Webinar des Umweltbundesamts (UBA) zum IPCC Bericht

von Luisa Weber

„Menschliche  Aktivitäten  haben  Schätzungen  zufolge  etwa  1,0  °C  globale  Erwärmung über  vorindustrielle  Werte  verursacht.  Die  globale  Erwärmung  erreicht  1,5  °C  wahrscheinlich zwischen  2030  und  2052,  wenn  sie  mit  der  aktuellen  Geschwindigkeit weiter zunimmt“ 

Das Umweltbundesamt spielte eine aktive Rolle bei der Erstellung und Verabschiedung des Berichts. Hintergrund des Berichts ist das Pariser Klima-Abkommen, bei dem man sich auf die Begrenzung des Treibhauseffekts auf deutlich unter 2°C einigte. Man gab dabei dem IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) den Auftrag einen Bericht über das 1,5 Grad Ziel zu verfassen. Die Erstellung dauerte anderthalb Jahre und in dem Sonderbericht werden aktuelle wissenschaftliche Texte über den Klimawandel ausgewertet, er gibt quasi einen Überblick über den jetzigen Wissenstand.
In dem Bericht geht es vor allem um neue Risikobewertungen des Klimawandels. Er zeigt die starke Risikoerhöhung bei einer Erwärmung von 2 Grad im Vergleich zu 1,5 Grad. Die Erkenntnisse weisen aber auch darauf hin, dass die Risiken bei geringerer Erderwärmung größer sind, als bisher angenommen. Niemand weiß, wann ein Klima-Kipppunkt erreicht sein wird. Man weiß nur, dass mit steigender Erderwärmung die Wahrscheinlichkeit des Erreichens eines Kipppunkts steigt.

Bei einer Erwärmung um 2°C werden die Korallen aussterben. Das wird unberechenbare Wirkungen auf die Meeresfischbestände haben, was sich wiederum negativ auf die Nahrungssicherheit der Menschen an den Küsten auswirken wird. 2 Grad Erderwärmung bedeutet auch die kaum umkehrbare Schmelzung des Grönlandeisschilds und damit verbundene Erhöhung des Meeresspiegels. In der Arktis steigt die Temperatur global betrachtet überdurchschnittlich schnell und stark an. Das hat naturwissenschaftliche Gründe durch die verringerte Schneefläche und dem stärkeren Austausch zwischen Wasser und Land. Gleichzeitig hat das Abschmelzen der Polarkappen weitreichende Folgen bis zur Beeinflussung des ostasiatischen Monsuns.

Es ist schwierig, zu sagen, ab wann das Schmelzen des Grönlandeisschilds irreversibel ist. Wenn das komplette Eis abgeschmolzen ist, bedeutet das einen Meeresspiegelanstieg von zirka 13 Metern. Das ist aber ein langwieriger Prozess, der mehr als ein Jahrhundert in Anspruch nehmen würde.
Welche Schlussfolgerungen lassen sich aus dem Sonderbericht speziell für die Situation in Deutschland schließen? Die räumliche Auflösung des Berichts ist zu grob, um Risikobewertung für Deutschland neu vorzunehmen. Darum bezog man sich an der Stelle vor allem noch auf Erkenntnisse aus der Vulnerabilitätsstudie (Vulnerabilität = Verwundbarkeit) von 2008. Im Winter kann man in Deutschland mit verstärkten Niederschlägen und in den Sommern mit stärkerer Trockenheit rechnen. Diese werden auch zu kommunal beschränkter Wasserverfügbarkeit führen. Der Meeresspiegelanstieg wird zu Schäden an der Infrastruktur führen und allgemein wird es häufiger zu extremen Wetterereignissen kommen. 2018 und 2017 konnte dies schon teilweise beobachtet werden.

Einer der wichtigsten Erkenntnisse des IPCC Sonderberichts ist, dass es unterschiedliche Wege zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad gibt. Dafür wurden verschiedene Emissionspfade berechnet. Bis 2050 müssten die CO2 Emissionen auf Netto 0 absinken, um das 1,5 Grad Ziel zu erreichen. Es gibt aber auch Pfade, die zunächst eine Überschreitung des 1,5 Grad-Ziels vorsehen, wobei das Weltklima aber vor 2100 auf diese Temperatur zurücksinkt. Durch die bisher zu geringen Bemühungen sind negative Emissionen zur Erreichung des 1,5°C- Ziels erforderlich geworden. Negative Emissionen beziehen sich auf verschiedene Geoengineeringverfahren, bei denen mehr CO2 der Atmosphäre entzogen, als gleichzeitig emittiert werden. Beispielsweise agro-forstliche Maßnahmen, landwirtschaftliche Bindung von CO2 und künstliche Abscheidung und Lagerung. Diese Verfahren werden aber als nicht nachhaltig kritisiert. Sie können sich negativ auf Nahrungsmittelsicherheit, Landwirtschaft, Bodenqualität und Erhalt von Ökosystemdienstleistungen auswirken und direkte Risiken für Menschen beinhalten. Außerdem birgt es den Trugschluss, dass es für den Klimawandel eine technische Lösung gäbe und somit grundlegende Verhaltensänderungen nicht erforderlich seien.
Bei der Pariser Klimakonferenz kommunizierten die teilnehmenden Staaten sogenannte NDC (Nationally Determined Contributions). Das sind freiwillige Maßnahmen für den Klimaschutz der jeweiligen Staaten. Wenn diese Anstrengungen so fortgesetzt werden, wie bisher, wird sich die Erderwärmung bis zu ca. 3,5 °C fortsetzen. Die bisherigen Anstrengungen sind also nicht ausreichend. Bis 2030 müssen die Treibhausgase stärker verringert werden, als bisher angekündigt, sonst sind die 1,5 Grad nicht mehr erreichbar. Der Sonderbericht nahm außerdem einen Abgleich des 1,5 -Grad-Ziels mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) der UN vor. Das ergab, dass ambitionierte Treibhausminderung für nachhaltige Entwicklung wichtig ist. Es gibt zwischen den Zielen mehr Synergien als Zielkonflikte.
Bei diesem Transformationsprozess sind besonders die Industrieländer in der Pflicht. Der Green Climate Fund (GCF, auf Deutsch: Grüner Klimafonds) sollte weiterentwickelt werden, um die Zugänglichkeit für vulnerable Staaten und Akteure zu sichern.

Der globale Kohleausstieg muss im Jahrhundertverlauf erfolgen, bis 2050 muss 60% des Stromverbrauchs aus Erneuerbaren Energien stammen. Elektromobilität, Umstellung der Nahrungsgewohnheiten auf Nachhaltigkeit, Rückgang des Fleischkonsums… die Liste der Handlungsschritte ist lang. Dafür muss die Politik den Rahmen vorgeben und so beispielsweise umweltschädliche Subventionen zurückfahren und nachhaltige Lebensstile für die breite Mittelschicht ansprechend kommunizieren. Als erste Schritte müssen dafür der Zugang zu Informationen und damit der Kapazitätsaufbau gefördert werden. Des Weiteren könnte kommunaler Klimaschutz von einer freiwilligen zu einer Pflichtaufgabe umgewandelt werden. Derzeit ist der Klimaschutzplan 2050 in Deutschland im Prozess. Die Arbeiten am Klimaschutzplan beziehen sich besonders auf 2030. Diese Ziele müssen angesichts der Erkenntnisse aus dem IPCC Sonderbericht neu überdacht werden.
Der Sonderbericht ist ein starkes Signal und wird in der deutschen Politik und auf europäische Ebene sichtbar werden, diese Hoffnung äußerte zu mindestens das Bundesumweltamt.

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