BUNDjugend Blog - ... und jetzt noch die Erde retten!

YFoEE Netzwerktreffen 2017 in Österreich

4. Mai 2017 von BUNDjugend

Vom 23.- 26. März 2017 fand das jährliche Netzwerktreffen von Young Friends of the Earth Europe (YFoEE) statt. Nachdem wir im vergangenen Jahr auf Malta waren, empfing uns Global 2000 in diesem Jahr in Kritzendorf bei Wien, Österreich. Über 40 Teilnehmende aus etwa 20 verschiedenen europäischen Ländern nutzten die Gelegenheit sich gegenseitig kennenzulernen, von eigenen, lokalen Projekten zu berichten, das Netzwerk zu erforschen und mit einem großen Haufen Aktivist*innen viel Spaß zu haben.

Zu Beginn der vier Tage war es wichtig, eine allgemeine Verstehensgrundlage über die Strukturen von YFoEE und Beziehungen zu Friends of the Earth Europe (FoEE) zu schaffen, um von dort startend in tiefere Diskussionen einzusteigen.

Ein wichtiger Fokus lag hierbei auf unserem sogenannten „Mapping“-Projekt. Mithilfe dieses Projekts möchte die Steering Group gemeinsam mit der YFoEE Koordinatorin eine Übersicht aller lokalen Gruppen und deren Kampagnen erstellen. Damit erhoffen wir uns eine bessere Vernetzung der Gruppen mit ähnlichen Schwerpunkten, sowie eine bessere Kommunikation zwischen der europäischen und lokalen Ebene. Da dies bereits seit zwei Jahren ein sich stetig weiterentwickelnder Prozess ist, wurde die Frage nach der Nutzung dieser Daten für das Netzwerk diskutiert und konkretisiert.

Das YFoEE Manifesto

Des Weiteren hat die Arbeitsgruppe „Equality and Interculturalism“ im Februar das YFoEE Manifesto fertiggestellt, sodass wir dieses nach einer hitzigen und wichtigen Diskussion als Netzwerk verabschieden konnten. Das Manifesto ist bereits in vier Sprachen übersetzt worden und wir hoffen, dass noch viele weitere Gruppen die Inhalte übersetzen werden. Außerdem sollen die kurzen Definitionen dazu anregen, über die Implementierung dieser in den lokalen Gruppen nachzudenken und diese zu diskutieren.

Die neue Steering Group

Teil jedes AGM (Annual Gathering Meeting) ist die Wahl der Steering Group (SG). Die Steering Group ist der entscheidungstragende Part des Netzwerks. Gemeinsam tragen wir die Verantwortung für die Entwicklung von YFoEE, versuchen den Überblick der einzelnen Arbeitsfelder zu behalten und sind Ansprechpersonen für die Arbeitsgruppen und lokalen Organisationen. Die neue Steering Group setzt sich wie folgt zusammen: Dora (Kroatien), Afrida (UK), Myrte (Zypern), Raums (Dänemark), Isabella (Schottland), Sara (Norwegen), Lawrence (Niederlande) und ich, Toril (Deutschland). Neben den vollständigen Mitgliedern gibt es außerdem Alternates: Maria (Spanien), Iosef (Zypern) und Ana (Kroatien).

Rückblickend war es ein sehr gelungenes und erfolgreiches Treffen mit viel neuem Input als auch wichtiger Kritik und Diskussion.

Ein paar weitere Impressionen könnt ihr auf Youtube, Facebook, Flickr, Instagram (@YoungFoEE) und auf der Website bekommen. Außerdem ist erst in der vergangenen Woche der aktuelle YFoEE Newsletter erschienen.

Als nächstes steht nun das YFoEE Summer Camp in den Niederlanden an. Ihr könnt euch hier bereits dafür anmelden.

Wenn ihr noch weitere Fragen oder Anregungen habt, meldet euch gerne bei mir: tmeyer-gerlt@posteo.de

In diesem Sinne, bis bald!
Toril

P.S.: YFoEE feiert dieses Jahr den 10. Geburtstag. Dieses kurze Video ist nur ein Teil des Geburtstagspaketes. Lasst euch überraschen!


YFoEE Network Gathering 2016 in Malta

23. März 2016 von BUNDjugend

Copyright: Jüngeren Milieu Actief/ YFoE Netherlands

Foto: Jüngeren Milieu Actief/ YFoE Netherlands

Zum aller ersten Mal findet eine YFoEE oder FoEE- Netzwerk Veranstaltung in Malta statt. Unser jährliches YFoEE Network Gathering ermöglicht 25 jungen Menschen aus ganz Europa die südlich von Italien liegende Insel zu besuchen, um hier über netzwerkrelevante Themen, Probleme, Schwierigkeiten und Ideen zu diskutieren. Das Treffen dauert 4 Tage, vom 19.03.-22.03.2016,  und ist bis oben hin bepackt mit Workshops, Sessions zur YFoEE Struktur, Strategie, Vorhaben und Erfolgen, aber auch  schwierigen Diskussionen zum weiteren Vorgehen mit zum Beispiel den jährlichen UN-Klimaverhandlungen. Das Network Gathering ist ebenfalls mit das wichtigste Event für YFoEE, da dies das einzige Treffen ist, wo Entscheidungen per Abstimmung getroffen werden können. So findet am Ende des Treffens zum Beispiel die Wahl der neuen Steering Group für das kommende Jahr statt. Für die nächste Legislaturperiode wird die YFoEE Steering Group aus sieben motivierten und engagierten Aktivist*innen bestehen: Clemence (Frankreich), Duska (Bosnien und Herzegowina), Dora (Kroatien), Afrida (UK) Kristyian (Bulgarien), Olav (Norwegen) und mir, Toril (Deutschland). Jedes Steering Group Mitglied hat ebenfalls einen sogenannten „Alternate“. Außerdem wird das Gastland für das Summercamp 2017 (Niederlande) und das Network Gathering 2017 gewählt.

Foto: Jüngeren Milieu Actief/ YFoE Netherlands

Foto: Jüngeren Milieu Actief/ YFoE Netherlands

Im Rahmen des UN- Tages gegen Rassismus, welcher am 21.03.16 statt fand, hatten wir drei Gastredner*innen von unterschiedlichen Migrationsorganisationen eingeladen. Es war interessant zu erfahren, wie die Organisationen arbeiten, welche Erfolge sie erreicht haben und mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen haben.

Außerdem hatten wir die Ehre von Martine, dem Geschäftsführer von FoE Malta, eine geführte Wanderung durch die Natur von Malta zu bekommen.

So hatten wir eine gute Mischung aus intensiven Diskussionen, Energisern, Austauschmöglichkeiten, Outdoor-Aktivitäten und Abendprogramm.

