BUNDjugend Blog - ... und jetzt noch die Erde retten!

Von stummen Tanzenden und “öffentlichen Erzählern” – Der Jugend-Klima-Gipfel 2011

26. September 2011

Man ist sich einig am Sonntagnachmittag des 25. Septembers auf dem Podium der Jerusalemkirche in Berlin-Kreuzberg. Der soeben beendete „Jugend-Klima-Gipfel“ sei ein voller Erfolg gewesen, so die Organisatoren rund um Christian Schwarzer (NAJU), Lukas Prinz (Jugendbündnis Zukunftsenergie) und Katharina Reuter (klima-allianz).

Die Veranstaltung ist bisher einzigartig in Deutschland, ein Testballon gewissermaßen, mit dem Ziel der Jugend-Klimaschutzbewegung auch hier ein Gesicht und eine Stimme zu verleihen. Man sieht sich damit in der Tradition vieler anderer Länder, in denen dieser Prozess mittlerweile schon in vollem Gange ist. Als besonderes Vorbild dient dabei die sogenannte „Power Shift“-Bewegung, unter deren Banner beispielsweise in den USA schon zehntausend Jugendliche in Camps zusammengebracht wurden – nicht nur um über Klimaschutz zu debattieren, sondern um darüber hinaus das Heft mit eigenen Aktionen und Kampagnen selbst in die Hand zu nehmen.

Dementsprechend vielfältig war auch das Programm des deutschen „Jugend-Klima-Gipfels“, dass mir und den anderen Teilnehmern ein erlebnisreiches und intensives Septemberwochenende bescherte. Los ging es am Samstag um elf Uhr. Nach einigen einführenden Reden, u. a. von der BUNDjugend-Bundessprecherin Jutta Wieding, hatten wir die Qual der Wahl, da sich ein jeder von uns für einen der insgesamt vier Workshops entscheiden musste. Ich besuchte „100 % erneuerbare Energien bis 2050“ mit Referent Heiko Stubner vom Bundesverband Erneuerbare Energien e. V. und meine hohen Erwartungen wurden alles andere als enttäuscht: Herr Stubner erwies sich als redegewandt und vermittelte im steten Dialog mit uns Teilnehmern eine Unmenge an Informationen. Die kurzweilige Stunde war in meinen Augen einer der Höhepunkte des gesamten Wochenendes, mit dem einzigen Wermutstropfen, dass es ruhig noch ein paar solcher Stunden mehr hätten sein können, denn wir schafften es in unserer Gruppe letztendlich „nur“ über Energieerzeugung und –verteilung, nicht aber über Effizienz, Wärmedämmung oder Transport zu sprechen. Das zeigt, wie komplex solche technischen Thematiken oft sind, was es in meinen Augen umso wichtiger macht, sich mit ihnen ausführlich auseinanderzusetzen.

Im direkten Anschluss an die Workshops machten wir uns auf den Weg zum Ku’damm, genauer gesagt zum Breitscheidplatz. Der 24. September ist nämlich kein Tag wie jeder andere, er ist auch nicht einfach der erste Tag des „Jugend-Klima-Gipfels“, sondern gleichzeitig der weltweite Klimaaktionstag, an dem das Netzwerk 350.org zu Aktionen rund um den Globus aufruft.
In Berlin fand aus diesen Anlass zum dritten Mal die Silent-Climate-Parade statt – Protest soll auch Spaß machen, so lautete die Devise. Deshalb tanzt man für den Klimaschutz, unterstützt von hochkarätigen DJs und DJanes. Der Clou daran: Nur die Demonstranten hören die Musik, welche über Funk auf vorher ausgeteilte Kopfhörer übertragen wird.  Bei glänzendem Wetter, wie es uns sonst in diesem Jahr nur selten zuteil wurde, wippte, groovte und hüpfte der bunte Demonstrationszug stumm durch Berlin und hinterließ bei vielen Passanten gewiss bleibenden Eindruck.

Nach der anschließenden Kundgebung vor der Gedächtniskirche war der Tag für mich und alle anderen Teilnehmer des Jugend-Klima-Gipfels jedoch noch nicht zu Ende. Zunächst ging es zumeist per Bus, in meinem Fall mit dem Rad, zurück zum Tagungsort. Dort angekommen erwartete uns als Abschluss des Samstags eine abendliche Podiumsdiskussion, für welche die Veranstalter Jugendvertreter aller etablierten Parteien sowie Jutta Wieding (BUNDjugend) und Gewerkschaftsvertreter Christian Beck (IG Bauen-Agrar-Umwelt) gewinnen konnten. Die Moderation übernahm Holger Klein (FRITZ!-Radio).
Schnell entwickelte sich zwischen den Rednern, die zwar meist sehr ähnliche Ziele verfolgten, jedoch auf teils sehr unterschiedliche Art und Weise, ein anregender und spannender Diskurs. Es wurde klar, dass die Erderwärmung und der damit einhergehende Klimawandel kein isoliertes Problem darstellt, sondern, so Tim Schlösser (JUSOS), viel mehr als Querschnittsthema aufgefasst werden und in verschiedensten Politikbereichen Berücksichtigung finden sollte. Mit diesem Einwand wischte er gleichzeitig vorherige Debatten um die Priorität von Klimaschutz und dessen politischer Einordnung vom Tisch.
Auffälig oft führte der vielfach sehr hohe Grad an Sachverständigkeit der Diskutierenden dazu, dass man sich an Details zerrieb, was den Moderator zu der Frage verleitete, wie man all das Gesagte und die damit verknüpften Werte und Vorstellungen denn einem normalem Bürger vermitteln wolle, der arbeite, und sich am Abend lieber ein „Bier aufmache“, als noch großartig belehrt zu werden. Jutta Wieding fand daraufhin die richtigen Worte, als sie feststellte, dass den meisten Konsumenten mittlerweile einfach der emotionale wie rationale Bezug zu den von ihnen konsumierten Produkten fehle. Sie betonte, dass gerade dezentrale Stromerzeugung durch erneuerbare Energien oder der Kauf regionaler Produkte, diese Distanz wieder schrumpfen lassen könnte. Somit sei es möglich, eine höhere Sensibilisierung der breiten Bevölkerung für die so heiß diskutierten Themen zu erreichen.
Einen schweren Stand in der Runde hatte neben Josefin Kraemer (Junge Union) vor allem Marcus Bertz als Vertreter der Jungen Liberalen. Erstaunlicherweise erklärte er sich aber am Ende der Podiumsdiskussion bereit, sich mit den Forderungen der Teilnehmer des Gipfels auseinanderzusetzen und einen Brief an Bundeskanzlerin Merkel zu verfassen. Gewissermaßen war dies das versöhnliche Ende der zwischenzeitlich doch kontroversen Debatte und damit auch der Schlusspunkt des ersten Gipfel-Tages.

