BUNDjugend Blog - ... und jetzt noch die Erde retten!

Endlich mal gemacht, mit größerem Impact als gedacht!

1. April 2016 von BUNDjugend

Vegan essen fühlt sich großartig an, heißt aber Widerstand: Man muss sich öfter erklären, entschuldigen oder Angeboten entsagen. Widerstand gegen ein System, das nur auf egoistischem Genuss aufbaut. Menschen essen Fleisch aus Genuss oder weil man es halt schon immer tut. Andere stichhaltige Argumente fallen mir nicht dafür ein. Für mich sind das aber unverhältnismäßige Argumente, verglichen mit dem ganzen bei Tierzucht, -haltung und -schlachtung erzeugten Leid. Auch auf andere tierische Produkte kann ich deswegen getrost verzichten.

Engel Klimafasten

Werbung als Antrieb

Die Täuschungen durch Werbung sind ein wichtiger Antrieb für Fleisch- oder Tierkonsum. An einer sauberen, glänzenden, weißen Fleischtheke spürt man nicht die Enge, den Stress, die Verletzungen und das sonstige Elend im Stall. Ein rotes, „gesundes“, „appetitliches“ Steak wird nicht mit den Abzessen, der geschundenen Haut, den verdreckten Spaltböden und der medikamentösen Behandlung der Tiere in Verbindung gebracht. Ebenso ist es in einem Modegeschäft, dessen edler, seriöser, verführerischer Auftritt und transportierter Lifestyle im Kopf und im Gefühl einfach nicht zur elendigen Pelz- und Lederproduktion und abgezogenen, lebenden Tieren passen will. Ebenso ist es mit einem Liter frischer Milch usw.

Konsum ist Verantwortung

Wenn die Verblendung und Entkopplung der Werbung, Industrie und des Einzelhandels nicht zum völligen Desinteresse und Ignoranz der Tierhaltung etc. führen, sondern die Konsumierenden sich aufklären, greifen vorerst andere psychologische Abwehrmechanismen, denke ich. Man weiß zwar von den Bedingungen, aber man fühlt nicht, wie sich so ein Tier in Massentierhaltung fühlen muss. Die Empathie wird verdrängt.

Man denkt, dass radikale Bilder von Tierrechtler*innen produziert wurden, um zu schockieren. „Diese extremen Beispiele sind sicher nur Einzelfälle. Mein Leder- und mein Fleisch- und mein Zirkustier wurden sicherlich gut behandelt,“ wird der Industrie und dem Einzelhandel gegenüber gutgläubig gedacht. Oder man kritisiert die Darstellungsform (zum Beispiel den Aufbau eines Schlachthof-Videos) anstatt sich mit dem gezeigten Leid auseinander zu setzen – auch aus Schutz vor der schnell erkennbaren Einsicht: Dieses Problem ist zu groß für eine einzelne Person.

Unser Gehirn wehrt sich gegen die individuelle Verantwortung und will an gängigen Verhaltensweisen festhalten. Dann denkt man: „Die Politik müsste was machen!“ Dabei ist neben politischer Wirksamkeit (die man auch selbst erzeugen muss!) das eigene Konsumumfeld ein wichtiger Wirkhebel. Und den möchte ich niemals unterschätzt hören.

Mehr als nur „gut für’s Klima“

Mein Klimafasten-Experiment ist nicht auf sechs Wochen begrenzt. Es schlägt unerwartet größere Wellen. Mitmenschen haben erstmals über Veganismus erfahren, haben ihre eigenen Essgewohnheiten teilweise spontan – wenn auch für kurz – umgestellt, haben sich lautstark und mehrmals darüber unterhalten. Und ich habe mich daran erinnert, wie wichtig mir die Gerechtigkeit unseren Mitlebewesen gegenüber ist. Wie eklig und überflüssig ich Schmerz und Unterdrückung finde. Und dass ich bereit bin, dafür auf die Straße zu gehen.

Um das Schund-System von Speziesismus und seiner Industrialisierung von Leben und Tod, Karnismus und seinen Heucheleien und Rassismus und seinen Genoziden zu bekämpfen. Dafür muss man sich immer wieder die Missstände, die Entkopplungsstrategien und die Ungerechtigkeit bewusst machen.

Eine Frage hätte ich da aber noch. Gerade bei Tieren, die ein mir ähnliches Nervensystem haben, die den gleichen Schmerz fühlen, wie ich es täte, fällt es mir leicht, sie zu schützen. Auch alle anderen Tiere kann ich leicht schützen, da sie kulturell bedingt eh nicht auf meinem Teller landen würden (z.B. Insekten, Weichtiere oder Meeresfrüchte).

Wenn ich nun aber die Grenze bei Pflanzen ziehe, ist es auch eine Form von Speziesismus. Bei Pflanzen weiß die Wissenschaft zurzeit zumindest, dass sie miteinander kommunizieren und interagieren können. Soll ich dann vermuten, dass ihnen bei Zucht, Haltung und Ernte auch Schmerzen zugefügt werden? Kann ich als empathischer Mensch dann das Leid von Pflanzen für meine Ernährung in Kauf nehmen?

Laura


Die Fastenzeit ist vorbei und jetzt?

31. März 2016 von BUNDjugend

Wieder alles wie vorher?

Bei mir keineswegs. Der Umstieg auf eine vegane Ernährungsweise ist mir glücklicherweise nicht sehr schwer gefallen. Am Anfang war es noch etwas anstrengend auf alles zu achten, was in den ganzen verschiedenen Lebensmitteln steckt. Manchmal hat man es auch einfach kurz vergessen, dass man nicht von dem Stück Kuchen probieren sollte, in dem wahrscheinlich ein Haufen Eier, Milch und Butter verbacken wurde. Doch die Umstellungszeit war bei mir relativ kurz und schnell hatte ich viele neue Gerichte ausprobiert und nachgekocht, die jetzt zu meinen Standard-Gerichten gehören. Gewohnheiten abzulegen und sich neue anzuschaffen, dauert meistens zwei Wochen und so war es bei mir ebenfalls.

Wertvolle Starthilfe

Was mir am Anfang sehr geholfen hat, war das veganstart-Programm von Deutschlands größter Tierrechtsorganisation Peta. Das kann ich wirklich jedem empfehlen, der mal einen Monat vegan leben ausprobieren möchte und dabei etwas Unterstützung braucht. Sei es, um erinnert zu werden, Rezept-Ideen zu bekommen oder Informationen zu einer gesunden Ernährungsumstellung zu erhalten.

