BUNDjugend Blog - ... und jetzt noch die Erde retten!

Linking postcolonial and climate justice struggles

11. Dezember 2011 von

Warum Postkolonialismus, soziale Kämpfe und Klimagerechtigkeit zusammen gehören. Dieser Frage gingen wir am Mittwochnachmittag in der Erasmus-Hogeschool nach.

Warst Du schon einmal der einzige Mensch Deiner Hautfarbe oder Ethnizität in einer größeren Gruppe? ( R.C.Young (2003): Postcolonialism, A very short Introduction, S.1) Eine solche Erfahrung kann sehr prägend sein, besonders für weiße, privilegierte und hier in Europa üblicherweise in der Mehrheit vertretene Menschen, die diese Erfahrung nicht häufig machen. Die Minderheit, die an den Rand gedrängten Gruppe oder das ausgeschlossene Individuum zu sein, das ist für einen großen Teil der Menschheit Realität. Sei es weil sie als Person, Gruppe oder Volk diskriminiert sind. Welche Bilder existieren in den Köpfen der weißen Erfinder der westlichen Leitkultur? Sie definieren, was der Mainstream ist und wer nicht dazu gehört. So ist es eben entscheidend, dass das islamische Kopftuch im Westen als Zeichen der Unterdrückung der Frau gilt und bekämpft wird, während alle anderen Bedeutungen ausgeblendet werden. So ist das Tragen eines Kopftuchs für einige Frauen der arabischen Welt und auch Muslima in Europa zum Zeichen des Widerstandes gegen die Sexualisierung der „exotischen“ arabischen Frau durch europäische Männer geworden.

Wenn marginalisierte Menschen zu Wort kommen und ihre Meinung ausdrücken, dann wurde in der Regel bereits für sie gesprochen. „Ich“ bedeutet nicht immer „Ich“, wenn, einmal in eine Kategorie eingeordnet, das Ich reduziert wird auf die Zugehörigkeit zu einer Minderheit.

Postkolonialismus, das bedeutet nicht die Zeit nach den Unabhängigkeitskämpfen der ehemaligen Kolonien, wie einige Teilnehmer des Workshops zunächst eine Einordnung versuchten. Nein, die postkolonialen Kämpfe zielen auf eine Minimierung aller noch immer und aus Kolonialzeiten übernommenen Ungleichheiten aller Gesellschaften ab. Dazu gehört die durch Repräsentanz in internationalen Organisationen und den neoliberalen Weltmarkt aufrecht erhaltene wirtschaftliche Abhängigkeit vieler sog. Entwicklungsländer auf internationaler ebene ebenso wie die durch Klassen, Kasten und Einkommensschichten erkennbare Ungleichverteilung von Macht und Teilhabe innerhalb einzelner Staaten und Gesellschaften, sowie auch die ungleiche Rollenverteilung auf persönlicher Ebene z.B. durch Geschlechterrollen.

Aus der Perspektive unserer westlichen dominanten Gesellschaften bedeutet dies eigentlich: die eigene Weltanschauung umdrehen und versuchen, sie „von unten“, aus der Sicht der Nicht-Dominanten, Marginalisierten zu sehen.

Wie brechen wir das herunter und beziehen es auf die internationale Klimapolitik? Wo werden strukturelle Privilegien und Machtverhältnisse auf der UN-Klimakonferenz sichtbar?

Deutlich erkennbar ist, dass die wirtschaftlichen Interessen der mächtigen Industriestaaten die Richtung der Verhandlungen dominieren. Die AOSIS oder die Verhandlungskoalition der afrikanischen Staaten treten als Stimme der Moral auf, könne aber selbst wenig tun, weil sie nicht für die große Menge der historischen und gegenwärtigen Treibhausgasemissionen verantwortlich sind. Vergleicht man die Größe der entsandten Delegationen, wird deutlich, wer das Sagen hat und vor allem die vielen parallelen Sessions besuchen und mitgestalten kann. Viele Meetings sind außerdem geschlossen und Auserwählten vorbehalten. Wenn Tuvalu oder die Malediven mit ein bis drei Delegierten vertreten sind, Europa oder Kanada dafür mit Hunderten, ist klar, wer wie viel mitreden kann.

Unter dem Gesichtspunkt der globalen Ungleichverteilung von Verantwortlichkeit und Tragen der Folgen von Klimawandel, wirtschaftlicher Ausbeutung und sozialer Ausgrenzung müssen auch  globale Migrations- und Fluchtbewegungen betrachtet werden.

