Interview mit Urszula Stefanowicz von Polski Klub Ekologiczny

Luisa Weber:

Für den Anfang, was magst du am meisten an Kattowitz?

Ich komme zwar nicht von hier, aber ich finde, es ist eine freundliche Stadt. Es ist zwar nicht so groß aber dennoch das Zentrum der Region und Teil einer großen Metropolregion. Viele Menschen kommen in diese Stadt, denn es ist nicht nur eine Kohle Stadt, es hat auch viele Grünflächen und eine schöne Fußgängerzone. Was ich natürlich nicht mag, ist die starke Luftverschmutzung hier.

Woran liegt die Luftverschmutzung?
Das liegt hauptsächlich daran, dass in den normalen Haushalten vor allem mit Kohle geheizt wird. Doch viele verbrennen in ihren Öfen auch anderes, wie Müll oder Plastik. Das ist dann noch schlimmer. In Polen haben wir große Probleme mit „Energiearmut“. Die Häuser sind schlecht gebaut und nur wenig isoliert. Die Bevölkerung ist zu hohem Maße von Kohle abhängig, da zirka 70 Prozent damit heißen. Manche nutzen auch Gas und nur eine kleine Minderheit besitzt Elektroheizungen.

Die daraus resultierende Luftverschmutzung führt zu Lungen- und Kreislauferkrankungen. Es wirkt sich negativ auf die Gesundheit ungeborener Kinder aus, diese kommen oft untergewichtig zu Welt und können an Immunschwäche leiden. Außerdem fordert die Schadstoffbelastung die Entwicklung von Allergien und darüber hinaus gibt es noch viele weitere unerforschte Folgen.
Wir haben leider keine wirksamen Regulierungen, die das Verheizen von Kohle mit niedriger Qualität und anderem Zeug verhindert. Es gab einige Gesetzesentwürfe im Parlament aber die bisherigen Maßnahmen sind wirkungslos geblieben.


Aber es gibt ein paar Programme, die den Menschen auf lokaler Ebene helfen sollen. So werden beispielsweise Heizsysteme ausgewechselt. Doch die Umsetzung dieser Programme ist leider mangelhaft. So werden meistens die Kohleöfen mit effizienteren Modellen ausgetauscht, die wiederum nur Qualitäts-Kohle verarbeiten können. Das ist besser für die Gesundheit, aber oft schlechter für die Bürger, da diese sich oft die hochqualitative Kohle nicht leisten können.
Manche Regierungshilfen unterstützen die Nutzung von Gas, das ist zwar etwas besser aber es handelt sich dabei immer noch um einen fossilen Rohstoff. Es wäre viel besser, wenn wir unsere Mittel dafür aufwenden würden, um die Isolierung der Häuser zu verbessern. Damit würde sich der bedarf verringern. Allerdings sind diese Investitionen viel kostenintensiver, und stellt die Kommunen vor die Frage, ob sie lieber Quantität oder Qualität bevorzugen. Denn mit besserer Thermoisolierung würden sie weniger Bürger unterstützen können.

Wie schätzt du die öffentliche Meinung zu Kohle in Polen ein?
Kommt darauf an, wen du fragst. Die meisten Kommunen sind sehr stark von Kohlestrom abhängig. Die meisten Menschen eine Zukunft ohne Kohle nicht vorstellen. Kohlebergbau hat eine lange Tradition in Polen und ist oft ein Teil der lokalen Kultur.

Aber es gibt auch junge Menschen, die sich eine andere Zukunft wünschen. Es gibt Widerstand gegen neue Kohletagebaue. Die Menschen sehen auch die negativen Nebenwirkungen und sind mehr und mehr wegen der Luftverschmutzung besorgt. Doch Klimawandel wird nicht zu oft als Argument angebracht, da man nicht das Gefühl hat direkt betroffen zu sein. Außerdem denken die meisten Menschen, dass Klimapolitik außerhalb ihres Einflussbereiches ist.

Letzte Frage: Hast du eine persönliche Geschichte zum Klimawandel?
Während meiner Kindheit waren wir viel in den Masuren, einer Region im Norden Polens. Dort sind wir viel gewandert und waren Paddeln. Ich habe die Natur geliebt und begonnen mich für ihren Schutz zu interessieren. Darum trat ich 1992 einer NGO bei, dem Polish Ecological Club. Wir waren schon damals Teil von Friends of the Earth International. Durch diesen Dachverband und seine Aktionen zu Klimaschutz bin ich mir diesen Problemen bewusst geworden.

Fotos: 1. Bild: Bundjugend, alle weiteren Bilder von unsplash.com mit CC0-Lizenz

1 Kommentare

  1. Hey!
    Natürlich ist es noch ein bisschen hin, aber ich habe mich dank der Leo-Zeitschrift schon jetzt dafür entschieden:

    Ich habe vor am „Klimafasten“ teilzunehmen und mich der Herausvorderung beim Verzicht auf Fleisch zu stellen.
    Ich finde es super, dass man auch mit so unkomplizierten Dingen der Umwelt helfen kann!
    Wer macht auch mit?
    Und die anderen gebt euch einen Ruck, tut eurer Welt einen Gefallen! Außerdem: Probieren geht über studieren!!!!

    Carlotta

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