BUNDjugend Blog - ... und jetzt noch die Erde retten!

Mit Spielzeugautos die Welt retten

26. Juni 2017 von BUNDjugend

Ein Interview mit Katharina Ebinger von der BUNDjugend
von Mojenn Schubert (SeKo STAN)
erschienen in AMNESTY YOUTH NEWS (2/2016)

Zur BUNDjugend kam Katharina über konsumkritische Stadtrundgänge mit WELTbewusst Stuttgart und ein Praktikum in der Landesgeschäftsstelle der BUNDjugend Baden-Württemberg. In BW war sie von 2012 bis 2014 im Landesvorstand der BUNDjugend aktiv und leitet dort seit 2014 die gemeinsame AG Suffizienz von BUND und BUNDjugend mit. Im Bundesvorstand widmet sie sich verstärkt den Themen Postwachstum, Entwicklungspolitik und Klima und Energie. Außerdem arbeitet sie eng mit dem Jugendbündnis Zukunftsenergie zusammen, über das sie seit 2013 mehrmals als Jugenddelegierte an Klimakonferenzen teilnahm. In ihrer restlichen Freizeit bloggt Katharina für die trinationale Initiative RESTART über Atomkraft und Protestkultur.

Was will die BUNDjugend generell bewirken und aus welchen Gründen?
Die Erde retten! …und dabei herausfinden, wie eine gerechte Welt ohne Wachstums- und Konsumzwang aussehen könnte. Wir wollen aber auch für die Vielfalt der Natur begeistern und uns für einen fairen Welthandel, Klimagerechtigkeit und die Agrarwende einsetzen.

Wie sieht deine Arbeit und die Arbeit der BUNDjugend konkret aus?
Ich persönlich verbringe als Teil des momentan siebenköpfigen, gleichberechtigten Bundesvorstands ganz schön viel Zeit in Zügen, beim E-Mails schreiben, in Telefonkonferenzen, auf Tagungen und auf Sitzungen. Als kleiner Organerd finde ich Gremienarbeit auch gar nicht langweilig – in genieße es, mich so auf vielen Ebenen im Verband und in Kooperationen mit meinen Herzensthemen Degrowth (Wie wird eine Gesellschaft unabhängig von Wirtschaftswachstum und wie können alle Menschen ein gutes Leben führen?), Diversität (Wie können wir Privilegien kritisch reflektieren und Räume für alle Menschen schaffen?), Wissenschaftspolitik (Wie kann Forschung zu einer sozialökologischen Transformation beitragen?) auseinandersetzen zu können.

Wie seid ihr auf lokaler Ebene organisiert und vertreten? Wie können sich Jugendliche vor Ort oder auch bundesweit bei euch engagieren?
Wir sind basisdemokratisch organisiert und haben starke föderale Strukturen mit Ortsgruppen und Landesverbänden. Gleichzeitig sind wir als Teil unseres internationalen Netzwerks Young Friends of the Earth mit Jugendlichen aus der ganzen Welt verbunden. Womit die einzelnen Gruppen sich beschäftigen – von Urban Gardening mit jungen Geflüchteten über Protestaktionen bis hin zu der Pflege von Streuobstwiesen – schreibt ihnen niemand vor. Am besten ist es, einfach persönlich bei einem Gruppentreffen vorbeizuschauen – einfach im Internet nach BUNDjugend und dem entsprechenden Bundesland suchen. Auf Bundesebene bieten wir diverse Mitmachoptionen an. Ob du dich nun an unserer aktuellen Kampagne beteiligst und ein Spielzeugauto als Ermahnung einer unökologischen Verkehrsplanung an unser Verkehrsministerium schickst oder als Genmais verkleidet bei der großen “Wir haben es satt“-Demo mitprotestierst oder dich zum/r Klimaagent*in ausbilden lässt und das spannende und kontroverse Thema Klimagerechtigkeit in deine Netze trägst. Das alles sind nur kleine Anreize. Es gibt noch viel mehr. Wir verstehen uns als Plattform für deine Ideen!

