnet eigentlich zweieinhalb Planeten bräuchte. Im Internet gibt es auch so viele Ideen und Anregungen, wie man sein Leben umweltfreundlicher gestalten kann. Weniger fliegen, weniger Auto fahren, weniger Fleisch und Milchprodukte essen (oder sogar ganz darauf verzichten) – diese Dinge haben einen sehr positiven Effekt aufs Klima.

Aber Stopp! Jetzt wollen wir ja mal nicht zu weit gehen. Niemand kann ja wohl erwarten, dass wir jetzt alle aufhören in den Urlaub zu fliegen, dreimal im Monat neue Kleidung zu bestellen oder unser Auto öfters stehen zu lassen! Und unser Fleisch lassen wir uns auch nicht wegnehmen, wir lassen uns hier sowieso nichts verbieten! – Wenn man wie ich hin und wieder Facebook-Kommentare unter Posts rund um das Thema Klimakrise liest, dann sind solche Meinungen keine Seltenheit. Zu mir hat mal eine Person gesagt, dass sie ja grundsätzlich für Klimaschutz sei und nach einem dicken “aber” folgte dann eine Vielzahl von Gründen, warum der eigene Lebensstil aber nicht darunter leiden sollte, warum die Politik Klimafragen nicht an erster Stelle behandeln sollte und warum viele Umweltaktivisten einfach viel zu extrem agieren.

Auf diese drei Punkte möchte ich noch einmal genauer eingehen, denn ich glaube, dass diese Person mit der Meinung nicht ganz alleine dasteht.

  1. Wir können nicht so weiterleben wie bisher Das unsere Wegwerf-Gesellschaft ein riesen Klimakiller ist, ist kein Geheimnis. Und trotzdem will niemand so wirklich was verändern. Dazu sind wir zu bequem und schlichtweg zu egoistisch. Anscheinend können viele von uns nicht über den eigenen Tellerrand hinausblicken oder sie wollen es einfach nicht. Wir leben in einer Wohlstandsgesellschaft, die permanent Angst hat, dass ihr der Wohlstand weggenommen wird. Wir wollen unseren teuren Lebensstandard unbedingt behalten und deswegen reagieren wir unheimlich empfindlich auf drohende Verbote oder erhöhte Steuern zur CO2-Einsparung. Wir in Deutschland leben doch sowieso viel umweltbewusster, als Menschen in anderen Ländern, sollen die doch was verändern. Funfact Nr. 2: Deutschland hat seit Beginn der Industrialisierung fast 5% der kompletten Erderwärmung verursacht. Wenn man das mal in Relation zum Rest der Weltbevölkerung setzt, ist das nicht gerade wenig. Aber – auf andere Länder schieben ist halt bequemer, bei sich selbst anfangen wäre ja nun wirklich absurd. HALLO?! Ist schon mal jemand von den schlauen Klimawandel-Leugnern oder Greta-Hassern auf die Idee gekommen, dass wir alle auf demselben Planeten leben? Dieses Problem betrifft jeden von uns, ausnahmslos jeden. Also auch wir privilegierten Deutschen müssen etwas verändern.
  2. Klimapolitik muss an erster Stelle stehen Eigentlich ist es wirklich nicht schwierig zu verstehen. Keine intakte Umwelt – kein Leben für uns. Es gibt einfach kein wichtigeres Thema als Klimaschutz, denn davon hängen alle anderen politischen Fragen ab. Das bedeutet nicht, dass man z.B. soziale Fragen völlig unter den Teppich kehren soll. Nein, natürlich muss man versuchen Klimapolitik so zu führen, dass keine extremen sozialen Benachteiligungen für bestimmte Bevölkerungsgruppen entstehen. Aber das Ziel der Einsparung von Treibhausgas-Emissionen muss in allen Fragen Priorität haben. Klimapolitik ist auch Sozialpolitik. Ohne die richtige Klimapolitik mit den richtigen Entscheidungen, sieht es für uns alle in ein paar Jahrzehnten wahrscheinlich ziemlich übel aus. Auch hier – einfach mal ein bisschen größer denken, es dreht sich nicht alles um uns als kleine Individuen. Natürlich ist der eigene Arbeitsplatz oder die eigene Rente für jeden von uns wichtig. Aber was bringen uns Arbeitsplätze und eine gute Rente, wenn wir vor einer existenziellen Bedrohung stehen?
  3. Umweltaktivisten müssen auch extrem sein Dieses Statement darf man nicht falsch verstehen. Aktivismus ist wichtig in unserer Situation, aber natürlich darf damit unter keinen Umständen gerechtfertigt werden, dass bei Aktionen jemand verletzt wird oder in anderer Art zu Schaden kommt. Grundsätzlich brauchen wir aber Menschen, die auf die Straße gehen und das fordern, was schon lange überfällig ist: Schnelle, effektive Klimapolitik. Viele Menschen finden es schon zu extrem, dass seit Monaten jeden Freitag Schüler*innen den Unterricht schwänzen, um genau diese Forderungen zu stellen. Neben vielen positiven Stimmen und Zusprüchen gibt es im Internet beispielsweise auch Kommentare wie „es nervt nur noch“, „wer seinen Lebensunterhalt nicht selbst finanzieren muss, hat leicht reden“ oder „nur Gekreische und Gegröle ändern das Klima nicht – wenn der Sommerferien-Urlaub im Flugzeug anfängt“ (ich habe es mir übrigens erlaubt hier Rechtschreibfehler zu korrigieren). Erstmal: Ja, vermutlich gibt es auf den FridaysForFuture-Demonstrationen Schüler*innen, die die Gelegenheit nutzen um nicht zur Schule gehen zu müssen und ja, vermutlich lebt auch ein Teil dieser Schüler*innen kein perfektes umweltbewusstes Leben. Von ein paar möglichen Einzelfällen dabei auf eine ganze Bewegung zu schließen, zeigt einfach schon wieder, wie wenig differenziert einige Menschen denken. Und außerdem: Im Gegensatz zu allen ach-so-klugen Kritikern, kämpfen all diese Schüler*innen (mittlerweile unterstützt von Menschen aus vielen verschiedenen Alters- und Bevölkerungsgruppen) für die Zukunft des Planeten, übrigens auch an Feiertagen oder in den Ferien!