Man kann auf der Internetseite veganstart.de einfach seine E-Mail-Adresse angeben und dann bekommt man kostenlos einen Monat lang jeden Tag eine E-Mail von einer Ernährungswissenschaftlerin mit praktischen Tipps und Informationen über die vegane Ernährung. Nach den 30 Tagen wird man nicht weiter zugespamt und man bekommt auch keine Werbung für irgendwelches Geldausgeben-Zeugs oder ähnliches. Einfach klasse!

V oder nicht V?

Ich finde ein abschließendes Fazit nun doch irgendwie ziemlich schwierig zu formulieren. Der Abschluss-Blogeintrag von Vera hat mir sehr gut gefallen und geholfen, mein Fazit zu ziehen. Ihren Kommentar über die strikte Einteilung zwischen vegan, vegetarisch, allesessend, vielleicht auch noch pescetarisch oder paelo („Steinzeitfutter“) kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich teile diese Meinung, weil durch die strikten Einteilungen unsichtbare Grenzen gezogen werden, mit denen man andere Menschen oder sich selbst abgrenzt. Diese unterschwellige Feindseligkeit gegenüber der jeweilig anderen „Ernährungsgruppe“ fördert den Trotz, bei seiner eigenen Meinung zu bleiben und darauf zu beharren, dass das, was man selbst tut, das Beste und einzig Richtige ist.

Ich freue mich immer, wenn ich von jemandem höre, dass er vegan lebt oder Vegetarier ist. Aber ich denke es gibt genug Menschen, die bei dem V-Wort direkt dicht machen und überhaupt nichts davon hören wollen, weil es ihnen so auf die Nerven geht. Dabei sollte es doch möglich sein, eine so gute Sache besser an den Mann/die Frau bringen zu können. Ich glaube, es wäre einfacher, wenn diese strikten Grenzen zur Einteilung der Ernährungsgruppen nicht so explizit gezogen werden würden. Es muss doch nicht die 100% pflanzliche Ernährungsweise sein, aber es wäre schon mal ein Anfang, sich an die 70% oder ähnliches anzunähern.

Was habe ich geschafft?

Deswegen hier meine Fakten: Ich habe in den 40 Tagen #Klimafasten um die 17 Tiere vor dem Tod bewahrt (der Durchschnittsdeutsche verzehrt ca. 150 Tiere im Jahr). Pro Minute werden 35 Fußballfelder gerodet für Anbauflächen und 90% des weltweit angebauten Sojas, 50% des Getreides, 40% der gefangenen Fische werden an Nutztiere verfüttert, während 1 Milliarde Menschen an Hunger leiden. 51 % der weltweiten Treibhausgase werden durch die Haltung von Nutztieren verursacht – das ist mehr als der weltweite Verkehr zusammen.

Es gibt noch so viele andere Fakten, die viele überhaupt nicht hören möchten, aber mir sind sie nach der Fastenzeit noch immer bewusst und deswegen werde ich mich von der 100% pflanzlichen Ernährung nicht all zu weit entfernen. Ich werde aber sicherlich nicht die Grenze um mich ziehen und sagen, dass ich zu dieser einen Gruppe gehöre, die mit V anfängt und allen anderen ein schlechtes Gewissen bereitet, die nicht dazugehören. Das ist überspitzt gesagt, weil es nicht wirklich so ist. Jedoch denken viele nicht „V-Esser“ so und blocken aus Trotz die Meinung von der pflanzlichen Ernährungsweise ab.

Ich hoffe alle Leser/innen nehmen aus den vielen unterschiedlichen Blockeinträgen etwas mit und konnten gestärkt werden, das ein oder andere Klima-Projekt selbst mal auszuprobieren oder sich wenigstens Gedanken darüber zu machen.

Liebe Grüße,

Lea


Flexigane Geschichten aus der Tupperdose

30. März 2016 von BUNDjugend

Joghurtsehnsucht

Als kleiner Rückblick: Vegan war mein Vorhaben. Ostern liegt ein paar Tage zurück und ich möchte heute noch einmal auf meine Klimafastenzeit zurückblicken, mit der vorab bekannt gegebenen Zusammenfassung: Das Ganze war um Längen schwieriger als gedacht, ich war so semi-konsequent.

Die Bäcker-Brötchen-Mission: Meine Augen blitzten erfreut auf, als ich bei Denns entdeckte, dass dort alle Gebäckköstlichkeiten gekennzeichnet werden, wenn Tierprodukte enthalten sind. Doch ansonsten hieß es bei den meisten Bäckern spekulieren. Und da ich auch nicht jedesmal nachfragen mochte, bin ich auf die einfachste Variante umgestiegen: Ich hab mir an so manchen Tagen schicke Brötchen selber gebacken – ein grandioses Rezept!

Brotaufstrich-Gespräche: Totalen Spaß gemacht hat es, Neues für oben drauf aufs Brötchen auszuprobieren. So bekam ich an einem Wochenende Besuch von meiner alten Mitbewohnerin und wir haben uns bei leckerstem Morgenfrühstück mit meinem geliebten Paprika-Hummus und Auberginen-Antipasti über dies und das unterhalten.

Genau hinschauen: Die Nutzung riesiger Landflächen, der hohe Wasserverbrauch und das Ausmaß der Treibhausgasemissionen – ich habe mich insbesondere auf die Suche nach den Umweltauswirkungen der Tierproduktion begeben. Eine Vielzahl an Argumenten bestärkt die vegane Lebensweise. Dennoch, dass „vegan“ derzeit boomt, ist auch an so manchen Stellen mit Vorsicht zu betrachten. So schlendere ich am Kühlregal entlang und entdecke: Neu – Die Rügenwalder Mühle bietet vegane Mühlen Hamburger an“. Ein bisschen gruselig schon, wenn Fleischkonzerne den Trend für sich entdecken und mit ihm hoch industriell aufwendig verarbeitete Produkte vermarkten.

Monkeys

Gerettet geht in Ordnung?: Das erste Mal schwächeln lassen, hat mich meine Foodsharing-Abholung – Neben Unmengen an Gemüse und Obst gabs eben auch leckersten Naturjoghurt und Milch. In meinem Kopf schwebte „Das ist was anderes“ und schon hatte ichs stibitzt und mitgenommen. An sich voll in Ordnung, nur schlenderte durch meinen Kopf im Nachhinein „Du warst nicht konsequent“, was in den folgenden Wochen auch ab zu meinem Gewissen legitimierte, mal da einen Kaffee mit Milch zu trinken und da Feta über meinen Auflauf zu streuen. Zusammenfassend habe ich dann doch viel zu viele von Lauras Vegetarisch-Gutscheinen verbraucht.