Viel Zeit zum Verschnaufen blieb jedoch nicht, denn am Sonntag ging es schon um neun Uhr weiter. Der zweite und letzte Tag des Jugend-Klima-Gipfels stand ganz im Zeichen von „public narrative“, einer innovativen rhetorischen Methode, die nicht zuletzt Obama vor drei Jahren zu seinem Erfolg im Rennen um die US-Präsidentschaft verhielf. Nach zwei Vorträgen, in denen wir über die Schülerinitiative „Plant for the Planet“ und über internationale Jugendklimaschutzbewegungen im Allgemeinen informiert wurden, fand man sich deshalb in kleineren Gruppen zusammen, in denen wir zusammen mit Trainern die „public narrative“-Methode erlernen sollten. Das Ziel war es, am Ende eine Version seiner eigenen Geschichte, mit dem Potential andere Menschen zu überzeugen, erzählen zu können. Denn darum geht es bei „public narrative“. Man geht von sich selbst aus, versucht mittels ganz persönlicher Anekdoten oder Schilderungen ganzer Werdegänge eine emotionale Verbindung zu den Zuhörern herzustellen, anschließend ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen und getragen davon die Ziele zu definieren, auf die man hinaus will.
Nach Beendigung der Arbeitsphase versuchten sich dann drei Teilnehmer vor versammelter Runde daran, dass eben Gelernte überzeugend umzusetzen, was in allen Fällen erstaunlich gut gelang.

Um das Treffen, in dessen Verlauf, wie von den Organisatoren gewünscht, die Vernetzung jugendlicher, deutscher Klimaaktivisten weiter vorangetrieben wurde, gebührend abzuschließen, fanden sich am späten Sonntagnachmittag noch einmal alle Teilnehmer des Jugend-Klima-Gipfels zusammen und formten zusammen für ein Gruppenfoto auf dem Kirchenvorplatz die „100 %“ stellvertretend für die Forderung nach einer Umstellung der Stromversorgung hin zur vollständigen Energieerzeugung aus regenerativen Quellen.

Die Gelegenheit, die sich mir und allen anderen an diesem Wochenende bot, war sicherlich etwas Besonderes. Ich möchte den Veranstaltern danken, dass sie uns ermöglichten sich mit so vielen Gleichaltrigen untereinander auszutauschen – herauszufinden, dass wir alle auf der einen Seite zwar vollkommen unterschiedlich seien mögen, aus den verschiedensten Verhältnissen stammen und dennoch so verblüffend ähnliche Ziele verfolgen.
Der reibungslose Ablauf des gesamten Gipfels und die vorzüglich Verpflegung während der zwei Tage, sollen ebenfalls nicht unerwähnt bleiben.

Dennoch will ich nach all dem Lob auch etwas Kritik üben: Ich hätte es toll gefunden, wenn die einmalige Chance einer solchen Veranstaltung auch mehr zur Vermittlung von Inhalten genutzt worden wäre. Denn gute und überzeugende Argumente sind neben allen rhetorischen Kniffen – und das finde ich sehr tröstlich – noch immer die Grundpfeiler einer glaubwürdigen Argumentation.

Euer Stefan

 

 

 


Über Lebenskunst und Leitungswasser

22. August 2011

Im Haus der Kulturen der Welt fand vom 17. bis zum 21. August das Über Lebenskunst Festival statt. Im Zuge meines Betriebspraktikums in der Bundesgeschäftsstelle ging ich Freitagmittag mit Flyern gerüstet dort hin um mir einen Eindruck zu verschaffen.

Da das Wetter nicht besonders gut war flüchtete ich nach drinnen wo ich eine Art Haus im Haus vorfand, spannend, aber man musste sich erstmal zurecht finden. Es handelte sich um ein Projekt namens „imbaueinbau“ von Fat Koehl Architekten, welches später noch für andere Ausstellungen verwendet werden soll.

Das Festival ist Höhepunkt der Über Lebenskunst Initiative für Kultur und Nachhaltigkeit, deshalb wunderte es mich auch nicht das sich die Ausstellungen und Projekte größtenteils mit Erneuerbaren Energien und Abfallverminderung oder dergleichen befassten.

Auf der Suche nach einem Programmpunkt den es sich zu besuchen lohnte wurde ich zur „Druckstation“ geschickt hier standen Computer an denen man sich das Programm samt einiger Hintergrundinformationen ausdrucken konnte, alles um Papier zu sparen und weil man ja sowieso nur das lesen wir, was einen interessiert. Leider fand ich keine Veranstaltung die mir zusagte, beschloss aber trotzdem weiter das Gelände zu erkunden.

