BUNDjugend Blog - ... und jetzt noch die Erde retten!

Die Jugendumweltbewegung zwischen radikaler Systemkritik, politischen Aktionen und ökologischer Alltagsgestaltung

25. Juli 2016 von BUNDjugend

Dieser Text ist eine gekürzte Fassung des Beitrages zur Jugendumweltbewegung für „Degrowth in Bewegung(en)

Über die Jugendumweltbewegung

Die Gründung der Jugendumweltverbände in den 1980er Jahren richtete sich zunächst sehr stark gegen die etablierten Strukturen der Umweltbewegung. Die jungen Umweltaktivist*innen der Gründungsphase waren größtenteils radikales und kritisches Sprachrohr für Selbstständigkeit, Enthierarchisierung und direkte politische Aktionen. Stand der Schutz der Umwelt zwar auch bei den jungen Menschen im Vordergrund, wurde hier jedoch zugleich viel Wert auf Selbstorganisation, Hierarchie- und Bürokratiefreiheit sowie auf die Ablehnung verkrusteter Strukturen von Staat und Wirtschaf gelegt. Im Gegensatz zu den bereits etablierten Umweltverbänden wurden Umweltschutz und Ökologieanspruch mit einer radikalen Systemkritik verbunden.

In der derzeitigen Jugendumweltbewegung organisieren sich Menschen unter dreißig Jahren. Ihnen ist der historische Anspruch an eine basisdemokratische Organisation und Arbeitsweise geblieben. So sind die BUNDjugend, die Naturschutzjugend, die Naturfreundejugend und der Deutsche Jugendbund für Naturbeobachtung bis heute formell basisdemokratisch organisiert.

Positionen, Vorgehensweisen und Themenschwerpunkte werden intensiv zwischen den Landes- und Bundesebenen sowie zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen diskutiert und ausgetauscht. Dies unterscheidet sie stark von internationalen Jugendorganisationen wie der WWF Jugend oder Greenpeace Jugend, die sehr viel stärker hierarchisch aufgestellt sind. Zentral ist auch die föderale Struktur mit einem Landes- und einem Bundesverband, die zum einen regionale Schwerpunkte und Aktionsformen zulässt, zum anderen zentrale – dabei oft langsam und mühselig erscheinende – Entscheidungs- und Veränderungsprozesse nach sich zieht. Auch aufgrund der föderalen Struktur ist ein einheitliches Bild der Jugendumweltbewegung sehr schwer zu zeichnen.

Inhaltlich steht der Schutz der Umwelt, lokal wie global, im Mittelpunkt der Jugendumweltbewegung. Basierend auf den Interessen der aktiven Mitglieder haben sich Themenschwerpunkte herausgebildet, die an Diskurse aus der kritischen Entwicklungspolitik anknüpfen. Aufgrund der großen Themenvielfalt rund um Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung sind die Aktiven der Jugendumweltbewegung in der Regel auf vielen gesellschaftlichen Ebenen umtriebig: Sie sind in wirtschaftliche, politische und auch wissenschaftliche Prozesse involviert und bringen dort ihre ökologischen Anliegen ein. Zudem spielt die internationale Vernetzung (zum Beispiel Young Friends of the Earth) eine immer wichtigere Rolle, da viele Umweltprobleme auch in ihrer globalen Dimension erfasst und diskutiert werden und strategische Bündnisse sinnvoll und notwendig sind, um mit ausreichender politischer Schlagkraft zu agieren.

Basis für politische Willensbildung und politische Forderungen

Durch Workshops, Aktionen und Treffen werden jungen Menschen die Fähigkeiten werden, sich kritisch mit etablierten Meinungen auseinanderzusetzen, eigene politische Standpunkte zu entwickeln und diese in Aktionen und Projekten umzusetzen. Die Jugendverbände verstehen sich daher immer auch als Sprachrohr für junge Menschen, um ihre Stimme in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft zu stärken.

Strategisch lässt sich die Arbeit der Jugendumweltbewegung in zwei Bereiche gliedern. Ein Schwerpunkt liegt auf der Bildungs- und Politisierungsarbeit. So soll die breite Bevölkerung auf ökologische Probleme aufmerksam gemacht und für notwendige Änderungen sensibilisiert werden. Hierbei setzt der Bildungsauftrag der Jugendumweltbewegung in erster Linie bei individuellen Handlungsoptionen an, zudem zielt er auf langfristiges Empowerment und lässt junge Menschen so zu politischen Akteur*innen werden. Sie erlernen Fähigkeiten und Kompetenzen, um das eigene Leben ökologischer zu gestalten und auch andere davon zu überzeugen. Der zweite Schwerpunkt ist die politische Lobby- und Kampagnenarbeit, die innerverbandlich als sehr wichtig erachtet wird. Sie zielt darauf ab, Strukturen und Rahmenbedingungen für alternative, ressourcenschonende Lebensstile zu schaffen. In unregelmäßigen Abständen wird mit Demonstrationen, Aktionen und Infokampagnen Öffentlichkeit dafür geschaffen.

Postwachstum, Suffizienz, Transformation? Degrowth!

