BUNDjugend Blog - ... und jetzt noch die Erde retten!

HAMBI BLEIBT!

17. November 2017 von BUNDjugend

von Clara

Der Hambacher Forst

Es geht um die letzten 10% des Waldes. Ein kleiner Rest des ehemals über 5.500 Hektar großen Hambacher Forstes. 90% dieses Waldes sind schon gerodet worden, denn RWE beansprucht den Großteil der Fläche für einen riesigen Braunkohletagebau – den Tagebau Hambach. Zum Schutz des Waldes hat der BUND Klage eingereicht, denn der Hambacher Forst müsste nach EU-Richtlinien eigentlich ein Naturschutzgebiet sein. Am 21. November 2017 wird über das Schicksal dieses Waldes gerichtlich verhandelt.

Ich selbst war vergangenen Sonntag vor Ort und habe gesehen, wie die Landschaft verunstaltet worden ist: Riesige, lehmige bis zu 500 Meter tiefe Gruben, monströse Bagger, die die Kohle aus der Erde extrahieren. Der Anblick des größten Braunkohletagebaus West-Europas hat mich wirklich geschockt: Diese hochzerstörerische Praktik wird tatsächlich immer noch, im 21.Jh, in Deutschland Tag ein, Tag aus praktiziert. Wir zerstören unseren wertvollen Planeten, entreißen ihm den Boden, zerstören Co2-speichernden Wald.

Bei dem Waldspaziergang durch den letzten Rest des Hambacher Forstes wurde mir bewusst, dass ich gerade durch ein Gebiet gehe, dass bald weg sein könnte. Wald ist so viel mehr als einfach „nur“ Wald, die bewuchterte Bodenschicht, die Tiere, die um die 300 Jahre alten Bäume, die Ruhe und Entspannung, die der Wald ausstrahlt.

Wenn dieses letzte bisschen des Hambacher Forstes auch noch gerodet wird, wäre das nicht nur ein herber Verlust vor Ort sondern auch ein symbolischer Rückschlag für den Klimaschutz in Deutschland. Dann hätte wieder eine profitorientierte Milliardenfirma, RWE, gewonnen und bekommt ihre Kohle, im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Bäume werden einfach abgesägt und alles dem Erdboden gleichgemacht. Und das in diesen Zeiten, wo ich eigentlich dachte, langsam müsste sich doch mal was tun, langsam müssten solchen Konzernen doch mal die Macht genommen werden, langsam müssten doch erkennbar sein, dass die Verbrennung fossiler Energieträger nicht mit dem Klimaschutz vereinbar ist und verherende Folgen für Mensch und Umwelt nach sich zieht.

Nicht nur der Wald wird vernichtet werden, sondern auch das Zuhause der Kämpfer*innen der Besetzung im Hambacher Forst, die voller Sorgfalt und in harter Arbeit ihr Leben dort im Wald aufgebaut hat. Bei einer Rodung verlieren sie ihre Baumhäuser, in denen sie jede Nacht schlafen. Die Dörfer in der Umgebung, wie Manheim, sind jetzt schon halbe Geisterdörfer und werden letzlich aussterben. Menschen müssen ihre Heimat verlassen, in dem Wissen, dass sie nie wieder zurück kommen können, denn dieser Ort wird dann nicht mehr existieren.

All diese Problematiken zeigen deutlich, dass es falsch wäre, weiter zu roden und die Kohle weiter zu fördern, besonders in heutiger Zeit, wo es so etwas wie Erneuerbare Energien gibt…

Weitere Infos und wie ihr den Aktivist*innen im Hambacher Forst helfen könnt findet ihr hier.


Viel heiße Luft um Bonn

16. November 2017 von BUNDjugend

von Josefine, Celia und Vera

Ambitionierte Dialoge oder zähes Wörterfeilschen?

Die COP23 in Bonn befindet sich in der zweiten Phase. Es geht also in die letzten Züge für dieses Jahr, aber Entscheidungen stehen noch nicht fest. Wir sind sehr gespannt, was uns in der letzten Woche der COP in Bonn erwarten wird und wie zuversichtlich wir eigentlich zum jetzigen Zeitpunkt der Verhandlungen noch sein können.

Das Pariser Klimaabkommen

Bereits zwei Jahre sind vergangen, seit das ambitionierte 1,5-Grad-Ziel auf dem Klimagipfel von Paris verabschiedet wurde. So positiv und hochgesteckt dieses Ziel auch scheinen mag, hat sich seither nicht viel getan. Es gibt eine Übereinkunft, aber wenig Bemühungen – insbesondere seitens der Industrieländer.

Die diesjährige COP

Zu Beginn war das Paris Agreement ein gutes Zeichen und ein Symbol für große, anstehende Veränderungen innerhalb unserer Gesellschaften und Politiken. Umso mehr müssen nun Taten folgen, wenn diese Ziele noch vor Ablauf der selbstgesetzten Deadline erreicht werden sollen. Das 1,5-Grad-Ziel darf nicht nur ein symbolisches Ziel bleiben! Dafür müssen die internationalen Politiken endlich aktiv werden und belastbare Entscheidungen fassen.

Was dieses Jahr auf der COP verhandelt werden soll, ist essentiell für die Zukunft unseres Planeten und unserer Nachbarn und Freunde im globalen Süden. Das Pariser Klimaabkommen von 2015 soll nun umgesetzt werden – aber wie?

Diese Frage soll der „Facilitative Dialogue“ (jetzt Talanoa-Dialog genannt) beantworten. Er wurde im Pariser Klimaabkommen eingeführt und dient dazu, die nationalen Klimaschutzpläne (Nationally Determined Contribution, NDC) zu überprüfen. Die nationalen Klimaschutzpläne definieren, was ein Land unternehmen muss und welche Maßnahmen es ergreifen muss, um dem  Pariser Ziel nachzukommen. Eine Überprüfung der nationalen Handlungen ist nötig um festzustellen, was die Länder tun, bereits getan haben und noch tun müssen, um dem Ziel letztlich gerecht zu werden. Nächstes Jahr wird eine Überprüfung laut Abkommen erstmalig der Fall sein – doch es gibt noch keine verhandelten Mechanismen, wie eine solche Überprüfung auszusehen hat.

Warum es wichtig ist, sich einzumischen

Hier ist unser aktivistisches Engagement von großer Bedeutung! Unsere Stimmen sind die Stimmen der Zivilgesellschaft. Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, dass die wirklich wesentlichen Elemente für das internationale Klima-Monitoring eingebracht werden. Dies beinhaltet beispielsweise einen gerechten Anteil an notwenigen Anstrengungen auf globaler Ebene. Zwar hat das Pariser Klimaabkommen ein ambitioniertes Ziel gesetzt, aber wird dieses Ziel letztendlich auch genauso ambitioniert umgesetzt? Die Halbzeit der COP lässt bereits eine Bilanz ziehen: Es gibt wie immer viel Engagement und außerordentlich großes Gehör in diesem Jahr von Seiten der Öffentlichkeit. Allerdings gibt es bisher wie immer zu wenig Zugeständnisse und Bemühungen seitens der verhandelnden Industriestaaten. Es gibt zu viel besänftigendes Reden anstelle von bekennenden Handlungen, während uns die Zeit durch die Finger rinnt wie Sand.