Ausblick: Ich nehme viele spannende Rezepte in meinen Alltag und weiß nun, wo ich den leckersten Soja-Cappuccino genießen kann. Während meiner Klimafastenzeit ist mir jedoch besonders aufgefallen, wie sehr mich die Einteilung „vegan, vegetarisch, allesessend“ stört. Denn jemand, der angenommen sich an 28 Tagen im Monat ohne tierische Produkte ernährt, jedoch an zwei Tagen im Monat ein Stück Fleisch ist, derjenige wäre weder Veganer noch Vegetarier, besäße jedoch einen weitaus nachhaltigeren Ernährungsstil als so manch anderer. Es gibt einfach nicht nur drei Cluster, die Übergänge sind auch hier fließend. So werde auch ich, um wieder mit Lauras Worten zu schließen, Flexiganer bleiben: vegan & ab und zu vegetarisch ist einfach eine allzu schicke Kombination. Schade dennoch, dass ich für diesen kleinen Zeitraum mein Vorhaben nicht durchgehalten habe

Ganz ganz liebe Grüße,
Vera


Ich hab ja nix gegen Smartphones, aber…

29. März 2016 von BUNDjugend

… so richtig angenehm finde ich es nicht, wenn ich mich mit Menschen treffe und diese lieber auf ihr Smartphone gucken anstatt in mein Gesicht. Ok, gibt bestimmt Schönere, aber ein Bildschirm?!
Tatsächlich habe ich mich an Ostern auch dabei ertappt, mein Smartphone hat aber auch mit allen Mitteln um meine Aufmerksamkeit gekämpft und Omas Mülltrenn-Geschichte kenne ich wirklich schon auswendig!

Nach wenigen Stunden habe ich mich dann doch wieder für ein weniger smartes Handy entschieden. Zugegeben: Ich bin ab jetzt nicht mehr komplett ohne Internet unterwegs, mit Geduld und in schlechter Qualität kann mein Tastentelefon überall auf das gesammelte Wissen des 21. Jahrhunderts zugreifen. Nervt aber, mache ich also eher im Niemand-kennt-die-Straße-mit-K.,-deren-Namen-ich-vergessen-habe oder im Danke-Deutsche-Bahn,-ich wollte-heute-noch-ankommen-Fall.

Abschluss_Leonie

Ich glaube ich habe es aus der Online-Sucht geschafft. Vom gestressten „Hilfe, wie gehen 6 Wochen ohne WhatsApp, DB-App, Youtube und Google-Maps?“-Smombie zum entspannten Realitätsfan in dieser Fastenzeit. Erstmal möchte ich kein Smartphone mehr haben, ein gebrauchtes mit Tasten ist billiger, klimafreundlicher, wird nicht geklaut, kann notfalls als Wurfgeschoss genutzt werden, geht nicht kaputt und der Akku hält ewig.

Ich möchte keine Zeit mehr „sparen“, indem ich meine tägliche Bahnfahrt zum Mails beantworten nutze. Ich möchte aus dem Fenster gucken, Leute beobachten, mit fremden Menschen quatschen, mich langweilen und nachdenken. Denn „Zeit ist Leben. Und das Leben wohnt im Herzen. Je mehr die Menschen daran sparen, desto fremder werden sie sich selbst.“ (Michael Ende – Momo)

Probiert es aus: einfach mal abschalten, Smartphone, Fernseher und Co. Urlaub gönnen, den alten Discman, ein paar Bücher und vorallem Freunde rauskramen und entspannen.
Leonie


Wahre Held*innen in Paris

8. Dezember 2015 von BUNDjugend

 

Bei der Klimakonferenz kommen Menschen aus aller Welt zusammen. Manche verhandeln über den tatsächlichen Vertragstext, streiten über Inhalte oder Formulierungen. Andere – wie wir zum Beispiel – versuchen, mit kreativen und medienwirksamen Aktionen Druck auf die Politiker*innen auszuüben. Und wieder andere sind hier, um von ihren eigenen Erfahrungen zu berichten, ihre Stimme zu erheben und für ihre Rechte zu kämpfen.

Eine von ihnen ist Lourdes Huanca aus Peru – Gründerin und Präsidentin von FEMUCARINAP, einem Verband, in dem sich indigene Frauen, Kleinbäuerinnen und Arbeiterinnen zusammengeschlossen haben, um für ihre Rechte zu kämpfen.

Wir trafen Lourdes auf einer Veranstaltung, bei der die Strategien der indigenen Bevölkerung Perus für die Anpassung an den Klimawandel vorgestellt wurden. Wir hörten den Präsident*innen mehrerer indigener Organisationen beeindruckt zu, als sie von ihren Erfahrungen im Kampf um Landrechte, Partizipation und den Schutz ihrer Umwelt berichteten. In Paris treten sie für die Rechte indigener Völker ein. Sie wollen zeigen, dass sie nicht einfach die armen Opfer des Klimawandels sind, sondern Lösungen und Anpassungsstrategien vorzuweisen haben; dass sie die Natur, in der sie leben, seit Jahrhunderten kennen und schützen und dass sie in diesem Prozess nicht übergangen werden dürfen.

Bujugruppe_Lourdes

Miteinander, nicht übereinander reden

Ein Schwerpunktthema der BUNDjugend ist Klimagerechtigkeit. Es ist uns ein Anliegen, mit den Menschen aus Ländern des Globalen Südens Solidarität zu zeigen. Wir wissen, dass die Länder des Globalen Nordens, insbesondere die EU, die USA und Russland, für über 75% 1 der Treibhausgasemissionen und damit maßgeblich für den Klimawandel verantwortlich sind, aber andere Länder viel stärker unter den Auswirkungen leiden. Wir reflektieren unsere eigenen Privilegien; wir erkennen, in welcher Weise der Globale Norden durch den Kolonialismus, die Industrialisierung und die Lebensstile der Menschen dafür verantwortlich ist, dass globale Ungleichheit und Ungerechtigkeit fortbestehen kann. Wir wollen diese Ungerechtigkeit ins Bewusstsein rufen und für die besonders vom Klimawandel betroffenen Menschen eintreten.

