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„Überflutungen sind doch keine Seltenheit in Malaysia, oder?“ – Ein Interview über die Lage in einem vom Klimawandel betroffenem Land

8. November 2017

Das Interview wurde von Alexandra Struck geführt und ins Deutsche übersetzt.

Für uns in Deutschland ist es schwer vorstellbar, was der Klimawandel wirklich für das (alltägliche) Leben von Menschen bedeutet. Auf der Klimakonferenz COP23 unter der Präsidentschaft von Fidschi in Bonn haben wir Theiva Lingam von Friends of the Earth Malaysia getroffen, deren Heimat – jetzt gerade, während sie in Deutschland ist – direkt vom Klimawandel betroffen ist.

Alexandra: Was passiert gerade in Malaysia, während Du auf der Klimakonferenz bist?

Theiva: In den letzten zwei Tagen hatten wir starken Regen in nördlichen Staaten der malayischen Halbinsel. Penang, der Teil Malaysias in dem ich wohne, war aufgrund von zweitägigem Regen, der zu starken (Sturz-)Fluten führte, zu fast 80% unter Wasser. Meine Familie und meine Freunde leiden darunter. Menschen haben eine Menge wertvoller Gegenstände verloren und ich habe beinahe einen Kollegen und seine Tochter verloren, die versucht haben, ihren Verwandten, der bis zum Hals im Wasser feststeckte, zu retten. Sie mussten dazu – da ein Fluss in der Nähe überflutet war – durch hohes Wasser und starke Strömungen waten. Als die Strömung zu stark wurde, klammerten sie sich für zwei Stunden an einem Strommast fest, bevor die Feuerwehr sie gerettet hat. Die Rettungsdienste waren so überlastet. Und die Krankenhäuser waren ja auch voller Wasser. Ein paar neue gebaute Häuser und Straßen wurden durch Erdrutsche beschädigt oder zerstört. Und in den Nachrichten hieß es, dass sieben Menschen ums Leben gekommen sind. Zum Glück gibt es so viele lokale Organisationen die Essen oder Kleidung zur Verfügung stellen und den Menschen beim Aufräumen helfen. Mehr als 3000 Menschen mussten evakuiert werden. Ich bin mir nicht sicher, ob sie bereits zurückkehren konnten.

Alex: Wie kommst Du an diese ganzen Infos, obwohl Du hier in Bonn bist?

Theiva: Meine Leute halten mich auf dem Laufenden: Sie schicken mir Fotos und ich hab sie angerufen. Und über Social Media. Soweit ich weiß ist am Haus meiner Eltern alles ok, andere haben jedoch fast alles verloren.

Alex: Überflutungen sind jedoch keine Seltenheit in Malaysia, oder?

Theiva: Das stimmt, wir hatten schon viele Fluten und Sturmfluten, besonders bei Hochwasser – gerade beginnt die Monsun-Saison. Das meterologische Institut macht einen Taifun auf dem Weg nach Vietnam für die Folgen des Starkregens verantwortlich. Aber wir spüren, dass sich etwas verändert hat – das Klima betreffend. Die Wetterereignisse werden extremer: Der Regen und die Überflutungen werden stärker und es kommt häufiger zu Extremereignissen.

Alex: Was sind Deine Forderungen?

Theiva: Das könnte ich Dir zu diesem Zeitpunkt gar nicht sagen. Die Menschen sind noch dabei, das Ausmaß des Schadens zu beurteilen. Zerstörtes Eigentum. Autos. Dokumente. Und wir werden dafür sorgen müssen, dass keine Post-Flutkrankheiten auftreten.

Alex: Warum bist Du hier in Bonn auf der Klimakonferenz?

Theiva: Ich bin die regionale Zuständige für Friends of the Earth Asia Pacific. Ich bin hier, um die Mitgliedsorganisationen der Region zu unterstützen, die Stimmen der Betroffenen zu verstärken und dafür zu sorgen, dass sie die Politiker*innen erreichen. Unsere drei Forderungen sind: a) Lösungen für die vom Klima betroffenen Menschen zu finden, b) das Ende der Finanzierung von Kohle und c) das Ende der Exporte nuklearer Technologien von Korea, Russland und Japan an Entwicklungsländer. Um Anpassungsmaßnahmen und das „Loss und Damage“-Prinzip zu finanzieren, brauchen wir die reichen Länder.

Vielen Dank an Theiva Lingam für ihre Zeit, die sie sich für das Interview genommen hat.

 

 


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