Neben Klima, Energie und Landwirtschaft ist Degrowth (zunächst unter dem Stichwort Postwachstum) in den letzten zehn Jahren zu einem gesetzten Querschnittsthema für die Jugendumweltbewegung geworden. Die Tatsache, dass unendliches Wachstum auf einem endlichen Planeten nicht möglich ist, ist zu einer Binsenweisheit geworden. Folgerichtig wurde die Kritik an ökologischen Zerstörungen mit einer Ablehnung des bestehenden Wirtschaftssystems verbunden, welches auf die unbegrenzte Ausbeutung natürlicher und humaner Ressourcen angewiesen ist und finanzielle Profite über das Gemeinwohl stellt. Die umweltbewegten jungen Menschen interessieren sich für systemische Fragen und kritisieren ein Wachstums- und Wettbewerbssystem, das auf Kosten von Umwelt und Menschen geht. Obwohl die Aktiven in erster Linie ökologisch motiviert sind, werden Kritik und Aktionsformen immer stärker auch darauf ausgerichtet, die dahinterstehenden Ursachen anzugreifen. Damit teilt die BUNDjugend wie auch andere Jugendumweltverbände die Werte vieler zivilgesellschaftlicher Organisationen, die für einen umfassenden gesellschaftlichen Wandel streiten. Es ist folglich kein Zufall, dass die BUNDjugend das globalisierungskritische Netzwerk Attac mitgegründet hat. Heute werden unter dem Begriff Postwachstum und Degrowth viele Workshops, Aktionen und Projekte organisiert, die sich um eine sozial-ökologische Transformationen von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft drehen.

Degrowth 2014 - Logo

Degrowth als ideologische Referenz

Die neu entstandene Degrowth-Strömung und -Debatte funktioniert wie ein neues Dach, unter dem sich auch die Jugendumweltbewegung gruppieren kann. Hier erkennen die Aktiven Überschneidungen und Gemeinsamkeiten mit anderen Bewegungen, Initiativen und Projekten und können die eigenen Anliegen in einen größeren Rahmen einordnen. All dies passiert auch auf eine wesentlich unkompliziertere Art und Weise als bei den Erwachsenenverbänden. Schließlich sind die meisten jungen Umweltaktivist*innen ohnehin der Meinung, dass ein großer sozialer und ökologischer Umbau notwendig ist.

Suffizientes Leben im Alltag

Als eine zentrale Schnittstelle zwischen der deutschen Degrowth-Bewegung und der Jugendumweltbewegung erscheint uns das Thema der Suffizienz und die Frage danach, wie alle genug haben können. Die jungen Umweltaktivist*innen legen großen Wert auf persönliche Suffizienz und leben vor, wie ein möglichst suffizientes Leben im Alltag umgesetzt werden kann. Sie hinterfragen die herrschende Logik des Immer-höher-schneller-weiter-und-mehr und haben große Freude am Energiesparen, Klimafasten, Teilen und Schenken und an Verpackungsfreiheit. Sie sind die Pioniere eines konsequent ökologischen und nachhaltigen Lebensstils und fordern, diesen auch für andere zugänglich zu machen. Sie haben erkannt, dass der Lebensstil der industrialisierten Länder nur auf Kosten von Umwelt und Natur und von Menschen im globalen Süden zu haben ist und dass der ökologische Fußabdruck ihrer Generation den kommenden auf die Füße fällt. So sehen sie in der persönlichen und gesellschaftlichen Suffizienz eine mögliche Strategie, um nicht nur ökologische Krisen zu vermindern, sondern auch selbst unmittelbar aktiv zu werden.

Suffizienz lässt die eigene Wirksamkeit spürbar werden

Wer die eigene Ernährung, die Mobilität oder das Kaufverhalten ökologischer und nachhaltiger gestalten kann, erfährt unmittelbar, dass hier und sofort etwas veränderbar ist. Viele junge Menschen haben das Vertrauen in schnelle und wirksame Veränderungen auf politischer Ebene verloren, sodass ihnen die Umstellung auf einen nachhaltigen Lebensstil einen Teil ihrer Wirkmächtigkeit zurückgeben kann. Während Forderungen an die politische Ebene oft mit Misserfolg oder Ignoranz enden, kann ein suffizienter Lebensstil unmittelbar Ressourcen schonen – wenn auch die tatsächliche Wirksamkeit oft im Unklaren bleibt. Die eigene Praxis und vor allem die damit verbundene Bereitschaft, neue Dinge auszuprobieren und im eigenen Leben zu experimentieren, liefern viele positive Beispiele für Forderungen aus der Degrowth-Debatte.

