BUNDjugend Blog - ... und jetzt noch die Erde retten!

Carina: Eine Woche ohne Geld #4

4. Juni 2014 von BUNDjugend

Liebe Menschen! Irgendwie war ich in der letzten Zeit so sehr damit beschäftigt, zu leben, dass ich gar nicht mehr dazu gekommen, meine Gedanken und Erlebcarina11nisse zu verschriftlichen… Eine Woche ist schon lange um und Ihr habt bestimmt schon ganz gespannt auf meinen Abschlussbericht gewartet, was? ;-) Nun, da muss ich euch enttäuschen, denn ein Abschlussbericht wird das hier auch nicht! :-)

Heute, nach drei glücklichen, geldfreien Wochen, bin ich mir sicher: Ich verlängere mein Experiment!! Aus der ursprünglich geplanten einen Woche will ich jetzt mindestens zwei Monate machen und mich neuen Herausforderungen des geldfreien Lebens stellen.

Ich hatte ja schon erwähnt, dass ich am Wochenende meinen Freund besuchen wollte – natürlich ohne Geld dafür zu benutzen. Das hat auch super geklappt und mir ein neues Hobby beschert: das gute alte Trampen! ;-) Obwohl mich diese Art des Reisens schon seit längerem gereizt hat, habe ich mich bisher doch noch nie so richtig getraut. Mittlerweile ist aber mein Vertrauen in die Welt und in mein Bauchgefühl durch die vielen positiven Begebenheiten und Begegnungen so sehr gewachsen, dass meine Bedenken auf einmal ganz klein aussahen. :-) Und vorsichtig bin ich ja natürlich trotzdem.

So machte ich mich also am vorletzten Freitag auf den Weg zum Rastplatz Harburger Berge, welcher im Internet (die Seite weiß ich leider nicht mehr) als Reisebeginn zum Trampen Richtung Süden empfohlen wurde. Rastplätze bieten seine gute Möglichkeit, potenzielle Reisegefährten vorab kurz zu „checken“ und gezielt anzusprechen, wen man sympathisch findet. So muss man sich nicht genötigt fühle, bei jemandem mitzufahren, der zwar freundlicherweise extra am Straßenrand angehalten hat, aber vielleicht nicht die vertrauenswürdigste Ausstrahlung hat. Etwa 15 Minuten stand ich dort an der Tankstelle, bis sich ein netter Mann im Jaguar bereit erklärte, mich mitzunehmen. Wir verbrachten eine angenehme, ruhige Fahrt nach Hannover, wo ich estmal pausierte und dann bei einer ebenfalls netten Frau mitfahren durfte.

Am Abend zuvor habe ich extra noch über die Lebensmittelretten-Plattform verschiedene Backwaren bei einem anderen Foodsaver abgeholt, um diese dann an die netten Menschen, die mich mitnehmen würde, als Dank zu verschenken. Tatsächlich bin ich an die beiden Fahrer aber nur einen Apfel losgeworden, weil sie wohl wunschlos glücklich und satt waren und mich auch ohne Gegenleistung mitnehmen wollten. Dafür war ich aber beim Zwischenstopp „erfolgreicher“. Da ich mal aufs Klo musste, bin ich in der Raststäte auf einen sehr sympathischen Herrn vom Reinigungspersonal getroffen, dem ich sagte, dass ich zwar kein Geld dabei hätte, aber gern mal zur Toilette gehen würde. Schon bevor ich mit meiner Erklärung fertig war, sagte er „Ja, kein Problem“… Als ich dann aber mein mitgebrachtes Backwaren-Sortiment präsentierte, von dem er sich etwas aussuchen sollte, kam er aus dem Lachen gar nicht mehr heraus: „So etwas habe ich ja noch nie erlebt!“ Es dauerte nicht lange, bis er mich ebenfalls angesteckt hatte und so lachten wir uns eine Weile gegenseitig an. :-) Am Ende gab es dann für ihn eine Käsestange und für mich eine saubere Toilette. Ich bin mir ziemlich sicher: 50 Cent hätten uns keine solche Freude bereitet!carina10

Da ich nun schon beim Thema Mobilität bin, mache ich auch gleich mal damit weiter, denn es geht auch anders…Am darauffolgenden Wochenende war ich nämlich bei der BUNDjugend-Delegiertenversammlung, wieder nicht in Hamburg, sondern in Würzburg. Wie bei den meisten der tollen BUJU-Veranstaltungen wurden wir Teilnehmer wieder in einer tollen Unterkunft mit leckerem Essen versorgt, ohne dafür zahlen zu müssen. Ebenso wären auch die Fahrtkosten zurück erstattet worden…also wieder ein super Wochenende ohne Kosten für mich. Theorethisch. Nun will ich ja aber nicht nur selbst kein Geld ausgeben, sondern ebensowenig, dass Andere dies für mich tun. Ich will stattdessen versuchen, mein Leben komplett frei von Zahlungsmitteln zu leben und Möglichkeiten finden, dem Zahlungszwang zu entgehen.

