BUNDjugend Blog - ... und jetzt noch die Erde retten!

Ein Jahr Secondhand

16. April 2014 von BUNDjugend

Mona, 20, probiert seit Januar, nur Second Hand zu kaufen. Das Experiment soll ein Jahr dauern („und dann mal schauen, wie es weitergeht“). Sie wird etwa alle zwei Wochen über ihr Experiment berichten. Hier erklärt sie, warum sie das tut und mit welchen Schwierigkeiten sie rechnet:

mona_secondhand

„Ich möchte meinen Kleiderschrankzwar erweitern und hip halten, aber ich möchte dafür nur Second Hand-Läden und Tauschbörsen nutzen. Ich möchte versuchen Klamotten von mir, die ich nicht mehr anziehe weiterzugeben, um ein klein bisschen einen Kreislauf anzutreiben. Ein Gedanke, der vielen Menschen vielleicht nicht neu ist, aber mir geht es darum, konsequent zu bleiben und mich auch weiter über die Produktionsbedingungen von Textilien informieren, dazulernen, aufklären.

Teuer heißt nicht, dass die Produzenten gut daran verdienen. Es gibt Markenhersteller, die verwenden Discounter Qualität, aber lassen ihr Logo draufnähen. Wie fair fair gehandelte Kleidung ist, kann auch nur selten bewiesen werden. Die Produktion von Kleidung ist menschlich, aber auch umwelttechnisch verwerflich. Oft werfen wir Kleidung weg, die noch völlig okay ist, weil wir sie nicht mehr mögen. Dabei kann ein anderer damit vielleicht noch viel anfangen. Anziehen oder etwas neues daraus nähen, die Knöpfe für etwas anderes verwenden und aus Stofffetzen einen Quilt zaubern. Es gibt Leute die spenden abgelegte Kleidung nach Afrika. Da geht aber der Transport auf Kosten der Umwelt und das Verschenken (oder der Verkauf – wer weiß das schon so genau) schadet der heimischen Textilproduktion. Und immer nur so abgelegte Sachen tragen, dass sie nicht mehr in Europa verschenkt werden, dass will doch auch niemand.
Natürlich haben auch Kleidungsstücke irgendwann ausgedient, aber das kann viel später sein, als wir glau
ben.

Ich trage wahnsinnig gerne immer neue farbenfrohe, grenzenlose Outfits, und habe Bedenken, immer passende Sachen zu finden. Außerdem gibt es oft einfach nichts in meiner Größe, was gut aussieht und mir steht. Noch dazu wohne ich in einem Nest, wo Second Hand eher bedeutet, dass man sich keine neuen Klamotten leisten kann.
Aber ich habe Freunde mit Zugängen zu Umsonstkisten und guten Tipps (was Tauschbörsen, Umsonst- und Second-Hand-Läden angeht) und bin gelegentlich auch mal in besser aufgekl
ärten Großstädten unterwegs, daher glaube ich, keine Probleme zu bekommen.
Auf der anderen Seite habe ich aber auch Freunde die gern shoppen gehen und mich mitschleifen, viele Klamotten von typischen Kaufhaus-Laden sehen ja auch wirklich gut aus, da heißt es dann stark bleiben. Ich werde dann wohl versuchen diese Freunde ein klein wenig vom second-hand-Prinzip zu überzeugen und mal in andere Läden schleppen.“


Mein Trend, 2nd Hand! #4

6. Januar 2014 von BUNDjugend

blaUnd es ist soweit – mit dem Ende der ersten vier Monate im FÖJ ist auch mein Experiment vorbei: Solange wollte ich Secondhand kaufen, wenn überhaupt. Ich war auch recht erfolgreich dabei! Wenn man von einer kurzen Sündenliste absieht, habe ich nichts neu gekauft.

