BUNDjugend Blog - ... und jetzt noch die Erde retten!

Ein Jahr Secondhand #3

10. Juni 2014

Der „Dies und Das“ von schräg gegenüber

Ich weiß nicht wie ich es angestellt habe, aber ich wohne nun schon ein dreiviertel Jahr in meinem Wohnblock, und fast täglich stehe ich davor und warte auf die Straßenbahn. Mir war der Dönermann von gegenüber ein Begriff, genau wie der Lotto-Laden und das Blumengeschäft, aber das sich still und heimlich daneben ein SecondHand-Shop geschlichen hat, habe ich nicht mitbekommen. Das wurde heute erst mal gründlich nachgeholt. Zwei Pullover, ein Top, ein T-Shirt, eine Bluse = 24€. Eine nette Verkäuferin und eine gute Freundin zur Beratung an der Hand. Made my day!

mona_3Wie alles begann

Als ich ungefähr zwölf Jahre alt war, fuhr ich mit meinen Eltern und meiner großen Schwester nach Berlin. Ich hab es mir von ihr erklären lassen: SecondHand, aus zweiter Hand also, bedeutet, dass Dinge weiter verkauft oder geschenkt werden, die vorher schon jemand anderes getragen hat, in einigen Fällen handelt es sich auch um Produkte mit kleinen Fehlern, die nie in den normalen Handel gelangt sind, oder Waren von insolventen Geschäften.

Wikipedia bezeichnet das wie folgend: „Second-Hand-Shops sprechen Menschen mit alternativen, konsumkritischen Lebensvorstellungen an, die sich einen eigenen nonkonformen und ihrer Meinung nach unkommerzielleren Bekleidungsstil zusammenstellen wollen. Hier wird häufig eine bewusste Anti-Ästhetik und ein Gammellook gepflegt, der sich dem oberflächlichen Schick konsumfreudiger, konformistischer Menschen bewusst verweigert. Second-Hand-Kleidung mit sichtbaren Gebrauchsspuren kommt dieser Absicht entgegen.“ Wenn das mal keine vorurteilsbehaftete Darstellung ist…

Wir streiften also durch Berlin. Brandenburger Tor, Fernsehturm, Sightseeing-Gedöns. Nach einigen Stunden befand meine Schwester, dass sie an der Reihe sei zu bestimmen, wohin es ging und wir gelangten in ganz andere Stadtteile, sie hatte sich informiert und fand in dunkelsten Ecken SecondHand-Läden. Mir waren diese kleinen, beengten Geschäfte unheimlich. Vor allem als eine alte Frau reinkam und die Sachen ihres verstorbenen Mannes daließ. Ich kannte, wenn überhaupt, eher helle, freundliche Riesenkaufhäuser. Zu diesem Zeitpunkt war für mich das kaufen von Kleidung auch eher eine lästige Notwendigkeit. In einer 1€-Wühlkiste entdecke ich dann aber eine blaue Krawatte mit Teddybären, mein Interesse war geweckt. Die Krawatte hängt noch immer in meinem Schrank, ich nutze sie zwar weniger im Alltag, aber für Kostümfeste und BadTaste-Partys ist sie doch äußert praktisch.

Heute habe ich einen weiteren Blick. Ich weiß in Ansätzen etwas über Produktionsbedingungen von Textilien in Asien, interessiere mich dafür, wie man klimafreundlicher leben kann, bin Vegetarier und versuche soviel wie möglich davon, an mein Umfeld weiter zu geben. Mittlerweile muss man nicht mehr nach Berlin fahren um SecondHand zu kaufen, es gibt Internetplattformen, Tauschpartys und sogar SecondHand-Ketten (Bsp. ReSales). Natürlich ist es in den „hippen“ Großstädten einfacher, aber mit ein bisschen gutem Willen findet man das gesuchte, wie heute erwiesen, vielleicht einfach vor der Haustür.

Das Prinzip Kleidung aus zweiter Hand zu kaufen nutze ich schon länger, aber nicht hauptsächlich. Ich kaufte in letzter Zeit viel bei Marken, von denen wenigstens behauptet wurde, dass sie irgendwo versuchten fair zu sein (Bsp. Gudrun Sjöeden, Tranquillo). Aber das ging natürlich ins Geld. Dann kaufte ich wieder bei den bekannten typischen Kaufhausketten mit der Begründung ich sein Student und Studenten haben kein Geld. Aber mit jedem Kauf nagte etwas an mir. Wenn mir heute Freunde erzählen sie würden den absolut-billig-Ketten einkaufen (ich hoffe man kann sich denken, wen ich meine), die sich in Deutschland rasant ausbreiten, läuft es mir kalt den Rücken runter.

SecondHand-Läden sind günstig, „retro“ ist gerade (glaube ich) irgendwie modern und es tut auch einfach der Seele gut. Daher beschloss ich Ende 2013: Wenn ich sonst schon keine guten Vorsätze hab (die ich einhalten kann), dann wird es halt ein Jahr aus zweiter Hand.


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