Vegan in der Fastenzeit – mein Fazit

In Bezug auf Veganismus bin ich weniger zufrieden. Mein Ziel war es eigentlich, mehr Menschen mitzuteilen, dass ich vegan lebe und dann auch so zu essen. Mit einer Freund*innengruppe aus der Schulzeit habe ich das auch schon gemacht, sie haben sehr positiv darauf reagiert, was ich klasse fand. Eine andere Gruppe von Freund*innen sehe ich vermutlich im Mai oder Juni, da werde ich das auch verkünden. Schwieriger sind eher meine Eltern und meine Familie. Da ich die aber nur sehr selten sehe und es auch durchaus manchmal vegane Gerichte gibt (mein Cousin ist schon ziemlich lange Veganer), ist meine Motivation ziemlich gering. Wenn ich zusammenrechne , was ich in diesen Tagen an Tierprodukten konsumiere, komme ich aufs Jahr gerechnet vermutlich auf weniger als ein Kilo.  Ich kann ja mal meine Cheats aufzählen:

Trotzdem stört es mich und ich würde gerne darauf verzichten. Ich habe mich in der letzten Zeit viel mit der Theorie der kognitiven Dissonanz auseinandergesetzt. Ganz grob gesagt streben Menschen danach, dass Handeln und Verstehen im Einklang sind. Warum handeln wir alle so widersprüchlich? Vermutlich, weil wir Mechanismen entwickeln, um die kognitive Dissonanz aufzulösen. Ich vermute/ hoffe, dass eher wenige Menschen wirklich gerne Tiere quälen/leiden lassen wollen. Warum konsumieren sie trotzdem Lebensmittel und Produkte, die anders nicht herstellbar sind (Ich glaube nicht an eine „humane Tötung“, auch wenn es da natürlich gravierende Unterschiede gibt!)? Ich vermute, weil die Herstellungsweise verdrängt und romantisiert wird und es so normal (durch Traditionen und Gewohnheiten) ist, dass man sich sogar rechtfertigen muss, wenn man „nicht normal“ is(s)t. Vermutlich macht es mir deshalb weniger aus, wenn Sachen nicht offensichtlich nicht vegan sind (z.B. Eiernudeln) als wenn ich Käse esse. Vielleicht hilft es, zu analysieren, warum es mir so schwerfällt:

1.Gesundheitliche Aspekte

Meine Eltern sind beide davon überzeugt, sich gesund zu ernähren. Sie essen beide eine Mischkost mit wenig Fleisch und viel Gemüse. Trotzdem halten sie Tierprodukte für essentiell auf dem Speiseplan. Ich denke eigentlich auch, dass eine ausgewogene Mischkost sehr gesund sein kann, eine ausgewogene vegane Ernährung allerdings auch. Da ich vermutlich deutlich gesünder und ausgewogener esse als ein Großteil der Menschen in meinem Alter (weniger Fertigprodukte, Süßigkeiten, sehr variantenreichen etc.), mache ich mir über diesen Aspekt nicht so viele Gedanken. Ich würde mich deshalb über Kommentare zu Studien freuen, die pro vegane Ernährung sind (und möglichst nicht von Peta oder veganen Firmen). Zudem wollte ich einen Bluttest machen. Auch da würde ich mich über Tipps freuen, ich bin momentan noch sehr verwirrt, was denn sinnvoll zu testen ist.

2. Anderen wenig Umstände machen

In meinem Umfeld war das beim Vegetarismus deutlich einfacher. Ich konnte eigentlich immer Beilagen essen und da in meiner Familie sowieso wenig Fleisch gegessen wird, war das wenig umständlich. Auch unterwegs findet man eigentlich immer etwas. Natürlich gibt es Strategien: selber anbieten zu kochen/ einzukaufen, Produkte mitbringen o.Ä., was ich auch durchaus mache- nichtsdestotrotz bleibt dieses Problem zumindest so lange, bis sich die entsprechenden Personen daran gewöhnt haben.

