BUNDjugend Blog - ... und jetzt noch die Erde retten!

Wahre Held*innen in Paris

8. Dezember 2015 von BUNDjugend

 

Bei der Klimakonferenz kommen Menschen aus aller Welt zusammen. Manche verhandeln über den tatsächlichen Vertragstext, streiten über Inhalte oder Formulierungen. Andere – wie wir zum Beispiel – versuchen, mit kreativen und medienwirksamen Aktionen Druck auf die Politiker*innen auszuüben. Und wieder andere sind hier, um von ihren eigenen Erfahrungen zu berichten, ihre Stimme zu erheben und für ihre Rechte zu kämpfen.

Eine von ihnen ist Lourdes Huanca aus Peru – Gründerin und Präsidentin von FEMUCARINAP, einem Verband, in dem sich indigene Frauen, Kleinbäuerinnen und Arbeiterinnen zusammengeschlossen haben, um für ihre Rechte zu kämpfen.

Wir trafen Lourdes auf einer Veranstaltung, bei der die Strategien der indigenen Bevölkerung Perus für die Anpassung an den Klimawandel vorgestellt wurden. Wir hörten den Präsident*innen mehrerer indigener Organisationen beeindruckt zu, als sie von ihren Erfahrungen im Kampf um Landrechte, Partizipation und den Schutz ihrer Umwelt berichteten. In Paris treten sie für die Rechte indigener Völker ein. Sie wollen zeigen, dass sie nicht einfach die armen Opfer des Klimawandels sind, sondern Lösungen und Anpassungsstrategien vorzuweisen haben; dass sie die Natur, in der sie leben, seit Jahrhunderten kennen und schützen und dass sie in diesem Prozess nicht übergangen werden dürfen.

Bujugruppe_Lourdes

Miteinander, nicht übereinander reden

Ein Schwerpunktthema der BUNDjugend ist Klimagerechtigkeit. Es ist uns ein Anliegen, mit den Menschen aus Ländern des Globalen Südens Solidarität zu zeigen. Wir wissen, dass die Länder des Globalen Nordens, insbesondere die EU, die USA und Russland, für über 75% 1 der Treibhausgasemissionen und damit maßgeblich für den Klimawandel verantwortlich sind, aber andere Länder viel stärker unter den Auswirkungen leiden. Wir reflektieren unsere eigenen Privilegien; wir erkennen, in welcher Weise der Globale Norden durch den Kolonialismus, die Industrialisierung und die Lebensstile der Menschen dafür verantwortlich ist, dass globale Ungleichheit und Ungerechtigkeit fortbestehen kann. Wir wollen diese Ungerechtigkeit ins Bewusstsein rufen und für die besonders vom Klimawandel betroffenen Menschen eintreten.

Aber viel zu oft tun wir das, ohne mit diesen Menschen in Kontakt gekommen zu sein. Häufig sprechen wir über sie, ohne sie zu kennen. Im Grunde wissen wir kaum etwas über ihre Lebensumstände, wie auch? Schließlich hat nicht jede*r von uns die Möglichkeit, in den Globalen Süden zu reisen und tatsächlich mit den Menschen vor Ort zu sprechen.

Daher wollten wir diese Gelegenheit nutzen und mehr Mitgliedern unserer Gruppe den Kontakt ermöglichen. So entstand ein zweites Treffen mit Lourdes in der „Green Zone“ – dem Bereich des Konferenzgeländes, den auch Personen ohne Akkreditierung betreten dürfen.

Lourdes erzählte uns davon, wie sie gegen den Willen ihres Mannes vor neun Jahren FEMUCARINAP aufbaute. Ursprünglich war sie in einer anderen Organisation aktiv gewesen, stellte aber bald fest, dass Frauen dort unsichtbar gemacht werden. Die Aufgaben der indigenen Frauen in Peru, berichtete Lourdes, waren klar definiert: Hausarbeit, Feldarbeit und Kinderbetreuung. Viele Frauen arbeiteten hart und erlebten dabei weder Wertschätzung noch Respekt. Ihre Partizipation war nicht erwünscht, Männer führten die Organisationen an. Auch Gewalt gegen Frauen war ein Problem.

