Tag der Klimagerechtigkeit
Heute begann der Tag mit den ersten Infos von den Klimaverhandlungen. Durch die Zeitverschiebung fangen die Verhandlungen meist erst gegen 17 Uhr an und gehen bis in die Nacht hinein, sodass wir erst am Morgen darauf wissen, was gelaufen ist. Und gestern ist nicht viel gelaufen. In den Eröffnungsreden wurde viel Altbekanntes gesagt: Ein globales, rechtlich verbindliches Abkommen ist in den nächsten zwei Wochen nicht zu erwarten, doch die Regierungen hoffen wenigsten auf eine teilweise Einigung in verschiedenen Bereichen, wie etwa Klimafinanzierung, Waldschutz oder Technologietransfer. Ansonsten gibt es leider immer noch die starke Tendenz, von einem rechtlich verbindlichen globalen Emissions-Reduktionsziel, das auch dem aktuellen Stand der Wissenschaft entspricht hinzu freiwilligen, nationalen Reduktionszielen, die leider summiert mal gar nicht dem entsprechen, was wir eigentlich leisten müssten. Die USA wird sich nach dem gescheiterten Klimaschutzgesetz und den gescheiterten Wahlen wohl herzlich wenig bewegen (obwohl die Angst steigt, dass China im Bereich der Erneuerbaren Energien bald Vorreiter wird), China wird keine verbindlichen Verpflichtungen annehmen, sofern sich die Industrieländer nicht bewegen und die EU bleibt bei ihren 20%-Ziel bis 2020 (im Vergleich zu 1990), obwohl sich das EU-Parlament für 30% ausgesprochen hat. Soviel dazu.
Dementsprechend gab es statt des Cancun-Updates heute morgen von Oleg (Schweden)
eine Einführung in die Geschichte der Klimapolitik und wir haben nochmal über die Aktion gestern (siehe http://blog.bundjugend.de/erster-offizieller-tag-von-cancun-in-brussels) gesprochen. Anscheinend haben sie die Leute tatsächlich noch bis 17 Uhr ungefähr vom Arbeiten abgehalten und ganze drei Stunden mit ihnen gesprochen. Und es sind auch noch einige Journalisten gekommen und die Aktion war am nächsten Tag in einigen (niederländischen) Medien zu finden.
Danach musste ich nun auch Anna verabschieden, die Zuhause leider andere Verpflichtungen hat. Ich grüße sie ganz herzlich, hoffe dass sie trotz Verspätung (hoch lebe die Deutsche Bahn) gut nach Hause gekommen ist und es war schön, dass du da warst!!
Am Nachmittag haben wir uns lange mit dem Thema Gerech
tigkeit und Fairness allgemein und Klimagerechtigkeit auseinandergesetzt, welche Gerechtigkeitstheorien es gibt, was alles dazugehört und welche Probleme es bei der Umsetzung gibt. Dabei gibt es (mal ganz verallgemeinert) drei Gerechtigkeitsansätze:
- Das Gemeinwohl maximieren führt zu Gerechtigkeit
- Die Freiheit aller Menschen respektieren führt zu Gerechtigkeit
- Rechtschaffenheit fördern führt zu Gerechtigkeit
Das jedoch jede Theorie für sich alleine seinen Haken hat, mussten wir schnell feststellen, als Paul (Niederlande) uns zunächst eine recht einfache Frage stellte: Wenn ein Mensch einen Fluss mit seiner Fabrik vergiftet, von dem zwanzig Menschen leben müssen, ist es dann gerecht, ihm dies zu verbieten? Dies bejahten wir, schließlich ist bei einem Verbot mehr Menschen geholfen und somit das Gemeinwohl maximiert. Als jedoch die die Frage war, dass dieser Mensch sich für ein Verbot nicht interessiert und wir ihn quälen müssten, um eine Vergiftung des Flusses zu verhindern (da ein anderer Weg ausgeschlossen wurde), waren nur noch weniger Hände oben. Denn ist das Gemeinwohl dad
urch tatsächlich noch maximiert, wenn die Gemeinschaft nicht damit leben kann, einen Menschen gequält zu haben? Kein Hand war mehr zu sehen, die Frage gestellt wurde, ob wir seine unschuldige Tochter quälen würden, um eine Vergiftung des Flusses zu verhindern (Prinzip der Rechtschaffenheit fördern). Diese Fragen haben alle zu sehr interessanten Diskussionen und Annahmen geführt.
Danach haben wir uns mit Klimagerechtigkeit befasst (weitere Infos zum Beispiel die Prinzipien des Netzwerkes Climate Justice Now – leider habe ich diese nur auf Englisch gefunden) und Gary (Schottland) hat uns erzählt, was er in den gängigsten „Definitionen“ gefunden hat:
- Eine katastrophale Klimaerwärmung muss verhindert werden
- Die strukturellen Ursachen von Emissionen müssen wir entgegentreten
- Ablehnung von marktbasierten Mechanismen (wie z.B. den Emissionshandel, da er starken Schwankungen unterliegt, sogar zu einer Steigerung der Emissionen geführt hat und nur zur Profitsteigerung von Großuntenehmen führt, sprich: „We need System Change not Climate Change!), um Emissionen zu reduzieren
- Sozial gerechte und ökologische Alternativen müssen gefördert werden
- Demokratischer Besitz und Kontrolle von Unternehmen
- Ressourcen Souveränität (z.B. für Essen, Energie, Wasser, Land, …)
- Fossile Energieträger da lassen, wo sie sind
- Ausgleich für die ökologischen Schulden, die die Länder des Globalen Nordens gegenüber Länder des Globalen Südens haben
- Schutz von Ökosystemen (z.B. Wälder)
- Ende von Militarismus und Autoritarismus, sowie Kontrolle der Gesellschaft
Es war schade, dass die vielen spannenden Diskussionen leider durch einen Kinder-Trommelkurs eine Etage tiefer etwas erschwert wurden.
Außerdem muss ich an dieser Stelle unbedingt nochmal unseren Koch erwähnen: Wir bekommen hier jeden Tag supergünstig, total leckeres, veganes Essen zubereitet!! Er bewirbt sich auch gerade bei einem veganen Restaurant und da drücken wir ihm natürlich ganz doll die Daumen!
Soviel erstmal heute – morgen wieder mehr.
Es grüßt eure Marika
PS an Julia: Ich habe ein paar belgische Kronkorken für dich!

Klingt wirklich nach spannenden Diskussionen. Hoffe, dass ihr auch ohen in Cancun zu sein, einigen Politikern die Hölle heiß machen könnt und ein bißchen Bewegung in die europäische Position bringt. Es ist wirklich peinlich, wie Europa sich immer merh zurück zieht und Deutschland zum neuen Bremser wird.