Spannend war Weihnachten – quasi der Höhepunkt meines Experiments! Natürlich hatte ich mir wieder einmal vorgenommen, mich dieses Jahr wirklich früh um die Geschenke zu kümmern; ich wusste ja, dass es mehr  Zeit als sonst braucht, bis ich die passende Dinge oder Ideen gefunden hatte. Eine Woche vor Weihnachten fand ich mich dann mit einem bisher gebastelten Geschenk wieder.  Dabei wollte ich doch mit der Konsumverweigerung auch dem Weihnachtsstress entkommen!  Zum Glück hatte ich meinen Urlaub nicht allzu knapp gelegt und so hatte ich doch einige Tage Zeit. Ich durchstöberte nochmal den BUNDjugend Adventskalender und ein paar Rezepteseiten und am 24. verpackte ich dann rotes und grünes Pesto, eine Sockenkrake, Körperpeeling in schicken Marmeladengläsern, Bücher und ein paar Kleinigkeiten von Oxfam und Ebay und seehr viele Kekse. Am Ende hatte ich meine Regeln doch noch gelockert und zum Beispiel Watte und Farbe gekauft, trotzdem habe ich weniger Geld als die letzten Jahre ausgegeben! Die Beschenkten haben sich gefreut (auch wenn ich etwa die Sockenkrake nicht zu meinen Meisterwerken zählen würde ;)) und einige versuchten sich selbst daran, mir etwas an mein Experiment angepasstes zu schenken: Zum Beispiel habe ich einen DVD-Abend-Gutschein gleich mit dem passenden gebrauchten DVD-Player bekommen, der noch im Keller gefunden wurde. Und meine Großeltern haben mir einen fair gehandelten DIY-Weihnachtsstern aus Indien geschenkt.

Ansonsten habe ich bei Geburtstagen eher mal was Kleines gebacken oder Schokolade verschenkt, denn genug Zeit zum Stöbern in Secondhandläden hat man ja auch nicht immer. Die meisten konzentrieren sich auch auf Kleidung, sodass man eine Weile fahren oder suchen muss, um an einem echten Krimskramsladen zu kommen.

Während der vier Monate haben die Menschen unterschiedlich auf mein Experiment reagiert: Fast alle fanden interessant, was ich mache, warum ich das tue und vor allem wie gut es funktioniert. Meine Mitbewohnerin zum Beispiel war aber irgendwann nicht mehr ganz so begeistert und fand Secondhand-Handfeger nicht so toll (auf Ebay Kleinanzeigen findet man fast alles!). Andere fanden, dass ich das Experiment auch auf Verbrauchsgegenstände und Lebensmittel ausweiten könnte, immerhin hat man in Berlin viele Möglichkeiten zum Containern. Ich bin jedenfalls ganz froh über meine Version des Experiments, es war zwar manchmal nervig und zeitaufwändig, hat aber auch Spaß gemacht!

Ganz vorbei ist mein Experiment nicht: Vor Beginn hatte ich etwas Sorge, dass vier Monate Nichtskaufen so nervt, dass ich danach direkt massig shoppen gehen will. Dem ist aber glücklicherweise nicht so: Bis heute habe ich noch immer nichts gekauft und brauche auch in nächster Zeit nichts Großes. Aber vor allem habe ich einen Vorsatz für 2014: Weiter meinen Kram loswerden. Trotz Ausmisten, trotz Umzug, trotz 1-Sache-pro-Woche-verschenken ist mein Zimmer voll mit Kram und vielleicht die Hälfte davon würde ich ganz gerne loswerden.

..Also wünscht mir Glück dabei! Und danke fürs Lesen meiner Berichte :-)


Mein Trend, 2nd Hand! #3

9. Dezember 2013 von BUNDjugend

Schande über mich! Schon ewig habe ich nicht mehr über mein Experiment berichtet – und dann muss ich auch noch Sünden beichten. Vier Monate lang wollte ich nichts neu kaufen und jede Woche eine Sache verschenken. Der letzte Monat ist nun angebrochen und ich bin noch dabei, habe aber kleine Dinge neu gekauft.

Meine Sündenbilanz: Ein Goldstift, ein Router, eine Gardinenstange.

Meine Verschenkbilanz: Armbänder, ein altes Handy, einige Kuscheltiere, eine Kiste Duplokram, einen Globus, einen Garderobenständer, Ellenbogenschoner, einen halbwegs kaputten Kleiderschrank, eine Kulturtasche und einen Spiegel.

Ein Versuch, meine Neukäufe zu rechtfertigen: Einen Router muss man kaufen, wenn man Internet neu bestellt. Ich habe sogar 60 Cent und einen Haufen Zeit für das Callcenter investiert, doch die Gefahr, dass der Router (den ich auch schon secondhand gefunden hatte) nicht funktioniert, war Congstar leider zu groß. Und die Vorhangsstange  – das sollte wohl einfach nicht sein. Vier Stück hatte ich gefunden, vier Mal wurde mir sehr kurzfristig abgesagt. Als ich beim letzten Versuch schon auf dem Weg nach Lichtenberg war und die Absage-SMS las, entschied ich mich jetzt doch zu IKEA zu gehen – da war die Geduld vorbei. Meistens ist es aber die fehlende Zeit, die einen zum Neukauf verführt. Wenn man spontan und dringend etwas braucht, dann kann man sich wohl zwischen Verzicht und Neukaufen entscheiden (oder man hat sehr viel Glück!).

