Waldspaziergang durch Jänschwalde

Mit einer Gruppe von Aktiven vom BUND und der BUNDjugend ging es am letzten Samstag von Berlin nach Jänschwalde in die Niederlausitz. Angesicht der drohenden Rodung des letzten Waldstücks hat die Grüne Liga einen Spaziergang organisiert. Wir nehmen dabei den gleichen Weg wie die Klimapilger auf dem Weg zur Klimakonferenz nach Katowice. Es geht durch das Vorfeld des Tagebaues bis zum Wald bei Taubendorf.

Gemeinsam wandern wir zunächst am Vorfeld des Tagebaus entlang. In direkter Nähe zu Straße befinden sich die Pumpen, die das Gebiet entwässern. 80 Meter wird hier der Grundwasserspiegel abgesenkt und dabei 110 Millionen Liter Wasser pro Jahr abgepumpt, wovon rund 42 Millionen Liter die Kühltürme vom Kraftwerk verbrauchen. Davon sind nicht nur die halb verdorrten Pflänzchen betroffen, welche sich am Straßenrand gerade noch am Leben halten, sondern auch die vielen Seen, Wiesen und Feuchtgebiete, die sich im Eizugsgebiet befinden und ebenfalls langsam austrocknen. Deswegen hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und die Grüne Liga gegen die Genehmigung des Hauptbetriebplanes geklagt.

Wir biegen nach rechts ab, und wandern durch das Vorfeld. Hier ist schon alles für den Abbau der Braunkohle vorbereitet. Der Wald, der hier noch vor einigen Monaten stand, wurde vollständig abgeholzt. Der umgegrabene und teilweise zu Dünen aufgehäufte Boden ist sandig und staubtrocken. Ansonsten prägen vor allem die weite, kahle und trostlose Leere das Bild. Am Horizont zeichnen sich die grauen, rauchenden Kühltürme vom Kraftwerk Jänschwalde gegen den blauen Himmel ab. Als drittgrößtes Braunkohlekraftwerk Deutschlands stößt es rund 23 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr aus und gehört damit zu den klimaschädlichsten Kraftwerken in ganz Europa. Bei Volllast benötigt das Kraftwerk pro Tag ca. 80.000 Tonnen Braunkohle und der Bagger, der dieses fördert, rollt langsam auf Taubendorf zu und droht mit Lärmbelästigung und Bergschäden.

Doch wir wollen nicht nur die Zerstörung mit eigenen Augen sehen, sondern auch ein Zeichen des Wiederstandes setzen. Mit Sprechchören wie, „Hop, hop, hop, Kohle stopp!“ oder „Es gibt kein Recht auf Kohlebaggerfahren“ werden in der Mitte der vernichteten Natur die Banner entrollt und zu einer symbolischen roten, beziehungsweise eher bunten Linie gezogen. Weiter geht es zum letzten noch verbliebenen Waldstück. Hier ist die Luft deutlich angenehmer, kühler und windstiller. Nur dank der unbeugsamen Kraft der Familie Gebke steht er noch. Doch der Tagebaubetreiber LEAG droht mit Enteignung. Mit leckerem Essen sitzen wir auf weichem Moosteppich und hören die Reden, Gedichten und Liedern. Welch ein Idyll! Und LEAG muss heute draußen bleiben. Erst wer dieses Ausmaß an Vernichtung von Lebensraum mit eigenen Augen gesehen hat, kennt den wahren Preis, den wir zusätzlich zum Klimawandel für die Kohlenutzung zahlen, denn er ist auf keiner Stromrechnung zu sehen. Und der Protest geht weiter: Am 28.4. um 13:45 Uhr am Bahnhof Schleife.

Ein Blogbeitrag von Jurek

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