Aber viel zu oft tun wir das, ohne mit diesen Menschen in Kontakt gekommen zu sein. Häufig sprechen wir über sie, ohne sie zu kennen. Im Grunde wissen wir kaum etwas über ihre Lebensumstände, wie auch? Schließlich hat nicht jede*r von uns die Möglichkeit, in den Globalen Süden zu reisen und tatsächlich mit den Menschen vor Ort zu sprechen.

Daher wollten wir diese Gelegenheit nutzen und mehr Mitgliedern unserer Gruppe den Kontakt ermöglichen. So entstand ein zweites Treffen mit Lourdes in der „Green Zone“ – dem Bereich des Konferenzgeländes, den auch Personen ohne Akkreditierung betreten dürfen.

Lourdes erzählte uns davon, wie sie gegen den Willen ihres Mannes vor neun Jahren FEMUCARINAP aufbaute. Ursprünglich war sie in einer anderen Organisation aktiv gewesen, stellte aber bald fest, dass Frauen dort unsichtbar gemacht werden. Die Aufgaben der indigenen Frauen in Peru, berichtete Lourdes, waren klar definiert: Hausarbeit, Feldarbeit und Kinderbetreuung. Viele Frauen arbeiteten hart und erlebten dabei weder Wertschätzung noch Respekt. Ihre Partizipation war nicht erwünscht, Männer führten die Organisationen an. Auch Gewalt gegen Frauen war ein Problem.

So beschloss Lourdes, dass sich zuerst die Situation der Frauen ändern muss: 2006 gründete sie FEMUCARINAP und machte sich damit ziemlich unbeliebt. Vom Staat wurde sie als terroristisch und gewalttätig gebrandmarkt, ihr Mann stellte sie vor die Wahl zwischen der Organisation und ihm – es erfolgten sogar Angriffe auf ihre Kinder. Lourdes hörte nicht auf zu kämpfen. Heute zählt die Organisation 126 000 Frauen in 16 Regionen Perus.

Der Kampf muss immer weiter gehen

In ihren Anliegen, sagte Lourdes, habe sie viele Überschneidungen mit Feministinnen. Ihr geht es um Respekt – auch, was die Sexualität angeht. Sie erzählte uns, dass der weibliche Orgasmus in ihren Gemeinschaften immer noch tabuisiert wird und dass Frauen von ihren Männern häufig sexuell ausgenutzt würden. Auch das ist einer der Arbeitsbereiche von FEMUCARINAP: Sie sprechen diese Themen an, organisieren Workshops und heißen auch Männer in ihren Veranstaltungen willkommen. Nur Führungspositionen dürfen diese nicht übernehmen – die sind ausschließlich weiblich besetzt.

Weitere Themen, für die Lourdes und die Mitglieder*innen ihrer Organisation kämpfen, sind Ernährungssouveränität und die ökonomische Eigenständigkeit von Frauen. Sie stellen sich Konzernen in den Weg, die für Umweltzerstörung und Ressourcenausbeutung verantwortlich sind, und kämpfen für einen gesicherten Zugang zu Land und Wasser. Sie setzen sich für den Erhalt von indigenem Wissen und für einen schonenden Umgang mit der Natur ein, der auf indigenen Nutzungsweisen basiert. Für all diese Themen engagieren sie sich auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene.

Lourdes hat nicht nur viel zu erzählen, sie ist auch eine Frau von unglaublicher Stärke und Präsenz. Sie selbst ist ein gutes Beispiel für das, was sie sagt: „No somos pobrecitas!“ Sie sind keine Opfer, keine armen Menschen, denen geholfen werden muss oder die Mitleid verdienen. Sie können ganz gut für sich selbst stehen. Was sie brauchen, seien Rechte und Autonomie: Landrechte, ökonomische Unabhängigkeit und das Recht auf den eigenen Körper.

BujuParis_christmas

Und was können wir tun?

Wir haben Lourdes auch gefragt, wie wir unsere Solidarität zeigen können. Eine Möglichkeit sei die direkte Unterstützung der Organisation – finanziell oder vor Ort, wo in Kürze eine Universität indigener Völker gegründet werden soll. Wir sind herzlich eingeladen, sie zu besuchen, mitzuhelfen, von ihnen zu lernen und das Wissen weiterzutragen.

Darüber hinaus sind sie auch offen für unsere Ideen. Vielleicht stehen sie irgendwann vor einer Herausforderung, bei der wir sie durch Druck auf europäische Politiker*innen und Medien unterstützen können? Auf alle Fälle werden wir versuchen, in Kontakt zu bleiben. Denn um Teil einer internationalen Klimagerechtigkeitsbewegung zu sein, müssen wir uns mit Menschen auf der ganzen Welt vernetzen und ihnen zuhören – um ihre Perspektive kennenzulernen.

Und was die Zeit hier in Paris angeht: Es steht immer noch auf Messers Schneide, ob Menschenrechte und die Rechte indigener Völker im Abkommen verankert werden. Am Donnerstag (10.12.) ist Human’s Rights Day. Es werden Aktionen stattfinden und wir werden dabei sein.

 

(1 Kumulierte energiebedingte CO2-Emissionen zwischen 1900 – 1999; Quelle: Germanwatch (2010): Globaler Klimawandel. Ursachen, Folgen, Handlungsmöglichkeiten. Berlin: S. 42.)


Treffen mit Entwicklungsminister Müller

4. Dezember 2015 von BUNDjugend

Es ist für uns alle von der BUNDjugend das erste Mal, dass wir für eine Klimakonferenz akkreditiert sind. Daher konnten wir uns noch nicht genau vorstellen, was uns hinter den Security-Checks erwarten würde. Inzwischen haben wir eine grobe Vorstellung davon – einen wirklich guten Überblick allerdings immer noch nicht ;-)

Kurz gesagt: Die COP ist groß, es gibt verschiedene Hallen, in denen sich Verhandlungssäle, Stände von Organisationen, Meetingräume, Bistros oder Medienpools befinden.

Natürlich gäbe es tausend Dinge zu tun, aber für uns begann die COP erstmal mit Vernetzung und Aktionsplanung. Das ist unser primäres Ziel: Wir wollen gemeinsam mit anderen Jugendlichen eine globale Bewegung für Klimagerechtigkeit darstellen. Um dieses Vorhaben gleich mit Leben zu füllen, sollte schon am Dienstag unsere erste Aktion stattfinden: Schließlich fand zu Beginn der Konferenz das Treffen der Staats- und Regierungschef*innen statt. Der perfekte Anlass, um unsere Stimme für Klimagerechtigkeit zu erheben!