Weil ich an dem Tag aber zeitlich sehr eingeschränkt war und nicht zu spät kommen wollte, kam trampen diesmal nicht in Frage und ein neue Idee musste her: Wie wäre es, eine feste Mitfahrgelegenheit zu finden und diese dann von meinem Experiment zu überzeugen? Gedacht, getan. Nur rechnete dieser Mensch natürlich mit einem festen Zuschuss zu seinen Spritkosten, war es angebracht, zuvor eine feste „Entschädigung“ abzumachen. Ich machte ihm also einige Vorschläge, was ich für ihn mitbringen oder erledigen könnte und irgendwann einigten wir uns auf verschiedene gerettete Lebensmittel und andere nützliche Dinge, die er gebrauchen und ich besorgen konnte. So stand der für mich geldfreien Fahrt nach Würzburg nichts mehr im Wege. Klimafreundlicherweise hatte er auch dafür gesorgt, dass alle Sitzplätze im Auto mit weiteren (zahlenden) Mitfahrern besetzt waren. Mein Experiment stieß auf großes Interesse und leitete einen angeregten Austausch unter anderem über Lebensmittelverschwendung, die europäische Agrarindustrie, Atom-und Kohlekraft und die Erdölförderung durch Shell, gegen die wir ja schon einen kleinen Kampagnen-Film gedreht haben. Am Ende wolten außerdem alle meine mitgebrachten Infomaterialien zu diesen Themen haben und ich war glücklich. ;-)

Die Rückfahrt fügte sich wie folgt: Greta (relativ frisch gebackener Landesvorstand der BUNDJugend Hamburg) hatte wenige Tage zuvor einen Gutschein der Deutschen Bahn zugeschickt bekommen, der es ihr erlaubte, eine weitere Person kostenfrei auf einer Fahrt im IC mitzunehmen. Ihr liebes Angebot, dass ich sie auf diese Weise begleiten dürfte, habe ich natürlich mit Freude angenommen. Perfekte Fügung, oder nicht?

Und was habe ich sonst noch erlebt? Mein Magen ist dank lebensmittelretten.de ja meistens gut gefüllt, ein paar andere Möglichkeiten der „Futterbeschaffung“ habe ich aber auch noch ausprobiert: Zum Beispiel war ich ein weiteres Mal in der Kantine mit der netten Chefin, von der ich schon berichtet hatte, und habe wieder ein leckeres Mittagessen und zwei Portionen Nachtisch zum Mitnehmen bekommen. Im Gegenzug habe ich nach Kantinenschluss alle Tische im Speisesaal abgewischt. „Das können wir gerne öfter so machen“ sind Kantinenpersonal und ich uns einig.

Da könnte man sich ja die Frage stellen: Warum arbeiten wir für Geld, von dem wir uns dann Nahrung kaufen, anstatt gleich etwas zu tun, durch das wir an unsere Nahrung gelangen? Wollen wir uns mit dem Geld davon frei kaufen, unserem Gegenüber Aufmerksamkeit schenken oder ein nettes Gespräch führen zu müssen? Aber macht uns das FREI? Oder doch eher abhängig – vom Geld?

Ich zumindest fühle mich durch mein Experiment unglaublich frei und unabhängig. Meine Lebensgestaltung ist nicht mehr abhängig vom Geld und ich bin voller Vertrauen darin, dass mir immer jemand helfen wird, genauso wie auch ich helfe, wenn jemand meine Hilfe benötigt. Viele, viele Menschen beschenkten mich ohne eine Gegenleistung mit dem, was ich brauchte, obwohl ich ihnen etwas anderes zum Tausch anbot. Neulich hatte ich richtig Appetit auf ein leckeres Körnerbrot und so fragte ich bei einem Bio-Bäcker und in einem kleinen Bio-Laden nach Brot vom Vortag oder anderen abgelaufenen oder überschüssigen Waren. Den Spargel in meiner Tasche, den ich am Tag zuvor über lebensmittelretten.de abgeholt und extra als Dankeschön mitgenommen hatte, wollten sie in beiden Geschäften ebensowenig wie mein Angebot, im Laden zu helfen. Trotzdem bekam ich ein ganzes großes Brot und einen veganen Tomaten-Aufschnitt geschenkt.carina9

Erlebnisse wie diese finde ich wahnsinnig schön und motivierend. Ich habe das Gefühl, dass meine Mitmenschen in solchen Momenten ebenfalls spüren, wie schön es ist, jemanden zu beschenken und glücklich zu machen. Das widerum motiviert mich zusätzlich, mit meinem neuen Lebensgefühl weiter zu machen.


Chintara: Eine Woche ohne Geld #2

20. Mai 2014 von BUNDjugend

Hallo Welt,
wieder sind einige Tage vergangen und auch während dem Wochenende habe ich geldfrei gelebt!
Also, es ist Freitag, ich habe heute frei und immernoch genügend Essen übrig. Das einzige was mich wirklich nervt ist mein Müsli mit Wasser zu essen da ich weder Milch noch Saft habe. Mit etwas Obst dabei geht es, aber auf Dauer.. nee. Später komme ich auf die Idee mir aus zwei Orangen und einer Zitrone einen Saft zu pressen und hey, frisch gepresster Saft ist super, besser als jeder den man kaufen kann!
Foto0051Am Nachmittag fahre ich eine gute Freundin besuchen die ich lange nicht gesehen habe. Sie ist gerade umgezogen und ganz wild am ausmisten, also darf ich mir von ihren alten Klamotten etwas aussuchen! Ich bekomme drei T-Shirts, einen Pulli und Batterien von ihr (nach denen hatte ich noch gefragt). Zum Tausch schenke ich ihr zwei Piercings die ich gerade dabei hatte. Später gibt sie mir auch noch Haferflocken mit, da die bei ihr zu Hause eh niemand isst. Was für ein Ergebnis! Ich schlafe bei ihr und fahre am Samstag wieder zurück. Ich bin dann ein bisschen erleichtert, denn irgendwie war der Aufenthalt bei ihr etwas anstrengend. Sie und ihr Freund leben halt alles andere als nachhaltig und bewusst. Ich beurteile das nicht, jeder soll‘s machen wie er mag. Doch für mich ist dieser Lebensstil mittlerweile sehr befremdlich da ich mich immer mehr mit meiner Umwelt beschäftige, verstärkt noch dadurch ich momentan ohne Geld lebe und das ganze System quasi von außen betrachte.
Auf dem Rückweg verfalle ich in eine Krise. Ich sitze im Park und schaue die Läden auf der Straße gegenüber an, sehe die Menschen hin und her rennen und spüre, dass der Großteil dieser Menschen ihr Leben aufgrund einer Illusion gestaltet. Ich sage bewusst Großteil, denn es gibt auch viele Menschen die so denken wie ich, doch die breite Masse läuft eben im Hamsterrad mit. Mich erfasst auf einmal eine tiefe Traurigkeit darüber. Es klingt vielleicht blöd und ich kann es nicht wirklich erklären aber ich bin von so einer tiefen Traurigkeit über die Situation ergriffen, es fühlt sich an ans würde die Trauer der ganzen Menschheit auf mir liegen. Ich bin so ergriffen und fange tatsächlich an zu heulen. Krass. Ich muss diese Gefühle irgendwie in Worte fassen, darum schreibe ich es auf.