Mentalitätswechsel: Suffizienz als Lebensgefühl der Jugend

Die jungen Umweltaktivist*innen zeigen, dass ein suffizienter Lebensstil Spaß machen kann, das eigene Leben bereichert und das Gemeinschaftsgefühl fördert. Die teils als utopisch angesehenen und dafür kritisierten Ideen und Ideale einer nachhaltigen Degrowth-Gesellschaft werden schon jetzt von diesen jungen Menschen gelebt. Sie sind Vorbilder, Pionier*innen und Experimentierende und damit lebender Beweis für einen möglichen gesellschaftlichen Wandel und kulturellen Mentalitätswechsel. Gerade auch in der Auseinandersetzung mit den verkrusteten Strukturen der Erwachsenenverbände wird das auch immer wieder angeführt: „Schaut her, ihr Großen da oben! Während ihr noch debattiert und mit klugen Worte um euch schmeißt, haben wir es schon längst getan. Und wisst ihr was? Es ist ganz einfach und es macht großen Spaß!“

Partnerschaft: Degrowth- und Jugendumweltbewegung

Mit der Degrowth-Bewegung im Rücken können die jungen Umweltaktivist*innen den eigenen politischen Forderungen mehr Gewicht verleihen und sie mit der Forderung nach einer anderen, nachhaltigeren Wirtschaftsweise verbinden. Die Degrowth-Bewegung kann sich wiederum von der Jugendumweltbewegung Orte und Themen des Protests abschauen und Degrowth dadurch sehr viel konkreter machen, als es die theoretische Debatte vermuten ließe.

In diesem Sinne besteht zwischen Degrowth und Jugendumweltbewegung eine Partnerschaft, die beide stärkt und von der das Lobbying für Degrowth-Politik profitiert. Ob dies in einem reformerischen Maße geschieht und zum Beispiel der Ausbau von Fahrradstraßen gefordert wird oder ob die ökologischen Anliegen mit einer scharfen Kritik an ausbeuterischen Strukturen des kapitalistischen Systems verbunden werden, bleibt den Aktiven überlassen. Wie oben gezeigt, ist der Spielraum in der Jugendumweltbewegung hier groß genug, und in der Degrowth-Debatte finden sich diverse Anregungen.

Die Degrowth-Bewegung zeigt uns, dass wir nicht mehr nur an kleinen und schrittweisen Verbesserungen arbeiten, sondern bei unserem Aktivismus immer auch den großen Wandel im Blick behalten sollten. Diese Haltung erfordert eine Portion Zuversicht, Pragmatismus und die Einsicht, dass vieles auf diesem Weg Experimentiercharakter hat. Hier möchten wir auch an uns selbst appellieren, uns auf unsere Wurzeln zurück zu besinnen und auf den widerständigen Geist der Gründung der Jugendumweltbewegung, ohne die zwischenzeitlichen kollektiven Erfahrungen und organisationalen Lernprozesse außer Acht zu lassen. Die Begründer*innen der Jugendumweltbewegung waren mutig genug, einen Systemwandel zu fordern. Traten unsere Vorgänger*innen nicht genau mit dieser Absicht in Aktion, weil sie verkrustete Strukturen aufbrechen und gerechte und ökologische Ideale jetzt leben wollten? All diese Ideen und Ansprüche finden sich heute auch in der Degrowth-Bewegung und ebenso in der Jugendumweltbewegung wieder.

Autorinnen

Katharina Ebinger ist seit Mai 2015 im Bundesvorstand der BUNDjugend für Suffizienz, Postwachstum und Intersektionalität zuständig. Janna Aljets arbeitet seit 2013 in der Bundesgeschäftsstelle der BUNDjugend zu konsumkritischen Alternativen und Postwachstum und hat Degrowth-Veranstaltungen mitorganisiert.


WELTbewusst Stuttgart auf dem Mädelsflohmarkt in Nördlingen

6. Oktober 2015 von presse4bundjugend

Am Samstag, den 26. September fand zum zweiten Mal ein Mädelsflohmarkt in Nördlingen (im bayrischen Schwaben) statt. Gegen den Eintritt von zwei Euro, der als Spende an ein Frauenprojekt in Indien geht, wurde den Besucherinnen viel geboten: Zwei Verkaufsflächen mit Second-Hand-Mode, der lokale Weltladen, eine Band, zwei Friseurinnen, Maniküre sowie leckeres Essen und Getränke.

Und zwischendrin: Der Infostand von WELTbewusst Stuttgart. Von den weit über 500 Besucherinnen im Laufe des Abends schauten viele bei uns vorbei, waren interessiert und motiviert, sich mehr mit den Hintergründen zum Thema Textil zu beschäftigen.

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Ein guter Einstieg ins Gespräch war unser Spiel „Zusammenhänge herstellen“, bei dem die Teilnehmerinnen Kärtchen verbinden sollten, um etwa die durchschnittlichen Löhne in Bangladesch oder den Wasserbedarf von Baumwolle herauszufinden. Wir konnten über die sozialen und ökologischen Folgen der konventionellen Textilproduktion informieren und Alternativen ansprechen – neben GOTS-zertifizierter Kleidung eben auch Second-Hand-Mode.

Dass die Veranstalterinnen des Mädelsflohmarkts am selben Strang zogen und jeder Besucherin zur Begrüßung eine fair gehandelte Stofftasche schenkten, unterstrich die Aussage zusätzlich.

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Die Veranstaltung wurde von WELTbewusst erLEBEN geförert. Vielen Dank an das tolle Organisationsteam in Nördlingen für die fabelhafte Umsetzung und die Einladung an uns! Wir sind froh, dabei gewesen zu sein – und freuen uns schon auf den nächsten Flohmarkt 2016!