Die Vorfreude auf die kommenden YFoEE Aktionen ist hier nochmals enorm gestiegen, sodass wir das Summercamp in Scottland im Juli kaum erwarten können!

Wenn du mehr über das Network Gathering oder das YFoEE-Netzwerk erfahren möchtest, kannst du dich gerne an diese E-Mail Adresse wenden: tmeyer-gerlt@posteo.de

Ihr werdet schon bald wieder von mir und YFoEE hören!

Toril


Wahre Held*innen in Paris

8. Dezember 2015 von BUNDjugend

 

Bei der Klimakonferenz kommen Menschen aus aller Welt zusammen. Manche verhandeln über den tatsächlichen Vertragstext, streiten über Inhalte oder Formulierungen. Andere – wie wir zum Beispiel – versuchen, mit kreativen und medienwirksamen Aktionen Druck auf die Politiker*innen auszuüben. Und wieder andere sind hier, um von ihren eigenen Erfahrungen zu berichten, ihre Stimme zu erheben und für ihre Rechte zu kämpfen.

Eine von ihnen ist Lourdes Huanca aus Peru – Gründerin und Präsidentin von FEMUCARINAP, einem Verband, in dem sich indigene Frauen, Kleinbäuerinnen und Arbeiterinnen zusammengeschlossen haben, um für ihre Rechte zu kämpfen.

Wir trafen Lourdes auf einer Veranstaltung, bei der die Strategien der indigenen Bevölkerung Perus für die Anpassung an den Klimawandel vorgestellt wurden. Wir hörten den Präsident*innen mehrerer indigener Organisationen beeindruckt zu, als sie von ihren Erfahrungen im Kampf um Landrechte, Partizipation und den Schutz ihrer Umwelt berichteten. In Paris treten sie für die Rechte indigener Völker ein. Sie wollen zeigen, dass sie nicht einfach die armen Opfer des Klimawandels sind, sondern Lösungen und Anpassungsstrategien vorzuweisen haben; dass sie die Natur, in der sie leben, seit Jahrhunderten kennen und schützen und dass sie in diesem Prozess nicht übergangen werden dürfen.

Bujugruppe_Lourdes

Miteinander, nicht übereinander reden

Ein Schwerpunktthema der BUNDjugend ist Klimagerechtigkeit. Es ist uns ein Anliegen, mit den Menschen aus Ländern des Globalen Südens Solidarität zu zeigen. Wir wissen, dass die Länder des Globalen Nordens, insbesondere die EU, die USA und Russland, für über 75% 1 der Treibhausgasemissionen und damit maßgeblich für den Klimawandel verantwortlich sind, aber andere Länder viel stärker unter den Auswirkungen leiden. Wir reflektieren unsere eigenen Privilegien; wir erkennen, in welcher Weise der Globale Norden durch den Kolonialismus, die Industrialisierung und die Lebensstile der Menschen dafür verantwortlich ist, dass globale Ungleichheit und Ungerechtigkeit fortbestehen kann. Wir wollen diese Ungerechtigkeit ins Bewusstsein rufen und für die besonders vom Klimawandel betroffenen Menschen eintreten.

Aber viel zu oft tun wir das, ohne mit diesen Menschen in Kontakt gekommen zu sein. Häufig sprechen wir über sie, ohne sie zu kennen. Im Grunde wissen wir kaum etwas über ihre Lebensumstände, wie auch? Schließlich hat nicht jede*r von uns die Möglichkeit, in den Globalen Süden zu reisen und tatsächlich mit den Menschen vor Ort zu sprechen.

Daher wollten wir diese Gelegenheit nutzen und mehr Mitgliedern unserer Gruppe den Kontakt ermöglichen. So entstand ein zweites Treffen mit Lourdes in der „Green Zone“ – dem Bereich des Konferenzgeländes, den auch Personen ohne Akkreditierung betreten dürfen.

Lourdes erzählte uns davon, wie sie gegen den Willen ihres Mannes vor neun Jahren FEMUCARINAP aufbaute. Ursprünglich war sie in einer anderen Organisation aktiv gewesen, stellte aber bald fest, dass Frauen dort unsichtbar gemacht werden. Die Aufgaben der indigenen Frauen in Peru, berichtete Lourdes, waren klar definiert: Hausarbeit, Feldarbeit und Kinderbetreuung. Viele Frauen arbeiteten hart und erlebten dabei weder Wertschätzung noch Respekt. Ihre Partizipation war nicht erwünscht, Männer führten die Organisationen an. Auch Gewalt gegen Frauen war ein Problem.

So beschloss Lourdes, dass sich zuerst die Situation der Frauen ändern muss: 2006 gründete sie FEMUCARINAP und machte sich damit ziemlich unbeliebt. Vom Staat wurde sie als terroristisch und gewalttätig gebrandmarkt, ihr Mann stellte sie vor die Wahl zwischen der Organisation und ihm – es erfolgten sogar Angriffe auf ihre Kinder. Lourdes hörte nicht auf zu kämpfen. Heute zählt die Organisation 126 000 Frauen in 16 Regionen Perus.

Der Kampf muss immer weiter gehen

In ihren Anliegen, sagte Lourdes, habe sie viele Überschneidungen mit Feministinnen. Ihr geht es um Respekt – auch, was die Sexualität angeht. Sie erzählte uns, dass der weibliche Orgasmus in ihren Gemeinschaften immer noch tabuisiert wird und dass Frauen von ihren Männern häufig sexuell ausgenutzt würden. Auch das ist einer der Arbeitsbereiche von FEMUCARINAP: Sie sprechen diese Themen an, organisieren Workshops und heißen auch Männer in ihren Veranstaltungen willkommen. Nur Führungspositionen dürfen diese nicht übernehmen – die sind ausschließlich weiblich besetzt.

Weitere Themen, für die Lourdes und die Mitglieder*innen ihrer Organisation kämpfen, sind Ernährungssouveränität und die ökonomische Eigenständigkeit von Frauen. Sie stellen sich Konzernen in den Weg, die für Umweltzerstörung und Ressourcenausbeutung verantwortlich sind, und kämpfen für einen gesicherten Zugang zu Land und Wasser. Sie setzen sich für den Erhalt von indigenem Wissen und für einen schonenden Umgang mit der Natur ein, der auf indigenen Nutzungsweisen basiert. Für all diese Themen engagieren sie sich auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene.

Lourdes hat nicht nur viel zu erzählen, sie ist auch eine Frau von unglaublicher Stärke und Präsenz. Sie selbst ist ein gutes Beispiel für das, was sie sagt: „No somos pobrecitas!“ Sie sind keine Opfer, keine armen Menschen, denen geholfen werden muss oder die Mitleid verdienen. Sie können ganz gut für sich selbst stehen. Was sie brauchen, seien Rechte und Autonomie: Landrechte, ökonomische Unabhängigkeit und das Recht auf den eigenen Körper.