was bedeutet Leben

Dieses Gefühl habe ich nicht zum ersten mal in meinem Leben doch ich habe diesen Impulsen nie Aufmerksamkeit geschenkt, bin nie darauf eingegangen und habe dem keine Bedeutung zugeschrieben, weil ich nie jemanden kannte der die Dinge auch so anders betrachtet.
Ich bin gerade unfassbar dankbar bei diesem Praktikum beim BUND gelandet zu sein, und noch dankbarer über meinen wunderbaren Freund der so konvergent und idealistisch denkt wie ich und ebenfalls die Dinge hinterfragt.

Sonntag habe ich nur Dinge gemacht die an sich kein Geld kosten und damit den ganzen Tag ausgefüllt. Hatte einen schönen Tag. Später bin ich mal ein bisschen ins Internet eingetaucht um etwas mehr ins tauschen-statt-kaufen zu kommen. Ich stelle alle Artikel die ich bei Kleiderkreisel zum Verkaufen drin hatte auf tauschen um. Prompt melden sich alle möglichen Leute! Ich tausche heute noch meine 14mm Plugs, also alten Ohrschmuck, gegen die 10mm Plugs von einem Mädchen. Fühlt sich gut an die Dinge direkt zu tauschen ohne den Umweg über langwierige Überweisungen :D
Damit zusammenhängend brauche ich jedoch Briefmarken… ich muss auch andere wichtige Briefe verschicken – ich habe gerade einfach keine Zeit auf jemanden zu warten, der mit mir Briefmarken tauscht.
Montag kaufe ich also Briefmarken. Und eine Hafermilch. Endlich Müsli!!!!
Die Woche ganz ohne Geld ist ja rum, also erlaube ich mir dafür Geld auszugeben, einfach weil ich gerade nicht länger darauf warten kann/will. Allerdings ist mir während der Woche klar geworden es geht ohne!!!! Und das sollte es auch. Unabdingbar für diesen Lebensstil ist jedoch Zeit, Geduld und die Interaktion sowie Bewusstheit im Leben.
Ich habe vor von jetzt an anders zu leben: Ich werde auch in Zukunft mein Essen über Foodsharing und Verteiler beziehen und nichts unterwegs kaufen, sonders zu Hause kochen und Essen mit nehmen. Zudem nehme ich mir vor alle anderen Konsumgüter zu ertauschen und prinzipiell kein Geld bei mir zu tragen.
Da es manchmal dann doch etwas gibt worauf man einfach nicht warten kann, wie z.B. jetzt gerade die Briefmarken, halte ich mir frei 1 x in der Woche für etwas Geld bezahlen zu können. Oder ich darf nur am Wochenende für ein bis zwei Dinge Geld hirsch kleinbezahlen. Das überlege ich mir noch. Das soll natürlich kein Freischein sein dann am Samstag mal so richtig fett bei H&M ein zu kaufen, das bezieht sich wirklich nur auf Notwendiges.
Diese Woche hat mir wirklich etwas gegeben, den Ausblick auf ein anderes, sinnvolleres Leben nachdem ich so lange gesucht hatte. Gerne berichte ich hier noch weiterhin von Erlebnissen die ich so ohne Geld erfahre, nur nicht mehr ganz so ausführlich :)


Steffi: Eine Woche ohne Geld #4

19. Mai 2014 von BUNDjugend

Tag vier meines Experiments begann etwas früher als die bisherigen, weil ich vor der Arbeit noch Lebensmittel retten war. Eine Freundin ist bei lebensmittelretten.de als Retterin eingetragen und da bei Backwerk, wo sie an diesem Morgen die übrig gebliebenen Backwaren vom Vortag abholen konnte, immer unglaublich viel anfällt konnte ich sie begleiten. Mit einer tatsächlich sehr prall gefüllten Tasche ging es dann zur Arbeit, wo die Brötchen und Teilchen auch sehr gut ankamen ;) im Gegenzug spendierte ein Kollege mir dann Müsli, ein ziemlich guter Tausch meiner Meinung nach. Am Nachmittag stand dann unser BUNDjugend treffen an, wo wir uns über unsere bisherigen Erfahrungen ausgetauscht haben. Verhungert ist noch keiner, eher im Gegenteil. Wir waren alle überrascht, wie viele Lebensmittel wir von unterschiedlichsten Stellen bekommen haben. Wir haben außerdem festgestellt, wie man dadurch, dass man gerade nicht aktiv im Geldkreislauf steckt, Dinge wie Werbung viel mehr von außen betrachten kann und wie absurd es eigentlich ist, dass man auf jeder freien Fläche in der Stadt zu mehr Konsum gedrängt wird.