Wochenrückblick: So fährt´s sich ohne Auto

22. Mai 2015 von presse4bundjugend

#Klimawochen: Meine Mobilitätswoche neigt sich nun dem Ende zu. Während der letzten sieben Tage habe ich mit jeder Menge Spaß viele unterschiedliche Mobilitätsformen ausprobiert. Hier ein kleiner Überblick:

IMAG0708_webÜber das Himmelfahrtswochenende war ich bei meiner Ma in Ostfriesland. Den Start meiner Mobilitätswoche machte die Fahrt zum 4km entfernten Bankautomaten. Zeit meine verstaubten Inliner hervorzukramen und über die Radwege zu skaten!

In die 15km entfernte Stadt fuhr ich dann immer mit dem Bus. So ging es mit Ausblick auf die Felder über die Straßen und ich machte die ernüchternde Beobachtung, dass außer Schüler kaum jemand auf dem Land dieses öffentliche Verkehrsmittel in Anspruch nimmt.

Am Dienstagmittag habe ich mich dann auf die Heimreise nach Berlin gemacht. Noch gerade dem Bahnstreik ausgewichen, verbrachte ich eine entspannte Zeit im Zug. Wahnsinn: Es gibt sogar eine direkte Verbindung Emden-Berlin. Wusste ich gar nicht!

Gleich am Mittwoch saß ich schon wieder im nächsten Verkehrsmittel: Dem Fernbus nach Jena. Unterhaltsamer Busfahrer und W-LAN für die Uni-Vorbereitung. Was will man mehr?

Jena ist perfekt zum Fahrradfahren. Ich habe mir von einer Freundin ihres ausgeliehen und habe die Stadt erkundet. Schnell ist man auch schon draußen in der Natur.

Und auch heute beende ich meine Mobilitätswoche damit, endlich mein Fahrrad aus der Werkstatt abzuholen – mein geliebtes Diamant. Denn ich habe schon genaue Planungen: Einmal an einer Critical Mass teilnehmen oder an einer MitRADgelegenheit, und natürlich meine Nachbarschaft ganz neu entdecken. Und somit sage ich: Ein schönes, nein wunderschönes Pfingstwochenende und auf eine tolle nächste Energiewoche!

Liebe Grüße,
Vera


Die Stadt der kurzen Wege

20. Mai 2015 von presse4bundjugend

Individualverkehr verringern durch urbanes Design

Während meiner Mobilitätswoche bin ich auf ein spannendes Konzept der Stadtplanung gestoßen: „Die Stadt der kurzen Wege“. UnbenanntDieses Leitbild, das seit den 1980ern von Stadtplaner*innen verfolgt wird, möchte kompakte  Siedlungsstrukturen zu schaffen, dass Orte schnell erreicht werden und einfach zugänglich sind. Es wird das Ziel verfolgt, städtischen Lebensraum aufzuwerten und neu zu gestalten. Hierbei soll motorisierter Individualverkehr verringert werden, indem Distanzen zwischen Wohnen, Arbeit, Freizeit- und Bildungsorten möglichste gering gehalten werden. Im Allgemeinen möchte man bestmöglich Neuversiegelungen und Straßenbau vermeiden.

In einigen Städten wurde eine derartige Stadtplanung zum Teil schon umgesetzt, zum Bespiel in Marburg, Osnabrück und Potsdam. Da gerade Potsdam in so guter Reichweite ist, ist meine Neugier geweckt, demnächst einmal die Stadt mit dem Fahrrad zu erkunden und die städtplanerische Umsetzung zu begutachten.

Happy CityWeiterhin passt perfekt zur Mobilitätswoche ein sehr interessantes Buch, das ich gerade lese: „Happy City“ von Charles Montgomery. Er erforscht, wie durch urbanes Design das Leben in der Stadt umgestaltet werden kann. Im Fokus steht für ihn, welche Faktoren der Transformation das Zusammenleben glücklicher machen. Hierbei beschäftigt er sich in einem großen Teil des Buches auch mit Mobilitätsformen. Es entspricht genau meinem Interessengebiet und ist sehr zu empfehlen.

Ansonsten: Wie wäre es, am Wochenende aufs Fahrrad zu steigen und selbst einmal zu erkunden, was alles in der eigenen Nachbarschaft und unmittelbarer Nähe zu finden ist? Sicherlich viel mehr als man so denkt ;)

Und hiermit sage ich wieder einmal: Viele liebe Mobilitätsgrüße,
Vera


Busfahren auf dem Land- schwierig oder einfach?

17. Mai 2015 von presse4bundjugend

Klimaexperiment Nr1: Mobilität ohne Auto – Ein kleiner Blick auf die letzten drei Tage.

Upleward. 300 Einwohner. Was es gibt: Einen Kaugummi-Automaten, eine kleine Pension mit Restaurant und ein Schild mit Hinweis auf den etwa 2,5 km weit entfernten Campingplatz. Hier bin ich am vierten Tag meiner Mobilitätswoche. Gefühlt ziemlich „unmobil“, da ich mir eine kleine Grippe eingefangen habe und kränkelnd unter der Decke stecke. Dennoch: Warum nicht einen kleinen Rückblick geben?