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Und was können wir tun?

Wir haben Lourdes auch gefragt, wie wir unsere Solidarität zeigen können. Eine Möglichkeit sei die direkte Unterstützung der Organisation – finanziell oder vor Ort, wo in Kürze eine Universität indigener Völker gegründet werden soll. Wir sind herzlich eingeladen, sie zu besuchen, mitzuhelfen, von ihnen zu lernen und das Wissen weiterzutragen.

Darüber hinaus sind sie auch offen für unsere Ideen. Vielleicht stehen sie irgendwann vor einer Herausforderung, bei der wir sie durch Druck auf europäische Politiker*innen und Medien unterstützen können? Auf alle Fälle werden wir versuchen, in Kontakt zu bleiben. Denn um Teil einer internationalen Klimagerechtigkeitsbewegung zu sein, müssen wir uns mit Menschen auf der ganzen Welt vernetzen und ihnen zuhören – um ihre Perspektive kennenzulernen.

Und was die Zeit hier in Paris angeht: Es steht immer noch auf Messers Schneide, ob Menschenrechte und die Rechte indigener Völker im Abkommen verankert werden. Am Donnerstag (10.12.) ist Human’s Rights Day. Es werden Aktionen stattfinden und wir werden dabei sein.

 

(1 Kumulierte energiebedingte CO2-Emissionen zwischen 1900 – 1999; Quelle: Germanwatch (2010): Globaler Klimawandel. Ursachen, Folgen, Handlungsmöglichkeiten. Berlin: S. 42.)


Treffen mit Entwicklungsminister Müller

4. Dezember 2015 von BUNDjugend

Es ist für uns alle von der BUNDjugend das erste Mal, dass wir für eine Klimakonferenz akkreditiert sind. Daher konnten wir uns noch nicht genau vorstellen, was uns hinter den Security-Checks erwarten würde. Inzwischen haben wir eine grobe Vorstellung davon – einen wirklich guten Überblick allerdings immer noch nicht ;-)

Kurz gesagt: Die COP ist groß, es gibt verschiedene Hallen, in denen sich Verhandlungssäle, Stände von Organisationen, Meetingräume, Bistros oder Medienpools befinden.

Natürlich gäbe es tausend Dinge zu tun, aber für uns begann die COP erstmal mit Vernetzung und Aktionsplanung. Das ist unser primäres Ziel: Wir wollen gemeinsam mit anderen Jugendlichen eine globale Bewegung für Klimagerechtigkeit darstellen. Um dieses Vorhaben gleich mit Leben zu füllen, sollte schon am Dienstag unsere erste Aktion stattfinden: Schließlich fand zu Beginn der Konferenz das Treffen der Staats- und Regierungschef*innen statt. Der perfekte Anlass, um unsere Stimme für Klimagerechtigkeit zu erheben!

Also planten wir montags gemeinsam mit Aktiven von Earth in Brackets und TierrActiva eine Aktion für den nächsten Tag. Ein großer Unterschied zu sonstigen Aktionsplanungen: Hier muss die Aktion 24 Stunden vorher angemeldet und dann erst bestätigt werden. Als der grobe Plan stand, brachen manche zum „Art Space“ außerhalb des COP-Geländes auf, um Banner zu malen und die restlichen Materialien vorzubereiten. Auf der Klimakonferenz muss das schnell gehen – wir versuchen, auf den aktuellen Stand der Verhandlungen und auf besondere Ereignisse zu reagieren, daher sind viele Aktionen sehr spontan.

Gespraech_Müller

Am Montagnachmittag hatten wir jedoch noch einen weiteren Termin: Wir trafen, gemeinsam mit deutschen Jugendlichen anderer Verbände, den Bundesentwicklungsminister Gerd Müller. Vor dem Gespräch warf auch die Umweltministerin Barbara Hendricks einen Blick in den Raum, um uns kurz Hallo zu sagen.

Dann hatten wir eine halbe Stunde, um dem Minister Fragen zu stellen und unsere Forderungen vorzubringen. Besonders wichtig sind uns natürlich Fragen der Klimagerechtigkeit: Wird „Loss & Damage“, also der Umgang mit Schäden und Verlusten durch den Klimawandel, als eigene Säule im Abkommen verankert werden, wie es besonders verwundbare Staaten fordern? Wie können Absicherungsmechanismen für Menschen geschaffen werden, die durch den Klimawandel ihre Lebensgrundlage verlieren und ihre Heimat verlassen müssen? Und wo sollen die Gelder für den Green Climate Fund herkommen?

Wir forderten ihn auf, sich dafür einzusetzen, dass Menschenrechte, Generationengerechtigkeit und Loss & Damage nicht nur pro Forma im Vertrag erwähnt werden, sondern so verbindlich wie möglich festgeschrieben werden.

Ob das Gespräch mehr als ein schönes Foto zum Ergebnis haben wird, bleibt abzuwarten.


Die UN-Klimakonferenz 2015 beginnt!

2. Dezember 2015 von BUNDjugend

Nach vielen Monaten intensiver Vorbereitung und Mobilisierung hat gestern die 21. UN-Klimaverhandlung in Paris begonnen. Auch für die Aktiven der BUNDjugend vor Ort beginnen damit zwei spannende, spaßige und anstrengende Wochen.

Das ist die BUNDjugend-Delegation

Über die zwei Wochen der Klimaverhandlungen sind acht BUNDjugend Aktive hier in Paris. Andi (Mitglied im BUNDjugend Bundesvorstand) und Romina sind für beide Wochen akkreditiert. Maria ist für die erste Woche akkreditiert und wird die Verhandlungen den Rest der Zeit von außen beobachten. Toril (Steering Group Mitglied von Yound Friends of the Earth Europe) hat zwar keine Akkreditierung, dafür bereitet sie Aktionen vor und organisiert die Logistik für die YFoEE-Delegation. Alle vier wohnen gemeinsam mit den anderen YFoEE-Aktivisten in einem Hostel im Pariser Nordosten. Hier finden täglich Meetings, Briefings und Aktionsvorbereitungen statt. Außerdem haben wir die Möglichkeit an unterschiedlichen Orten unsere Treffen und Vorbereitungen stattfinden zu lassen. Wir werden euch mit Updates aus den verschiedenen Bereichen die nächsten zwei Wochen auf dem Laufenden halten.

Jede Aktion zählt!