Das Thema ist eigentlich viel zu riesig, wir sprechen über globale Gerechtigkeit und Umverteilung, um es in einem 1-stündigen Workshop zu diskutieren. Wichtig ist, selbstkritisch zu bleiben, sich die eigenen Privilegien bewusst zu machen und, wie gesagt, den Versuch der Betrachtung der Welt „von unten“, aus der Perspektive der Unterdrückten, in eigenes Handeln und Urteilen einzubeziehen.

Musiklinks zur Inspiration:

Tiken Jah Fakoly: Plus Rien ne m’etonne

Blue King Brown: Water

Liebe Grüße, Ruth

 


Von manifestierenden Monumenten und den Geschichten, die Mut machen

8. Dezember 2011 von

6.12.2011 Brüssel

Hallo! Hier schreibe ich, Ruth, mal zur Abwechslung. Es ist wunderbar, wie letztes Jahr in Brüssel zu sein und zu versuchen, den erneut entmutigenden Ereignissen der UN-Klimakonferenz in Durban ein wenig positiven Aktivismus und Netzwerken, Skillsharing und Diskussionen über eine gerechtere Zukunft entgegen zu setzen. Obwohl der Anlass, dass es noch immer keine bindendes Klimaabkommen, geschweige denn Zusagen für eine zweite Verpflichtungsperiode im Rahmen des Kyoto-Protokolls gibt, und der Green Climate Funds noch nicht ausreichend mit Finanzmitteln ausgestattet ist, eher weniger erfreulich ist.

Was Spaß macht, sind die Menschen, der geteilte Optimismus, obwohl hin und wieder die Frage aufkommt, wie realistisch dieser sein kann.

Nach einem Live-Linkup mit den Jugendlichen von 350.org und UKYCC, die in Durban um die Fortführung des Kyoto-Protokolls kämpfen, aber auch um die Mobilisierung von AktivistInnen aus den eigenen Reihen, tatsächlich Aktionen zu rocken.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei der Tagesplanung wurde deutlich, dass das Interesse der Anwesenden an Aktionen groß ist, sodass wir den Nachmittag fast ausschließlich mit Aktionsplanung verbrachten. Das heißt, einige von uns beließen es nicht bei Planung, sondern machten sich auf, die möglichen Aktionsorte zu erkunden. Dabei stießen wir auf ein sehr interessantes Statement, gehalten vom Symbolmonument der Stadt: Manneken Pis, die winzige pinkelnde Statue, die wegen dem gewaltigen Unterschied zwischen seiner erwarteten und tatsächlichen Größe immer wieder erstauntes Lachen bei den fotografierenden TouristInnen hervorruft, outete sich als Klimaaktivist. Seine Message: „Don’t Piss away Our Future“. Sein neues T-Shirt, das er über die Sankt Nikolaus-Kluft gestreift hatte, sagte aus: „EU save Climate“.

Zurück in der Erasmus-Hogeschool, wo wir heute unsere Workshops und Diskussionen halten, wurde noch immer fleißig über eine Solidaritäts-Aktion mit AOSIS (der Verhandlungsblock der Small Island States) und dem afrikanischen Delegationsblock diskutiert. Danach, weil spazieren gehen und die Aufregung über unsere Entdeckung doch recht müde macht, fühlte ich mich nicht mehr in der Lage, konstruktiv an der Aktionsdebatte teilzunehmen. Deshalb nahm ich an einem Workshop unter dem Titel „Public Narrative“ von Oleg teil. Und Yeah! Ein weiteres Aha-Erlebnis. Wie können wir eine große Bewegung werden, die Jugend der Welt motivieren, Kräfte mobilisieren? Eine Möglichkeit ist „Public Narrative“ – erzähle Deine eigene, motivierende Geschichte. Warum kämpftst Du für Klimagerechtigkeit? Was war der Moment, an dem Du verstanden hast, was Du willst und das Du es schaffen kannst? Dann, erzähle die Geschichte von Uns. Wie können wir gemeinsam unsere Ziele erreichen? Was sind unsere gemeinsamen Werte und Überzeugungen, die uns Kraft geben? Und dann, erzähle die Geschichte vom Jetzt. Warum ist es genau jetzt wichtig, dass wir unsere Regierungen dazu bringen, im Interesse unserer und kommender Generationen zu handeln und die Klimaerwärmung zu begrenzen? Mache klar, wie dringend der Handlungsbedarf ist. Mache anderen Mut, für Ihre Zukunft, für Solidarität und Gerechtigkeit einzutreten. Setze der Angst und Apathie Hoffnung und Gemeinschaftsgefühl entgegen.