IMAG0634_webIch steige in den Bus nach Emden, meinen Bruder im Schlepptau. 15 km ist die nächst größere Stadt entfernt. Der Bus ist größtenteils leer. Zwei Jugendliche sitzen weiter hinten. Zwei Touristen – erkennbar an Rucksack und Begutachten ihres Bustickets – auf dem Vierersitz rechts neben uns. Nungut, wir hätten damit schon einmal sechs von 43 Sitzplätzen des Busses besetzt. Im Laufe unserer etwa 30-minütigen Fahrt steigen noch eine weitere Frau und zwei Männer in meinem Alter hinzu.

Ähnlich sieht es auch am Dienstag aus, als ich mittags mit dem Bus in die Stadt fahre, um meinen Zug nach Berlin zu nehmen. Ich begutachte neugierig das Businnere: Als ich einsteige, sitzt ein Junge und eine schätzungsweise vierzigjährige Frau auf den Plätzen. Nach ein paar Haltestellen wende ich mich zu ihr um und frage interessiert: „Ich bin nicht so häufig in der Gegend und mich würde interessieren, ob der Bus immer so leer ist.“ Sie antwortet mir: Nein, nicht immer, der nächste sei voller. Als ich nachhake, wer mit dem Bus fährt, antwortet sie: „Er ist immer voller Schüler“ Sie sei zumeist die einzige Erwachsene, die den Bus in Anspruch nehmen würde. „Ich bin mit Abstand die älteste. Manchmal fahren auch noch ein Opa und eine Oma mit, die in Pewsum (nächstgrößeres Dorf) einkaufen gehen.“ Gerne hätte ich noch weiter gefragt, doch sie lächelt mich an und sagt entschuldigend, dass sie nun aussteigen müsse.

11160611_867779973301880_6721960008958901245_oEines ist somit auffällig: Die Frau ist eindeutig eine Ausnahme, wenn es die Nutzung des Busses angeht. Die Mehrzahl der Erwachsenen, die in der Umgebung wohnen, pendeln tagtäglich 15 km mit dem Auto in die Stadt, um zur Arbeit zu fahren. Auf den Bus als Alternative zu setzen, stellt sich werktags am Vormittag als noch machbar heraus. Etwa stündlich bis jede anderthalb Stunde fährt eine Linie. Ähnlich ist dies auch nachmittags. Dennoch bedeutet dies für viele eine höhere Planung. Ein weiterer Punkt, der das Busfahren als unbequem darstellt, ist, dass vormittags der Bus meist sehr überfüllt von Schülern ist. Im Allgemeinen ist die Infrastruktur sehr schlecht. Dies zeigt sich besonders abends: Malkurse, abendliche Treffen mit Freunden, Sport oder Filme-Abende in der Stadt sind nahezu unmöglich durchzuführen, da um 18:44 Uhr der letzte Bus die Haltestelle verlässt. Ganz zu schweigen von einer Wochenendgestaltung ohne Auto, hierfür reicht ein Blick auf den Plan: Samstags fahren drei Busse in die Stadt, am Sonntag ein einziger.

Der Individualverkehr auf dem Land ist unsagbar hoch. Die Infrastruktur Öffentlicher Verkehrsmittel auf dem Land gehört dringlichst gefördert, anstatt weitere Buslinien zu streichen.

Viele, liebe Grüße,
Vera


Meine Klimawochen

13. Mai 2015 von presse4bundjugend

Ich blättere durch die Klimaexperimente-Broschüre und schon möchte ich alle möglichen Dinge ausprobieren, klimafreundliche Lebensstile entdecken. In meinem Kopf beginnen die Ideen zu kreisen und schon male ich mir aus: Wenn ich bei MeinGrundeinkommen oder ganz einfach im Lotto gewinne, miete ich mir eine Ladenfläche und vewandle sie in die „Werkstatt der Klimaexperimente“, veranstalte vegane Kochabende, Upcycling-Nähnachmittage und lege Urban-Gardening-Beete an… und und und..

DSC_0027_webOk. Meine Phantasie – kein Kommentar ;) Dennoch: So viel kann jeder gestalten, Alternativen austesten.  Und so kam mir der Gedanke: Warum nicht vier Wochen lang das Motto: „Mein Lebensstil- das Experiment.“

Meine #Klimawochen: Jede Woche jeweils ein Thema – Mobilität, Energie, Konsum und Ernährung. Zu jedem möchte ich Veranstaltungen und  Projekte besuchen, selbst kleine Dinge angehen, die schon lange auf meiner To-Do-Liste stehen: Den Hausmeister fragen, ob wir überhaupt Ökostrom beziehen, endlich einmal mein Fahrrad reparieren und leckere vegane Rezepte recherchieren. Jeden Freitag gebe ich einen kleinen Rückblick der vergangenen Woche und male schon einmal aus, was ich für die kommende Woche plane. Näheres findet ihr auch auf dem „Gestalte deine Klimawoche“-Aufruf.

