BUNDjugend Blog - ... und jetzt noch die Erde retten!

Eine Rede am Tagebau

14. November 2017 von BUNDjugend

Anlässlich der UN-Klimakonferenz COP 23 in Bonn hielt Lea Dehning als Vertreterin der BUNDjugend am 12. November 2017 eine Rede vor den anwesenden Pressevertreter*innen am Braunkohle-Tagebau Hambach. Ihr Rede über das Engagement der BUNDjugend gegen die Braunkohle sowie den vielfältigen Protest der Klimaschutzbewegung könnt ihr hier nachlesen:

Foto: Annika Natus/BUND (Lea und Leon siehst du ganz links im Bild)

„Mein Name ist Lea Dehning und neben mir steht Leon Möllney. Wir sind beide bei der unabhängigen Jugendorganisation des BUND, der BUNDjugend aktiv, und vertreten heute viele junge Menschen, die sich seit Jahren für Klima- und Umweltschutz und besonders für Klimagerechtigkeit einsetzen.

Wir stehen hier nur wenige Meter vor dem Tagebau Hambach, dem größten Tagebau und der größten CO2-Quelle Europas. Das rheinische Braunkohlerevier heizt Tag für Tag den Klimawandel an, wie kaum eine andere Region auf dieser Welt.

Nach der enttäuschenden Klimakonferenz in Kopenhagen beschloss die BUNDjugend den Protest genau hier hin zu tragen, an einen Ort, an dem das Klima im gigantischen Maß zerstört wird. Wir organisierten daher im Sommer 2010 das erste Klimacamp im rheinischen Braunkohlerevier. Seitdem findet jedes Jahr ein Klimacamp statt und die Teilnehmer*innenzahl wächst stetig.

Das Klimacamp ist ein Ort des Protests gegen die Braunkohle, gelebter Alternativen, Vernetzung, Weiterbildung und Diskussion. Durch die Klimacamps entwickelte sich das Braunkohlerevier zu einem der bedeutendsten Widerstandsorte der europäischen Klimabewegung, in dem Anwohner*innen und Klimaaktivist*innen seit Jahren gemeinsam für den Kohleausstieg und die Erhaltung einem der einzigartigsten Wälder Europas – dem Hambacher Wald –kämpfen.

Die BUNDjugend war in den letzten sieben Jahren immer Teil der wachsenden Anti-Kohle-Bewegung und vieler Protestaktionen. Da sich das Klimacamp mittlerweile selbstorganisiert und zu einem Großevent mit mehreren Tausend Teilnehmer*innen aus ganz Europa entwickelt hat, organisierten wir diesen Sommer ein 10tägiges Jugendcamp in unmittelbarer Nähe zum Klimacamp, welches Menschen den Einstieg in die Klimabewegung ermöglichen und zum Handeln bewegen sollte. Das Camp befand sich nur einige hundert Meter von hier auf einer Streuobstwiese in dem schon fast komplett umgesiedelten Ort Mahnheim. Die ca. 250 Teilnehmer*innen konnten sich zwischen Tagebau, Hambacher Wald und Geisterstadt die verherrenden Folgen der Braunkohleverstromung bewusstmachen. Um ihren Protest zu äußern, organisierten sie eine 50km lange Fahrraddemo rund um den Tagebau Hambach und demonstrierten lautstark bei der Roten-Linie-Aktion, an der insgesamt 3000 Menschen teilnahmen. Parallel zur Roten Linie im August blockierte die seit 2015 aktive Bewegung „Ende Gelände“ an mehreren Tagen Infrastruktur der Kohleindustrie durch zivilen Ungehorsam.

Foto: Annika Natus/BUND (Tagebau Hambach)

Auch letzten Samstag, den 04. November, war die BUNDjugend unter den 25000 Menschen, die an der bisher größten Antikohledemostration in Bonn teilnahmen. Sonntag schlossen wir uns der legalen Demonstration von „Ende Gelände“ an. Zeitgleich blockierten erneut tausende Menschen den Tagebau Hambach. Der Kohleausstieg ist nicht verhandelbar und es braucht vielfältige Protestaktionen, um diesen zu erreichen.

Zu diesen vielfältigen Protestformen gehört auch die Waldbesetzung im Hambacher Forst, der schon zu 90% von RWE für die Braunkohle gerodet wurde. 2012 besetzten Aktivist*innen ein Stück dieses Waldes, um sich RWE mit ihren Körpern und den selbstgebauten Baumhäusern in den Weg zustellen und die Rodungen zu stoppen. Trotz dreifacher Räumung der Besetzung und erheblichen Repressionen leben momentan ca. 80 Menschen im Wald, die durch Blockaden versuchen werden, weitere Rodungen im Wald zu verhindern.

Die Klimabewegung wächst Tag für Tag, denn die Regierungen verschiedenster Industriestaaten schaffen es nicht, ernsthafte Schritte für den Klimaschutz und gegen die weitere Nutzung fossiler Brennstoffe einzuleiten. Die 23. Klimakonferenz findet gerade unweit von hier unter der Schirmherrschaft von Fidschi statt. Viele Menschen aus dem Pazifik, unter ihnen die Pacific Climate Warriors, haben in den letzten Tagen ihre Geschichten mit uns geteilt. Geschichten von einem ansteigenden Meeresspiegel, von der Angst ein zu Hause zu verlieren, aber vor allem Geschichten des Widerstandes und dem Kämpfen um Klimagerechtigkeit.

Deutschland steht in der Verantwortung, den Beginn des Kohleausstiegs jetzt einzuleiten und Ländern, die schon vom Klimawandel betroffen sind und in Zukunft sein werden, finanzielle Mittel für Klimaschutzmaßnahmen zur Verfügung zu stellen. Wir in Deutschland haben in den letzten Jahrzehnten genug CO2 in die Luft gepustet – jetzt ist es Zeit zu Handeln.

