BUNDjugend Blog - ... und jetzt noch die Erde retten!

Le vent tourne – Aktion auf dem YFoEE Summer Camp

10. August 2015 von presse4bundjugend

Sonntag, Halbsechs auf dem Summercamp: Der Kaffee tropft in die bereits halb gefüllte Kaffekanne und erinnert in der Farbe nicht nur entfernt an meine Augenringe. Um mich herum klingt die Party des Abschlussabends sachte aus, nur noch ein paar Unverdrossene stehen in der Küche zusammen, durch die jetzt der Kaffeegeruch zieht. Der Grund dafür, dass ich mich nicht schon längst in mein Bett verkrochen hab, kommt gerade zur Tür rein: Emma-Jayne wird die erste Busladung Leute zum Bahnhof nach Quimper bringen, die sich von dort wieder über ganz Europa verteilen werden. Mein Zug verlässt Quimper zwar erst um Neun, aber Josef hat sich eine Mitfahrgelegenheit organisiert, die er um Sieben erwischen muss. Damit sich die Stunde Shuttleservice nach Quimper lohnt müssen noch ein paar andere in den sauren Apfel beißen. Mit dabei sind noch Julia, Miia und Ana-Maria.

Die letzten vier Tage ging es auf dem Camp hoch her, es fällt fast schwer alle Erinnerung wieder zu sortieren. Auf der Zugfahrt sollte ich dazu aber genügend Zeit finden. Weil das französische Bahnsystem nochmal ein ganzes Stück undurchsichtiger ist als das deutsche, war es irgendwie mögliche ein Ticket für die 1. Klasse zu bekommen, das dabei sogar billiger ist als alle Angebote in der Zweiten. Mir soll es recht sein, so kann ich in Ruhe die Erlebnisse der Woche ordnen, nachdem ich mein Schlafdefizit etwas verringert konnte.

„Don’t nuke our climate!“

Am Mittwoch gab es einen kleinen Exkurs in die Geschichte der französischen Anti-Atomkraft-Bewegung. Hier in der Bretagne wurde Ende der 70er-Jahre das AKW Plogoff verhindert. Jean Moualic, einer der Aktivisten von damals, und ein paar seiner Mitstreiter führen uns über die Hügel, die sich oberhalb der Klippen hinter dem Dorf erstrecken. Kaum vorstellbar, dass hie19630466074_cd190f84f2_zr, wo wir uns nun auf den schmalen Pfaden durch das Meer aus Farnen schlängeln, einst ein Monster von Atomkraftwerk mit vier Reaktorblöcken aus dem Boden gestampft werden sollte. Die Menschen der Bretagne können stolz sein, den Wert ihrer Heimat frühzeitig erkannt und so einen Ort des Widerstandes geschaffen haben, bevor in Wackersdorf überhaupt eine WAA geplant war. Die Freiheit, die hier in Gestalt des Windes vom Meer bläst, zeigt uns, dass es sich jederzeit lohnt gegen die Ungerechtigkeit aufzustehen, die die Zerstörung unserer Umwelt jeden Tag darstellt. Mit einer kleinen Banneraktion am Strand verbinden wir schließlich Vergangenheit und Gegenwart: Atomkraft ist eine der schmutzigsten und die riskanteste Art der Energiegewinnung. Keinesfalls kann diese unkontrollierbare Technik ein Teil der Lösung für die globalen Krisen sein. Dieses Zeichen ist besonders in Frankreich zu setzen, dass nach wie vor 80% seines Stromes aus Kernkraft gewinnt und mit Areva einen der größten Atomkonzerne der Welt in Staatsbesitz hält.

Erneuerbare Energie in Bürgerhand!

Motiviert von den Errungenschaften der Vergangenheit machten wir uns an die Arbeit, neue Orte des Erfolges zu schaffen. Vor der bretonischen Küste liegt recht unscheinbar die kleine, verschlafene Insel Île de Sein. Hier entwickelt sich, angetrieben von den Bewohnern der Insel, eine Bewegung für Energiesouveränität und eine Versorgung mit 100% Erneuerbaren Energien. Noch liegt das Monopol der Stromerzeugung auf der Insel beim staatlich kontrollierten Energieriesen EDF, dem zweitgrößte Energiekonzerne der Welt. Um Nachhaltigkeit in der Stromversorgung schert sich EDF überhaupt nicht: Jährlich werden über 100.000 Liter Diesel in den Generatoren verheizt und beschleunigen damit den Anstieg des Meeresspiegels, der das ohnehin den Naturgewalten ausgelieferte Eiland droht unbewohnbar zu machen. Dem Anliegen der Inselbewohner, die Stromproduktion in die eigene Hand zu nehmen und eine kommunale Windkraftanlage zu errichten, steht damit ein mächtiger Gegner entgegen. Wir als YFoEE möchten daher den Menschen der Insel in ihrem Kampf beistehen, denn ihr Bestreben für eine dezentrale Energieversorgung in Bürgerhand20066142828_0bc605fbc3_z steht beispielhaft für den Wandel, der für ein Europa und eine Welt der Zukunft zwingend nötig ist. Wer so große Zeichen setzen will, muss dafür natürlich jede Menge vorbereiten. Am Donnerstag ist das ganze Camp am werkeln: Einsatzpläne für die große Aktion am Leuchtturm werden geschmiedet, riesige Banner mit unserer Botschaft beschriftet und an einem Totem zur Warnung vor dem steigenden Meeresspiegel geschraubt. Auch Sprechchöre und sogar ein Songtext für die Demo werden erdacht – selbstverständlich auf Französisch, was für einige der englischsprachigen unter uns eine echte Herausforderung ist, die aber durch gemeinsames fleißiges Üben schnell gemeistert wird. Ich habe mich wieder dem Mediateam angeschlossen, dessen Aufgabe es sein wird, Bilder von der Aktion zu produzieren, um die Geschichte der Île de Sein über die Insel hinaus sichtbar zu machen. Positionen und Aufgaben für die Fotograf*innen und Kameraleute werden verteilt, ein Storyboard für den Aktionsfilm gezeichnet und diskutiert, wie wir unser Narrativ – die Botschaft von Energie in Bürgerhand – am besten in Bilder fassen. Während die Farbe auf den Bannern trocknet, schläft das Camp, um am nächsten Morgen fit für die Aktion zu sein.