Der Klimawandel kennt keine Grenzen

Viele Inselstaaten haben ein schweres Jahr mit rekordbrechenden Hitzewellen, zerstörerischen Hurrikane und Überflutungen hinter sich – und das ist nur die Spitze des Eisberges. Da kommt die diesjährige Präsidentschaft von Fidji genau richtig, um den Fokus gezielt auf die am stärksten Betroffenen zu lenken. Hätten alle in den „sicheren Ländern“  schon einmal das erlebt, was im asiatisch-pazifischen Raum tagtäglich gefürchtet werden muss, so würden die Entscheidungen sicherlich viel schneller fallen.

Mit unserer Stimme auf der COP23 wollen wir mehr globale Solidarität und mehr Gerechtigkeit fordern. Wir wollen den Menschen im globalen Süden zeigen, dass es sehr viele Menschen gibt, die den Kampf um globale Fairness gemeinsam angehen wollen.

Unsere Mission auf der diesjährigen COP soll es sein, die Stimme der Betroffenen zu stärken, damit sie nicht immer nur abgenickt und eingelullt werden, sondern endlich gehört werden!


Eine Rede am Tagebau

14. November 2017 von BUNDjugend

Anlässlich der UN-Klimakonferenz COP 23 in Bonn hielt Lea Dehning als Vertreterin der BUNDjugend am 12. November 2017 eine Rede vor den anwesenden Pressevertreter*innen am Braunkohle-Tagebau Hambach. Ihr Rede über das Engagement der BUNDjugend gegen die Braunkohle sowie den vielfältigen Protest der Klimaschutzbewegung könnt ihr hier nachlesen:

Foto: Annika Natus/BUND (Lea und Leon siehst du ganz links im Bild)

„Mein Name ist Lea Dehning und neben mir steht Leon Möllney. Wir sind beide bei der unabhängigen Jugendorganisation des BUND, der BUNDjugend aktiv, und vertreten heute viele junge Menschen, die sich seit Jahren für Klima- und Umweltschutz und besonders für Klimagerechtigkeit einsetzen.

Wir stehen hier nur wenige Meter vor dem Tagebau Hambach, dem größten Tagebau und der größten CO2-Quelle Europas. Das rheinische Braunkohlerevier heizt Tag für Tag den Klimawandel an, wie kaum eine andere Region auf dieser Welt.

Nach der enttäuschenden Klimakonferenz in Kopenhagen beschloss die BUNDjugend den Protest genau hier hin zu tragen, an einen Ort, an dem das Klima im gigantischen Maß zerstört wird. Wir organisierten daher im Sommer 2010 das erste Klimacamp im rheinischen Braunkohlerevier. Seitdem findet jedes Jahr ein Klimacamp statt und die Teilnehmer*innenzahl wächst stetig.

Das Klimacamp ist ein Ort des Protests gegen die Braunkohle, gelebter Alternativen, Vernetzung, Weiterbildung und Diskussion. Durch die Klimacamps entwickelte sich das Braunkohlerevier zu einem der bedeutendsten Widerstandsorte der europäischen Klimabewegung, in dem Anwohner*innen und Klimaaktivist*innen seit Jahren gemeinsam für den Kohleausstieg und die Erhaltung einem der einzigartigsten Wälder Europas – dem Hambacher Wald –kämpfen.

Die BUNDjugend war in den letzten sieben Jahren immer Teil der wachsenden Anti-Kohle-Bewegung und vieler Protestaktionen. Da sich das Klimacamp mittlerweile selbstorganisiert und zu einem Großevent mit mehreren Tausend Teilnehmer*innen aus ganz Europa entwickelt hat, organisierten wir diesen Sommer ein 10tägiges Jugendcamp in unmittelbarer Nähe zum Klimacamp, welches Menschen den Einstieg in die Klimabewegung ermöglichen und zum Handeln bewegen sollte. Das Camp befand sich nur einige hundert Meter von hier auf einer Streuobstwiese in dem schon fast komplett umgesiedelten Ort Mahnheim. Die ca. 250 Teilnehmer*innen konnten sich zwischen Tagebau, Hambacher Wald und Geisterstadt die verherrenden Folgen der Braunkohleverstromung bewusstmachen. Um ihren Protest zu äußern, organisierten sie eine 50km lange Fahrraddemo rund um den Tagebau Hambach und demonstrierten lautstark bei der Roten-Linie-Aktion, an der insgesamt 3000 Menschen teilnahmen. Parallel zur Roten Linie im August blockierte die seit 2015 aktive Bewegung „Ende Gelände“ an mehreren Tagen Infrastruktur der Kohleindustrie durch zivilen Ungehorsam.

Foto: Annika Natus/BUND (Tagebau Hambach)

Auch letzten Samstag, den 04. November, war die BUNDjugend unter den 25000 Menschen, die an der bisher größten Antikohledemostration in Bonn teilnahmen. Sonntag schlossen wir uns der legalen Demonstration von „Ende Gelände“ an. Zeitgleich blockierten erneut tausende Menschen den Tagebau Hambach. Der Kohleausstieg ist nicht verhandelbar und es braucht vielfältige Protestaktionen, um diesen zu erreichen.

Zu diesen vielfältigen Protestformen gehört auch die Waldbesetzung im Hambacher Forst, der schon zu 90% von RWE für die Braunkohle gerodet wurde. 2012 besetzten Aktivist*innen ein Stück dieses Waldes, um sich RWE mit ihren Körpern und den selbstgebauten Baumhäusern in den Weg zustellen und die Rodungen zu stoppen. Trotz dreifacher Räumung der Besetzung und erheblichen Repressionen leben momentan ca. 80 Menschen im Wald, die durch Blockaden versuchen werden, weitere Rodungen im Wald zu verhindern.

Die Klimabewegung wächst Tag für Tag, denn die Regierungen verschiedenster Industriestaaten schaffen es nicht, ernsthafte Schritte für den Klimaschutz und gegen die weitere Nutzung fossiler Brennstoffe einzuleiten. Die 23. Klimakonferenz findet gerade unweit von hier unter der Schirmherrschaft von Fidschi statt. Viele Menschen aus dem Pazifik, unter ihnen die Pacific Climate Warriors, haben in den letzten Tagen ihre Geschichten mit uns geteilt. Geschichten von einem ansteigenden Meeresspiegel, von der Angst ein zu Hause zu verlieren, aber vor allem Geschichten des Widerstandes und dem Kämpfen um Klimagerechtigkeit.

Deutschland steht in der Verantwortung, den Beginn des Kohleausstiegs jetzt einzuleiten und Ländern, die schon vom Klimawandel betroffen sind und in Zukunft sein werden, finanzielle Mittel für Klimaschutzmaßnahmen zur Verfügung zu stellen. Wir in Deutschland haben in den letzten Jahrzehnten genug CO2 in die Luft gepustet – jetzt ist es Zeit zu Handeln.