Also planten wir montags gemeinsam mit Aktiven von Earth in Brackets und TierrActiva eine Aktion für den nächsten Tag. Ein großer Unterschied zu sonstigen Aktionsplanungen: Hier muss die Aktion 24 Stunden vorher angemeldet und dann erst bestätigt werden. Als der grobe Plan stand, brachen manche zum „Art Space“ außerhalb des COP-Geländes auf, um Banner zu malen und die restlichen Materialien vorzubereiten. Auf der Klimakonferenz muss das schnell gehen – wir versuchen, auf den aktuellen Stand der Verhandlungen und auf besondere Ereignisse zu reagieren, daher sind viele Aktionen sehr spontan.

Gespraech_Müller

Am Montagnachmittag hatten wir jedoch noch einen weiteren Termin: Wir trafen, gemeinsam mit deutschen Jugendlichen anderer Verbände, den Bundesentwicklungsminister Gerd Müller. Vor dem Gespräch warf auch die Umweltministerin Barbara Hendricks einen Blick in den Raum, um uns kurz Hallo zu sagen.

Dann hatten wir eine halbe Stunde, um dem Minister Fragen zu stellen und unsere Forderungen vorzubringen. Besonders wichtig sind uns natürlich Fragen der Klimagerechtigkeit: Wird „Loss & Damage“, also der Umgang mit Schäden und Verlusten durch den Klimawandel, als eigene Säule im Abkommen verankert werden, wie es besonders verwundbare Staaten fordern? Wie können Absicherungsmechanismen für Menschen geschaffen werden, die durch den Klimawandel ihre Lebensgrundlage verlieren und ihre Heimat verlassen müssen? Und wo sollen die Gelder für den Green Climate Fund herkommen?

Wir forderten ihn auf, sich dafür einzusetzen, dass Menschenrechte, Generationengerechtigkeit und Loss & Damage nicht nur pro Forma im Vertrag erwähnt werden, sondern so verbindlich wie möglich festgeschrieben werden.

Ob das Gespräch mehr als ein schönes Foto zum Ergebnis haben wird, bleibt abzuwarten.


Die UN-Klimakonferenz 2015 beginnt!

2. Dezember 2015 von BUNDjugend

Nach vielen Monaten intensiver Vorbereitung und Mobilisierung hat gestern die 21. UN-Klimaverhandlung in Paris begonnen. Auch für die Aktiven der BUNDjugend vor Ort beginnen damit zwei spannende, spaßige und anstrengende Wochen.

Das ist die BUNDjugend-Delegation

Über die zwei Wochen der Klimaverhandlungen sind acht BUNDjugend Aktive hier in Paris. Andi (Mitglied im BUNDjugend Bundesvorstand) und Romina sind für beide Wochen akkreditiert. Maria ist für die erste Woche akkreditiert und wird die Verhandlungen den Rest der Zeit von außen beobachten. Toril (Steering Group Mitglied von Yound Friends of the Earth Europe) hat zwar keine Akkreditierung, dafür bereitet sie Aktionen vor und organisiert die Logistik für die YFoEE-Delegation. Alle vier wohnen gemeinsam mit den anderen YFoEE-Aktivisten in einem Hostel im Pariser Nordosten. Hier finden täglich Meetings, Briefings und Aktionsvorbereitungen statt. Außerdem haben wir die Möglichkeit an unterschiedlichen Orten unsere Treffen und Vorbereitungen stattfinden zu lassen. Wir werden euch mit Updates aus den verschiedenen Bereichen die nächsten zwei Wochen auf dem Laufenden halten.

Jede Aktion zählt!

… um zu zeigen, dass wir mir mit dem Verlauf der Verhandlungen keineswegs einverstanden sind. Deswegen hat YFoEE schon am ersten Tag der COP21 ein deutliches Zeichen an die Staats- und Regierungschef*innen gesendet, die sich am Montag und Dienstag in Paris trafen. Sie verfehlen in ihren Verhandlungen die Ziele von Klimagerechtigkeit und steuern weiterhin auf eine wachsende Ungleichheit zwischen den reichen und armen Staaten zu. Das hat YFoEE gemeinsam mit andere Jugendlichen aus der Klimagerechtigkeitsbewegung heute auch nochmals direkt im Konferenzzentrum mit einer kreativen Aktion gezeigt. The COP21 is a rigged game for rich countries!, lautet der Bannerspruch und mit der parallel stattfindenden Aktion außerhalb des Verhandlungsgeländes wird deutlich wie groß die Ungleichheit zwischen dem Globalen Süden und Globalen Norden ist.

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So findet hier in Paris fast jeden Tag eine Aktion statt. Vor und nach der Aktion heißt es: Aktionsmaterialien vorbereiten, Öffentlichkeitsarbeit vorbereiten, Sprüche überlegen und andere Jugendliche einladen. Im Anschluss werden die Fotos und Beiträge auf allen Kanälen geteilt und verbreitet.

Wie könnt ihr die Klimaverhandlungen verfolgen?

north_america_europeZum einen könnt ihr euch über die YFoEE Homepage auf dem Laufenden halten. Dort werden politische Updates und die Aktionen täglich hochgeladen. Die Fotos der YFoEE Aktionen könnt ihr auch im YFoEE Flickr-Album finden. Eine sehr gute Quelle, um das Geschehen rund um die COP21 zu verfolgen, ist Storify. Hier findet ihr eine tägliche und umfassende Zusammenstellung aller Geschehnisse. YFoEE hat im Vorlauf der Klimaverhandlungen eine Myth-BusterSerie erstellt, die ihr auf jeden Fall lesen solltet! Der letzte Myth-Buster zum Beispiel stellt klar, dass der Klimawandel nicht nur ein Umweltthema ist. Um mehr dazurüber zu erfahren, schaut hier vorbei. Folgt auf jeden Fall auch den BUNDjugend Blog, denn hier werden wir regemäßige Eindrücke mit euch teilen. Und natürlich gibt es Updates über die üblichen BUNDjugend-Kanäle Facebook und Twitter. Persönliche Eindrücke von Toril und Andi bekommt ihr über ihre privaten Accounts.


