BUNDjugend Blog - ... und jetzt noch die Erde retten!

Was ist das eigentlich „Ernährungssouveränität“ – und wieso ist sie so wichtig…?

28. November 2016

Bericht vom Nyéléni Europe Forum for Food Sovereignty in Rumänien

Ein sperriges Wort: Ernährungssouveränität. Bei dem Versuch die Bedeutung des Begriffs zu erklären, wird einem schnell klar, in einem Satz geht das nicht. Denn das Konzept der Ernährungssouveränität spiegelt genau die Komplexität der Thematik Landwirtschaft und Ernährung wieder.

Auf dem Flyer der deutschen Bewegung für Ernährungssouveränität fasst die Darstellung die komplexe Thematik ganz gut zusammen, wie ich finde.

Flyer_Agrar-polit-Ernähr-souv_Vorderseite_150px

Es geht also um die Art und Weise, wie Lebensmittel produziert, verteilt und konsumiert werden und ebenfalls um die politischen Rahmenbedingungen, die die genannten einzelnen Bereiche betreffen.

Aus der Erklärung von Nyéléni, welche im Februar 2007 beim ersten weltweiten Forum für Ernährungssouveränität in Mali entwickelt wurde lässt sich der Begriff Ernährungssouveränität wie folgt beschrieben:

„Ernährungssouveränität ist das Recht [der Gemeinschaft] auf gesunde und kulturell angepasste Nahrung, nachhaltig und unter Achtung der Umwelt hergestellt. […] Sie ist das Recht der Bevölkerung, ihre Ernährung und Landwirtschaft selbst zu bestimmen. Ernährungssouveränität stellt die Menschen, die Lebensmittel erzeugen, verteilen und konsumieren, ins Zentrum der Nahrungsmittelsysteme, nicht die Interessen der Märkte und der transnationalen Konzerne.“

Das Ziel der Bewegung für Ernährungssouveränität ist also eine radikale Demokratisierung unserer Lebensmittel- und Agrarsysteme. Für diese Veränderung wird in fünf thematischen Achsen gekämpft:

  • Die Art und Weise, wie Nahrungsmittel erzeugt werden verändern!
  • Die Art und Weise, wie Nahrungsmittel verteilt werden verändern!
  • Die Arbeitsbedingungen und sozialen Verhältnisse in Landwirtschafts- und Ernährungssystemen verbessern und neu bewerten!
  • Das Recht auf unsere Gemeingüter zurückfordern!
  • Die Politiken verändern, die unsere Landwirtschafts- und Ernährungssysteme bestimmen!

Die Nyéléni Bewegung verdankt ihren Namen einer Bäuerin aus Mali. Dass die Bewegung den Namen einer Frau, einer Bäuerin aus dem globalen Süden trägt, ist ein wichtiges Symbol dafür, dass Ernährungssouveränität nicht ohne das Ende des Patriarchats und der globalen Ungleichheit erreicht werden kann.

Zum ersten Mal trafen sich mehr als 500 Delegierte aus über 80 Ländern im Jahr 2007 im Dorf Nyéléni in Mali. Damals entstand die Erklärung von Nyéléni, welche die Ziele und Kämpfe der Bewegung definiert.

Das erste europäische Nyéléni Forum fand anschließend im Jahr 2011 in Krems, Österreich statt. Hier wurden von den 400 Delegierten aus 34 europäischen Ländern die fünf thematischen Achsen festgelegt und die Ziele konkretisiert.

Dieses Jahr fand nun zum zweiten Mal das Nyéléni Europe Forum for Food Sovereignty statt, vom 25.-30. Oktober 2016 trafen sich 500 Delegierte aus 40 Ländern in Cluj-Napoca, Rumänien.

Poster Nyeleni 2016

 

Ich war also beim diesjährigen Forum Teil der deutschen Delegation und möchte euch ein wenig davon berichten.

Wir waren in der deutschen Delegation eine bunte Mischung aus insgesamt 36 NGO-Mitarbeitenden, Bäuer*innen und Gärtner*innen, Food-Aktivist*innen, vielen jungen Menschen, SoLaWi- und Gemeinschaftsgarten-Mitgliedern, Gewerkschafter*innen, Saatgutzüchter*innen, Journalist*innen…und natürlich Konsument*innen.

Die knapp sechs Tage des Forums waren prall gefüllt mit allerlei spannendem Programm: Neben regelmäßigen Plena in der vollen Besetzung, gab es vor allem viele kleinere Arbeitsgruppen und Austauschrunden. Diese beschäftigtem sich mit den Herausforderungen der einzelnen Themenachsen (Lebensmittelproduktion und –konsum/Lebensmittelverteilung/Recht auf natürliche Ressourcen und Gemeingüter/Arbeitsbedingungen und Soziales), den verschiedenen politischen Ebenen (lokal/national/europäisch/global), sowie den unterschiedlichen Sektoren (Produzent*innen/Konsument*innen und urbane Bewegungen/NGOs/Arbeiter*innen und Gewerkschaften). Schlussendlich ging es dann in Kleingruppen daran konkret europäische Kampagnen und Aktionen zu entwickeln. Diese Ideen wurden dann wiederum auf Treffen der nationalen Delegationen diskutiert und weitergedacht, sodass jede Delegation mit konkreten Ideen, Zielen und Arbeitspaketen wieder zurück nach Hause reist – und die Bewegung ins Rollen kommt!

Daneben gab es einen Markt der Delegationen, bei dem sich die einzelnen Länder und ihre Aktivitäten vorstellen konnten, Ausflüge zu Kleinbäuer*innen und Landwirtschaftsprojekten in der Umgebung, spannende Filme zum Thema, ein Markt mit regionalen Produzent*innen, Musik und Tanz und vieles mehr…

An dieser Stelle wäre es zu viel, euch alle Ergebnisse im Detail zu berichten – aber falls ihr Interesse an der Dokumentation des Forums habt, die zuständige Gruppe arbeitet fleißig daran und ich werde sie in den nächsten Monaten auf der BUNDjugend-Website auf Themenseite Ernährung und Landwirtschaft verlinken.