Solange bis der letzte Kohlebagger nicht stillsteht, wird die BUNDjugend nicht stillstehen“

 


„Überflutungen sind doch keine Seltenheit in Malaysia, oder?“ – Ein Interview über die Lage in einem vom Klimawandel betroffenem Land

8. November 2017 von BUNDjugend

Das Interview wurde von Alexandra Struck geführt und ins Deutsche übersetzt.

Für uns in Deutschland ist es schwer vorstellbar, was der Klimawandel wirklich für das (alltägliche) Leben von Menschen bedeutet. Auf der Klimakonferenz COP23 unter der Präsidentschaft von Fidschi in Bonn haben wir Theiva Lingam von Friends of the Earth Malaysia getroffen, deren Heimat – jetzt gerade, während sie in Deutschland ist – direkt vom Klimawandel betroffen ist.

Alexandra: Was passiert gerade in Malaysia, während Du auf der Klimakonferenz bist?

Theiva: In den letzten zwei Tagen hatten wir starken Regen in nördlichen Staaten der malayischen Halbinsel. Penang, der Teil Malaysias in dem ich wohne, war aufgrund von zweitägigem Regen, der zu starken (Sturz-)Fluten führte, zu fast 80% unter Wasser. Meine Familie und meine Freunde leiden darunter. Menschen haben eine Menge wertvoller Gegenstände verloren und ich habe beinahe einen Kollegen und seine Tochter verloren, die versucht haben, ihren Verwandten, der bis zum Hals im Wasser feststeckte, zu retten. Sie mussten dazu – da ein Fluss in der Nähe überflutet war – durch hohes Wasser und starke Strömungen waten. Als die Strömung zu stark wurde, klammerten sie sich für zwei Stunden an einem Strommast fest, bevor die Feuerwehr sie gerettet hat. Die Rettungsdienste waren so überlastet. Und die Krankenhäuser waren ja auch voller Wasser. Ein paar neue gebaute Häuser und Straßen wurden durch Erdrutsche beschädigt oder zerstört. Und in den Nachrichten hieß es, dass sieben Menschen ums Leben gekommen sind. Zum Glück gibt es so viele lokale Organisationen die Essen oder Kleidung zur Verfügung stellen und den Menschen beim Aufräumen helfen. Mehr als 3000 Menschen mussten evakuiert werden. Ich bin mir nicht sicher, ob sie bereits zurückkehren konnten.

Alex: Wie kommst Du an diese ganzen Infos, obwohl Du hier in Bonn bist?

Theiva: Meine Leute halten mich auf dem Laufenden: Sie schicken mir Fotos und ich hab sie angerufen. Und über Social Media. Soweit ich weiß ist am Haus meiner Eltern alles ok, andere haben jedoch fast alles verloren.

Alex: Überflutungen sind jedoch keine Seltenheit in Malaysia, oder?

Theiva: Das stimmt, wir hatten schon viele Fluten und Sturmfluten, besonders bei Hochwasser – gerade beginnt die Monsun-Saison. Das meterologische Institut macht einen Taifun auf dem Weg nach Vietnam für die Folgen des Starkregens verantwortlich. Aber wir spüren, dass sich etwas verändert hat – das Klima betreffend. Die Wetterereignisse werden extremer: Der Regen und die Überflutungen werden stärker und es kommt häufiger zu Extremereignissen.

Alex: Was sind Deine Forderungen?

Theiva: Das könnte ich Dir zu diesem Zeitpunkt gar nicht sagen. Die Menschen sind noch dabei, das Ausmaß des Schadens zu beurteilen. Zerstörtes Eigentum. Autos. Dokumente. Und wir werden dafür sorgen müssen, dass keine Post-Flutkrankheiten auftreten.

Alex: Warum bist Du hier in Bonn auf der Klimakonferenz?

Theiva: Ich bin die regionale Zuständige für Friends of the Earth Asia Pacific. Ich bin hier, um die Mitgliedsorganisationen der Region zu unterstützen, die Stimmen der Betroffenen zu verstärken und dafür zu sorgen, dass sie die Politiker*innen erreichen. Unsere drei Forderungen sind: a) Lösungen für die vom Klima betroffenen Menschen zu finden, b) das Ende der Finanzierung von Kohle und c) das Ende der Exporte nuklearer Technologien von Korea, Russland und Japan an Entwicklungsländer. Um Anpassungsmaßnahmen und das „Loss und Damage“-Prinzip zu finanzieren, brauchen wir die reichen Länder.

Vielen Dank an Theiva Lingam für ihre Zeit, die sie sich für das Interview genommen hat.

 

 


„Leider haben wir noch nicht gelernt, unter Wasser zu atmen“ – Climate Impacted People

8. November 2017 von BUNDjugend

von Christina

Wer ist bereits heute vom Klimawandel betroffen? Mit dieser Frage beschäftigte sich am Montag der Workshop “Stories from the frontlines: climate impacted communities” von Friends of the Earth International beim People’s Climate Summit in Bonn.

Eine Reihe von Aktivisten aus Afrika, den Pazifikstaaten, Asien und der Karibik, haben uns geschildert, auf welche Arten sie bereits heute vom Klimawandel betroffen sind: Wirbelstürme, Dürren, Fluten, und letztendlich, der Anstieg des Meeresspiegels. Solche Naturkatastrophen führen dazu, dass die Bewohner*innen ihren Wohnort verlassen müssen. Meist können sie danach wieder zurückkehren, doch nach Erdrutschen, Küstenerosion und ähnlichem existiert ihr Wohnort oft nicht mehr. Asien ist hierbei besonders betroffen. Zum Einen wohnen dort viele Menschen in Küstenregionen und auf Meeresspiegelniveau. Zum Anderen leben viele Asiat*innen in Armut und sind deswegen besonders gefährdet. Hier tut sich eine paradoxe Sitaution auf: Diejenigen, die am wenigsten für den Klimawandel verantwortlich sind, werden am meisten von ihm betroffen.

„Unfortunately, we have not yet learnt to breathe under water“, sagt Stella Miria-Robinson, Aktivistin von FOE Asia Pacific. Vor allem in den Pazifikstaaten lässt der Anstieg des Meeresspiegels und der damit verbundenen Unbewohnbarkeit der Inseln den Betroffenen keine andere Wahl als auszuwandern. Dies ist beispielsweise der Fall in Kiribati, einem Inselstaat im Pazifik, der so stark bedroht ist, dass die Evakuierung der Bevölkerung  2020 beginnen soll. Von Jahr zu Jahr gestaltet sich die Landwirtschaft hier schwieriger, und auch die Natur leidet: Vor einigen Jahren ist bereits ein Atoll untergegangen.