Als ich dann doch nach draußen ging sah ich eine Ansammlung von Tanks und Schläuchen, die wie sich herausstellte, eine Anlage zur Reinigung des Regenwassers war, mit dem sich die Festival Besucher noch auf dem Gelände duschen konnten.

 

 

Eine für mich ein bisschen absurde Vorstellung aber als ich nach einiger Zeit doch ein wenig Durst bekam machte ich mich auf den weg zur „Laube“, eine Art Restaurant oder Imbissbude auf dem Festival, fand ich heraus, dass auch alles Trinkwasser auf dem Festival Berliner Leitungswasser war. Da der Kauf von Wasser-Flaschen nun wirklich nicht das beste für unsere Umwelt ist wurde einfach stilles oder mit Kohlensäure versetztes Leitungswasser serviert. Auch die Nahrungsmittel wurden fast ausschließlich selbst angebaut oder aus der Region gekauft und es wurde nur regional, saisonal gekocht. Gestärkt machte ich mich auf, einen geeigneten Platz für die Flyer zu finden.

Auf dem Gelände waren nicht allzu viele Besucher zu sehen, dafür umso mehr Leute in Roten Shirts die einem Informationen gaben. Auf meinem Weg zurück ins Haus im Haus kam ich an einem Baugerüst vorbei auf dem kleine Häuschen montiert waren, nach einiger Recherche fand ich heraus das dies die „Schlafzimmer“ der Studenten waren, die Tag und Nacht auf dem Festival verbrachten.

 

Wieder drinnen fand ich dann auch eine Möglichkeit die MORGEN LANDE und WELTbewusst Flyer loszuwerden und fand, dass es Zeit war wieder nach Hause zu fahren.

Im großen und ganzen war das Festival sehr interessant, es hat Spaß gemacht das Gelände zu erkunden und sich alles anzuschauen, schade nur das die Programmpunkte nicht besser durchschaubar waren und einem die Info-Leute nicht mehr zum Thema erklären konnten.

Annika


40 % in da house!

24. Juni 2011

Ein Grund zum Feiern: Die EU beschließt, 40 % ihrer Treibhausgasemissionen bis 2020 zu senken, im Vergleich zum Niveau von 1990, und ohne Offsetting!

Der COP 17 in Durban wird kurzerhand in POC (Party of the Conference) umbenannt. Da nun auch die anderen Staaten nachziehen und sich in einer zweiten Verpflichtungsperiode mit ambitionierten Klimazielen bereit erklären, steht der Begrenzung des Klimawandels auf 1,5 °C nicht mehr viel im Wege.

Leider entspricht dieses Szenario nicht der Realität, sondern den Wünschen und Hoffnungen von uns TeilnehmerInnen des internationalen Seminars “Climate Justice – more than words”, dass vom 10.-18. Juni in Bonn stattfindet.

Wir feiern trotzdem und laden die Delegierten der Zwischenverhandlung in Bonn ein, auf die richtig große Party im November/Dezember in Durban ein. Damit setzen wir ein Zeichen dafür, wie Klimapolitik aussehen sollte.

Mit einem riesigen Banner “EU -40% in da house”, Luftballons und 40% “fair share” Kuchen stehen wir am Freitag, den 17.Juni vor dem Maritim-Hotel in Bonn. Jugendliche Delegierte aus Polen, Deutschland, der EU und ein Sprecher der UN steigen auf das Podest verkünden wirklich ambitionierte Ziele. Jede Ankündigung wird von den Feiernden mit lauten Jubel und Gesang beglückwünscht.

“Celebrate good times – come on!”

Polen macht den Anfang und gibt die Entscheidung bekannt, dass sie einer 40% CO2-Reduktion der EU zustimmen werden.

Deutschland folgt diesem Beispiel und fordert die anderen EU-Staaten und die Staatengemeinschaft auf, es Ihnen gleich zu tun.

Kurz darauf folgt die Bekanntgabe der Entscheidung der EU, die Emissionen um mindestens 40% durch Einsparungen “zu Hause” zu senken, und sich zu mit diesem Ziel in eine zweite Verpflichtungsphase des Kyoto-Protokolls zu begeben.

Daraufhin verkündet ein Vertreter der UN, dass bereits ausreichend Staaten sich mit hohen Reduktionszielen zu einer zweiten Periode des Kyoto-Protokolls verpflichtet haben, um den gefährlichen Klimawandel aufzuhalten und das Vertrauen in den UN-Prozess wieder herzustellen.

Juhu!

Wir kommen mit Delegierten ins Gespräch, hören, dass viele unsere Meinung teilen. Hören, dass dies ein erster Schritt wäre, um wieder Fortschritte in der interntaionalen Klimapolitik zu erziehlen.

Einige BeobachterInnen von Friends of the Earth International unterstützen uns, sowie eine Delegation von AktivistInnen aus Bolivien.

In der Pressekonferenz von Friends of the Earth International wird unsere Aktion und die Hintergründe wieder aufgegriffen und erklärt.

Ein Video (von Young Friends of the Earth Norway) findet ihr hier.

Tolle Fotos hat Adela geschossen.

Irgendwann werden wir gewinnen…

Ruth


„Climate Justice – more than words“

21. Juni 2011

8 Tage, 35 Jugendliche aus 16 europäischen Ländern, ein Thema: Klimagerechtigkeit.

Was bedeutet das für uns? Wie gerecht ist der Prozess der UN-Klimakonferenzen? Wie funktioniert Emissionshandel? Welches CO2-Budget haben eigentlich die verschiedenen Staaten? Welche Reduktionsziele liegen auf dem Tisch und wie müssten diese eigentlich aussehen, um den Klimawandel auf 2 °C oder besser 1,5 oder sogar 1°C zu begrenzen?

