BUNDjugend Blog - ... und jetzt noch die Erde retten!

HAMBI BLEIBT!

17. November 2017 von BUNDjugend

von Clara

Der Hambacher Forst

Es geht um die letzten 10% des Waldes. Ein kleiner Rest des ehemals über 5.500 Hektar großen Hambacher Forstes. 90% dieses Waldes sind schon gerodet worden, denn RWE beansprucht den Großteil der Fläche für einen riesigen Braunkohletagebau – den Tagebau Hambach. Zum Schutz des Waldes hat der BUND Klage eingereicht, denn der Hambacher Forst müsste nach EU-Richtlinien eigentlich ein Naturschutzgebiet sein. Am 21. November 2017 wird über das Schicksal dieses Waldes gerichtlich verhandelt.

Ich selbst war vergangenen Sonntag vor Ort und habe gesehen, wie die Landschaft verunstaltet worden ist: Riesige, lehmige bis zu 500 Meter tiefe Gruben, monströse Bagger, die die Kohle aus der Erde extrahieren. Der Anblick des größten Braunkohletagebaus West-Europas hat mich wirklich geschockt: Diese hochzerstörerische Praktik wird tatsächlich immer noch, im 21.Jh, in Deutschland Tag ein, Tag aus praktiziert. Wir zerstören unseren wertvollen Planeten, entreißen ihm den Boden, zerstören Co2-speichernden Wald.

Bei dem Waldspaziergang durch den letzten Rest des Hambacher Forstes wurde mir bewusst, dass ich gerade durch ein Gebiet gehe, dass bald weg sein könnte. Wald ist so viel mehr als einfach „nur“ Wald, die bewuchterte Bodenschicht, die Tiere, die um die 300 Jahre alten Bäume, die Ruhe und Entspannung, die der Wald ausstrahlt.

Wenn dieses letzte bisschen des Hambacher Forstes auch noch gerodet wird, wäre das nicht nur ein herber Verlust vor Ort sondern auch ein symbolischer Rückschlag für den Klimaschutz in Deutschland. Dann hätte wieder eine profitorientierte Milliardenfirma, RWE, gewonnen und bekommt ihre Kohle, im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Bäume werden einfach abgesägt und alles dem Erdboden gleichgemacht. Und das in diesen Zeiten, wo ich eigentlich dachte, langsam müsste sich doch mal was tun, langsam müssten solchen Konzernen doch mal die Macht genommen werden, langsam müssten doch erkennbar sein, dass die Verbrennung fossiler Energieträger nicht mit dem Klimaschutz vereinbar ist und verherende Folgen für Mensch und Umwelt nach sich zieht.

Nicht nur der Wald wird vernichtet werden, sondern auch das Zuhause der Kämpfer*innen der Besetzung im Hambacher Forst, die voller Sorgfalt und in harter Arbeit ihr Leben dort im Wald aufgebaut hat. Bei einer Rodung verlieren sie ihre Baumhäuser, in denen sie jede Nacht schlafen. Die Dörfer in der Umgebung, wie Manheim, sind jetzt schon halbe Geisterdörfer und werden letzlich aussterben. Menschen müssen ihre Heimat verlassen, in dem Wissen, dass sie nie wieder zurück kommen können, denn dieser Ort wird dann nicht mehr existieren.

All diese Problematiken zeigen deutlich, dass es falsch wäre, weiter zu roden und die Kohle weiter zu fördern, besonders in heutiger Zeit, wo es so etwas wie Erneuerbare Energien gibt…

Weitere Infos und wie ihr den Aktivist*innen im Hambacher Forst helfen könnt findet ihr hier.


Viel heiße Luft um Bonn

16. November 2017 von BUNDjugend

von Josefine, Celia und Vera

Ambitionierte Dialoge oder zähes Wörterfeilschen?

Die COP23 in Bonn befindet sich in der zweiten Phase. Es geht also in die letzten Züge für dieses Jahr, aber Entscheidungen stehen noch nicht fest. Wir sind sehr gespannt, was uns in der letzten Woche der COP in Bonn erwarten wird und wie zuversichtlich wir eigentlich zum jetzigen Zeitpunkt der Verhandlungen noch sein können.

Das Pariser Klimaabkommen

Bereits zwei Jahre sind vergangen, seit das ambitionierte 1,5-Grad-Ziel auf dem Klimagipfel von Paris verabschiedet wurde. So positiv und hochgesteckt dieses Ziel auch scheinen mag, hat sich seither nicht viel getan. Es gibt eine Übereinkunft, aber wenig Bemühungen – insbesondere seitens der Industrieländer.