Solange bis der letzte Kohlebagger nicht stillsteht, wird die BUNDjugend nicht stillstehen“

 


Meine Erfahrungen auf dem Camp for [future]

31. August 2017 von BUNDjugend

Foto: Jörg Farys / BUND

Hallo. Ich bin Anna, 16 Jahre alt und mache momentan ein Schülerpraktikum bei der BUNDjugend NRW. Quasi als Auftakt für mein Praktikum habe ich 2 Tage im camp for [future] verbracht und viele neue Erfahrungen gesammelt.
Es war für mich das erste Mal, bei so einer Aktion dabeizusein und kennenzulernen, was es heißt, für seine eigenen Meinungen auf die Straße zu gehen und zu protestieren. Dazugestoßen bin ich am Samstag, kurz vor der Rote-Linie-Aktion. Ich war ziemlich überrascht, wie groß das Camp doch war; es wurde an alles gedacht: es gab sowohl ein eigenes Küchenzelt (in dem leckeres, veganes Essen gekocht wurde :-)), als auch ein eigenes Pressezelt; Projektzelte und eine Art Wohnzimmer, das große Zirkuszelt.

Ziemlich schnell ging es dann auch schon los zur Rote-Linie-Aktion. Ziel dieser Aktion war es, mit möglichst vielen Menschen eine rote Linie um das rheinische Braunkohleabbaugebiet zu bilden, um so ein klares Zeichen des Protestes zu setzen. Mehrere Kamerateams waren vor Ort und natürlich war die Polizeipräsenz auch dort sehr hoch, wie eigentlich die gesamten 2 Tage durchgehend (auch das camp for [future] stand unter polizeilicher Beobachtung: morgens kam das Ordnungsamt vorbei und prüfte die Lage, und auch ein Polizeiwagen war nie weit entfernt). Als die Polizei später bekannt gab, dass über 3.000 Leute an der Aktion beteiligt waren, war die Freude natürlich sehr groß.

Für mich persönlich war es spannend, so viele Menschen mit ähnlichen Überzeugungen zu sehen, die für ihre Meinungen einstehen und an der jetzigen Situation offen etwas kritisieren bzw. nicht akzeptieren wollen: egal ob jung oder alt, es gab auch viele Familien mit kleinen Kindern in roten Klamotten, sogar Hunde mit roten Halstüchern. 🙂

Anschließend ging es wieder zurück in unser Dorf Kerpen-Manheim, um eine Abschlusskundgebung zu hören und den Tag mit einer Art Straßenfest auszuklingen.

Nachdem ich das Dorf Kerpen-Manheim kennengelernt hatte, war ich ehrlich gesagt etwas geschockt. Alles war so ausgestorben und heruntergekommen, weil die Menschen umgesiedelt wurden. Von den ehemalig rund 1.000 dort lebenden Menschen sind noch ca. 15 übrig geblieben. Aber auch diesen noch übrig gebliebenen Menschen werden von RWE die Häuser abgekauft, sodass früher oder später auch Kerpen-Manheim als Braunkohleabbaugebiet genutzt werden kann.

Das wurde auch nochmal deutlich, als ich abends in die Messe in Manheim gegangen bin: außer ein paar Campteilnehmer*innen waren vielleicht 5 bis 6 ältere Leute in der Kirche, sonst niemand. Ein wirklich verlassenes Dorf.

Wenn ich mir vorstelle, dass ich meine Heimat verlassen müsste, damit alles komplett vernichtet werden kann, um Braunkohle abbauen zu können, kann ich gut verstehen, warum es solche Veranstaltungen wie die Rote-Linie-Aktion gibt: die Leute wollen einfach ein Zeichen setzen, dass sie damit nicht einverstanden sind.

Am Sonntag Nachmittag sind wir dann mit einer Gruppe von ca. 30 Leuten mit dem Bus nach Erkelenz gefahren, um auf dem Marktplatz einen Klima-Flashmob zu veranstalten. Wir haben verschiedene Wetterextreme dargestellt, Lieder gesungen, Flyer verteilt usw. Beeindruckend fand ich, dass die Gruppe immer weiter gewachsen ist, es kamen immer mehr Leute, die sich uns angeschlossen haben und mitgemacht haben. Ein Highlight für mich war, als 5 oder 6 pink gekleidete Menschen vorbeikamen, die „Rythms of Resistance“, und mit cooler Musik richtig Stimmung gemacht haben.

Dennoch hatte ich das Gefühl, dass es die meisten Menschen in Erkelenz eher genervt und gestört hat. Vermutlich auch, weil das Thema Klima in den letzten 2 Wochen ziemlich präsent in den Medien war, im Rheinland ja sowieso.

Nach dem Klimaflashmob war die Zeit auf dem camp for [future] für mich auch schon vorbei.

Insgesamt fand ich die 2 Tage sehr interessant: ich habe neue Leute kennengelernt, und generell war es super spannend, mal live zu erleben, was ich in den letzten 2 Wochen ja nur durch die Medien erfahren hatte.

Natürlich muss man dazusagen, dass die BUNDjugend keine illegalen Aktionen wie Sitzblockaden auf Schienen durchgeführt hat, wie es in den Medien ja viel gezeigt wurde. Ehrlich gesagt war ich da auch ziemlich froh drüber, weil es ziemlich gefährlich hätte werden können.

Insgesamt war es ein aufschlussreiches Wochenende, die Stimmung war gut und ich habe viele neue Sachen und Leute kennengelernt. 🙂


Meine Utopie für das Rheinische Revier im Jahr 2050

23. August 2017 von BUNDjugend

von Janna Aljets

Das Jahr 2050 liegt jetzt noch 33 Jahre vor uns. Das erscheint erstmal als ein kurzer Zeitraum für wirklich große gesellschaftliche Veränderungen. Ich bin selbst vor ungefähr 33 Jahren geboren worden und wenn ich auf den Zeitraum Mitte der 80er blicke, dann wird deutlich, dass große Veränderungen manchmal gar nicht so lange brauchen, wie mensch meint. Mitte der 80er Jahre war es unvorstellbar, dass die Mauer, die Deutschland und symbolisch fast die gesamte Welt geteilt hat, durch den Protest von mutigen Menschen fallen würde und damit auch die Sowjetunion als Unrechtssystem stürzen würde. Es gab trotz schon starker zivilgesellschaftlicher Proteste einen politischen Konsens der Mächtigen zur vermeintlich sichereren Atomkraft und die Forderung nach einem Ausstieg wurde als unrealistisch abgetan. Es war unvorstellbar, dass Männer Männer und Frauen Frauen heiraten dürften.

