Rassismus und Gewaltnarrative

Black Lives Matter – Immer und Überall

Hinweis: In diesem Beitrag werden Themen wie Antischwarzen Rassismus, rassistische Gewalt & Mord thematisiert. 

Was ist schlimmer: Polizisten, die rassistische Polizeikontrollen machen, sich keine Mühe geben, rassistische Morde aufzuklären? Oder ein_e Journalist_in, die_der das kritisiert? Es handelt sich hier um eine typische Täter_innen-Opfer-Umkehr. Das bedeutet, dass im Diskurs die realen Tatsachen verdreht werden, sodass es so wirkt als wäre die Person oder Gruppe, die in der Realität Gewalt erfährt, eigentlich selbst schuld daran oder sogar selbst die Täter_innen. Dies ist zum Beispiel der Journalist_in Hengameh Yaghoobifarah passiert. Seehofer wollte Hengameh anzeigen, weil they in einer Kolumne geschrieben hat, dass Polizisten Müll sind. Das ist insofern ironisch, wenn wir betrachten, welche rassistischen Aussagen Seehofer und seine Kolleg_innen regelmäßig von sich geben. 

In Bezug auf die BLM Proteste können wir das ebenfalls sehr gut sehen: Die rassistische Gewalt, die physisch, systemisch und institutionell stattfindet, wird ignoriert. Diejenigen, die dagegen protestieren, werden dann in den Medien als “Vandalen” dargestellt, die anscheinend nur sinnlos randalieren und zerstören. Solche Aussagen und auch die darauf folgende Distanzierung von antirassistischen Bewegungen sind rassistisch, da sie bei dieser Täter_innen-Opfer-Umkehr mitmachen. Meistens werden systemischer Rassismus und gesellschaftliche Machtstrukturen ignoriert, wenn von ‚Gewaltfreiheit‘ gesprochen wird. Daher wird dann eben nur direkte Gewalt thematisiert, aber nicht die systemische Gewalt. Rassistische Gewalt findet sich überall. Daher sollten wir genauer hinschauen, wie, wo und von wem die Begriffe Gewalt oder Gewaltfreiheit benutzt werden. Gegen wen richtet sich die Gewalt? Ist sie direkt, physisch oder systemisch?

Das Ideal der Gewaltfreiheit wurde vielfach vertreten von Philosophen wie Immanuel Kant (Philosoph der europäischen Aufklärung), die nebenher mit ihren Rassentheorien die koloniale Gewalt legitimiert und den heutigen Rassismus überhaupt erst geschaffen haben. Er forderte „gewaltfreie Konfliktlösung“ und dass Menschen moralisch gut handeln. Ideale wie der kategorische Imperativ von Kant haben dann plötzlich eine andere Bedeutung, wenn wir uns ansehen, dass Kant Menschen in verschieden Gruppen einteilte und darüber schrieb: „Die Menschheit ist in ihrer größten Vollkommenheit in der Race der Weißen.“

‚Gewaltfreiheit‘ als Ideal ergibt auch nur dann Sinn, wenn systemischer Rassismus und gesellschaftliche Machtstrukturen, komplett ignoriert werden. Dekoloniale Theoretiker_innen wie Frantz Fanon dagegen haben früh erkannt, dass sie im Angesicht dieser barbarischen kolonialen Gewalt gar keine andere Wahl hatten, als Gewalt zu verwenden, wenn sie sich befreien wollten. Dabei sei aber wichtig zu verstehen, dass dekoloniale direkte Gewalt nicht dasselbe ist wie die systemische und institutionalisierte Gewalt der Kolonialherren.

Mehr Infos zu den jeweiligen Themen findet ihr unter folgenden Links:
Kolonialismus, Schwarze Widerstandsbewegungen und Anti-Schwarzer Rassismus
Versklavung
Apartheid
Deutsche Kolonialgeschichte
Racial Segregation
Die Entstehung der Black Lives Matter Bewegung
„Ich kann nicht atmen“: wir müssen handeln!
Denkmäler stürzen: ein Akt der Dekolonisierung

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