BUNDjugend Blog - ... und jetzt noch die Erde retten!

Vom Wissen zum Handeln – Widerstand und Utopie in Zeiten globaler Krisen. Ein Vortrag von Malo Vidal

19. August 2015 von presse4bundjugend

Veranstaltung im Rahmen der WELTbewusst erLEBEN Postwachstumsreihe des StuRa Leipzig

In Zeiten globaler Krisen stellt sich die Frage, wie sich die Umstände positiv bzw. nicht negativer verändern können- und dies nicht unter global wirtschaftlichen oder staatlichen Gesichtspunkten („ der globale Norden muss schrumpfen“) sondern der eigenen: wie handeln wir und sind wir bereit unsere Lebensgrundlagen anzupassen und zu ändern, zugunsten anderer und nachfolgender Generationen? Und sind wir bereit dies jetzt zu tun („by design“) oder erst wenn es zu spät ist („by distaster“)?

Malo Vidal findet hier eine Anschaulichkeit für das Thema und macht deutlich: es geht! Angefangen mit dem Imaginären, den emotionalen Infrastrukturen, dem festen Rahmen unserer Vorstellungen, gilt es zu hinterfragen, aufzubrechen und Neues zuzulassen – ein langer Selbstprozess. Auch ohne große Einschränkungen der eigenen Bedürfnisse kann es bereichernd sein und zum Guten Leben (Buen Vivir) gehören.

Zeit ist kostbarer als Geld und vielleicht sollten wir mal wieder fragen, was wirklich gut für uns ist: ganz nach dem Motto: „Alles wird besser, aber nichts wird gut.“ Nachhaltig leben, zurück zum Wesentlichen finden: Selbstverwirklichung, Eigenproduktion, Zeit für Reflexion und ein Stück Unabhängigkeit gewinnen.
Malo spricht von kollektiver Emanzipation und dass wir (fast) alle zu individuellen Personen erzogen werden und dazu tendieren, nur an uns zu denken. Es geht um das miteinander leben, solidarisch handeln, um Konsensmoderation und gewaltfreie Kommunikation.

Malo ist freier Bildungsreferent und hat Erziehungswissenschaft, Philosophie und Anthropologie studiert. Er ist Mitglied im Netzwerk Wachstumswende und war an der Organisation der 4. Degrowth Konferenz in Leipzig 2014 mitbeteiligt.

Literaturempfehlungen:

Serge Latouche, Barbara Muraca, Niko Paech: „Zeitwohlstand: Wie wir anders arbeiten, nachhaltig wirtschaften und besser leben“


Klamottentausch und Positivrundgang zu alternativen Orten

19. August 2015 von presse4bundjugend

Veranstaltungen im Rahmen der WELTbewusst erLEBEN Postwachstumsreihe des SturRa Leipzig

Klamottentausch auf dem Hof der Uni Leipzig

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Der kleine Umsonstladen auf dem Campus Augustusplatz der Uni Leipzig: Nach unserer Sammelaktion hatten wir viele Kisten und Klamottenberge mit Sachen die niemand mehr tragen wollte. Bis zu diesem Tag. Ein schöner bunter Tag zwischen sich biegenden Wäscheleinen, Wühlkisten und Verkleidungs-Aktionen. Es kamen so verschiedene Besucher_innen, so viele fragten erstaunt, ob sie das denn wirklich einfach so mitnehmen könnten ohne etwas zu tauschen und so viele gingen zufrieden, dass wir sagen können: Das machen wir jetzt regelmäßig!

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Und was steckt noch dahinter? Wir besitzen (zu) viel und horten Dinge, die Andere vielleicht viel besser gebrauchen können. Second hand nutzt die Ressource weiter und wird genutzt statt neu gekauft.

Positivrundgang- alternative Orte im Osten Leipzigs

DSC01063Nachdem der Konsumkritische Rundgang zum Positivrundgang wurde und in vielen Städten mittlerweile stattfindet, haben wir uns an die Planung für eine kleine Fahrradtour gemacht.

Angefangen im Querbeet, einem Gemeinschaftsgarten in der Neustädterstraße mit Gemüsebeeten und Lehmofen. Besonderes Augenmerk bekommt dieses Jahr die Chilipflanze, die mit verschiedenen Arten und unterschiedlichen Schärfestufen angebaut wurde. Im Garten gibt es regelmäßige Veranstaltungen wie die Flimmerwoche, Färberworkshops oder Bierbrauworkshops.