Ich habe das vorabgeschickt, weil Sie sonst meinen würden, dass meine persönliche Utopie wie ein Hirngespinst klingt, das niemals erreicht werden kann. Ich aber glaube daran, dass wenn wir gemeinsam für eine gerechtere Welt streiten, wir diese auch gestalten können.

Wie also sieht meine Utopie für das Rheinische Revier im Jahr 2050 aus?

Natürlich haben die Tagebaue längst geschlossen und das Gebiet wurde einem umfassenden Renaturierungsprozess unterzogen. Es sind Wälder und Seen zur Naherholung und fruchtbare Ackerflächen für Permakulturgärten entstanden. Die Natur erholt sich langsam von den ökologischen Schäden des Tagebaus. Die Menschen sehen die Natur vor Ort nicht mehr als verwertbare Ressource, sondern als Grundlage allen Lebens an und nehmen nie mehr, als sie brauchen und die Natur zur Erneuerung noch braucht. Die notwendige Energie wird zu 100% aus Wind und Sonne gewonnen und wird von demokratisch verwalteten Betrieben, die den Bürger*innen gehören, produziert. Der Energieverbrauch wurde aber auch stark gedrosselt. Energieintensive Unternehmen wurden geschlossen. Im Rheinischen Revier 2050 haben aber viele Dinge auch keinen Platz mehr: solarbetriebene Apfelsinensaftauspressmaschinen z.B., mit Biodiesel betriebene Kampfjets oder das vermeintliche Menschenrecht auf einen Geländewagen, egal ob Diesel, Hybrid oder Elektro. Der Verkehr ist fast vollständig auf Fahrrad und kostenlosen ÖPNV umgestellt worden. Auf den Autobahnen finden regelmäßig Kunstevents von Künstler*innen aus der ganzen Welt und Spaßwettläufe in Seifenkisten und Rollschuhen statt. Was es dafür gar nicht mehr gibt, ist Werbung: Nirgendwo wird uns erzählt, was wir vermeintlich noch alles kaufen und konsumieren müssten, um angeblich noch glücklichere und bessere Menschen zu werden.

Wovon leben die Menschen jetzt? Die meisten arbeiten nur wenige Stunden am Tag in selbstverwalteten Betrieben, die gesellschaftliche sinnvolle Produkte herstellen oder Dienstleistungen wie Altenpflege oder Kinderbetreuung anbieten. Die Sorgearbeit um Menschen und Natur steht im Mittelpunkt der wirtschaftlichen Aktivitäten, weil sie die Bedürfnisse von Menschen befriedigt. Profitorientierung und Wirtschaftswachstum sind Vokabeln einer vergangenen Ära. Da alle nur noch wenig arbeiten müssen oder auf ein Grundeinkommen zurückgreifen können, haben sie mehr Zeit für ihre Familie, Freund*innen und auch für ehrenamtliches Engagement. Die Frauen und Männer der Region haben sich deshalb zu dezentralen Föderationen zusammengeschlossen, in denen sie selbst über ihre politischen Anliegen entscheiden.

Im Jahr 2050 wird im Rheinischen Revier darüber gelacht, dass hier tatsächlich einmal dreckige Braunkohle verstromt wurde. Ich werde meinen Kindern und Enkelkindern mühevoll erklären müssen, warum wir einmal glaubten, dass das eine gute Idee sei. Der Ausstieg aus der Kohle hat die Menschen vor Ort dazu ermutigt, ganz andere wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Wege zu gehen und ein gerechteres System für alle zu schaffen. Das Revier gilt im Jahr 2050 als internationales Modell- und Vorzeigeprojekt für einen gerechten Strukturwandel.

Falls Zeit; Zitat Brand/Wissen (2017: Seite 171):

„Zukünftiges kann nie als Masterplan entstehen, sondern muss sich im Horizont einer anderen, besseren Welt schrittweise entwickeln. Dazu bedarf es des Mutes im Denken und Handeln, eines gewissen Optimismus und produktiver Selbstkritik, Empathie mit den Schwächeren und Ausgegrenzten und der Bereitschaft der Einmischung und der Kooperation mit progressiven gesellschaftlichen Akteuren.“


Endlich mal gemacht, mit größerem Impact als gedacht!

1. April 2016 von BUNDjugend

Vegan essen fühlt sich großartig an, heißt aber Widerstand: Man muss sich öfter erklären, entschuldigen oder Angeboten entsagen. Widerstand gegen ein System, das nur auf egoistischem Genuss aufbaut. Menschen essen Fleisch aus Genuss oder weil man es halt schon immer tut. Andere stichhaltige Argumente fallen mir nicht dafür ein. Für mich sind das aber unverhältnismäßige Argumente, verglichen mit dem ganzen bei Tierzucht, -haltung und -schlachtung erzeugten Leid. Auch auf andere tierische Produkte kann ich deswegen getrost verzichten.

Engel Klimafasten

Werbung als Antrieb

Die Täuschungen durch Werbung sind ein wichtiger Antrieb für Fleisch- oder Tierkonsum. An einer sauberen, glänzenden, weißen Fleischtheke spürt man nicht die Enge, den Stress, die Verletzungen und das sonstige Elend im Stall. Ein rotes, „gesundes“, „appetitliches“ Steak wird nicht mit den Abzessen, der geschundenen Haut, den verdreckten Spaltböden und der medikamentösen Behandlung der Tiere in Verbindung gebracht. Ebenso ist es in einem Modegeschäft, dessen edler, seriöser, verführerischer Auftritt und transportierter Lifestyle im Kopf und im Gefühl einfach nicht zur elendigen Pelz- und Lederproduktion und abgezogenen, lebenden Tieren passen will. Ebenso ist es mit einem Liter frischer Milch usw.