Ich kann zusammenfassend sagen, dass es für mich ein sehr bereicherndes Treffen war. So viele Menschen aus so vielen verschiedenen Ländern, mit so vielen verschiedenen Hintergründen, mit tausenden Träumen und Ideen – es war überwältigend zu sehen, welch starke Kraft die Bewegung für Ernährungssouveränität in sich trägt! Ich bin gespannt, wie es weitergeht, welche konkreten Aktionen und Kampagnen umgesetzt werden und wie die europäische Zusammenarbeit in Zukunft laufen wird.

In der deutschen Delegation waren wir alle sehr motiviert, weiterhin in engem Kontakt zu bleiben, in unseren einzelnen Arbeitsgruppen Ideen konkret umzusetzen und uns regelmäßig als deutsche Nyéléni Bewegung zu treffen und auszutauschen. Welche konkreten Ergebnisse und Projekte entstehen werden, will ich euch gerne berichten, wenn es so weit ist.

Falls ihr Lust habt, zum Thema weiterzulesen, empfehle ich euch die deutsche Néléni-Website, die europäische Website der Bewegung, den Artikel auf Degrowth in Bewegungen und die Broschüre „Besser anders, anders besser“.

Mit motivierten und solidarischen Grüßen

Emilia


Radfahren mit Hindernissen

28. November 2016

„Autsch!“ Nicht nur die Sonnenallee ist selbst noch freitagabends eine viel befahrene Straße. Auch auf den angrenzenden Gehwegen herrscht ein reges Treiben. Da kann es durchaus vorkommen, von einer/m Radfahrer*in gestreift zu werden. Als einen kurzen Moment später eine weitere Radlerin versucht, sich an uns vorbeizudrängeln, kann auch eine schüchterne Person wie ich sich nicht mehr zurückhalten: „Wie wäre es mit Absteigen?!“ Eine ketzerische Forderung für genügend Zweiradnutzer*innen.

Das Grundproblem ist eben die primäre Ausrichtung der Infrastruktur auf den Autoverkehr, werden jetzt viele umweltbewusste Menschen sagen. Als Radfahrer*in hast du immer das Nachsehen. Nutzt du die Straße, wirst du von den Autofahrer*innen angepöbelt und musst wie im Computerspiel parkenden Fahrzeugen oder sich öffnenden Türen ausweichen. Der Radweg ist entweder zugestellt, voll mit Schnee, marode oder schlicht nicht vorhanden. Und auf dem Gehsteig hast du schon gar nichts zu suchen.
Alles richtig. Aber schwingt nicht bei dem oben beschriebenen Beispiel etwas ganz anderes mit? Die angesprochene junge Frau dachte vermutlich, mich störe ihr Verstoß gegen die StVO. „Spießer!“, lautete deswegen wohl auch ihre abschließende Analyse, bevor sie in die Dunkelheit des Neuköllner Abends entschwand.

Besser Vorsicht als Nachsicht

Tatsächlich wird Rücksicht in links-öko oder halt-irgendwie-alternativen Kreisen, denen ich mich selbst nicht fern sehe, oft mit Spießigkeit gleichgesetzt. Auch wenn nicht gleich das Gesetzesbuch gezückt und der entsprechende Paragraph zitiert wird. Es reicht, dass es dort (potentiell) drinsteht.
Dabei sind Radfahrer*innen auf dem Gehweg selbst Gefahren ausgesetzt. In erster Linie durch Autos, die aus der Ausfahrt hervorschießen oder dessen Fahrer*innen sie beim Abbiegen nicht im Blick haben. Das Risiko ist besonders hoch, wenn entgegen der Fahrrichtung geradelt wird. Unfälle können aber auch durch zu dichtes Überholen auf dem Gehsteig entstehen. Fußgänger bemerken das leise und zum Teil sehr flotte Herannahen der Räder nicht unbedingt. Und wer kann schon vorhersehen, ob das Kind vor einem im nächsten Moment immer noch so brav neben dem Papa herläuft?

Es ist dringend zu raten, Regeln und Gesetze immer in Verbindung mit dem eigenen Verstand anzuwenden. Die Mutter, die mit ihrem Drahtesel nicht auf die Straße ausweicht, sondern die ersten Radfahrversuche ihres Sprösslings auf dem Gehweg unterstützt, sollte sich nicht mit Anfeindungen beschäftigen müssen. Schließlich sorgt sie für die Sicherheit ihres Kindes und aller anderen Verkehrsteilnehmer*innen. Du kannst aber nicht links und rechts an Passanten vorbeiflitzen, weil du schnell zur Uni musst und das doch bisher immer gut gegangen ist.
Rücksicht erspart nicht nur unangenehme Zwischenfälle. Wäre es nicht auch schöner, mit seinen Mitmenschen eher durch ein nettes Gespräch in Kontakt zu kommen? Die Frage könnte dann zukünftig lauten: „Wie wäre es mit … einem Kaffee?“

von Jasmin Zamani

 

Wenn du mehr über Fahrrad- und Verkehrspolitik erfahren oder aktiv werden willst, kannst du…

…hier Zehn Ideen für eine Fahrradpolitik von unten nachlesen.

…dich über die MitRADgelegenheit mit anderen Fahrradfahrer*innen vernetzen.

…dich in der Kampagne Spielzeug Auto? für eine klimafreundliche und zukunftsfähige Verkehrspolitik starkmachen.


Sein lassen! Weg von der Wachstumspolitik

24. November 2016

Unter dem Motto „Sein lassen! Weg von der Wachstumspolitik – Freiheit gewinnen“ traf sich der wissenschaftliche Arbeitskreis (AK) Wirtschaft und Finanzen des BUND vom 18. bis 20.11.2016 in der Evangelischen Akademie Bad Boll. Für die BUNDjugend war Katharina Ebinger aus unserem Vorstand vor Ort. Kata senkt schon seit langem den Altersdurchschnitt des spannenden Arbeitskreises und zeigt, dass es auch für junge Menschen spannend sein kann, sich in einem Arbeitskreis des Erwachsenenverbandes zu engagieren. In der Diskussion rief sie dazu auf, in der Zielformulierung nicht nur die Interessen privilegierter, weißer Akademiker*innen zu repräsentieren: In Zielsetzung und -kommunikation sei zu überlegen, wer Zielgruppe sei und mit wem in Dialog zu treten und wer wie abzuholen sei, weshalb die BUNDjugend einen Dialogprozess mit Jugendorganisationen verschiedener Gewerkschaften begonnen hat. Eine kommunikative Chance für den BUND sei, sich als Interessenvertretung der Menschen zu positionieren, die nachhaltig leben wollen, wobei unterschiedlichen Lebensstilen mit Respekt zu begegnen sei. Zugleich sei die Bereitschaft zur Veränderung von Konsummustern nicht zu entkoppeln von der ebenfalls zu stellenden politischen Systemfrage.