Gab es in der letzten Zeit eine Aktion der BUNDjugend,
die du besonders toll fandest?
Ich freue mich total über unsere erste selbstentwickelte bundesweite Kampagne, #Spielzeugauto! Wir finden, Verkehrsminister Alexander Dobrindt soll nicht im Bundesverkehrswegeplan mit Autos spielen, sondern lieber mit unseren alten Spielzeugautos – weswegen wir sie ihm einfach direkt ins Ministerium schicken! Die brauchen keine neuen Straßen, verursachen keine Treibhausgase und waren noch nie in einen Dieselskandal verwickelt. Es ist Zeit, dass Radfahren, ÖPNV und Zufußgehen endlich Vorrang haben!

Zu welchen Themen arbeitet die BUNDjugend momentan?
Unsere Schwerpunkte sind Ernährung und Landwirtschaft, Konsum und Postwachstum, Energie und Klima, Flucht und Migration sowie Biodiversität und Umweltbildung. Wir bieten z. B. Workshops dazu an, planen Aktionen wie Selbstexperimente zum Mitmachen, veranstalten Demos, erarbeiten Publikationen oder bilden uns in Arbeitskreisen gemeinsam weiter.

Sind die Kampagnen vom BUND vorwiegend national ausgerichtet oder auch international? Wo wollt ihr Veränderungen sehen?

Die Kampagnen von BUND und BUNDjugend sind vorwiegend auf Bundes- und Landesebene, die praktische und weitere politische Arbeit oft auch ganz lokal. Durch die föderale Struktur laufen oft mehrere Kampagnen auf unterschiedlichen Ebenen gleichzeitig. International agieren wir immer mit Partnerorganisation in unserem Netzwerk Friends of the Earth International (FoEI). Dieses ist auch basisdemokratisch organisiert, hat über 70 nationale Mitgliedsorganisationen und ist damit das größte umweltpolitische Graswurzel-Netzwerk weltweit. Veränderungen sehen wollen wir natürlich überall. Es kommt aber immer darauf an, welche Allianzen es braucht, um diese auch durchzusetzen.

Amnesty International Deutschland ist vor allem dort aktiv, wo Umweltverschmutzungen und die daraus hervorgehenden Menschenrechtsverletzungen auf bestimmte Akteure – im Falle des Nigerdeltas z.B. Shell – zurückverfolgt werden können. An wen richtet sich BUND vorwiegend mit seinen Forderungen? Ist es nicht besonders beim Thema Umweltschutz schwer, die Verantwortlichen auszumachen und zum Handeln zu bewegen?
Da sprecht ihr einen Knackpunkt an: Beim Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit ist fast immer jede*r (mit-)verantwortlich – weshalb die Verantwortung allzu oft zwischen Politik, Wirtschaft und Bürger*innen – allzu oft reduziert auf die Rolle der Konsument*innen – hin- und hergeschoben
wird und angeblich immer erst „die anderen“ handeln sollen. Beim angesprochenen Beispiel Nigerdelta war der BUND mit dem FoEI-Netzwerk aktiv und hat genau auf diese Verzahnung aufmerksam gemacht: Bürger_innen können Shell boykottieren, von der Politik andere Gesetze und Rahmenbedingungen fordern und schlussendlich von Unternehmen wie Shell Schadensersatz fordern. Zur Koordination solcher Kampagnen braucht es wiederum zivilgesellschaftliche Organisationen. Da Kampagnen meistens zielgerichtet sein müssen, versuchen wir in solchen komplexen Zusammenhängen die relevanten Stellschrauben zu identifizieren, an die wir öffentlichkeitswirksam Forderungen stellen können. Anderes lässt sich über klassische fachliche Lobbyarbeit (Konsultationen etc.) besser lösen. Generell arbeiten der BUND/die BUNDjugend nicht ganz so viel mit Kampagnen wie Amnesty, was auch an unserer basisdemokratischen Struktur liegt.