Ich werde in Berlin herumradeln und Neues entdecken – es gibt so viele tolle Projekte: den Prinzessinengarten, den Leila und ein festes foodsharing-Netzwerk. Doch besonders interessiert mich auch, welche Klimaexperimente man gut auch an Orten durchführen kann, deren – ich nenne sie mal „Öko-Alternativ-Infrastruktur“ längst nicht so groß ist. Denn Berlin kann kein Maßstab sein. Ich selbst komme aus einem 300 Personen- Minidorf und weiß, wie schwer es ist, dort allein irgendjemandem erzählen zu wollen, doch bitte nicht mit dem Auto zu fahren, nur deswegen weil die Alternativen fehlen. So werde ich innerhalb meiner Klimawochen auch nach Hause fahren und verstärkt die Frage stellen: Welche Rahmenbedingungen müssen für manche Klimaexperimente gegeben sein?

Allgemein bin ich super motiviert, experimentierfreudig und kann es kaum erwarten, loszulegen. Ich freue mich über jeden, der mitmacht, kommentiert und Erfahrungen austauschen möchte. Ich werde berichten!

Ganz viele, liebe Grüße, Vera


„Buen Vivir – Vom Recht auf ein gutes Leben“

12. Mai 2015 von presse4bundjugend

Ein neugieriger Blick auf das Buch von Alberto Acosta

Der ecuadorianische Wirtschaftswissenschaftler Alberto Acosta war als Präsident der verfassungsgebenden Versammlung Ecuadors maßgeblich an der Integration von Buen Vivir in die Verfassung des Andenstaats beteiligt. In Europa, gerade in Deutschland, ist er ein oft geladener Gast, der im Rahmen von Postwachstumsdebatten als Vertreter und Verfechter für dieses Konzept spricht. Nun hat er mit dem Buch „Buen Vivir – Vom Recht auf ein gutes Leben“ endlich eine umfassende Beschreibung und Analyse zu Buen Vivir bzw. Sumak Kawsay (in Quechua) vorgelegt und verspricht damit eine solidarische Alternative zu Wirtschaftswachstum, Entwicklungsparadigma und umweltschädlicher Ressourcenausbeutung. Doch, kann das Buch diesem hohen Anspruch genügen?

Was ist das gute Leben oder Sumak Kawsay?

Wie soll nun das Gespenst der Entwicklung und die Idee von grenzenlosem Wachstum überwunden werden und wie sieht das gute Leben für alle aus? Buen Vivir ist ein Konzept aus dem Andenraum, welches von den Indigenen Lateinamerikas seit Jahrhunderten entwickelt, gelebt und praktiziert wird. Die grundlegende Basis besteht in einem Zusammenleben in Vielfalt und Harmonie mit der Natur. Buen Vivir ist ein Konzept, dass die Trennung und Herauslösung des Menschen aus der Natur aufheben möchte und stattdessen eine Vision herstellt, in denen die Werte Solidarität, Integralität, Suffizienz, Vielfalt und Demokratie gelebt werden. Kurz: Von dem allseits übermächtigen Anthropozentrismus (der Mensch steht im Mittelpunkt) will Buen Vivir (zurück) zu einem (Sozio)Biozentrismus, der ein Zusammenleben von Mensch und Natur harmonischer, nachhaltiger und gleichberechtigter gestaltet. Deshalb steht auch im Vordergrund, die Natur bzw. Pacha Mama mit Rechten auszustatten, die ihrer grenzenlosen Ausbeutung klare Grenzen setzen.

Anhänger*innen und Praktizierende des Buen Vivir haben deshalb auch ein radikal anderes Verständnis von Wirtschaft. Statt sich am Wachstum auszurichten, müsse sich die Wirtschaft wieder mehr an den Bedürfnissen von Menschen und Gesellschaft ausrichten und sich vor allem an den Grenzen der Ökologie messen. Nicht zuletzt berührt das Konzept dann auch Fragen von struktureller Ungleichheit und (globaler) Ungerechtigkeit. Wenn Menschen in ihren Interessen und Anliegen wieder ernst genommen werden sollen, müssten dann auch hierarchische Strukturen wie Rassismus, Klassismus und Patriarchalismus aufgebrochen werden. Acosta plädiert hier aber nicht für eine blinde Gleichmacherei, sondern für eine neue Wertschätzung von Vielfalt, Kulturen und somit auch Positionen, welche als gleichberechtigt betrachtet werden müssen. Die letzen Sätze im Buch treffen es dabei wohl ganz gut auf den Punkt:

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„Das „Gute Leben“ akzeptiert und unterstützt andere Lebensweisen, schätzt die kulturelle und politische Vielfalt, die Interkulturalität und die Plurinationalität. Dieser Pluralismus rechtfertigt und toleriert in keinem Fall die Zerstörung der Natur und auch nicht die Ausbeutung von Menschen oder die Existenz privilegierter Gruppen, die auf Kosten der Allgemeinheit und von der Arbeit und den Opfern anderer leben. Das „Gute Leben“ bezieht alle mit ein, sonst ist es kein gutes Leben!“ (Seite 197)

Nur Kritik oder auch Vision?