Konsum ist Verantwortung

Wenn die Verblendung und Entkopplung der Werbung, Industrie und des Einzelhandels nicht zum völligen Desinteresse und Ignoranz der Tierhaltung etc. führen, sondern die Konsumierenden sich aufklären, greifen vorerst andere psychologische Abwehrmechanismen, denke ich. Man weiß zwar von den Bedingungen, aber man fühlt nicht, wie sich so ein Tier in Massentierhaltung fühlen muss. Die Empathie wird verdrängt.

Man denkt, dass radikale Bilder von Tierrechtler*innen produziert wurden, um zu schockieren. „Diese extremen Beispiele sind sicher nur Einzelfälle. Mein Leder- und mein Fleisch- und mein Zirkustier wurden sicherlich gut behandelt,“ wird der Industrie und dem Einzelhandel gegenüber gutgläubig gedacht. Oder man kritisiert die Darstellungsform (zum Beispiel den Aufbau eines Schlachthof-Videos) anstatt sich mit dem gezeigten Leid auseinander zu setzen – auch aus Schutz vor der schnell erkennbaren Einsicht: Dieses Problem ist zu groß für eine einzelne Person.

Unser Gehirn wehrt sich gegen die individuelle Verantwortung und will an gängigen Verhaltensweisen festhalten. Dann denkt man: „Die Politik müsste was machen!“ Dabei ist neben politischer Wirksamkeit (die man auch selbst erzeugen muss!) das eigene Konsumumfeld ein wichtiger Wirkhebel. Und den möchte ich niemals unterschätzt hören.

Mehr als nur „gut für’s Klima“

Mein Klimafasten-Experiment ist nicht auf sechs Wochen begrenzt. Es schlägt unerwartet größere Wellen. Mitmenschen haben erstmals über Veganismus erfahren, haben ihre eigenen Essgewohnheiten teilweise spontan – wenn auch für kurz – umgestellt, haben sich lautstark und mehrmals darüber unterhalten. Und ich habe mich daran erinnert, wie wichtig mir die Gerechtigkeit unseren Mitlebewesen gegenüber ist. Wie eklig und überflüssig ich Schmerz und Unterdrückung finde. Und dass ich bereit bin, dafür auf die Straße zu gehen.

Um das Schund-System von Speziesismus und seiner Industrialisierung von Leben und Tod, Karnismus und seinen Heucheleien und Rassismus und seinen Genoziden zu bekämpfen. Dafür muss man sich immer wieder die Missstände, die Entkopplungsstrategien und die Ungerechtigkeit bewusst machen.

Eine Frage hätte ich da aber noch. Gerade bei Tieren, die ein mir ähnliches Nervensystem haben, die den gleichen Schmerz fühlen, wie ich es täte, fällt es mir leicht, sie zu schützen. Auch alle anderen Tiere kann ich leicht schützen, da sie kulturell bedingt eh nicht auf meinem Teller landen würden (z.B. Insekten, Weichtiere oder Meeresfrüchte).

Wenn ich nun aber die Grenze bei Pflanzen ziehe, ist es auch eine Form von Speziesismus. Bei Pflanzen weiß die Wissenschaft zurzeit zumindest, dass sie miteinander kommunizieren und interagieren können. Soll ich dann vermuten, dass ihnen bei Zucht, Haltung und Ernte auch Schmerzen zugefügt werden? Kann ich als empathischer Mensch dann das Leid von Pflanzen für meine Ernährung in Kauf nehmen?

Laura


Die Fastenzeit ist vorbei und jetzt?

31. März 2016 von BUNDjugend

Wieder alles wie vorher?

Bei mir keineswegs. Der Umstieg auf eine vegane Ernährungsweise ist mir glücklicherweise nicht sehr schwer gefallen. Am Anfang war es noch etwas anstrengend auf alles zu achten, was in den ganzen verschiedenen Lebensmitteln steckt. Manchmal hat man es auch einfach kurz vergessen, dass man nicht von dem Stück Kuchen probieren sollte, in dem wahrscheinlich ein Haufen Eier, Milch und Butter verbacken wurde. Doch die Umstellungszeit war bei mir relativ kurz und schnell hatte ich viele neue Gerichte ausprobiert und nachgekocht, die jetzt zu meinen Standard-Gerichten gehören. Gewohnheiten abzulegen und sich neue anzuschaffen, dauert meistens zwei Wochen und so war es bei mir ebenfalls.

Wertvolle Starthilfe

Was mir am Anfang sehr geholfen hat, war das veganstart-Programm von Deutschlands größter Tierrechtsorganisation Peta. Das kann ich wirklich jedem empfehlen, der mal einen Monat vegan leben ausprobieren möchte und dabei etwas Unterstützung braucht. Sei es, um erinnert zu werden, Rezept-Ideen zu bekommen oder Informationen zu einer gesunden Ernährungsumstellung zu erhalten.

Man kann auf der Internetseite veganstart.de einfach seine E-Mail-Adresse angeben und dann bekommt man kostenlos einen Monat lang jeden Tag eine E-Mail von einer Ernährungswissenschaftlerin mit praktischen Tipps und Informationen über die vegane Ernährung. Nach den 30 Tagen wird man nicht weiter zugespamt und man bekommt auch keine Werbung für irgendwelches Geldausgeben-Zeugs oder ähnliches. Einfach klasse!

V oder nicht V?

Ich finde ein abschließendes Fazit nun doch irgendwie ziemlich schwierig zu formulieren. Der Abschluss-Blogeintrag von Vera hat mir sehr gut gefallen und geholfen, mein Fazit zu ziehen. Ihren Kommentar über die strikte Einteilung zwischen vegan, vegetarisch, allesessend, vielleicht auch noch pescetarisch oder paelo („Steinzeitfutter“) kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich teile diese Meinung, weil durch die strikten Einteilungen unsichtbare Grenzen gezogen werden, mit denen man andere Menschen oder sich selbst abgrenzt. Diese unterschwellige Feindseligkeit gegenüber der jeweilig anderen „Ernährungsgruppe“ fördert den Trotz, bei seiner eigenen Meinung zu bleiben und darauf zu beharren, dass das, was man selbst tut, das Beste und einzig Richtige ist.