Freitagmorgen, während des Frühstücks hatte sich eine Gruppe Freiwilliger in die Küche begeben, um im Akkordarbeit Sandwiches für die Horde Aktivisten zu belegen. Team Blue – die Leute, die für die Aktion am Leuchtturm zuständig sind – sind bereits auf dem Weg zur Insel, damit dort bereits alle Vorkehrungen getroffen sind, sobald der Demo eintrifft. Um Elf geht es auch für den Rest von uns los. In zwei Busladungen werden wir nach Saint-Evette gebracht, wo wir noch einige Zeit warten müssen, bis wir auf die Fähre können. Als es endlich soweit ist – die Meisten haben ihren Proviant schon aufgefuttert – wird unsere Unternehmungslust etwas getrübt, als an Bord die Durchsage gemacht wird, wir hätten heute mit stärkerem Wellengang als sonst zu rechnen. Unterstrichen wird diese Ansage von einem Crewmitglied, der in einer Luke unter Deck verschwindet, nur um kurz darauf mit einem Stapel weißer, von Innen mit Folie beschichteter, Papiertüten wieder zu kommen, die er griffbereit an Sitzen verstaut. Über die einstündige Fahrt hüllen wir den Mantel des Schweigens. Angekommen informieren sich einige über die aktuellen Immobilienpreise auf der Insel. Später wieder zurück zu müssen, daran wollen sie erst mal nicht denken.

Nach der dringend benötigten Verschnaufpause am Pier im Hafen von Île de Sein, werden wir von einer kleinen Delegation der Inselbewohner empfangen. Patrick Saultier, Mitglied des Gemeinderats, heißt uns willkommen. Er drückt seine Freude über unser Kommen aus und was es für die Menschen der Insel bedeutet. Malika und Dipti übergeben feierlich das Totem, das, als Bildnis des Leuchtturms mit einer Markierung des Wasserstands, die Gefahren für die Insel durch den vom Klimawandel verursachten Meeresspiegelanstieg anschaulich machen soll. Nun setzt sich der Demozug in Bewegung. Ein Ereignis, das die Insel so vielleicht zum ersten Mal sieht: Hundert Junge Menschen, fast halb so viel, wie die Insel Einwohner zählt, ziehen singend und Fahnen schwenkend an der Seepromenade entlang, durch die Gassen des Dorfes und über die steinigen Ebenen der Insel, hin zum Leuchtturm, der über der Insel thront. Dort wartet bereits Team Blue auf uns mit dem riesigen blauen Banner „Le vent tourne“ – der Wind dreht sich. Man müsste meinen, der Wind sei in dieser Sache unser natürlicher Verbündeter, allerdings ist das himmlische Kind heute ein wenig bockig: Er bläst so stark, dass wir das Banner nicht wie geplant am Leuchtturm hochziehen können. Egal, die Vogelperspekti20254066975_d73fff32a7_zve, die Julie und Rumy von der Spitze des Leuchtturms einfangen toppt alles und im grandiosen Aktionsvideo, das Lawrence aus unserem Material zusammenschneidet, fällt der kleine Faux Pas auch nicht auf. Abschließend statten wir den Tanks für die Dieselgeneratoren, die wir obsolet machen wollen, einen kleinen Besuch ab und schießen noch ein paar letzte Abschiedsfotos mit ihnen. Auf der Rückfahrt sind alle zu erschöpft von den Kämpfen des Tages, als dass der Wellengang sie davon abhalten könnte, an Bord der Fähre ein Nickerchen zu halten.

Am Samstag legen wir mit den Planungen für das nächste YFoEE-Jahr los: Im Dezember wollen wir die Stimme der Jugend auf den Klimaverhandlungen laut zu Gehör bringen. Das will natürlich bestens vorbereitet sein und so wird sich ausgetauscht über Strategien und Planungen in den Mitgliedsverbänden und gebrainstormt, wie wir den bunten Protest für eine gerechte Lösung der Klimakrise in Paris zusammenführen. Auch für das große Camp im Frühling 2016 werden Ideen geschmiedet, wo die Bewegung das erste Mal nach Paris zusammen kommen wird, um globalen Widerstand gegen Fossile Energien weiterzuführen.

Ein letztes Mal gehen wir zum Strand um uns in den Fluten des Atlantiks zu erfrischen und Kraft zu tanken für die kommenden Herausforderungen. Am Abend feiern wir mit einer kleinen Party uns, das Summer Camp, die Bewegung für Klimagerechtigkeit und alle, die für eine nachhaltige und gerechte Welt kämpfen. Josef legt auf. Für mich soll es eine lange Nacht werden.


Eisbären und Abkürzungen

6. Juni 2015 von presse4bundjugend

Mittwoch, dritter Tag der Klimazwischenverhandlungen: Wir treffen als kleine aber feine Delegation der BUNDjugend in Bonn ein. Die meisten von uns sind zum ersten Mal auf einer Veranstaltung des UNFCCC (United Nations Framework Convention on Climate Change, das Klimarahmenabkommen, das die Grundlage der Verhandlungen ist; an den Overflow an Abkürzungen gewöhnt man sich wohl). Die Zwischenverhandlungen sind die Klimakonferenz im kleinen Maßstab, beste Gelegenheit für uns einen Vorgeschmack auf Paris zu bekommen und zu verstehen, wie ein Nachfolgeabkommen von Kyoto zustande kommen könnte. Dieses wird hier in Bonn und auf den kommenden Zwischenverhandlungen, oder auch den sogenannten Intersessionals, vorbereitet.

20150604_1734_kleinUm überhaupt die Möglichkeit zu haben, die Verhandlungen und Events zu besuchen, musste sich jede*r von uns vorab akkreditieren lassen und bei der Ankunft am Kongresszentrum in Bonn registrieren lassen. Dabei erhält jede*r ein Badge mit Foto, Name und der NGO, in unserem Falle Friends of the Earth International. Außerdem muss man jedes Mal, wenn man das Kongresszentrum betreten will durch eine Securitykontrolle. Nachdem all das erledigt war, haben wir uns in einem kleinen Rundgang durch das Gebäude einen ersten Eindruck über die unterschiedlichsten und parallel ablaufenden Events machen können. Damit jede*r die Möglichkeit hat auf dem aktuellen Stand der Verhandlungen zu bleiben, gibt es tägliche Zusammenfassungen über die wichtigsten Geschehnisse. Diese gibt es nicht nur als Printversionen, die hier an jeder Ecke ausliegen, sondern auch sehr ausführlich und umfangreich im Internet (Storify). Darüber hinaus kann man die Verhandlungen auch in einem online Live-Stream verfolgen.