Wer genau wissen möchte, welche Beiträge und Diskussionen es auf der Tagung gab, kann hier alles nachlesen: Tagungsbericht


CETA und TTIP stoppen: Die Redner*innen der BUNDjugend

29. September 2016

In ganz Deutschland demonstrierten am Samstag, den 17. September 2016, 320.000 Menschen gegen die Freihandelsabkommen CETA und TTIP. Wir waren natürlich in allen sieben Städten dabei und machten in den Jugendblöcken gemeinsam mit anderen Jugendorganisationen laut und deutlich klar, dass es sich um unsere Zukunft handelt, über die derzeit in Hinterzimmern verhandelt wird.

In sechs von sieben Städten waren Redner*innen der BUNDjugend auf den Bühnen präsent und brachten den Widerstand und die Forderungen der Jugend zum Ausdruck. Denn vor allem wir sind es, die morgen mit den Entscheidungen von heute leben müssen. Aber schaut selbst, was wir gefordert haben:

München

Leipzig

Berlin:

Stuttgart

Köln

Frankfurt


Die besten Natur-Apps

25. Juli 2016

Für Naturinteressierte gibt es verschiedene interessante Apps. Einige helfen dabei, Arten zu erkennen und zu bestimmen, wofür man bisher teils dicke Bestimmungsbücher brauchte. Bei anderen Apps kann man naturkundliche Beobachtungen melden, um sich aktiv an der Erforschung der Natur zu beteiligen. Die beiden wichtigsten Apps zur Meldung von Beobachtungen sind naturgucker.de für alle Tiere und Pflanzen und NaturaList zur Meldung von Vögeln. Beide Apps sind allerdings nur für Menschen, die schon wissen, was sie gesehen haben.

Wer erst herausfinden möchte, wie eine Art heißt, braucht Apps für die Artbestimmung.
Ein gutes Beispiel, allerdings nur für die Nordseeküste, ist die kostenlose App BeachExplorer der Schutzstation Wattenmeer. Sie bietet einen reich bebilderten Schlüssel zur Bestimmung von immerhin 2000 Arten von Strandfunden. So fällt es auch weniger Geübten sehr leicht, die gefundene Schnecke, die Feder oder auch Meersalgen oder Vögel am Strand zu bestimmen. Man kann seine Strandfunde auch sofort mit der App melden und so zur Erforschung der Nordsee beitragen. Außerdem gibt es auf der zugehörigen Website beachexplorer.org aktuelle Naturbeobachtungs-Tipps.

Für alle diejenigen, die an Land unterwegs sind, empfehle ich die App Naturblick vom Museum für Naturkunde in Berlin. Die App befindet sich noch in der Beta-Phase, ist aber schon gut benutzbar. Ähnlich wie beim BeachExplorer können mit Naturblick verschiedene Pflanzen- und Tierarten bestimmt werden, indem äußere Merkmale ausgewählt werden. Zusätzlich bietet die App aber auch eine Erkennung für Vogelstimmen. Darüber hinaus werden in Naturblick unter „ Umgebung entdecken“ besonders spannende Naturgebiete auf einer Karte angezeigt und beim Anklicken gibt es sowohl Informationen über das Gebiet, aber auch über die dort zu findenden Tiere und Pflanzen. So kann man beim Sonntagsspaziergang vorher kurz aufs Smartphone gucken, wo denn der nächste schöne Naturort zum Entdecken liegt. Insbesondere für junge Menschen, die oftmals zur Ausbildung in die großen Städte ziehen und Natur auch in der Stadt erleben möchten, ist diese App der richtige Ansatz. Der einzige Wermutstropfen ist, dass die App im Moment nur für Berlin konzipiert ist und eine Ausdehnung erst einmal nicht vorgesehen ist.
Trotzdem warte ich schon – auch als Nicht-Berlinerin – mit Vorfreude auf die fertige App „Naturblick“.

Jenny Herbert aus dem Bundesvorstand am 17.07.16


Die Jugendumweltbewegung zwischen radikaler Systemkritik, politischen Aktionen und ökologischer Alltagsgestaltung

25. Juli 2016

Dieser Text ist eine gekürzte Fassung des Beitrages zur Jugendumweltbewegung für „Degrowth in Bewegung(en)

Über die Jugendumweltbewegung

Die Gründung der Jugendumweltverbände in den 1980er Jahren richtete sich zunächst sehr stark gegen die etablierten Strukturen der Umweltbewegung. Die jungen Umweltaktivist*innen der Gründungsphase waren größtenteils radikales und kritisches Sprachrohr für Selbstständigkeit, Enthierarchisierung und direkte politische Aktionen. Stand der Schutz der Umwelt zwar auch bei den jungen Menschen im Vordergrund, wurde hier jedoch zugleich viel Wert auf Selbstorganisation, Hierarchie- und Bürokratiefreiheit sowie auf die Ablehnung verkrusteter Strukturen von Staat und Wirtschaf gelegt. Im Gegensatz zu den bereits etablierten Umweltverbänden wurden Umweltschutz und Ökologieanspruch mit einer radikalen Systemkritik verbunden.

In der derzeitigen Jugendumweltbewegung organisieren sich Menschen unter dreißig Jahren. Ihnen ist der historische Anspruch an eine basisdemokratische Organisation und Arbeitsweise geblieben. So sind die BUNDjugend, die Naturschutzjugend, die Naturfreundejugend und der Deutsche Jugendbund für Naturbeobachtung bis heute formell basisdemokratisch organisiert.