Was müssten unsere Regierungschefs und wir als Gesellschaft tun, um unserer Verantwortung gegenüber unseren Freunden aus den stärker betroffenen Regionen der Welt gerecht zu werden?

Diesen Fragen sind wir auf dem Klimagerechtigsketisseminar vom 10. bis 18. Juni 2011 in der Jugendakademie Walberberg auf den Grund gegangen, während parallel im Maritim Hotel die Klimaexperten und Gelegierten aus aller Welt auf der Klimazwischenkonferenz der UN über die Zukunft des Kyoto Protokolls und anderer Maßnahmen berieten.

Tag 1

Einen spannenden Einstieg liefert uns Hanna vom Wuppertal Institut mit ihrem Vortrag über wissenschaftliche Grundlagen des Klimawandels und einer Aufstellung, wie groß (bzw. klein) das CO2-Budget der einzelnen Staaten eigentlich nur noch sein dürfte. Sie stellt auch dar, wie die Auswirkungen des Klimawandels das Menschenrecht auf Nahrung bedrohen. Eigentlich ist es Aufgabe des Staates und der öffentlichen Institutionen, auf regionaler, nationaler und supranationaler Ebene die Grundversorgung der Menschen mit Nahrung sicherzustellen. Das bedeutet theoretisch, dass betroffene Menschen in z.B. Kamerun die Industriestaaten, die durch ihre langjährigen Treibhausgasemissionen für den Klimawandel verantwortlich sind, für die Verletzung ihrer Menschenrechte anklagen könnten. Nur gestaltet sich das in der Realität fast unmöglich.

In der Pause machen wir ein Foto für eine Solidaritätsaktion im Rahmen von No Nukes! Action Day, ausgerufen von Friends of the Earth Japan.

Am Nachmittag sindwaren die Teilnehmer an der Reihe. Sie stellen das Gesicht des Klimawandels in ihrem Land vor, indem sie den nationalen Energiemix, die Klimapolitik, das Bewusstsein und die Handlungsbereitschaft in der Bevölkerung und die evtl. vorhandene Klimagerechtigkeitsbewegung miteinander vergleichen. In sehr konzentrierter Atmosphäre lernen wir so, welche Staaten die europäische Klimapolitik bremsen oder voran bringen. Es wird deutlich, wo noch viel Öffentlichkeitsarbeit zur Bewusstseinsbildung der Menschen nötig ist. Die Frage kommt auf, warum die Menschen, denen sehr bewusst ist, dass der Klimawandel eine reale Bedrohung ist, und sie täglich daran mitwirken, doch effektiv wenig tun, um dem entgegen zu wirken.

Abends werden unsere Ergebnisse mit den Meinungen von drei Menschen aus stark betroffenen Regionen im globalen Süden konfrontiert. Jean-Paul aus Kamerun von den YOUNGOs*, Kwesi aus Ghana vom Third World Network Africa, und Marie Louise von den Philippinen, aktiv bei Jubilee South, die alle die Koferenz am anderen Ende Bonns kritisch beobachteten, erzählen uns eindrücklich, was die Entscheidungen der Industrienationen in ihren Heimatregionen anrichten.

Ein Beispiel aus Kamerun. Der Norden vertrocknet und versandet zusehends (Fachwort: Desertifikation) während der Süden von Überschwemmungen und dem Anstieg des Meeresspiegels bedroht ist. Viele Menschen fliehen schon heute, weil in ihren Heimatregionen die Lebensgrundlage verschwindet. Sie treffen sich in der Mitte, wo Überbevölkerung droht. Oder müssen ausweichen in andere Staaten. Meist sind es angrenzende Staaten, aber wäre es nicht eigentlich gerecht, wenn auch die EU, die maßgeblich zum Klimawandel beigetragen hat, Flüchtlinge aufnehmen würde? Jean-Paul dazu:

„Wir sind zur Klimakonferenz hierher nach Europa geflogen. Wir könnten auch einfach hier bleiben und dem Problem entfliehen. Aber wir gehen zurück und kämpfen für unsere Mitmenschen.“

Er ist stolz, die Opferrolle im Klimawandel zu akzeptieren, um sie mit Taten und Aktionen zu überwinden.

Kwesi erzählt vom Tafelberg, der bei der derzeitigen Erwärmung 2014-2015 komplett abzuschmelzen droht. Bisher sichert er die Trinkwasserversorgung der umliegenden Regionen. Bestimmte Regionen wie Afrika am Äquatorgürtel, werden von den durchschnittlichen Temperaturanstiegen ca. 1,5 mal so stark betroffen, d.h. ein Temperaturanstieg von durchschnittlichen 2°C bedeutet dort mindestens 3°C und viel stärkere Extreme.

Malou erzählt von Kraftwerken auf den Philippinen, die von Europäischen Entwicklungshilfegeldern finanziert werden. Die Energie ist immernoch teuer, die Gewinne kommen nicht der Bevölkerung zugute. Jetzt werden Bäume gepflanzt – von demselben Geld, das bis vor kurzem in ein Kohlkraftwerk floß. Und während sich bei uns in Deutschland der Atomausstieg manifestiert, werden in Entwicklungsländern von unseren Konzernen neue gebaut, und womöglich zukünftig als Klimaschutzmaßnahmen in den Emissionshandel eingerechnet.

Ein erster Tag wie eine Woche. Anstrengend – und voller Erkenntnisse.