Ich freue mich immer, wenn ich von jemandem höre, dass er vegan lebt oder Vegetarier ist. Aber ich denke es gibt genug Menschen, die bei dem V-Wort direkt dicht machen und überhaupt nichts davon hören wollen, weil es ihnen so auf die Nerven geht. Dabei sollte es doch möglich sein, eine so gute Sache besser an den Mann/die Frau bringen zu können. Ich glaube, es wäre einfacher, wenn diese strikten Grenzen zur Einteilung der Ernährungsgruppen nicht so explizit gezogen werden würden. Es muss doch nicht die 100% pflanzliche Ernährungsweise sein, aber es wäre schon mal ein Anfang, sich an die 70% oder ähnliches anzunähern.

Was habe ich geschafft?

Deswegen hier meine Fakten: Ich habe in den 40 Tagen #Klimafasten um die 17 Tiere vor dem Tod bewahrt (der Durchschnittsdeutsche verzehrt ca. 150 Tiere im Jahr). Pro Minute werden 35 Fußballfelder gerodet für Anbauflächen und 90% des weltweit angebauten Sojas, 50% des Getreides, 40% der gefangenen Fische werden an Nutztiere verfüttert, während 1 Milliarde Menschen an Hunger leiden. 51 % der weltweiten Treibhausgase werden durch die Haltung von Nutztieren verursacht – das ist mehr als der weltweite Verkehr zusammen.

Es gibt noch so viele andere Fakten, die viele überhaupt nicht hören möchten, aber mir sind sie nach der Fastenzeit noch immer bewusst und deswegen werde ich mich von der 100% pflanzlichen Ernährung nicht all zu weit entfernen. Ich werde aber sicherlich nicht die Grenze um mich ziehen und sagen, dass ich zu dieser einen Gruppe gehöre, die mit V anfängt und allen anderen ein schlechtes Gewissen bereitet, die nicht dazugehören. Das ist überspitzt gesagt, weil es nicht wirklich so ist. Jedoch denken viele nicht „V-Esser“ so und blocken aus Trotz die Meinung von der pflanzlichen Ernährungsweise ab.

Ich hoffe alle Leser/innen nehmen aus den vielen unterschiedlichen Blockeinträgen etwas mit und konnten gestärkt werden, das ein oder andere Klima-Projekt selbst mal auszuprobieren oder sich wenigstens Gedanken darüber zu machen.

Liebe Grüße,

Lea


Flexigane Geschichten aus der Tupperdose

30. März 2016 von BUNDjugend

Joghurtsehnsucht

Als kleiner Rückblick: Vegan war mein Vorhaben. Ostern liegt ein paar Tage zurück und ich möchte heute noch einmal auf meine Klimafastenzeit zurückblicken, mit der vorab bekannt gegebenen Zusammenfassung: Das Ganze war um Längen schwieriger als gedacht, ich war so semi-konsequent.

Die Bäcker-Brötchen-Mission: Meine Augen blitzten erfreut auf, als ich bei Denns entdeckte, dass dort alle Gebäckköstlichkeiten gekennzeichnet werden, wenn Tierprodukte enthalten sind. Doch ansonsten hieß es bei den meisten Bäckern spekulieren. Und da ich auch nicht jedesmal nachfragen mochte, bin ich auf die einfachste Variante umgestiegen: Ich hab mir an so manchen Tagen schicke Brötchen selber gebacken – ein grandioses Rezept!

Brotaufstrich-Gespräche: Totalen Spaß gemacht hat es, Neues für oben drauf aufs Brötchen auszuprobieren. So bekam ich an einem Wochenende Besuch von meiner alten Mitbewohnerin und wir haben uns bei leckerstem Morgenfrühstück mit meinem geliebten Paprika-Hummus und Auberginen-Antipasti über dies und das unterhalten.

Genau hinschauen: Die Nutzung riesiger Landflächen, der hohe Wasserverbrauch und das Ausmaß der Treibhausgasemissionen – ich habe mich insbesondere auf die Suche nach den Umweltauswirkungen der Tierproduktion begeben. Eine Vielzahl an Argumenten bestärkt die vegane Lebensweise. Dennoch, dass „vegan“ derzeit boomt, ist auch an so manchen Stellen mit Vorsicht zu betrachten. So schlendere ich am Kühlregal entlang und entdecke: Neu – Die Rügenwalder Mühle bietet vegane Mühlen Hamburger an“. Ein bisschen gruselig schon, wenn Fleischkonzerne den Trend für sich entdecken und mit ihm hoch industriell aufwendig verarbeitete Produkte vermarkten.

Monkeys

Gerettet geht in Ordnung?: Das erste Mal schwächeln lassen, hat mich meine Foodsharing-Abholung – Neben Unmengen an Gemüse und Obst gabs eben auch leckersten Naturjoghurt und Milch. In meinem Kopf schwebte „Das ist was anderes“ und schon hatte ichs stibitzt und mitgenommen. An sich voll in Ordnung, nur schlenderte durch meinen Kopf im Nachhinein „Du warst nicht konsequent“, was in den folgenden Wochen auch ab zu meinem Gewissen legitimierte, mal da einen Kaffee mit Milch zu trinken und da Feta über meinen Auflauf zu streuen. Zusammenfassend habe ich dann doch viel zu viele von Lauras Vegetarisch-Gutscheinen verbraucht.