Le vent tourne – Aktion auf dem YFoEE Summer Camp

10. August 2015 von presse4bundjugend

Sonntag, Halbsechs auf dem Summercamp: Der Kaffee tropft in die bereits halb gefüllte Kaffekanne und erinnert in der Farbe nicht nur entfernt an meine Augenringe. Um mich herum klingt die Party des Abschlussabends sachte aus, nur noch ein paar Unverdrossene stehen in der Küche zusammen, durch die jetzt der Kaffeegeruch zieht. Der Grund dafür, dass ich mich nicht schon längst in mein Bett verkrochen hab, kommt gerade zur Tür rein: Emma-Jayne wird die erste Busladung Leute zum Bahnhof nach Quimper bringen, die sich von dort wieder über ganz Europa verteilen werden. Mein Zug verlässt Quimper zwar erst um Neun, aber Josef hat sich eine Mitfahrgelegenheit organisiert, die er um Sieben erwischen muss. Damit sich die Stunde Shuttleservice nach Quimper lohnt müssen noch ein paar andere in den sauren Apfel beißen. Mit dabei sind noch Julia, Miia und Ana-Maria.

Die letzten vier Tage ging es auf dem Camp hoch her, es fällt fast schwer alle Erinnerung wieder zu sortieren. Auf der Zugfahrt sollte ich dazu aber genügend Zeit finden. Weil das französische Bahnsystem nochmal ein ganzes Stück undurchsichtiger ist als das deutsche, war es irgendwie mögliche ein Ticket für die 1. Klasse zu bekommen, das dabei sogar billiger ist als alle Angebote in der Zweiten. Mir soll es recht sein, so kann ich in Ruhe die Erlebnisse der Woche ordnen, nachdem ich mein Schlafdefizit etwas verringert konnte.

„Don’t nuke our climate!“

Am Mittwoch gab es einen kleinen Exkurs in die Geschichte der französischen Anti-Atomkraft-Bewegung. Hier in der Bretagne wurde Ende der 70er-Jahre das AKW Plogoff verhindert. Jean Moualic, einer der Aktivisten von damals, und ein paar seiner Mitstreiter führen uns über die Hügel, die sich oberhalb der Klippen hinter dem Dorf erstrecken. Kaum vorstellbar, dass hie19630466074_cd190f84f2_zr, wo wir uns nun auf den schmalen Pfaden durch das Meer aus Farnen schlängeln, einst ein Monster von Atomkraftwerk mit vier Reaktorblöcken aus dem Boden gestampft werden sollte. Die Menschen der Bretagne können stolz sein, den Wert ihrer Heimat frühzeitig erkannt und so einen Ort des Widerstandes geschaffen haben, bevor in Wackersdorf überhaupt eine WAA geplant war. Die Freiheit, die hier in Gestalt des Windes vom Meer bläst, zeigt uns, dass es sich jederzeit lohnt gegen die Ungerechtigkeit aufzustehen, die die Zerstörung unserer Umwelt jeden Tag darstellt. Mit einer kleinen Banneraktion am Strand verbinden wir schließlich Vergangenheit und Gegenwart: Atomkraft ist eine der schmutzigsten und die riskanteste Art der Energiegewinnung. Keinesfalls kann diese unkontrollierbare Technik ein Teil der Lösung für die globalen Krisen sein. Dieses Zeichen ist besonders in Frankreich zu setzen, dass nach wie vor 80% seines Stromes aus Kernkraft gewinnt und mit Areva einen der größten Atomkonzerne der Welt in Staatsbesitz hält.

Erneuerbare Energie in Bürgerhand!

Motiviert von den Errungenschaften der Vergangenheit machten wir uns an die Arbeit, neue Orte des Erfolges zu schaffen. Vor der bretonischen Küste liegt recht unscheinbar die kleine, verschlafene Insel Île de Sein. Hier entwickelt sich, angetrieben von den Bewohnern der Insel, eine Bewegung für Energiesouveränität und eine Versorgung mit 100% Erneuerbaren Energien. Noch liegt das Monopol der Stromerzeugung auf der Insel beim staatlich kontrollierten Energieriesen EDF, dem zweitgrößte Energiekonzerne der Welt. Um Nachhaltigkeit in der Stromversorgung schert sich EDF überhaupt nicht: Jährlich werden über 100.000 Liter Diesel in den Generatoren verheizt und beschleunigen damit den Anstieg des Meeresspiegels, der das ohnehin den Naturgewalten ausgelieferte Eiland droht unbewohnbar zu machen. Dem Anliegen der Inselbewohner, die Stromproduktion in die eigene Hand zu nehmen und eine kommunale Windkraftanlage zu errichten, steht damit ein mächtiger Gegner entgegen. Wir als YFoEE möchten daher den Menschen der Insel in ihrem Kampf beistehen, denn ihr Bestreben für eine dezentrale Energieversorgung in Bürgerhand20066142828_0bc605fbc3_z steht beispielhaft für den Wandel, der für ein Europa und eine Welt der Zukunft zwingend nötig ist. Wer so große Zeichen setzen will, muss dafür natürlich jede Menge vorbereiten. Am Donnerstag ist das ganze Camp am werkeln: Einsatzpläne für die große Aktion am Leuchtturm werden geschmiedet, riesige Banner mit unserer Botschaft beschriftet und an einem Totem zur Warnung vor dem steigenden Meeresspiegel geschraubt. Auch Sprechchöre und sogar ein Songtext für die Demo werden erdacht – selbstverständlich auf Französisch, was für einige der englischsprachigen unter uns eine echte Herausforderung ist, die aber durch gemeinsames fleißiges Üben schnell gemeistert wird. Ich habe mich wieder dem Mediateam angeschlossen, dessen Aufgabe es sein wird, Bilder von der Aktion zu produzieren, um die Geschichte der Île de Sein über die Insel hinaus sichtbar zu machen. Positionen und Aufgaben für die Fotograf*innen und Kameraleute werden verteilt, ein Storyboard für den Aktionsfilm gezeichnet und diskutiert, wie wir unser Narrativ – die Botschaft von Energie in Bürgerhand – am besten in Bilder fassen. Während die Farbe auf den Bannern trocknet, schläft das Camp, um am nächsten Morgen fit für die Aktion zu sein.

