Nun war es schon Donnerstag – Und wir hatten eine super Aktion!!!!
10.12.9 Donnerstag
Heute ist ein veregneter Donnerstag in Kopenhagen:) Anna und ich standen sehr früh auf, um noch rechtzeitig zum Treffen der internationalen Jugend zu kommen!
Wir kamen auch exakt pünktlich im Bella Center an und konnte so das ganze Treffen erleben. Dieses war mehr oder minder interessant und ging bis um 9 Uhr. In dem Treffen wurden aktuelle politische Sachen, Vorschläge für Strategie und Aktionen und die Aktionen des kommenden Tages besprochen.
Nach diesem Meeting konnten wir noch einen Kaffee bei Greenpeace trinken und gingen dann, wie jeden Tag, daran unseren Tagesplan zu machen. Das war mehr oder minder interessant:)
Um 10 Uhr begann eine Verhandlung über die zweite Periode des Kyoto Protokolls. Diese begannen wieder etwas später und zu Anfang wurden wieder nur unwichtige organisatorische Sachen besprochen.
Nun wurden einige Länder verlesen, die Vorschläge zu dem verhandlungstext oder der Verfahrensweise etc. hatten. Tuvalu hatte ca. 8 Vorschläge und schlug deshalb vor, die Vorschläge in einer eigenen Arbeitsgruppe besprechen zu lassen.
Diese Vorschläge sind sehr stark: Tuvalu forder ein neues Protokoll von 2013-2018, 45% Redunktion der Industrieländer bis 2025 und einen maximal Temperaturanstieg von 1,5 Grad Celsius.
Nach den Vorschlägen von Tuvalu wurden noch Vorschläge von anderen Ländern hervorgebracht. Meistens waren es Zustimmung oder Ablehnung des Vorschlags von Tuvalu. Grenada (als Vertretung aller AOSIS=Alliance of Small Island Staates), Äthiopien (als Vertretung der LDC = Least Developed Countries), El Salvador, Bangladesch, Jamaika und auch Burkina Faso unterstützten offensiv die Forderung von Tuvalu.
Bolivien brachte noch einen eigenen Vorschlag hervor, in dem es auch betonte, dass weniger als 20% der Weltbevölkerung für über 75% der Treibhausgase verantwortlich sind.
China und einige andere Länder, sind prinzipiell für Tuvalus Vorschlag, die hervorgebrachten Vorschläge schnell zu bearbeiten, bestanden aber darauf, dass diese Entscheidungen dann in der zweiten Periode des Kyoto Protokolls verankert sind und nicht ein neues Abkommen bilden. Dies bekräftigte dann auch noch mal der Gesandter von Tuvalu.
Nun fasste die Präsidentin der COP15 die Statements zusammen und machte den Vorschlag, am nächsten Samstag über den Vorschlag von Tuvalu zu diskutieren. Diesen Punkt wollte sie schnell abhacken, doch Tuvalu meldete sich nocheinmal zu Wort und legte Wiederspruch ein.
Die Entscheidung über diesen Vorschlag könnte nicht bis Samstag verschoben werden, da es eine grundlegende Entscheidung ist. Würde die Arbeitsgruppe am Samstag gebildet werden, hätte sie nur noch drei Tage Zeit die Vorschläge zu bearbeiten bis die Staatschefs und Staatschefinnen eintreffen würden. Tuvalu bekräftigt nochmal, dass es nicht das Ende des Kyoto Protokolls wolle, sondern ein starke, ambitionierte und verbindliche zweite Periode des Kyoto Protokolls.
Nun meldeten sich sehr viele Länder die Tuvalu zustimmten. Unter ihnen waren auch Grenada, Kiribati, El Salvador, Costa Rica, Malaysia, Marschall Inseln und Brasilien.
Da die Präsidentin aber fande, das kein Konsenz im Raum herrscht, unterbrach sie die Verhandlungen um 15 Minuten um sich mit den Gruppenvorsitzenden der verschiedenen Länder zu besprechen.
Nach diesen zehn Minuten kam die Entscheidung, das keine Entscheidung getroffen werden konnte und so der Vorschlag von Tuvalu auf das nächste Treffen verlegt werden müsste.
An diesem Beispiel sieht man wieder, wieviel die Delegierten (häufig der Industrieländer) reden, aber nichts beschliessen. Wichtige und elementare Entscheidungen werden immer aufgeschoben.