Ausblick: Ich nehme viele spannende Rezepte in meinen Alltag und weiß nun, wo ich den leckersten Soja-Cappuccino genießen kann. Während meiner Klimafastenzeit ist mir jedoch besonders aufgefallen, wie sehr mich die Einteilung „vegan, vegetarisch, allesessend“ stört. Denn jemand, der angenommen sich an 28 Tagen im Monat ohne tierische Produkte ernährt, jedoch an zwei Tagen im Monat ein Stück Fleisch ist, derjenige wäre weder Veganer noch Vegetarier, besäße jedoch einen weitaus nachhaltigeren Ernährungsstil als so manch anderer. Es gibt einfach nicht nur drei Cluster, die Übergänge sind auch hier fließend. So werde auch ich, um wieder mit Lauras Worten zu schließen, Flexiganer bleiben: vegan & ab und zu vegetarisch ist einfach eine allzu schicke Kombination. Schade dennoch, dass ich für diesen kleinen Zeitraum mein Vorhaben nicht durchgehalten habe

Ganz ganz liebe Grüße,
Vera


Ich hab ja nix gegen Smartphones, aber…

29. März 2016 von BUNDjugend

… so richtig angenehm finde ich es nicht, wenn ich mich mit Menschen treffe und diese lieber auf ihr Smartphone gucken anstatt in mein Gesicht. Ok, gibt bestimmt Schönere, aber ein Bildschirm?!
Tatsächlich habe ich mich an Ostern auch dabei ertappt, mein Smartphone hat aber auch mit allen Mitteln um meine Aufmerksamkeit gekämpft und Omas Mülltrenn-Geschichte kenne ich wirklich schon auswendig!

Nach wenigen Stunden habe ich mich dann doch wieder für ein weniger smartes Handy entschieden. Zugegeben: Ich bin ab jetzt nicht mehr komplett ohne Internet unterwegs, mit Geduld und in schlechter Qualität kann mein Tastentelefon überall auf das gesammelte Wissen des 21. Jahrhunderts zugreifen. Nervt aber, mache ich also eher im Niemand-kennt-die-Straße-mit-K.,-deren-Namen-ich-vergessen-habe oder im Danke-Deutsche-Bahn,-ich wollte-heute-noch-ankommen-Fall.

Abschluss_Leonie

Ich glaube ich habe es aus der Online-Sucht geschafft. Vom gestressten „Hilfe, wie gehen 6 Wochen ohne WhatsApp, DB-App, Youtube und Google-Maps?“-Smombie zum entspannten Realitätsfan in dieser Fastenzeit. Erstmal möchte ich kein Smartphone mehr haben, ein gebrauchtes mit Tasten ist billiger, klimafreundlicher, wird nicht geklaut, kann notfalls als Wurfgeschoss genutzt werden, geht nicht kaputt und der Akku hält ewig.

Ich möchte keine Zeit mehr „sparen“, indem ich meine tägliche Bahnfahrt zum Mails beantworten nutze. Ich möchte aus dem Fenster gucken, Leute beobachten, mit fremden Menschen quatschen, mich langweilen und nachdenken. Denn „Zeit ist Leben. Und das Leben wohnt im Herzen. Je mehr die Menschen daran sparen, desto fremder werden sie sich selbst.“ (Michael Ende – Momo)

Probiert es aus: einfach mal abschalten, Smartphone, Fernseher und Co. Urlaub gönnen, den alten Discman, ein paar Bücher und vorallem Freunde rauskramen und entspannen.
Leonie


Wahre Held*innen in Paris

8. Dezember 2015 von BUNDjugend

 

Bei der Klimakonferenz kommen Menschen aus aller Welt zusammen. Manche verhandeln über den tatsächlichen Vertragstext, streiten über Inhalte oder Formulierungen. Andere – wie wir zum Beispiel – versuchen, mit kreativen und medienwirksamen Aktionen Druck auf die Politiker*innen auszuüben. Und wieder andere sind hier, um von ihren eigenen Erfahrungen zu berichten, ihre Stimme zu erheben und für ihre Rechte zu kämpfen.

Eine von ihnen ist Lourdes Huanca aus Peru – Gründerin und Präsidentin von FEMUCARINAP, einem Verband, in dem sich indigene Frauen, Kleinbäuerinnen und Arbeiterinnen zusammengeschlossen haben, um für ihre Rechte zu kämpfen.

Wir trafen Lourdes auf einer Veranstaltung, bei der die Strategien der indigenen Bevölkerung Perus für die Anpassung an den Klimawandel vorgestellt wurden. Wir hörten den Präsident*innen mehrerer indigener Organisationen beeindruckt zu, als sie von ihren Erfahrungen im Kampf um Landrechte, Partizipation und den Schutz ihrer Umwelt berichteten. In Paris treten sie für die Rechte indigener Völker ein. Sie wollen zeigen, dass sie nicht einfach die armen Opfer des Klimawandels sind, sondern Lösungen und Anpassungsstrategien vorzuweisen haben; dass sie die Natur, in der sie leben, seit Jahrhunderten kennen und schützen und dass sie in diesem Prozess nicht übergangen werden dürfen.

Bujugruppe_Lourdes

Miteinander, nicht übereinander reden

Ein Schwerpunktthema der BUNDjugend ist Klimagerechtigkeit. Es ist uns ein Anliegen, mit den Menschen aus Ländern des Globalen Südens Solidarität zu zeigen. Wir wissen, dass die Länder des Globalen Nordens, insbesondere die EU, die USA und Russland, für über 75% 1 der Treibhausgasemissionen und damit maßgeblich für den Klimawandel verantwortlich sind, aber andere Länder viel stärker unter den Auswirkungen leiden. Wir reflektieren unsere eigenen Privilegien; wir erkennen, in welcher Weise der Globale Norden durch den Kolonialismus, die Industrialisierung und die Lebensstile der Menschen dafür verantwortlich ist, dass globale Ungleichheit und Ungerechtigkeit fortbestehen kann. Wir wollen diese Ungerechtigkeit ins Bewusstsein rufen und für die besonders vom Klimawandel betroffenen Menschen eintreten.

Aber viel zu oft tun wir das, ohne mit diesen Menschen in Kontakt gekommen zu sein. Häufig sprechen wir über sie, ohne sie zu kennen. Im Grunde wissen wir kaum etwas über ihre Lebensumstände, wie auch? Schließlich hat nicht jede*r von uns die Möglichkeit, in den Globalen Süden zu reisen und tatsächlich mit den Menschen vor Ort zu sprechen.

Daher wollten wir diese Gelegenheit nutzen und mehr Mitgliedern unserer Gruppe den Kontakt ermöglichen. So entstand ein zweites Treffen mit Lourdes in der „Green Zone“ – dem Bereich des Konferenzgeländes, den auch Personen ohne Akkreditierung betreten dürfen.