Am Anfang kann so eine Konferenz ganz schön überwältigend sein: wenn man es durch die Registrierung und die Security Checks geschafft hat, taucht man in einen ganz eigenen geschäftigen Kosmos ein: wie behält man den Überblick über die zahlreichen verschiedenen Konferenzräume? Was versteckt sich hinter all den Abkürzungen? Und warum haben wir einen gelben Badge bekommen, während andere Leute einen pinken um den Hals tragen? Zum Glück haben wir schon am vorherigen Abend eine kleine Einführung bekommen und auch jetzt helfen uns einige „alte Hasen“, für die das nicht die erste Konferenz ist, den Überblick zu behalten. Zuerst geht es zu einem „Climate Justice Treffen“. Hier kommen Vertreter verschiedener Organisationen zusammen, deren Anliegen es ist, den Aspekt der Klimagerechtigkeit in den Verhandlungen zu stärken. Das bedeutet, dass nicht nur über die Senkung von CO2 Emissionen verhandelt wird, sondern in diesem Prozess auch die geteilte aber verschiedene Verantwortung der einzelnen Länder berücksichtigt wird, sodass dem globalen Norden aufgrund seiner historisch gesehen sehr hohen Emissionen eine besondere Verantwortung zukommt und auch die Kapazitäten der Staaten berücksichtigt werden.

20150604_1715Während wir versuchen, uns auf der Konferenz zu orientieren, startet gleichzeitig in München die Großdemonstration gegen den G7-Gipfel, wo auf Schloss Elmau die Staats- und Regierungschefs am Wochenende zusammenkommen wollen. Angela Merkel hat angekündigt, Klimaschutz auf die Agenda zu schreiben. Wir haben da ein Auge drauf, damit die Belange der Staaten des globalen Südens nicht hinten runter fallen, wenn die Industriestaaten unter sich Absprachen treffen. Dazu protestieren BUNDjugendliche mit der JBN und laufen bei der Demo als Eisbären mit, die eine Weltkugel zum Schutz auf den Händen tragen. Das heißt, aus den Eisbären wird nichts: Bei 32°C im Schatten (Hallo Klimawandel!) ist an ein Anziehen der Kostüme nicht zu denken.

Ganz anders in Bonn: Wir nutzen die frühen Morgenstunden, um in Eisbärfellen ein Foto für einen kleinen Solidaritätsgruß zu schießen, um die umfassende Verantwortung der G7 ins Bild zu fassen.

Die erste Sitzung der Verhandlungen, die wir besuchten, war das multilateral assessment der Ad Hoc Working Group on the Durban Platform for Enhanced Action (glücklicherweise abgekürzt mit ADP, die Verhandlungsgruppe, die sich in Bonn trifft um den Verhandlungstext für Paris auszutüfteln). Beim multilateral assessment geht es darum, dass die einzelnen Staaten berichten, was sie gegenwärtig tun, um ihre Treibhausgasausstoß zu senken (diese Ziele werden INDC genannt, Intended National Determined Contribution). In der Zeit, die wir dort waren, kam Deutschland an die Reihe seine Vorhaben und Entwicklungen und die „Energiewende“ vorzustellen. Neben den diplomatisch höflichen Fragen der anderen Staaten, kam dabei allerdings nicht zur Sprache, dass Deutschland droht, seine Klimaziele für das Jahr 2020 zu verfehlen, sollten nicht vorher schon in größerem Stil Braunkohlekraftwerke abgeschaltet werden. Die von Sigmar Gabriel ins Spiel gebrachte Kohleabgabe wurde schon soweit zurückgezogen, dass sie die Lücke zum Klimaziel bei weitem nicht schließen können.

Wie es in Deutschland und weltweit um die Nutzung des Energieträgers Kohle bestellt ist, hat der BUND in seinem neuen Kohleatlas zusammengeführt, der diese Woche passend zu den Klimaverhandlungen veröffentlich wurde. Zusammenfassend berichtet davon die Deutsche Welle.

Am Abend trafen wir uns mit der Klimadelegation des Jugendbündnis Zukunftsenergie – im Biergarten. Auch dafür gibt es natürlich eigenen Verhandlerslang: „it’s beer o’clock!“. Dabei war es gerade interessant zu erfahren, wie junge Menschen den Gang der Verhandlungen einschätzen und welche Schwerpunkte sie für ihre Arbeit setzen.

Erledigt von den Eindrücken des Tages fallen wir hundemüde ins Bett. Geschätzt 765.927 Akronyme wollen verarbeitet und einsortiert werden. Noch kämpfen wir uns durch den Bodennebel des Verhandlungsdschungels aber die eine oder andere Lichtung ist schon in Sicht. Man kann nur hoffen, dass die Verhandler mehr Durchblick haben und den Text für Paris klar kriegen.


Die Stadt der kurzen Wege

20. Mai 2015 von presse4bundjugend

Individualverkehr verringern durch urbanes Design

Während meiner Mobilitätswoche bin ich auf ein spannendes Konzept der Stadtplanung gestoßen: „Die Stadt der kurzen Wege“. UnbenanntDieses Leitbild, das seit den 1980ern von Stadtplaner*innen verfolgt wird, möchte kompakte  Siedlungsstrukturen zu schaffen, dass Orte schnell erreicht werden und einfach zugänglich sind. Es wird das Ziel verfolgt, städtischen Lebensraum aufzuwerten und neu zu gestalten. Hierbei soll motorisierter Individualverkehr verringert werden, indem Distanzen zwischen Wohnen, Arbeit, Freizeit- und Bildungsorten möglichste gering gehalten werden. Im Allgemeinen möchte man bestmöglich Neuversiegelungen und Straßenbau vermeiden.

In einigen Städten wurde eine derartige Stadtplanung zum Teil schon umgesetzt, zum Bespiel in Marburg, Osnabrück und Potsdam. Da gerade Potsdam in so guter Reichweite ist, ist meine Neugier geweckt, demnächst einmal die Stadt mit dem Fahrrad zu erkunden und die städtplanerische Umsetzung zu begutachten.

Happy CityWeiterhin passt perfekt zur Mobilitätswoche ein sehr interessantes Buch, das ich gerade lese: „Happy City“ von Charles Montgomery. Er erforscht, wie durch urbanes Design das Leben in der Stadt umgestaltet werden kann. Im Fokus steht für ihn, welche Faktoren der Transformation das Zusammenleben glücklicher machen. Hierbei beschäftigt er sich in einem großen Teil des Buches auch mit Mobilitätsformen. Es entspricht genau meinem Interessengebiet und ist sehr zu empfehlen.