Wo siehst du in deiner Arbeit und der Arbeit vom BUND Anknüpfungspunkte an Menschenrechtsthemen?
Im Nachhaltigkeitsverständnis der BUNDjugend muss Ökologie/Umwelt und Soziales immer zusammengedacht werden. Wir beleuchten unsere Themen auch immer unter dem Aspekt der Umweltgerechtigkeit, weil sehr offensichtlich ist, dass bestimmte Menschen von der Naturausbeutung profitieren und andere stark darunter leiden. Besonders deutlich wird das an den Differenzlinien globaler Norden-globaler Süden und auch sozialökonomisch starke und schwache Menschen. Ich habe lange in Stuttgart gelebt, da wird das im Alltag ganz plakativ deutlich: Die wohlhabenden Menschen aus der Halbhöhenlage düsen mit ihren SUVs durch die Stadt und die weniger wohlhabenden Menschen, wie z.B. ich als Studentin, die in der Innenstadt wohnen, bekommen die Abgase voll ab und werden zum Teil nachweislich krank davon. Wesentlich dramatischer bzw. existentieller ist dieser Mechanismus, wenn wir z.B. unsere Produktions- und Konsummuster genauer anschauen: Sehr viele Produkte, sei es Kleidung, Kaffee oder Elektronik, die wir ohne mit der Wimper zu zucken kaufen und wegschmeißen, werden im globalen Süden hergestellt und entsorgt. Auch im Bereich Klima sind die Zusammenhänge klar: Die Menschen, die am wenigsten zu den Klimaveränderungen beigetragen haben, sind ihnen am stärksten und oft schutzlosesten ausgesetzt.
In unserem Projekt „Klima gerecht schützen“ bilden wir junge Menschen dazu aus, an z.B. Schulen Workshops zu Klimagerechtigkeit anzubieten und Handlungsmöglichkeiten für ein klimagerechtes Leben aufzuzeigen. „Klimagerechtigkeit“ ist übrigens, statt „Klimaschutz“, auch das Schlagwort der sozialorientierten, progressiven Klimabewegung. Außerdem haben wir uns auch mit Migrationsbewegungen aufgrund von Umweltbedingungen auseinandergesetzt und mit einer Grafik zu Flucht und Migration in unseren Social-Media-Kanälen auf diese Zusammenhänge hingewiesen. Nicht zuletzt sind viele BUNDjugend-Gruppen mit geflüchteten Menschen in Kontakt und kochen, gärtnern und diskutieren zusammen. Nicht zuletzt kommt es in verschieden Ländern auch zu Einschüchterungsversuchen, Sanktionen und zu körperlichen Angriffen bis hin zu Mord an Umweltaktivist*innen. Da ist z.B. der Fall der ermordeten Staudammgegnerin Berta Cáceres aus Honduras oder Anti-Atomaktivist*innen in Belarus, die das Wort „Tschernobyl“ besser nicht in den Mund nehmen.
Nun ist es aber auch so, dass die Expertise von Umwelt- und Nachhaltigkeitsverbänden tendenziell eher bei ökologischen Themen liegt, bei den Erwachsenenverbänden ist das meiner Wahrnehmung nach noch einen Tick mehr so. Deshalb ist es besonders wichtig, sozial-ökologische Allianzen zu bilden, also z.B. Jugendumweltverbände mit Menschenrechts- organisationen und Jugendgewerkschaften zusammenzubringen. Die Gemeinsamkeiten in den Zielen sind da, häufig sprechen wir aber eine andere Sprache, vereinzelt kann es auch Konfliktpunkte geben, z.B. beim Kohleausstieg (Strukturwandel sozial fair gestalten) oder Wirtschafts- wachstum. Deshalb es ist super wichtig, sich offen miteinander auseinander zu setzen!

In eurem Projekt „Klima gerecht schützen“ vertritt die BUNDjugend u. a. die Meinung, dass „jedem Menschen, unabhängig von seiner Herkunft und Zugehörigkeit, die gleichen Nutzungsrechte an der Atmosphäre zustehen.“ Würdet ihr demnach eine Festsetzung dieses Anspruchs in einem „Menschenrecht auf saubere Umwelt“ befürworten? Könnte solch ein Menschenrecht deiner Einschätzung nach vielleicht die Arbeit von Umweltorganisationen erleichtern?
Kurz und knapp: Ja und Ja! Schon allein der Aspekt, dass die Natur hier im westlichen Kulturkreis keinen Eigen-Wert hat, ist sie wirtschaftlichen Interessen allzu oft schutzlos ausgeliefert. Wenn es gesetzlich verankert wäre, hätte die Braunkohleindustrie aktuell nicht mehr viel zu lachen, da sie wegen Körperverletzung auf der Anklagebank sitzen würde.