DSC01060Weiter ging es in den Umsonstladen in der Eisenbahnstraße, der jeden Freitag ab 14 Uhr geöffnet hat. Es ist weniger ein Laden als vielmehr ein Ort, den die Bewohner_innen des Hauses nutzen (für Veranstaltungen, Lesekreise etc.). Einige Leute aus dem Haus haben angefangen, Klamotten zu sammeln und anzubieten – und so entstand der erste Umsonstladen im Osten. Schaut einfach vorbei, es ist sehr entspannt und Ideen sowie helfende Hände sind immer willkommen: „con han hop“ in der Eisenbahnstraße 97

Zum Abschluss ging es ins Nu R. Im Hinterhof eines Altbaus gibt es Schatten und Gemütlichkeit, drinnen ein Büchercafe und jeden Donnerstag auch Küfa. Die Leute erzählen uns, dass sie das Haus selbst renoviert haben und jetzt einmal die Woche hier kochen, ab und an mit Life Musik.


Postwachstum – Sozial ökologisch Wirtschaften: ein Einstieg von Nina Treu

19. August 2015 von presse4bundjugend

Eine Veranstaltung im Rahmen der WELTbewusst erLEBEN Postwachstumsreihe des StuRa Leipzig

Die Wirtschaft und Industrie basieren darauf, die Politik hat es zum Ziel und wir steigern es, indem wir konsumieren, mehr als notwendig wäre: Wachstum. Nicht neu, aber aktueller denn je, bildet die Postwachstumsbewegung eine Vielzahl von unterschiedlichen Stimmen gegen die Wachstumsmaxime. Klar ist: unser Handeln hat Auswirkungen, die global immer schwieriger zu kontrollieren sind: die Ressourcen sind endlich, Energie ist wertvoll und Ungleichverteilungen nehmen zu.

Nina Treu macht deutlich, dass die Lösung nicht auf einer Green Economy basiert: der Ressourcenverbrauch soll hierbei vom Wachstum unabhängig gestaltet sein. Doch dies ist kritisch zu sehen: eine Entkopplung funktioniert kaum vollständig. Auch der Rebound-Effekt spielt eine Rolle: Einsparungen an einer Stelle werden an anderer wieder ausgegeben („Konsum kann niemals nachhaltig sein“). Auch erneuerbare Energie verbraucht Ressourcen, deshalb ist grundsätzlich eine Minimierung des Energieverbrauchs anzustreben.

Auf der individuellen Ebene entwickeln sich seit ein paar Jahren Konzepte, die Alternativen aufzeigen: Sharing Modelle, Wohnprojekte, Gemeinschaftsgärten, Selbsthilfewerkstätten, solidarische Landwirtschaft und Mitglieder-Läden, um ein paar Beispiele zu nennen.

Und auf der gesellschaftlichen Ebene? Zu diskutieren wären hier: Einsatz für mehr Demokratie hin zu Basisdemokratie, Reformierung des Finanzsystems und der Banken, Umverteilung der Arbeitszeit, Minimierung des Naturverbrauches, unterstützen der regionalen (Land-)Wirtschaft, sowie die lokale Ökonomie.

Mehr Infos gibt’s auf: www.konzeptwerk-neue-oekonomie.org

Nina Treu studierte in Heidelberg und Paris Politikwissenschaft, Volkswirtschaftslehre und Recht. Sie ist Mitbegründerin des Konzeptwerks Neue Ökonomie, einen jungen Thinktank mit Sitz in Leipzig, der Konzepte für eine soziale, ökologische und demokratische Wirtschaft entwickelt und verbreitet. 2014 war sie Koordinatorin für Programm und Teamorganisation bei der 4. Internationalen Degrowth-Konferenz.


Klamottentausch in Kassel

13. August 2015 von presse4bundjugend

Um den Bruch mit dem System Kaufen-Tragen-Wegwerfen zu zelebrieren veranstaltete die Initiative Konsumkritischer Stadtrundgang Kassel am 20. Juni 2015 eine Klamottentauschparty im Schlachthof in Kassel. Für das Gelingen der Party waren alle Teilnehmenden gebeten tauschbare Kleidung mitzubringen. Dabei galt der Leitsatz: Klasse statt Masse.