Ansonsten: Wie wäre es, am Wochenende aufs Fahrrad zu steigen und selbst einmal zu erkunden, was alles in der eigenen Nachbarschaft und unmittelbarer Nähe zu finden ist? Sicherlich viel mehr als man so denkt ;)

Und hiermit sage ich wieder einmal: Viele liebe Mobilitätsgrüße,
Vera


Busfahren auf dem Land- schwierig oder einfach?

17. Mai 2015 von presse4bundjugend

Klimaexperiment Nr1: Mobilität ohne Auto – Ein kleiner Blick auf die letzten drei Tage.

Upleward. 300 Einwohner. Was es gibt: Einen Kaugummi-Automaten, eine kleine Pension mit Restaurant und ein Schild mit Hinweis auf den etwa 2,5 km weit entfernten Campingplatz. Hier bin ich am vierten Tag meiner Mobilitätswoche. Gefühlt ziemlich „unmobil“, da ich mir eine kleine Grippe eingefangen habe und kränkelnd unter der Decke stecke. Dennoch: Warum nicht einen kleinen Rückblick geben?

IMAG0634_webIch steige in den Bus nach Emden, meinen Bruder im Schlepptau. 15 km ist die nächst größere Stadt entfernt. Der Bus ist größtenteils leer. Zwei Jugendliche sitzen weiter hinten. Zwei Touristen – erkennbar an Rucksack und Begutachten ihres Bustickets – auf dem Vierersitz rechts neben uns. Nungut, wir hätten damit schon einmal sechs von 43 Sitzplätzen des Busses besetzt. Im Laufe unserer etwa 30-minütigen Fahrt steigen noch eine weitere Frau und zwei Männer in meinem Alter hinzu.

Ähnlich sieht es auch am Dienstag aus, als ich mittags mit dem Bus in die Stadt fahre, um meinen Zug nach Berlin zu nehmen. Ich begutachte neugierig das Businnere: Als ich einsteige, sitzt ein Junge und eine schätzungsweise vierzigjährige Frau auf den Plätzen. Nach ein paar Haltestellen wende ich mich zu ihr um und frage interessiert: „Ich bin nicht so häufig in der Gegend und mich würde interessieren, ob der Bus immer so leer ist.“ Sie antwortet mir: Nein, nicht immer, der nächste sei voller. Als ich nachhake, wer mit dem Bus fährt, antwortet sie: „Er ist immer voller Schüler“ Sie sei zumeist die einzige Erwachsene, die den Bus in Anspruch nehmen würde. „Ich bin mit Abstand die älteste. Manchmal fahren auch noch ein Opa und eine Oma mit, die in Pewsum (nächstgrößeres Dorf) einkaufen gehen.“ Gerne hätte ich noch weiter gefragt, doch sie lächelt mich an und sagt entschuldigend, dass sie nun aussteigen müsse.

11160611_867779973301880_6721960008958901245_oEines ist somit auffällig: Die Frau ist eindeutig eine Ausnahme, wenn es die Nutzung des Busses angeht. Die Mehrzahl der Erwachsenen, die in der Umgebung wohnen, pendeln tagtäglich 15 km mit dem Auto in die Stadt, um zur Arbeit zu fahren. Auf den Bus als Alternative zu setzen, stellt sich werktags am Vormittag als noch machbar heraus. Etwa stündlich bis jede anderthalb Stunde fährt eine Linie. Ähnlich ist dies auch nachmittags. Dennoch bedeutet dies für viele eine höhere Planung. Ein weiterer Punkt, der das Busfahren als unbequem darstellt, ist, dass vormittags der Bus meist sehr überfüllt von Schülern ist. Im Allgemeinen ist die Infrastruktur sehr schlecht. Dies zeigt sich besonders abends: Malkurse, abendliche Treffen mit Freunden, Sport oder Filme-Abende in der Stadt sind nahezu unmöglich durchzuführen, da um 18:44 Uhr der letzte Bus die Haltestelle verlässt. Ganz zu schweigen von einer Wochenendgestaltung ohne Auto, hierfür reicht ein Blick auf den Plan: Samstags fahren drei Busse in die Stadt, am Sonntag ein einziger.

Der Individualverkehr auf dem Land ist unsagbar hoch. Die Infrastruktur Öffentlicher Verkehrsmittel auf dem Land gehört dringlichst gefördert, anstatt weitere Buslinien zu streichen.

Viele, liebe Grüße,
Vera


„Buen Vivir – Vom Recht auf ein gutes Leben“

12. Mai 2015 von presse4bundjugend

Ein neugieriger Blick auf das Buch von Alberto Acosta

Der ecuadorianische Wirtschaftswissenschaftler Alberto Acosta war als Präsident der verfassungsgebenden Versammlung Ecuadors maßgeblich an der Integration von Buen Vivir in die Verfassung des Andenstaats beteiligt. In Europa, gerade in Deutschland, ist er ein oft geladener Gast, der im Rahmen von Postwachstumsdebatten als Vertreter und Verfechter für dieses Konzept spricht. Nun hat er mit dem Buch „Buen Vivir – Vom Recht auf ein gutes Leben“ endlich eine umfassende Beschreibung und Analyse zu Buen Vivir bzw. Sumak Kawsay (in Quechua) vorgelegt und verspricht damit eine solidarische Alternative zu Wirtschaftswachstum, Entwicklungsparadigma und umweltschädlicher Ressourcenausbeutung. Doch, kann das Buch diesem hohen Anspruch genügen?

Was ist das gute Leben oder Sumak Kawsay?

Wie soll nun das Gespenst der Entwicklung und die Idee von grenzenlosem Wachstum überwunden werden und wie sieht das gute Leben für alle aus? Buen Vivir ist ein Konzept aus dem Andenraum, welches von den Indigenen Lateinamerikas seit Jahrhunderten entwickelt, gelebt und praktiziert wird. Die grundlegende Basis besteht in einem Zusammenleben in Vielfalt und Harmonie mit der Natur. Buen Vivir ist ein Konzept, dass die Trennung und Herauslösung des Menschen aus der Natur aufheben möchte und stattdessen eine Vision herstellt, in denen die Werte Solidarität, Integralität, Suffizienz, Vielfalt und Demokratie gelebt werden. Kurz: Von dem allseits übermächtigen Anthropozentrismus (der Mensch steht im Mittelpunkt) will Buen Vivir (zurück) zu einem (Sozio)Biozentrismus, der ein Zusammenleben von Mensch und Natur harmonischer, nachhaltiger und gleichberechtigter gestaltet. Deshalb steht auch im Vordergrund, die Natur bzw. Pacha Mama mit Rechten auszustatten, die ihrer grenzenlosen Ausbeutung klare Grenzen setzen.

