Erkenntnisse aus der ersten Woche Klimafasten: Regional und saisonal essen

Wer essen haben will, muss früh raus!

Ein Beispiel: Wenn ich um 8:00 Uhr auf der Arbeit sein muss, müsste ich meinen Einkauf bis ca. 7 Uhr morgens erledigt haben, um frische Marktware zu kaufen, nach Hause zu transportieren & zur Arbeit zu gehen.

Auf meinem Wochenmarkt gab es weder Öl, noch Essig, noch Senf, noch Getreide. Ebenso keinen Zucker, kein regionales Salz. Lediglich bekam ich die Info vom Markthändler: Deutschen Knoblauch zu finden, sei eine Lebensaufgabe für sich!

Nur ein Bruchteil der Lebensmittel auf dem Markt ist von Höfen der Region! Vieles wird dazu gekauft – auch nicht-regionales & saisonales (Mandarinen, Zitronen usw.).

Regionale, saisonale Produkte vom Händler sind viel teurer, als der Einkauf im Supermarkt. In vier Tagen habe ich bereits fast 100 € ausgegeben – darunter sind jetzt auch viele Basics wie Salz, Mehl, Öl etc. gewesen! Dennoch: Im Supermarkt gebe ich etwa 30-40 € die Woche & ca. 150 € im Monat aus. Ich gehe also davon aus, dass ich bestimmt das Doppelte zahlen muss, als zuvor.

Ist der Markt- & Bioladeneinkauf also nur der oberen finanziellen Schicht vorbehalten?

Ich weiß, dass die Qualität der Lebensmittel & die Produktionsbedingungen den höheren Preis durchaus wert sind, dennoch bin ich darüber schockiert, dass der Einkauf von neuseeländischen Äpfeln & Kiwis im Supermarkt so viel billiger ist, als der beim Bio-Bauern um die Ecke. Menschen, die wenig Geld zur Verfügung haben, werden dadurch massiv in ihrer Entscheidungsfreiheit benachteiligt.

Alltagstauglichkeit: Bisherige Probleme & Gewinne

Gewinne:

  • Viele Menschen haben mir via Facebook & Telegram schon Tipps gegeben, da sie gelesen haben, dass ich gerade faste.
  • Das Gespräch über Essen überbrückt die Entfremdung von Produkt & Produzent*in, welche uns das Einkaufen im Supermarkt oft beschert. Im Supermarkt unterhält man sich eigentlich mit niemandem, um etwas über ein Produkt & die Menschen dahinter zu erfahren. Manches steht im Aufdruck auf den Plastikbergen. Jetzt erfahre ich schon während des Einkaufs, woher welches Produkt kommt und wie es hergestellt wurde, dass zeigt einem erstmal wie wertvoll Lebensmittel sind.

Probleme:

  • Verlust an Spontanität: Ich fühle mich massiv begrenzt, wenn ich darüber nachdenke, wie viel Zeit ich für Essensbesorgungen & -zubereitung einplanen muss. Dazu kommt, dass das Fasten unterwegs echt schwer fällt. Man muss immer vorbereitet aus dem Haus gehen & planen, was man wann, wo & wie essen kann.
  • Soziale Begrenzung: Zum Geburtstag mit selbstgeschmierten Broten zu erscheinen, bei Freund(en) & Familie nichts essen zu können, nervt gewaltig. Das geht dann irgendwann an die psychischen & physischen Ressourcen, wenn man zeitgleich auch oft viel Appetit verspürt. Ich bin froh, dass ich mich nicht mehr so überfresse(n kann), wie das sonst oft passiert, jedoch gleich ins andere Extrem zu rutschen ist schon hart.
  • Essen ist für mich auch etwas Soziales, man probiert von anderen & lässt andere von einem selbst probieren. Ich fühle mich gerade wie ein Drachen, der den Knust seines tollen regionalen Brotes nicht abgeben will, weil es nach meinen Bedingungen momentan einfach keine schnelle & einfache Alternative gibt. Für die anderen Menschen in meinem Umkreis hingegen schon.
  • Scham? Ich komme mir am Marktstand dämlich & oberpenibel vor, wenn ich Frage, ob Brot selbstgemacht wurde & das Getreide des Brotes denn auch aus der Region kommt.

Dennoch habe ich weiterhin Lust regional/saisonal zu fasten und mich noch besser über Produkte, Herstellung und Herkunft zu informieren.

Ein Blogbeitrag von Kira im Rahmen des Klimafasten 2019.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.