Zwar ist Kiribati der bisher einzige Staat im Pazifik, wo eine Kollektivumsiedlung  stattfinden soll, jedoch wandern bereits jetzt viele Bürger der Pazifikstaaten nach Australien und Neuseeland aus. Die Migration ist mit Verlusten und Schwierigkeiten verbunden: Verlust der gewohnten Umgebung, rassistische Diskriminierung und Schwierigkeiten bei der Arbeitsplatzsuche. Eine solche Migration bedeutet auch, dass eine gesamte Kultur mitsamt seiner Sprachen und Bräuche, seiner Werte und Glaubensvorstellungen Stück für Stück verloren geht. Dies ist wohl die zynischste Konsequenz der Globalisierung.

Gibt es überhaupt noch eine Alternative für die Pazifikstaaten, oder bleibt die Umsiedlung der einzige Ausweg, wenn der Klimawandel weiter voranschreitet?

„We are not drowning. We are fighting“, lautet das Motto der Pacific Climate Warriors, ein Netzwerk junger Aktivisten aus den Pazifikstaaten, die sich nicht geschlagen geben. Seit 20 Jahren kämpfen sie voller Kraft und Herzblut für den Erhalt ihres Lebensraums und gegen fossile Energieträger. Auch bei den Klimaverhandlungen und während der gesamten COP23  werden die Pacific Climate Warriors weiterhin auf klimabedingte Gefährdung aufmerksam machen.

 


Klimaverhandlungen im Abseits?!

26. Oktober 2017 von BUNDjugend

von Alexandra Struck und Celia Zoe Wicher vom BUNDjugend Bundesvorstand

25 Jahre ist er her, der sogenannte „Erdgipfel“ in Rio de Janeiro 1992, der den Auftakt für die Klimarahmenkonventionen bildete und die erste größere internationale Umweltkonferenz war. Doch wer weiß das schon noch? – Ein Vorschlag, wie Klimaverhandlungen in der Gesellschaft präsenter werden könnten.  

Wenn man einen Menschen unserer Generation fragt, was für ein bewegendes Ereignis in Rio de Janeiro stattgefunden hat, werden nicht wenige die Fußballweltmeisterschaft der Herren 2014 nennen.

Das ist auch wenig verwunderlich!

Zum einen ist seit dem Gipfel mittlerweile ein viertel Jahrhundert ins Land gezogen. Zum anderen werden Verträge in kleiner Runde geschlossen, während im Stadion tausende Menschen – und Millionen weitere vor den Bildschirmen und Leinwänden dieser Welt – dem sportlichen Ereignis mitfiebern und die ganze Welt Kopf steht.

Während die Gesichter des Klimaschutzes eher im Verborgenen bleiben, zieren die Gesichter der „Fußballstars“ landesweit Schokoriegel und Zeitschriften, ihre Namen finden sich auf Fankleidung und ihre Bildchen werden auf den Schulhöfen als heiß begehrte Sammlerware getauscht. Im Folgejahr eines sportlichen Großevents soll es angeblich eine Handvoll neuer Erdenbürger geben, die nach den Helden vom Platz benannt werden.

Beim Klimaschutz gibt es solche Phänomene nicht, dabei ist er mindestens genauso wichtig!

Aber Klimaschutz verbinden wir auch nicht mit Einzelakteur*innen: Es scheint eher um abstrakte Geschehnisse und Zahlen gehen. Manche Menschen haben den Namen einer Konferenz oder eines Protokolls schon mal gehört: Stockholm Konferenz, Kyoto-Protokoll, Bonner Konvention, Biodiversitäts-Konvention, Klimarahmenkonvention… Was genau allerdings dahinter steckt – „irgendwas mit Klima“ wird die Antwort sein…

Ein mögliches Ziel der Konferenz in Bonn könnte sein, Vorbilder im Klimaschutz zu schaffen: Das funktioniert, wenn den Menschen hinter dem Vertrag ein Gesicht gegeben wird. Oder, wenn jede*r einzelne von uns selbst ein Vorbild ist und dazu beiträgt, die Welt zu einer besseren zu machen.

Die Welt braucht Botschafter*innen, die die Ergebnisse der Verhandlungen nach außen tragen – die Errungenschaften und die Baustellen. Aber wir als Jugend wollen auch umgekehrt unsere Forderungen in die Verhandlungen tragen: Besonders die Industriestaaten müssen Verantwortung übernehmen, um die globale Erwärmung auf höchstens 1,5 Grad zu begrenzen – 2 Grad sind zu viel! Auch Deutschland muss sich endlich aktiv für ambitionierten Klimaschutz einsetzen und nicht nur davon reden – Politik und Bürger gleichermaßen! Was nützen schlaue Verträge, wenn sie leere Worthülsen bleiben?

Noch ist das Pariser Abkommen in den Köpfen der Menschen – wenn auch in letzter Zeit leider vor allem durch einen aufbrausenden Politiker Nordamerikas – präsent. Wir hoffen, dass Umweltprobleme in den nächsten Jahren nicht wieder zum Nischenthema werden. Ganz im Gegenteil: Auch mögliche Errungenschaften und Versäumnisse von Bonn sollten in die Welt hinausgetragen werden – über Jung und Alt geht das alle was an!

Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass die Menschen in 25 Jahren mit Bonn nicht nur Gummibärchen und Telekommunikation verbinden!

 


Umsonst-Zug in Gießen

11. Oktober 2017 von BUNDjugend

von Clara

Gegen Überkonsum und Ressourcenverschwendung

Im April 2017 fand die erste Umsonst-Demo in Gießen statt, die nun monatlich geplant ist. Kostenlose Bücher, Kleidung, Küchenutensilien und gerettete Lebensmittel wurden in Einkaufswagen geladen und während des Demo-Zuges kann sich jede*r nehmen, was er will und braucht. Zwischendurch werden immer wieder Reden von engagierten Menschen gehalten, die auf aktuelle Missstände in unserer Gesellschaft hinweisen. Ein zentraler Punkt ist, dass es der Lebensmittelindustrie vor allem um Profitsteigerung geht und nicht darum, gutes Essen für Alle herzustellen. Außerdem wird damit auch ein Zeichen gegen die Verschwendung von Lebensmitteln aber auch anderer Konsumgüter gesetzt.

Die Demo stieß auf reges Interesse und könnte anderen Städten und Regionen als Vorlage dienen. Dieses Potential haben auch einige Menschen in Berlin erkannt und mit der Planung eines Umsonst Zuges begonnen. Dafür werden noch Leute gesucht, die Lust haben, weitere Ideen einzubringen und sich an der Organisation zu beteiligen. Der erste Umsonst-Zug in Berlin findet am 18. November 2017 um 12 Uhr, Treffpunkt Tempelhofer Feld, Columbiadamm, 10965 Berlin statt!

 

Weitere Möglichkeiten, zu teilen und zu tauschen und warum das so sinnvoll ist:

 

  • Kleider-Tauschpartys machen richtig Spaß. Allein weil man seine alte Kleidung, die man nicht mehr haben möchte, loswird und gleichzeitig neue, coole Klamotten umsonst bekommt. Und das ganz ohne die profitorientierte Textilindustrie und ihre extrem schlecht bezahlten Arbeiter*innen und die nicht vorhandenen Umweltstandards zu unterstützen.

