BUNDjugend Blog - ... und jetzt noch die Erde retten!

40 % in da house!

24. Juni 2011 von

Ein Grund zum Feiern: Die EU beschließt, 40 % ihrer Treibhausgasemissionen bis 2020 zu senken, im Vergleich zum Niveau von 1990, und ohne Offsetting!

Der COP 17 in Durban wird kurzerhand in POC (Party of the Conference) umbenannt. Da nun auch die anderen Staaten nachziehen und sich in einer zweiten Verpflichtungsperiode mit ambitionierten Klimazielen bereit erklären, steht der Begrenzung des Klimawandels auf 1,5 °C nicht mehr viel im Wege.

Leider entspricht dieses Szenario nicht der Realität, sondern den Wünschen und Hoffnungen von uns TeilnehmerInnen des internationalen Seminars „Climate Justice – more than words“, dass vom 10.-18. Juni in Bonn stattfindet.

Wir feiern trotzdem und laden die Delegierten der Zwischenverhandlung in Bonn ein, auf die richtig große Party im November/Dezember in Durban ein. Damit setzen wir ein Zeichen dafür, wie Klimapolitik aussehen sollte.

Mit einem riesigen Banner „EU -40% in da house“, Luftballons und 40% „fair share“ Kuchen stehen wir am Freitag, den 17.Juni vor dem Maritim-Hotel in Bonn. Jugendliche Delegierte aus Polen, Deutschland, der EU und ein Sprecher der UN steigen auf das Podest verkünden wirklich ambitionierte Ziele. Jede Ankündigung wird von den Feiernden mit lauten Jubel und Gesang beglückwünscht.

„Celebrate good times – come on!“

Polen macht den Anfang und gibt die Entscheidung bekannt, dass sie einer 40% CO2-Reduktion der EU zustimmen werden.

Deutschland folgt diesem Beispiel und fordert die anderen EU-Staaten und die Staatengemeinschaft auf, es Ihnen gleich zu tun.

Kurz darauf folgt die Bekanntgabe der Entscheidung der EU, die Emissionen um mindestens 40% durch Einsparungen „zu Hause“ zu senken, und sich zu mit diesem Ziel in eine zweite Verpflichtungsphase des Kyoto-Protokolls zu begeben.

Daraufhin verkündet ein Vertreter der UN, dass bereits ausreichend Staaten sich mit hohen Reduktionszielen zu einer zweiten Periode des Kyoto-Protokolls verpflichtet haben, um den gefährlichen Klimawandel aufzuhalten und das Vertrauen in den UN-Prozess wieder herzustellen.

Juhu!

Wir kommen mit Delegierten ins Gespräch, hören, dass viele unsere Meinung teilen. Hören, dass dies ein erster Schritt wäre, um wieder Fortschritte in der interntaionalen Klimapolitik zu erziehlen.

Einige BeobachterInnen von Friends of the Earth International unterstützen uns, sowie eine Delegation von AktivistInnen aus Bolivien.

In der Pressekonferenz von Friends of the Earth International wird unsere Aktion und die Hintergründe wieder aufgegriffen und erklärt.

Ein Video (von Young Friends of the Earth Norway) findet ihr hier.

Tolle Fotos hat Adela geschossen.

Irgendwann werden wir gewinnen…

Ruth


„Climate Justice – more than words“

21. Juni 2011 von

8 Tage, 35 Jugendliche aus 16 europäischen Ländern, ein Thema: Klimagerechtigkeit.

Was bedeutet das für uns? Wie gerecht ist der Prozess der UN-Klimakonferenzen? Wie funktioniert Emissionshandel? Welches CO2-Budget haben eigentlich die verschiedenen Staaten? Welche Reduktionsziele liegen auf dem Tisch und wie müssten diese eigentlich aussehen, um den Klimawandel auf 2 °C oder besser 1,5 oder sogar 1°C zu begrenzen?

Was müssten unsere Regierungschefs und wir als Gesellschaft tun, um unserer Verantwortung gegenüber unseren Freunden aus den stärker betroffenen Regionen der Welt gerecht zu werden?