Positionen, Vorgehensweisen und Themenschwerpunkte werden intensiv zwischen den Landes- und Bundesebenen sowie zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen diskutiert und ausgetauscht. Dies unterscheidet sie stark von internationalen Jugendorganisationen wie der WWF Jugend oder Greenpeace Jugend, die sehr viel stärker hierarchisch aufgestellt sind. Zentral ist auch die föderale Struktur mit einem Landes- und einem Bundesverband, die zum einen regionale Schwerpunkte und Aktionsformen zulässt, zum anderen zentrale – dabei oft langsam und mühselig erscheinende – Entscheidungs- und Veränderungsprozesse nach sich zieht. Auch aufgrund der föderalen Struktur ist ein einheitliches Bild der Jugendumweltbewegung sehr schwer zu zeichnen.

Inhaltlich steht der Schutz der Umwelt, lokal wie global, im Mittelpunkt der Jugendumweltbewegung. Basierend auf den Interessen der aktiven Mitglieder haben sich Themenschwerpunkte herausgebildet, die an Diskurse aus der kritischen Entwicklungspolitik anknüpfen. Aufgrund der großen Themenvielfalt rund um Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung sind die Aktiven der Jugendumweltbewegung in der Regel auf vielen gesellschaftlichen Ebenen umtriebig: Sie sind in wirtschaftliche, politische und auch wissenschaftliche Prozesse involviert und bringen dort ihre ökologischen Anliegen ein. Zudem spielt die internationale Vernetzung (zum Beispiel Young Friends of the Earth) eine immer wichtigere Rolle, da viele Umweltprobleme auch in ihrer globalen Dimension erfasst und diskutiert werden und strategische Bündnisse sinnvoll und notwendig sind, um mit ausreichender politischer Schlagkraft zu agieren.

Basis für politische Willensbildung und politische Forderungen

Durch Workshops, Aktionen und Treffen werden jungen Menschen die Fähigkeiten werden, sich kritisch mit etablierten Meinungen auseinanderzusetzen, eigene politische Standpunkte zu entwickeln und diese in Aktionen und Projekten umzusetzen. Die Jugendverbände verstehen sich daher immer auch als Sprachrohr für junge Menschen, um ihre Stimme in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft zu stärken.

Strategisch lässt sich die Arbeit der Jugendumweltbewegung in zwei Bereiche gliedern. Ein Schwerpunkt liegt auf der Bildungs- und Politisierungsarbeit. So soll die breite Bevölkerung auf ökologische Probleme aufmerksam gemacht und für notwendige Änderungen sensibilisiert werden. Hierbei setzt der Bildungsauftrag der Jugendumweltbewegung in erster Linie bei individuellen Handlungsoptionen an, zudem zielt er auf langfristiges Empowerment und lässt junge Menschen so zu politischen Akteur*innen werden. Sie erlernen Fähigkeiten und Kompetenzen, um das eigene Leben ökologischer zu gestalten und auch andere davon zu überzeugen. Der zweite Schwerpunkt ist die politische Lobby- und Kampagnenarbeit, die innerverbandlich als sehr wichtig erachtet wird. Sie zielt darauf ab, Strukturen und Rahmenbedingungen für alternative, ressourcenschonende Lebensstile zu schaffen. In unregelmäßigen Abständen wird mit Demonstrationen, Aktionen und Infokampagnen Öffentlichkeit dafür geschaffen.

Postwachstum, Suffizienz, Transformation? Degrowth!

Neben Klima, Energie und Landwirtschaft ist Degrowth (zunächst unter dem Stichwort Postwachstum) in den letzten zehn Jahren zu einem gesetzten Querschnittsthema für die Jugendumweltbewegung geworden. Die Tatsache, dass unendliches Wachstum auf einem endlichen Planeten nicht möglich ist, ist zu einer Binsenweisheit geworden. Folgerichtig wurde die Kritik an ökologischen Zerstörungen mit einer Ablehnung des bestehenden Wirtschaftssystems verbunden, welches auf die unbegrenzte Ausbeutung natürlicher und humaner Ressourcen angewiesen ist und finanzielle Profite über das Gemeinwohl stellt. Die umweltbewegten jungen Menschen interessieren sich für systemische Fragen und kritisieren ein Wachstums- und Wettbewerbssystem, das auf Kosten von Umwelt und Menschen geht. Obwohl die Aktiven in erster Linie ökologisch motiviert sind, werden Kritik und Aktionsformen immer stärker auch darauf ausgerichtet, die dahinterstehenden Ursachen anzugreifen. Damit teilt die BUNDjugend wie auch andere Jugendumweltverbände die Werte vieler zivilgesellschaftlicher Organisationen, die für einen umfassenden gesellschaftlichen Wandel streiten. Es ist folglich kein Zufall, dass die BUNDjugend das globalisierungskritische Netzwerk Attac mitgegründet hat. Heute werden unter dem Begriff Postwachstum und Degrowth viele Workshops, Aktionen und Projekte organisiert, die sich um eine sozial-ökologische Transformationen von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft drehen.

Degrowth 2014 - Logo

Degrowth als ideologische Referenz

Die neu entstandene Degrowth-Strömung und -Debatte funktioniert wie ein neues Dach, unter dem sich auch die Jugendumweltbewegung gruppieren kann. Hier erkennen die Aktiven Überschneidungen und Gemeinsamkeiten mit anderen Bewegungen, Initiativen und Projekten und können die eigenen Anliegen in einen größeren Rahmen einordnen. All dies passiert auch auf eine wesentlich unkompliziertere Art und Weise als bei den Erwachsenenverbänden. Schließlich sind die meisten jungen Umweltaktivist*innen ohnehin der Meinung, dass ein großer sozialer und ökologischer Umbau notwendig ist.