Gehen die Klimaverhandlungen wieder von vorne los?

7. Dezember 2011 von BUNDjugend

Nun ist schon Mitte der zweiten Woche der Klimaverhandlungen in Durban – und es geht nicht vorwärts.

2007 wurde im Rahmen des Bali Actions Plans festgelegt, dass die Verhandlungen um die zweite Verplichtungsperiode des Kyoto-Protokolls bis 2009 abgeschlossen sein sollen, um eine rechtzeitige Ratifizierung zu ermöglichen. Gleichzeitig soll in einer zweiten Arbeitsgruppe verhandelt werden, wie die USA in ein gemeinsames Abkommen einbezogen werden kann. Bei diesem Prozess handelt es sich um ein sogenanntes Mandat (= ein Auftrag, etwas zu tun). Leider ab es weder 2009 in Kopenhagen, noch 2010 in Cancun ein Ergebnis. Deshalb wurde dieses Mandat verlängert.

Zur Zeit kämpft die EU in Durban jedoch für ein neues Mandat, als ob es das Mandat von Bali nicht mehr geben würde: Ihr Ziel ist es, bis 2015 ein neues, globales und verbindliches Abkommen zu erschaffen und dieses bis 2020 zu ratifizieren. Dies ist jedoch viel zu spät, um einen Anstieg der durchschnittlichen Erdtemperatur von mehr als 2°C (geschweige denn die sicheren 1,5°C) bis zum Ende des Jahrhunderts zu vermeiden.

Und eben dieses Mandat verwendet die EU als Bedingung, um einer zweiten Verpflichtungsperiode im Rahmen des Kyoto Protokolls zuzustimmen. Diese zweite Verpflichtungsperiode ist mit den bisherigen Zusagen der verschiedenen Länder für Reduktionsverpflichtungen jedoch relativ unsinnig.

Außerdem möchte die EU das Kyoto Protokoll nicht erhalten, da es das einzig rechtlich verbindliche Klimaschutzabkommen bisher ist. Die EU möchte vielmehr die in ihm enthalten Marktmechanismen, wie den Europäischen Emissionshandel oder den Mechanismus für eine nachhaltige Entwicklung. Die es in den Industrieländern sehr viele Menschen gibt, die durch diese Marktmechanismen viel Geld verdienen, setzt sich die EU für eine Ausweitung der existierenden und neue Marktmechanismen ein, ohne dass dadurch tatsächlich oder nachhaltig Klimaschutz betrieben wird.

Auch was die Finanzierung für Länder des Globalen Südens für Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen angeht, geht es eher zurück als vorwärts. Die Vereinbarungen des „Copenhagen Accords“ – zunächst aufgrund des Vetos vieler Staaten von der Versammlung nur „zur Kenntnis genommen“ – wurden in Cancun angenommen. Allerdings ohne Zustimmung Boliviens (da laut der mexikanischen Verhandlungsführerin Konsens nicht Einstimmigkeit bedeute) und viele vom Klimawandel bedrohte Staaten wurden mithilfe der viel zu niedrigen, aber versprochenen Finanzierung für den Green Climate Fund unter Druck gesetzt. Angedacht waren gemeinsam USD 30 Milliarden in der Zeit von 2010-2012 und ein Anstieg auf bis zu USD 100 Milliarden jährlich ab 2020.

Nun ist es mal wieder die USA, die die Verhandlungen um den Green Climate Fund boykottiert: Statt eines Anstieg solle die Zusage eine einmalige Zahlung von USD 30 Milliarden und ab 2020 USD 100 Milliarden gemeint haben. Zwischen 2014 und 2020 soll es also laut USA keinerlei Zahlungen für die Länder des Globalen Südens geben. Es ist unklar, inwieweit es sich hierbei um eine verbindliche oder eine taktische Aussage handelt.

Und wenn es nach der USA geht, soll die Verwaltung des Green Climate Fund nicht unter der Aufsicht der gleichberechtigten Klimarahmenkonventions (jedes Land eine Stimme), sondern von der Weltbank (Stimmenmehrheit liegt bei den Industrienationen) geleitet werden. Mehr Infos dazu findet ihr hier.