 

  • Umsonst-Läden sind eine sehr soziale Initiative, wo jede*r vorbeibringen kann, was er*sie nicht mehr haben möchte, und jede*r abholen kann, was er will. Dabei entstehen aufgrund der Wiederverwertung alter Produkte keine zusätzliche Ressourcenverschwendung.

 

  • Eine Give-Box kannst du ganz einfach umsetzen: Stelle einfach eine große Box, z.B. einen Umzugskarton voller Gegenstände, Kleidung und anderen Produkten, die du nicht mehr haben möchtest vor deine Haustür oder in der Schule etc. auf. Dort kann sich dann jede*r, der*die möchte, etwas nehmen. So bekommen all deine aussortierten Sachen ein neues, zweites Leben und Du hast jemandem eine Freude bereitet.

 

  • Mit den Nachbarn zu tauschen ist auch ein sehr effektiver und schöner Weg des Tauschens und Teilens. Dadurch wird nicht nur kein neues Produkt gekauft, sondern es wird auch der soziale Austausch gestärkt, immerhin helft ihr euch gegenseitig und tragt so ihr zu einer Gesellschaft bei, wo das Miteinander großgeschrieben wird.

 

  • Natürlich ist auch spenden ein wichtiger Punkt. Hierbei lohnt es sich, ein bisschen zu recherchieren, welche Organisation/Initiative seriös wirkt und auch, was in der Nähe bleibt. Denn auch in Deutschland gibt es sehr viele Menschen, die auf Kleiderspenden etc. angewiesen sind. Außerdem werden leider zu viele Kleiderspenden nach Afrika missbraucht, sodass es oft vorkommt, dass diese gut gemeinte Spende auf afrikanischen Märkten für Geld verkauft wird, es also gar nicht den Bedürftigen hilft.

 

Du willst noch mehr Ideen, um umweltfreundlicher und sozial gerechter zu leben? Die gibt es in der BUNDjugend-Broschüre „Worauf warten? – Gemeinsam Alternativen leben“. Link: https://www.bundjugend.de/produkt/broschuere-worauf-warten/


Meine Erfahrungen auf dem Camp for [future]

31. August 2017 von BUNDjugend

Foto: Jörg Farys / BUND

Hallo. Ich bin Anna, 16 Jahre alt und mache momentan ein Schülerpraktikum bei der BUNDjugend NRW. Quasi als Auftakt für mein Praktikum habe ich 2 Tage im camp for [future] verbracht und viele neue Erfahrungen gesammelt.
Es war für mich das erste Mal, bei so einer Aktion dabeizusein und kennenzulernen, was es heißt, für seine eigenen Meinungen auf die Straße zu gehen und zu protestieren. Dazugestoßen bin ich am Samstag, kurz vor der Rote-Linie-Aktion. Ich war ziemlich überrascht, wie groß das Camp doch war; es wurde an alles gedacht: es gab sowohl ein eigenes Küchenzelt (in dem leckeres, veganes Essen gekocht wurde :-)), als auch ein eigenes Pressezelt; Projektzelte und eine Art Wohnzimmer, das große Zirkuszelt.

Ziemlich schnell ging es dann auch schon los zur Rote-Linie-Aktion. Ziel dieser Aktion war es, mit möglichst vielen Menschen eine rote Linie um das rheinische Braunkohleabbaugebiet zu bilden, um so ein klares Zeichen des Protestes zu setzen. Mehrere Kamerateams waren vor Ort und natürlich war die Polizeipräsenz auch dort sehr hoch, wie eigentlich die gesamten 2 Tage durchgehend (auch das camp for [future] stand unter polizeilicher Beobachtung: morgens kam das Ordnungsamt vorbei und prüfte die Lage, und auch ein Polizeiwagen war nie weit entfernt). Als die Polizei später bekannt gab, dass über 3.000 Leute an der Aktion beteiligt waren, war die Freude natürlich sehr groß.

Für mich persönlich war es spannend, so viele Menschen mit ähnlichen Überzeugungen zu sehen, die für ihre Meinungen einstehen und an der jetzigen Situation offen etwas kritisieren bzw. nicht akzeptieren wollen: egal ob jung oder alt, es gab auch viele Familien mit kleinen Kindern in roten Klamotten, sogar Hunde mit roten Halstüchern. 🙂

Anschließend ging es wieder zurück in unser Dorf Kerpen-Manheim, um eine Abschlusskundgebung zu hören und den Tag mit einer Art Straßenfest auszuklingen.

Nachdem ich das Dorf Kerpen-Manheim kennengelernt hatte, war ich ehrlich gesagt etwas geschockt. Alles war so ausgestorben und heruntergekommen, weil die Menschen umgesiedelt wurden. Von den ehemalig rund 1.000 dort lebenden Menschen sind noch ca. 15 übrig geblieben. Aber auch diesen noch übrig gebliebenen Menschen werden von RWE die Häuser abgekauft, sodass früher oder später auch Kerpen-Manheim als Braunkohleabbaugebiet genutzt werden kann.

Das wurde auch nochmal deutlich, als ich abends in die Messe in Manheim gegangen bin: außer ein paar Campteilnehmer*innen waren vielleicht 5 bis 6 ältere Leute in der Kirche, sonst niemand. Ein wirklich verlassenes Dorf.

Wenn ich mir vorstelle, dass ich meine Heimat verlassen müsste, damit alles komplett vernichtet werden kann, um Braunkohle abbauen zu können, kann ich gut verstehen, warum es solche Veranstaltungen wie die Rote-Linie-Aktion gibt: die Leute wollen einfach ein Zeichen setzen, dass sie damit nicht einverstanden sind.

Am Sonntag Nachmittag sind wir dann mit einer Gruppe von ca. 30 Leuten mit dem Bus nach Erkelenz gefahren, um auf dem Marktplatz einen Klima-Flashmob zu veranstalten. Wir haben verschiedene Wetterextreme dargestellt, Lieder gesungen, Flyer verteilt usw. Beeindruckend fand ich, dass die Gruppe immer weiter gewachsen ist, es kamen immer mehr Leute, die sich uns angeschlossen haben und mitgemacht haben. Ein Highlight für mich war, als 5 oder 6 pink gekleidete Menschen vorbeikamen, die „Rythms of Resistance“, und mit cooler Musik richtig Stimmung gemacht haben.

Dennoch hatte ich das Gefühl, dass es die meisten Menschen in Erkelenz eher genervt und gestört hat. Vermutlich auch, weil das Thema Klima in den letzten 2 Wochen ziemlich präsent in den Medien war, im Rheinland ja sowieso.

Nach dem Klimaflashmob war die Zeit auf dem camp for [future] für mich auch schon vorbei.

Insgesamt fand ich die 2 Tage sehr interessant: ich habe neue Leute kennengelernt, und generell war es super spannend, mal live zu erleben, was ich in den letzten 2 Wochen ja nur durch die Medien erfahren hatte.

