BUNDjugend Blog - … und jetzt noch die Erde retten!

Wälder in Industrie- und Entwicklungsländern als Kohlenstoffspeicher

9. Juli 2010

Im Rahmen der Bali Roadmap soll ein Weg gefunden werden, weiteren Raubbau und die Abholzung von Waldflächen zu verhindern, da dadurch große Mengen von Treibhausgasen freigesetzt und unsere Biodiversität gefährdet wird. Über „Land-use, land-use change and forestry“ (LULUCF = Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft) möchten Industrieländer nun Wälder als Kohlenstoff-Senken anrechnen lassen, da diese Kohlenstoff aus der Atmosphäre binden und ihn in ihre Biomasse einbauen. Die dadurch gewonnenen Verschmutzungsrechte sollen in anderen Sektoren ausgestoßen werden.

Ein Problem dabei ist, dass jedes Industrieland dabei sein eigenes Referenzjahr festlegen möchte. Dadurch können die Länder zum Beispiel voraussagen, dass die zukünftigen Emissionen durch eine Änderung der Landnutzung steigen bzw. durch einer Annahme von vielen zukünftigen Flächen sinken werden. Unter diesen Voraussetzungen können sie bereits jetzt zusätzliche Verschmutzungsrechte erwerben und diese für andere Sektoren nutzen, ohne tatsächlich Klimaschutzmaßnahmen durchgeführt zu haben. Dies kann über 400 Mio. t jährlich zusätzlich ausgestoßene Treibhausgase bedeuten, was 5% der Gesamtemissionen bedeutet (dies entspricht ungefähr dem Wert, welcher in der ersten Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls von 2008 bis 2012 reduziert werden sollte). Diese Standards würden sogar lockerere Regeln bedeuten, als sie für den Schutz der Wälder in Entwicklungsländern angesetzt sind.

Zum Schutz der Wälder in Entwicklungsländern ist ein Mechanismus namens „Reducing Emissions from Deforestation and Degradation“ (REDD = Reduktion von Emissionen durch Entwaldung und Schädigung von Wäldern) angedacht. Positiv anzumerken ist hier, dass die Beachtung der Rechte von in den Wäldern lebenden indigenen Völkern und Gemeinden mit in den Verhandlungstext aufgenommen wurden. Allerdings ist man sich mal wieder bei der Finanzierung uneinig. Entwicklungsländer wollen auch hierfür einen multilateralen Klimafond im Rahmen der Klimarahmenkonvention. Industrieländer setzen sich jedoch dafür ein, REDD über marktbasierte Mechanismen zu finanzieren. Dies würde bedeuten, dass Industrieländer Entwicklungsländer finanziell dabei unterstützen, Entwaldung zu verhindern und dafür weiter Verschmutzungsrechte erhalten. Dies würde einen deutlichen Anstieg an Verschmutzungsrechten mit sich bringen und den Preis für die Zertifikate somit spürbar senken. Dadurch gäbe es für Unternehmen noch weniger Anreize, auf eine umweltfreundlichere Produktion umzustellen.

Außerdem wird in der Definition für Wälder leider immer noch nicht zwischen naturnahen Wäldern und Plantagen unterschieden. Das heißt, dass Monokulturen oder gar Plantagen mit genmanipuliertem Soja eingerechnet werden können, obwohl diese kein stabiles Ökosystem darstellen bzw. regelmäßig abgeholzt werden. Allerdings gibt es zumindest inzwischen ein Verbot der Umwandlungen von naturnahen Wäldern in Plantagen.

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