Erste Eindrücke von der COP24

von Luisa Weber:

Drei Jahre nach dem Abkommen von Paris geht es auf der diesjährigen Klimaverhandlung (COP24) mit dem Paris Rulebook darum, das Kleingedruckte des Vertrags festzuschreiben. Je stärker die Anweisungen über Transparenz, Finanzen oder nationale Beiträge sind, desto durchschlagskräftiger wird auch die Umsetzung des Paris-Abkommens. Außerdem gilt es, den Green Climate Fund mit genügend Finanzen auszustatten, um die Herausforderungen zu CO2-Minderungen und Klima-Adaption in Ländern des globalen Südens angehen zu können. Zurzeit klafft aber noch eine große Finanzierungslücke zum selbst gesteckten 100-Milliarde-Dollar-Ziel im Jahr 2020.
Wir, die fünfköpfige Delegation der BUNDjugend, haben die Gelegenheit diesen spannenden Verhandlungen als Beobachter beizuwohnen. Am Sonntag dem 02. Dezember machten wir uns auf zum Gastgeberland Polen, nach Kattowitz. Die mittelgroße Stadt liegt mitten im Braunkohletagebaugebiet. Bei der Ankunft am Busbahnhof begrüßt einen der authentische Ostblockstil, mit großen Plattenbauden und angegrauten Fassaden. Die grauen Häuser zeugen von der extrem schlechten Luftqualität und täuschen über den relativen Wohlstand der Stadt hinweg.

In den nächsten zwei Wochen werden in dieser Stadt über 30 000 Menschen unterkommen und sich an den Verhandlungen auf die verschiedensten Art und Weisen einbringen. Wir sind mit dabei und wollen euch hier unsere Eindrücke der ersten drei Tage schildern.
Auf dem COP-Gelände kommt man sich ein wenig vor, wie auf einem provisorischen Flughafen. Es gibt Sicherheitskontrollen, verwirrende Wegweiser und unglaublich viele Menschen die lange Gänge entlang hasten. Dann geht man durch eine Tür und befindet sich auf einer Science Fiction Messe. Länder, die es sich leisten können, sind hier mit sogenannten Pavillons vertreten. Dabei bekommt man einen interessanten Eindruck zu der Einstellung einzelner Staaten zu Klimawandel. So dekoriert Polen seinen Pavillon mit Kohle und die Logistiker der USA tauchten gar nicht erst auf, um ihren Stand auf dem gemieteten Slot zu gestalten. Von den 194 Staaten weltweit können sich nur 21 einen eigenen Pavillon leisten. Unter den üblichen Verdächtigen wie Deutschland, Großbritannien oder China sind auch unerwartete Staaten wie Marokko und Indonesien vertreten.
Das bunte Treiben wird von den vielen NGO-Vertretern belebt. Sie präsentieren sich an Ständen (in der entlegensten Ecke des Geländes), organisieren Vernetzungstreffen und veranstalten Side Events zu verschiedensten Themen. Als COP-Neuling ohne Gesamtüberblick drängt sich das Gefühl auf, dass Organisationen und Verhandlungen auf der Konferenz in zwei verschiedenen „Bubbles“ nebeneinander her existieren. Organisationen nutzen ihre Veranstaltungen hauptsächlich, um auf praktische Probleme und Lösungen hinzuweisen.
Gleichzeitig sitzen Vertreter der Länder in den Verhandlungen und streiten über „shall“ und „should“. Viele dieser Verhandlungen finden bereits zu Beginn der COP24 hinter verschlossenen Türen statt. Und die offenen Meetings sind mit sieben Siegeln versehen. Das ist einerseits der Komplexität des Paris-Abkommen und den vielen technischen Details des Paris-Rulebook geschuldet. Aber andererseits haben die Klimaverhandlungen auch ihre eigene Sprache, bestehend aus Abkürzungen, geschaffen.

Umso bereichernde ist die Kooperation mit COP-erfahrenen Vertretern von Friends of the Earth International, dem der BUND angehört. Außerdem trifft man auf den Gängen immer wieder junge Delegationsvertreter, vor allem aus Ländern des globalen Südens. Ob aus Afghanistan oder Namibia – sich über die Situation in anderen Staaten und die gemeinsames Ziele austauschen zu können, kreiert ein verbindendes Gefühl. Die Welt wird groß auf den Klimaverhandlungen, da sie eine sehr gute Plattform zur internationalen Vernetzung bieten. Der inklusive Anspruch der Veranstalter der COP24, des UNFCCC, wird durch die vielen Akkreditierungen für Vertreter der Zivilgesellschaft als Beobachter deutlich. NGOs bekommen eine Plattform, um ihre Messages zu verbreiten. Die Möglichkeit sich einzubringen ist auf jeden Fall geboten. Man muss nur einen Weg finden, sie effektiv zu nutzen und sich in dem Überangebot an Veranstaltungen zurecht zu finden.

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