Aber trotz kleiner Rückschläge bleibe ich dran und bereite mich langsam auf die schwierigste Phase meines Experiments vor: Die Weihnachtszeit. In meiner Familie besonders schwierig – meine Mutter und Schwester haben beide etwa einen Monat vor Weihnachten Geburtstag. Als ich also letzte Woche wegen eines Seminars bei meiner Schwester war, wollte ich ihr etwas Kleines zum Geburtstag mitbringen. Der Secondhandladen meiner Wahl hatte am Abend vor Abfahrt aber schon zu und so hatte ich die Wahl zwischen einem Fleischwolf und einem Eiscrusher aus der BUNDjugend-Umsonstecke. Ich entschied mich für den Eiscrusher, eine schöne Karte von zu Hause und „Die Geste zählt“.  Für Weihnachten soll es jetzt aber ein schönes, selbstgemachtes (zeitaufwändiges) Geschenk werden. Um Dinge selbstzumachen braucht man aber meistens einen Grundbestand an Material, den ich leider zumindest nach dem Umzug nicht mehr vorweisen kann. Wer an dieser Stelle einen guten Tipp hat, wie man in Berlin Bastelbedarf aus zweiter Hand bekommt, darf sich sehr gerne bei mir melden! Ansonsten  habe ich mich entschieden, nicht mehr ganz so streng zu sein und wichtige Dinge zum Selbermachen auch First Hand zu kaufen. (Falls garnichts geht, ist es ja auch immer schön, seine Freunde mit einem Kochabend zu beschenken;)).

Ich bin auch immernoch froh, das Experiment begonnen zu haben.  Secondhandläden, wuselige Buchhandlungen und Flohmärkte zu durchforsten macht immer Spaß – zumindest, wenn man nicht dringend etwas Bestimmtes finden muss. Klamotten immerhin sind eigentlich kein Problem, da hat man dank Kleiderkreisel, Tauschparties und den vielen 2ndHandLäden  genug Auswahl,  aber bis ich eine Kleiderstange mal secondhand gefunden hatte, (die nicht zu teuer war und die man zu menschlichen Zeiten abholen durfte) hätte ich fünfzig Mal durch IKEA laufen können. Daher passiert es schon aus Bequemlichkeit, dass man auf Dinge, die man nicht wirklich braucht, verzichtet und gekaufte Dinge auch mehr wertschätzt.. Und so ist jetzt zwar der letzte Monat angebrochen; die vier Monate werden aber sicher auch meinen Konsum im Jahr 2014 beeinflussen.

..Ach ja, eine Bilanz fehlt hier noch: Die Weihnachtsgeschenke, die ich bisher organisiert habe – null. Zwei Wochen sind es ja noch und dank BUNDjugend DIY-Adventskalender habe ich auch genug Inspiration, um endlich mal das Selbermachen anzugreifen ! ;)


Mein Trend, 2nd Hand! #2

1. Oktober 2013 von BUNDjugend

SeiMeike_Blog_Profilt drei Wochen läuft nun schon mein Klimaexperiment: Bis Ende des Jahres will ich keine neuen Gegenstände mehr kaufen und – wenn überhaupt – secondhand konsumieren.

Und wie läufts? Sehr gut! Bisher habe ich kein einziges Mal gesündigt; tatsächlich habe ich nichts außer Lebensmitteln, einem Bahnticket und einer Zahnbürste gekauft. Ich war aber auch selten verführt – das liegt wahrscheinlich daran, dass ich in letzter Zeit einiges zu tun hatte und wenig an Läden vorbeikam.

Ein bisschen Selbstdisziplin gehört aber auch dazu: Inzwischen haben meine Mitbewohnerin und ich eine Wohnung gefunden und ich mache mir schon Gedanken über viele Kleinigkeiten, die man besorgen könnte, um unsere Wohnung schön einzurichten.  Dabei sind wir noch nicht mal umgezogen! Die wichtigeren Dinge haben wir aber recht gut zusammen gefunden: Küchenstühle habe ich über „Verschenk’s Berlin„(Facebookgruppe) kostenlos ergattern können, die Kücheneinrichtung basteln wir aus ein paar Regalen und einer Platte, die noch bei uns rumsteht, und den Rest sammeln wir uns aus irgendwelchen Kellern zusammen.