Freitagmorgen, während des Frühstücks hatte sich eine Gruppe Freiwilliger in die Küche begeben, um im Akkordarbeit Sandwiches für die Horde Aktivisten zu belegen. Team Blue – die Leute, die für die Aktion am Leuchtturm zuständig sind – sind bereits auf dem Weg zur Insel, damit dort bereits alle Vorkehrungen getroffen sind, sobald der Demo eintrifft. Um Elf geht es auch für den Rest von uns los. In zwei Busladungen werden wir nach Saint-Evette gebracht, wo wir noch einige Zeit warten müssen, bis wir auf die Fähre können. Als es endlich soweit ist – die Meisten haben ihren Proviant schon aufgefuttert – wird unsere Unternehmungslust etwas getrübt, als an Bord die Durchsage gemacht wird, wir hätten heute mit stärkerem Wellengang als sonst zu rechnen. Unterstrichen wird diese Ansage von einem Crewmitglied, der in einer Luke unter Deck verschwindet, nur um kurz darauf mit einem Stapel weißer, von Innen mit Folie beschichteter, Papiertüten wieder zu kommen, die er griffbereit an Sitzen verstaut. Über die einstündige Fahrt hüllen wir den Mantel des Schweigens. Angekommen informieren sich einige über die aktuellen Immobilienpreise auf der Insel. Später wieder zurück zu müssen, daran wollen sie erst mal nicht denken.

Nach der dringend benötigten Verschnaufpause am Pier im Hafen von Île de Sein, werden wir von einer kleinen Delegation der Inselbewohner empfangen. Patrick Saultier, Mitglied des Gemeinderats, heißt uns willkommen. Er drückt seine Freude über unser Kommen aus und was es für die Menschen der Insel bedeutet. Malika und Dipti übergeben feierlich das Totem, das, als Bildnis des Leuchtturms mit einer Markierung des Wasserstands, die Gefahren für die Insel durch den vom Klimawandel verursachten Meeresspiegelanstieg anschaulich machen soll. Nun setzt sich der Demozug in Bewegung. Ein Ereignis, das die Insel so vielleicht zum ersten Mal sieht: Hundert Junge Menschen, fast halb so viel, wie die Insel Einwohner zählt, ziehen singend und Fahnen schwenkend an der Seepromenade entlang, durch die Gassen des Dorfes und über die steinigen Ebenen der Insel, hin zum Leuchtturm, der über der Insel thront. Dort wartet bereits Team Blue auf uns mit dem riesigen blauen Banner „Le vent tourne“ – der Wind dreht sich. Man müsste meinen, der Wind sei in dieser Sache unser natürlicher Verbündeter, allerdings ist das himmlische Kind heute ein wenig bockig: Er bläst so stark, dass wir das Banner nicht wie geplant am Leuchtturm hochziehen können. Egal, die Vogelperspekti20254066975_d73fff32a7_zve, die Julie und Rumy von der Spitze des Leuchtturms einfangen toppt alles und im grandiosen Aktionsvideo, das Lawrence aus unserem Material zusammenschneidet, fällt der kleine Faux Pas auch nicht auf. Abschließend statten wir den Tanks für die Dieselgeneratoren, die wir obsolet machen wollen, einen kleinen Besuch ab und schießen noch ein paar letzte Abschiedsfotos mit ihnen. Auf der Rückfahrt sind alle zu erschöpft von den Kämpfen des Tages, als dass der Wellengang sie davon abhalten könnte, an Bord der Fähre ein Nickerchen zu halten.

Am Samstag legen wir mit den Planungen für das nächste YFoEE-Jahr los: Im Dezember wollen wir die Stimme der Jugend auf den Klimaverhandlungen laut zu Gehör bringen. Das will natürlich bestens vorbereitet sein und so wird sich ausgetauscht über Strategien und Planungen in den Mitgliedsverbänden und gebrainstormt, wie wir den bunten Protest für eine gerechte Lösung der Klimakrise in Paris zusammenführen. Auch für das große Camp im Frühling 2016 werden Ideen geschmiedet, wo die Bewegung das erste Mal nach Paris zusammen kommen wird, um globalen Widerstand gegen Fossile Energien weiterzuführen.

Ein letztes Mal gehen wir zum Strand um uns in den Fluten des Atlantiks zu erfrischen und Kraft zu tanken für die kommenden Herausforderungen. Am Abend feiern wir mit einer kleinen Party uns, das Summer Camp, die Bewegung für Klimagerechtigkeit und alle, die für eine nachhaltige und gerechte Welt kämpfen. Josef legt auf. Für mich soll es eine lange Nacht werden.


Eisbären und Abkürzungen

6. Juni 2015 von presse4bundjugend

Mittwoch, dritter Tag der Klimazwischenverhandlungen: Wir treffen als kleine aber feine Delegation der BUNDjugend in Bonn ein. Die meisten von uns sind zum ersten Mal auf einer Veranstaltung des UNFCCC (United Nations Framework Convention on Climate Change, das Klimarahmenabkommen, das die Grundlage der Verhandlungen ist; an den Overflow an Abkürzungen gewöhnt man sich wohl). Die Zwischenverhandlungen sind die Klimakonferenz im kleinen Maßstab, beste Gelegenheit für uns einen Vorgeschmack auf Paris zu bekommen und zu verstehen, wie ein Nachfolgeabkommen von Kyoto zustande kommen könnte. Dieses wird hier in Bonn und auf den kommenden Zwischenverhandlungen, oder auch den sogenannten Intersessionals, vorbereitet.

20150604_1734_kleinUm überhaupt die Möglichkeit zu haben, die Verhandlungen und Events zu besuchen, musste sich jede*r von uns vorab akkreditieren lassen und bei der Ankunft am Kongresszentrum in Bonn registrieren lassen. Dabei erhält jede*r ein Badge mit Foto, Name und der NGO, in unserem Falle Friends of the Earth International. Außerdem muss man jedes Mal, wenn man das Kongresszentrum betreten will durch eine Securitykontrolle. Nachdem all das erledigt war, haben wir uns in einem kleinen Rundgang durch das Gebäude einen ersten Eindruck über die unterschiedlichsten und parallel ablaufenden Events machen können. Damit jede*r die Möglichkeit hat auf dem aktuellen Stand der Verhandlungen zu bleiben, gibt es tägliche Zusammenfassungen über die wichtigsten Geschehnisse. Diese gibt es nicht nur als Printversionen, die hier an jeder Ecke ausliegen, sondern auch sehr ausführlich und umfangreich im Internet (Storify). Darüber hinaus kann man die Verhandlungen auch in einem online Live-Stream verfolgen.