Soviel erstmal dazu. Viele Grüße aus Brüssel, Marika


Unterstützung für Unterstützer

7. Dezember 2011 von BUNDjugend

Die Woche hier in Brüssel begann mit viel Schwung – und einer Skype-Konferenz mit Susi Hammel, die gerade in Durban vor Ort ist. Die erste Woche der Verhandlungen sind bereits vorbei und bei den vielen (fossilen und nur scheinbar funktionierenden) Windmühlen, gegen die die Jugendvertreter und die NGOs anzukämpfen haben kann auch ihnen Energie und Schwung nicht schaden. Der globale Klimaaktionstag letzten Samstag hat seinen Beitrag dazu geleistet, nun gilt es, die Agenda für die nächste Woche zu setzen um möglichst sichtbare Zeichen zu setzen, dass die Verhandlungen noch nicht vorbei sind, und es sich lohnt, weiter für effektiven Klimaschutz zu kämpfen.

Susi berichtet von der Notwendigkeit, der EU Dampf zu machen, damit die zweite Verpflichtungsphase des Kyoto-Protokolls tatsächlich zustande kommt. Das ist wichtig, damit es keine Lücke zwischen der ersten Phase und dem, was danach kommen soll gibt. Die erste Verpflichtungsphase endet mit dem Jahr 2012 – die Zeit drängt also, nachdem weder in Kopenhagen 2009, noch in Cancun 2010 ein Nachfolgeabkommen vorgelegt werden konnte. Jetzt bleibt also nur noch, zu verhindern, dass es ab Ende nächsten Jahres überhaupt keine verbindliche Vereinbarung mehr gibt, weiter Klimaschutz zu betreiben. Das ist nur möglich, indem das Kyoto-Protokoll eine zweite Verpflichtungsphase bekommt, da weitere Abkommen nicht vor allerfrühestens 2015, eher aber 2022 zu erwarten sind.

Die EU spielt nun mal wieder den Heilsbringer, indem sie sich daran interessiert zeigen, das Kyoto-Protokoll weiterlaufen zu lassen – allerdings unter Bedingungen, die höchst unfair sind. So werden zum Beispiel die Entwicklungsländer unter Druck gesetzt, indem die EU androht, Gelder zu kürzen, wenn diese keine eigenen Reduktionen machen.

Deshalb wird es am Mittwoch eine große Aktion in Durban geben, bei der die Jugendvertreter zusammen mit anderen NGOs die EU auffordern, das Kyoto-Protokoll beizubehalten, bedingungslos und ohne es durch den Emissionshandel noch schwächer zu machen, als es ohnehin schon ist. „We love KP“ wird der zentrale Slogan der Aktion sein.

Da können wir hier in Brüssel natürlich nicht stillsitzen und zuschauen! So waren weitere zentrale Punkte unseres Programms heute ein Aktionstraining, bei dem wir uns mit Methoden beschäftigt haben, wie man gewaltfrei seine Meinung zeigen kann. Mit der Gewaltfreiheit ist das natürlich so eine Sache: was in Deutschland normal ist, kann in Belgien dazu führen, dass die Polizei einen nicht gerade mit Samthandschuhen anfässt – in Russland bedeutet es vielleicht sogar das Ende der Karriere. Deshalb haben wir gelernt, was die rechtlichen Konsequenzen von Aktionen hier in Brüssel sein können und haben geübt, wie man deeskalierend mit der Polizei sprechen kann.

So sind wir gut ausgerüstet, um am Mittwoch selbst aktiv zu werden: eine Aktion, um unsere Solidarität zu zeigen, mit denen, die dort in Durban verhandeln – unermüdlich, um das am wenigsten Schlechte zu erreichen und so vielleicht Klimawandel unter 2°C zu halten und damit den Menschen, die zumeist keine Stimme haben, eine Chance zu geben.

 

Eure Jutta


Zweiter Tag in Brüssel

4. Dezember 2011 von

UNFCCC Workshop

Morgens gab es gleich zu Beginn eine anspruchsvolle Powerpointpräsentation über die Geschichte, den Hintergrund und Funktion der UNFCCC.

Oleg hat damit angefangen, wie er über seine politischen Aktivitäten u.a. zu Klimaverhandlungen mit der UNFCCC in Kontakt gekommen ist.

Momentan bereitet er regelmäßig Gruppen jugendlicher Aktiver auf Klimakonferenzen vor, indem er ihnen die Arbeitsweise und Verstrickung der Akteure erläutert.