Suffizientes Leben im Alltag

Als eine zentrale Schnittstelle zwischen der deutschen Degrowth-Bewegung und der Jugendumweltbewegung erscheint uns das Thema der Suffizienz und die Frage danach, wie alle genug haben können. Die jungen Umweltaktivist*innen legen großen Wert auf persönliche Suffizienz und leben vor, wie ein möglichst suffizientes Leben im Alltag umgesetzt werden kann. Sie hinterfragen die herrschende Logik des Immer-höher-schneller-weiter-und-mehr und haben große Freude am Energiesparen, Klimafasten, Teilen und Schenken und an Verpackungsfreiheit. Sie sind die Pioniere eines konsequent ökologischen und nachhaltigen Lebensstils und fordern, diesen auch für andere zugänglich zu machen. Sie haben erkannt, dass der Lebensstil der industrialisierten Länder nur auf Kosten von Umwelt und Natur und von Menschen im globalen Süden zu haben ist und dass der ökologische Fußabdruck ihrer Generation den kommenden auf die Füße fällt. So sehen sie in der persönlichen und gesellschaftlichen Suffizienz eine mögliche Strategie, um nicht nur ökologische Krisen zu vermindern, sondern auch selbst unmittelbar aktiv zu werden.

Suffizienz lässt die eigene Wirksamkeit spürbar werden

Wer die eigene Ernährung, die Mobilität oder das Kaufverhalten ökologischer und nachhaltiger gestalten kann, erfährt unmittelbar, dass hier und sofort etwas veränderbar ist. Viele junge Menschen haben das Vertrauen in schnelle und wirksame Veränderungen auf politischer Ebene verloren, sodass ihnen die Umstellung auf einen nachhaltigen Lebensstil einen Teil ihrer Wirkmächtigkeit zurückgeben kann. Während Forderungen an die politische Ebene oft mit Misserfolg oder Ignoranz enden, kann ein suffizienter Lebensstil unmittelbar Ressourcen schonen – wenn auch die tatsächliche Wirksamkeit oft im Unklaren bleibt. Die eigene Praxis und vor allem die damit verbundene Bereitschaft, neue Dinge auszuprobieren und im eigenen Leben zu experimentieren, liefern viele positive Beispiele für Forderungen aus der Degrowth-Debatte.

Mentalitätswechsel: Suffizienz als Lebensgefühl der Jugend

Die jungen Umweltaktivist*innen zeigen, dass ein suffizienter Lebensstil Spaß machen kann, das eigene Leben bereichert und das Gemeinschaftsgefühl fördert. Die teils als utopisch angesehenen und dafür kritisierten Ideen und Ideale einer nachhaltigen Degrowth-Gesellschaft werden schon jetzt von diesen jungen Menschen gelebt. Sie sind Vorbilder, Pionier*innen und Experimentierende und damit lebender Beweis für einen möglichen gesellschaftlichen Wandel und kulturellen Mentalitätswechsel. Gerade auch in der Auseinandersetzung mit den verkrusteten Strukturen der Erwachsenenverbände wird das auch immer wieder angeführt: „Schaut her, ihr Großen da oben! Während ihr noch debattiert und mit klugen Worte um euch schmeißt, haben wir es schon längst getan. Und wisst ihr was? Es ist ganz einfach und es macht großen Spaß!“

Partnerschaft: Degrowth- und Jugendumweltbewegung

Mit der Degrowth-Bewegung im Rücken können die jungen Umweltaktivist*innen den eigenen politischen Forderungen mehr Gewicht verleihen und sie mit der Forderung nach einer anderen, nachhaltigeren Wirtschaftsweise verbinden. Die Degrowth-Bewegung kann sich wiederum von der Jugendumweltbewegung Orte und Themen des Protests abschauen und Degrowth dadurch sehr viel konkreter machen, als es die theoretische Debatte vermuten ließe.

In diesem Sinne besteht zwischen Degrowth und Jugendumweltbewegung eine Partnerschaft, die beide stärkt und von der das Lobbying für Degrowth-Politik profitiert. Ob dies in einem reformerischen Maße geschieht und zum Beispiel der Ausbau von Fahrradstraßen gefordert wird oder ob die ökologischen Anliegen mit einer scharfen Kritik an ausbeuterischen Strukturen des kapitalistischen Systems verbunden werden, bleibt den Aktiven überlassen. Wie oben gezeigt, ist der Spielraum in der Jugendumweltbewegung hier groß genug, und in der Degrowth-Debatte finden sich diverse Anregungen.

Die Degrowth-Bewegung zeigt uns, dass wir nicht mehr nur an kleinen und schrittweisen Verbesserungen arbeiten, sondern bei unserem Aktivismus immer auch den großen Wandel im Blick behalten sollten. Diese Haltung erfordert eine Portion Zuversicht, Pragmatismus und die Einsicht, dass vieles auf diesem Weg Experimentiercharakter hat. Hier möchten wir auch an uns selbst appellieren, uns auf unsere Wurzeln zurück zu besinnen und auf den widerständigen Geist der Gründung der Jugendumweltbewegung, ohne die zwischenzeitlichen kollektiven Erfahrungen und organisationalen Lernprozesse außer Acht zu lassen. Die Begründer*innen der Jugendumweltbewegung waren mutig genug, einen Systemwandel zu fordern. Traten unsere Vorgänger*innen nicht genau mit dieser Absicht in Aktion, weil sie verkrustete Strukturen aufbrechen und gerechte und ökologische Ideale jetzt leben wollten? All diese Ideen und Ansprüche finden sich heute auch in der Degrowth-Bewegung und ebenso in der Jugendumweltbewegung wieder.

Autorinnen

Katharina Ebinger ist seit Mai 2015 im Bundesvorstand der BUNDjugend für Suffizienz, Postwachstum und Intersektionalität zuständig. Janna Aljets arbeitet seit 2013 in der Bundesgeschäftsstelle der BUNDjugend zu konsumkritischen Alternativen und Postwachstum und hat Degrowth-Veranstaltungen mitorganisiert.


Endlich wieder Tetrapaks!

8. April 2016

Sechs Wochen (fast) kein Plastik gekauft… und irgendwie will ich das jetzt erst recht nicht mehr.

Im Laufe der letzten Wochen wurde der Verzicht immer spürbarer. Der Apfelsaft schmeckte plötzlich doch nicht mehr so gut im Tee, ich „musste“ Geburtstagsgeschenke verschenken – plastikfrei! – und niemand konnte mir ein passendes Kamerakabel leihen, das ich vor kurzem verloren habe (deswegen gibt’s auch keine Fotos zu den Beiträgen). Mittlerweile habe ich doch eins was noch bei meinen Eltern rumlag.