So beschloss Lourdes, dass sich zuerst die Situation der Frauen ändern muss: 2006 gründete sie FEMUCARINAP und machte sich damit ziemlich unbeliebt. Vom Staat wurde sie als terroristisch und gewalttätig gebrandmarkt, ihr Mann stellte sie vor die Wahl zwischen der Organisation und ihm – es erfolgten sogar Angriffe auf ihre Kinder. Lourdes hörte nicht auf zu kämpfen. Heute zählt die Organisation 126 000 Frauen in 16 Regionen Perus.

Der Kampf muss immer weiter gehen

In ihren Anliegen, sagte Lourdes, habe sie viele Überschneidungen mit Feministinnen. Ihr geht es um Respekt – auch, was die Sexualität angeht. Sie erzählte uns, dass der weibliche Orgasmus in ihren Gemeinschaften immer noch tabuisiert wird und dass Frauen von ihren Männern häufig sexuell ausgenutzt würden. Auch das ist einer der Arbeitsbereiche von FEMUCARINAP: Sie sprechen diese Themen an, organisieren Workshops und heißen auch Männer in ihren Veranstaltungen willkommen. Nur Führungspositionen dürfen diese nicht übernehmen – die sind ausschließlich weiblich besetzt.

Weitere Themen, für die Lourdes und die Mitglieder*innen ihrer Organisation kämpfen, sind Ernährungssouveränität und die ökonomische Eigenständigkeit von Frauen. Sie stellen sich Konzernen in den Weg, die für Umweltzerstörung und Ressourcenausbeutung verantwortlich sind, und kämpfen für einen gesicherten Zugang zu Land und Wasser. Sie setzen sich für den Erhalt von indigenem Wissen und für einen schonenden Umgang mit der Natur ein, der auf indigenen Nutzungsweisen basiert. Für all diese Themen engagieren sie sich auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene.

Lourdes hat nicht nur viel zu erzählen, sie ist auch eine Frau von unglaublicher Stärke und Präsenz. Sie selbst ist ein gutes Beispiel für das, was sie sagt: „No somos pobrecitas!“ Sie sind keine Opfer, keine armen Menschen, denen geholfen werden muss oder die Mitleid verdienen. Sie können ganz gut für sich selbst stehen. Was sie brauchen, seien Rechte und Autonomie: Landrechte, ökonomische Unabhängigkeit und das Recht auf den eigenen Körper.

BujuParis_christmas

Und was können wir tun?

Wir haben Lourdes auch gefragt, wie wir unsere Solidarität zeigen können. Eine Möglichkeit sei die direkte Unterstützung der Organisation – finanziell oder vor Ort, wo in Kürze eine Universität indigener Völker gegründet werden soll. Wir sind herzlich eingeladen, sie zu besuchen, mitzuhelfen, von ihnen zu lernen und das Wissen weiterzutragen.

Darüber hinaus sind sie auch offen für unsere Ideen. Vielleicht stehen sie irgendwann vor einer Herausforderung, bei der wir sie durch Druck auf europäische Politiker*innen und Medien unterstützen können? Auf alle Fälle werden wir versuchen, in Kontakt zu bleiben. Denn um Teil einer internationalen Klimagerechtigkeitsbewegung zu sein, müssen wir uns mit Menschen auf der ganzen Welt vernetzen und ihnen zuhören – um ihre Perspektive kennenzulernen.

Und was die Zeit hier in Paris angeht: Es steht immer noch auf Messers Schneide, ob Menschenrechte und die Rechte indigener Völker im Abkommen verankert werden. Am Donnerstag (10.12.) ist Human’s Rights Day. Es werden Aktionen stattfinden und wir werden dabei sein.