Die diesjährige COP

Zu Beginn war das Paris Agreement ein gutes Zeichen und ein Symbol für große, anstehende Veränderungen innerhalb unserer Gesellschaften und Politiken. Umso mehr müssen nun Taten folgen, wenn diese Ziele noch vor Ablauf der selbstgesetzten Deadline erreicht werden sollen. Das 1,5-Grad-Ziel darf nicht nur ein symbolisches Ziel bleiben! Dafür müssen die internationalen Politiken endlich aktiv werden und belastbare Entscheidungen fassen.

Was dieses Jahr auf der COP verhandelt werden soll, ist essentiell für die Zukunft unseres Planeten und unserer Nachbarn und Freunde im globalen Süden. Das Pariser Klimaabkommen von 2015 soll nun umgesetzt werden – aber wie?

Diese Frage soll der „Facilitative Dialogue“ (jetzt Talanoa-Dialog genannt) beantworten. Er wurde im Pariser Klimaabkommen eingeführt und dient dazu, die nationalen Klimaschutzpläne (Nationally Determined Contribution, NDC) zu überprüfen. Die nationalen Klimaschutzpläne definieren, was ein Land unternehmen muss und welche Maßnahmen es ergreifen muss, um dem  Pariser Ziel nachzukommen. Eine Überprüfung der nationalen Handlungen ist nötig um festzustellen, was die Länder tun, bereits getan haben und noch tun müssen, um dem Ziel letztlich gerecht zu werden. Nächstes Jahr wird eine Überprüfung laut Abkommen erstmalig der Fall sein – doch es gibt noch keine verhandelten Mechanismen, wie eine solche Überprüfung auszusehen hat.

Warum es wichtig ist, sich einzumischen

Hier ist unser aktivistisches Engagement von großer Bedeutung! Unsere Stimmen sind die Stimmen der Zivilgesellschaft. Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, dass die wirklich wesentlichen Elemente für das internationale Klima-Monitoring eingebracht werden. Dies beinhaltet beispielsweise einen gerechten Anteil an notwenigen Anstrengungen auf globaler Ebene. Zwar hat das Pariser Klimaabkommen ein ambitioniertes Ziel gesetzt, aber wird dieses Ziel letztendlich auch genauso ambitioniert umgesetzt? Die Halbzeit der COP lässt bereits eine Bilanz ziehen: Es gibt wie immer viel Engagement und außerordentlich großes Gehör in diesem Jahr von Seiten der Öffentlichkeit. Allerdings gibt es bisher wie immer zu wenig Zugeständnisse und Bemühungen seitens der verhandelnden Industriestaaten. Es gibt zu viel besänftigendes Reden anstelle von bekennenden Handlungen, während uns die Zeit durch die Finger rinnt wie Sand.

Der Klimawandel kennt keine Grenzen

Viele Inselstaaten haben ein schweres Jahr mit rekordbrechenden Hitzewellen, zerstörerischen Hurrikane und Überflutungen hinter sich – und das ist nur die Spitze des Eisberges. Da kommt die diesjährige Präsidentschaft von Fidji genau richtig, um den Fokus gezielt auf die am stärksten Betroffenen zu lenken. Hätten alle in den „sicheren Ländern“  schon einmal das erlebt, was im asiatisch-pazifischen Raum tagtäglich gefürchtet werden muss, so würden die Entscheidungen sicherlich viel schneller fallen.

Mit unserer Stimme auf der COP23 wollen wir mehr globale Solidarität und mehr Gerechtigkeit fordern. Wir wollen den Menschen im globalen Süden zeigen, dass es sehr viele Menschen gibt, die den Kampf um globale Fairness gemeinsam angehen wollen.

Unsere Mission auf der diesjährigen COP soll es sein, die Stimme der Betroffenen zu stärken, damit sie nicht immer nur abgenickt und eingelullt werden, sondern endlich gehört werden!


Eine Rede am Tagebau

14. November 2017 von BUNDjugend

Anlässlich der UN-Klimakonferenz COP 23 in Bonn hielt Lea Dehning als Vertreterin der BUNDjugend am 12. November 2017 eine Rede vor den anwesenden Pressevertreter*innen am Braunkohle-Tagebau Hambach. Ihr Rede über das Engagement der BUNDjugend gegen die Braunkohle sowie den vielfältigen Protest der Klimaschutzbewegung könnt ihr hier nachlesen:

Foto: Annika Natus/BUND (Lea und Leon siehst du ganz links im Bild)

„Mein Name ist Lea Dehning und neben mir steht Leon Möllney. Wir sind beide bei der unabhängigen Jugendorganisation des BUND, der BUNDjugend aktiv, und vertreten heute viele junge Menschen, die sich seit Jahren für Klima- und Umweltschutz und besonders für Klimagerechtigkeit einsetzen.