Diesen Fragen sind wir auf dem Klimagerechtigsketisseminar vom 10. bis 18. Juni 2011 in der Jugendakademie Walberberg auf den Grund gegangen, während parallel im Maritim Hotel die Klimaexperten und Gelegierten aus aller Welt auf der Klimazwischenkonferenz der UN über die Zukunft des Kyoto Protokolls und anderer Maßnahmen berieten.

Tag 1

Einen spannenden Einstieg liefert uns Hanna vom Wuppertal Institut mit ihrem Vortrag über wissenschaftliche Grundlagen des Klimawandels und einer Aufstellung, wie groß (bzw. klein) das CO2-Budget der einzelnen Staaten eigentlich nur noch sein dürfte. Sie stellt auch dar, wie die Auswirkungen des Klimawandels das Menschenrecht auf Nahrung bedrohen. Eigentlich ist es Aufgabe des Staates und der öffentlichen Institutionen, auf regionaler, nationaler und supranationaler Ebene die Grundversorgung der Menschen mit Nahrung sicherzustellen. Das bedeutet theoretisch, dass betroffene Menschen in z.B. Kamerun die Industriestaaten, die durch ihre langjährigen Treibhausgasemissionen für den Klimawandel verantwortlich sind, für die Verletzung ihrer Menschenrechte anklagen könnten. Nur gestaltet sich das in der Realität fast unmöglich.

In der Pause machen wir ein Foto für eine Solidaritätsaktion im Rahmen von No Nukes! Action Day, ausgerufen von Friends of the Earth Japan.

Am Nachmittag sindwaren die Teilnehmer an der Reihe. Sie stellen das Gesicht des Klimawandels in ihrem Land vor, indem sie den nationalen Energiemix, die Klimapolitik, das Bewusstsein und die Handlungsbereitschaft in der Bevölkerung und die evtl. vorhandene Klimagerechtigkeitsbewegung miteinander vergleichen. In sehr konzentrierter Atmosphäre lernen wir so, welche Staaten die europäische Klimapolitik bremsen oder voran bringen. Es wird deutlich, wo noch viel Öffentlichkeitsarbeit zur Bewusstseinsbildung der Menschen nötig ist. Die Frage kommt auf, warum die Menschen, denen sehr bewusst ist, dass der Klimawandel eine reale Bedrohung ist, und sie täglich daran mitwirken, doch effektiv wenig tun, um dem entgegen zu wirken.

Abends werden unsere Ergebnisse mit den Meinungen von drei Menschen aus stark betroffenen Regionen im globalen Süden konfrontiert. Jean-Paul aus Kamerun von den YOUNGOs*, Kwesi aus Ghana vom Third World Network Africa, und Marie Louise von den Philippinen, aktiv bei Jubilee South, die alle die Koferenz am anderen Ende Bonns kritisch beobachteten, erzählen uns eindrücklich, was die Entscheidungen der Industrienationen in ihren Heimatregionen anrichten.

Ein Beispiel aus Kamerun. Der Norden vertrocknet und versandet zusehends (Fachwort: Desertifikation) während der Süden von Überschwemmungen und dem Anstieg des Meeresspiegels bedroht ist. Viele Menschen fliehen schon heute, weil in ihren Heimatregionen die Lebensgrundlage verschwindet. Sie treffen sich in der Mitte, wo Überbevölkerung droht. Oder müssen ausweichen in andere Staaten. Meist sind es angrenzende Staaten, aber wäre es nicht eigentlich gerecht, wenn auch die EU, die maßgeblich zum Klimawandel beigetragen hat, Flüchtlinge aufnehmen würde? Jean-Paul dazu:

„Wir sind zur Klimakonferenz hierher nach Europa geflogen. Wir könnten auch einfach hier bleiben und dem Problem entfliehen. Aber wir gehen zurück und kämpfen für unsere Mitmenschen.“

Er ist stolz, die Opferrolle im Klimawandel zu akzeptieren, um sie mit Taten und Aktionen zu überwinden.