Am fünften Tag meines Experiments ist der anstrengende Teil der Woche eigentlich geschafft. Das Wochenende ist für mich zwar noch einen Tag weiter entfernt, aber weil ich am Samstag in der Nähe meiner Heimatstadt arbeiten muss, geht es für mich gerade (auf Kosten meiner Arbeitsstelle) nach Hause. Ich werde zwar weiter kein Geld ausgeben, allerdings muss ich mir ums Kochen zuhause bei Mama auch nicht so viele Gedanken machen ;) heute Mittag ist mir mal wieder aufgefallen, wie schön Teilen ist. Da ich gestern noch etwas Gemüse abstauben konnte, habe ich genug Mittagessen für drei gemacht. Ich glaube ich habe selten solche Mengen gekocht, wie in dieser Woche, obwohl ich mir vorher solche Sorgen gemacht hatte, ob ich überhaupt etwas zu essen bekommen würde.


Chintara: Eine Woche ohne Geld #1

16. Mai 2014 von BUNDjugend

Hallo Welt :D Heute ist schon Tag 4 meiner Experimentes und ich habe bereits einige tolle neue Erfahrungen gemacht! Aber ich beginne mal von Anfang an.

Montag – der erste Tag. Ich fühle mich heute nicht wirklich anders als gestern. Ich habe noch ziemlich viele Produkte auf Lager, mein Kühlschrank ist auch noch ganz schön voll aber das macht nichts, was noch da ist werde ich nicht wegschmeißen sondern es einfach verbrauchen. Meine Miete, Rechnungen und Daueraufträge werde ich auch weiterhin bezahlen, mein Ziel ist es jetzt nicht wie ein Nomade zu leben sondern mein Konsumverhalten anders zu gestalten!

Da Essen für mich das essenziellste von allem ist, habe ich mir vorgenommen mich mehr mit Foodsharing auseinanderzusetzen und da hat mir Carina direkt am ersten Tag einen ordentlichen Anschubser gegeben! In unserer Mittagspause besuchten wir gemeinsam die Kantine des Bezirksamtes, haben uns vorgestellt und freundlich nach etwas Essen gefragt. Der Frau gefiel unser Projekt, also spendierte sie uns zwei Essen. Ich war lange nicht so satt! Für mich fühlt sich das ganze noch etwas ungewöhnlich an, doch es hat funktioniert. Meine erste Lektion im offen-auf-Leute-zu-gehen.

Am Abend ist Carina noch mit einer Frau verabredet um Lebensmittel abzuholen, sie kennen sich durch Foodsharing. Doch Carina schafft es zeitlich nicht mehr sie zu besuchen, da sie anschließend noch bei ihrem nahegelegenen Kiosk Lebensmittel holt. Also werde ich zu der Frau geschickt. Etwas überrascht aber guter Dinge fahre ich zu ihr. Das erste mal Essen abholen, ich bin ganz gespannt.. Die Frau ist super nett, sie hat unheimlich viel anzubieten und ich nehme so viel mit wie ich tragen kann. Es war wirklich viel! Zuhause angekommen ist mein Kühlschrank proppe voll und ich total happy. Ich fand es unheimlich spannend zu einer fremden Person in die Wohnung kommen zu dürfen, freundlich aufgenommen zu werden und wie selbstverständlich Dinge geschenkt zu bekommen. Dieses Gefühl ist neu für mich.

chintara_1Am Dienstag zaubern Carina und ich in unserer Mittagspause aus den erbeuteten Lebensmitteln vom Vorabend eine herrliche Gemüsepfanne. Wir planen auch morgen zusammen zu kochen. Ich habe im Moment genug zu essen und genug zu tun – mir fällt auf, dass es für mich erst richtig spannend wird wenn ich die Dinge aufbrauche, also erst in einigen Tagen.

Ich fahre viel U-Bahn. Klar, die Werbeplakate in der U-Bahn haben mich schon immer genervt, aber auf einmal fällt mir noch bewusster auf, das wirklich jede eizelne Werbung, egal worum es geht daran appelliert Geld auszugeben. Irgendiwe bin ich jetzt noch schockierter als eh schon, der Fokus dieser Welt liegt ausschlißelich auf Konsum und Geldverkehr. Das kanns doch nicht sein. Ich würde das Experiment gern länger machen als eine Woche, für mich erscheint das hier als ein möglicher Einstieg in eine komplett neue Art und Weise zu leben!

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Mittwoch kochen Carina und ich erneut zusammen und alles ist gut. Ich bin kaputt, irgendwie habe ich auf einmal durch die Arbeit und dieses Projekt so viel zu tun, oder auch einfach gedanklich soviel zu tun. Ich komme neuerdings immer spät nach Hause. Das Tauschen nimmt schon Zeit in Anspruch, allein die Zeit sich mit Menschen zu organisieren. Ich schreibe eine Frau über Foodsharing an, am Freitag kann ich bei ihr eine Menge Bananen abholen, Yeah. Ich überlege mir, dass ich mal in dem FAIRteiler auf dem Unigelände vorbeischauen kann, dort werden Lebensmittel zu verfügung gestellt, von Menschen die sie geretten haben. Am Abend bin ich mit einer Frau verabredet die ich auf dem Geldfrei leben – Workshop von ‚Living Utopia‘ in der letzen Woche kennenlerne. Wir wollten uns einfach mal über die Welt und alternative Ideen austauschen. Sie läd mich auf ein Eis ein und hat viel zu erzählen. Sie kennt sich in Altona aus und bietet mir an mir Tauschbörsen und Umsonstläden zu zeigen! Unsere kleine Tour durch Altona ist richtig schön, ich entdecke ein Tauschcafé ein Kulturhaus und einen Umsonstladen, nebenbei unterhalten wir uns über heimische Kräuter die so am Straßenrand wachsen. Mir fällt auf dass ich an dem Umsonstladen schon total oft vorbei gelaufen bin ohne ihn wahrzunehmen.

