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Leben ohne Plastikverpackungen?

31. März 2017

von Katharina Huboi

An sich war es für mich bisher gar keine so großes Schwierigkeit auf Plastikverpackungen zu verzichten, weil ich vieles, was man so nebenbei vermeiden kann, eh schon lange vermeide (z.B. in Plastiktüten oder -schalen vorgruppiertes Obst und Gemüse, Take-away-Essen, Tee in Beuteln und flüssige Seife). Versucht man aber mal wirklich, sich zu 100 Prozent zu verweigern, wird man krass darauf sensibilisiert, wo überall Plastik dran ist.

katharina

Eine Alltags-Mehrweg-Ausstattung (siehe Foto) habe ich schon länger (Fußnote: die Brotbox habe ich 2003 in meiner Schultüte gefunden!). Übriges Essen decke ich im Kühlschrank mit Tellern ab, statt mit Cellophan.

Nichtsdestotrotz war Kunststoff auf jeden Fall das Material, das ich bis zum Beginn des Klimafasten am meisten weggeworfen habe und bin seit dem noch ein ganzes Stück mehr darauf sensibilisiert worden, wo überall Plastik dran ist. Beispielsweise haben selbst Brottüten in gefühlt jedem zweiten Supermarkt ein „Plastikfenster“.

Aufwand

Um den Aufwand, den das plastikfreie Einkaufen mit sich bringt, erst einmal hinaus zu zögern, habe ich am Anfang viel von meinen Vorräten gelebt, was Nudeln, Reis, Linsen o.ä. anging. Frisches Obst und Gemüse unverpackt zu bekommen, ist ja in jedem Supermarkt möglich.

Vieles kann man leicht umgehen, aber spätestens als das Klopapier leer wurde, war ein Einkauf im Unverpackt-Laden nicht mehr zu vermeiden. In Berlin ist er in der Wiener Straße. Es gibt in mehreren größeren Städten Läden, die nach dem Unverpackt-Konzept geführt werden und die alles von Lebensmitteln über Hygieneartikeln bis hin zu Putzmitteln entweder ganz unverpackt oder in Mehrweg-Verpackungen, also plastikfrei, anbieten. Und diese Läden bieten die Bezugsquelle für alles, was sonst unersetzlich scheint: Zahnpasta, Zahnseide in Glasröhrchen, Menstruationstassen und Shampoo und Conditioner am Stück wie eine Seife (gibt’s auch bei Lush).

Einige Dinge, die eigentlich immer verpackt sind, wie z.B. Rucula oder Käse, kann man sonst auch auf jedem Wochenmarkt ohne Probleme lose oder mit selbst mitgebrachtem Gefäß erwerben.

Das klingt alles sehr kompliziert, aber man findet schnell heraus, wo was wie zu beschaffen ist: Suppengrün ist bei Kaufland unverpackt, dafür hat Kaiser’s Brottüten ohne „Plastikfensterchen“ etc. Außerdem ist es ja recht selten, dass Klopapier, Taschentüscher, Shampoo, Seife, Nudeln und Reis gleichzeitig leer sind und man lebensunfähig scheint. Also ich finde den zeitlichen Mehraufwand wirklich machbar.  Wenn man schon mal in einen Unverpackt-Laden gefahren ist, kann man das ja ausnutzen: Warum ein Pfund Reis kaufen, wenn man auch 2 kg kaufen kann? Und das Shampoo-Stück hält wohl auch 3x länger als normale Shampoo-Flaschen. Zack, 2x zu Rossmann gehen gespart.

Trotzdem ist mir aufgefallen, dass es schon eine Reihe an Dingen gibt, auf die ich verzichte, wie Mozarella, Lachs, Mascarpone und Crème Fraîche. Alles keine essenziellen Dinge, aber eben meiner Kenntnis nach auch nirgends ohne Plastik erhältlich . Man möchte an dieser Stelle bedenken, dass Kunststoffe erst im 20. Jh entwickelt wurden. Crazy wie das Zeug uns infiltriert hat.

Allerdings habe ich auch kein außergewöhnlich hohes Hygienebedürfnis, sodass ich kein Problem damit habe, Schwämme und Handtücher statt Küchenpapier und feste statt flüssige Seife zu benutzen.

Der Kostenpunkt:

Nudeln, Reis etc. im Unverpackt Laden (ich habe bisher in keinem Supermarkt plastikfreie Varianten gesehen) kosten etwas mehr als gewöhnlich, sind aber auch beste Bio-Produkte, kosten also wahrscheinlich genauso viel wie das Supermarkt-Äquivalent, beim Berliner Unverpackt Laden liegen die Preise je zwischen 30-40 Cent pro 100g also ca. 1,70€ für ein halbes Kilo Spagetti. Gemüse und Obst sind gleich teuer, auf manchen Märkten eher preiswerter, besonders, wenn man gegen Ende hingeht und die Verkäufer ihre Ware loswerden wollen.

Ein Nischenprodukt, wie Klopapier aus dem Unverpackt Laden ist für mich auf die Dauer wohl keine Alternative (85 Cent pro Rolle), aber für die Klimafastenzeit mache ich das gerne!

Ob es ein teureres Leben ist, hängt halt maßgeblich davon ab, was man sonst so für Alltags- und Essensachen ausgibt. Mit Discounter-Preisen kann man nicht rechnen, wenn man aber sowieso sonst alles im Bioladen kauft, kann man mit gleichen Preisen rechnen.

Eine kleine Produktauswahl:

Zahnpasta (Tube)

Alternative: Zahnpasta als Pillen, sehen aus wie Minzpastillen und schäumen im Mund (z.B. bei „Original Unverpackt“)

Shampoo, Haarkur, Duschzeug

Alternative: Produkt am Stück, wie Seife (u.a. bei Lush, Original Unverpackt)

Tampons

Alternative: Menstruationstassen (gibt’s auch bei dm)

Coffee to go Becher

Alternative: Es gibt ganz viele Kaffeebecher, die kleiner und hübscher sind als diese bekannten Termo-Becher, dafür aber nicht warm halten (aber das macht Pappe ja auch nicht).


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