Am Anfang kann so eine Konferenz ganz schön überwältigend sein: wenn man es durch die Registrierung und die Security Checks geschafft hat, taucht man in einen ganz eigenen geschäftigen Kosmos ein: wie behält man den Überblick über die zahlreichen verschiedenen Konferenzräume? Was versteckt sich hinter all den Abkürzungen? Und warum haben wir einen gelben Badge bekommen, während andere Leute einen pinken um den Hals tragen? Zum Glück haben wir schon am vorherigen Abend eine kleine Einführung bekommen und auch jetzt helfen uns einige „alte Hasen“, für die das nicht die erste Konferenz ist, den Überblick zu behalten. Zuerst geht es zu einem „Climate Justice Treffen“. Hier kommen Vertreter verschiedener Organisationen zusammen, deren Anliegen es ist, den Aspekt der Klimagerechtigkeit in den Verhandlungen zu stärken. Das bedeutet, dass nicht nur über die Senkung von CO2 Emissionen verhandelt wird, sondern in diesem Prozess auch die geteilte aber verschiedene Verantwortung der einzelnen Länder berücksichtigt wird, sodass dem globalen Norden aufgrund seiner historisch gesehen sehr hohen Emissionen eine besondere Verantwortung zukommt und auch die Kapazitäten der Staaten berücksichtigt werden.

20150604_1715Während wir versuchen, uns auf der Konferenz zu orientieren, startet gleichzeitig in München die Großdemonstration gegen den G7-Gipfel, wo auf Schloss Elmau die Staats- und Regierungschefs am Wochenende zusammenkommen wollen. Angela Merkel hat angekündigt, Klimaschutz auf die Agenda zu schreiben. Wir haben da ein Auge drauf, damit die Belange der Staaten des globalen Südens nicht hinten runter fallen, wenn die Industriestaaten unter sich Absprachen treffen. Dazu protestieren BUNDjugendliche mit der JBN und laufen bei der Demo als Eisbären mit, die eine Weltkugel zum Schutz auf den Händen tragen. Das heißt, aus den Eisbären wird nichts: Bei 32°C im Schatten (Hallo Klimawandel!) ist an ein Anziehen der Kostüme nicht zu denken.

Ganz anders in Bonn: Wir nutzen die frühen Morgenstunden, um in Eisbärfellen ein Foto für einen kleinen Solidaritätsgruß zu schießen, um die umfassende Verantwortung der G7 ins Bild zu fassen.

Die erste Sitzung der Verhandlungen, die wir besuchten, war das multilateral assessment der Ad Hoc Working Group on the Durban Platform for Enhanced Action (glücklicherweise abgekürzt mit ADP, die Verhandlungsgruppe, die sich in Bonn trifft um den Verhandlungstext für Paris auszutüfteln). Beim multilateral assessment geht es darum, dass die einzelnen Staaten berichten, was sie gegenwärtig tun, um ihre Treibhausgasausstoß zu senken (diese Ziele werden INDC genannt, Intended National Determined Contribution). In der Zeit, die wir dort waren, kam Deutschland an die Reihe seine Vorhaben und Entwicklungen und die „Energiewende“ vorzustellen. Neben den diplomatisch höflichen Fragen der anderen Staaten, kam dabei allerdings nicht zur Sprache, dass Deutschland droht, seine Klimaziele für das Jahr 2020 zu verfehlen, sollten nicht vorher schon in größerem Stil Braunkohlekraftwerke abgeschaltet werden. Die von Sigmar Gabriel ins Spiel gebrachte Kohleabgabe wurde schon soweit zurückgezogen, dass sie die Lücke zum Klimaziel bei weitem nicht schließen können.

Wie es in Deutschland und weltweit um die Nutzung des Energieträgers Kohle bestellt ist, hat der BUND in seinem neuen Kohleatlas zusammengeführt, der diese Woche passend zu den Klimaverhandlungen veröffentlich wurde. Zusammenfassend berichtet davon die Deutsche Welle.

Am Abend trafen wir uns mit der Klimadelegation des Jugendbündnis Zukunftsenergie – im Biergarten. Auch dafür gibt es natürlich eigenen Verhandlerslang: „it’s beer o’clock!“. Dabei war es gerade interessant zu erfahren, wie junge Menschen den Gang der Verhandlungen einschätzen und welche Schwerpunkte sie für ihre Arbeit setzen.

Erledigt von den Eindrücken des Tages fallen wir hundemüde ins Bett. Geschätzt 765.927 Akronyme wollen verarbeitet und einsortiert werden. Noch kämpfen wir uns durch den Bodennebel des Verhandlungsdschungels aber die eine oder andere Lichtung ist schon in Sicht. Man kann nur hoffen, dass die Verhandler mehr Durchblick haben und den Text für Paris klar kriegen.


Die Stadt der kurzen Wege

20. Mai 2015 von presse4bundjugend

Individualverkehr verringern durch urbanes Design

Während meiner Mobilitätswoche bin ich auf ein spannendes Konzept der Stadtplanung gestoßen: „Die Stadt der kurzen Wege“. UnbenanntDieses Leitbild, das seit den 1980ern von Stadtplaner*innen verfolgt wird, möchte kompakte  Siedlungsstrukturen zu schaffen, dass Orte schnell erreicht werden und einfach zugänglich sind. Es wird das Ziel verfolgt, städtischen Lebensraum aufzuwerten und neu zu gestalten. Hierbei soll motorisierter Individualverkehr verringert werden, indem Distanzen zwischen Wohnen, Arbeit, Freizeit- und Bildungsorten möglichste gering gehalten werden. Im Allgemeinen möchte man bestmöglich Neuversiegelungen und Straßenbau vermeiden.

In einigen Städten wurde eine derartige Stadtplanung zum Teil schon umgesetzt, zum Bespiel in Marburg, Osnabrück und Potsdam. Da gerade Potsdam in so guter Reichweite ist, ist meine Neugier geweckt, demnächst einmal die Stadt mit dem Fahrrad zu erkunden und die städtplanerische Umsetzung zu begutachten.

Happy CityWeiterhin passt perfekt zur Mobilitätswoche ein sehr interessantes Buch, das ich gerade lese: „Happy City“ von Charles Montgomery. Er erforscht, wie durch urbanes Design das Leben in der Stadt umgestaltet werden kann. Im Fokus steht für ihn, welche Faktoren der Transformation das Zusammenleben glücklicher machen. Hierbei beschäftigt er sich in einem großen Teil des Buches auch mit Mobilitätsformen. Es entspricht genau meinem Interessengebiet und ist sehr zu empfehlen.

Ansonsten: Wie wäre es, am Wochenende aufs Fahrrad zu steigen und selbst einmal zu erkunden, was alles in der eigenen Nachbarschaft und unmittelbarer Nähe zu finden ist? Sicherlich viel mehr als man so denkt ;)

Und hiermit sage ich wieder einmal: Viele liebe Mobilitätsgrüße,
Vera