Ohne Aktivismus, der zum Teil auch mal in die extremere Form des zivilen Ungehorsams übergeht (übrigens aber gerade nicht bei FridaysForFuture), sind einige Ziele leider nicht zu erreichen. Jeder hat das Recht Sitzblockaden oder die Besetzung von Kohlekraftwerken nicht gut zu finden. Die Notwendigkeit dieser drastischen Maßnahmen ist auch nicht schön, sie zeigt nur mal wieder, wie wenig auf die Forderungen zur Klimapolitik eingegangen wird. So lange solche Aktionen friedlich bleiben, sind sie in meinen Augen ein wichtiger Beitrag um Aufmerksamkeit für das Thema zu generieren.

Ich weiß, dieser Text wird vermutlich kaum einen dieser unglaublich genervten, den Klimaschutz als unnötig deklarierenden Menschen erreichen. So wie wahrscheinlich auch keine wissenschaftliche Quelle, kein Experte und anscheinend nicht einmal extrem beunruhigende Veränderungen in unserer Umwelt diesen Leuten die Augen öffnen können. Früher oder später, wird es aber jeder verstehen. Vermutlich zu spät. Nämlich dann, wenn wir über den Kipppunkt hinaus sind und alle Schäden, die wir verursacht haben und noch verursachen werden irreversibel sind. Dann war’s das mit unserem schönen Zuhause.

Ein Szenario wogegen tausende Menschen kämpfen. Ein Szenario wogegen ich kämpfe. Wären da nur nicht die, die offensichtlich nichts dagegen haben, dass Schritt für Schritt unser aller Lebensgrundlage zerstört wird. Wären da nur nicht die, denen Geld wichtiger ist, als die Luft zum Atmen. Wären da nur nicht die, die es uns so schwer machen unser Zuhause zu schützen.

Funfact Nr. 3: Wir haben nur dieses eine Zuhause. Dass das besonders schützenswert ist, kann doch nicht so schwer zu verstehen sein.

Ein Blogbeitrag von Tanja

1 Kommentare

  1. Danke für diesen hervorragenden Blogbeitrag! Eines der klügsten und differenziertesten Statements, das ich in den letzten Wochen zum Thema Klimawandel und zur aktuellen Klimaschutzbewegung gelesen habe. Ich bin hier eher zufällig im Rahmen einer anderweitigen Recherche gelandet, doch ohnehin am Thema sehr interessiert (schon aus purem Überlebenswillen) und werde nun den Link zu diesem Beitrag an meine Freunde versenden und weitere Blogbeiträge lesen.
    Herzliche Grüße

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