Natürlich muss man dazusagen, dass die BUNDjugend keine illegalen Aktionen wie Sitzblockaden auf Schienen durchgeführt hat, wie es in den Medien ja viel gezeigt wurde. Ehrlich gesagt war ich da auch ziemlich froh drüber, weil es ziemlich gefährlich hätte werden können.

Insgesamt war es ein aufschlussreiches Wochenende, die Stimmung war gut und ich habe viele neue Sachen und Leute kennengelernt. 🙂


Meine Utopie für das Rheinische Revier im Jahr 2050

23. August 2017 von BUNDjugend

von Janna Aljets

Das Jahr 2050 liegt jetzt noch 33 Jahre vor uns. Das erscheint erstmal als ein kurzer Zeitraum für wirklich große gesellschaftliche Veränderungen. Ich bin selbst vor ungefähr 33 Jahren geboren worden und wenn ich auf den Zeitraum Mitte der 80er blicke, dann wird deutlich, dass große Veränderungen manchmal gar nicht so lange brauchen, wie mensch meint. Mitte der 80er Jahre war es unvorstellbar, dass die Mauer, die Deutschland und symbolisch fast die gesamte Welt geteilt hat, durch den Protest von mutigen Menschen fallen würde und damit auch die Sowjetunion als Unrechtssystem stürzen würde. Es gab trotz schon starker zivilgesellschaftlicher Proteste einen politischen Konsens der Mächtigen zur vermeintlich sichereren Atomkraft und die Forderung nach einem Ausstieg wurde als unrealistisch abgetan. Es war unvorstellbar, dass Männer Männer und Frauen Frauen heiraten dürften.

Ich habe das vorabgeschickt, weil Sie sonst meinen würden, dass meine persönliche Utopie wie ein Hirngespinst klingt, das niemals erreicht werden kann. Ich aber glaube daran, dass wenn wir gemeinsam für eine gerechtere Welt streiten, wir diese auch gestalten können.

Wie also sieht meine Utopie für das Rheinische Revier im Jahr 2050 aus?

Natürlich haben die Tagebaue längst geschlossen und das Gebiet wurde einem umfassenden Renaturierungsprozess unterzogen. Es sind Wälder und Seen zur Naherholung und fruchtbare Ackerflächen für Permakulturgärten entstanden. Die Natur erholt sich langsam von den ökologischen Schäden des Tagebaus. Die Menschen sehen die Natur vor Ort nicht mehr als verwertbare Ressource, sondern als Grundlage allen Lebens an und nehmen nie mehr, als sie brauchen und die Natur zur Erneuerung noch braucht. Die notwendige Energie wird zu 100% aus Wind und Sonne gewonnen und wird von demokratisch verwalteten Betrieben, die den Bürger*innen gehören, produziert. Der Energieverbrauch wurde aber auch stark gedrosselt. Energieintensive Unternehmen wurden geschlossen. Im Rheinischen Revier 2050 haben aber viele Dinge auch keinen Platz mehr: solarbetriebene Apfelsinensaftauspressmaschinen z.B., mit Biodiesel betriebene Kampfjets oder das vermeintliche Menschenrecht auf einen Geländewagen, egal ob Diesel, Hybrid oder Elektro. Der Verkehr ist fast vollständig auf Fahrrad und kostenlosen ÖPNV umgestellt worden. Auf den Autobahnen finden regelmäßig Kunstevents von Künstler*innen aus der ganzen Welt und Spaßwettläufe in Seifenkisten und Rollschuhen statt. Was es dafür gar nicht mehr gibt, ist Werbung: Nirgendwo wird uns erzählt, was wir vermeintlich noch alles kaufen und konsumieren müssten, um angeblich noch glücklichere und bessere Menschen zu werden.

Wovon leben die Menschen jetzt? Die meisten arbeiten nur wenige Stunden am Tag in selbstverwalteten Betrieben, die gesellschaftliche sinnvolle Produkte herstellen oder Dienstleistungen wie Altenpflege oder Kinderbetreuung anbieten. Die Sorgearbeit um Menschen und Natur steht im Mittelpunkt der wirtschaftlichen Aktivitäten, weil sie die Bedürfnisse von Menschen befriedigt. Profitorientierung und Wirtschaftswachstum sind Vokabeln einer vergangenen Ära. Da alle nur noch wenig arbeiten müssen oder auf ein Grundeinkommen zurückgreifen können, haben sie mehr Zeit für ihre Familie, Freund*innen und auch für ehrenamtliches Engagement. Die Frauen und Männer der Region haben sich deshalb zu dezentralen Föderationen zusammengeschlossen, in denen sie selbst über ihre politischen Anliegen entscheiden.

Im Jahr 2050 wird im Rheinischen Revier darüber gelacht, dass hier tatsächlich einmal dreckige Braunkohle verstromt wurde. Ich werde meinen Kindern und Enkelkindern mühevoll erklären müssen, warum wir einmal glaubten, dass das eine gute Idee sei. Der Ausstieg aus der Kohle hat die Menschen vor Ort dazu ermutigt, ganz andere wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Wege zu gehen und ein gerechteres System für alle zu schaffen. Das Revier gilt im Jahr 2050 als internationales Modell- und Vorzeigeprojekt für einen gerechten Strukturwandel.

Falls Zeit; Zitat Brand/Wissen (2017: Seite 171):

„Zukünftiges kann nie als Masterplan entstehen, sondern muss sich im Horizont einer anderen, besseren Welt schrittweise entwickeln. Dazu bedarf es des Mutes im Denken und Handeln, eines gewissen Optimismus und produktiver Selbstkritik, Empathie mit den Schwächeren und Ausgegrenzten und der Bereitschaft der Einmischung und der Kooperation mit progressiven gesellschaftlichen Akteuren.“


Mit Spielzeugautos die Welt retten

26. Juni 2017 von BUNDjugend

Ein Interview mit Katharina Ebinger von der BUNDjugend
von Mojenn Schubert (SeKo STAN)
erschienen in AMNESTY YOUTH NEWS (2/2016)

Zur BUNDjugend kam Katharina über konsumkritische Stadtrundgänge mit WELTbewusst Stuttgart und ein Praktikum in der Landesgeschäftsstelle der BUNDjugend Baden-Württemberg. In BW war sie von 2012 bis 2014 im Landesvorstand der BUNDjugend aktiv und leitet dort seit 2014 die gemeinsame AG Suffizienz von BUND und BUNDjugend mit. Im Bundesvorstand widmet sie sich verstärkt den Themen Postwachstum, Entwicklungspolitik und Klima und Energie. Außerdem arbeitet sie eng mit dem Jugendbündnis Zukunftsenergie zusammen, über das sie seit 2013 mehrmals als Jugenddelegierte an Klimakonferenzen teilnahm. In ihrer restlichen Freizeit bloggt Katharina für die trinationale Initiative RESTART über Atomkraft und Protestkultur.

Was will die BUNDjugend generell bewirken und aus welchen Gründen?
Die Erde retten! …und dabei herausfinden, wie eine gerechte Welt ohne Wachstums- und Konsumzwang aussehen könnte. Wir wollen aber auch für die Vielfalt der Natur begeistern und uns für einen fairen Welthandel, Klimagerechtigkeit und die Agrarwende einsetzen.