Zudem bin ich unglücklicherweise keine allzu großartige Köchin, sodass ich doch recht oft auf Mensaessen oder Fastfood (argh) zurückgriff, was manchmal doch in die Hose ging.

Einmal hatte ich beispielsweise total Hunger und wäre auf dem Rückweg sonst sicherlich verhungert, weshalb ich spontan zu Subway (argh) ging. Ich dachte, dass ich mein Essen ohne Plastik kriegen könnte, wenn ich es dort esse. Aber der erste Griff der Verkäuferin war zu einem Einmalgummihandschuhspender in der Wand und ich bereute es doch dorthin gegangen zu sein.

Da ich immer noch sehr viel lernen musste (weshalb der Abschlussblogartikel erst jetzt fertig ist), hatte ich auch dauernd Lust auf Schokolade.

Ich bekam den Tipp, dass es Süßigkeiten bei Karstadt zum Selbstabfüllen gab, aber leider waren sie weder Fair Trade, noch bio oder vegan und richtig teuer. Und so lecker waren sie dann auch nicht…

Mittlerweile habe ich mir aber scheinbar das Bedürfnis nach Süßem ein bisschen abgewöhnt, was ja auch ein netter Nebeneffekt ist.

Frustrierend aber war die Sache mit dem Ausgehen. Eines Abends war ich was Trinken und die ersten zwei Gin Tonics waren kein Problem, doch dann war wohl Schichtwechsel und der Dritte wurde mit einem Strohhalm serviert. Vorher hatte ich gar nicht daran gedacht, dass Strohhalme auch ein Problem darstellen können. So sinnlos…

Aber ich habe auch Positives erlebt.

Zum Beispiel habe ich Roggenmehl als Shampoo benutzt, was erstaunlich gut funktionierte. Jedenfalls besser als die zuvor genutzte Olivenseife. Man sollte es nur gründlich ausspülen. Das werde ich bestimmt jetzt noch öfter machen.

Ein Deorezept aus dem Internet habe ich auch ausprobiert und hatte auch ganz gute Ergebnisse. Es wirkte zwar nicht ganz so gut, wie ein 24 Stunden Power Deo, aber ist viel cooler.

Außerdem habe ich mir erstmals einen LUSH-Kosmetikladen angesehen, da ich hörte, dass es dort viele unverpackte Produkte gibt. Ein Shampoo am Stück konnte ich dort auch kriegen, aber leider hatten sie doch keine Zahnputztabletten in Papier oder Glasdosen, sondern in kleinen Plastikfläschchen, die man aber wieder zum Recycling dort abgeben kann.

Tja und jetzt ist die Fastenzeit schon wieder vorbei und ich darf plötzlich wieder Plastik kaufen!

Doch der Supermarkteinkauf wird trotzdem nicht besser. Überall sticht mir die Plastikverpackung ins Auge, ich bin jetzt total sensibilisiert.

Cool ist, dass meine Eltern sagten, sie achteten jetzt auch verstärkt darauf, weniger Plastik zu kaufen. Nur weil ich sie im Urlaub damit vollgelabert habe und vom Roggenmehlshampoo geschwärmt habe.

Auch wenn ich mittlerweile schon wieder Plastiksachen gekauft habe (ich habe mit Freunden gekocht, die das sehr befremdlich gefunden hätten – Bio war schon schwierig), werde ich wohl meinen Plastik-, aber auch anderen Müllkonsum weiterhin zu senken versuchen.

Also bin ich nun Mitglied bei einer Solidarischen Landwirtschaft und hoffe, dass ich damit viel weniger in Versuchung komme, Verpackungen zu kaufen.

Fazit: Es war ein spannendes Experiment – mein gelber Sack hat sich fast nicht gefüllt. Aber es ist ziemlich schwierig, Lebensstiländerungen mitten in der Klausurenphase zu machen, wenn man kaum Zeit hat Einkäufe zu planen und nach Alternativprodukten zu suchen. Doch ich denke – und das belegen auch zahlreiche Blogs, dass ein Leben ohne Plastik definitiv möglich ist und man sich, wie bei vegetarischer Ernährung, einfach nur dran gewöhnen muss.

Fiona


Live unplugged – den Energiefressern auf der Spur

7. April 2016

Nachdem es in meinem letzten Beitrag um den Energieverbrauch meiner Waschmaschine und meines Kühlschranks ging, habe ich mich anschließend auf die Suche nach weiteren versteckten Stromfressern in meiner Wohnung gemacht.

Wasserkocher: Meine Mitbewohnerin hat sich vor kurzem einen neuen Wasserkocher gekauft. Da der alte noch in der Ecke stand, nutzte ich die Gelegenheit, den Energieverbrauch zum Kochen eines Liters Wasser zu vergleichen. Intuitiverweise würde man ja vermuten, dass das neue Gerät bestimmt effizienter arbeitet als das alte. Doch weit gefehlt! Obwohl beide ungefähr gleich lange brauchen, bis sie sich automatisch abschalten, braucht der neue Kocher dafür 0,086 kWh, der alte hingegen nur 0,075 – über 10 % weniger. Vermutlich liegt das daran, dass der neue Kocher das Wasser bis zu einer höheren Temperatur erhitzt, aber für Teekochen z.B. müssen es ja nicht zwingend 100 °C sein. Daher heißt es nun – alt statt neu!

Toaster: Hier war das Ergebnis so, wie man es auch erwarten würde: Je länger die Toast-Zeit, desto höher der Energieverbrauch. Zwei Minuten toasten verbrauchen ca. 0,027 kWh – man kann also mit 0,08 kWh entweder einen Liter Wasser kochen oder dreimal Brötchen kross toasten.

