BUNDjugend Blog - ... und jetzt noch die Erde retten!

Kritischer Konsum – Ist unser Kaufverhalten politisch?

26. April 2013

Beim Verlassen des Bioladens plagt mich stets eine unangenehme Frage: Wem außer mir nützt das eigentlich? Leiste ich durch mein Konsumverhalten einen Beitrag zum Umweltschutz, oder bediene ich nur eine überschaubare Nische?

Die Grundannahme erscheint recht simpel: Die Nachfrage regelt bekanntlich den Markt. Wenn ökologisch oder sozial unverträgliche Waren weniger nachgefragt werden, wir weniger produziert und folglich auch weniger ausgebeutet und verschmutzt.

Die praktische Folge dessen: Eingekauft wird ausschließlich regional-vegan im Biomarkt, Ökostrom und faire Kleidung sind Pflicht und der Verzicht auf Auto und bestenfalls auch ÖPNV selbstverständlich. Das ist zwar teurer und umständlicher, dafür bleibt das ökologische Gewissen rein. Man hat seinen Teil zur Weltrettung schließlich eingebracht.

Veggieburger und grüne Logos

Dieser ökologische Idealtypus leistet zweifelsohne einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz und regt andere durch sein kritisches Konsumverhalten an. Von Seiten der Konzerne wird sein Lebenswandel jedoch bestenfalls als Nischenerscheinung vernachlässigt und schlimmstenfalls als Lifestyle vermarktet.

Ein Beispiel: McDonalds wird die Tierhaltungsbedingungen seiner Lieferanten nicht massiv anheben um kritische Konsumenten zu befriedigen. Stattdessen werden neuerdings Veggieburger voller Gentechnik hergestellt, idyllischste Kleinbetriebe in Werbespots inszeniert und Logos grün gefärbt, um dem Betrieb einen grünes Image zu verleihen. Wenn man der Massentierhaltung an den Kragen will, ist es ein sehr viel einfacheres Mittel, politisch offen für ihre rechtliche Beschränkung einzutreten, als alle seine Freunde anzustacheln um Agrarriesen in die Knie zu zwingen.

Es muss erlaubt sein

Kritische KonsumentInnen tragen durch ihr Kaufverhalten nicht aktiv zur Überwindung von Zwängen und Strukturen bei. Sie entziehen sich diesen im Privaten nur bestmöglich und ermöglichen so Nischenbetrieben ein auskömmliches Dasein. Es ist begrüßenswert und moralisch bestens nachvollziehbar, wenn man bestimmte Produkte oder Dienstleistungen boykottiert. Das ist jedoch eine private Entscheidung und sollte nicht als politisches Statement oder Druckmittel verstanden werden.

Die Konzerne, die diese vertreiben, werden das jedoch weiter tun, sofern zwei Bedingungen erfüllt sind. Erstens: Es muss sich wirtschaftlich rentieren. Zweitens: Es muss erlaubt sein.

Tropfen auf Steinen

Ein Paradebeispiel für diese Rechnung ist der 2011 beschlossene Atomausstieg. Das Ende der Atomenergie in Deutschland wurde nicht eingeläutet weil Millionen von Verbrauchern  den Stromanbieter wechselten und damit den Energieriesen die Existenzgrundlage entzogen. Atomstrom wurde infolge des politischen Drucks hunderttausender BürgerInnen für unerwünscht befunden. Auch organisierte Boykotts oder neuerdings Shitstorms können für kurzfristigen Erfolg sorgen. So trennte sich beispielsweise Amazon im Februar nach der Ausstrahlung einer ARD-Dokumentation über prekäre Leiharbeitsverhältnisse und der entsprechenden Verbraucherreaktion von mehreren Partnerunternehmen.

Im großen Kontext betrachtet ist auch das allerdings nicht mehr als ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein. Hätten sich alle überzeugten Amazon-Boykotteure stattdessen für eine gesetzliche Beschränkung der Leiharbeit und Stärkung von ArbeitnehmerInnenrechten starkgemacht, wären Erfolgsaussicht und Kooperationswille wohl um einiges höher gewesen.

von Robert Fisher


Kommentare