Amnesty International und Greenpeace haben in der Vergangenheit vereinzelt eng zusammengearbeitet – so z.B. bei der Dokumentation von illegaler Giftmüllentsorgung an der Elfenbeinküste. Kooperiert der BUND ebenfalls mit Menschenrechtsorganisationen? Wie profitiert ihr voneinander?
Ich sehe da zwei Stränge, wie sich Umwelt- und Menschenrechts- oder auch Sozial- und Entwicklungsverbände und Gewerkschaften unterstützen können. Der eine Punkt ist politische Schlagkraft entwickeln und zusammen mehr Menschen zu erreichen und zu mobilisieren, die vielleicht eine Affinität nur in eine Richtung haben. Das zeigt sich z.B. beim CETA- und TTIP-Protest. Der zweite, und für mich persönlich fast wichtigere Strang ist weniger nach außen, an die Öffentlichkeit gerichtet, sondern hat etwas mit einem internen und auch gemeinsamen Lernprozess zu tun. Ich hatte das vorhin schon angedeutet: Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen haben beide eine gewisse Historie, Eigenlogik, Organisationskultur und Habitus. Diese Differenzen zu verstehen und auszuhalten, aber auch sich anzunähern schafft die Allianzen, die wir brauchen, um zukunftsfähig zu sein. Gelungen ist das z.B. in der Studie „Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt“, die der BUND 2008 zum zweiten Mal mit Brot für die Welt und dem Evangelischen Entwicklungsdienst herausgegeben hat. Generell gibt es eine Tendenz, mit Entwicklungsverbänden zu kooperieren, da der Bezugspunkt globale Gerechtigkeit auf beiden Seiten da ist.

Zum Schluss würden wir uns über ein paar Tipps von dir als Expertin freuen – Wie können wir im Alltag etwas für die Umwelt tun?
Haha, ich will jetzt nicht die krassen Ökoklischees à la „Bitte Müll trennen und Jutebeutel mitnehmen“ bringen (auch wenn das beides äußerst sinnvoll ist)… Am meisten Einfluss hat eure Ernährung, euer Wohnen und eure Mobilität. Deshalb: Toll, wenn ihr möglichst oft Rad fahrt, zu Fuß geht oder den ÖPNV nutzt. Super, wenn ihr überwiegend vegan, regional und saisonal kocht und vielleicht sogar mit Freund*innen oder in einer Kooperative selber Gemüse anbaut. Fantastisch, wenn ihr generell bewusst konsumiert, nach dem Motto „weniger ist mehr“ und öfter mal was repariert, leiht, teilt oder tauscht. Das Beste ist, dass ihr so nicht „nur“ etwas für die Umwelt tut, sondern auch für mehr soziale Gerechtigkeit. Und neben den ganzen Lebensstilstellschrauben gilt es auch, politisch und kollektiv Druck zu machen, indem ihr auf Demos geht, einen Umsonstladen oder ein Repair Café initiiert oder Petitionen unterschreibt. Und das wiederum habt ihr bei der Amnesty-Jugend ja sowieso drauf!


Zehn Tipps für nachhaltigen Aktivismus

23. Juni 2017 von BUNDjugend

So engagierst du dich dauerhaft und mit Freude

Neben Schule, Studium und Job bringt ehrenamtlich politisch und gesellschaftlich aktiv sein vielen von uns Lernmöglichkeiten und ein Gefühl der Selbstwirksamkeit/Erfüllung, die andere Kontexte so nicht bieten. Abgesehen davon, dass es im Zeitalter „multipler Krisen“ notwendiger denn je erscheint, sich zu engagieren. Aber seien wir ehrlich: In den gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnissen heißt das oft auch noch mehr Verpflichtungen und Termine – und das kann schlauchen und erschöpfen. Wenn wir systematisch und fundamental etwas ändern wollen, brauchen wir nachhaltigen Aktivismus, der nicht nach wenigen Wochen oder Monaten verpufft, weil er unsere persönlichen Grenzen sprengt. Anregungen dazu gibt’s hier.