… um zu zeigen, dass wir mir mit dem Verlauf der Verhandlungen keineswegs einverstanden sind. Deswegen hat YFoEE schon am ersten Tag der COP21 ein deutliches Zeichen an die Staats- und Regierungschef*innen gesendet, die sich am Montag und Dienstag in Paris trafen. Sie verfehlen in ihren Verhandlungen die Ziele von Klimagerechtigkeit und steuern weiterhin auf eine wachsende Ungleichheit zwischen den reichen und armen Staaten zu. Das hat YFoEE gemeinsam mit andere Jugendlichen aus der Klimagerechtigkeitsbewegung heute auch nochmals direkt im Konferenzzentrum mit einer kreativen Aktion gezeigt. The COP21 is a rigged game for rich countries!, lautet der Bannerspruch und mit der parallel stattfindenden Aktion außerhalb des Verhandlungsgeländes wird deutlich wie groß die Ungleichheit zwischen dem Globalen Süden und Globalen Norden ist.

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So findet hier in Paris fast jeden Tag eine Aktion statt. Vor und nach der Aktion heißt es: Aktionsmaterialien vorbereiten, Öffentlichkeitsarbeit vorbereiten, Sprüche überlegen und andere Jugendliche einladen. Im Anschluss werden die Fotos und Beiträge auf allen Kanälen geteilt und verbreitet.

Wie könnt ihr die Klimaverhandlungen verfolgen?

north_america_europeZum einen könnt ihr euch über die YFoEE Homepage auf dem Laufenden halten. Dort werden politische Updates und die Aktionen täglich hochgeladen. Die Fotos der YFoEE Aktionen könnt ihr auch im YFoEE Flickr-Album finden. Eine sehr gute Quelle, um das Geschehen rund um die COP21 zu verfolgen, ist Storify. Hier findet ihr eine tägliche und umfassende Zusammenstellung aller Geschehnisse. YFoEE hat im Vorlauf der Klimaverhandlungen eine Myth-BusterSerie erstellt, die ihr auf jeden Fall lesen solltet! Der letzte Myth-Buster zum Beispiel stellt klar, dass der Klimawandel nicht nur ein Umweltthema ist. Um mehr dazurüber zu erfahren, schaut hier vorbei. Folgt auf jeden Fall auch den BUNDjugend Blog, denn hier werden wir regemäßige Eindrücke mit euch teilen. Und natürlich gibt es Updates über die üblichen BUNDjugend-Kanäle Facebook und Twitter. Persönliche Eindrücke von Toril und Andi bekommt ihr über ihre privaten Accounts.


Le vent tourne – Aktion auf dem YFoEE Summer Camp

10. August 2015 von presse4bundjugend

Sonntag, Halbsechs auf dem Summercamp: Der Kaffee tropft in die bereits halb gefüllte Kaffekanne und erinnert in der Farbe nicht nur entfernt an meine Augenringe. Um mich herum klingt die Party des Abschlussabends sachte aus, nur noch ein paar Unverdrossene stehen in der Küche zusammen, durch die jetzt der Kaffeegeruch zieht. Der Grund dafür, dass ich mich nicht schon längst in mein Bett verkrochen hab, kommt gerade zur Tür rein: Emma-Jayne wird die erste Busladung Leute zum Bahnhof nach Quimper bringen, die sich von dort wieder über ganz Europa verteilen werden. Mein Zug verlässt Quimper zwar erst um Neun, aber Josef hat sich eine Mitfahrgelegenheit organisiert, die er um Sieben erwischen muss. Damit sich die Stunde Shuttleservice nach Quimper lohnt müssen noch ein paar andere in den sauren Apfel beißen. Mit dabei sind noch Julia, Miia und Ana-Maria.

Die letzten vier Tage ging es auf dem Camp hoch her, es fällt fast schwer alle Erinnerung wieder zu sortieren. Auf der Zugfahrt sollte ich dazu aber genügend Zeit finden. Weil das französische Bahnsystem nochmal ein ganzes Stück undurchsichtiger ist als das deutsche, war es irgendwie mögliche ein Ticket für die 1. Klasse zu bekommen, das dabei sogar billiger ist als alle Angebote in der Zweiten. Mir soll es recht sein, so kann ich in Ruhe die Erlebnisse der Woche ordnen, nachdem ich mein Schlafdefizit etwas verringert konnte.

„Don’t nuke our climate!“

Am Mittwoch gab es einen kleinen Exkurs in die Geschichte der französischen Anti-Atomkraft-Bewegung. Hier in der Bretagne wurde Ende der 70er-Jahre das AKW Plogoff verhindert. Jean Moualic, einer der Aktivisten von damals, und ein paar seiner Mitstreiter führen uns über die Hügel, die sich oberhalb der Klippen hinter dem Dorf erstrecken. Kaum vorstellbar, dass hie19630466074_cd190f84f2_zr, wo wir uns nun auf den schmalen Pfaden durch das Meer aus Farnen schlängeln, einst ein Monster von Atomkraftwerk mit vier Reaktorblöcken aus dem Boden gestampft werden sollte. Die Menschen der Bretagne können stolz sein, den Wert ihrer Heimat frühzeitig erkannt und so einen Ort des Widerstandes geschaffen haben, bevor in Wackersdorf überhaupt eine WAA geplant war. Die Freiheit, die hier in Gestalt des Windes vom Meer bläst, zeigt uns, dass es sich jederzeit lohnt gegen die Ungerechtigkeit aufzustehen, die die Zerstörung unserer Umwelt jeden Tag darstellt. Mit einer kleinen Banneraktion am Strand verbinden wir schließlich Vergangenheit und Gegenwart: Atomkraft ist eine der schmutzigsten und die riskanteste Art der Energiegewinnung. Keinesfalls kann diese unkontrollierbare Technik ein Teil der Lösung für die globalen Krisen sein. Dieses Zeichen ist besonders in Frankreich zu setzen, dass nach wie vor 80% seines Stromes aus Kernkraft gewinnt und mit Areva einen der größten Atomkonzerne der Welt in Staatsbesitz hält.

Erneuerbare Energie in Bürgerhand!