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Jede*r brachte Kleidung mit, gab es auf die Tauschfläche und konnte uneingeschränkt „neue“ Kleidung tauschen. Als Tauschfläche dienten mehrere Tische, Kleiderständer und eine Konstruktion, die sich aus Wäscheleinen vor dem Eingang des Schlachthofes befand. Das Ambiente wurde durch angenehme Musik untermalert und das Tauschen fand guten Andrang.

Etwa 180 Menschen besuchten die Veranstaltung und gaben überwiegend positives Feedback. Konsumkritische Sätze wie „Jede*r Deutsche kauft pro Jahr im Durchschnitt 30-70 neue Kleidungsstücke“, oder Informationen über die Löhne einer Näherin, wurden an Kleidungsstücken befestigt und forderten zum Gedankenaustausch auf. Durch diese Sätze angeregt fanden Unterhaltungen zu den Thematiken Nachhaltigkeit und Globalisierung statt. Des Weiteren lagen laminierte Informationen zu Handlungsoptionen auf den Tauschflächen verteilt aus. Als Option wurde bspw. auf einen Näh-Treff aufmerksam gemacht. Drinnen waren Umkleiden aufgebaut, die gut genutzt worden sind. Im Biergarten wurde Kaffee, Tee und Kuchen angeboten, was zum Verweilen, einer Tausch-Pause oder einem Austausch untereinander einlud.

Gegen Abend war Lena Störfaktor aus Berlin als Live-Act mit politischem Rap eingeladen und gab ein Konzert. Woran im Anschluss DJ Steffnä aus der Region noch etwas elektronische Musik auflegte und zum Tanzen einlud.

Diese Veranstaltung wurde vom Verein Die Kopiloten e.V. durchgeführt, gefördert von Engagement Global GmbH aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und ist Teil des Projekts „Orientierungsrahmen lernt fliegen“.


Le vent tourne – Aktion auf dem YFoEE Summer Camp

10. August 2015 von presse4bundjugend

Sonntag, Halbsechs auf dem Summercamp: Der Kaffee tropft in die bereits halb gefüllte Kaffekanne und erinnert in der Farbe nicht nur entfernt an meine Augenringe. Um mich herum klingt die Party des Abschlussabends sachte aus, nur noch ein paar Unverdrossene stehen in der Küche zusammen, durch die jetzt der Kaffeegeruch zieht. Der Grund dafür, dass ich mich nicht schon längst in mein Bett verkrochen hab, kommt gerade zur Tür rein: Emma-Jayne wird die erste Busladung Leute zum Bahnhof nach Quimper bringen, die sich von dort wieder über ganz Europa verteilen werden. Mein Zug verlässt Quimper zwar erst um Neun, aber Josef hat sich eine Mitfahrgelegenheit organisiert, die er um Sieben erwischen muss. Damit sich die Stunde Shuttleservice nach Quimper lohnt müssen noch ein paar andere in den sauren Apfel beißen. Mit dabei sind noch Julia, Miia und Ana-Maria.

Die letzten vier Tage ging es auf dem Camp hoch her, es fällt fast schwer alle Erinnerung wieder zu sortieren. Auf der Zugfahrt sollte ich dazu aber genügend Zeit finden. Weil das französische Bahnsystem nochmal ein ganzes Stück undurchsichtiger ist als das deutsche, war es irgendwie mögliche ein Ticket für die 1. Klasse zu bekommen, das dabei sogar billiger ist als alle Angebote in der Zweiten. Mir soll es recht sein, so kann ich in Ruhe die Erlebnisse der Woche ordnen, nachdem ich mein Schlafdefizit etwas verringert konnte.

