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	<title>BUNDjugend Blog &#187; Lustiges &amp; Triviales</title>
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	<description>... und jetzt noch die Erde retten!</description>
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		<title>Adolfs Box</title>
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		<pubDate>Fri, 14 May 2010 11:27:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>BUNDjugend</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lustiges & Triviales]]></category>

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		<description><![CDATA[„Ich gehe heute im Bundestag essen.“ Wow – was für ein Angebersatz! Aber interessiert war ich schon – wie ist es wohl da hinter der Sicherheitsschleuse im Herzen der Republik? Ich habe große Erwartungen. Dorotheenstraße 101: Ich betrete einen großen glasüberdachten Innenhof, blicke um mich – wow, so viel Raum, ein zweiter Blick – so viel Leere. Es herrscht Uni-Bibi-Atmosphäre – Sachlichkeit geht vor Ästhetik, sehr Deutsch eben. Ich gehe mit dem Freund, der mich eingeladen hat durch die Tunnel zum Reichstagsgebäude – Flughafenatmosphäre, nicht ganz so hektisch, eher Beamten, die haben es nicht so eilig. Ich schaue mir die [...]]]></description>
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<p>„Ich gehe heute im Bundestag essen.“ Wow – was für ein Angebersatz! Aber interessiert war ich schon – wie ist es wohl da hinter der Sicherheitsschleuse im Herzen der Republik? Ich habe große Erwartungen. Dorotheenstraße 101: Ich betrete einen großen glasüberdachten Innenhof, blicke um mich – wow, so viel Raum, ein zweiter Blick – so viel Leere. Es herrscht Uni-Bibi-Atmosphäre – Sachlichkeit geht vor Ästhetik, sehr Deutsch eben. Ich gehe mit dem Freund, der mich eingeladen hat durch die Tunnel zum Reichstagsgebäude – Flughafenatmosphäre, nicht ganz so hektisch, eher Beamten, die haben es nicht so eilig. Ich schaue mir die Leute genauer an; Wer hier durchläuft für den ist das große Spiel der Macht banaler Alltag geworden. Man sieht es ihnen an – In ihren bleichen Gesichtern lese ich, dass sie mir ansehen, dass ich zum ersten Mal hier bin.<span id="more-500"></span></p>
<p>Im Reichstag angekommen sind wir in einem kathedralenhaften Raum aus Glas und Beton – viel Beton, grauer Beton,<br />
kein Holz, keine Farbe. Trotzdem hat der Architekt tolle arbeit geleistet, die Atmosphäre ist beeindruckend. Der Innenarchitekt – naja für den war dann wohl kein Geld mehr übrig…<br />
Ein kafkaeskes Sammelsurium aus Treppen, kleinen Brücken und Hightechaufzügen bringt uns schließlich zu einer<br />
Kantine (Mensa!?!), sehr schön, viel Glas mit Blick auf die Spree. Der Innenarchitekt… na das hatten wir schon. Ich möchte diskret einen Blick auf die Karte werfen – was wird mich der Spaß wohl kosten – 15 Euro, 20 Euro, 30 Euro?<br />
Ich bin überrascht: die Gerichte kosten zwischen 4,90 und 6,90 – Businesslunchpreise. Businesslunchgerichte. Na mir soll´s recht sein. Doch zu meiner Überraschung gehen wir weiter – das ist nämlich nicht die Kantine für uns untergeordnete Schergen. Unsere Kantine ist weiter hinten, weiter unten und sieht eher aus wie die Fabrikkantine eines süddeutschen Schraubenherstellers. Deutschland ist eine Zweiklassengesellschaft, auch das wird in diesem Gebäude wiedergespiegelt.</p>
<p>In einem Glaskasten werden die Tagesgerichte vorgestellt – Nr1 Maultaschen mit Kartoffelsalat für 2,60, Nr2 Putengeschnetzeltes mit Bohnen für 3,20, Nr3 Schweinesteak mit Kartoffelbrei und Linsen für 4 Euro – die exotische Nr4: Cilliconcarne.</p>
<p>Ich bin Öko, ich wohne in Kreuzberg, ich mag Bio und esse seit sechs Wochen vegetarisch – ich habe ein Problem. Ich habe nicht gefrühstückt – Ich habe Hunger! Also denke ich mir: wenn schon denn schon, wenn schon Sünde, dann richtig, wenn schon deutsch, dann richtig und bestelle Schweinesteak mit Kartoffelbrei und Linsen. Mein Schweinesteak sieht nicht aus wie das in der Vitrine, es ist dunkler, sehr viel dunkler und erinnert mich eher an den Hauptstromlieferanten in diesem Land – Steinkohle. Nach einigem pulen bringe ich einen Klumpen Fleisch aus dem Kanten, es ist salzig. Der Kartoffelbrei: mit viel Sahne und sehr salzig – die Linsen… auch salzig, aber essbar, etwas schleimig und nichtssagend – genauso wie der Typ am Nachbartisch, der mich irgendwie dauernd pikiert anglotzt und vermutlich für die FDP arbeitet.<br />
Nach einigem lustlosem herumstochern wird mir klar, dass der alte Spruch doch gilt: „Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort“, in diesem Fall wollte Gott mir wohl sagen, dass ich Vegetarier bleiben sollte…<br />
Ich kann so was akzeptieren, ich kann Fehler eingestehen, aus Enttäuschungen lernen – so weiss ich nun, dass auch die Leute im Bundestag nur mit (Salz-)Wasser kochen und manche Klischees über das Beamtentum wohl doch mehr Substanz haben als gedacht. Das ist ernüchternd aber auch nicht gerade Weltbildbewegend.</p>
<p>Auf dem Rückweg will mein Freund mir noch was zeigen „Komm wir gehen mal kurz Adolf hallo sagen“ Adolf? Der Adolf? &#8220;Ja genau sein Denkmal ist gleich hier ums Eck&#8221; – Wie Bitte?!? Beim Denkmal angekommen muss ich schmunzeln – eine kleine rostbraune Metallbox in einer Wand aus lauter rostbraunen Metallboxen – einer für jedes ehemalige Mitglied des Reichs- bzw. Bundestages. Da lächle ich  trotz leeren Magens versöhnt – in diesem Gebäude, das wohl wie nichts anderes den deutschen Beamtenstaat widerspiegelt ist Adolf eine kleine, hässliche, braune Metallbox im Keller – ein schöner und beruhigender Gedanke!</p>
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