Lourdes erzählte uns davon, wie sie gegen den Willen ihres Mannes vor neun Jahren FEMUCARINAP aufbaute. Ursprünglich war sie in einer anderen Organisation aktiv gewesen, stellte aber bald fest, dass Frauen dort unsichtbar gemacht werden. Die Aufgaben der indigenen Frauen in Peru, berichtete Lourdes, waren klar definiert: Hausarbeit, Feldarbeit und Kinderbetreuung. Viele Frauen arbeiteten hart und erlebten dabei weder Wertschätzung noch Respekt. Ihre Partizipation war nicht erwünscht, Männer führten die Organisationen an. Auch Gewalt gegen Frauen war ein Problem.

So beschloss Lourdes, dass sich zuerst die Situation der Frauen ändern muss: 2006 gründete sie FEMUCARINAP und machte sich damit ziemlich unbeliebt. Vom Staat wurde sie als terroristisch und gewalttätig gebrandmarkt, ihr Mann stellte sie vor die Wahl zwischen der Organisation und ihm – es erfolgten sogar Angriffe auf ihre Kinder. Lourdes hörte nicht auf zu kämpfen. Heute zählt die Organisation 126 000 Frauen in 16 Regionen Perus.

Der Kampf muss immer weiter gehen

In ihren Anliegen, sagte Lourdes, habe sie viele Überschneidungen mit Feministinnen. Ihr geht es um Respekt – auch, was die Sexualität angeht. Sie erzählte uns, dass der weibliche Orgasmus in ihren Gemeinschaften immer noch tabuisiert wird und dass Frauen von ihren Männern häufig sexuell ausgenutzt würden. Auch das ist einer der Arbeitsbereiche von FEMUCARINAP: Sie sprechen diese Themen an, organisieren Workshops und heißen auch Männer in ihren Veranstaltungen willkommen. Nur Führungspositionen dürfen diese nicht übernehmen – die sind ausschließlich weiblich besetzt.

Weitere Themen, für die Lourdes und die Mitglieder*innen ihrer Organisation kämpfen, sind Ernährungssouveränität und die ökonomische Eigenständigkeit von Frauen. Sie stellen sich Konzernen in den Weg, die für Umweltzerstörung und Ressourcenausbeutung verantwortlich sind, und kämpfen für einen gesicherten Zugang zu Land und Wasser. Sie setzen sich für den Erhalt von indigenem Wissen und für einen schonenden Umgang mit der Natur ein, der auf indigenen Nutzungsweisen basiert. Für all diese Themen engagieren sie sich auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene.

Lourdes hat nicht nur viel zu erzählen, sie ist auch eine Frau von unglaublicher Stärke und Präsenz. Sie selbst ist ein gutes Beispiel für das, was sie sagt: „No somos pobrecitas!“ Sie sind keine Opfer, keine armen Menschen, denen geholfen werden muss oder die Mitleid verdienen. Sie können ganz gut für sich selbst stehen. Was sie brauchen, seien Rechte und Autonomie: Landrechte, ökonomische Unabhängigkeit und das Recht auf den eigenen Körper.

BujuParis_christmas

Und was können wir tun?

Wir haben Lourdes auch gefragt, wie wir unsere Solidarität zeigen können. Eine Möglichkeit sei die direkte Unterstützung der Organisation – finanziell oder vor Ort, wo in Kürze eine Universität indigener Völker gegründet werden soll. Wir sind herzlich eingeladen, sie zu besuchen, mitzuhelfen, von ihnen zu lernen und das Wissen weiterzutragen.

Darüber hinaus sind sie auch offen für unsere Ideen. Vielleicht stehen sie irgendwann vor einer Herausforderung, bei der wir sie durch Druck auf europäische Politiker*innen und Medien unterstützen können? Auf alle Fälle werden wir versuchen, in Kontakt zu bleiben. Denn um Teil einer internationalen Klimagerechtigkeitsbewegung zu sein, müssen wir uns mit Menschen auf der ganzen Welt vernetzen und ihnen zuhören – um ihre Perspektive kennenzulernen.

Und was die Zeit hier in Paris angeht: Es steht immer noch auf Messers Schneide, ob Menschenrechte und die Rechte indigener Völker im Abkommen verankert werden. Am Donnerstag (10.12.) ist Human’s Rights Day. Es werden Aktionen stattfinden und wir werden dabei sein.

 

(1 Kumulierte energiebedingte CO2-Emissionen zwischen 1900 – 1999; Quelle: Germanwatch (2010): Globaler Klimawandel. Ursachen, Folgen, Handlungsmöglichkeiten. Berlin: S. 42.)


Treffen mit Entwicklungsminister Müller

4. Dezember 2015 von BUNDjugend

Es ist für uns alle von der BUNDjugend das erste Mal, dass wir für eine Klimakonferenz akkreditiert sind. Daher konnten wir uns noch nicht genau vorstellen, was uns hinter den Security-Checks erwarten würde. Inzwischen haben wir eine grobe Vorstellung davon – einen wirklich guten Überblick allerdings immer noch nicht ;-)

Kurz gesagt: Die COP ist groß, es gibt verschiedene Hallen, in denen sich Verhandlungssäle, Stände von Organisationen, Meetingräume, Bistros oder Medienpools befinden.

Natürlich gäbe es tausend Dinge zu tun, aber für uns begann die COP erstmal mit Vernetzung und Aktionsplanung. Das ist unser primäres Ziel: Wir wollen gemeinsam mit anderen Jugendlichen eine globale Bewegung für Klimagerechtigkeit darstellen. Um dieses Vorhaben gleich mit Leben zu füllen, sollte schon am Dienstag unsere erste Aktion stattfinden: Schließlich fand zu Beginn der Konferenz das Treffen der Staats- und Regierungschef*innen statt. Der perfekte Anlass, um unsere Stimme für Klimagerechtigkeit zu erheben!