Cheers, Ruth

*YOUNGOs – anerkannte Gruppe/constituency Jugendlicher aus NichtregierungsbeobachterInnen bei den UN-Klimakonferenzen


BUNDjugend auf dem Kirchentag

9. Juni 2011

Vom 1. bis 5. Juni präsentierten wir mit vielen BUNDjugend-Aktiven auf dem 33. evangelischen Kirchentag in Dresden die Arbeit der BUNDjugend. Der Kirchentag bot eine gute Gelegenheit unsere Themen in die Öffentlichkeit zu tragen und neue Kontakte zu knüpfen. Bei strahlendem Sonnenschein konnten wir auf unserem BUNDjugend Stand im Zentrum Jugend, direkt an der Elbe, mit vielen interessierten Jugendlichen ins Gespräch kommen und unsere Kampagnen vorstellen.

Unser Zelt war stets gut besucht und brachte eine Vielfalt von jungen Menschen zu uns: junge Christen aus ganz Europa, Pfadfinder, Fußballfans, engagierte Umweltschützer und Eine-Welt AktivistInnen. Die Mischung der Besucherinnen und Besucher hat uns deutlich gemacht: Themen wie Fair Trade, Anti-Atom und Klimaschutz sind auch im christlichen Glauben wichtig. Es sind Themen die uns alle angehen und mit denen wir in unserem täglichen Leben und mit unserem Konsumverhalten ständig konfrontiert sind.

Durch die motivierten Helferinnen und Helfer am Stand konnten wir mehr als 400 UnterstützerInnen für unsere neue Kampagne „Die Geschichte des Fußballs“ gewinnen, die unsere Petition an den DFB für faire Sportartikel unterzeichneten. Neben dem großen BUNDjugend Zelt mit Kickertischen, hatten wir einen zweiten mobilen Infopoint in der Innenstadt aufgebaut. Hier haben engagierte BUNDjugend Aktive mit KirchentagsbesucherInnen über Atomkraft, die Energiewende und Klimaschutz diskutiert. Direkt an der Frauenkirche haben wir viele Postkartenhefte verteilt und die Menschen dazu aufgerufen sich an den Protestaktionen gegen die Atomindustrie zu beteiligen.

Für die BUNDjugend war der Kirchentag ein großer Erfolg, da wir mit unseren Materialien und Aktionen viele neue Jugendliche ansprechen und begeistern konnten. Es hat sich gezeigt, dass es wichtig ist über den eigenen Kreis hinaus aktiv zu sein und neue Menschen über unsere Projekte zu informieren.

Natürlich gehen die Kampagnen weiter. Also unterschreibt die Petition für faire Sportartikel auf www.die-geschichte-des-fussballs.de, besucht uns bei Facebook und bestellt euch die Postkartenheftchen zur Energiewende, um Eure Forderungen an Politiker, Wirtschaftsvertreter und die Bildzeitung zu schicken.

Und beim nächsten Stand freuen wir uns wieder über viele freiwilligen HelferInnen – vielleicht auf einem großen Musikfestival, einem Straßenfest oder dem Fußball-WM-Finale…


Bericht vom YFoEE-AGM

9. April 2011

Vor nicht allzu langer Zeit hat in Bad Nauheim das Annual General Meeting (AGM) von unserem europäischen Netzwerk Young Friends of the Earth Europe (YFoEE) stattgefunden. Wie der Name schon sagt, ist das mit unserer Delegiertenversammlung vergleichbare Treffen einmal im Jahr, damit sich die Mitglieder austauschen und das Netzwerk weiterentwickeln können.

Nach der Ankunft und einigen Namensspielen am Donnerstag, haben wir uns am Freitag Vormittag mit der Struktur und den Kampagnen der Mitgliedsorganisationen beschäftigt. Es war sehr spannend zu hören, wie die unterschiedlichen Organisationen aufgebaut sind. Viele existieren schon länger, manche haben gar keine richtige Jugendorganisation und wiederum andere sind erst im letzten Jahr entstanden. Dementsprechend unterschiedlich war auch die Bandbreite der Themen, mit denen sich die Mitglieder beschäftigen und von wie vielen Aktionen sie bereits berichten konnten. Aber eins haben alle gemeinsam: Es mangelt immer am Geld und häufig auch an der Mobilisierung der Menschen.

Danach hat Sophie – YFoEE-Mitarbeiterin im Brüsseler Büro – uns die Struktur und Arbeitsweise von YFoEE erklärt. Dazu gehört nicht nur sie als Koordinatorin von YFoEE, sondern auch die Steuerungsgruppe, die Arbeitsgruppen und auch die Mitgliedsorganisationen sowie deren Verhältnis untereinander.

Außerdem berichtete Sophie von den Aktivitäten im letzten Jahr. So sprach sie über die Arbeit der Steuerungsgruppe, die Beteiligung YFoEEs an der diesjährigen YouPEC unter dem Thema Biodiversität) das YFoEE-Summer Camp in Polen aber auch unser Mitwirken in unserer „Erwachsenenorganisation“ Friends of the Earth Europe/International (FoEE/FoEI).

Im Anschluss sprach Susi über die Arbeit der Climate Justice Working Group. Diese hat sich beim letzten AGM in Hilversum gebildet und war seitdem nicht nur bei den verschiedenen Klima-(Zwischen)Konferenzen aktiv. So haben wir beim Klimaforum in Bonn einen Workshop gemacht, planen das Climate Justice Seminar, welches im Juni stattfindet, waren beim Climate Campaigner Meeting von FoEE vertreten und sind gerade dabei, ein Projekt unter dem Titel European Youth for Climate Justice zu entwickeln.