Wir stehen hier nur wenige Meter vor dem Tagebau Hambach, dem größten Tagebau und der größten CO2-Quelle Europas. Das rheinische Braunkohlerevier heizt Tag für Tag den Klimawandel an, wie kaum eine andere Region auf dieser Welt.

Nach der enttäuschenden Klimakonferenz in Kopenhagen beschloss die BUNDjugend den Protest genau hier hin zu tragen, an einen Ort, an dem das Klima im gigantischen Maß zerstört wird. Wir organisierten daher im Sommer 2010 das erste Klimacamp im rheinischen Braunkohlerevier. Seitdem findet jedes Jahr ein Klimacamp statt und die Teilnehmer*innenzahl wächst stetig.

Das Klimacamp ist ein Ort des Protests gegen die Braunkohle, gelebter Alternativen, Vernetzung, Weiterbildung und Diskussion. Durch die Klimacamps entwickelte sich das Braunkohlerevier zu einem der bedeutendsten Widerstandsorte der europäischen Klimabewegung, in dem Anwohner*innen und Klimaaktivist*innen seit Jahren gemeinsam für den Kohleausstieg und die Erhaltung einem der einzigartigsten Wälder Europas – dem Hambacher Wald –kämpfen.

Die BUNDjugend war in den letzten sieben Jahren immer Teil der wachsenden Anti-Kohle-Bewegung und vieler Protestaktionen. Da sich das Klimacamp mittlerweile selbstorganisiert und zu einem Großevent mit mehreren Tausend Teilnehmer*innen aus ganz Europa entwickelt hat, organisierten wir diesen Sommer ein 10tägiges Jugendcamp in unmittelbarer Nähe zum Klimacamp, welches Menschen den Einstieg in die Klimabewegung ermöglichen und zum Handeln bewegen sollte. Das Camp befand sich nur einige hundert Meter von hier auf einer Streuobstwiese in dem schon fast komplett umgesiedelten Ort Mahnheim. Die ca. 250 Teilnehmer*innen konnten sich zwischen Tagebau, Hambacher Wald und Geisterstadt die verherrenden Folgen der Braunkohleverstromung bewusstmachen. Um ihren Protest zu äußern, organisierten sie eine 50km lange Fahrraddemo rund um den Tagebau Hambach und demonstrierten lautstark bei der Roten-Linie-Aktion, an der insgesamt 3000 Menschen teilnahmen. Parallel zur Roten Linie im August blockierte die seit 2015 aktive Bewegung „Ende Gelände“ an mehreren Tagen Infrastruktur der Kohleindustrie durch zivilen Ungehorsam.

Foto: Annika Natus/BUND (Tagebau Hambach)

Auch letzten Samstag, den 04. November, war die BUNDjugend unter den 25000 Menschen, die an der bisher größten Antikohledemostration in Bonn teilnahmen. Sonntag schlossen wir uns der legalen Demonstration von „Ende Gelände“ an. Zeitgleich blockierten erneut tausende Menschen den Tagebau Hambach. Der Kohleausstieg ist nicht verhandelbar und es braucht vielfältige Protestaktionen, um diesen zu erreichen.

Zu diesen vielfältigen Protestformen gehört auch die Waldbesetzung im Hambacher Forst, der schon zu 90% von RWE für die Braunkohle gerodet wurde. 2012 besetzten Aktivist*innen ein Stück dieses Waldes, um sich RWE mit ihren Körpern und den selbstgebauten Baumhäusern in den Weg zustellen und die Rodungen zu stoppen. Trotz dreifacher Räumung der Besetzung und erheblichen Repressionen leben momentan ca. 80 Menschen im Wald, die durch Blockaden versuchen werden, weitere Rodungen im Wald zu verhindern.