chintara_3Das Highlight unserer Tour ist eine Tauschkiste, die mitten im Wohngebiet steht. Es ist eine selbstgebaute Holzbox, so groß wie eine Telefonzelle und voll mit Kram. Jeder darf hinbringen und mitnehmen was er möchte! Ich werfe nur einen Blick hinein und 2 Sekunden später bin ich Besitzer von ein Paar Schlittschuhen. Für meinen Freund gabs auch welche. Wie cool ist das denn :D

Donnerstag Morgen ist meine Milch leer. Ich esse so gerne Müsli, fast jeden morgen. Ich frage mich wo ich jegelmäßig Milch herbekommen soll, und Müsli. D: Außerdem brauche ich dringend Briefmarken, und CD-Rohlinge für ein Geschenk.Und Batterien. Und eine Gllühbirne.

UAAH es scheint doch noch mehr dazu zu gehören als Nahrungsmittel, ich denke ich werde noch mehr auf Tauschkurs gehen..

Ich habe noch eine Gästematratze, Energiesparlampen, einen Haufen Klamotten und Ohrschmuck den ich nicht mehr brauche, ich werde mal rumfragen ob jemand tauschen möchte! Da fällt mir ein, ich habe früher auf Kleiderkreisel Dinge verkauft, aber hey – eigentlich ist das doch eine Tauschbörse! Ich werde da ein paar Sachen reinstellen, vielleicht meldet sich jemand :) Diesen Abend trifft sich noch die BUND Jugend, ich bin auch da. Es wird sich angeregt unterhalten über das Experiment und wie es jeweils wahrgenommen wird, denn die meisten aus der Gruppe machen dabei mit. Dann haben noch einige was zu Essen mitgebracht und ich gehe erneut, ohne das eigentlich vorgehabt zu haben, mit Essen nach hause. Woho!


Steffi: Eine Woche ohne Geld #3

16. Mai 2014 von BUNDjugend

Eigentlich hatte ich vor, heute nach der Arbeit noch zum Sport zu gehen, also ein bisschen Normalität einzuflechten. Um viertel nach fünf hatte ich allerdings das Gefühl, bald schon wieder Hunger zu bekommen und da ich leider nichts mehr dabei hatte, hab ich etwas früher den Heimweg angetreten. Man muss wirklich aufpassen, dass man vor allem seine Mahlzeiten gut plant, wenn man sich unterwegs nicht mal eben etwas holen kann. Vor allem hier in der Stadt findet man ja an jeder Ecke einen Bäcker. Ein ziemlicher Luxus, der jedoch auch dazu verleitet, ganz schön unnötig Geld auszugeben.

Mein knurrender Magen hat mich allerdings nicht davon abgehalten, noch in einem Umsonstladen vorbeizuschauen. Das Projekt finanziert sich komplett durch Spenden, das heißt man kann einfach hingehen und sich etwas mitnehmen. Komisches Gefühl, man ist es so gar nicht gewohnt irgendetwas ohne Gegenleistung zu bekommen. Ich habe ein Buch ergattert, wovon sie auch jede Menge da hatten. Außerdem gab es Spiele, Kleidung und allerlei Haushaltsgegenstände. Ein sehr cooles Projekt auf jeden Fall, wo ich beim nächsten Ausmisten bestimmt auch mal was vorbeibringen werde.


Carina: Eine Woche ohne Geld #3

14. Mai 2014 von BUNDjugend

Soo, nun hat das Experiment offiziell begonnen und die ersten beiden Tage verliefen gleich super! :-) Ich fange mal ganz am Anfang an, Montagmorgen: Nach der Dusche mit einem geschenkten Duschgel und quasi gerettetem Shampoo (Als hätte er/sie/es geahnt, hat letzte Woche jemand eine Tüte mit alten Zeitschriften, in denen mehrere kleine Shampoo-und Cremeproben ware, in unseren Garten bei der Arbeit gestellt.) gab es ein Frühstück aus den geretteten Brötchen vom Vortag. Leider hat dann so sehr geregnet, dass ich mich doch für den Bus und gegen das Fahrrad entschieden habe. Das war zwar schade, aber weil ich schon einen kleinen Schnupfen hatte, wollte ich nichts Schlimmeres riskieren. Bei der Arbeit habe ich dann eine Packung Taschentücher, eine Rolle Klopapier und eine halbe Packung Hafermilch, von der keiner mehr wusste, zu wem sie gehört, aber noch gut war, geschenkt bekommen. Mittags war ich mit Chintara, meiner momentanen Kollegin, in der Kantine vom Bezirksamt. Dort haben wir von unserem Experiment berichtet und ganz nett gefragt, ob man uns die Reste vom Mittagsmenü schenken würde.