Buen Vivir sieht sich insbesondere als Kritik an und als Alternative zu dem lange vorherrschenden Entwicklungsparadigma des Globalen Nordens, das den Ländern des Globalen Süden mit den bekannten verheerenden Auswirkungen aufgedrängt wurde. Darüber hinaus wird Buen Vivir auch als eine radikale Kritik an kapitalistischen Marktstrukturen und Ausbeutungsverhältnissen offenbar. Eine Ausrichtung der Gesellschaft an einem wirtschaftlichen Wachstums wird ebenso abgelehnt wie die weitere Abhängigkeit von extraktiven Industrien. Insofern ist es nicht erstaunlich, dass Acosta sich in weiten Teilen des Buches an dieser Kritik abarbeitet. Er schreibt deshalb sehr viel dazu, was Buen Vivir nicht ist, was es nicht sein kann und nicht sein darf. Doch so bleibt an vielen Stellen im Buch zunächst unklar, was Buen Vivir dann sein könnte und wie die oben genannten Prinzipien tatsächlich praktisch gelebt werden. Sicherlich ist diese Kritik wichtig, um sich vom Bestehenden abzugrenzen und zu verdeutlichen, wozu es im Widerspruch steht. Doch diese Kritik ist nicht neu, sondern wird schon lange durch die Theorie der Dependencia und durch Umwelt- , Sozial- und Postwachstumsbewegungen im Globalen Norden und Süden so geäußert. Acosta setzt diese Kritik in einen neuen Rahmen und will Buen Vivir als eine mögliche Lösung vorschlagen. Dazu verbleibt er jedoch teilweise zu sehr in der Kritik, statt sich der positiven Vision und Utopie zu widmen. So mangelt es ein wenig an konkreten Vorschlägen und Ideen wie eine heutige Buen Vivir Gesellschaft aussehen könnte.

Der politische Hintergrund von Acosta wird in dem Buch an vielen Stellen mehr als deutlich, wenn das auch nicht unbedingt stören muss. Einige Teile des Buches lesen sich wie eine politische Rede oder kämpferische Aufrufe. Auch die Erfahrungen, die der Autor mit dem Prozess der ecuadorianischen Verfassungsgebung gemacht hat, nehmen viel Raum ein. Andersherum wird auch der intellektuelle Bezug immer wieder hergestellt. Acosta setzt sich mit vielen Denker*innen und Schriften auseinander und setzt damit dann auch ein gewisses Vorwissen bei den Lesenden voraus. Dies zeigt sich nicht zuletzt an der Benutzung von vielen Fachwörtern aus Wissenschaft und Bewegung und Bezügen zu ähnlich gelagerten Diskursen, was bei neu interessierten Leser*innen eventuell manchmal Fragezeichen aufwerfen könnte.

Eine wertvolle Perspektive aus dem Globalen Süden

Das Buch von Acosta zu Sumak Kawsay ist dennoch ein sehr lesenswertes und empfehlenswertes Buch, welches einen wichtigen Beitrag für aktuelle Debatten um den Krisenkapitalismus, den Klimawandel und Postwachstum leistet. Es stellt dabei immer wieder einen guten Bezug zu den aktuellen globalen Problemen der Menschheit her und ergänzt die Diskurse zu Degrowth, Postwachstum und Suffizienz um eine sehr wertvolle Perspektive. Das Konzept von Buen Vivir ist gerade deshalb so essentiell, weil es aus dem Globalen Süden kommt und somit aus den Kämpfen und Widerständen von jahrhundertelang Unterdrückten und Ausgebeuteten entstanden ist. Das Buch liefert wichtige Denkanstöße für die Frage, wie eine andere Gesellschaft aussehen könnte und welche Werte dafür wieder in den Vordergrund treten müssen. Denn wie es scheint, sind gerade diese in den wirtschaftsdominierten und anthropozentrierten Gesellschaften auf der Strecke geblieben.

Am Ende mag in der Schwäche des Buches auch seine Stärke liegen: Denn Buen Vivir will kein fertiges Konzept sein und fertige Vorschläge liefern. Daher muss Acosta hier wohl an vielen Stellen wenig konkret bleiben. Vielmehr soll die Frage nach dem guten Leben für alle gerade im gemeinschaftlichen und gleichberechtigen Dialog ergründet werden. Die konkreten Lösungen liegen daher nicht schon auf dem Tisch, sondern entstehen gerade im Prozess und immer wieder neu. Dies ist die Stärke dieser großen Utopie ohne klare Antworten.


#klimafasten: Wir feiern Woche vier!

19. März 2015 von presse4bundjugend

– und das mit den leckersten veganen Wraps bei super Sonnenschein:

Gestern war es soweit: Die vierte Woche unseres #Klimafastens ist vorüber und ab heute rutschen wir schon in die fünfte. Wie die Zeit vergeht! Zur Feier des Tages haben Ferdi, Toril und ich die Küche unsicher gemacht: Salate, Paprika und Avocado kleingeschnitten, Hummus, Kidneybohnen und Guacamole zubereitet,  und den selbstgemachten Tortilla-Teig geknetet und geknetet, platt ausgerollt und in der Crepe-Pfanne wunderbar angebräunt. Lecker! Dann wurde wild befüllt. Das Rezept eignet sich einfach perfekt für ein Frühlingspicknick im Grünen (und nein, jetzt bitte nicht die Felle als Untergrund erwähnen). Als Abrundung des Tages haben wir uns noch den Film „Blaues Gold“ angesehen, wobei im Anschluss ein spannendes Gespräch rund um den Handel von „virtuellem Wasser“ und den inneren Rechtfertigungsdruck beim Vegan-Experiment entstanden ist.

