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Ein Jahr Second Hand #5

6. November 2014

Praktikum in der Großstadt – „Hipster“

Als ich vor sechs Wochen angereist bin, hatte ich einen kleinen Rucksack voll Klamotten bei mir. Nach zwei Wochen organisierte ich dann mal eine Waschmaschine. Seltsamerweise wusch ich so viel, dass der Wäscheständer zu klein war und ich kreativ werden musste…  Woran das lag? Ich hatte zugeschlagen. Kaum ein hipper Stadtteil ohne SecondHand-Läden, dauernd Flohmärkte und Tauschpartys und und und. Besonders im Gedächtnis bleibt mir ein Laden in dem überall Wagen standen, Kilopreis 19,95€. Ein absurder Gedanke, Kleidung wie Gemüse zu kaufen. Aber auch eine schöne Idee.

secondhandNeben beim Kaufrausch war es für mich schön zu sehen, dass es mittlerweile so viele Menschen gibt, die sich den Kleidungsstil aus zweiter Hand zum Lebensstil gemacht haben. Aber leider sah ich auch viele, die das ganze als Trend behandeln und die mühsam in Umsonstwühlkisten erbeuteten Stücke, dann mit Billigkleidung von der Stange kombinieren – diese HIPSTER!
Ich benutze das Wort „Hipster“ inflationär, ich mache mich über etwas lustig, von dem andere behaupten, dass ich es selbst sei. Meine Freundin Wiki sieht das so: „Gegenwärtig wird der Begriff in den Medien eher negativ und mit spöttischem Unterton gebraucht, indem er ein eher unpolitisches, oberflächliches soziales Milieu umschreibt, welches offensiv versucht, ein intelligentes, aufgeklärtes und zugleich modebewusstes Anderssein vom Mainstream zu kultivieren und in den Vordergrund zu stellen. Da Hipster jedoch selbst eine Subkultur, d.h. eine größere Ansammlung gleichgerichteter Menschen bilden, geht deren angestrebte Individualität durch die weite Verbreitung dieser Gleichartigkeit wieder verloren.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Hipster_%2821._Jahrhundert%29) Bezeichnet man einen Großstädter der Club Mate mit Wodka mischt als „Hipster“, kann das als Beleidigung empfunden werden: „Ich bin nicht so wie die anderen, ich bin individuell! So trinkt das hier jeder.“
In den deutschen Sprachgebrauch hat sich die Bezeichnung „Hipster“ eingeschlichen. Leier ist es eine eher abfällige Bemerkung. Ich weiß nicht, was daran verwerflich sein soll, sein eigenes Umfeld zu reflektieren und annähernd weltbewusst einzukaufen. Jedenfalls, wenn man konsequent bleibt.

Und – ohja – ich war konsequent. Pullover, Kleider, T-Shirts, Blusen, Hosen, Schuhe. Verständlich, dass sich meine Abreise als schwierig erwies. Aber ich habe sie bewältigt und sitze wieder in meiner Kleinstadt. Ich bin froh über meine Ausbeute, überlege aber welche Stücke ich aussortieren kann, (um Platz für „Neues“ zu machen versteht sich) und mir kommt die Idee den Trendgedanken der Großstadt zu übertragen… Eine Tauschparty wäre ein Beginn, oder dem kleinen SecondHand von Gegenüber unter die Arme zu greifen – support your locals! Für eine gute Sache, lasse ich mich auch als „Hipster“ bezeichnen.

Mona


2 Kommentare zu “Ein Jahr Second Hand #5”

  1. S. sagt:

    Was ist das Problem daran, wenn Menschen ihren Second Hand Kram eben mit „Billigklamotten von der Stange“ kombinieren?? Ist doch immerhin besser, als wenn sie ausschließlich „Billigklamotten von der Stange“ kaufen, oder nicht?
    Zumal man eben nicht alles immer Second Hand gut bekommt. Ich hab zum Beispiel noch nie gebrauchte Leggings gesehen. Auch bei Schuhen kann es manchmal schwierig werden, gerade, wenn man ungewöhnliche Größen hat.

    Ist es nicht wünschenswert, dass es „hip“ wird, Second Hand zu kaufen?

  2. Amalia B sagt:

    Vielen Dank für deinen erfrischenden Artikel. Ich stimme dem Vorkommentar zu, dass es ja gut ist wenn Second Hand Kleidung im Trend liegt. Auf der anderen Seite ist es natürlich generell wünschenswert, dass Leute sich auch aus moralischen und Umweltschutzgründen für Second Hand Kleidung entscheiden.

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