Laptop: Eigentlich war hier mein Ziel, herauszufinden, ob es sich direkt im Energieverbrauch niederschlägt, wie man den Laptop nutzt (ob man also z.B. nur ein Dokument bearbeitet oder einen Film schaut). Hierbei konnte ich aber keinen klar erkennbaren Unterschied feststellen. Einzig die Bildschirmhelligkeit veränderte den Verbrauch um wenige Watt. Was allerdings noch ganz interessant war, das war der Unterschied zwischen den Modi „Energiesparen“ und „Ruhezustand“. „Ruhezustand“ verbraucht tatsächlich noch einmal deutlich weniger Energie als „Energiesparen“ und sollte daher im Zweifel die erste Wahl sein.

Aufladen: Einen Energieverbraucher tragen die meisten von uns den ganzen Tag mit uns herum: Das Handy. Ich bin glücklicherweise bisher noch um ein Smartphone herumgekommen, sodass der Akku immerhin einige Tage hält, wenn ich nicht viel telefoniere. Irgendwann heißt es dann aber doch – Akku leer. Um ihn von fast ganz leer auf voll aufzuladen, fallen 0,007 kWh zu Buche – gar nicht mal sooo viel, wie ich finde (v.a. im Vergleich zu z.B. einen Liter Tee kochen). Und eine Akkuladung meiner elektrischen Zahnbürste macht etwa 0,012 kWh aus – vertretbar, aber natürlich sehr einfach einzusparen durch die Verwendung einer herkömmlichen Zahnbürste.

So viel also zu den Ergebnissen meiner kleinen Energieschlucker-Untersuchung.

Es hat sich relativ deutlich gezeigt, dass vor allem die Geräte, die Hitze (oder Kälte) erzeugen, viel Energie verbrauchen. Damit liegt es nahe, dass weitere Felder mit großem Einsparpotential Heizung und Duschen sind. Gerade bei letzterem muss ich noch ein bisschen an mir arbeiten, da gibt es auf alle Fälle noch Optimierungspotenzial :)

Und eine weitere Idee, die ich auf der Smergy-Website gefunden habe, sind Bewegungsmelder fürs Licht im Flur. Dort braucht man das Licht ja an sich oft nur sehr kurz, vergisst dann aber doch ab und an, es gleich wieder auszumachen. Mit dem Bewegungsmelder würde es einfach nach einiger Zeit von selbst ausgehen und der Stromzähler freut sich. Das steht als nächste Baustelle auf meiner Energiespar-Todo-Liste!

Liebe Grüße

Jan


Ostern… Das Ende meines Fastenexperiments

6. April 2016

Oha jetzt ist sie also rum, die Plaste-Fastenzeit. Ostern ist auch schon gestern, wieder so ein Fest des Konsums… Warum werden hier zu Lande eigentlich alle Feiertage zu Konsumorgien erniedrigt??? Wenn ich an die ganzen bunt glitzernden Alu- und Plastikverzierten Schokoeier und -hasen denke…

Doch nun ein paar Worte, wie es mir in den letzten Wochen ergangen ist.

Die Bambuszahnbürsten sind mittlerweile schon ganz gut erprobt! Ich hab jetzt gleich zwei Modelle, da in eurem tollen Fastenstarterpaket, dass ich gewonnen habe (ohne zu wissen, dass es was zu gewinnen gibt.:-P) auch eine Bambuszahnbürste (Hydrophil) zu finden war! Trotzdem bin ich froh über meine Bestellung der SIDCO, denn im Gegensatz zur Hydrophil sind hier auch die Borsten aus Bambus! Das Putzgefühl ist wunderbar, der Geschmack am Anfang vielleicht etwas ungewohnt, aber nicht unangenehm! Bisher bin ich zufrieden! Die Borsten scheinen auch recht haltbar zu sein. Da hatte ich am Anfang so meine Bedenken, da sie sehr weich sind.

Auch mit dem plastikfreien Einkauf hat es jetzt schon besser geklappt. Sogar bei Edeka (Noteinkauf) konnte ich Essbares ohne Plastikverpackung finden. Leider steht man dann vor der schwierigen Entscheidung Bio-Rote-Bete in Verpackung oder die konventionelle, unverpackte?160404_Mascha Peters_der EDEKA-Noteinkauf

Tiefkühl-Kost kaufe ich sonst eigentlich auch nicht. Für das Klima und weil wir eh kein Tiefkühlfach haben. Da es sonst aber wirklich kaum Gemüse gegeben hätte, noch viel weniger Bio, habe ich auch hier mit dem Bio-TK-Spinat wieder einen Kompromiss eingehen müssen. Zusammen mit losen Walnüssen und Container-Lauch gab das einen leckeren Aufstrich. Brot kriegt man beim Bäcker immerhin noch in Papiertüten. Aber auch hier muss man echt aufpassen! Geschnittenes Brot wird auch gerne in Plastik-Tüten verpackt und so manche Papiertüte hat ja so ein blödes Plastik-Sichtfenster. Am besten bringt man sich seine Papiertüte selbst wieder mit!

Um diesen Dilemmata aus dem Weg zu gehen, muss ich wohl noch konsequenter im Bioladen oder auf dem Markt einkaufen.

Containern waren wir auch wieder. So dass ich sowieso nicht viel einkaufen musste.

Und auch die Uni-Mensa hat vermutlich nicht die schlechteste Klimabilanz. Immerhin verarbeiten sie dort riesige Mengen an Gemüse…, die zusammen viel weniger Verpackungsmüll hinterlassen, als wenn jeder sein Mittagessen selbst im Laden kaufen würde.

Als Frau habe ich mich lange Zeit auch sehr geärgert, jeden Monat aufs Neue so viel Müll in Form von Tampons/Binden zu produzieren. Seit einiger Zeit nutze ich jedoch eine Menstruationstasse (Ruby Cup), die immer wieder verwendet werden kann. Super Sache, kann ich nur empfehlen!