Und so gibt es auch weitere Updates von uns Experimentierern:

Laura
„Ich habe mein Bestes gegeben kein Geld für Lebensmittel in einer Kunststoffverpackung auszugeben. Doch leider konnte ich letzte Woche keinen anderen Weg finden, als Rosinen, Chips und Rohrzucker zu kaufen, obwohl jedes dieser Produkte in Plastiktüten steckte. Zugute halten kann ich mir, dass ich die Zutaten und auch das Knabberzeug für eine Familienfeier besorgen musste und sie unter dem ansonsten plastikfreien Einkauf die einzigen sündhaften waren. Ich versuche weiterhin eisern zu bleiben und solchen Malheurs zu entgehen“

Katja
„Die ersten zwei Wochen fiel mir der Verzicht sehr schwer. Der Weg durch den Supermarkt glich einem Spießrutenlauf und ich hörte plötzlich überall Leute von Eis oder Toffeeschoki reden. Nun bin ich über den Berg – sowohl zeitlich als auch emotional. Ich habe geistig viel dazugewonnen, während körperlich ein paar Gramm den entgegengesetzten Weg nahmen. Für die nächsten drei Wochen ohne Schoki und Co. bin ich zuversichtlich. Mal sehen, wie die erste Ostersüßigkeit nach der Fastenzeit schmeckt. Und auf wieviel Zucker ich überhaupt noch Lust habe – oder in Zukunft gerne verzichten will.“
(Auszug aus Katjas Artikel auf ihrem eigenen Blog: Schaut doch mal vorbei!)

Viele, liebe Grüße,
Vera

 


Halbzeit Handyfasten: Ich bin ja sowas von entspannt!

12. März 2015 von presse4bundjugend

Von mir gibt es nur ein kleines, aber feines Zeichen aus der unerreichbaren Zeit: Mir geht es gut! Ich war zwar selbst sehr erstaunt, aber ich kann doch immer noch sehr frei atmen ohne mein Mobiltelefon. Es kann zwar fast alles, aber leben und atmen können wir immer noch am besten ohne.

DSC_0003Das Beste ist eigentlich, dass ich nicht das Gefühl habe, den Kontakt zu Menschen zu verlieren. Ganz im Gegenteil! Ich verabrede mich viel und verbindlich und wenn ich dann bei einem Treffen bin, dann bin ich auch ganz da. Ohne jegliche Ablenkungen durch Anrufe, SMS oder Mails. Ganz besonders schön finde ich auch, dass ich andere Kommunikationswege wiederentdecke. Ich habe in den letzten Wochen tatsächlich mehr Postkarten bekommen! Und mal ganz ehrlich: Wie viel romantischer ist denn bitte eine Postkarte im Vergleich zu einer schnöden SMS?

Ich gestehe: Letztens musste ich eine erste Ausnahme machen. Ich konnte leider keine Überweisungen ohne mobile TANs tätigen. Um keine Mahnungen oder gar Drohungen zu erhalten, habe ich deshalb das Gerät für fünf Minuten eingeschaltet. Und wenn ich unterwegs mal telefonieren muss, spreche ich sympathische Leute an. Meistens kommen wir dann auch in ein nettes Gespräch.

Ein großer Dank geht in jedem Fall jetzt schon an all die Menschen in meinem Leben, die sich auf mein Experiment einstellen und manchmal geduldiger mit mir sein müssen, bis ich zurückrufe oder die Mail beantworte. Für all diese Menschen werde ich mein Telefon wohl nach der Fastenzeit auch wieder benutzen. Aber ich bin mir jetzt schon sicher: Öfter mal ausschalten ist das neue Abschalten!

Janna


#klimafasten: Fast die Hälfte ist rum

6. März 2015 von presse4bundjugend

So langsam schleicht sich in meinen Alltag ein bisschen Routine ein, eine zuckerfreie Routine. Zuckerintensive Gänge im Bioladen werden nicht mehr betreten und das meiste Gebäck bekommt keine Beachtung mehr. Mein Gefühl hat sich bestätigt: Je länger man fastet, desto mehr gewöhnt man sich daran. Der eine oder andere Gedanke beispielsweise an einen leckeren Schoko- oder Zitronenkuchen lässt sich aber nicht ausblenden.

Ich konzentriere mich nun auf die sozialen und politischen Hintergründe der Zuckerproduktion und möchte noch mehr darüber erfahren.

Folgendes leg ich euch schon mal ans Herz: Die EU trifft folgenschwere Entscheidungen für Zuckerkleinbäuerinnen und Kleinbauern aus Jamaica. Ihnen droht dadurch eine massenhafte Armut: http://www.theguardian.com/world/2015/feb/21/jamaican-farmers-bleak-future-eu-sugar-beet-production-cap

Außerdem noch folgenden Artikel „Unter Landgrabbing-Verdacht: Nordzucker streckt seine Hand nach Afrika aus“: http://taz.de/Unter-Landgrabbing-Verdacht/!143145/ bzw. http://taz.de/Spekulative-Landwirtschaft/!143178/

Ferdinand