Die Klimabewegung wächst Tag für Tag, denn die Regierungen verschiedenster Industriestaaten schaffen es nicht, ernsthafte Schritte für den Klimaschutz und gegen die weitere Nutzung fossiler Brennstoffe einzuleiten. Die 23. Klimakonferenz findet gerade unweit von hier unter der Schirmherrschaft von Fidschi statt. Viele Menschen aus dem Pazifik, unter ihnen die Pacific Climate Warriors, haben in den letzten Tagen ihre Geschichten mit uns geteilt. Geschichten von einem ansteigenden Meeresspiegel, von der Angst ein zu Hause zu verlieren, aber vor allem Geschichten des Widerstandes und dem Kämpfen um Klimagerechtigkeit.

Deutschland steht in der Verantwortung, den Beginn des Kohleausstiegs jetzt einzuleiten und Ländern, die schon vom Klimawandel betroffen sind und in Zukunft sein werden, finanzielle Mittel für Klimaschutzmaßnahmen zur Verfügung zu stellen. Wir in Deutschland haben in den letzten Jahrzehnten genug CO2 in die Luft gepustet – jetzt ist es Zeit zu Handeln.

Solange bis der letzte Kohlebagger nicht stillsteht, wird die BUNDjugend nicht stillstehen“

 


„Überflutungen sind doch keine Seltenheit in Malaysia, oder?“ – Ein Interview über die Lage in einem vom Klimawandel betroffenem Land

8. November 2017 von BUNDjugend

Das Interview wurde von Alexandra Struck geführt und ins Deutsche übersetzt.

Für uns in Deutschland ist es schwer vorstellbar, was der Klimawandel wirklich für das (alltägliche) Leben von Menschen bedeutet. Auf der Klimakonferenz COP23 unter der Präsidentschaft von Fidschi in Bonn haben wir Theiva Lingam von Friends of the Earth Malaysia getroffen, deren Heimat – jetzt gerade, während sie in Deutschland ist – direkt vom Klimawandel betroffen ist.

Alexandra: Was passiert gerade in Malaysia, während Du auf der Klimakonferenz bist?

Theiva: In den letzten zwei Tagen hatten wir starken Regen in nördlichen Staaten der malayischen Halbinsel. Penang, der Teil Malaysias in dem ich wohne, war aufgrund von zweitägigem Regen, der zu starken (Sturz-)Fluten führte, zu fast 80% unter Wasser. Meine Familie und meine Freunde leiden darunter. Menschen haben eine Menge wertvoller Gegenstände verloren und ich habe beinahe einen Kollegen und seine Tochter verloren, die versucht haben, ihren Verwandten, der bis zum Hals im Wasser feststeckte, zu retten. Sie mussten dazu – da ein Fluss in der Nähe überflutet war – durch hohes Wasser und starke Strömungen waten. Als die Strömung zu stark wurde, klammerten sie sich für zwei Stunden an einem Strommast fest, bevor die Feuerwehr sie gerettet hat. Die Rettungsdienste waren so überlastet. Und die Krankenhäuser waren ja auch voller Wasser. Ein paar neue gebaute Häuser und Straßen wurden durch Erdrutsche beschädigt oder zerstört. Und in den Nachrichten hieß es, dass sieben Menschen ums Leben gekommen sind. Zum Glück gibt es so viele lokale Organisationen die Essen oder Kleidung zur Verfügung stellen und den Menschen beim Aufräumen helfen. Mehr als 3000 Menschen mussten evakuiert werden. Ich bin mir nicht sicher, ob sie bereits zurückkehren konnten.

Alex: Wie kommst Du an diese ganzen Infos, obwohl Du hier in Bonn bist?

Theiva: Meine Leute halten mich auf dem Laufenden: Sie schicken mir Fotos und ich hab sie angerufen. Und über Social Media. Soweit ich weiß ist am Haus meiner Eltern alles ok, andere haben jedoch fast alles verloren.

Alex: Überflutungen sind jedoch keine Seltenheit in Malaysia, oder?

Theiva: Das stimmt, wir hatten schon viele Fluten und Sturmfluten, besonders bei Hochwasser – gerade beginnt die Monsun-Saison. Das meterologische Institut macht einen Taifun auf dem Weg nach Vietnam für die Folgen des Starkregens verantwortlich. Aber wir spüren, dass sich etwas verändert hat – das Klima betreffend. Die Wetterereignisse werden extremer: Der Regen und die Überflutungen werden stärker und es kommt häufiger zu Extremereignissen.

Alex: Was sind Deine Forderungen?

Theiva: Das könnte ich Dir zu diesem Zeitpunkt gar nicht sagen. Die Menschen sind noch dabei, das Ausmaß des Schadens zu beurteilen. Zerstörtes Eigentum. Autos. Dokumente. Und wir werden dafür sorgen müssen, dass keine Post-Flutkrankheiten auftreten.