Kwesi erzählt vom Tafelberg, der bei der derzeitigen Erwärmung 2014-2015 komplett abzuschmelzen droht. Bisher sichert er die Trinkwasserversorgung der umliegenden Regionen. Bestimmte Regionen wie Afrika am Äquatorgürtel, werden von den durchschnittlichen Temperaturanstiegen ca. 1,5 mal so stark betroffen, d.h. ein Temperaturanstieg von durchschnittlichen 2°C bedeutet dort mindestens 3°C und viel stärkere Extreme.

Malou erzählt von Kraftwerken auf den Philippinen, die von Europäischen Entwicklungshilfegeldern finanziert werden. Die Energie ist immernoch teuer, die Gewinne kommen nicht der Bevölkerung zugute. Jetzt werden Bäume gepflanzt – von demselben Geld, das bis vor kurzem in ein Kohlkraftwerk floß. Und während sich bei uns in Deutschland der Atomausstieg manifestiert, werden in Entwicklungsländern von unseren Konzernen neue gebaut, und womöglich zukünftig als Klimaschutzmaßnahmen in den Emissionshandel eingerechnet.

Ein erster Tag wie eine Woche. Anstrengend – und voller Erkenntnisse.

Cheers, Ruth

*YOUNGOs – anerkannte Gruppe/constituency Jugendlicher aus NichtregierungsbeobachterInnen bei den UN-Klimakonferenzen


BUNDjugend auf dem Kirchentag

9. Juni 2011 von BUNDjugend

Vom 1. bis 5. Juni präsentierten wir mit vielen BUNDjugend-Aktiven auf dem 33. evangelischen Kirchentag in Dresden die Arbeit der BUNDjugend. Der Kirchentag bot eine gute Gelegenheit unsere Themen in die Öffentlichkeit zu tragen und neue Kontakte zu knüpfen. Bei strahlendem Sonnenschein konnten wir auf unserem BUNDjugend Stand im Zentrum Jugend, direkt an der Elbe, mit vielen interessierten Jugendlichen ins Gespräch kommen und unsere Kampagnen vorstellen.

Unser Zelt war stets gut besucht und brachte eine Vielfalt von jungen Menschen zu uns: junge Christen aus ganz Europa, Pfadfinder, Fußballfans, engagierte Umweltschützer und Eine-Welt AktivistInnen. Die Mischung der Besucherinnen und Besucher hat uns deutlich gemacht: Themen wie Fair Trade, Anti-Atom und Klimaschutz sind auch im christlichen Glauben wichtig. Es sind Themen die uns alle angehen und mit denen wir in unserem täglichen Leben und mit unserem Konsumverhalten ständig konfrontiert sind.

Durch die motivierten Helferinnen und Helfer am Stand konnten wir mehr als 400 UnterstützerInnen für unsere neue Kampagne „Die Geschichte des Fußballs“ gewinnen, die unsere Petition an den DFB für faire Sportartikel unterzeichneten. Neben dem großen BUNDjugend Zelt mit Kickertischen, hatten wir einen zweiten mobilen Infopoint in der Innenstadt aufgebaut. Hier haben engagierte BUNDjugend Aktive mit KirchentagsbesucherInnen über Atomkraft, die Energiewende und Klimaschutz diskutiert. Direkt an der Frauenkirche haben wir viele Postkartenhefte verteilt und die Menschen dazu aufgerufen sich an den Protestaktionen gegen die Atomindustrie zu beteiligen.

Für die BUNDjugend war der Kirchentag ein großer Erfolg, da wir mit unseren Materialien und Aktionen viele neue Jugendliche ansprechen und begeistern konnten. Es hat sich gezeigt, dass es wichtig ist über den eigenen Kreis hinaus aktiv zu sein und neue Menschen über unsere Projekte zu informieren.

Natürlich gehen die Kampagnen weiter. Also unterschreibt die Petition für faire Sportartikel auf www.die-geschichte-des-fussballs.de, besucht uns bei Facebook und bestellt euch die Postkartenheftchen zur Energiewende, um Eure Forderungen an Politiker, Wirtschaftsvertreter und die Bildzeitung zu schicken.

Und beim nächsten Stand freuen wir uns wieder über viele freiwilligen HelferInnen – vielleicht auf einem großen Musikfestival, einem Straßenfest oder dem Fußball-WM-Finale…