 

(1 Kumulierte energiebedingte CO2-Emissionen zwischen 1900 – 1999; Quelle: Germanwatch (2010): Globaler Klimawandel. Ursachen, Folgen, Handlungsmöglichkeiten. Berlin: S. 42.)


Treffen mit Entwicklungsminister Müller

4. Dezember 2015 von BUNDjugend

Es ist für uns alle von der BUNDjugend das erste Mal, dass wir für eine Klimakonferenz akkreditiert sind. Daher konnten wir uns noch nicht genau vorstellen, was uns hinter den Security-Checks erwarten würde. Inzwischen haben wir eine grobe Vorstellung davon – einen wirklich guten Überblick allerdings immer noch nicht ;-)

Kurz gesagt: Die COP ist groß, es gibt verschiedene Hallen, in denen sich Verhandlungssäle, Stände von Organisationen, Meetingräume, Bistros oder Medienpools befinden.

Natürlich gäbe es tausend Dinge zu tun, aber für uns begann die COP erstmal mit Vernetzung und Aktionsplanung. Das ist unser primäres Ziel: Wir wollen gemeinsam mit anderen Jugendlichen eine globale Bewegung für Klimagerechtigkeit darstellen. Um dieses Vorhaben gleich mit Leben zu füllen, sollte schon am Dienstag unsere erste Aktion stattfinden: Schließlich fand zu Beginn der Konferenz das Treffen der Staats- und Regierungschef*innen statt. Der perfekte Anlass, um unsere Stimme für Klimagerechtigkeit zu erheben!

Also planten wir montags gemeinsam mit Aktiven von Earth in Brackets und TierrActiva eine Aktion für den nächsten Tag. Ein großer Unterschied zu sonstigen Aktionsplanungen: Hier muss die Aktion 24 Stunden vorher angemeldet und dann erst bestätigt werden. Als der grobe Plan stand, brachen manche zum „Art Space“ außerhalb des COP-Geländes auf, um Banner zu malen und die restlichen Materialien vorzubereiten. Auf der Klimakonferenz muss das schnell gehen – wir versuchen, auf den aktuellen Stand der Verhandlungen und auf besondere Ereignisse zu reagieren, daher sind viele Aktionen sehr spontan.

Gespraech_Müller

Am Montagnachmittag hatten wir jedoch noch einen weiteren Termin: Wir trafen, gemeinsam mit deutschen Jugendlichen anderer Verbände, den Bundesentwicklungsminister Gerd Müller. Vor dem Gespräch warf auch die Umweltministerin Barbara Hendricks einen Blick in den Raum, um uns kurz Hallo zu sagen.

Dann hatten wir eine halbe Stunde, um dem Minister Fragen zu stellen und unsere Forderungen vorzubringen. Besonders wichtig sind uns natürlich Fragen der Klimagerechtigkeit: Wird „Loss & Damage“, also der Umgang mit Schäden und Verlusten durch den Klimawandel, als eigene Säule im Abkommen verankert werden, wie es besonders verwundbare Staaten fordern? Wie können Absicherungsmechanismen für Menschen geschaffen werden, die durch den Klimawandel ihre Lebensgrundlage verlieren und ihre Heimat verlassen müssen? Und wo sollen die Gelder für den Green Climate Fund herkommen?

Wir forderten ihn auf, sich dafür einzusetzen, dass Menschenrechte, Generationengerechtigkeit und Loss & Damage nicht nur pro Forma im Vertrag erwähnt werden, sondern so verbindlich wie möglich festgeschrieben werden.

Ob das Gespräch mehr als ein schönes Foto zum Ergebnis haben wird, bleibt abzuwarten.


Die UN-Klimakonferenz 2015 beginnt!