Anhänger*innen und Praktizierende des Buen Vivir haben deshalb auch ein radikal anderes Verständnis von Wirtschaft. Statt sich am Wachstum auszurichten, müsse sich die Wirtschaft wieder mehr an den Bedürfnissen von Menschen und Gesellschaft ausrichten und sich vor allem an den Grenzen der Ökologie messen. Nicht zuletzt berührt das Konzept dann auch Fragen von struktureller Ungleichheit und (globaler) Ungerechtigkeit. Wenn Menschen in ihren Interessen und Anliegen wieder ernst genommen werden sollen, müssten dann auch hierarchische Strukturen wie Rassismus, Klassismus und Patriarchalismus aufgebrochen werden. Acosta plädiert hier aber nicht für eine blinde Gleichmacherei, sondern für eine neue Wertschätzung von Vielfalt, Kulturen und somit auch Positionen, welche als gleichberechtigt betrachtet werden müssen. Die letzen Sätze im Buch treffen es dabei wohl ganz gut auf den Punkt:

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„Das „Gute Leben“ akzeptiert und unterstützt andere Lebensweisen, schätzt die kulturelle und politische Vielfalt, die Interkulturalität und die Plurinationalität. Dieser Pluralismus rechtfertigt und toleriert in keinem Fall die Zerstörung der Natur und auch nicht die Ausbeutung von Menschen oder die Existenz privilegierter Gruppen, die auf Kosten der Allgemeinheit und von der Arbeit und den Opfern anderer leben. Das „Gute Leben“ bezieht alle mit ein, sonst ist es kein gutes Leben!“ (Seite 197)

Nur Kritik oder auch Vision?

Buen Vivir sieht sich insbesondere als Kritik an und als Alternative zu dem lange vorherrschenden Entwicklungsparadigma des Globalen Nordens, das den Ländern des Globalen Süden mit den bekannten verheerenden Auswirkungen aufgedrängt wurde. Darüber hinaus wird Buen Vivir auch als eine radikale Kritik an kapitalistischen Marktstrukturen und Ausbeutungsverhältnissen offenbar. Eine Ausrichtung der Gesellschaft an einem wirtschaftlichen Wachstums wird ebenso abgelehnt wie die weitere Abhängigkeit von extraktiven Industrien. Insofern ist es nicht erstaunlich, dass Acosta sich in weiten Teilen des Buches an dieser Kritik abarbeitet. Er schreibt deshalb sehr viel dazu, was Buen Vivir nicht ist, was es nicht sein kann und nicht sein darf. Doch so bleibt an vielen Stellen im Buch zunächst unklar, was Buen Vivir dann sein könnte und wie die oben genannten Prinzipien tatsächlich praktisch gelebt werden. Sicherlich ist diese Kritik wichtig, um sich vom Bestehenden abzugrenzen und zu verdeutlichen, wozu es im Widerspruch steht. Doch diese Kritik ist nicht neu, sondern wird schon lange durch die Theorie der Dependencia und durch Umwelt- , Sozial- und Postwachstumsbewegungen im Globalen Norden und Süden so geäußert. Acosta setzt diese Kritik in einen neuen Rahmen und will Buen Vivir als eine mögliche Lösung vorschlagen. Dazu verbleibt er jedoch teilweise zu sehr in der Kritik, statt sich der positiven Vision und Utopie zu widmen. So mangelt es ein wenig an konkreten Vorschlägen und Ideen wie eine heutige Buen Vivir Gesellschaft aussehen könnte.

Der politische Hintergrund von Acosta wird in dem Buch an vielen Stellen mehr als deutlich, wenn das auch nicht unbedingt stören muss. Einige Teile des Buches lesen sich wie eine politische Rede oder kämpferische Aufrufe. Auch die Erfahrungen, die der Autor mit dem Prozess der ecuadorianischen Verfassungsgebung gemacht hat, nehmen viel Raum ein. Andersherum wird auch der intellektuelle Bezug immer wieder hergestellt. Acosta setzt sich mit vielen Denker*innen und Schriften auseinander und setzt damit dann auch ein gewisses Vorwissen bei den Lesenden voraus. Dies zeigt sich nicht zuletzt an der Benutzung von vielen Fachwörtern aus Wissenschaft und Bewegung und Bezügen zu ähnlich gelagerten Diskursen, was bei neu interessierten Leser*innen eventuell manchmal Fragezeichen aufwerfen könnte.

Eine wertvolle Perspektive aus dem Globalen Süden

Das Buch von Acosta zu Sumak Kawsay ist dennoch ein sehr lesenswertes und empfehlenswertes Buch, welches einen wichtigen Beitrag für aktuelle Debatten um den Krisenkapitalismus, den Klimawandel und Postwachstum leistet. Es stellt dabei immer wieder einen guten Bezug zu den aktuellen globalen Problemen der Menschheit her und ergänzt die Diskurse zu Degrowth, Postwachstum und Suffizienz um eine sehr wertvolle Perspektive. Das Konzept von Buen Vivir ist gerade deshalb so essentiell, weil es aus dem Globalen Süden kommt und somit aus den Kämpfen und Widerständen von jahrhundertelang Unterdrückten und Ausgebeuteten entstanden ist. Das Buch liefert wichtige Denkanstöße für die Frage, wie eine andere Gesellschaft aussehen könnte und welche Werte dafür wieder in den Vordergrund treten müssen. Denn wie es scheint, sind gerade diese in den wirtschaftsdominierten und anthropozentrierten Gesellschaften auf der Strecke geblieben.

Am Ende mag in der Schwäche des Buches auch seine Stärke liegen: Denn Buen Vivir will kein fertiges Konzept sein und fertige Vorschläge liefern. Daher muss Acosta hier wohl an vielen Stellen wenig konkret bleiben. Vielmehr soll die Frage nach dem guten Leben für alle gerade im gemeinschaftlichen und gleichberechtigen Dialog ergründet werden. Die konkreten Lösungen liegen daher nicht schon auf dem Tisch, sondern entstehen gerade im Prozess und immer wieder neu. Dies ist die Stärke dieser großen Utopie ohne klare Antworten.


