Ökodruck

von Philipp Jung:

Hier in der Geschäftsstelle der BUNDjugend kamen wir beim Mittagessen auf das Thema Drucken zu sprechen. Als Umweltverband haben wir einen hohen Anspruch an unsere Drucksachen. Sie sollen klimaneutral gedruckt sein und dabei gut aussehen, wenn sie bei Aktionen verteilt werden.

Um es vorwegzunehmen: Beides ist problemlos miteinander vereinbar. Da einige Anbieter mit dem Begriff „Ökodruck“ nur so um sich zu werfen, möchte ich die Ergebnisse meiner Suche nach einem guten Ökodruckanbieter teilen. Ökodruck ist nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, ein veraltetes Verfahren, das schlechte Ergebnisse liefert. Ökodruck ist die energieeffizienteste Methode zu drucken, ist der neuste Stand der Technik und wird immer weiterentwickelt.

Ökodruckstandards

Es gibt einige Standards, die sich im Ökodruck etabliert haben. Dazu gehören weitgehend mineralölfreie Farben und Reduzierung der Verwendung von Alkoholen im Druckprozess. Weiter ist darauf zu achten, dass das Druckhaus Ökostrom bezieht. Das behaupten zwar die meisten Anbieter von sich, tatsächlich stellt sich der vermeintliche Ökostrom oft als Strom aus Wasserkraftwerken heraus. Dieser ist genau so günstig zu beziehen wie herkömmlicher Strom und fördert den dezentralen Ausbau der Erneuerbaren nicht, da kein teurer Strom (z.B. Solarstrom) gekauft wird. Außerdem sind die meisten Wasserkraftwerke, die heute im Einsatz sind, eine Gefahr für Fische und andere Flussbewohner.

Ein gutes Druckhaus zeichnet sich dadurch aus, dass kontinuierlich versucht wird, den CO2-Austoß im Betrieb zu vermindern. Das EMAS-Zertifikat ein guter Anhaltspunkt, um eine verantwortungsvolle Druckerei zu finden.

Um klimaneutral drucken zu können, müssen Ökodruckhäuser das im Verarbeitungsprozess ausgestoßene CO2 bilanzieren und durch die Finanzierung von Projekten ausgleichen. Hierfür werden Dienstleister wie firstclimate oder natureoffice herangezogen. Diese stellen Modelle zur Verfügung und vermitteln Projekte, die die Druckerei finanziert um das ausgestoßene CO2 zu kompensieren.

Das richtige Papier ist entscheidend

Auch hier gilt: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Über 70% des für eine Drucksache ausgestoßenen CO2 wird für die Papierherstellung fällig. Wenn Druckhäuser für das Papier keinen CO2-Ausgleich leisten, ist der von ihnen angepriesene „Ökodruck“ nichts anderes als Greenwashing!

Wer umweltbewusst drucken will, sollte vor allem auf die Papierwahl achten. Für die Herstellung von Papier auf Frischfaserbasis werden große Mengen Holz, Wasser und Energie verbraucht, was sich auf die Umweltbilanz sehr schlecht auswirkt. Pro Kilogramm Papier werden 2,2 bis 2,5 kg Holz verarbeitet.

Frischfaserpapier lässt sich bis zu 8x recyceln. Die Herstellung von Recyclingpapier benötigt 50-70% weniger Energie und Wasser als die von Papier aus Frischfasern, zusätzlicher Zellstoff wird nicht verbraucht. Als Kennzeichnung für Recyclingpapier dient der „Blaue Engel“, ein Zeichen, das die Jüngeren unter uns vor allem aus ihren Schulheften kennen sollten. Wer bei Recyclingpapier an eine schlecht bedruckbare, dunkelgraue Pappe mit grober Oberfläche denkt, hinkt im Geiste der Entwicklung um ein gutes Jahrzehnt hinterher. Moderne Recyclingpapiere sind gebleicht, bilden gut ab und liegen ab einer gewissen Grammatur(g pro m²) auch gut in der Hand.

Sollte sich der Einsatz von Papier aus Frischfasern partout nicht verhindern lassen, sollte auf das FSC-Siegel geachtet werden. Dieses garantiert die Herkunft des verwendeten Holzes aus verantwortungsvollen Quellen.

Foto 1: Another printing press at villa d’Este by avinashkunnath, on Flickr
Creative Commons Attribution 2.0 Generic License by avinash
kunnath

 

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