Alex: Warum bist Du hier in Bonn auf der Klimakonferenz?

Theiva: Ich bin die regionale Zuständige für Friends of the Earth Asia Pacific. Ich bin hier, um die Mitgliedsorganisationen der Region zu unterstützen, die Stimmen der Betroffenen zu verstärken und dafür zu sorgen, dass sie die Politiker*innen erreichen. Unsere drei Forderungen sind: a) Lösungen für die vom Klima betroffenen Menschen zu finden, b) das Ende der Finanzierung von Kohle und c) das Ende der Exporte nuklearer Technologien von Korea, Russland und Japan an Entwicklungsländer. Um Anpassungsmaßnahmen und das „Loss und Damage“-Prinzip zu finanzieren, brauchen wir die reichen Länder.

Vielen Dank an Theiva Lingam für ihre Zeit, die sie sich für das Interview genommen hat.

 

 


„Leider haben wir noch nicht gelernt, unter Wasser zu atmen“ – Climate Impacted People

8. November 2017 von BUNDjugend

von Christina

Wer ist bereits heute vom Klimawandel betroffen? Mit dieser Frage beschäftigte sich am Montag der Workshop “Stories from the frontlines: climate impacted communities” von Friends of the Earth International beim People’s Climate Summit in Bonn.

Eine Reihe von Aktivisten aus Afrika, den Pazifikstaaten, Asien und der Karibik, haben uns geschildert, auf welche Arten sie bereits heute vom Klimawandel betroffen sind: Wirbelstürme, Dürren, Fluten, und letztendlich, der Anstieg des Meeresspiegels. Solche Naturkatastrophen führen dazu, dass die Bewohner*innen ihren Wohnort verlassen müssen. Meist können sie danach wieder zurückkehren, doch nach Erdrutschen, Küstenerosion und ähnlichem existiert ihr Wohnort oft nicht mehr. Asien ist hierbei besonders betroffen. Zum Einen wohnen dort viele Menschen in Küstenregionen und auf Meeresspiegelniveau. Zum Anderen leben viele Asiat*innen in Armut und sind deswegen besonders gefährdet. Hier tut sich eine paradoxe Sitaution auf: Diejenigen, die am wenigsten für den Klimawandel verantwortlich sind, werden am meisten von ihm betroffen.

„Unfortunately, we have not yet learnt to breathe under water“, sagt Stella Miria-Robinson, Aktivistin von FOE Asia Pacific. Vor allem in den Pazifikstaaten lässt der Anstieg des Meeresspiegels und der damit verbundenen Unbewohnbarkeit der Inseln den Betroffenen keine andere Wahl als auszuwandern. Dies ist beispielsweise der Fall in Kiribati, einem Inselstaat im Pazifik, der so stark bedroht ist, dass die Evakuierung der Bevölkerung  2020 beginnen soll. Von Jahr zu Jahr gestaltet sich die Landwirtschaft hier schwieriger, und auch die Natur leidet: Vor einigen Jahren ist bereits ein Atoll untergegangen.

Zwar ist Kiribati der bisher einzige Staat im Pazifik, wo eine Kollektivumsiedlung  stattfinden soll, jedoch wandern bereits jetzt viele Bürger der Pazifikstaaten nach Australien und Neuseeland aus. Die Migration ist mit Verlusten und Schwierigkeiten verbunden: Verlust der gewohnten Umgebung, rassistische Diskriminierung und Schwierigkeiten bei der Arbeitsplatzsuche. Eine solche Migration bedeutet auch, dass eine gesamte Kultur mitsamt seiner Sprachen und Bräuche, seiner Werte und Glaubensvorstellungen Stück für Stück verloren geht. Dies ist wohl die zynischste Konsequenz der Globalisierung.

Gibt es überhaupt noch eine Alternative für die Pazifikstaaten, oder bleibt die Umsiedlung der einzige Ausweg, wenn der Klimawandel weiter voranschreitet?

„We are not drowning. We are fighting“, lautet das Motto der Pacific Climate Warriors, ein Netzwerk junger Aktivisten aus den Pazifikstaaten, die sich nicht geschlagen geben. Seit 20 Jahren kämpfen sie voller Kraft und Herzblut für den Erhalt ihres Lebensraums und gegen fossile Energieträger. Auch bei den Klimaverhandlungen und während der gesamten COP23  werden die Pacific Climate Warriors weiterhin auf klimabedingte Gefährdung aufmerksam machen.