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Linking postcolonial and climate justice struggles

11. Dezember 2011

Warum Postkolonialismus, soziale Kämpfe und Klimagerechtigkeit zusammen gehören. Dieser Frage gingen wir am Mittwochnachmittag in der Erasmus-Hogeschool nach.

Warst Du schon einmal der einzige Mensch Deiner Hautfarbe oder Ethnizität in einer größeren Gruppe? ( R.C.Young (2003): Postcolonialism, A very short Introduction, S.1) Eine solche Erfahrung kann sehr prägend sein, besonders für weiße, privilegierte und hier in Europa üblicherweise in der Mehrheit vertretene Menschen, die diese Erfahrung nicht häufig machen. Die Minderheit, die an den Rand gedrängten Gruppe oder das ausgeschlossene Individuum zu sein, das ist für einen großen Teil der Menschheit Realität. Sei es weil sie als Person, Gruppe oder Volk diskriminiert sind. Welche Bilder existieren in den Köpfen der weißen Erfinder der westlichen Leitkultur? Sie definieren, was der Mainstream ist und wer nicht dazu gehört. So ist es eben entscheidend, dass das islamische Kopftuch im Westen als Zeichen der Unterdrückung der Frau gilt und bekämpft wird, während alle anderen Bedeutungen ausgeblendet werden. So ist das Tragen eines Kopftuchs für einige Frauen der arabischen Welt und auch Muslima in Europa zum Zeichen des Widerstandes gegen die Sexualisierung der „exotischen“ arabischen Frau durch europäische Männer geworden.

Wenn marginalisierte Menschen zu Wort kommen und ihre Meinung ausdrücken, dann wurde in der Regel bereits für sie gesprochen. „Ich“ bedeutet nicht immer „Ich“, wenn, einmal in eine Kategorie eingeordnet, das Ich reduziert wird auf die Zugehörigkeit zu einer Minderheit.

Postkolonialismus, das bedeutet nicht die Zeit nach den Unabhängigkeitskämpfen der ehemaligen Kolonien, wie einige Teilnehmer des Workshops zunächst eine Einordnung versuchten. Nein, die postkolonialen Kämpfe zielen auf eine Minimierung aller noch immer und aus Kolonialzeiten übernommenen Ungleichheiten aller Gesellschaften ab. Dazu gehört die durch Repräsentanz in internationalen Organisationen und den neoliberalen Weltmarkt aufrecht erhaltene wirtschaftliche Abhängigkeit vieler sog. Entwicklungsländer auf internationaler ebene ebenso wie die durch Klassen, Kasten und Einkommensschichten erkennbare Ungleichverteilung von Macht und Teilhabe innerhalb einzelner Staaten und Gesellschaften, sowie auch die ungleiche Rollenverteilung auf persönlicher Ebene z.B. durch Geschlechterrollen.

Aus der Perspektive unserer westlichen dominanten Gesellschaften bedeutet dies eigentlich: die eigene Weltanschauung umdrehen und versuchen, sie „von unten“, aus der Sicht der Nicht-Dominanten, Marginalisierten zu sehen.

Wie brechen wir das herunter und beziehen es auf die internationale Klimapolitik? Wo werden strukturelle Privilegien und Machtverhältnisse auf der UN-Klimakonferenz sichtbar?

Deutlich erkennbar ist, dass die wirtschaftlichen Interessen der mächtigen Industriestaaten die Richtung der Verhandlungen dominieren. Die AOSIS oder die Verhandlungskoalition der afrikanischen Staaten treten als Stimme der Moral auf, könne aber selbst wenig tun, weil sie nicht für die große Menge der historischen und gegenwärtigen Treibhausgasemissionen verantwortlich sind. Vergleicht man die Größe der entsandten Delegationen, wird deutlich, wer das Sagen hat und vor allem die vielen parallelen Sessions besuchen und mitgestalten kann. Viele Meetings sind außerdem geschlossen und Auserwählten vorbehalten. Wenn Tuvalu oder die Malediven mit ein bis drei Delegierten vertreten sind, Europa oder Kanada dafür mit Hunderten, ist klar, wer wie viel mitreden kann.

Unter dem Gesichtspunkt der globalen Ungleichverteilung von Verantwortlichkeit und Tragen der Folgen von Klimawandel, wirtschaftlicher Ausbeutung und sozialer Ausgrenzung müssen auch  globale Migrations- und Fluchtbewegungen betrachtet werden.

Das Thema ist eigentlich viel zu riesig, wir sprechen über globale Gerechtigkeit und Umverteilung, um es in einem 1-stündigen Workshop zu diskutieren. Wichtig ist, selbstkritisch zu bleiben, sich die eigenen Privilegien bewusst zu machen und, wie gesagt, den Versuch der Betrachtung der Welt „von unten“, aus der Perspektive der Unterdrückten, in eigenes Handeln und Urteilen einzubeziehen.

Musiklinks zur Inspiration:

Tiken Jah Fakoly: Plus Rien ne m’etonne

Blue King Brown: Water

Liebe Grüße, Ruth

 


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