Dies ist keine To-Do-Liste. Die Fragen und Tipps sind Werkzeuge zum Reflektieren und Diskutieren, deshalb: Nimm dir nicht alles auf einmal vor. Such dir ein bis zwei Punkte aus, wo du gut ansetzen kannst und die dich gerade am meisten umtreiben. Pass sie so an, dass sie für dich, deine Gruppe und deine/eure Situation gut passen. Leg‘ los und sei dir bewusst, dass es hier kein „abhaken“ gibt, sondern du vielmehr immer wieder auf diese Liste zurückgreifen kannst.

1. Lerne, mit Frust umzugehen:

Ich mache mir immer wieder klar, dass Aktivismus, Frustrationen und Anfeindungen mit sich bringt. Oft gibt es mächtige Gegner*innen und Menschen können sich von Forderungen angegriffen fühlen, sind resigniert oder haben ganz anderes im Kopf. Das gehört dazu.

2. Feiere Erfolge und thematisiere, was gut läuft:

Ich nehme mir gemeinsam mit der Gruppe, mit der ich zusammenarbeite, oder allein, zum Feiern und Genießen von Erfolgen und guten Erfahrungen doppelt so viel Zeit wie zum Besprechen von Niederlagen oder zum Verarbeiten von Ärger.

3. Definiere die Rolle von Aktivismus in deinem Leben:

Ich werde mir immer wieder über andere Ziele in meinem Leben klar und stimme sie mit meinen aktivistischen Aktivitäten ab. Ich setze mir immer wieder Zeitpunkte, nicht nur an Silvester, wo ich mich zurücklehne und darüber nachdenke: Wo will ich eigentlich in meinem Leben noch hin? Was will ich in meinem Leben noch machen und wenn ich es jetzt nicht tue – wann dann? Ich frage mich auch immer wieder: Wo ist mein Engagement Flucht oder Ersatz für Dinge, die ich eigentlich tun müsste oder wollte? Ich bin mir klar, dass ich mich in bestimmten gesellschaftlichen Machtverhältnissen bewege – ich achte darauf, dass mein Engagement mir nicht den Boden unter den Füßen nimmt und ich Schule, Studium oder Job nicht vernachlässige.

4. Ziehe Grenzen:

Ich mache mir immer wieder klar, wie viel ich zeitlich und nach meiner Kraft leisten kann und will. Bei der Projektplanung oder bei Vereinbarungen mit anderen denke ich vorher darüber nach, wie viel Zeit ich für das Projekt oder für mein Amt aufbringen kann und will. Ich pflege auch den Mut zur Lücke. Ich ermuntere meine Kolleg*innen ebenfalls dazu, ihre Grenzen zu kommunizieren und schaffe eine Atmosphäre, in der Nein-Sagen ohne schlechtes Gewissen möglich ist. In der Gruppe Verantwortlichkeiten und Aufgaben teilen, damit Einzelne nicht unersetzbar werden und der persönlich erlebte Druck zu hoch wird. Dazu gehört es auch, gemeinsam Verantwortungen und Arbeitsbereiche zu definieren: Was bedeutet es Vorstand/Aktive*r/Projektleiter*in usw. zu sein? Welche Verantwortung hat die einzelne Person oder jeweilige Gruppe und besteht hier Konsens?

5. Fokussiere dich auf deine Kompetenzen:

Ich konzentriere mich auf die Arbeit, die mir liegt. Das heißt, welche Aufgaben meinen Fähigkeiten und Interessen entsprechen. Nur wenn ich zu einem großen Teil gemäß meinen eigenen Fähigkeiten eingesetzt werde, kann ich auf Dauer gute und erfüllende Arbeit machen.