Wie sieht deine Arbeit und die Arbeit der BUNDjugend konkret aus?
Ich persönlich verbringe als Teil des momentan siebenköpfigen, gleichberechtigten Bundesvorstands ganz schön viel Zeit in Zügen, beim E-Mails schreiben, in Telefonkonferenzen, auf Tagungen und auf Sitzungen. Als kleiner Organerd finde ich Gremienarbeit auch gar nicht langweilig – in genieße es, mich so auf vielen Ebenen im Verband und in Kooperationen mit meinen Herzensthemen Degrowth (Wie wird eine Gesellschaft unabhängig von Wirtschaftswachstum und wie können alle Menschen ein gutes Leben führen?), Diversität (Wie können wir Privilegien kritisch reflektieren und Räume für alle Menschen schaffen?), Wissenschaftspolitik (Wie kann Forschung zu einer sozialökologischen Transformation beitragen?) auseinandersetzen zu können.

Wie seid ihr auf lokaler Ebene organisiert und vertreten? Wie können sich Jugendliche vor Ort oder auch bundesweit bei euch engagieren?
Wir sind basisdemokratisch organisiert und haben starke föderale Strukturen mit Ortsgruppen und Landesverbänden. Gleichzeitig sind wir als Teil unseres internationalen Netzwerks Young Friends of the Earth mit Jugendlichen aus der ganzen Welt verbunden. Womit die einzelnen Gruppen sich beschäftigen – von Urban Gardening mit jungen Geflüchteten über Protestaktionen bis hin zu der Pflege von Streuobstwiesen – schreibt ihnen niemand vor. Am besten ist es, einfach persönlich bei einem Gruppentreffen vorbeizuschauen – einfach im Internet nach BUNDjugend und dem entsprechenden Bundesland suchen. Auf Bundesebene bieten wir diverse Mitmachoptionen an. Ob du dich nun an unserer aktuellen Kampagne beteiligst und ein Spielzeugauto als Ermahnung einer unökologischen Verkehrsplanung an unser Verkehrsministerium schickst oder als Genmais verkleidet bei der großen “Wir haben es satt“-Demo mitprotestierst oder dich zum/r Klimaagent*in ausbilden lässt und das spannende und kontroverse Thema Klimagerechtigkeit in deine Netze trägst. Das alles sind nur kleine Anreize. Es gibt noch viel mehr. Wir verstehen uns als Plattform für deine Ideen!

Gab es in der letzten Zeit eine Aktion der BUNDjugend,
die du besonders toll fandest?
Ich freue mich total über unsere erste selbstentwickelte bundesweite Kampagne, #Spielzeugauto! Wir finden, Verkehrsminister Alexander Dobrindt soll nicht im Bundesverkehrswegeplan mit Autos spielen, sondern lieber mit unseren alten Spielzeugautos – weswegen wir sie ihm einfach direkt ins Ministerium schicken! Die brauchen keine neuen Straßen, verursachen keine Treibhausgase und waren noch nie in einen Dieselskandal verwickelt. Es ist Zeit, dass Radfahren, ÖPNV und Zufußgehen endlich Vorrang haben!

Zu welchen Themen arbeitet die BUNDjugend momentan?
Unsere Schwerpunkte sind Ernährung und Landwirtschaft, Konsum und Postwachstum, Energie und Klima, Flucht und Migration sowie Biodiversität und Umweltbildung. Wir bieten z. B. Workshops dazu an, planen Aktionen wie Selbstexperimente zum Mitmachen, veranstalten Demos, erarbeiten Publikationen oder bilden uns in Arbeitskreisen gemeinsam weiter.

Sind die Kampagnen vom BUND vorwiegend national ausgerichtet oder auch international? Wo wollt ihr Veränderungen sehen?

Die Kampagnen von BUND und BUNDjugend sind vorwiegend auf Bundes- und Landesebene, die praktische und weitere politische Arbeit oft auch ganz lokal. Durch die föderale Struktur laufen oft mehrere Kampagnen auf unterschiedlichen Ebenen gleichzeitig. International agieren wir immer mit Partnerorganisation in unserem Netzwerk Friends of the Earth International (FoEI). Dieses ist auch basisdemokratisch organisiert, hat über 70 nationale Mitgliedsorganisationen und ist damit das größte umweltpolitische Graswurzel-Netzwerk weltweit. Veränderungen sehen wollen wir natürlich überall. Es kommt aber immer darauf an, welche Allianzen es braucht, um diese auch durchzusetzen.

Amnesty International Deutschland ist vor allem dort aktiv, wo Umweltverschmutzungen und die daraus hervorgehenden Menschenrechtsverletzungen auf bestimmte Akteure – im Falle des Nigerdeltas z.B. Shell – zurückverfolgt werden können. An wen richtet sich BUND vorwiegend mit seinen Forderungen? Ist es nicht besonders beim Thema Umweltschutz schwer, die Verantwortlichen auszumachen und zum Handeln zu bewegen?
Da sprecht ihr einen Knackpunkt an: Beim Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit ist fast immer jede*r (mit-)verantwortlich – weshalb die Verantwortung allzu oft zwischen Politik, Wirtschaft und Bürger*innen – allzu oft reduziert auf die Rolle der Konsument*innen – hin- und hergeschoben
wird und angeblich immer erst „die anderen“ handeln sollen. Beim angesprochenen Beispiel Nigerdelta war der BUND mit dem FoEI-Netzwerk aktiv und hat genau auf diese Verzahnung aufmerksam gemacht: Bürger_innen können Shell boykottieren, von der Politik andere Gesetze und Rahmenbedingungen fordern und schlussendlich von Unternehmen wie Shell Schadensersatz fordern. Zur Koordination solcher Kampagnen braucht es wiederum zivilgesellschaftliche Organisationen. Da Kampagnen meistens zielgerichtet sein müssen, versuchen wir in solchen komplexen Zusammenhängen die relevanten Stellschrauben zu identifizieren, an die wir öffentlichkeitswirksam Forderungen stellen können. Anderes lässt sich über klassische fachliche Lobbyarbeit (Konsultationen etc.) besser lösen. Generell arbeiten der BUND/die BUNDjugend nicht ganz so viel mit Kampagnen wie Amnesty, was auch an unserer basisdemokratischen Struktur liegt.