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Zum Mittag gabe es dann eine superleckere Gemüsepfanne mit frischen Kräutern aus der Kräuterspirale…gemeinsam in der Mittagspause gekocht und gemütlich in der Sonne verzehrt… :-)

Und siehe da, in der Kantine wird wohl „alles verwertet“, aber weil die Chefin unser Experiment so interessant und unterstützenswert fand und außerdem ein total netter Mensch ist, hat sie uns zwei Essen spendiert. So konnten wir uns an Brat-und Salzkartoffeln, Blumenkohl und Salat lecker satt essen. (Wir hätten wohl auch noch mehr/andere Speisen bekommen, aber in der Kantine ist vegan noch nicht so auf dem Vormarsch und die Auswahl für vegan lebende Menschen demensprechend gering). Lecker war es trotzdem und wir rundum zufrieden. Für so viel Freundlichkeit von seiten der Kantinenbesitzerin gab es für sie dann ein Franzbrötchen, ein Schokocroissant und die Broschüre „Mein Klimaexperiment“ mit einer persönlichen Widmung von uns. ;-)  Am Abend habe ich mich mit Daria und Andrea, die auch an dem Experiment teilnehmen, getroffen und gemeinsam mit ihnen bei zwei Läden Lebensmittel abgeholt. Richtig witzig und eine schöne Überraschung war, dass uns unterwegs zwei 15-jährige Mädchen ansprachen…ob ich „nicht die Frau, die Lebensmittel rettet“ sei. Den beiden bin ich nämlich vor ein paar Wochen auf meinem Nachhauseweg begegnet, habe ihnen ein paar Franzbrötchen geschenkt und den Flyer von Foodsharing mitgegeben. Heute sind sie dann einfach mal mit zur Abholung gekommen und haben sich am Ende über eine Tüte mit süßen Backwaren gefreut, die sie mit nach Hause nehmen konnten. Spontan wie wir waren, haben wir gleich noch an einer Tankstelle und in einer Supermarkt-Filiale gefragt, ob sie Lebensmittel übrig haben, die sie uns schenken würde. In der Tankstelle hätte man uns tatsächlich auch die belegten Brote geschenkt, allerdings erst nach Ladenschluss und das war uns eindeutig zu spät, sodass wir darauf dann doch dankend verzichtet haben. Zumal der Verkäufer auch sagte, dass er das Meiste mit nach Hause nehmen und den Rest die Kollegen zum Frühstück essen würden, was wir auch eine schöne Sache fanden. Im Supermarkt sind wir ebenfalls auf einen sehr netten Verkäufer gestoßen, der uns drei Bleche mit „falsch gebackenen“ Quarktaschen und Croissants schenkte und uns außerdem die für den Müll bestimmten Waren durchsehen ließ. Über die Riesen-Menge an noch genießbaren Lebensmitteln waren wir ziemlich schockiert. Andererseits waren wir auch sehr froh, dort nachgefragt und somit diese vielen tollen Lebensmittel gerettet zu haben. Außerdem bot man uns an, die Woche über öfter vorbei zu kommen, was ich am Tag Nr. 2 auch sogleich getan habe. Da sie jeden Morgen Lebensmittel aussortieren, habe ich mich dann heute früh vor der Arbeit in den Sattel geschwungen und mich, mit zwei Fahrradkörben und einem Rucksack bewaffnet, auf den Weg gemacht. Heute schien wunderbarerweise die Sonne und ich freute mich noch mehr, dass ich das Fahrrad und nicht den Bus benutzt habe. :-)

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…und das ist nur ein Drittel von dem, was wir gerettet haben! Sogar 5 Osterkränze und zwei Topfblumen waren dabei!?

Auf dem Rückweg war ich dann bepackt mit Tomaten, Weintrauben, Pflaumen, Äpfeln, Möhren (bei denen einfach nur die Verpackung aufgerissen war) und Paprika. An dieser Stelle könnte ich mich schon wieder über die unsinnigen Plastikverpackungen aufregen, die in Supermärkten einfach bei fast allen Waren mitgekauft werden müssen und nur unsinnigen Müll erzeugen und Ressourcen fressen: In den meisten Fällen ist in diesen Packungen eine Frucht oder ein Gemüse schlecht, alle anderen (zum Beispiel im 6-er Pack mit Äpfeln oder in einem 1 kg-Orangen-Netz!) sehen noch wunderbar aus oder haben allenfalls ein paar Stellen. Würde man sich das Einschweißen sparen, könnte man ganz einfach nur das, was tatsächlich nicht mehr genießbar ist, aussortieren und würde eine Menge guter Lebensmittel vor der Tonne retten. Aber immerhin haben wir einen weiteren Schritt getan, die Welt zu verbessern und wer weiß, vielleicht entsteht mit dieser Filiale auch noch eine dauerhafte Zusammenarbeit…das ist doch ein kleiner Sieg gegen die Lebensmittelverschwendung!! ;-)


Steffi: Eine Woche ohne Geld #2

14. Mai 2014 von BUNDjugend

Mein zweiter Tag ohne einen Cent ausgegeben zu haben und es war im Grunde ein Tag wie in einer ganz gewöhnlichen Woche. Wenn man keine Brötchen kaufen kann, dann muss man sie eben selbst machen dachten sich eine Freundin und ich und da wir gestern praktischerweise Hefe ergattern konnten, haben wir dieses Vorhaben auch gleich in die Tat umgesetzt. Fazit: Selbst gemacht schmeckt doch immer am besten :) Zwischendurch dachte ich, ich wäre (endlich) auf ein Hindernis gestoßen, nämlich als mir eingefallen ist, dass ich für die Wahl am 25.05. noch Briefwahl beantragen muss. Fett oben drauf ist gedruckt, dass der Antrag in einem frankierten Umschlag verschickt werden soll. Liest man weiter findet man jedoch schnell heraus, dass das Ganze auch per E-Mail geht, das Problem hatte sich also schnell gelöst. Mal schauen, ob mich die Woche über noch ein größeres erwartet.