Anti-Kohle-Camp und Kette

29. April 2015 von BUNDjugend

Wir nehmen Anlauf nach Paris! Als Teil der Klimabewegung trafen knapp 100 Jugendliche vom 24. Bis 26. April im BUNDjugend Camp im rheinischen Braunkohle-Revier zusammen. Der Höhepunkt des Aktionswochenendes war die Anti-Kohl-Kette am Samstag, bei der 6000 Teilnehmer*innen aus ganz Deutschland, aus Polen, Belgien, den Niederlanden, Luxemburg, Norwegen und weiteren Ländern eine geschlossene 7,5 Kilometer lange Menschenkette bildeten. Mit dieser symbolischen Grenze forderten die Demonstrant*innen den schrittweisen und sozialverträglichen Ausstieg aus der Kohle, um das nationale Klimaziel von mindestens 40 Prozent weniger CO2 bis 2020 zu erreichen.

2015_Anti-Kohle-Kette_NRW_BUNDjugend in der geschlossenen Kette-La-Ola

Ein buntes Programm im BUNDjugend Camp

In Workshopphasen setzten sich die Jugendlichen im Camp schon am Freitagabend mit den Klimaproblematiken auseinander. Außerdem wurde das 19 Meter lange Banner vorbereitet und ausgemalt. Nach dem gemeinsamen, veganen Abendessen, welches von einer Vokü für das Camp gekocht wurde, gab es noch letzte Infos zur Menschenkette. Am Samstagvormittag wurden fleißig bunte Kreuze/ Xe gebastelt, um unter dem Motto „Unsere Zukunft entscheidet sich hier“ an der Menschenkette teilzunehmen und eine deutliche Grenze zu ziehen. Während der Kette herrschte, trotz Regen und Nässe, eine super Stimmung mit vielen lauten und jungen Stimmen. Nach der Abschlusskundgebung in Immerath gingen einige Interessierte zum Skywalk, von wo man einen guten Blick in den Kohletagebau Garzweiler II hat.

Der Abend bot ein vielseitiges Programm mit einer Presseschau, leckerem Essen, der Premiere des Films „La Buena Vida- Das gute Leben“ und einer anschließenden Party.

Bevor die große Aufbruchsstimmung am Sonntag startete, gab es noch einen Überblick über Aktivitäten im Klimajahr 2015, als auch ein Vernetzungstreffen für BUNDjugend-Aktive und –Interessierte. Mit einer letzten gemeinsamen Mahlzeit und vielen helfenden Händen beim Abbau klang ein ereignisreiches und spannendes Aktionswochenende aus.

2015_Anti-Kohle-Kette_NRW-Zelt der BUNDjugend NRW im Camp

Der Protest geht weiter!

2015 wird ein entscheidendes Jahr für den Klimaschutz! Im Dezember findet die 21. Internationale Klimakonferenz in Paris statt, bei der ein neues Abkommen verabschiedet werden und 2020 in Kraft treten soll. Als Teil der Klimabewegung ruft die BUNDjugend im Vorfeld der COP21 zu weiteren Protestaktionen auf.

Am 4. Juni findet im Vorfeld des G7-Gipfels eine Großdemonstration für mehr Klimaschutz und gegen TTIP und Armut in München statt. Die BUNDjugend wird sich gemeinsam mit der JBN an dieser Demo beteiligen. Hier kannst du dich informieren und beteiligen!

Auch zur Großdemo gegen die Freihandelsabkommen am 10. Oktober in Berlin wird die BUNDjugend mobilisieren und rund um die Demo ein großes Aktiven- und Vernetzungswochenende mit gemeinschaftlicher Unterkunft und Verpflegung organisieren.


#klimafasten: 40 Tage ohne Handy!

18. Februar 2015 von presse4bundjugend

Es ist ein Geschenk mit jungen und motivierten Menschen arbeiten zu können! Denn das bringt mich selbst auch immer wieder dazu, Neues zu entdecken und Altes zu hinterfragen. Ganz besonders schön finde ich die Initiative unserer diesjährigen FÖJler*innen: #klimafasten! Die eine verzichtet auf Plastik, die andere auf tierische Produkte und der nächste auf Zucker. Viele weitere spannende Fastenexperimente fürs Klima wurden von BuJu-Aktiven angemeldet. Alles kleine Schritte um unser Leben ein wenig klimaverträglicher zu machen. Da dachte ich mir: Da will ich auch mitmachen!

Handyyeah_webDoch worauf kann und will ich verzichten? Wovon habe ich zu viel? Welche Konsumgewohnheiten sind besonders klimaschädlich? Welcher Verzicht würde mir wirklich wirklich schwer fallen? Mmh… Mein Blick geht zum Handy: Hat nicht gerade jemand angerufen? Wie wird eigentlich morgen das Wetter? Und dann wollte ich da ja noch etwas Witziges im Chat posten….Aha! Ich bin durch mein smartes Mobiltelefon zwar fast jederzeit erreichbar und habe Zugriff auf sämtliche Informationen, aber ich scheine daran auch zu kleben wie Deutschland an der Braunkohle und die EU an den TTIP-Fesseln. Obwohl ich das smarte Teil noch kein ganzes Jahr habe, habe ich mich doch sehr an die mobile Bequemlichkeit gewöhnt: Buszeiten prüfen, E-Mails checken, Musik hören, Fahrkarten kaufen, Kochrezepte finden…Es gibt fast nichts, was es nicht kann! Was können wir dann noch ohne es?

Ich stelle mich auf die Probe und versetze mich in ein unerreichbares Leben : 40 Tage ohne Handy – Keine Anrufe, keine SMS, kein Internet und keine Apps!

Zu den Klimafakten: Ein Handy verbraucht nicht so viel Energie, dass ich mit dem 40-Tage-Off-Modus wahnsinnig viel Strom bzw. CO2 einsparen könnte. Die meisten schädlichen Emissionen entstehen in dem Abbau der Ressourcen und der Produktion sowie des Transports des Telefons. In den 40 Tagen spare ich ca. 0,352 Kilowattstunden ein, das entspricht an Stromkosten etwas mehr als einen Euro. Wichtiger ist daher wohl, dass ich durch das 40-tägige Abschalten die Lebensdauer des Geräts verlängere und auch eine längere Nutzungsdauer ist bei elektronischen Geräten klimaschonend.

Anschreien_webDer Klimaschutzeffekt stellt sich wohl aber eher mittelbar ein. Ich erhoffe mir, dass ich meine mobile Abhängigkeit ablege und auch danach öfter das Handy ausschalten oder zu Hause lassen werde. Denn das Gerät sorgt bei mir auch dafür, dass ich ständig mit vielen Dingen gleichzeitig beschäftigt bin und Sachen checke, die nicht wirklich nötig sind. Denn die Bahn kommt ja nicht schneller, nur weil ich weiß wann sie kommt! Ein bisschen mehr Ruhe, ein bisschen mehr Entschleunigung und ein bisschen mehr Achtsamkeit hilft uns Menschen ganz sicher dabei, suffizienter und klimafreundlicher zu verhalten.