2. Dezember 2015 von BUNDjugend

Nach vielen Monaten intensiver Vorbereitung und Mobilisierung hat gestern die 21. UN-Klimaverhandlung in Paris begonnen. Auch für die Aktiven der BUNDjugend vor Ort beginnen damit zwei spannende, spaßige und anstrengende Wochen.

Das ist die BUNDjugend-Delegation

Über die zwei Wochen der Klimaverhandlungen sind acht BUNDjugend Aktive hier in Paris. Andi (Mitglied im BUNDjugend Bundesvorstand) und Romina sind für beide Wochen akkreditiert. Maria ist für die erste Woche akkreditiert und wird die Verhandlungen den Rest der Zeit von außen beobachten. Toril (Steering Group Mitglied von Yound Friends of the Earth Europe) hat zwar keine Akkreditierung, dafür bereitet sie Aktionen vor und organisiert die Logistik für die YFoEE-Delegation. Alle vier wohnen gemeinsam mit den anderen YFoEE-Aktivisten in einem Hostel im Pariser Nordosten. Hier finden täglich Meetings, Briefings und Aktionsvorbereitungen statt. Außerdem haben wir die Möglichkeit an unterschiedlichen Orten unsere Treffen und Vorbereitungen stattfinden zu lassen. Wir werden euch mit Updates aus den verschiedenen Bereichen die nächsten zwei Wochen auf dem Laufenden halten.

Jede Aktion zählt!

… um zu zeigen, dass wir mir mit dem Verlauf der Verhandlungen keineswegs einverstanden sind. Deswegen hat YFoEE schon am ersten Tag der COP21 ein deutliches Zeichen an die Staats- und Regierungschef*innen gesendet, die sich am Montag und Dienstag in Paris trafen. Sie verfehlen in ihren Verhandlungen die Ziele von Klimagerechtigkeit und steuern weiterhin auf eine wachsende Ungleichheit zwischen den reichen und armen Staaten zu. Das hat YFoEE gemeinsam mit andere Jugendlichen aus der Klimagerechtigkeitsbewegung heute auch nochmals direkt im Konferenzzentrum mit einer kreativen Aktion gezeigt. The COP21 is a rigged game for rich countries!, lautet der Bannerspruch und mit der parallel stattfindenden Aktion außerhalb des Verhandlungsgeländes wird deutlich wie groß die Ungleichheit zwischen dem Globalen Süden und Globalen Norden ist.

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So findet hier in Paris fast jeden Tag eine Aktion statt. Vor und nach der Aktion heißt es: Aktionsmaterialien vorbereiten, Öffentlichkeitsarbeit vorbereiten, Sprüche überlegen und andere Jugendliche einladen. Im Anschluss werden die Fotos und Beiträge auf allen Kanälen geteilt und verbreitet.

Wie könnt ihr die Klimaverhandlungen verfolgen?

north_america_europeZum einen könnt ihr euch über die YFoEE Homepage auf dem Laufenden halten. Dort werden politische Updates und die Aktionen täglich hochgeladen. Die Fotos der YFoEE Aktionen könnt ihr auch im YFoEE Flickr-Album finden. Eine sehr gute Quelle, um das Geschehen rund um die COP21 zu verfolgen, ist Storify. Hier findet ihr eine tägliche und umfassende Zusammenstellung aller Geschehnisse. YFoEE hat im Vorlauf der Klimaverhandlungen eine Myth-BusterSerie erstellt, die ihr auf jeden Fall lesen solltet! Der letzte Myth-Buster zum Beispiel stellt klar, dass der Klimawandel nicht nur ein Umweltthema ist. Um mehr dazurüber zu erfahren, schaut hier vorbei. Folgt auf jeden Fall auch den BUNDjugend Blog, denn hier werden wir regemäßige Eindrücke mit euch teilen. Und natürlich gibt es Updates über die üblichen BUNDjugend-Kanäle Facebook und Twitter. Persönliche Eindrücke von Toril und Andi bekommt ihr über ihre privaten Accounts.