Chintara: Eine Woche ohne Geld

13. Mai 2014 von BUNDjugend

Zusammen mit einigen Jugendlichen der BUND-Jugend Hamburg probieren wir aus, eine Woche lang Geldfrei zu leben. Das heißt für jegliche Konsumgüter sprich Essen, Kleidung etc.. wird kein Geld ausgegeben! Ziel ist es die Dinge durch ein freundliches soziales Miteinander zu erlangen also zu Tauschen und miteinander zu Interagieren, und auch die Dinge zu nutzen die sonst im Müll gelandet wären. Verbrauch – statt Neukauf!
Die Plattform Foodsharing und Lechintara_ohnegeldbensmittelretten wird uns dabei von großem Nutzen sein, auch ist es möglich auf Tauschaprtys zu gehen oder in Umsonstläden.

Die Gesellschaft ist so verblendet von Konsum und der angeblichen Notwenigkeit von Geld, es wird Angst geschürt und angebliche Sicherheit geschaffen. Auf jeglichen Seiten wird der Hass immer größer. Doch in Wirklichkeit entfernen wir uns dadurch von den wahren menschlichen Werten wie Umsicht, Mitgefühl, Dankbarkeit, Wertschätzung.
So vieles wird weggeschmissen, wieder neugekauft und damit den großen Firmen ein ‚Ja‘ geschenkt. Wenn wir die Dinge besser nutzen entsteht automatisch eine neue Interaktion mit der Umwelt.
Die Konzentration fällt wieder auf die wesentlichen Dinge im Leben und ich weiß wieder wertzuschätzen was mir gegeben wurde. Es wäre auch garkeit Bedürfnis mehr nach Unterhaltung da, denn ich hätte schon soviel zu tun mit dem ganzen Tauschen und Organisieren und Interagieren und Kommunizieren!
Das ganze kann zu einer ganz neuen Gesellschaftsform führen, denn da ich nun mehr Dinge so bekomme, müsste ich auch weniger arbeiten, und wenn ich weniger arbeite habe ich mehr Zeit zum tauschen. Somit hat man auch an der Arbeit wieder Spaß denn sie dient nicht dem Wachstum oder der notwendigkeit Geld zu verdienen, man kann sie ausüben weil man es möchte und es für die Allgemeinheit einen sinvollen Nutzen hat.
Das ist meine Vision die ich für möglich halte, im großen und ganzen geht es ums Umdenken.
Und diese Woche werde ich damit anfangen!

Ich dachte mir schon, oh man auf was ich da alles verzichten muss! Doch dann dachte ich, hey vielleicht ändert sich ja auch mein Werte-Gefühl! Also bekommen plötzlich andere Dinge eine Bedeutung als vorher. Und so wäre es für mich kein Verlust nicht auf das Konzert zu gehen weil ich stattdessen tolle Leute beim Tauschen kennengelernt habe! Und die freuen sich dann so über die Brötchen die ich ihnen mitgebracht habe dass sie mir eine Konzertkarte schenken :D
Ich denke es werden ganz unerwartete Dinge geschehen!
Was das Essen angeht stelle ich mir das irgendwie schwierig vor. Ich hab jetzt schon von Foodsharing und Lebensmittelretten gehört doch noch keine Ahunung wie das funktioniert! Aber da es zu funktionieren scheint möchte ich diese Woche nutzen um da rein zu kommen, es zu lernen und verstehen um es auch nutzen zu können.
Ich denke auch dass man um ohne Geld zurecht zu kommen umbedingt die Alternativen kennen muss. Das ist eine langsame Entwicklung, das geht nicht von heute auf morgen. Sonst ende ich wie die Bettler auf der Straße. Die wissen nicht wie sie sonst an Essen kommen können, also erbetteln sie sich Geld! Man muss sehr offen und aufmerksam durch die Welt laufen, und mein Ziel ist es ja auch nicht zu schnorren. Ich biete freudig eine Gegenleistung an, ob es ein anderes Stück zu essen ist oder beim Putzen helfe.. irgendwas kann man immer anbieten. Und wenn die Person nichts dafür will gebe ich es eben einer anderen zurück!



Steffi: Eine Woche ohne Geld #1

13. Mai 2014 von BUNDjugend

Heute ging es los mit meinem Experiment und ich habe auf jeden Fall schon die Erkenntnis gewonnen, dass so ein Experiment einen schnöden Montagmorgen echt aufwertet. Bin also ohne Geld losmarschiert und habe auch nicht wie sonst den Bus genommen, sondern bin die Strecke bis zur S-Bahn zu Fuß gelaufen. Ab da ging das leider nicht mehr, die 17km bis zur Arbeit waren mir dann doch zu viel.