Außerdem gab er auch noch einige Tipps zu Möglichkeiten vor Ort als junge Klimaaktivisten mitzumischen, wie zum Beispiel sich während der Verhandlungen für die unterrepräsentierten Länder des globalen Südens einzusetzen indem man an sie als weitere teilnehmende Person unterstützt.

Eine kleine aber feine Nebeninformation, die ich persönlich sehr interessant und anschaulich fand, war der Vergleich der jeweiligen Verhandlungsdauer zu Beginn der Klimakonferenzen vor 23 Jahren und heute.

Während man früher noch das Gefühl haben konnte, dass die teilnehmenden Politiker sich verantwortlich fühlten und dadurch auch Interesse hatten, die Verhandlungen voranzutreiben bzw. Ergebnisse hervorzubringen, merkt man heute immer wieder aufs Neue, dass in vielen Fällen einfach nur Zeit geschunden wird – Zeit die wir einfach nicht mehr haben.

In seiner Präsentation ist Oleg hauptsächlich auf die Struktur der Verhandlungen und die Rolle der verhandelnden Partner in diesen eingegangen.

Im Anschluss gab es deswegen auch noch einen ergänzenden Vortrag von Marika zu den konkreten Verhandlungsgegenständen in Cancun und Kopenhagen und den jeweiligen Ergebnissen.

Facilitating Workshop

„Facilitating“ lässt sich prinzipiell als „moderieren“ verstehen, auch wenn es wörtlich übersetzt „etwas bereitstellen / erleichtern / ermöglichen“ heißt.

Im Workshop ging es also um Fragen wie:

  • Wie mache ich einen bestimmten Entscheidungsfindungsprozess durch meine Moderation für eine Gruppe leichter?
  • Welche Werkzeuge kann ich dafür benutzen und inwieweit ist es sinnvoll auf jeden einzeln einzugehen?
  • Wann habe ich die Aufgabe bestimmten Mitgliedern der Gruppe klar zu machen, dass sie sich an die Diskussionsregeln halten sollen, die die Gruppe vorher für sich aufgestellt hat?

Der Workshop fing damit an, dass wir uns jeweils in Paaren gegenseitig ein von uns positiv oder auch negativ wahrgenommenes Beispiel einer Gruppenmoderation erzählt haben, während unser Gegenüber sich im „active listening“ geübt hat.

„Active listening“ soll die für einen Moderator wichtige Fähigkeit schulen, gerade Gehörtes kurz und bündig zu wiederholen – ohne an Inhalt einzubüßen.

Danach wurden die verschiedenen Moderationsmethoden vorgestellt mit ihren Stärken und Schwachstellen.

Zu guter Letzt gab es die Möglichkeit eine Proberunde zu Moderieren bzw. Feedback zu geben, wie gut man sich als Gruppe moderiert gefühlt hat.

 

Fotos gibt es wie schon bei meinem letzten Eintrag leider erst im Nachhinein.

Viele liebe Grüße, aber stattdessen aus Brüssel.

 


10.000 km: Brussel/Bruxelles – Durban (Demonstration)

4. Dezember 2011 von

Mit dem Wetter hatten wir heute Glück im Unglück – es hat zwar den ganzen Morgen über geregnet, allerdings nur bis zu einer Stunde bevor wir mit den gestern noch schnell gemalten Bannern losgezogen sind.

Trotz das der Boden nass war und mit Pfützen übersät und das reicht bei meinen vollkommen wasserdichten Schuhen ohne Löchern aus, um nasse Füße zu bekommen…

 

Auf der Solidaritätsveranstaltung zu Durban war eine bunte Mischung aller möglichen und vielleicht sogar unmöglichen (alle Angaben ohne Gewähr – ich spreche weder Flämisch, noch Französisch) Organisationen und Verbänden vertreten.

Mit dabei natürlich Greenpeace, Attac, kleine sozialistische Parteien et cetera pp.

In Bildern heißt das, es waren von Kühen,Drachen (hier: Dino-ähnliches Geschöpf) und Tauchern bis zu den unterschiedlichsten Fahrzeugen mit gewissen Ähnlichkeiten zu Fahrrädern und/oder Autos, teilweise mit einer vollständigen Samba-Besetzung, alles dabei. Es gab also viel zu sehen. [Bilder folgen]

 

Aber vielleicht sollte ich erst einmal etwas zu der Idee dahinter sagen:

Durban ist circa 10.000 km von Brüssel entfernt. Ziel war es, insgesamt – alle Demonstrant_innen gemeinsam – diese 10.000 km zurückzulegen um die gemeinsame Anteilnahme an den aktuellen Klimaverhandlungen in Durban zu zeigen.