Danach haben wir uns ausführlicher mit dem Verhältnis zwischen YFoEE und den Mitgliedsorganisationen sowie deren Bedürfnissen beschäftigt. Es zeigte sich, dass das Netzwerk aufgrund der Möglichkeit für Erfahrungsaustausch, Fortbildung und zur internationalen Vernetzung bei europäischen Themen geschätzt wird, aber sich auch gleichzeitig noch in der Entwicklung befindet. Deshalb sind auf YFoEE-Treffen die Strukturen immer wieder ein wichtiges Thema.

Nachdem wir uns am Samstag Vormittag nochmal an den Themen Kommunikation, Fortbildungen und der Planung des YFoEE Summer Camps in Ungarn gearbeitet haben, ging es nach dem Mittagessen zu einer Exkursion an die frische Luft.

Am späten Nachmittag haben wir uns dann der Weiterentwicklung der YFoEE-Webseite sowie der Zusammenarbeit zwischen YFoEE und dessen „Erwachsenenorganisation“ FoEE beschäftigt. David Heller, Network Development Coordinator von FoEE, hat uns dafür ein wenig in die Arbeitsweise seines Netzwerkes eingeführt und wir haben uns mit den Dingen beschäftigt, die bei der Zusammenarbeit zwischen Jugendlichen uns Erwachsen gut laufen, nicht so gut laufen, unklar sind oder wo wir Ideen beitragen können.

Am Sonntag haben wir uns erst mit den Plänen der Mitgliedsorganisationen für das kommende Jahr und darüber hinaus beschäftigt. Danach ging es dann um die konkreten Aktivitäten der Arbeitsgruppen (Climate Justice, Food and Agriculture, Communication).

In der Climate Justice Working Group gibt es bereits eine Menge Pläne. Zum einen steht Anfang Juni während der Klima-Zwischenverhandlungen das Klimagerechtigkeitsseminar von BUNDjugend und YFoEE an, „nebenher“ folgt bereits die „European Youth Campgain on EU“ von UK Youth Climate Coalition (UKYCC), BUNDjugend und YFoEE, einige aus dem Netzwerk werden in Durban anwesend sein, während in Brüssel parallel dazu wieder eine Jugendkonferenz stattfinden wird („Durban in Brussels“), sowie unser Engagement im European Youth Climate Movement und im Rio+20-Prozess wurden besprochen.

Die Food and Agriculture Working Group hingegen musst zunächst erst einmal wieder ins Leben gerufen werden und in der Communications Working Group ging es viel um die Homepage, den Newsletter sowie alles weitere, was mit Kommunikation zusammenhängt.

Am Abend besuchten uns noch zwei Mitglieder der BUNDjugend Hessen und erzählten von ihrer Arbeit. Außerdem wurde die neue Steuerungsgruppe von YFoEE gewählt. Nachdem wir uns von den „alten“ Mitgliedern verabschiedet haben – ein großes Dankeschön für ihre unermüdliche Arbeit (und das leckere Essen auf dem AGM!!) geht dafür an Anna, unser BUNDjugend-Mitglied im letzten Jahr – freuen sich nun acht neue Mitglieder auf ein spannendes Jahr – und mit ihnen auch Susi vom BUND, die bereits in den letzten Jahren sehr viel Engagement in das Netzwerk gebracht hat!

Soviel dazu, eure Marika


Weltbank und Transition Towns

10. Dezember 2010

9.12.2010

Hi!

Irgendwie toll, wie unsere Aktionen hier in Bruessel mit denen in Cancun verknuepft sind. Auf unsere Weltbankaktion und “Don’t nuke our Climate” haben wir einige positive Rueckmeldungen bekommen. Und wenn wir hier eine Aktion an einer Botschaft machen oder Briefe abgeben, muss die Botschaft das in das betreffende Land melden.

Bei unserem Brainstorming ueber lokale Loesungen oder Loesungsansaetze fuer eine klimagerechtere Welt fielen uns wunderbar viele schoene Projekte ein: Gemeinschaftsgaerten, Kooperativen, Umsonstlaeden, Veggie-Days, Stromwechsel, Staedte mit kostenlosem Nahverkehr, Transitiontowns, Baeumepflanzen, Ecovillages, Bikesharing….und viel mehr.

Danach gingen Susi, David und ich zu einem persoenlichen Treffen mit dem Repraesentanten der Weltbank fuer die EU-Institutionen. Wir wurden sehr freundlich empfangen und durften eine Stunde lang kritische Fragen stellen. Also fragten wir: Wieso will die Weltbank die Aufsicht fuer die Klimafinanzierung uebernehmen? Wie laesst sich der Interessenkonflikt bewaeltigen, dass die Weltbank Kohleabbau finanziert? Sowie viele in unseren Augen “falsche Loesungen” wie Palmoelplantagen, Biotreibstoffe allgemein oder riesige Staudaemme? Warum setzt sie sich fuer eine Ausweitung der CO2-Maerkte in Entwicklungslaendern ein? Wie wuerde ein Klimafonds unter Weltbankverwaltung aussehen? Wuerden Garantien vergeben oder Kredite? Was waeren hierfuer die Auflagen fuer die betroffenen Staaten? Was ist mit der Verantwortung, die Industriestaaten fuer den Klimawandel tragen? Inwiefern reagiert die Weltbank auf Sorgen der Zivilgesellschaft? Und warum wollte sie uns ueberhaupt treffen und was  passiert mit den Ergebnissen dieses Gespraechs?