Also planten wir montags gemeinsam mit Aktiven von Earth in Brackets und TierrActiva eine Aktion für den nächsten Tag. Ein großer Unterschied zu sonstigen Aktionsplanungen: Hier muss die Aktion 24 Stunden vorher angemeldet und dann erst bestätigt werden. Als der grobe Plan stand, brachen manche zum „Art Space“ außerhalb des COP-Geländes auf, um Banner zu malen und die restlichen Materialien vorzubereiten. Auf der Klimakonferenz muss das schnell gehen – wir versuchen, auf den aktuellen Stand der Verhandlungen und auf besondere Ereignisse zu reagieren, daher sind viele Aktionen sehr spontan.

Gespraech_Müller

Am Montagnachmittag hatten wir jedoch noch einen weiteren Termin: Wir trafen, gemeinsam mit deutschen Jugendlichen anderer Verbände, den Bundesentwicklungsminister Gerd Müller. Vor dem Gespräch warf auch die Umweltministerin Barbara Hendricks einen Blick in den Raum, um uns kurz Hallo zu sagen.

Dann hatten wir eine halbe Stunde, um dem Minister Fragen zu stellen und unsere Forderungen vorzubringen. Besonders wichtig sind uns natürlich Fragen der Klimagerechtigkeit: Wird „Loss & Damage“, also der Umgang mit Schäden und Verlusten durch den Klimawandel, als eigene Säule im Abkommen verankert werden, wie es besonders verwundbare Staaten fordern? Wie können Absicherungsmechanismen für Menschen geschaffen werden, die durch den Klimawandel ihre Lebensgrundlage verlieren und ihre Heimat verlassen müssen? Und wo sollen die Gelder für den Green Climate Fund herkommen?

Wir forderten ihn auf, sich dafür einzusetzen, dass Menschenrechte, Generationengerechtigkeit und Loss & Damage nicht nur pro Forma im Vertrag erwähnt werden, sondern so verbindlich wie möglich festgeschrieben werden.

Ob das Gespräch mehr als ein schönes Foto zum Ergebnis haben wird, bleibt abzuwarten.


Die UN-Klimakonferenz 2015 beginnt!

2. Dezember 2015 von BUNDjugend

Nach vielen Monaten intensiver Vorbereitung und Mobilisierung hat gestern die 21. UN-Klimaverhandlung in Paris begonnen. Auch für die Aktiven der BUNDjugend vor Ort beginnen damit zwei spannende, spaßige und anstrengende Wochen.

Das ist die BUNDjugend-Delegation

Über die zwei Wochen der Klimaverhandlungen sind acht BUNDjugend Aktive hier in Paris. Andi (Mitglied im BUNDjugend Bundesvorstand) und Romina sind für beide Wochen akkreditiert. Maria ist für die erste Woche akkreditiert und wird die Verhandlungen den Rest der Zeit von außen beobachten. Toril (Steering Group Mitglied von Yound Friends of the Earth Europe) hat zwar keine Akkreditierung, dafür bereitet sie Aktionen vor und organisiert die Logistik für die YFoEE-Delegation. Alle vier wohnen gemeinsam mit den anderen YFoEE-Aktivisten in einem Hostel im Pariser Nordosten. Hier finden täglich Meetings, Briefings und Aktionsvorbereitungen statt. Außerdem haben wir die Möglichkeit an unterschiedlichen Orten unsere Treffen und Vorbereitungen stattfinden zu lassen. Wir werden euch mit Updates aus den verschiedenen Bereichen die nächsten zwei Wochen auf dem Laufenden halten.

Jede Aktion zählt!

… um zu zeigen, dass wir mir mit dem Verlauf der Verhandlungen keineswegs einverstanden sind. Deswegen hat YFoEE schon am ersten Tag der COP21 ein deutliches Zeichen an die Staats- und Regierungschef*innen gesendet, die sich am Montag und Dienstag in Paris trafen. Sie verfehlen in ihren Verhandlungen die Ziele von Klimagerechtigkeit und steuern weiterhin auf eine wachsende Ungleichheit zwischen den reichen und armen Staaten zu. Das hat YFoEE gemeinsam mit andere Jugendlichen aus der Klimagerechtigkeitsbewegung heute auch nochmals direkt im Konferenzzentrum mit einer kreativen Aktion gezeigt. The COP21 is a rigged game for rich countries!, lautet der Bannerspruch und mit der parallel stattfindenden Aktion außerhalb des Verhandlungsgeländes wird deutlich wie groß die Ungleichheit zwischen dem Globalen Süden und Globalen Norden ist.

cop_is_a_rigged_game

So findet hier in Paris fast jeden Tag eine Aktion statt. Vor und nach der Aktion heißt es: Aktionsmaterialien vorbereiten, Öffentlichkeitsarbeit vorbereiten, Sprüche überlegen und andere Jugendliche einladen. Im Anschluss werden die Fotos und Beiträge auf allen Kanälen geteilt und verbreitet.

Wie könnt ihr die Klimaverhandlungen verfolgen?

north_america_europeZum einen könnt ihr euch über die YFoEE Homepage auf dem Laufenden halten. Dort werden politische Updates und die Aktionen täglich hochgeladen. Die Fotos der YFoEE Aktionen könnt ihr auch im YFoEE Flickr-Album finden. Eine sehr gute Quelle, um das Geschehen rund um die COP21 zu verfolgen, ist Storify. Hier findet ihr eine tägliche und umfassende Zusammenstellung aller Geschehnisse. YFoEE hat im Vorlauf der Klimaverhandlungen eine Myth-BusterSerie erstellt, die ihr auf jeden Fall lesen solltet! Der letzte Myth-Buster zum Beispiel stellt klar, dass der Klimawandel nicht nur ein Umweltthema ist. Um mehr dazurüber zu erfahren, schaut hier vorbei. Folgt auf jeden Fall auch den BUNDjugend Blog, denn hier werden wir regemäßige Eindrücke mit euch teilen. Und natürlich gibt es Updates über die üblichen BUNDjugend-Kanäle Facebook und Twitter. Persönliche Eindrücke von Toril und Andi bekommt ihr über ihre privaten Accounts.