Es sollen wohl um die 2.500-3.000 Demonstrant_innen anwesend gewesen sein, obwohl es mir persönlich viel mehr vorgekommen sind [auch hier gibt es die Bilder wieder etwas später], was also bedeutet dass jeder ungefähr 3,333(und so weiter..)- 4 km laufen musste.

 

Die Demoroute verlief quer durch die Stadt vom Gare du Nord bis zum Gare du Midi, wo es für alle die wollten einen Becher Suppe bzw. warmen Tee oder auch heiße Schokolade bekamen.

Dort und an verschiedenen Stellen auf der Zwischenstrecke gab es auch kleinere Bühnen mit Musik.

 

Was mir außer den verschiedenen Kostümen noch aufgefallen ist, ist die absolute Unauffälligkeit der anwesenden Polizei verglichen mit Demonstrationen in Deutschland. Am Ausgangspunkt der Demo habe ich mir noch die Mühe gemacht sie zu suchen bis ich ein kleines isoliertes Trüppchen gefunden habe. Dann habe ich noch die paar Polizist_innen gesehen, die uns (wegen sprachlichen Hürden alle Angaben ohne Gewähr) vermutlich gesagt haben wir sollen nicht über die große Straße, sondern den Rasen gehen. (Würde ich an dieser Stelle Klischees erfüllen wollen, würde ich erwähnen, dass das in Deutschland nie passieren würde…)

 

Naja, das war’s – auf bald mal wieder.

 


Durban ist endlich in Brüssel

4. Dezember 2011 von BUNDjugend

Gestern sind wir in Brüssel angekommen – uns steht eine Woche mit politischen Diskussionen, Workshops, Aktionen und Live Skype-Telefonaten mit Aktivisten aus Durban bevor.

Der Freitag startete recht entspannt. Wir haben uns kennen gelernt und das wunderbare Essen unseres Kochs Cyrill genossen.

Am Samstag haben wir zusammen mit der Federation of Young European Greens (FYEG) an einen Workshop mit David von Friends of the Earth Europe (FoEE) teilgenommen. In einem anschaulichen, doch recht unfairen Quiz („Well, climate change is unfair“) haben wir über Landressourcen in Form von Zeitungspapier gestritten. Der Vortrag endete mit der für die Klimaverhandlungen sehr treffenden Frage „Would you take a bus ride if you knew that you only had 33% chance of survival?“ …

Danach hatten wir unser erstes Morning (wohl eher Lunch) Meeting. Diese finden jeden Tag zu Beginn statt, um organisatorische Dinge und den Tagesablauf zu klären. Anschließend sind wir zur Demonstration im Rahmen des Global Day of Action gegangen. Mehr dazu (inklusive Fotos) später von Amani.

Vor der Demo haben wir allerdings noch kurz ein „I love KP“-Bild gemacht, um die Kampagne der International Youth bei den Klimaverhandlungen zur Rettung des Kyoto-Protokolls zu unterstützen. Zur Zeit versuchen Länder wie USA, Canada und Japan in Durban eine zweite Verpflichtungsperiode ab 2013 zu verhindern und stattdessen durch ein globales System allerdings mit freiwilligen, unverbindlichen und völlig unzureichenden Zusagen zu ersetzen (die bisherigen Zusagen würden uns zu einer Erwärmung von bis zu 5°C am Ende des Jahrhunderts führen und davon werden 65% der Reduktionen bereits von den Entwicklungsländern getragen). Bei dem Kyoto Protokoll handelt es sich leider bisher um das einzige Instrument mit verbindlich verpflichtenden Emissionsreduktionen.

Am Abend gab es dann unseren ersten Skype-Anruf nach Durban (leider ohne Videofunktion) mit Neva, Cat und Luke von UK Youth Climate Coalition (UKYCC). Sie haben uns von der Stimmung in Durban berichtet sowie einen groben Überblick über die aktuellen Verhandlungen, Aktionen und den Global Day of Action in Durban (viele Leute, motivierende Stimmung, sehr friedlich) gegeben.

Soviel zum ersten Tag von Durban in Brussels. Leider streiten wir uns hier recht viel mit dem Internet, weshalb ein tägliches Update manchmal schwierig erden könnte. Aber wir versuchen weiterhin, euch regelmäßig auf dem Laufenden zu halten!

Viele Grüße, Marika