6. Plane auch mal pragmatisch:

Ich und die Gruppe, mit der ich arbeite, setzen uns realistische Ziele. Ich und meine Gruppe brauchen auch Projekte mit Erfolgsaussichten. Gemeinsam reflektieren, worin überhaupt Erfolg und Leistung für die Gruppe bestehen, und inwiefern vielleicht auch Muster der Beschleunigung und des „immer noch mehr“ reproduziert werden. Weniger ist mehr: lieber Schwerpunkte auf einzelne gute und sinnvolle Aktionen, Veranstaltungen und Kampagnen als den Anspruch, überall dabei sein zu wollen. So bleibt auch Zeit für Reflexion (z.B. Klausursitzung) und Fortbildung!

7. Gib‘ acht auf dein Team:

Ich mache mir die Kraft, die mir eine Gruppe geben kann, immer wieder klar und nutze sie. Ich kümmere mich um die Gruppe, mit der ich arbeite und höre meinen Kolleg*innen gut zu. Ich achte darauf, dass vor wichtigen Entscheidungen jede*r reihum nach seiner*ihrer Meinung und nach seinen*ihren Ideen gefragt wird. Falls ich jemand bin, der Projekte lieber alleine bearbeitet, halte ich Kontakt.

8. Unterstütze ein Netzwerk:

Wenn andere mehr Erfolg haben als ich, werde ich nicht neidisch. Wenn ich mehr Erfolg habe als andere mache ich nicht neidisch, sondern ermutige die anderen und feiere mit ihnen. Ich teile meine Kompetenzen und nehme mir auch die Zeit, anderen etwas beizubringen. Ich denke politisch: Viele Herausforderungen betreffen nicht nur mich und meine Gruppe. Ich mache mich für strukturelle Lösungen stark, anstatt als Einzelkämpfer*innen die Kraft zu verlieren.

9. Mach‘ mal Pause:

Wenn ich merke, es geht nicht mehr, mache ich mir das bewusst und prüfe die Möglichkeiten, für eine Weile auszusteigen. Denn falls ich zu spät Pause mache, kippt mein Elan und ich will gar nicht mehr. Pausen erleichtern das Dranbleiben und sorgen für frischen Wind. Außerdem liegt in manchen Lebensphasen dein Fokus einfach woanders. Und das ist völlig okay!

10. Kümmere dich um alle deine Bedürfnisse:

Ich brauche Dinge, die mir mehr am Herzen liegen als Aktivismus und einen emotionalen Ausgleich zu meiner Arbeit schaffen. In unserer Arbeit bläst uns oft ein kalter Wind entgegen. Es muss etwas geben, das mich wärmt. Der emotionale Ausgleich kann eine Beziehung sein oder die Familie. Ich nehme mir aber auch Zeit für musische, sinnliche Dinge, für Malen oder Musik, für Reisen oder gute Bücher, für die Beobachtung eines Vogels oder das Riechen an einer Blume, für das Lachen der Kinder und für die Liebe. Das sorgt für neue Ideen und schafft Freiheit im Kopf.

 

Speichere diesen Artikel oder druck in dir aus und lege in vorne zu deinen Unterlagen. Eine regelmäßige Lektüre kann dir helfen, immer wieder zu hinterfragen, wo du gerade stehst, was du brauchst und wie du weiter vorankommst. Es empfiehlt sich auch, sich als Gruppe bei einem gemütlichen Treffen diesen Fragen zu widmen.

Und welche Tipps möchtest du weitergeben? Teile sie in den Kommentaren!

 

Autor*innen:

Thomas Giesinger ist Psychologe, arbeitet seit vielen Jahren als Ehrenamtskoordinator beim BUND BW und hat ursprünglich für sich selber „10 Gebote gegen Ökofrust“ verfasst.

Katharina Ebinger studiert Politik und Verwaltung, ist im Landesvorstand des BUND BW und beschäftigt sich mit Organisationsformen und -kulturen für die Große Transformation.

(Alle Fotos CC0, über https://stocksnap.io/)