Doch das Ganze ist ein Experiment und darf auch scheitern! Also wenn ich nach ein paar Tagen einknicken sollte, dann werde ich in jedem Fall hier auch dafür gerade stehen und erklären, was nicht funktioniert hat. Ich freue mich aber auch über Tipps, Mitstreiter*innen und gute Wünsche! Ab sofort dann bitte per Mail oder persönlich! ;-)

Janna


#klimafasten: experimentum veganum

18. Februar 2015 von presse4bundjugend

Am 18. Februar ist Aschermittwoch und damit startet auch die 40 tägige Fastenzeit bis Ostern. Das nehmen wir als Anlass ein Experiment für einen klimafreundlicheren Alltag zu starten.
Ich habe mir bewusst das Ziel vorgenommen, in der Fastenzeit auf alle tierischen Produkte, egal ob Fleisch, Käse, Honig, Milch oder Butter, zu verzichten. Das Wort „Experiment“ (von lateinisch experimentum) heißt übersetzt so viel wie „Versuch“, „Beweis“, „Probe“ oder auch „Prüfung“. Aus diesem Grund habe ich mir ein Vorhaben ausgewählt, welches mich vor eine große Herausforderung stellen wird.

PhantomwurstIn meinem Alltag verzichte ich mittlerweile ganz auf Fleisch, doch genieße ich ein Stück Käse oder etwas Milch im Kaffee/Tee und im Müsli sehr. Das wird sich in der kommenden Zeit ändern, denn nun heißt es für mich zum Beispiel anstelle von Kuhmilch auf Soja-, Hafer- oder Reismilch umzusteigen. Besonders in meinem Alltag, der sich zum aller größten Teil in der Stadt abspielt, werde ich mir eine gute Strategie überlegen müssen, um meinem Vorhaben treu zu bleiben. Zum Mittagessen kann ich nun nicht mehr einfach schnell einen Gemüsedöner mit leckerer Kräutersauce oder einfach einen Reisteller mit Soße, die meistens mit Sahne oder auch Käse zubereitet ist, essen. Ich werde auch meine eigenen Kochstrukturen verändern müssen. Dazu bedarf es in der Tat einiges an Recherche, denn mir fehlen bisher noch gewisse Tricks und Tipps, um ein vielseitiges und abwechslungsreiches Wochenmenü zusammenzustellen.

Doch steht das ganze Projekt ja nun unter dem Motto „Fasten fürs Klima“, weswegen ich den klimatischen Aspekt in kommender Zeit ganz besonders Betrachten werde: Fleisch und tierische Produkte sind riesige Klimakiller. Durch eine vegane Ernährung kann man im Vergleich zu ein*er Allesesser*in 20% der Emissionen im Bereich Ernährung einsparen und so einen deutlichen Schritt in Sachen klimafreundlicher Leben machen. Während meines Experiments werde ich mich neben den Problematiken und Themen wie dem Soja-Anbau, veganer Kosmetik und veganer Kleidung bestimmt mit vielen neuen Aspekten im Bezug auf eine klimafreundliche Ernährungsweise auseinandersetzten.

Ich bin schon sehr gespannt, was mir dabei noch über den Weg laufen wird. Auf die leckeren und für mich neuen Rezepte freue ich mich jetzt schon!

Toril

Bild: flickr, kgbdd, phantomwurst


„Lima in Brussels“ – Ein kurzer Zwischenbericht

11. Dezember 2014 von BUNDjugend

„What do we want? – Climate Justice! When do we want it? – Now!“ – Seit Samstag ist diese Forderung täglich in den Straßen Brüssels zu hören. 50 junge Aktivist*innen aus allen Ecken Europas beschäftigen sich hier eine Woche lang mit Themen rund um die Klimakonferenz in Lima, Peru. Auf der COP20 verhandeln die Mitgliedsstaaten der UN-Klimarahmenkonvention und die Mitglieder des Kyoto-Protokolls einen Entwurf für ein neues Klimaabkommen, welches den 2012 ausgelaufenen Vertrag ersetzen soll. Dieses wird im nächsten Jahr in Paris beschlossen.

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Aktion ist das Zauberwort!

… das ist manchmal ziemlich kompliziert. Deswegen startete unser Programm mit einer allgemeinen Einführung zu den Klimaverhandlungen und Klimagerechtigkeit. Nach all der Theorie wurde es am Montag etwas praktischer: In einem Aktionstraining mit David von Friends of the Earth Europe wurden uns rechtliche Grundlagen erläutert und viele Tipps für kommende Aktionen mitgegeben. Am Dienstag konnte diese auch gleich in die Tat umgesetzt werden. Vor dem Berlaymont, dem Hauptgebäude der europäischen Kommission, haben wir unsere Solidarität mit den Philippinen gezeigt. Dort sind die Auswirkungen des Klimawandels schon jetzt drastisch spürbar. Die Inseln wurde seit 2012 jedes Jahr von einem Taifun heimgesucht. Im Anschluss zogen wir los, um die Lobbybüros im europäischen „Regierungsviertel“ von zum Beispiel Shell, Daimler, IETA (International Emissions Trading Association) aufzuspüren und deren Machenschaften aufzudecken. Am Abend besuchte uns die Federation of Young European Greens, um gemeinsam den Film „Disruption“ zu sehen. Danach entstand eine spannende Diskussion über die Mobilisierung nach Paris im nächsten Jahr.

Dienstag standen gleich zwei Aktionen auf dem Programm. Zunächst ging es erneut in die Nähe der europäischen Kommission, um Juncker zu seinem 60. Geburtstag mehr als 1.000.000 Unterschriften gegen TTIP zu übergeben. Das Bündnis Stop TTIP hat diese Unterschriften in Form einer selbstorganisierten Europäischen Bürgerinitiative innerhalb von nur knapp zwei Monaten gesammelt. Am Nachmittag haben wir uns verschiedensten Menschenrechts-Organisationen angeschlossen und sind mit Fackeln und Bannern, die den Schriftzug “Climate change is a human rights issue” trugen, durch die Straßen Brüssels gezogen. Ziel war der Veranstaltungsort für die jährliche Preisverleihung des „Stop The Killings“ Awards.