Motiviert von den Errungenschaften der Vergangenheit machten wir uns an die Arbeit, neue Orte des Erfolges zu schaffen. Vor der bretonischen Küste liegt recht unscheinbar die kleine, verschlafene Insel Île de Sein. Hier entwickelt sich, angetrieben von den Bewohnern der Insel, eine Bewegung für Energiesouveränität und eine Versorgung mit 100% Erneuerbaren Energien. Noch liegt das Monopol der Stromerzeugung auf der Insel beim staatlich kontrollierten Energieriesen EDF, dem zweitgrößte Energiekonzerne der Welt. Um Nachhaltigkeit in der Stromversorgung schert sich EDF überhaupt nicht: Jährlich werden über 100.000 Liter Diesel in den Generatoren verheizt und beschleunigen damit den Anstieg des Meeresspiegels, der das ohnehin den Naturgewalten ausgelieferte Eiland droht unbewohnbar zu machen. Dem Anliegen der Inselbewohner, die Stromproduktion in die eigene Hand zu nehmen und eine kommunale Windkraftanlage zu errichten, steht damit ein mächtiger Gegner entgegen. Wir als YFoEE möchten daher den Menschen der Insel in ihrem Kampf beistehen, denn ihr Bestreben für eine dezentrale Energieversorgung in Bürgerhand20066142828_0bc605fbc3_z steht beispielhaft für den Wandel, der für ein Europa und eine Welt der Zukunft zwingend nötig ist. Wer so große Zeichen setzen will, muss dafür natürlich jede Menge vorbereiten. Am Donnerstag ist das ganze Camp am werkeln: Einsatzpläne für die große Aktion am Leuchtturm werden geschmiedet, riesige Banner mit unserer Botschaft beschriftet und an einem Totem zur Warnung vor dem steigenden Meeresspiegel geschraubt. Auch Sprechchöre und sogar ein Songtext für die Demo werden erdacht – selbstverständlich auf Französisch, was für einige der englischsprachigen unter uns eine echte Herausforderung ist, die aber durch gemeinsames fleißiges Üben schnell gemeistert wird. Ich habe mich wieder dem Mediateam angeschlossen, dessen Aufgabe es sein wird, Bilder von der Aktion zu produzieren, um die Geschichte der Île de Sein über die Insel hinaus sichtbar zu machen. Positionen und Aufgaben für die Fotograf*innen und Kameraleute werden verteilt, ein Storyboard für den Aktionsfilm gezeichnet und diskutiert, wie wir unser Narrativ – die Botschaft von Energie in Bürgerhand – am besten in Bilder fassen. Während die Farbe auf den Bannern trocknet, schläft das Camp, um am nächsten Morgen fit für die Aktion zu sein.

Freitagmorgen, während des Frühstücks hatte sich eine Gruppe Freiwilliger in die Küche begeben, um im Akkordarbeit Sandwiches für die Horde Aktivisten zu belegen. Team Blue – die Leute, die für die Aktion am Leuchtturm zuständig sind – sind bereits auf dem Weg zur Insel, damit dort bereits alle Vorkehrungen getroffen sind, sobald der Demo eintrifft. Um Elf geht es auch für den Rest von uns los. In zwei Busladungen werden wir nach Saint-Evette gebracht, wo wir noch einige Zeit warten müssen, bis wir auf die Fähre können. Als es endlich soweit ist – die Meisten haben ihren Proviant schon aufgefuttert – wird unsere Unternehmungslust etwas getrübt, als an Bord die Durchsage gemacht wird, wir hätten heute mit stärkerem Wellengang als sonst zu rechnen. Unterstrichen wird diese Ansage von einem Crewmitglied, der in einer Luke unter Deck verschwindet, nur um kurz darauf mit einem Stapel weißer, von Innen mit Folie beschichteter, Papiertüten wieder zu kommen, die er griffbereit an Sitzen verstaut. Über die einstündige Fahrt hüllen wir den Mantel des Schweigens. Angekommen informieren sich einige über die aktuellen Immobilienpreise auf der Insel. Später wieder zurück zu müssen, daran wollen sie erst mal nicht denken.

Nach der dringend benötigten Verschnaufpause am Pier im Hafen von Île de Sein, werden wir von einer kleinen Delegation der Inselbewohner empfangen. Patrick Saultier, Mitglied des Gemeinderats, heißt uns willkommen. Er drückt seine Freude über unser Kommen aus und was es für die Menschen der Insel bedeutet. Malika und Dipti übergeben feierlich das Totem, das, als Bildnis des Leuchtturms mit einer Markierung des Wasserstands, die Gefahren für die Insel durch den vom Klimawandel verursachten Meeresspiegelanstieg anschaulich machen soll. Nun setzt sich der Demozug in Bewegung. Ein Ereignis, das die Insel so vielleicht zum ersten Mal sieht: Hundert Junge Menschen, fast halb so viel, wie die Insel Einwohner zählt, ziehen singend und Fahnen schwenkend an der Seepromenade entlang, durch die Gassen des Dorfes und über die steinigen Ebenen der Insel, hin zum Leuchtturm, der über der Insel thront. Dort wartet bereits Team Blue auf uns mit dem riesigen blauen Banner „Le vent tourne“ – der Wind dreht sich. Man müsste meinen, der Wind sei in dieser Sache unser natürlicher Verbündeter, allerdings ist das himmlische Kind heute ein wenig bockig: Er bläst so stark, dass wir das Banner nicht wie geplant am Leuchtturm hochziehen können. Egal, die Vogelperspekti20254066975_d73fff32a7_zve, die Julie und Rumy von der Spitze des Leuchtturms einfangen toppt alles und im grandiosen Aktionsvideo, das Lawrence aus unserem Material zusammenschneidet, fällt der kleine Faux Pas auch nicht auf. Abschließend statten wir den Tanks für die Dieselgeneratoren, die wir obsolet machen wollen, einen kleinen Besuch ab und schießen noch ein paar letzte Abschiedsfotos mit ihnen. Auf der Rückfahrt sind alle zu erschöpft von den Kämpfen des Tages, als dass der Wellengang sie davon abhalten könnte, an Bord der Fähre ein Nickerchen zu halten.

Am Samstag legen wir mit den Planungen für das nächste YFoEE-Jahr los: Im Dezember wollen wir die Stimme der Jugend auf den Klimaverhandlungen laut zu Gehör bringen. Das will natürlich bestens vorbereitet sein und so wird sich ausgetauscht über Strategien und Planungen in den Mitgliedsverbänden und gebrainstormt, wie wir den bunten Protest für eine gerechte Lösung der Klimakrise in Paris zusammenführen. Auch für das große Camp im Frühling 2016 werden Ideen geschmiedet, wo die Bewegung das erste Mal nach Paris zusammen kommen wird, um globalen Widerstand gegen Fossile Energien weiterzuführen.

Ein letztes Mal gehen wir zum Strand um uns in den Fluten des Atlantiks zu erfrischen und Kraft zu tanken für die kommenden Herausforderungen. Am Abend feiern wir mit einer kleinen Party uns, das Summer Camp, die Bewegung für Klimagerechtigkeit und alle, die für eine nachhaltige und gerechte Welt kämpfen. Josef legt auf. Für mich soll es eine lange Nacht werden.


Erste Eindrücke vom YFoEE Summer Camp

23. Juli 2015 von presse4bundjugend

Bienvenue en Bretagne

Backpack, Isomatte, Zelt. Schon am Ankunftsbahnhof sind die YFoEE Summer Camp Teilnehmenden nicht zu übersehen. Wir fahren durch kleine Dörfer, entlang der wunderschön wilden Küste. Rege Unterhaltungen in den unterschiedlichsten Sprachen als Hintergrundmusik.