Es wurde sehr klar, dass die Weltbank einfach oekonomisch, logisch und gewinnorientiert denkt, was natürlich zu erwarten war. Immer wieder wurden diese Argumente genutzt: Die Weltbank ist lediglich eine Agentur, die politische Entscheidungen der Regierungen umsetzt. Ihr Ziel ist Armutsbekaempfung (wobei diese hauptsaechlich als ein Wachstum des BIP verstanden wird). Dennoch brachte das Gespraech in sehr positiver Atmosphaere einige Erkenntnisse. Unser Argument der oekologischen Schuld wurde ueberraschend verstaendnisvoll aufgenommen. Interessant war die Aussage, die Weltbank wolle nicht aktiv die Kontrolle ueber die Klimafinanzierung uebernehmen, sondern erwarte lediglich Auftraege. Unser Gespraechspartner will den Vorstand der Weltbank um eine oeffentliche Stellungnahme hierzu bitten – mal sehen. Zudem meinte Mister Sipos, die Weltbank befinde sich gerade im Wandel, was die Konsultation und Beachtung der oeffentlichen Meinung betreffe – Gespraeche wie das, was wir gefuehrt hatten, werde also einfliessen und weitergegeben werden…

Wir konnten trotzt aller schoenen Worte klar machen, dass wir der Weltbank die Rolle des lediglich ausfuehrenden “unschuldigen” Institution nicht abkauften und konnten unsere Ablehnung der Ausweitung der CO2-Maerkte, der falschen Loesungen wie Agrotreibstoffe, CCS und Regenwaldnutzung darlegen. Ich bewerte das Treffe deshalb positiv, und haette nicht gedacht, dass in so einem Buero so normale Menschen arbeiten, mit denen man reden kann und die guten Gruentee trinken. Andererseits war das natuerlich auch genau das Bild, das sie bei uns erwecken wollen, und sich als besonders demokratisch praesentieren. Hoffentlich stimmen Herr Sipos Aussagen ueber die “changing” Weltbank.

Wir hatten noch einen spannenden Vortrag ueber “Transition Towns” – damit sollte man ich wirklich auseinander setzen – sehr inspirierend – haben vor der Britschen Botschaft unsere Solidaritaet mit den Studentenprotesten aus Grossbritannien erklaert und einen Film gesehen “No Impact Man”. Ich bin nur leider viel zu muede, um darueber zu berichten. Schaut es Euch an!

http://transitiontowns.org/

http://noimpactman.typepad.com/

Es grüßt Euch die Ruth.


Piggy Pinata und das Europaparlament

8. Dezember 2010

Piggy Pinata taking over World Bank Control!

Bruessel, Welbankvertretung, 8:45 Uhr. Zu mexikanischer Musik tanzen, mit durchgefrorenen Fingern Flyer verteilen, vorbeihastende Menschen dazu anhalten unser Pinata mit einem Stock zu schlagen. Dieses mexikanische Spiel dient heute Morgen dazu, darauf aufmerksam zu machen, dass die Weltbank nicht die richtige Institution ist, um die Klimafinanzierung zu verwalten!

“Hit the Pinata” und “World Bank out of Climate Finance” war heute Morgen vor den Tueren ihres Arbeitspatzes zu hoeren. Manch einE MitarbeiterIN der World Bank ließ sich sogar auf das Spiel ein. Die meisten rannten jedoch schnell zur Arbeit.

Als die Polizei anrueckte, bekamen wir noch 20 Minuten Zeit. Danach gingen wir in das Gebaeude. Das endete mit einem freundlichen Gespraech mit zwei Weltbankmitarbeitern und leider auch mit der Konfiszierung unseres suessen Schweinchen. Das sass dann im Polizeiauto. Nach Verhandlungen konnten wir zumindest den Stock, an dem es befestigt war, zurueckerobern…

Das war heute aber noch lange nicht alles. Nachdem wir die Geschaeftsstelle von Friends of the Earth Europe kennen gelernt hatten, begaben Bobbi, von einer bulgarischen Interessenvertretung oekologischer Landwirte, und ich, uns zum Europaeischen Parlament. Dort hatte er eine Verabredung mit Martin Haeusling (Gruener Abgeordneter im Europaparlament, Schwerpunkt Landwirtschaft). Ich konnte die Gelegenheit nutzen, um mit Monsieur MP und seiner wissenschaftlichen Mitarbeiterin kurz ueber die Position von Friends of the Earth zu CAP (Common Agricultural Policies, die Ausrichtung der Europaeischen Landwirtschaftpolitik) zu sprechen. Dass wir uns gegen Sojaimporte, industrielle Landwirtschaft und Exportsubventionen und fuer eine extensivere, oekologische Landwirtschaft einsetzen, ueberraschte sie wenig und sie konnten mir mit gutem Gewissen bestaetigen, dass sie sich dafuer im Parlament einsetzen. Als ich sie jedoch darauf Ansprach, ob auch eine Reduktion der Fleisch(ueber)produktion zur Debatte stehe, reagierte Herr Haeusling lieber nicht. Seine Mitarbeiterin laechelte. Ich glaube, dass war eine gute Aktion ;)

Der Nachmittag war hier voller Diskussionen und Vortraege zu GMOs, Alternativen zu intensiver, industrieller Landwirtschaft, Europaeischer Agrarpolitik, Ernaehrungssouveranitaet…. in einem Rollenspiel zu CAP spielte ich die Komission (gar nicht so leicht, zwischen Industrie- und NGO-Lobby zu entscheiden!). Und eben haben wir noch einen Film “Pig Business” gesehen. Vertreter von La Via Campesina, Greenpeace und verschiedenste andere Aktivisten kamen hier heute zusammen. Ich habe unglaublich viel gelernt!

Bis morgen!