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An unserem fünften Tag bei „Lima in Brussels“ wurden die intensiven Diskussionen über die Mobilisierung nach Paris und den weiteren Prozess nach der COP21 in kleinen Gruppen fortgeführt. In Open Space Sessions, die fast täglich Teil des Programms sind, wurden verschiedenste Workshops von Teilnehmer*innen gegeben. Ein weiterer regelmäßiger Programmpunkt ist das morgendliche Treffen, um die Tagesplanung zu besprechen. Updates aus Lima bekommen wir unteranderem durch live Link-Ups mit anderen YoungFoE Gruppen.

Wenn ihr mehr erfahren wollt über unsere Zeit hier in Brüssel, könnt ihr den Lima in Brussels Blog lesen, euch die Fotos auf der Flickr Seite anschauen und diesen Hashtags folgen: #LimainBrussels #COP20 #COP20Lima #UNFCCC #climatejustice.


Kohlelobbyismus beim G20 Gipfel in Brisbane, Australien

14. November 2014 von BUNDjugend

Vom 15.-16. November 2014 findet der G20 Gipfel in Brisbane, Australien statt. Es werden 4.000 Abgeordnete und 3.000 Medienvertreter*innen erwartet. Der Gipfel ist geprägt durch die politischen Diskussionen der vergangenen 12 Monate. Als Hauptziel steht die Förderung eines stärkeren Wirtschaftswachstums auf der Agenda.

Aber gibt es keinen Punkt auf der Tagesordnung zum Thema Klimawandel? Nein, denn die australische Regierung hat Klimawandel von der Agenda gestrichen, obwohl das doch eines der zentralen Themen am Wochenende sein sollte.

Es ist anzunehmen, dass die Lobbyarbeit von Peabody Energy (die weltgrößte Kohlefirma) die Entscheidung der australischen Regierung beeinflusst hat. Peabody Energy beschreibt sich selbst als den weltgrößten privaten Sektor der Kohleindustrie, der die Welt mit notwendiger Energie versorgt, um das Leben aufrecht zu erhalten (“fueling the world with energy essential to sustain life”). Auch rund um den G20 Gipfels führt Peabody Energie die Lobbyarbeit der Kohleindustrie fort.

Um zu verhindern, dass der Kohlekonzern die Ergebnisse des Gipfels beeinflusst, hat die australische Jugendklima-Koalition AYCC (Australian Youth Climate Coalition) einen offenen Brief an die Staats- und Regierungschefs geschrieben. In diesem Brief werden sie aufgefordert dem Klimawandel als eine Bedrohung sowohl aus wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Sicht zu begegnen. Desweiteren sollen die Staats- und Regierungschefs der Lobbyarbeit von Peabody Energy Widerstand leisten und stattdessen die Stimme der jüngeren Generation, die die Konsequenzen des Klimawandels zu tragen hat, anhören.

Peabody Energy behauptet, dass die Kohleindustrie bei der Bekämpfung der weltweiten Armut eine wichtige Rolle spielt, indem sie eine billige Energieversorgung für alle Menschen ermöglicht. Doch wissen wir, dass die schnelle Ausbreitung der Industrie insbesondere schädlich für die Menschen unterhalb der Armutsgrenze ist, denn sie sind am meisten anfällig für die Folgen des Klimawandels, der vor allem durch CO2-Emissionen aus der Kohleverbrennung verursacht wird. Sie sind es auch, die die negativen Folgen der Kohleindustrie, wie Gesundheitsbelastungen, am meisten zu spüren bekommen. Diese Fakten werden von den Lobbyist*innen geschickt umgangen bzw. unterdrückt.

Am 25. August 2014 hat Peabody Energy in Vorbereitung auf den G20 Gipfel einen eintägigen Workshop über die Energieversorgung in der Welt in Brisbane veranstaltet. Der australische Geschäftsführer von Peabody Energy sagte in einer seiner Präsentationen “coal is the only affordable fuel, at scale, to meet rising energy needs” (Kohle sei im großen Maßstab der einzige bezahlbare Kraftstoff, um den steigenden Energiebedarf zu decken.) Im Februar hat Peabody Energy eine Kampagne zum Thema fortschrittliche Energien für das Leben gestartet, angeblich um auf die Energiearmut aufmerksam zu machen. So gelingt es den Lobbyist*innen ihre Strategie weiterführen zu können und vor allem die Kohleindustrie aufrechtzuerhalten. Weitere Hintergründe zum Lobbyismus von Peabody Energy werden in einem Artikel im Guardian ausführlich dargestellt.

Kohlelobbyismus in Deutschland

Auch in Deutschland ist die Lobbyarbeit der Kohleindustrie sehr stark. Erst am letzten Dienstag (11.11.2014) hat Sigmar Gabriel ein Positionspapier zum Thema Energiewende veröffentlicht in dem er sagt, dass er auf längere Sicht an Kohlekraftwerken festhalten möchte, um bezahlbar Strompreise und eine stabile Versorgung sicher zu stellen. Das Austreten aus Atomkraft und Kohlekraftwerken sei nicht gleichzeitig möglich. Diese Meinung machte er nach einem Krisengespräch mit Vattenfall deutlich. Noch 2007 versprach er als Umweltminister die Treibhausgas-Emissionen bis 2020 um 40% im Vergleich zu 1990 zu senken. Umweltministerin Barbara Hendricks sagte vergangene Woche, dass dieses Ziel nur durch staatliche Eingriffe und das Abschalten der ältesten Kraftwerke erreicht werden kann. Nun sagte sie in einem Interview, dass die Entscheidung über das Abschalten bei den Konzernen liegen sollte.

Mitsprache von Jugendlichen auf dem G20 Gipfel

Es ist wichtig, dass junge Menschen sich gegen diesen Lobbyismus einsetzten und sich stark machen, um ihrer Meinung Gehör zu verschaffen. Aus 19 von den 20 Ländern, die beim G20 Gipfel vertreten sind, haben Jugendklimaorganisationen den Brief von AYCC unterzeichnet, unter anderem auch das Jugendbündnis Zukunftsenergie, in dem die BUNDjugend Mitglied ist. Weitere Jugend-Organisationen, deren Länder nicht Teil der G20 sind, haben ebenfalls ihre Unterschrift unter den Brief gesetzt. Nun sammelt AYCC zusätzlich Unterschriften von Einzelpersonen, sodass jeder mit seiner Unterschrift das Anliegen des Briefes unterstützen kann.

Neben dem Brief hat AYCC ein kurzes Video über die absurden Lobby-Argumente der Kohleindustrie gedreht.