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Busfahren auf dem Land- schwierig oder einfach?

17. Mai 2015

Klimaexperiment Nr1: Mobilität ohne Auto – Ein kleiner Blick auf die letzten drei Tage.

Upleward. 300 Einwohner. Was es gibt: Einen Kaugummi-Automaten, eine kleine Pension mit Restaurant und ein Schild mit Hinweis auf den etwa 2,5 km weit entfernten Campingplatz. Hier bin ich am vierten Tag meiner Mobilitätswoche. Gefühlt ziemlich „unmobil“, da ich mir eine kleine Grippe eingefangen habe und kränkelnd unter der Decke stecke. Dennoch: Warum nicht einen kleinen Rückblick geben?

IMAG0634_webIch steige in den Bus nach Emden, meinen Bruder im Schlepptau. 15 km ist die nächst größere Stadt entfernt. Der Bus ist größtenteils leer. Zwei Jugendliche sitzen weiter hinten. Zwei Touristen – erkennbar an Rucksack und Begutachten ihres Bustickets – auf dem Vierersitz rechts neben uns. Nungut, wir hätten damit schon einmal sechs von 43 Sitzplätzen des Busses besetzt. Im Laufe unserer etwa 30-minütigen Fahrt steigen noch eine weitere Frau und zwei Männer in meinem Alter hinzu.

Ähnlich sieht es auch am Dienstag aus, als ich mittags mit dem Bus in die Stadt fahre, um meinen Zug nach Berlin zu nehmen. Ich begutachte neugierig das Businnere: Als ich einsteige, sitzt ein Junge und eine schätzungsweise vierzigjährige Frau auf den Plätzen. Nach ein paar Haltestellen wende ich mich zu ihr um und frage interessiert: „Ich bin nicht so häufig in der Gegend und mich würde interessieren, ob der Bus immer so leer ist.“ Sie antwortet mir: Nein, nicht immer, der nächste sei voller. Als ich nachhake, wer mit dem Bus fährt, antwortet sie: „Er ist immer voller Schüler“ Sie sei zumeist die einzige Erwachsene, die den Bus in Anspruch nehmen würde. „Ich bin mit Abstand die älteste. Manchmal fahren auch noch ein Opa und eine Oma mit, die in Pewsum (nächstgrößeres Dorf) einkaufen gehen.“ Gerne hätte ich noch weiter gefragt, doch sie lächelt mich an und sagt entschuldigend, dass sie nun aussteigen müsse.

11160611_867779973301880_6721960008958901245_oEines ist somit auffällig: Die Frau ist eindeutig eine Ausnahme, wenn es die Nutzung des Busses angeht. Die Mehrzahl der Erwachsenen, die in der Umgebung wohnen, pendeln tagtäglich 15 km mit dem Auto in die Stadt, um zur Arbeit zu fahren. Auf den Bus als Alternative zu setzen, stellt sich werktags am Vormittag als noch machbar heraus. Etwa stündlich bis jede anderthalb Stunde fährt eine Linie. Ähnlich ist dies auch nachmittags. Dennoch bedeutet dies für viele eine höhere Planung. Ein weiterer Punkt, der das Busfahren als unbequem darstellt, ist, dass vormittags der Bus meist sehr überfüllt von Schülern ist. Im Allgemeinen ist die Infrastruktur sehr schlecht. Dies zeigt sich besonders abends: Malkurse, abendliche Treffen mit Freunden, Sport oder Filme-Abende in der Stadt sind nahezu unmöglich durchzuführen, da um 18:44 Uhr der letzte Bus die Haltestelle verlässt. Ganz zu schweigen von einer Wochenendgestaltung ohne Auto, hierfür reicht ein Blick auf den Plan: Samstags fahren drei Busse in die Stadt, am Sonntag ein einziger.

Der Individualverkehr auf dem Land ist unsagbar hoch. Die Infrastruktur Öffentlicher Verkehrsmittel auf dem Land gehört dringlichst gefördert, anstatt weitere Buslinien zu streichen.

Viele, liebe Grüße,
Vera


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