Bankenwechsel – Wie ich mein Leben noch ein kleines bisschen ethischer gestaltete

Ich gebe es zu, es stand schon extrem lange auf meiner „Was ich schon ewig tun will“-Liste: Endlich meine Konten bei meiner profitorientierten und gewissenlosen Bank auflösen und zu einer Bank wechseln, die mit meinem Geld etwas Sinnvolles tut. Nicht dass ich besonders viele Kröten zu verwalten hätte, Kredite abbezahle oder mein nicht vorhandenes Vermögen irgendwo gewinnbringend investieren würde.

Warum ich zur Bankwechslerin wurde

Banken sind nun mal keine Dienstleister für uns Kund*innen, wie wir es vielleicht manchmal annehmen. Banken verwenden unser Geld für zahlreiche Zwecke, um sich die Gewinne in die eigene Tasche stecken zu können. Und die höchsten Gewinnraten liegen meist in Bereichen, die meiner eigenen Lebensmoral widersprechen: Spekulationen mit Nahrungsmitteln, Landraubgeschäfte, Rüstungsinvestitionen, Bau von Atomkraftwerken…

Und da ich ebenfalls meinen Strom- und Gasanbieter nach ökologischen Maßstäben ausgesucht habe, wird dies konsequenterweise nun auch für meine Geldgeschäfte notwendig. Denn auch mit den paar Mark, die auf meinem Konto liegen, möchte ich diese Geschäftspraktiken nicht unterstützen. Hier mein Bericht aus dem Banken-Dschungel:

Wie ich meine Kröten zum Wandern brachte

Zunächst musste ich mich für eine neue Bank entscheiden. Im Internet gab es zahlreiche Testberichte und Vergleichstabellen, die mir die Vor- und Nachteile verschiedenster Banken anpriesen. Eher eine sozial orientierte, eine genossenschaftlich organisierte, eine islamische oder doch eher ökologische Bank? Mir wurde von dem in unserer Gesellschaft üblichem großen Auswahlangebot wie gewöhnlich ein wenig schwindlig. Und dann tat ich das, was ich meistens in solchen Fällen tue: Ich fragte meinen großen Bruder, zu welcher Bank er gewechselt ist. Denn der informiert sich vor solchen Entscheidung fundiert und ausgiebig und in der Regel kann ich mich dann auf sein Urteil verlassen. Es sollte also die GLS sein. Hier kann man vorher entscheiden, für welche Zwecke das Geld verwendet wird (z.B. Ökologische Landwirtschaft, Bildungsprojekte, Regenerative Energien) und die Kontoführungsgebühren sind vergleichsweise erschwinglich (2€ im Monat, sogar kostenlos bis 27 Jahre).

Die Konto-Neugründung war schnell gemacht: Ein zehnminütiges Telefonat mit einer netten Dame in Bochum und ein paar Tage später hatte ich Unterlagen zugeschickt bekommen. Bei der Post (zufällig meine „Ex“, hier konnte ich dann auch gleich an Ort und Stelle Schluss machen) musste ich mich kurz mit Ausweis verifizieren und schon waren alle Unterlagen portofrei wieder zurück unterwegs. Kurz danach lag mir die neue Bankkarte mit PIN und Zugang zum Online-Banking vor.

Alles ganz einfach? Nun ja, jetzt kam der Teil, der mich so lange den Bankenwechsel aufschieben ließ. Die Daueraufträge waren zwar schnell eingerichtet, aber dann mussten auch die Lastschriftverfahren geändert werden. Welche Unternehmen nutzen eigentlich mein Konto, um dort Rechnungsbeträge einzuziehen? Mal überlegen: Internet, Mobilfunk, Strom, Gas, Musikschule, Yogastudio, Krankenversicherung, Haftpflichtversicherung,…die Liste wurde ganz schön lang und veranlasste mich auch dazu, über Konsumgewohnheiten nachzudenken. Aber nun hatte ich das schöne neue Konto ja schon, einen Rückzieher wollte ich nicht mehr machen. Also setzte ich ein Standardschreiben auf und sendete an all diese Leute eine Bitte um Umstellung meiner Kontodaten. Alles ganz easy eigentlich.

Aller Anfang ist schwer

Kleinere Hürden gab es dann doch. Im ersten Monat bezahlte ich meine Miete doppelt, weil ich vergessen hatte, den alten Dauerauftrag zu löschen – autsch! Meine Hausverwaltung zeigte sich aber erstaunlich verständnisvoll und überwies mir das Geld zurück.

Die Bar, in der ich am Wochenende arbeite, überwies mir meinen monatlichen Lohn zweimal hintereinander auf das alte Konto und so musste ich dann sehr viel länger auf das Geld warten. Ein dadurch ausgelöstes Gespräch mit meinem Chef veranlasste ihn dann aber dazu, auch über einen Bankenwechsel nachzudenken.

Auch muss ich mich nach wie vor daran gewöhnen, nicht mehr zu Bankautomaten zu gehen, wo die Worte „Deutsch“, „Kommerz“ oder „Post“ dran stehen. Stattdessen suche ich nach wohlklingenderen Begriffen wie „Genossenschaft“ und „Volk“ in der Leuchtreklame. Hier kriege ich nämlich kostenlos Bargeld.

Witzig war auch das Gesicht einer Verkäuferin, die mir die EC-Karte lächelnd zurück gab und mir auf Englisch erklärte, sie würden leider keine ausländischen Karten annehmen. Hat sich wohl noch nicht so durchgesetzt, dieser GLS-Trend. Im Bioladen jedenfalls hat man meine Karte sorgfältigst und tagelang aufbewahrt, als ich sie mal wieder aus Verpeiltheit hab liegen lassen. Zum Schluss noch ein Tipp: Auch bei Onlineshopping sind oft Kontodaten gespeichert. Die müssen dann bei der nächsten Bestellung nochmal geändert werden. Sonst kann es eventuell teuer werden!

Jedenfalls das Fazit

Ich freue mich jetzt jedes Mal, wenn ich meine Karte benutze. Nicht nur, weil sie so ein hübsches Grasbild auf der Oberfläche hat (ich habe mich für ökologische Landwirtschaft entschieden), sondern auch, weil ich jetzt ein besseres Gewissen bezüglich meiner „Geldgeschäfte“ habe. Bau von Atomkraftwerken, Nahrungsmittelspekulationen, Rüstungsexporte? Nicht mehr mit meinen paar Kröten!

Übrigens: Die BUNDjugend ist Bündnispartner bei „Bankenwechsel jetzt – Zeit für Krötenwanderungen“. Das Bündnis hat viele Informationen zum ethisch korrekten und einfachen Bankwechsel zusammengestellt.

Alle Fotos habe ich auch der Seite vom Bündnis genommen – Danke!

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