Eure Ruth


Bruxelles II

7. Dezember 2010

6.12.2010

Falsche Loesungen: CCS, Atomkraft und Agrotreibstoff

Das ist doch kaum zu glauben: In Cancun wird diskutiert, ob fuer Atomkraftwerke bald CDM-Zertifikate vergeben werden sollen! Dabei stehen drei Moeglichkeiten zur Debatte: entweder sie werden nicht als Klimeschutzprojekt betrachtet, sie werden es, oder nur die, die nach 2008 gebaut wurden. Aber es ist doch Wahnsinn, ueberhaupt neue Atomkraftwerke zu bauen! (Shut up US and France!)

Unter diesem Motto: “Falsche Loesungen” stand unser Tag heute hier auf der Youth Convergence on Climate Justice von YFoEE hier in Bruessel.
Eigentlich ist auch der Emissionshandel in seiner jetzigen Form eine falsche Loesung. Das fiel uns auf, als wir sogenannte “Loopholes” oder “Schlupflöcher” untersuchten, die er bietet. Dafuer gibt es drei Beispiele:

-der Uebertrag von Zertifikaten in folgende Phasen

- der CDM-Mechanismus

- die LULUCF-Anrechnungsregeln

Wer am besten erklaeren kann, warum, gewinnt einen tollen Aufkleber ;) Bin gespant auf Eure Erklaerungen im Anhang.

Mein Tag war schnell gefuellt mit Aktionsplanung (es ist praktisch, so “an der Quelle” der Europapolitik und des europaeischen Lobbyismus zu sitzen) und veganem Kochen mit einem lieben Riesen :)

Gerade eben hatten wir ein wirklich gutes Aktionstraining und haben noch Banner gemalt – fuer Morgen, den Tag der “1000 of Cancuncs”.  Seid gespannt!

7.12.2010

Action Day!

Heute am 7. Dezember fand ueberall auf der Welt der “1000 of Cancuns”-Aktionstag statt. Auch wir hier in Bruessel waren dabei, mit einem langen Spaziergang von der Europaeischen Komission, ueber die Japanische und Franzoesische Botschaft und das Flaemische Parlament bis zum Haupquartier von BNP Paribas, einer Bank, die in grossem Stil Atomkraft unterstuetzt.

Unsere Botschaft: Atomkraft ist keine Loesung fuer die Klimakrise, sondern ueberhaupt keine Loesung! Anlass war, dass unter anderem die Franzoeische und Japanische Delegation in Cancun dafuer eintreten, fuer Atomkraft CDM-Zertifikate zu vergeben.

Dazu gibt es eine englische Pressemitteilung sowie Fotos auf Flickr.

Und heute Abend wird noch ein toller Film fertig!

Eine zweite Aktion heute Abend mit belgischen Tierschuetzern richtete sich an Supermaerkte, unser Konsumverhalten und das kapitalistische System als grundlegendes Problem der Krise. Bunte, laute Menschen stuermten einen Carrefour-Supermarkt, waehlten die am absurdesten verpackten Lebensmittel, die mit den fragwuerdigsten Produktionsbedingungen und der schlechtesten CO2-Bilanz aus und veranstalteten einen Wettbewerb. Draussen gab es eine vegane, regionale Suppe.

Morgen geht’s weiter!

Grüße,

Ruth


Rückblick: Samstag, 4. Dezember

6. Dezember 2010

Auch wenn über den Samstag ja schon Einiges geschrieben wurde, möchte auch ich nochmal ein paar Eindrücke ergänzen. Am Samstag und Sonntag haben sich zu unserer Konferenz noch die „Federation of Young European Greens“ dazu gesellt. Dadurch hatten wir eine noch größere Vertretung von Jugendlichen aus den verschiedensten europäischen Ländern, was natürlich positive Auswirkungen auf die Diskussionen hatte.

Ich habe beim Workshop zum Thema CDM = „Clean Developement Mechanism“ (weitere Infos hier) teilgenommen. In diesem hatten wir vor der Diskussion über Offsetting die Möglichkeit, uns intensiver mit Jan von CO2logic auseinanderzusetzen. Wir haben viele Argumente für und gegen den CDM-Mechanismus diskutiert. Wir haben festgestellt, dass alle der Ansicht waren, dass dieser Mechnismus so in dieser Form nicht funktioniert. Ein (zugegeben) extremes Beispiel dafür ist der Skandal über die Vernichtung des Gases HFC-23, welches 11.700mal schädlicher ist, als Kohlenstoffdioxid ist und nur produziert wird, um über den Verkauf der Zertifikate Profit zu machen (mehr Infos in diesem Bericht von Monitor „Klimahandel statt Klimawandel“). Allerdings haben sich bei den Lösungen die Geister geschieden: Während Jan der Meinung war, dass dies ein Grund sei, den Mechanismus zu verbessern, haben wir festgestellt, dass dies nicht möglich ist, da die Anreize an allen Stellen so sind, einfach nur Profit zu machen (und somit fragwürdige Großprojekte zu unterstützen) und bei der Masse an Projekte effektive Kontrollmöglichkeiten gar nicht möglich sind.

Im Gegensatz zum CDM-Mechanismus, welcher im Rahmen des europäischen Emissionhandels stattfindet, beschäftigt CO2logic sich mit der freiwilligen Kompensierung von Emissions von Firmen bzw. Privatpersonen. Allerdings sind wir am Abschluss der Diskussion bei der Frage angelangt, ob diese Offsetting-Möglichkeit tatsächlich dazu führt, dass die Menschen anfangen, nachzudenken oder ob es sich dabei nur um einen Ablasshandel für Reiche handelt und die Menschen dem Gedanken überlässt, eine Änderung unseres Lebensstils sei nicht notwendig. Das dies allerdings der Fall ist, zeigt die 40%-Studie von FoEE.

Eure Marika