Da ich letzte Woche ziemlich erkältet war, musste ich mir auch in Sachen Taschentüchern etwas einfallen lassen. So habe ich neben den containerten Tempos angefangen, Stofftaschentücher zu nutzen. Auch davon bin ich mittlerweile ziemlich überzeugt! Die Dinger haben ein unglaubliches Fassungsvermögen im Vergleich zu Papiertüchern!;-D

Ganz plastikfrei bin ich aber auch in den letzten Wochen nicht geblieben. Neben kleineren „Vergehen“, wie in Plastik verpackten Teebeuteln im Café, habe ich mir auch ganz bewusst eine Nasendusche aus Plastik zugelegt. Das war leider wirklich nötig, um einigermaßen fit für meine Ausbildung zur Forschungstaucherin zu sein… In diesem Zusammenhang werde ich jetzt nach der Fastenzeit auch eine ganz und gar nicht klimafreundliche Investition in benötigte Tauchausrüstung machen müssen. Da werd ich plastikfrei nicht durchkommen. Ich hoffe solche einmaligen größeren Investitionen durch ein ansonsten möglichst klima- und umweltbewusstes Leben kompensieren zu können.

Es war auf jeden Fall ein spannendes Experiment! Mehr oder weniger konsequent umgesetzt… Aber ich hoffe ein paar neue Erkenntnisse und Experimente in meinen Alltag integrieren zu können und zu Gewohnheiten werden zu lassen. Die Stofftaschentücher und die Bambuszahnbürste werden es mindestens sein!

Vielleicht bis zur nächsten Fastenzeit! Und dann heißt die neue Challenge vielleicht völlig „verpackungsfrei“?!:D

Alles Liebe!

Mascha


Endlich mal gemacht, mit größerem Impact als gedacht!

1. April 2016

Vegan essen fühlt sich großartig an, heißt aber Widerstand: Man muss sich öfter erklären, entschuldigen oder Angeboten entsagen. Widerstand gegen ein System, das nur auf egoistischem Genuss aufbaut. Menschen essen Fleisch aus Genuss oder weil man es halt schon immer tut. Andere stichhaltige Argumente fallen mir nicht dafür ein. Für mich sind das aber unverhältnismäßige Argumente, verglichen mit dem ganzen bei Tierzucht, -haltung und -schlachtung erzeugten Leid. Auch auf andere tierische Produkte kann ich deswegen getrost verzichten.

Engel Klimafasten

Werbung als Antrieb

Die Täuschungen durch Werbung sind ein wichtiger Antrieb für Fleisch- oder Tierkonsum. An einer sauberen, glänzenden, weißen Fleischtheke spürt man nicht die Enge, den Stress, die Verletzungen und das sonstige Elend im Stall. Ein rotes, „gesundes“, „appetitliches“ Steak wird nicht mit den Abzessen, der geschundenen Haut, den verdreckten Spaltböden und der medikamentösen Behandlung der Tiere in Verbindung gebracht. Ebenso ist es in einem Modegeschäft, dessen edler, seriöser, verführerischer Auftritt und transportierter Lifestyle im Kopf und im Gefühl einfach nicht zur elendigen Pelz- und Lederproduktion und abgezogenen, lebenden Tieren passen will. Ebenso ist es mit einem Liter frischer Milch usw.

Konsum ist Verantwortung

Wenn die Verblendung und Entkopplung der Werbung, Industrie und des Einzelhandels nicht zum völligen Desinteresse und Ignoranz der Tierhaltung etc. führen, sondern die Konsumierenden sich aufklären, greifen vorerst andere psychologische Abwehrmechanismen, denke ich. Man weiß zwar von den Bedingungen, aber man fühlt nicht, wie sich so ein Tier in Massentierhaltung fühlen muss. Die Empathie wird verdrängt.

Man denkt, dass radikale Bilder von Tierrechtler*innen produziert wurden, um zu schockieren. „Diese extremen Beispiele sind sicher nur Einzelfälle. Mein Leder- und mein Fleisch- und mein Zirkustier wurden sicherlich gut behandelt,“ wird der Industrie und dem Einzelhandel gegenüber gutgläubig gedacht. Oder man kritisiert die Darstellungsform (zum Beispiel den Aufbau eines Schlachthof-Videos) anstatt sich mit dem gezeigten Leid auseinander zu setzen – auch aus Schutz vor der schnell erkennbaren Einsicht: Dieses Problem ist zu groß für eine einzelne Person.

Unser Gehirn wehrt sich gegen die individuelle Verantwortung und will an gängigen Verhaltensweisen festhalten. Dann denkt man: „Die Politik müsste was machen!“ Dabei ist neben politischer Wirksamkeit (die man auch selbst erzeugen muss!) das eigene Konsumumfeld ein wichtiger Wirkhebel. Und den möchte ich niemals unterschätzt hören.

Mehr als nur „gut für’s Klima“

Mein Klimafasten-Experiment ist nicht auf sechs Wochen begrenzt. Es schlägt unerwartet größere Wellen. Mitmenschen haben erstmals über Veganismus erfahren, haben ihre eigenen Essgewohnheiten teilweise spontan – wenn auch für kurz – umgestellt, haben sich lautstark und mehrmals darüber unterhalten. Und ich habe mich daran erinnert, wie wichtig mir die Gerechtigkeit unseren Mitlebewesen gegenüber ist. Wie eklig und überflüssig ich Schmerz und Unterdrückung finde. Und dass ich bereit bin, dafür auf die Straße zu gehen.

Um das Schund-System von Speziesismus und seiner Industrialisierung von Leben und Tod, Karnismus und seinen Heucheleien und Rassismus und seinen Genoziden zu bekämpfen. Dafür muss man sich immer wieder die Missstände, die Entkopplungsstrategien und die Ungerechtigkeit bewusst machen.

Eine Frage hätte ich da aber noch. Gerade bei Tieren, die ein mir ähnliches Nervensystem haben, die den gleichen Schmerz fühlen, wie ich es täte, fällt es mir leicht, sie zu schützen. Auch alle anderen Tiere kann ich leicht schützen, da sie kulturell bedingt eh nicht auf meinem Teller landen würden (z.B. Insekten, Weichtiere oder Meeresfrüchte).

Wenn ich nun aber die Grenze bei Pflanzen ziehe, ist es auch eine Form von Speziesismus. Bei Pflanzen weiß die Wissenschaft zurzeit zumindest, dass sie miteinander kommunizieren und interagieren können. Soll ich dann vermuten, dass ihnen bei Zucht, Haltung und Ernte auch Schmerzen zugefügt werden? Kann ich als empathischer Mensch dann das Leid von Pflanzen für meine Ernährung in Kauf nehmen?

Laura