Mit ähnlichen Grundsatzdiskussionen ging es auch beim Mittagessen auf der Arbeit weiter. Meine Kollegen waren sehr interessiert an dem Experiment, haben sich aber – genau wie ich – die Frage gestellt, inwiefern es jetzt vertretbar ist, gekauften Reis zu essen. „Immerhin das Gemüse ist gerettet“ reicht da noch nicht ganz als Antwort. All diese Fragen stellt man sich natürlich vor einem solchen Projekt, im Grunde läuft es alles auf einen Kompromiss hinaus. Bei einem Umstieg auf ein komplett geldfreies Leben gehen die Vorräte früher oder später zur Neige. Das passiert in einer Woche nicht ganz so schnell. Also ist mein Plan, wo ich kann auf gerettetes zurückzugreifen, aber trotzdem nicht komplett auf Dinge wie Salz und Öl zu verzichten. Ich werde schließlich auch meine Zahnpasta weiter benutzen. Nur nichts Neues kaufen, der Vorsatz ist einfach.

steffi_ohnegeld1Damit sich das auch ohne zu Hungern umsetzen lässt, bin ich heute direkt nach der Arbeit „auf die Jagd“ gegangen. Mein erstes Ziel war ein Fairteiler von Foodsharing in einem Café auf dem Unigelände. Anders als erwartet war der nicht leer – ich hatte mit hungrigen Studenten gerechnet, die ihn am Wochenende geplündert hatten – sondern relativ gut gefüllt. Beim zweiten Hinschauen entpuppte sich das meiste jedoch als inzwischen labbriger Salat. Trotzdem habe ich ein bisschen was mitgenommen, unter Anderem eine Gurke in top Zustand.

Meine nächste Station erwies sich als wahrer Glücksgriff. Ein anderes BUNDjugend-Mitglied, das selbst nicht an dem Experiment teilnimmt, hatte einiges an Lebensmitteln zuhause, die sie nicht mehr gebrauchen konnte und andernfalls bei Foodsharing eingestellt hätte. So freuten eine Freundin und ich uns über die Sachen, die unsere Essensplanung für die Woche gleich viel rosiger erscheinen ließen.

Den krönenden Abschluss bildete dann eine Essensausgabe der Organisation Götterspeise vor einem Bio-Supermarkt, bei der wir selbst regelmäßig aushelfen. Zuhause war ich selbst nochmal erstaunt, was ich alles aus meiner Tasche packen konnte. Der Abend des Herumlaufens hat sich auf jeden Fall gelohnt, essenstechnisch bin ich jetzt für eine Weile gut versorgt und kann mir die Lebensmittel dank Tiefkühlfach auch gut einteilen. Ich gehe also am ersten Tag des Experimentes satt und zufrieden ins Bett!


Carina: Eine Woche ohne Geld! #2

12. Mai 2014 von BUNDjugend

Sonntag, 11.5.14:

Juhuu, das Leben meint es so gut mit mir! ;-) Dank vieler wunderbarer Menschen habe ich ein perfektes Wochenende verbracht und bin nun beim 6. Tag ohne Geld angelangt. Das Wochenende war so perfekt, weil ich am Aktivenwochenende der BUNDJugend zur Energiewende-Demo in Berlin teilnehmen und lauter tolle Menschen kennenlernen und wiedertreffen durfte. Gemeinsam mit ihnen habe ich als Klimapiratin für die Energiewende und gegen Kohle-und Atomkraft demonstriert, gesungen und gefeiert. Die Demo sowie die anschließenden Live-Auftritte der Bands Revolverheld und Seeed waren Unterhaltung der Spitzenklasse. Genauso wertvoll der Austausch mit anderen Engagierten und das Gefühl, etwas zu bewegen. Das wunderbare Orga-Team der BUNDjugend hat uns eine schöne gemeinsame Unterkunft, suuperleckeres veganes Essen und ein interessantes Rahmenprogramm ermöglicht, sodass es nicht nötig war, auch nur einen Cent auszugeben. Mir hat das Wochenende auf jeden Fall gezeigt, wie einfach man geldfrei Spaß haben und glücklich sein kann. Gute Gespräche, das Beisammensein mit netten Menschen, Engagement von Herzen und für eine wichtige Sache einzustehen…dafür braucht man kein Geld!

Streng genommen, war natürlich doch Geld im Spiel, da eine solche Veranstaltung natürlich eine Menge kostet, weshalb ich es eigentlich auch nicht gut finde, mich nicht an den Kosten beteiligt zu haben. Zumindest mit meinem Engagement trage ich aber dazu bei, dass solche Veranstaltungen durchgeführt werden können. Umso mehr geht mein riesiges Dankeschön an alle Menschen, die dies möglich gemacht haben.

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Wieder zurück in Hamburg und nach etwas nachgeholtem Schlaf (auch so eine geniale Erfindung, für die man kein Geld braucht :-) habe ich abends noch Brötchen und andere Backwaren bei einem Kiosk gerettet. Dies läuft über die Seite lebensmittelretten.de, welche von foodsharing e.V. gegen die Verschwendung von Lebensmitteln entwickelt wurde und über die man sich als Lebensmittelretter*in engagieren und Abholungen bei kooperierenden Betrieben super koordinieren kann. Da wir heute eine Abholung zu carina_2dritt gemacht haben und sonntags in diesem Kiosk glücklicherweise nicht ganz so viel übrig ist, war die „Ausbeute“ nicht ganz so riesig wie sonst, aber zum Frühstück werden zwei Brötchen und ein Stück Fladenbrot wohl reichen. Die Croissants, Franzbrötchen und Zuckerschnecken esse ich selbst ja nicht, da ich vegan lebe, aber zum Verschenken sind die natürlich super. Das habe ich auch gleich ausprobiert und mit meinen Nachbarn zwei Croissants und ein Franzbrötchen gegen zwei Orangen, eine Kiwi und ein indisches Brot (vegan) getauscht. Auf den Fotos seht Ihr einmal unseren fast leeren Kühlschrank (Margarine, Senf, Ketchup und Tomatenmark haben wir nicht mehr geschafft, vorher aufzuessen und werden es wahrscheinlich die Woche über noch nutzen, damit es nicht schlecht wird.) Das andere Foto zeigt unser Regal mit dessen Inhalt wir in das Experiment starten. Alles, was dort drin steht, wurde gerettet oder von einem lieben Menschen geschenkt.