BUNDjugend Blog - ... und jetzt noch die Erde retten!

Event-Reihe „Jacke wie Hose“

18. Dezember 2014 von presse4bundjugend

Während der sonst so konsumlastigen Weihnachtszeit haben wir von JANUN Göttingen zu einer dreiteiligen Veranstaltungsreihe zur Herkunft unserer Kleidung eingeladen. Wir haben einen Film vorgeführt, der den Alltag chinesischer Näherinnen in einer Textilfabrik zeigt, es gab einen Vortrag von Textildesignerin Helen Gimber und als Abschluss haben wir eine Kleidertauschparty organisiert.

IMG_55Den Auftakt bildete der Film „China Blue“, den wir in einem Hörsaal der Universität Göttingen vorgeführt haben. Wie bei all unseren Veranstaltungen war der Eintritt frei. Und wie so oft in Vorlesungen waren die vorderen und hinteren Reihen belegt, während in der Mitte noch ein wenig Luft blieb. Der Film wurde sehr bewegend aufgenommen. Die Anwesenden lobten die Machart – es gibt keinen Sprechertext aus dem Off, sondern nur die in die Kamera gesprochenen Passagen der Protagonistinnen. Hinterher entstand noch eine kurze Diskussion darüber, wie den Leuten der Film gefallen hat, was er in ihnen ausgelöst hat und welche Handlungsspielräume sie sehen. Die gängigsten Antworten: Weniger Kleidung kaufen, Druck auf die Marken ausüben.

Eine Woche später ging es weiter mit dem Vortrag der aus England stammenden Helen Gimber, Mode-Designerin und Upcycling-Expertin von Inkota e.V. Sie sprach nicht nur über die Produktion von Kleidungsstücken, sondern auch über die Aktionen der Clean Clothes Campaign gegen die Missstände in der Industrie. Hervorzuheben ist eine Aktion vor der Eröffnung einer Primark-Filiale in Berlin, bei der auf die Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken hingewiesen und eine Kleidertauschaktion durchgeführt wurde.

IMG_53Helen kritisierte Primark insbesondere dafür, neue Kollektionen in zu kurzen Zeitabständen herauszubringen und dadurch die Fabriken und somit auch die Arbeiter*innen unter Druck zu setzen. Zudem wird so mehr Kleidung produziert, die aufgrund von schlechter Qualität und kurzlebigen Trends weniger lange getragen wird.

Im Anschluss an den Vortrag beantwortete Helen die Fragen des Publikums und verteilte Informationsmaterial, wobei vor allem die Sticker ihrer Aktion „Cool, aber tödlich“, die man unauffällig auf Kleidung in Läden wie Primark und H&M anbringen kann, auf Gefallen stießen.

„Macht ihr das jetzt öfter?“, war die am häufigsten gehörte Reaktion auf unsere Kleidertauschparty, die den krönenden Abschluss der Veranstaltungsreihe darstellte.

In gemütlicher Atmosphäre und bei veganen Keksen und alkoholfreiem Punsch im Göttinger Stilbrvch konnten schöne alte Schrankhüter ausgetauscht werden. Die Begeisterung, die wir mit der Veranstaltung auslösten, zeigte sich auch darin, dass viele der circa 80 – 100 (überwiegend weiblichen) Besucher*innen große Mengen an nicht mehr gebrauchter Kleidung mitbrachten. Die Party brachte uns neben einigen Spendeneinnahmen auch einen Bericht im Göttinger Tageblatt ein. Jedoch fiel uns auf, dass viele Leute mehr Kleidungsstücke abgeladen haben, als sie am Ende wieder mitnahmen. Das mag damit zu tun haben, dass wir auf komplizierte Punktesysteme wie bei anderen Kleidertauschpartys verzichtet haben. Sei’s drum.

Nach drei erfolgreichen Veranstaltungen konnten wir zufrieden zurückblicken und uns vor allem einer Frage stellen: Wohin mit all der übrig gebliebenen Kleidung?

Sie ging als Spende an die Kleiderkammer der Straßensozialarbeit und wird somit hoffentlich noch weiteren Menschen Freude machen.

Für die Organisation der Räume danken wir der Hochschulgruppe Terre des hommes!


„Lima in Brussels“ – Ein kurzer Zwischenbericht

11. Dezember 2014 von BUNDjugend

„What do we want? – Climate Justice! When do we want it? – Now!“ – Seit Samstag ist diese Forderung täglich in den Straßen Brüssels zu hören. 50 junge Aktivist*innen aus allen Ecken Europas beschäftigen sich hier eine Woche lang mit Themen rund um die Klimakonferenz in Lima, Peru. Auf der COP20 verhandeln die Mitgliedsstaaten der UN-Klimarahmenkonvention und die Mitglieder des Kyoto-Protokolls einen Entwurf für ein neues Klimaabkommen, welches den 2012 ausgelaufenen Vertrag ersetzen soll. Dieses wird im nächsten Jahr in Paris beschlossen.

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Aktion ist das Zauberwort!