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Etwa hundert junge Menschen aus ganz Europa sind zusammen gekommen. Viele neue Gesichter, einige alte Bekannte.

Worum geht es in der kommenden Woche? Es sind Geschichten, die wir teilen und erzählen wollen. Geschichten über kleine und große Erfolge. Geschichten darüber, wie wir uns unsere Zukunft vorstellen.

Und es sind Fragen, die wir uns stellen: Wie erschaffen wir eine breite internationale Bewegung, die weit über klassische Umweltorganisationen hinausgeht? Wie gehen wir mit der Tatsache um, dass wir einer privilegierten Minderheit angehören und wie schließen wir in Zukunft all jene ein, die diese Privilegien nicht haben?

Am Anfang steht die Erkenntnis, dass die Klimakrise nur ein Aspekt einer systemischen Krise ist; ein Symptom des expansiven Wirtschaftssystems, das Mensch und Natur gleichermaßen ausbeutet. Deshalb die Forderung nach Klimagerechtigkeit. Es reicht nicht aus durch kleine Schönheitskorrekturen die Auswirkungen der Klimaerwärmung oberflächlich zu beheben. Ein System, das ursächlich für die Klimakrise ist, kann diese nicht aufhalten. Wie aber sieht unsere Vision einer lebenswerten gerechten Zukunft aus?

In den ersten Tagen des Camps werden Workshops angeboten, in denen wir konkretes Handwerkszeug erlernen: Wie plane ich erfolgreich eine Kampagne? Welche Aktionsformen bieten sich an? Wie erreiche ich die Zielgruppe?

Aber es gibt auch Raum, uns kritisch mit unserer Bewegung auseinander zu setzen. Stellen wir mit unseren Aktionen und Kampagnen den Neoliberalismus infrage oder kratzen wir nur an der Oberfläche? Was können wir tun, damit die hauptsächlich von der weißen männlichen Mittelschicht dominierten Diskussionen inklusiver werden?

Und immer wieder, teilweise als Teil der Programms, oder nebenbei in den Pausen, die Frage: Wie vernetzen wir uns? Wie werden wir Teil einer starken Bewegung, die im Hinblick auf die Klimakonferenz im Dezember in Paris und weit darüber hinaus aktiv ist?

Es werden Erfolgsgeschichten und Taktiken ausgetauscht, lokal und global kontextualisiert. Es wird viel gelacht, weniger geschlafen. Je mehr Menschen ich treffe, desto mehr Ideen nehme ich auf. Ideen der Mobilisierung; der Vernetzung mit anderen Akteuren, die sich eher auf soziale oder ökonomische Krisen konzentrieren; Ideen des Kampaigning.

_IGP8227 KopieIn den uns noch bevorstehenden Tagen werden wir eine weitere Aktion machen und unsere Strategien im Bezug auf die im Dezember stattfindende COP21 in Paris und im Jahr 2016 planen und ausbauen. Wir werden euch hier weiter über unsere spannenden Erlebnisse, Eindrücke und Geschehnisse auf dem Laufenden halten.


G7 – Macht Schluss mit Subventionen für fossile Energie

6. Juni 2015 von presse4bundjugend

…und Action! Endlich können wir unsere bis spät in die Nacht vorbereitete Aktion in die Tat umsetzen. Gemeinsam mit weiteren YOUNGO-Jugendlichen versammelten wir uns um 9 Uhr morgens vor dem Kongresszentrum der UN-Klimaverhandlungen und schlüpften ruckzuck in unsere Rollen. Sieben Jugendliche verkleideten sich als die sieben Zwerge, die mithilfe von Masken die G7 Staats- und Regierungschef*innen darstellten. Alle anderen Jugendlichen bildeten einen Aktivist*innen-Block mit Schildern, Bannern und Fahnen. Sie forderten die Zwerge auf, die Subventionen fossiler Energien zu beenden. Eine Märchenerzählerin rief jeden Zwerg einzeln auf, nach vorne zu treten und berichtete über deren Fortschritte beim Abbau der Subventionen fossiler Energien. Im Anschluss wurden sie von der Märchenerzählerin mit den realen Zahlen konfrontiert, was mit lauten „Buh-Rufen“ der Aktivist*innen begleitet wurde. Die Zahlen stammen aus der Oil Change International Studie (August 2014).

blog 1Zuallererst trifft es Matheo Renzi (Italien). Der Erdöl- und Energiekonzern ENI, der zu einem Drittel Italien gehört, ist verantwortlich für 349 Ölkatastrophen im Niger Delta. Ebenso wie diese erschreckende Zahl ist auch die Zahl der Subventionen mit 865 Mio.$ beachtlich hoch.

Frankreich, Gastgeber der im November/Dezember stattfindenen COP21, muss sich als nächstes den kritischen Aussagen stellen. Die anteilig Frankreich gehörenden Firmen EDF und ENGIE gehören zu den 50 Großunternehmen , die am stärksten am Klimawandel beteiligt sind. Gemeinsam sind sie für 151 Mio. Tonnen des CO2-Ausstoßes verantwortlich, was fast 50% Frankreichs Gesamt-Emissionen ausmacht. Außerdem steckt Frankreich 115 Mio.$ in die Subventionierung fossiler Energien.

Traurig aber wahr: Der nächste G7-Zwerg Shinzo Abe ist Vorreiter unter den OECD-Staaten (Organization for Economic Co-operation and Development) in Sachen öffentlicher Finanzierung von Kohleprojekten. Japans jährliche Subventionen fossiler Energien betragen stolze 6347 Mio.$.

Auch Kanada steht nicht besser da als seine sechs Kollegen. Dort expandiert der Ölsektor derzeit rasant. Dies ist bedingt durch das Wachstum der Teersandproduktion und führt momentan zu eine Subventionierungssumme von 2042 Mio.$. So ist also auch Stephen Harper bloß ein kleiner Märchenerzähler.

Großbritannien subventioniert fossile Energien in Höhe von 963 Mio.$. David Cameron in Zwergengestalt wird nochmals vor Augen geführt, dass das Vereinte Königreich in den vergangenen 5 Jahren 300 mal mehr Geld in die Subventionierung von fossilen als in erneuerbare Energien investiert hat.

Die Regierung der USA finanziert mit 5,1 Milliarden US-Dollar Firmen, die fossile Energien fördern. Etwas kleinlaut tritt auch Obama wieder zurück in die Reihen der G7-Zwerge und macht nun Platz für Frau Merkel.

Eine Größe von 245.000 Fußballfeldern umfasst die Fläche der Kohleabbaugebiete in Deutschland. Damit ist Deutschland die Nummer 1 der Kohleförderung weltweit. Trotz der hochgelobten Energiewende werden insgesamt 393 Mio.$ in die Subventionierung fossiler Energien investiert. Solche Zahlen muss sich auch Frau Merkel wenig begeistert anhören.

