Bruxelles discute
4.12.2010
Salut aus Bruxelles, von der Youth Convergence on Climate Justice!
Gestern haben wir intensiv ueber den Emissionshandel aus dem Kyoto-Protokoll diskutiert, das leider einzige existirende Model zur Reduktion unserer Treibhausgasemissionen. Hier nochmal ein kurzer Ueberblick des Prinzips:
Staaten und Unternehmen erhalten Zertifikate fuer die CO2-Aequivalente, die sie ausstossen. Diese koennen sie auf dem Markt verkaufen, wenn sie weniger CO2 verbrauchen oder einkaufen, wenn sie mehr benoetigen. So entsteht ein globaler CO2-Markt. Zertifikate koennen auch durch Klimeschutzmassnahmen in Entwicklungs- und Schwellenlandern erworben werden. Eigentlich sollte die erlaubte Menge CO2 in jeder Phase sinken. Hier eine lustige Internetseite eines nicht ganz ernst gemeinten Unternehmens, das sich dasselbe Prinzip zunutze macht: Cheat Neutral.

Was ist das Problem dabei? Warum haben wir nicht schon laengst lauter klimafreundliche Unternehmen und Windparks in Afrika?
Hier noch eine Erklaerung von “The Story of Stuff“.
Im Laufe der gestrigen Workshops stellte sich heraus, dass der Emissionshandel und vor allem das sog. “Offsettig” (Kompensierung von Emissionen, weitere Infos) sogar kontraproduktiv sein kann. Um es mit den Worten von David Heller (Klimaexperte von Friends of the Earth Europe) zu sagen: Im best-case-Szenario fuehrt Offsetting zu keiner Verschlechterung des CO2-Ausstosses. Im worst-case-Szenarion bringt es sogar irreparable Umwelt- und soziale Schaeden!
In verschiedenen Workshops ueber das EU-ETS (EU-Emissionshandelssystem); REDD (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation, weitere Infos) und CDM (Clean Development Mechanism), haben wir genauer kritsche Punkte beleuchtet.
Beispielsweise fiel auf, dass durch das Europaeische Emissionshandelssystem insgasamt von 2005-2012 nur 2% Treibhausgase eingespart wurden. Ganz einfach deshalb, weil in der ersten Phase (2005-2008) nur 3 von 27 Mitgliedsstaaten ihre Emissionsgrenzen unter den Basiswert aus 2005 senkten. Nur 10 Staaten senkten ihre Grenzwerte in der zweiten Phase niedriger. Und ausserdem koennen zusaetzliche Einsparungen in weiteren Phasen wieder zusaetzlich verbraucht werden. Damit spart die europaeische Industrie auf keinen Fall mehr, als sie muss…
CDM Zertifikate sind auch so eine Sache. Sie sind oft billiger, aber es ist sehr schwer zu bewerten, ob die Klimaschutzmassnahmen tatsaechlich zusaetzlich sind, oder nicht ohnehin geplant waren. Und dann erst Unternehmen, die klimaschaedliche Produkte herstellen, um dann fuer die Zerstoerung der Treibhausgase Zertifikate zu bekommen… Leider geschehen auch die wenigsten Investitionen in wirklich armen Regionen, sondern in Schwellenlaendern wie China. Beispielsweise gehen nur 1% der CDM/Finanzierungen Belgiens nach Afrika, so ein Experte.
Sehr interessant war unsere Abschlussdiskussion mit einem Vertreter der Firma CO2logic, die CO2 Bilanzen von Produkten verbessert oder durch Offsetting ausgleicht, auf der einen und mit David Heller von FOEE auf der anderen Seite. Beide sind wohl wichtig, um den Klimawandel zu begrenzen. Die, die die einzigen rechtlichen Moeglichkeiten umsetzen, die wir haben, das Kyoto/Protokoll, und die, die fuer echte Klimagerechtigkeit kaempfen, vielleicht weniger bereit, sich mit Realitaeten abzufinden. Ich hoffe, dass wir alle einen Konsens finden, der naeher an Davids Position und trotzdem realistisch ist.
5.12.2010
Green New Deal, Green Capitalism or what else?
Der heutige Tag hier in Bruessel bagann mit einer spannenden Idee aus Schottland. Dort kartieren Klimaaktivisten die Hotspots fuer Klimagerechtigkeitsfragen in ihrer Region – Kohleminen, Bohrinseln, Waffenfabriken (weil Afghanistan/Irakkrieg auch aus Erdoelinteressen?) und die Banken, die das alles finanzieren. Dann kann man das schwaechste Glied der Kette angreifen, wie beispielsweise Foerderbaender fuer den Abtransport von Kohle. Und so ein Steinchen im Getriebe sein.
Danach begannen wir inzwischen ca. 70 Teilnehmer der Youth Convergence, uns den Kopf ueber grundlegende Zukunftsfragen zu zerbrechen. Ist eine klimagerechte Zukunft in unserem von Krisen geschuettelten Kapitalismus moeglich? Wie? Ist der Green New Deal, der durch Umverteilung durch Steuern, Innovation in umweltfreundliche Technologien und Kreativitaet versucht, dem Kollaps entgegen zu wirken, die Antwort?
Oder muessen wir tatsaechliche eine Revolution starten? Und wo fangen wir an? Bei uns im Kleinen oder gross?
Und wo wollen wir hin?
Fragt sich
Eure Ruth

[...] wenn über den Samstag ja schon Einiges geschrieben wurde, möchte auch ich nochmal ein paar Eindrücke ergänzen. Am Samstag und Sonntag [...]