In der ca. zwanzigminütigen Pazuse hatte ich ein sehr interesantes Gespräch mit mehreren NGO Vertretern aus der USA. Wir unterhielten uns über das größte Problem dass die Welt insgesamt hat, nämlich das lineare und kurzzeitige Denken. Das heisst, die meisten Menschen in der USA und in Deutschland denken nur an den nächsten Tag, die nächste Woche oder an die nächste Gehaltsauszahlung. Sie denken oft nur an sich, obwohl ihnen das offenbar nicht bewusst ist oder sie es verdrängen.
Was wir brauchen und was sehr viele Probleme der Welt lösen würde, ist globales und weitreichendes Denken. Die Menschen sollten nicht nur an den nächsten Tag oder die nächsten Wochen denken, sondern sich auch immer bewusst sein, das ihr handeln Auswirkungen auf zukünftige Generationen oder auch auf andere Kontinente hat. Die Hungerkrise, die Klimakrise und die Wasserknappheit liessen sich so lösen. Kriege würden gar nicht mehr ausgefochten, da den Menschen bewusst ist, was sie damit anrichten. Die Finanzkrise wäre gar nicht erst passiert, da kein Banker so assozial gehandelt hätte.
Die große Frage die wir hatten war, wie kann man Menschen dazu bringen sich so zu verändern oder warum verändern sich die Menschen nicht.
Eine eindeutige Antwort haben wir leider nicht gefunden. Warscheinlich ist es am besten, wenn jede/r erst mal bei sich anfängt.
Nun fing um 14 Uhr die Rainstorm Aktion an. Bei dieser waren wir über 100 Jugendliche die im Konferenzzentrum einen Rainstorm nachmachten. Wir schnalzten, klatschten, pfiffen und trommelten mit unseren Körperteilen und wurden dabei lauter und leiser. Zwischendrin hielten noch zwei Jugendliche aus den Fiji Inseln und noch einem anderen Entwicklungsland Reden, in denen sie die westlichen Staaten aufforderten zu handeln. Diese Jugendliche erleben schon am eigenen Leibe die Auswirkungen des Klimawandels.
Die Aussage dieser Aktion war, „We will not die quietly – Wir werden nicht leise untergehen“. Dieser Spruch kommt von dem Präsident der Malediven, der die internationale Staatengemeinschaft immer wieder um effektives Handeln gegen den Klimawandel auffordert.
Diese Aktion erhielt große Presseaufmerksamkeit und war die größte Aktion der internationalen Jugend auf dieser Konferenz.
Nach der Aktion die ca. eine halbe Stunde ging, entstand eine spontan Aktion für die Rechte der Ureinwohner aller Staaten. Wir bildeten mit ca. 100 Jugendlichen und Delegierten eine lange Schlange und liefen Sprüche rufend durch das Konferenzzentrum.
Achja Wenn ich von „Jugendlichen“ spreche, sind das keine Jugendlichen im deutschen Sinne. Die hier vertretenen Jugendlichen sind alle ca. 18-28 Jahre alt. Ich habe bis jetzt erst drei „wirkliche“ Jugendliche getroffen und die waren 16 und 17 Jahre alt.
Um 15 Uhr hatte ich dann ein Telefoninterview mit einer Reporterin des Uni Spiegels. Das war nett und ging eine halbe Stunde. Um 16 Uhr hatte ich dann ein Skype Interview mit einer Reporterin der „Erziehungskunst“.
Um 18 Uhr traf sich unsere Gruppe und wir aßen im Konferenzzentrum zu abend. Danach beschlossen wir, zu einer Art „Party“ mit Yvo de Boer (Generalsekretär der UNFCCC) und dem Vorsitzenden der AWG-KP zu gehen. Das war genz interessant, da es dort auch kostenloses Essen gab;)
Wir blieben aber nur eine halbe Stunde, gingen dann noch was trinken in der Stadt und um 23 Uhr hollte ich einen Freund vom Kopenhagener Hauptbanhof ab. Mit diesem war ich dann noch bis um 00:30 Uhr in der Stadt, sodass ich erst um 1:15 Uhr ins Bett kam und am nächsten Tag sehr unausgeschlafen war;)
Naja ich bin ja nicht in Kopenhagen um zu schlafen;)
Jey das war der Bericht von meinen Erfahrungen am Donnerstag!