3. Essen als soziales Moment

Ich muss feststellen, dass es im Gegensatz zur Stadt auf dem Land noch immer schwierig ist Alternativen zu finden. Es wird immer mehr gekennzeichnet, was ich klasse finde, trotzdem ist das Angebot eher rar. Mit meiner Familie esse ich gerne mal ein Stück Kuchen oder Eis. Ehrlich gesagt ist das der Punkt, auf den ich am wenigsten eine Antwort weiß (solange es noch zu wenig Alternativen gibt).

Ich überlege, diese Problematik mal alle meinen komplett vegan lebenden Freund*innen zu schildern und nachzufragen, wie sie das so handhaben. Zudem möchte ich gerne noch zwei weitere Listen als Inspiration für andere teilen:

Veganes Essen unterwegs:

Ich möchte damit keinerlei Werbung für die aufgezählten Läden machen, nur über ihr Angebot informieren! Generell ist es natürlich noch besser, dort nichts zu kaufen und mich stört auch der hohe Avocado Anteil, aber wenn, finde ich, kann man durchaus ihr veganes Angebot unterstützen.

  • Pommes bei McDonalds, momentan gibt es auch einen veganen Burger
  • Spinatspirale, Avocadobrötchen- und Bagel, Wraps beim Backwerk (außer Wraps kann man die Sachen auch einfach in die Hand nehmen/in eine Dose legen und somit auf Plastik verzichten)
  • Avocadowrap bei der Nordsee
  • Avocadobagel bei Coffee Fellows
  • Vegan Bowl bei Starbucks
  • Couscous bei LeCrobag
  • Falafel ohne Jogurtsoße
  • Brezeln/ Laugenwecken (z.B. Ditsch, Wiener Feinbäckerei etc.)
  • diverse andere Ketten oder einzelne Läden, die vegane Alternativen anbieten

Mein(e) (fast) veganes+ plastikfreies Badezimmer/Küche:

  • selbstgemachtes Waschmittel (Kernseife aus Olivenöl, Soda, Wasser)
  • selbstgemachtes Deo (Kokosöl, Natron, Wasser, ätherische Öle)
  • Zahnbürste aus Bambus bzw. Holz
  • Haarbürste aus Bambus
  • vegane Zahnpasta
  • feste Seife zum Duschen / Hände waschen
  • Shampoo aus dem Unverpacktladen / Spülung Naturkosmetik
  • Spülmittel aus dem Unverpacktladen

Generell würde ich mich freuen, in den Kommentaren keine Grundsatzdiskussionen darüber anfangen zu müssen, ob es richtig ist, wenn Menschen Tiere töten. Ich lebe seit fast 10 Jahren vegetarisch und musste diese Diskussion oft genug führen. Ich denke, dass es prinzipiell nicht richtig ist, dass es aber auch Gegenden in der Welt gibt, in denen eine vegetarische oder vegane Ernährung fast unmöglich ist (z.B. oberhalb des Polarkreises). Diese Menschen möchte ich auf keinen Fall verurteilen, die Hauptverursacher*innen (bzw. die, die mit wenig Aufwand etwas ändern können) sind insbesondere in den Ländern des globalen Nordens angesiedelt. Das Hauptproblem sehe ich in der Massentierhaltung und diese abzuschaffen, wäre meiner Meinung nach ein erster extrem wichtiger Schritt. Zudem würde ich mir (auch wenn sie berechtigt wäre) keine Kritik zu meiner Inkonsequenz in Bezug auf Veganismus wünschen – ich bin selbst unzufrieden damit, versuche aber daran zu arbeiten und brauche Motivation!

Ein Blogbeitrag von Linda

1 Kommentare

  1. Hey Linda,
    guter Beitrag =). Du hattest nach Studien zur Gesundheit gefragt. Bevor ich dich hier mit Links überhäufe, versuche ich es eher mal mit Buchempfehlungen zu dem Thema:

    How not to Die, China Study, Vegan-Klischee ade, longevity diet…

    Zu den Blutwerten, da ist es relativ schwierig Werte zu finden, die deinen Gesundheitszustand wirklich widerspiegeln können. Interessant wären im Rahmen der veganen Ernährung auf jeden Fall dein B12 und D3 Spiegel und natürlich Cholesterin und Triglyceride zusätzlich zum großen Blutbild.

    Liebe Grüße
    Max

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