Verlagerung von Emissionsreduktionen auf Entwicklungsländer (Offsetting)
Ein Knackpunkt während der Verhandlungen ist der sogenannte „Clean Developement Mechanism“ (CDM = Mechanismus für eine umweltverträgliche Entwicklung). Im Rahmen dessen können Industrieländer weitere Zertifikate beziehungsweise Verschmutzungsrechte für den Emissionshandel erhalten, indem sie Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern finanzieren. Dabei soll es sich um Projekte handeln, die zusätzlich zu den bereits in den entsprechenden Ländern geleistet Klimaschutzmaßnahmen durchgeführt werden. Leider wird dieses Kriterium von 2/3 der Projekte nicht erfüllt – sie hätten auch ohne finanzielle Unterstützung der Industrieländer stattgefunden und letztere erhalten dafür noch zusätzlich Verschmutzungsrechte.
Ein Viertel der Projekte besteht sogar nur daraus, dass große Firmen kleinere umweltfreundliche Anpassungsmaßnahmen durchführen. Da kleinere Projekte aufgrund der hohen Transaktionskosten weniger attraktiv und wettbewerbsfähig sind, werden Entwicklungsländer durch CDM-Großprojekte zunehmend von ausländischen Investoren und Ressourcenimporten abhängig gemacht. Weniger als ein Prozent der Projekte gehen an die Länder, die es wirklich nötig haben. Die meisten Gelder landen dort, wo es am Einfachsten und Profitabelsten ist, zu reduzieren (dies sind meist Projekte in China, Indien oder Brasilien).
Ein weiteres Negativ-Beispiel für den CDM-Mechanismus ist die Region im Niger Delta. Dort ist die größte Quelle für Treibhausgase ein Gas, welches bei der Verbrennung von Erdöl entsteht. Die umliegenden Gemeinden werden durch dieses giftige Gas und den daraus entstehenden sauren Regen enorm belastet – ohne selbst an das Stromnetz angeschlossen zu sein. Es sollen allerdings von der Weltbank CDM-Credits vergeben werden für eine Reduktion dieses Gases, obwohl der Ausstoß an sich bereits seit 1984 verboten ist. Ölfirmen lobbyierten sogar für eine Abschaffung dieses Gesetztes, um eine Anrechnung möglich zu machen. Dies zeigt, dass durch den Mechanismus wirkliche Investitionen in Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und eine kohlenstofffreie Gesellschaft nur hinausgezögert werden.
In Bonn wurde darüber diskutiert, in welchem Ausmaß Industrieländer bei ihren Reduktionsankündigungen CDM-Projekte einschließen, anstatt ihre eigene Wirtschaft klimafreundlich und nachhaltig umzustellen. Außerdem steht bei einigen Maßnahmen in Frage, ob diese in dem CDM-Mechanismus überhaupt anerkannt werden. Dies sind zum Beispiel CCS (Carbon Capture and Storage = Kohlenstoffabscheidung und Lagerung, Kohlenstoff wird zum Beispiel bei Kohlekraftwerken aus den Abgasen gefiltert und im Erdboden gespeichert) beziehungsweise der Schutz von Wäldern.












[...] sie Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländer finanziell unterstützen (Siehe dazu: Verlagerung von Emissionsreduktionen auf Entwicklungsländer) oder Wäldern als Kohlenstoffsenken anrechnen lassen wollen (Siehe dazu: Wälder in [...]