Mein Experiment hat aber auch noch einen anderen Teil: Jede Woche will ich mindestens eine Sache verschenken. Bisher habe ich das auch ganz gut hingekriegt – losgeworden bin ich vier Kindercomputerspiele, ein Sparschwein, ein Billyregal und zwei Tischtennisbälle. Und während ich so die Umzugskisten packe, kommt da auch noch einiges zusammen, was ich gerne weitergeben würde – zum Glück findet man für fast alles schnell eine*n Abnehmer*in.

Bis jetzt schränkt mich mein Experiment also nicht ein; ich entdecke eher Neues: Dass es in Berlin mehrere Schenkflohmärkte gibt zum Beispiel. Und noch dazu breitet sich der Secondhand-Trend aus: Ich habe inzwischen schon das gesamte about change Büro (Judith macht auch mit;)) und zwei Freundinnen mit an Bord! Wenn ihr auch Lust darauf habt, ein anderes Experiment wagen wollt oder mir noch Tipps geben könnt, schreibt mir doch einfach an meike.ortmanns@bundjugend.de.

Es wird weiter berichtet!


Mein Trend, 2nd Hand! #1

9. September 2013 von BUNDjugend

Meike_Blog_Profil

So, eine Woche nach FÖJ-Beginn in der Bundesgeschäftsstelle wage ich (noch?) voller Tatendrang ein erstes Klimaexperiment: Bis Ende des Jahres 2013 will ich nichts Neues kaufen, keinen Wintermantel, keine Weihnachtsgeschenke, keine wunderschönen Ohrringe – solange die Sachen nicht Secondhand sind. Ausnehmen würde ich natürlich Lebensmittel (inkl. Cafébesuche..) und andere Dinge ohne die ich wohl bald ein ungern gesehener Gast wäre (Zahnpasta..).

Eigentlich bin ich kein Mensch, der sehr oft shoppen geht und dann mal so eben 15 Teile kauft. Seit einigen Wochen bin ich aber auf Wohnungssuche (wer übrigens eine schöne 2-Zimmer-Wohnung innerhalb des Rings für maximal 600 warm vermitteln könnte, darf sich sehr gerne melden;)) und war in letzter Zeit viel mit Ausmisten beschäftigt. Schockiert über die Inhalte der seit Jahren nicht geöffneten Kisten, dem ganzen angesammelten und dann doch nicht gebrauchten Kram, über die Kleidung, die man im Sale eben mal so kauft und selten bis nie trägt, musste ich feststellen, dass ich doch mal an meinem Konsumverhalten arbeiten muss.. Es soll nicht mehr Kram dazu kommen, aber der Unnötige soll auch weg: Deswegen will ich während des Experiments  mindestens eine Sache pro Woche verschenken (entdeckt habe ich da schon Ebay Kleinanzeigen – das ist wie ein Bermudadreieck für Gegenstände, innerhalb weniger Minuten hat sich eigentlich immer ein Abnehmer gefunden).

Ich bin im Grunde optimistisch – immerhin lebe ich in Berlin, da häufen sich doch Secondhand- und sogar Umsonstläden. Auf dem Flohmarkt stöbern mache ich sowieso gerne und mal was Selbermachen macht auch Spaß. Ein wenig Sorgen mache ich mir wegen dem geplanten Umzug: Gerade lebe ich bei meinen Eltern und die neue Wohnung muss dann ja irgendwie auch ausgestattet werden. Wenn ihnen die Hälfte des Bestecks und der Töpfe fehlt, würde das wohl schon auffallen. Vielleicht werde ich da aber auf Flohmärkten oder bei Omi doch fündig.. Meinen Kinderkleiderschrank will ich eigentlich auch nicht mitnehmen, aber da wird es schon einfacher; immerhin gibt es einen riesigen Gebrauchtmöbelmarkt in Berlin.

Die nächsten vier Monate werde ich dann ab und zu berichten, wie es mir ergeht; was meine Freunde zum Geburtstag bekommen und wie sehr Eva, meine zukünftige Mitbewohnerin, wohl vom Ikeaverbot  genervt sein wird, ob meine Kleidung auf dem Sofa lagert oder ich – wer weiß – selber einen erbaut habe.

Noch motivierter wäre ich natürlich wenn jemand mir Tipps für gute Secondhandladen in Berlin gibt oder sogar Lust hat mitzumachen (es müssen ja nicht gleich vier Monate sein). Gerne einfach melden bei meike.ortmanns@bundjugend.de. Und hier gehts weiter falls du mehr Infos zum Thema Klimaexperimente und zum Projekt about change haben möchtest.