Wo siehst du in deiner Arbeit und der Arbeit vom BUND Anknüpfungspunkte an Menschenrechtsthemen?
Im Nachhaltigkeitsverständnis der BUNDjugend muss Ökologie/Umwelt und Soziales immer zusammengedacht werden. Wir beleuchten unsere Themen auch immer unter dem Aspekt der Umweltgerechtigkeit, weil sehr offensichtlich ist, dass bestimmte Menschen von der Naturausbeutung profitieren und andere stark darunter leiden. Besonders deutlich wird das an den Differenzlinien globaler Norden-globaler Süden und auch sozialökonomisch starke und schwache Menschen. Ich habe lange in Stuttgart gelebt, da wird das im Alltag ganz plakativ deutlich: Die wohlhabenden Menschen aus der Halbhöhenlage düsen mit ihren SUVs durch die Stadt und die weniger wohlhabenden Menschen, wie z.B. ich als Studentin, die in der Innenstadt wohnen, bekommen die Abgase voll ab und werden zum Teil nachweislich krank davon. Wesentlich dramatischer bzw. existentieller ist dieser Mechanismus, wenn wir z.B. unsere Produktions- und Konsummuster genauer anschauen: Sehr viele Produkte, sei es Kleidung, Kaffee oder Elektronik, die wir ohne mit der Wimper zu zucken kaufen und wegschmeißen, werden im globalen Süden hergestellt und entsorgt. Auch im Bereich Klima sind die Zusammenhänge klar: Die Menschen, die am wenigsten zu den Klimaveränderungen beigetragen haben, sind ihnen am stärksten und oft schutzlosesten ausgesetzt.
In unserem Projekt „Klima gerecht schützen“ bilden wir junge Menschen dazu aus, an z.B. Schulen Workshops zu Klimagerechtigkeit anzubieten und Handlungsmöglichkeiten für ein klimagerechtes Leben aufzuzeigen. „Klimagerechtigkeit“ ist übrigens, statt „Klimaschutz“, auch das Schlagwort der sozialorientierten, progressiven Klimabewegung. Außerdem haben wir uns auch mit Migrationsbewegungen aufgrund von Umweltbedingungen auseinandergesetzt und mit einer Grafik zu Flucht und Migration in unseren Social-Media-Kanälen auf diese Zusammenhänge hingewiesen. Nicht zuletzt sind viele BUNDjugend-Gruppen mit geflüchteten Menschen in Kontakt und kochen, gärtnern und diskutieren zusammen. Nicht zuletzt kommt es in verschieden Ländern auch zu Einschüchterungsversuchen, Sanktionen und zu körperlichen Angriffen bis hin zu Mord an Umweltaktivist*innen. Da ist z.B. der Fall der ermordeten Staudammgegnerin Berta Cáceres aus Honduras oder Anti-Atomaktivist*innen in Belarus, die das Wort „Tschernobyl“ besser nicht in den Mund nehmen.
Nun ist es aber auch so, dass die Expertise von Umwelt- und Nachhaltigkeitsverbänden tendenziell eher bei ökologischen Themen liegt, bei den Erwachsenenverbänden ist das meiner Wahrnehmung nach noch einen Tick mehr so. Deshalb ist es besonders wichtig, sozial-ökologische Allianzen zu bilden, also z.B. Jugendumweltverbände mit Menschenrechts- organisationen und Jugendgewerkschaften zusammenzubringen. Die Gemeinsamkeiten in den Zielen sind da, häufig sprechen wir aber eine andere Sprache, vereinzelt kann es auch Konfliktpunkte geben, z.B. beim Kohleausstieg (Strukturwandel sozial fair gestalten) oder Wirtschafts- wachstum. Deshalb es ist super wichtig, sich offen miteinander auseinander zu setzen!

In eurem Projekt „Klima gerecht schützen“ vertritt die BUNDjugend u. a. die Meinung, dass „jedem Menschen, unabhängig von seiner Herkunft und Zugehörigkeit, die gleichen Nutzungsrechte an der Atmosphäre zustehen.“ Würdet ihr demnach eine Festsetzung dieses Anspruchs in einem „Menschenrecht auf saubere Umwelt“ befürworten? Könnte solch ein Menschenrecht deiner Einschätzung nach vielleicht die Arbeit von Umweltorganisationen erleichtern?
Kurz und knapp: Ja und Ja! Schon allein der Aspekt, dass die Natur hier im westlichen Kulturkreis keinen Eigen-Wert hat, ist sie wirtschaftlichen Interessen allzu oft schutzlos ausgeliefert. Wenn es gesetzlich verankert wäre, hätte die Braunkohleindustrie aktuell nicht mehr viel zu lachen, da sie wegen Körperverletzung auf der Anklagebank sitzen würde.

Amnesty International und Greenpeace haben in der Vergangenheit vereinzelt eng zusammengearbeitet – so z.B. bei der Dokumentation von illegaler Giftmüllentsorgung an der Elfenbeinküste. Kooperiert der BUND ebenfalls mit Menschenrechtsorganisationen? Wie profitiert ihr voneinander?
Ich sehe da zwei Stränge, wie sich Umwelt- und Menschenrechts- oder auch Sozial- und Entwicklungsverbände und Gewerkschaften unterstützen können. Der eine Punkt ist politische Schlagkraft entwickeln und zusammen mehr Menschen zu erreichen und zu mobilisieren, die vielleicht eine Affinität nur in eine Richtung haben. Das zeigt sich z.B. beim CETA- und TTIP-Protest. Der zweite, und für mich persönlich fast wichtigere Strang ist weniger nach außen, an die Öffentlichkeit gerichtet, sondern hat etwas mit einem internen und auch gemeinsamen Lernprozess zu tun. Ich hatte das vorhin schon angedeutet: Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen haben beide eine gewisse Historie, Eigenlogik, Organisationskultur und Habitus. Diese Differenzen zu verstehen und auszuhalten, aber auch sich anzunähern schafft die Allianzen, die wir brauchen, um zukunftsfähig zu sein. Gelungen ist das z.B. in der Studie „Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt“, die der BUND 2008 zum zweiten Mal mit Brot für die Welt und dem Evangelischen Entwicklungsdienst herausgegeben hat. Generell gibt es eine Tendenz, mit Entwicklungsverbänden zu kooperieren, da der Bezugspunkt globale Gerechtigkeit auf beiden Seiten da ist.

Zum Schluss würden wir uns über ein paar Tipps von dir als Expertin freuen – Wie können wir im Alltag etwas für die Umwelt tun?
Haha, ich will jetzt nicht die krassen Ökoklischees à la „Bitte Müll trennen und Jutebeutel mitnehmen“ bringen (auch wenn das beides äußerst sinnvoll ist)… Am meisten Einfluss hat eure Ernährung, euer Wohnen und eure Mobilität. Deshalb: Toll, wenn ihr möglichst oft Rad fahrt, zu Fuß geht oder den ÖPNV nutzt. Super, wenn ihr überwiegend vegan, regional und saisonal kocht und vielleicht sogar mit Freund*innen oder in einer Kooperative selber Gemüse anbaut. Fantastisch, wenn ihr generell bewusst konsumiert, nach dem Motto „weniger ist mehr“ und öfter mal was repariert, leiht, teilt oder tauscht. Das Beste ist, dass ihr so nicht „nur“ etwas für die Umwelt tut, sondern auch für mehr soziale Gerechtigkeit. Und neben den ganzen Lebensstilstellschrauben gilt es auch, politisch und kollektiv Druck zu machen, indem ihr auf Demos geht, einen Umsonstladen oder ein Repair Café initiiert oder Petitionen unterschreibt. Und das wiederum habt ihr bei der Amnesty-Jugend ja sowieso drauf!