… das ist manchmal ziemlich kompliziert. Deswegen startete unser Programm mit einer allgemeinen Einführung zu den Klimaverhandlungen und Klimagerechtigkeit. Nach all der Theorie wurde es am Montag etwas praktischer: In einem Aktionstraining mit David von Friends of the Earth Europe wurden uns rechtliche Grundlagen erläutert und viele Tipps für kommende Aktionen mitgegeben. Am Dienstag konnte diese auch gleich in die Tat umgesetzt werden. Vor dem Berlaymont, dem Hauptgebäude der europäischen Kommission, haben wir unsere Solidarität mit den Philippinen gezeigt. Dort sind die Auswirkungen des Klimawandels schon jetzt drastisch spürbar. Die Inseln wurde seit 2012 jedes Jahr von einem Taifun heimgesucht. Im Anschluss zogen wir los, um die Lobbybüros im europäischen „Regierungsviertel“ von zum Beispiel Shell, Daimler, IETA (International Emissions Trading Association) aufzuspüren und deren Machenschaften aufzudecken. Am Abend besuchte uns die Federation of Young European Greens, um gemeinsam den Film „Disruption“ zu sehen. Danach entstand eine spannende Diskussion über die Mobilisierung nach Paris im nächsten Jahr.

Dienstag standen gleich zwei Aktionen auf dem Programm. Zunächst ging es erneut in die Nähe der europäischen Kommission, um Juncker zu seinem 60. Geburtstag mehr als 1.000.000 Unterschriften gegen TTIP zu übergeben. Das Bündnis Stop TTIP hat diese Unterschriften in Form einer selbstorganisierten Europäischen Bürgerinitiative innerhalb von nur knapp zwei Monaten gesammelt. Am Nachmittag haben wir uns verschiedensten Menschenrechts-Organisationen angeschlossen und sind mit Fackeln und Bannern, die den Schriftzug “Climate change is a human rights issue” trugen, durch die Straßen Brüssels gezogen. Ziel war der Veranstaltungsort für die jährliche Preisverleihung des „Stop The Killings“ Awards.

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An unserem fünften Tag bei „Lima in Brussels“ wurden die intensiven Diskussionen über die Mobilisierung nach Paris und den weiteren Prozess nach der COP21 in kleinen Gruppen fortgeführt. In Open Space Sessions, die fast täglich Teil des Programms sind, wurden verschiedenste Workshops von Teilnehmer*innen gegeben. Ein weiterer regelmäßiger Programmpunkt ist das morgendliche Treffen, um die Tagesplanung zu besprechen. Updates aus Lima bekommen wir unteranderem durch live Link-Ups mit anderen YoungFoE Gruppen.

Wenn ihr mehr erfahren wollt über unsere Zeit hier in Brüssel, könnt ihr den Lima in Brussels Blog lesen, euch die Fotos auf der Flickr Seite anschauen und diesen Hashtags folgen: #LimainBrussels #COP20 #COP20Lima #UNFCCC #climatejustice.


Fair und gerettet – ein Foodsharing Frühstück in Mainz

8. Dezember 2014 von presse4bundjugend

22.11.14 Hmmmm..! Auf dem Buffet türmen sich Schälchen mit Pilz- und Kürbis-Humus Aufstrich, Gläser mit Marmelade, Bananenschokomus, aufgeschnittene Khakifrüchte, Tomaten, Gewürzgurken… Ein Berg Brötchen und ein paar Leiber Brot von gestern bieten die Basis für diese Leckereien. Es durftet nach Kaffee, Tee – und Reibekuchen. Aus unzähligen geretteten Erd- und Äpfeln haben Katja und Anna Kartoffelpuffer und Apfelmus gezaubert. Die Aufstriche sind ebenfalls aus Gerettetem. Kaffee und Tee sind fair gehandelt, genauso wie der Orangensaft. So frühstückt´s sich WELTbewusst :)
Buffet
FrühstückstellerTische


Meenz Global – die WELTbewusst Stadtrundgangsgruppe, der Weltladen der Uni Mainz und die Christliche Initiative Romero (CIR) haben zum Brunch geladen. Den ganzen Vormittag über trudeln Menschen ein. Insgesamt über fünfundzwanzig. Das Buffet wird leerer und leerer. Allen schmeckt’s. Der Körper ist versorgt!

Für den Kopf gibt es einen Input über die Produktion von Orangensaft, den wir in unseren Supermarktregalen kaufen. Es wird klar, dass Markt- und Machtkonzentration bei wenigen Konzernen Ausbeutung und Abhängigkeit der Beschäftigten und ArbeiterInnen bedeutet.

Gegen Mittag zieht eine Gruppe der Satten los. Sie informieren die KundInnen vor Aldi und Edeka über die Arbeitsbedingungen in der Produktion des Orangensaftes.Gruppenbild

Eine symbolische Übergabe von Protestkarten an die stellvertretenden Filialleiterinnen der Märkte findet ohne bildliche Dokumentation statt. Knapp 2000 unterschriebene Protestkarten wurden im vergangenen Jahr im Rahmen der „ausgepresst“-Kampagne von der CIR und ver.di gesammelt. Auf ihnen wird die Schaffung, Einhaltung, Kontrolle und Nachprüfbarkeit eines Verhaltenskodexes gefordert, unter Einbezug von Gewerkschaften und glaubwürdigen Interessenvertretungen. Auch sollen dieselben Rechte, einschließlich Tarifverträge und Betriebsräte, für die Beschäftigten an jeder Stelle und auf jeder Ebene der Lieferkette gelten (mehr Infos unter ci-romero.de/supermarkt).

Der bunte Vormittag geht zu Ende. Vielen Dank an alle, die mit gerettet, vorbereitet, gespeist und protestiert haben!