„Don’t nuke our climate!“

Am Mittwoch gab es einen kleinen Exkurs in die Geschichte der französischen Anti-Atomkraft-Bewegung. Hier in der Bretagne wurde Ende der 70er-Jahre das AKW Plogoff verhindert. Jean Moualic, einer der Aktivisten von damals, und ein paar seiner Mitstreiter führen uns über die Hügel, die sich oberhalb der Klippen hinter dem Dorf erstrecken. Kaum vorstellbar, dass hie19630466074_cd190f84f2_zr, wo wir uns nun auf den schmalen Pfaden durch das Meer aus Farnen schlängeln, einst ein Monster von Atomkraftwerk mit vier Reaktorblöcken aus dem Boden gestampft werden sollte. Die Menschen der Bretagne können stolz sein, den Wert ihrer Heimat frühzeitig erkannt und so einen Ort des Widerstandes geschaffen haben, bevor in Wackersdorf überhaupt eine WAA geplant war. Die Freiheit, die hier in Gestalt des Windes vom Meer bläst, zeigt uns, dass es sich jederzeit lohnt gegen die Ungerechtigkeit aufzustehen, die die Zerstörung unserer Umwelt jeden Tag darstellt. Mit einer kleinen Banneraktion am Strand verbinden wir schließlich Vergangenheit und Gegenwart: Atomkraft ist eine der schmutzigsten und die riskanteste Art der Energiegewinnung. Keinesfalls kann diese unkontrollierbare Technik ein Teil der Lösung für die globalen Krisen sein. Dieses Zeichen ist besonders in Frankreich zu setzen, dass nach wie vor 80% seines Stromes aus Kernkraft gewinnt und mit Areva einen der größten Atomkonzerne der Welt in Staatsbesitz hält.

Erneuerbare Energie in Bürgerhand!

Motiviert von den Errungenschaften der Vergangenheit machten wir uns an die Arbeit, neue Orte des Erfolges zu schaffen. Vor der bretonischen Küste liegt recht unscheinbar die kleine, verschlafene Insel Île de Sein. Hier entwickelt sich, angetrieben von den Bewohnern der Insel, eine Bewegung für Energiesouveränität und eine Versorgung mit 100% Erneuerbaren Energien. Noch liegt das Monopol der Stromerzeugung auf der Insel beim staatlich kontrollierten Energieriesen EDF, dem zweitgrößte Energiekonzerne der Welt. Um Nachhaltigkeit in der Stromversorgung schert sich EDF überhaupt nicht: Jährlich werden über 100.000 Liter Diesel in den Generatoren verheizt und beschleunigen damit den Anstieg des Meeresspiegels, der das ohnehin den Naturgewalten ausgelieferte Eiland droht unbewohnbar zu machen. Dem Anliegen der Inselbewohner, die Stromproduktion in die eigene Hand zu nehmen und eine kommunale Windkraftanlage zu errichten, steht damit ein mächtiger Gegner entgegen. Wir als YFoEE möchten daher den Menschen der Insel in ihrem Kampf beistehen, denn ihr Bestreben für eine dezentrale Energieversorgung in Bürgerhand20066142828_0bc605fbc3_z steht beispielhaft für den Wandel, der für ein Europa und eine Welt der Zukunft zwingend nötig ist. Wer so große Zeichen setzen will, muss dafür natürlich jede Menge vorbereiten. Am Donnerstag ist das ganze Camp am werkeln: Einsatzpläne für die große Aktion am Leuchtturm werden geschmiedet, riesige Banner mit unserer Botschaft beschriftet und an einem Totem zur Warnung vor dem steigenden Meeresspiegel geschraubt. Auch Sprechchöre und sogar ein Songtext für die Demo werden erdacht – selbstverständlich auf Französisch, was für einige der englischsprachigen unter uns eine echte Herausforderung ist, die aber durch gemeinsames fleißiges Üben schnell gemeistert wird. Ich habe mich wieder dem Mediateam angeschlossen, dessen Aufgabe es sein wird, Bilder von der Aktion zu produzieren, um die Geschichte der Île de Sein über die Insel hinaus sichtbar zu machen. Positionen und Aufgaben für die Fotograf*innen und Kameraleute werden verteilt, ein Storyboard für den Aktionsfilm gezeichnet und diskutiert, wie wir unser Narrativ – die Botschaft von Energie in Bürgerhand – am besten in Bilder fassen. Während die Farbe auf den Bannern trocknet, schläft das Camp, um am nächsten Morgen fit für die Aktion zu sein.