Aus all den genannten Investitionen ergibt sich eine Summe von 18 Milliarden US-Dollar, die allein die G7- Staaten in die Subventionierung fossiler Energien investieren.

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Mit viel Spaß und lauten Stimmen konnten wir nicht nur gute Fotos für uns und ein Gemeinschaftgefühl mit anderen YOUNGOs gewinnen sowie die G7-Staaten symbolisch belehren, sondern auch die Aufmerksamkeit vorbeilaufender Delegierte. Weitere Eindrücke von unserer Aktion könnt ihr in unserem Flickr-Album bekommen.


Eisbären und Abkürzungen

6. Juni 2015 von presse4bundjugend

Mittwoch, dritter Tag der Klimazwischenverhandlungen: Wir treffen als kleine aber feine Delegation der BUNDjugend in Bonn ein. Die meisten von uns sind zum ersten Mal auf einer Veranstaltung des UNFCCC (United Nations Framework Convention on Climate Change, das Klimarahmenabkommen, das die Grundlage der Verhandlungen ist; an den Overflow an Abkürzungen gewöhnt man sich wohl). Die Zwischenverhandlungen sind die Klimakonferenz im kleinen Maßstab, beste Gelegenheit für uns einen Vorgeschmack auf Paris zu bekommen und zu verstehen, wie ein Nachfolgeabkommen von Kyoto zustande kommen könnte. Dieses wird hier in Bonn und auf den kommenden Zwischenverhandlungen, oder auch den sogenannten Intersessionals, vorbereitet.

20150604_1734_kleinUm überhaupt die Möglichkeit zu haben, die Verhandlungen und Events zu besuchen, musste sich jede*r von uns vorab akkreditieren lassen und bei der Ankunft am Kongresszentrum in Bonn registrieren lassen. Dabei erhält jede*r ein Badge mit Foto, Name und der NGO, in unserem Falle Friends of the Earth International. Außerdem muss man jedes Mal, wenn man das Kongresszentrum betreten will durch eine Securitykontrolle. Nachdem all das erledigt war, haben wir uns in einem kleinen Rundgang durch das Gebäude einen ersten Eindruck über die unterschiedlichsten und parallel ablaufenden Events machen können. Damit jede*r die Möglichkeit hat auf dem aktuellen Stand der Verhandlungen zu bleiben, gibt es tägliche Zusammenfassungen über die wichtigsten Geschehnisse. Diese gibt es nicht nur als Printversionen, die hier an jeder Ecke ausliegen, sondern auch sehr ausführlich und umfangreich im Internet (Storify). Darüber hinaus kann man die Verhandlungen auch in einem online Live-Stream verfolgen.

Am Anfang kann so eine Konferenz ganz schön überwältigend sein: wenn man es durch die Registrierung und die Security Checks geschafft hat, taucht man in einen ganz eigenen geschäftigen Kosmos ein: wie behält man den Überblick über die zahlreichen verschiedenen Konferenzräume? Was versteckt sich hinter all den Abkürzungen? Und warum haben wir einen gelben Badge bekommen, während andere Leute einen pinken um den Hals tragen? Zum Glück haben wir schon am vorherigen Abend eine kleine Einführung bekommen und auch jetzt helfen uns einige „alte Hasen“, für die das nicht die erste Konferenz ist, den Überblick zu behalten. Zuerst geht es zu einem „Climate Justice Treffen“. Hier kommen Vertreter verschiedener Organisationen zusammen, deren Anliegen es ist, den Aspekt der Klimagerechtigkeit in den Verhandlungen zu stärken. Das bedeutet, dass nicht nur über die Senkung von CO2 Emissionen verhandelt wird, sondern in diesem Prozess auch die geteilte aber verschiedene Verantwortung der einzelnen Länder berücksichtigt wird, sodass dem globalen Norden aufgrund seiner historisch gesehen sehr hohen Emissionen eine besondere Verantwortung zukommt und auch die Kapazitäten der Staaten berücksichtigt werden.

20150604_1715Während wir versuchen, uns auf der Konferenz zu orientieren, startet gleichzeitig in München die Großdemonstration gegen den G7-Gipfel, wo auf Schloss Elmau die Staats- und Regierungschefs am Wochenende zusammenkommen wollen. Angela Merkel hat angekündigt, Klimaschutz auf die Agenda zu schreiben. Wir haben da ein Auge drauf, damit die Belange der Staaten des globalen Südens nicht hinten runter fallen, wenn die Industriestaaten unter sich Absprachen treffen. Dazu protestieren BUNDjugendliche mit der JBN und laufen bei der Demo als Eisbären mit, die eine Weltkugel zum Schutz auf den Händen tragen. Das heißt, aus den Eisbären wird nichts: Bei 32°C im Schatten (Hallo Klimawandel!) ist an ein Anziehen der Kostüme nicht zu denken.

Ganz anders in Bonn: Wir nutzen die frühen Morgenstunden, um in Eisbärfellen ein Foto für einen kleinen Solidaritätsgruß zu schießen, um die umfassende Verantwortung der G7 ins Bild zu fassen.

Die erste Sitzung der Verhandlungen, die wir besuchten, war das multilateral assessment der Ad Hoc Working Group on the Durban Platform for Enhanced Action (glücklicherweise abgekürzt mit ADP, die Verhandlungsgruppe, die sich in Bonn trifft um den Verhandlungstext für Paris auszutüfteln). Beim multilateral assessment geht es darum, dass die einzelnen Staaten berichten, was sie gegenwärtig tun, um ihre Treibhausgasausstoß zu senken (diese Ziele werden INDC genannt, Intended National Determined Contribution). In der Zeit, die wir dort waren, kam Deutschland an die Reihe seine Vorhaben und Entwicklungen und die „Energiewende“ vorzustellen. Neben den diplomatisch höflichen Fragen der anderen Staaten, kam dabei allerdings nicht zur Sprache, dass Deutschland droht, seine Klimaziele für das Jahr 2020 zu verfehlen, sollten nicht vorher schon in größerem Stil Braunkohlekraftwerke abgeschaltet werden. Die von Sigmar Gabriel ins Spiel gebrachte Kohleabgabe wurde schon soweit zurückgezogen, dass sie die Lücke zum Klimaziel bei weitem nicht schließen können.

Wie es in Deutschland und weltweit um die Nutzung des Energieträgers Kohle bestellt ist, hat der BUND in seinem neuen Kohleatlas zusammengeführt, der diese Woche passend zu den Klimaverhandlungen veröffentlich wurde. Zusammenfassend berichtet davon die Deutsche Welle.