Freitagmorgen, während des Frühstücks hatte sich eine Gruppe Freiwilliger in die Küche begeben, um im Akkordarbeit Sandwiches für die Horde Aktivisten zu belegen. Team Blue – die Leute, die für die Aktion am Leuchtturm zuständig sind – sind bereits auf dem Weg zur Insel, damit dort bereits alle Vorkehrungen getroffen sind, sobald der Demo eintrifft. Um Elf geht es auch für den Rest von uns los. In zwei Busladungen werden wir nach Saint-Evette gebracht, wo wir noch einige Zeit warten müssen, bis wir auf die Fähre können. Als es endlich soweit ist – die Meisten haben ihren Proviant schon aufgefuttert – wird unsere Unternehmungslust etwas getrübt, als an Bord die Durchsage gemacht wird, wir hätten heute mit stärkerem Wellengang als sonst zu rechnen. Unterstrichen wird diese Ansage von einem Crewmitglied, der in einer Luke unter Deck verschwindet, nur um kurz darauf mit einem Stapel weißer, von Innen mit Folie beschichteter, Papiertüten wieder zu kommen, die er griffbereit an Sitzen verstaut. Über die einstündige Fahrt hüllen wir den Mantel des Schweigens. Angekommen informieren sich einige über die aktuellen Immobilienpreise auf der Insel. Später wieder zurück zu müssen, daran wollen sie erst mal nicht denken.

Nach der dringend benötigten Verschnaufpause am Pier im Hafen von Île de Sein, werden wir von einer kleinen Delegation der Inselbewohner empfangen. Patrick Saultier, Mitglied des Gemeinderats, heißt uns willkommen. Er drückt seine Freude über unser Kommen aus und was es für die Menschen der Insel bedeutet. Malika und Dipti übergeben feierlich das Totem, das, als Bildnis des Leuchtturms mit einer Markierung des Wasserstands, die Gefahren für die Insel durch den vom Klimawandel verursachten Meeresspiegelanstieg anschaulich machen soll. Nun setzt sich der Demozug in Bewegung. Ein Ereignis, das die Insel so vielleicht zum ersten Mal sieht: Hundert Junge Menschen, fast halb so viel, wie die Insel Einwohner zählt, ziehen singend und Fahnen schwenkend an der Seepromenade entlang, durch die Gassen des Dorfes und über die steinigen Ebenen der Insel, hin zum Leuchtturm, der über der Insel thront. Dort wartet bereits Team Blue auf uns mit dem riesigen blauen Banner „Le vent tourne“ – der Wind dreht sich. Man müsste meinen, der Wind sei in dieser Sache unser natürlicher Verbündeter, allerdings ist das himmlische Kind heute ein wenig bockig: Er bläst so stark, dass wir das Banner nicht wie geplant am Leuchtturm hochziehen können. Egal, die Vogelperspekti20254066975_d73fff32a7_zve, die Julie und Rumy von der Spitze des Leuchtturms einfangen toppt alles und im grandiosen Aktionsvideo, das Lawrence aus unserem Material zusammenschneidet, fällt der kleine Faux Pas auch nicht auf. Abschließend statten wir den Tanks für die Dieselgeneratoren, die wir obsolet machen wollen, einen kleinen Besuch ab und schießen noch ein paar letzte Abschiedsfotos mit ihnen. Auf der Rückfahrt sind alle zu erschöpft von den Kämpfen des Tages, als dass der Wellengang sie davon abhalten könnte, an Bord der Fähre ein Nickerchen zu halten.

Am Samstag legen wir mit den Planungen für das nächste YFoEE-Jahr los: Im Dezember wollen wir die Stimme der Jugend auf den Klimaverhandlungen laut zu Gehör bringen. Das will natürlich bestens vorbereitet sein und so wird sich ausgetauscht über Strategien und Planungen in den Mitgliedsverbänden und gebrainstormt, wie wir den bunten Protest für eine gerechte Lösung der Klimakrise in Paris zusammenführen. Auch für das große Camp im Frühling 2016 werden Ideen geschmiedet, wo die Bewegung das erste Mal nach Paris zusammen kommen wird, um globalen Widerstand gegen Fossile Energien weiterzuführen.

Ein letztes Mal gehen wir zum Strand um uns in den Fluten des Atlantiks zu erfrischen und Kraft zu tanken für die kommenden Herausforderungen. Am Abend feiern wir mit einer kleinen Party uns, das Summer Camp, die Bewegung für Klimagerechtigkeit und alle, die für eine nachhaltige und gerechte Welt kämpfen. Josef legt auf. Für mich soll es eine lange Nacht werden.