Am Abend trafen wir uns mit der Klimadelegation des Jugendbündnis Zukunftsenergie – im Biergarten. Auch dafür gibt es natürlich eigenen Verhandlerslang: „it’s beer o’clock!“. Dabei war es gerade interessant zu erfahren, wie junge Menschen den Gang der Verhandlungen einschätzen und welche Schwerpunkte sie für ihre Arbeit setzen.

Erledigt von den Eindrücken des Tages fallen wir hundemüde ins Bett. Geschätzt 765.927 Akronyme wollen verarbeitet und einsortiert werden. Noch kämpfen wir uns durch den Bodennebel des Verhandlungsdschungels aber die eine oder andere Lichtung ist schon in Sicht. Man kann nur hoffen, dass die Verhandler mehr Durchblick haben und den Text für Paris klar kriegen.


„Siggi wird’s schon richten?“ Bundeswirtschaftsministerium reagiert gereizt auf BUNDjugend Kritik an TTIP

4. Juni 2015 von presse4bundjugend

Lukas Ramsaier aus dem Bundesvorstand berichtet von der Dialogveranstaltung zu TTIP im Bundeswirtschaftsministerium am 02. Juni 2015

Bis hierhin und nicht weiter!

So in etwa kann man zusammenfassen, wie sich die BUNDjugend zu den aktuell laufenden Verhandlungen über das Transatlantische Freihandelsabkommen TTIP positioniert hat.
So kann man aber auch beschreiben, was mir bei der Veranstaltung im Bundeswirtschaftsministerium widerfahren ist. Als ich in das Veranstaltungshaus eintreten will, werde ich von Sicherheits-Mitarbeitern des Ministeriums aufgefordert, unverzüglich das Gelände zu verlassen! Ich sei eindeutig als aktiver Teilnehmer der zuvor stattgefundenen kleinen Demonstration vor dem Ministeriumsgebäude identifiziert worden und hätte zudem versucht kritische Flyer mit ins Haus zu nehmen.
Nach einer langwierigen Prozedur und nachdem die Presse auf den Vorfall aufmerksam wird, kommt dann doch die „Order von oben“, mich gemeinsam mit Andreas Link aus dem Bundesvorstand in den Saal zu lassen. Alles nur ein Missverständnis oder der Versuch unbequeme Fragen gleich im Vorhinein zu vermeiden?

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Endlich drin! Gewohnte Phrasen im Saal

Was uns von den vier politischen Schwergewichten auf dem Podium an Argumenten serviert wird, gibt uns dann ähnlich zu denken, wie der vorherige Vorfall. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel steigt mit den gewohnten Phrasen über das notwenige Wachstum in Deutschland ein, das zur wirtschaftlichen Stärke Deutschlands und zu Wohlstand führe. Zudem stünden wir historisch gesehen in einer besonderen Beziehung zu den USA und seien auch über Ansichten zu Demokratie und Menschenrechten mit dem „Mutterland des Kapitalismus verbunden. Er ließ keine Zweifel daran aufkommen, dass er ein Abkommen auf jeden Fall durchboxen möchte. Doch EU-Handelskommissarin Celia Malstrom übertrumpft diese Heuchelei sogar noch, als sie eine „Große Transparenz“ der TTIP-Verhandlungen proklamiert und dabei den Ausschluss der Bevölkerung und der EU-Abgeordneten sowie die nie aktuellen Verhandlungsdokumente verschweigt.

Das Publikum ist sich in der Kritik vor allem in der grundlegenden Ablehnung von den geplanten Schiedsgerichten einig. Bernd Lange (Vorsitzender des Handelsausschusses im Europäischen Parlament) und Michael Froman (US-Handelsbeauftragte) versuchen dies mit Verweis auf Staatliche Handelsgerichtshöfe und die Kompetenz des Europarlaments abzuschwächen, was jedoch wenig überzeugen kann.

Kritische Nachfragen? Nein danke!

Auffällig ist, dass die Veranstalter mit kritischen Vertreter*innen im Publikum alles andere als souverän umgehen. Im Gegenteil: Immer wieder werden Fragende aus dem Publikum diffamiert oder von Gabriel mit einem herablassenden Tonfall förmlich wie Schulkinder behandelt („ Von so was bekomm ich Pickel“). Kritiker*innen werden mit den Worten „hysterisch, anti-amerikanisch und anti-aufklärerisch“ beschrieben, die vor allem im Internet Angst zu schüren versuchten.

Stattdessen wurden mehrfach Vertreter der „Transatlantischen Jugend“ oder auch junge Unternehmer*innen aufgerufen, während zum Beispiel die BUNDjugend und die Verdi.Jugend über 90 Minuten auf eine Redezeit warten muss. Ist das Wort erteilt, unterbricht die Moderation kritische Beiträge schnell. So kommen Umweltaspekte und die Sorge von jungen Arbeitnehmer*innen kaum zur Sprache.

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Gabriel entschuldigt sich?!?

Simon Habermaaß von der ver.di-Jugend nutzte seine knappe Redezeit jedoch, um den Vorfall am Einlass anzusprechen, woraufhin Gabriel sich tatsächlich nach der Abmoderation einen Weg durch die Menge zu mir bahnte. Die zuständige Sicherheitsbeauftrage nennt daraufhin frei erfundene Gründe, die zum Abweis an der Tür geführt hätten. So hätte ich eine lärmenden Tröte dabei gehabt und hätte andere Teilnehmende „aggressiv“ daran gehindert, das Gebäude zu betreten.

Gabriel versuchte den Schlichter zu geben, auch wenn den Betroffenen nur sehr wenig zu Wort kommen ließ. Aber immerhin – er suchte das Gespräch und wimmelte den Vorfall nicht einfach ab. Respekt dafür, sich noch die Zeit zu nehmen. Andi und ich nutzten natürlich die Chance, dem Wirtschaftsminister noch das Präsentationspapier des Deutschen Bundesjugendrings (DBJR) „Stopp TTIP“ mitzugeben, welches auch die BUNDjugend unterzeichnet hat.

Jetzt erst recht! Stopp TTIP!

Am Ende der Veranstaltung resümierten wir, dass es zwar gut ist, dass es Veranstaltungen mit prominent besetzten Podien gibt. Allerdings müssen sich die beteiligten Politiker*innen und Veranstalter dringend offener für die kritischen Fragesteller*innen zeigen und unsere Argumentation auch ernst nehmen. Uns konnten die vorgetragenen Argumente für TTIP nicht überzeugen, und auch die Art und Weise, wie die Veranstaltung abgelaufen ist, bestärkt uns nur noch, unseren Kampf gegen das Abkommen nicht aufzugeben.

Bis hierhin und nicht weiter! Stopp TTIP!

Lukas Ramsaier aus dem BUNDjugend Bundesvorstand